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Einführung in die Schulpädagogik. Die Theorie des Bildungswesens nach Helmut Fend, die Struktur und Gliederung des Schulwesens in Bayern und das schulpädagogische Konzept nach Hartmut von Hentig

Ausarbeitung 2017 15 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Epoche der Aufklärung im Kontext von Gesellschaft und Schulentwicklung
1.1 Die Reform der Gesellschaft durch die Ideen der Aufklärung
1.2 Der Versuch einer Reform des Schulwesens durch Wilhelm von Humboldt

2. Die funktionalistische Theorie des Bildungswesens nach Helmut Fend
2.1 Fends Bild von Schule
2.2 Grundgedanken der Schultheorie
2.3 Funktion von Schule
2.3.1 Enkulturationsfunktion
2.3.2 Qualifikationsfunktion
2.3.3 Allokationsfunktion
2.3.4 Legitimation und Integration

3. Die Struktur und Gliederung des Schulwesens in Bayern
3.1 Die Dreigliedrigkeit
3.2 Mittelschulen
3.3 Wirtschaftsschulen
3.3 Die duale berufliche Ausbildung

4. Das schulpädagogische Konzept nach Hartmut von Hentig
4.1 Die Leitlinien seiner schulpädagogischen Konzeption
4.2 Kritische Reflexion

5. Quellenverzeichnis
5.1 Literatur
5.2 Internetquellen

1. Die Epoche der Aufklärung im Kontext von Gesellschaft und Schulentwicklung

Zu nächst soll die Epoche der Aufklärung, die im Grunde als „Geburt der Schule“[1] gilt, in den Blick genommen werden. Der Fokus wird hierbei besonders auf den Philosophen und Pädagogen Wilhelm von Humboldt (1767- 1835) gelegt.

1.1 Die Reform der Gesellschaft durch die Ideen derAufklärung

Das Zeitalter der Aufklärung war ein Zeitabschnitt zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert, der durch bestimmte Ideen und geistige Entwicklungen geprägt war. Allgemein versteht man unter dem Begriff "Aufklärung" das Vorhaben, durch Wissen und neue Erkenntnisse Antworten auf Fragen zu finden und Zweifel, Vorurteile oder falsche Annahmen auszuräumen. Im Zeitalter der Aufklärung wurde die menschliche Vernunft zum Maßstab eines jeden Handelns erklärt: Einer der wichtigsten Grundsätze der Aufklärung -„Sapere aude!“ („Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“) - wurde als Grundlage und Maß für Entscheidungen und Handlungen anerkannt. Man war vor allem bestrebt, sich von alten Denkweisen und früheren Vorstellungen zu befreien. Die Menschen sollten - anders als früher – mit ihrem Verstand denken und reflektieren und nichts als gegeben hinnehmen, ohne es mittels der Vernunft zu hinterfragt zu haben. Dies richtete sich vor allem gegen blinden Gehorsam gegenüber der Kirche und anderen Obrigkeiten, gegen Vorurteile und Aberglauben, z.B. den Hexenwahn. In den Augen der Aufklärer war allein der Verstand in der Lage, die Wahrheit ans Licht zu bringen und Vernunft sowie Freiheit das richtige Mittel, um die Menschen von Unterdrückung und Armut zu erlösen. Ein wichtiger Faktor war dabei die Bildung, denn ein Spruch, den wir heute noch kennen, war ebenfalls einer der Leitsätze der Aufklärung: "Wissen ist Macht". Dieser Satz wurde vom englischen Philosophen Francis Bacon geprägt und bedeutet, dass es einem Menschen erst durch Bildung und Wissen ermöglicht wird, seinen Verstand zu benutzen unDied eine eigenständige und unabhängige Person zu werden. Bildung und Wissenschaft sollten gefördert und in allen, auch und besonders den armen Schichten der Bevölkerung verbreitet werden. Die Aufklärer wollten Freiheit und Gleichheit für die Menschen sowie Toleranz gegenüber anderenReligionen- eine Forderung, die in der damaligen Gesellschaft äußerst neuartig und einschneidend war. Der Ruf nach Freiheit, Gleichheit undDemokratiewar deshalb so bahnbrechend und gewagt, weil die damalige Herrschaftsform der Absolutismus war. Es gab lediglich eine Person, die ohne Einmischung und Einschränkung herrschte. Zudem war die Gesellschaft inStändegegliedert - war man einem Stand zugehörig, war es kaum möglich, Mitglied eines anderen, möglicherweise höheren Standes zu werden. Die Ständegesellschaft teilte sich auf in Klerus, Adel sowieBürgerund Bauern. Ganz oben in der Ständeordnung standen im klerikalen Stand die Bischöfe und der Papst. Im Adelsstand standen die Fürsten, der König oder der Kaiser an der Spitze. Sie herrschten über den dritten Stand, zu dem der Großteil der Bevölkerung gehörte. Diese Ständeordnung sahen die Menschen damals als eine von Gott gegebene Ordnung an. Sie galt als unumstößlich. Zuerst trafen sich die Aufklärer nur im kleinen Kreis, aber nach und nach wurden die Ideen weiter verbreitet. Es wurden Lesegesellschaften gebildet, Philosophen begannen, an den Universitäten die Grundsätze der Aufklärung zu lehren und mit Hilfe der Kunst wollte man schließlich die breite Bevölkerung erreichen. zuvor war es üblich, dass Schriftsteller ihre Aufträge von Adligen oder von der Kirche erhielten, doch mit zunehmender Verbreitung des aufklärerischen Gedankenguts, begannen die Autoren und Dichter, für Verleger zu schreiben, die wiederum die Bücher und Schriften an andere Menschen verkauften. Die größten gesellschaftlichen Umbrüche zeigten sich allerdings zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als als Reaktion auf den verlorenen Krieg gegen die napoleonisch-französischen Revolutionsarmeen eine grundlegende Reform des preußischen Gesellschaftssystems begann. Besonders bedeutsam war dabei Einrichtung staatlich kontrollierter Schulen für alle Teile der Bevölkerung. Die preußischen Reformer, welche maßgebliches Vorbild der Gesellschaftsreformen anderer deutscher Länder waren, plädierten unter anderem auch für die Aufhebung der Leibeigenschaft, die Rechtsgleichheit aller Individuen und den Ausbau der wirtschaftlichen Selbstständigkeit des Einzelnen, sodass sich die Aufklärung durchaus auch in einer Verwaltungs- und Rechtsreform vollzog.

1.2 Der Versuch einer Reform des Schulwesens durch Wilhelm von Humboldt

Besagte sozialpolitischen Reformen sollten zudem durch eine Reform des Bildungswesens unterstützt und ergänzt werden. Bildung im Allgemeinen - insbesondere Schule - waren immer noch recht uneinheitlich und galten als der neu geschaffenen, freien (Wettbewerbs-)gesellschaft nicht gemäß, denn Bildung wurde nun auf dem Grundsatz definiert, dass die individuelle Leistung des/der Einzelnen wichtiger sei als dessen/deren soziale Herkunft. Besonders die Schule müsse daher der Jugend eine Art „Grundausstattung“ für ihr zukünftiges Leben in der neuen Gesellschaft in Form von grundlegenden Kenntnissen, Fertigkeiten und normativen Verhaltensweisen vermitteln. Jeder gesellschaftliche Stand sollte dabei beschult werden und zwar nicht in jeweiligen „Standesschulen“, wie man es zunächst zu tun pflegte, sondern in einer Art „Einheitsschule“. Wilhelm von Humboldt spielte bei der Umsetzung dieses neuhumanistischen, „modernen Schulwesens“ eine entscheidende Rolle. Seiner Meinung nach, dürfe jenes neue Schulwesen nicht mit der alten Vorstellung einer statischen Gesellschaft, in welcher der sozialer Stand, in den eine Person hineingeboren wird, die zukünftige soziale Position vorherbestimmt, korrespondieren, sondern müsse auf der Gegenvorstellung – nämlich einer sich dynamisch entwickelnden modernen bürgerlichen Gesellschaft - aufbauen.[2] Einen weiteren Ausgangspunkt für Humboldts schultheoretische Überlegungen bildeten die Begriffe „Freiheit“ und „Autonomie“ sowie die Mannigfaltigkeit der Situationen in der Wirklichkeit. Aus diesen Grund- und Vorbedingungen des Lebens definierte er daher als Ziel der schulischen Bildung die Selbstbildung zur Individualität, die die Vorbereitung auf und in das Hineinwachsen vielfältiger Situationen und Gegebenheiten der Umwelt sowie Vorbereitung auf den Umgang mit der Freiheit selbst sei. Da die Freiheit zurzeit der Aufklärung erstmals als Menschenrecht erkannt wurde und die Bildung nach Humboldt nun als ein notwendiges Mittel zum freien, autonomen Leben definiert war, wurde folglich auch die Bildung als Menschenrecht festgemacht. Um eine größtmögliche, standesunabhängige Einheitlichkeit des Schulwesens zu erreichen, wurde ein gestuftes Schulsystem mit einheitlichen Anforderungen in den jeweiligen Stufen auf der Basis des Prinzips der Durchlässigkeit entworfen. So entstand im Gegensatz zum vertikal gegliederten Standesschulwesen, „ein waagrecht gegliedertes Schulmodell, das in Form horizontaler Schulstufen, als aufeinander aufbauende Teile eines Gesamtsystems organisiert werden und prinzipiell allen Schülern den Übergang von der niederen zur höheren Stufe ermöglichen sollte.“[3] Um die individuelle Verschiedenheit der Talente und Lebenslagen der SchülerInnen zu fördern, unterteilte Humboldt das schulische Bildungsangebot in drei Bereiche: den linguistischen, den historischen und den mathematischen Lernbereich. Es sei dann, so Humboldt, die Aufgabe des Lehrers/ der Lehrerin zu beobachten, „bei welchem von diesen dreien der Schüler mit vorzüglicher Aufmerksamkeit verweilt“[4] Für die spätere Berufsausbildung solle es dann je nach erkannter Talente Spezialschulen geben, in denen für den künftigen Beruf notwendige Kompetenzen, Fähigkeiten und Fertigkeiten erlernt werden sollen. Grundsätzlich war vorgesehen, dass alle Bildungsstätten dem Lernen eine neue Bedeutung geben. Das Lernen sollte in jeder Bildungsinstitution als ein „Medium“ zur Begegnung mit der kulturellen Überlieferung und damit auch zur prägenden Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit werden. Zudem betonte Humboldt immer wieder den sozialen Aspekt des Lernens und plädierte deswegen für Lernpartner- und -patenschaften sowie für die Einführung verschiedener SchülerInnenämter. Schule und Unterricht wurden damit also erstmals Momente des Lernens, welche die SchülerInnen aktiv mitgestalten und mitbestimmen konnten.

Obwohl Humboldts Ideen im Königsberger Schulplan vorgestellt und auch von seinen Gegnern als sehr modern gewürdigt wurden, blieben seine schultheoretischen Überlegungen für die Einrichtung des öffentlichen Schulwesens nur eine kurze Periode. Letzten Endes setzte sich die Vorstellung eines eines eher restriktiven Schulsystems durch, doch während des gesamten 19. Jahrhunderts blieb Humboldts Schulreform in der Bildungsdiskussion präsent.

2. Die funktionalistische Theorie des Bildungswesens nach Helmut Fend

Im Folgenden soll der Blick auf den Bereich der Schultheorie gerichtet werden. Hier wird allgemein zwischen systemtheoretischen und funktionalistischen Theorien unterschieden. Helmuts Fends Modell ist in letzteren Bereich einzuordnen.

2.1 Fends Bild von Schule

Helmut Fend beschreibt seine Gedanken und Vorstellungen zum Schulsystem in der Metapher einer musikalischen Aufführung. Er vergleicht es mit der Aufführung eines Musikstücks „das Tag für Tag vierzig Wochen im Jahr aufgeführt“[5]. Die Besonderheit dieses Kunst-Werks, so Fend, läge darin ,dass es an Zuschauern mangele. Diejenigen, an die es sich richte, spielen selbst mit und Wohlklang oder auch Disharmonie würde durch deren Mitwirkung und Einsatz erzeugt.[6] Ebenfalls charakteristisch für die Schule, ausgehend von Fends Metapher, ist einerseits die Differenz zwischen den vorgegebenen Regulierungsinstrumenten (z.B. Schulgesetze, staatliche Vorgaben, Lehrpläne usw.), Funktionen sowie Aufgaben der Schule in der Gesellschaft (quasi die „Partitur“) und andererseits dem konkreten pädagogisch-didaktischem Geschehen in den einzelnen Schulen vor Ort, die für Fend (nochmals unter Bezugnahme auf seine Metapher) die „Aufführungsorte“ sind. Schulen sind demnach für den Pädagogen in gewisser Weise kundenorientierte Dienstleistungsbetriebe und SchülerInnen wie auch Eltern sind damit Nutzungsakteure.[7] Die Schule macht den Kindern und Jugendlichen ein Angebot an Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten und damit an Bildung, die diese dann auf unterschiedliche Art und Weise für sich persönlich nutzen (können). Damit dies gelingt, so Fend weiter, müsse man aber sowohl von der Individualität der einzelnen SchülerInnen als auch von der jeweiligen Einzelschule ausgehen.

2.2 Grundgedanken der Schultheorie

Entscheidend bei der Schultheorie Fends ist, dass das Bildungswesen als „institutioneller Akteur der Menschenbildung dient.“[8] Er sieht daher in den Bildungssystemen, gestützt auf die Systemtheorie, die von makro- und mikrostrukturellen sozialen Systemen ausgeht, institutionelle Akteure, die im Auftrag externer Akteure (z.B. Staat) handeln und mittels Lehr- und Lernprozesse als wünschenswert definierte psychische Dispositionen bei den SchülerInnen und damit der neuen Generation erzeugen. Durch die Vermittlung von Wissen, Kompetenzen und der jeweiligen Kultur, vollzieht sich nach Fend auch eine „Seelenarbeit“[9] die wiederum die „Humangestaltung“[10] - kurzum individuelle psychische Ressourcen und Werte erweitert und fördert. Hierbei ist es allerdings wichtig, dass die Lehrkräfte, die ihnen vorgegebenen Bildungsaufträge der „externen Akteure“ (Staat) adäquat „übersetzen“. Es bedarf nämlich einer dynamischen Rekontextualisierung, einer an der momentanen Lebenswirklichkeit der Heranwachsenden orientierten Reinterpretation des Lernstoffes. Da Bildung, so Helmut Fend, eine von Menschen gestaltete Wirklichkeit ist, gilt es fortwährend zu untersuchen, welche aktuellen, handlungsmächtigen Gestaltungsfaktoren es gibt und diese dann als neue Instrumente vorzuschlagen, die für die weitere Gestaltung des Bildungswesens wichtig sein können.[11]

2.3 Funktion von Schule

Helmut Fend unterscheidet allgemein zwischen gesellschaftlichen und individuellen Funktionen des Bildungswesens in der Moderne. Aus gesamtgesellschaftlicher Sicht sind für Fend „Reproduktion und Innovation der Strukturen von Gesellschaft und Kultur“[12] die zentralen und übergreifenden gesellschaftlichen Funktionen des modernen Bildungssystems.

[...]


[1] Gerstner, 2008, S. 42

[2] Vgl. Gerstner, 2008, S. 43

[3] Gerstner, 2008, S. 45

[4] Humboldt, 1996, Band IV, S. 170 in Gerstner, 2008, S. 46

[5] Fend, 2008, S. 15

[6] Vgl. Fend, 2008, S. 15

[7] Vgl. Fend, 2008, S. 229

[8] Fend, 2008, S. 169

[9] Fend, 2008, S.169

[10] Fend, 2008, S.169

[11] Vgl. Fend, 2008, S. 189

[12] Fend, 2008, S. 54

Details

Seiten
15
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668602762
ISBN (Buch)
9783668602779
Dateigröße
627 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v386144
Institution / Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
1,3
Schlagworte
Pädagogik Schulpädagogik Humboldt Hartmud Fend Schulwesen Bayern

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Titel: Einführung in die Schulpädagogik. Die Theorie des Bildungswesens nach Helmut Fend, die Struktur und Gliederung des Schulwesens in Bayern und das schulpädagogische Konzept nach Hartmut von Hentig