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Auswirkungen von Ratings auf das Controlling internationaler Unternehmen. Anforderungen an eine ratingorientierte Unternehmenssteuerung

Seminararbeit 2016 19 Seiten

BWL - Controlling

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen des Ratings und Controllings
2.1 Begriffsdefinition des Controllings
2.2 Rating
2.2.1 Begriffsdefinition und Abgrenzung
2.2.2 Ratingverfahren
2.2.3 Ratingdurchführung

3 Anforderungen an eine ratingorientierte Unternehmenssteuerung
3.1 Controlling als Informationslieferant
3.1.1 Informationsversorgung
3.1.2 Kommunikation
3.2 Controlling als Bewertungsobjekt
3.2.1 Informationserfassung und -verarbeitung
3.2.2 Planung
3.2.3 Steuerung und Kontrolle

4 Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

„There are two superpowers in the world today in my opinion. There’s the United States and there’s Moody’s Bond Rating Service. The United States can destroy you by dropping bombs, and Moody’s can destroy you by downgrading your bonds. And believe me, it’s not clear sometimes who’s more powerful.”[1]

Insbesondere Ereignisse wie zum Beispiel die unerwartete Absenkung der ThyssenKrupp AG Unternehmensanleihe durch die Ratingagentur Standard & Poor’s am 21. Februar 2003 um zwei Stufen auf Non-Investment Grade und die damit einhergehenden starken Kursverluste am Veröffentlichungstag, reflektieren die Macht der Ratingagenturen. Das gilt vor allem dann, wenn institutionelle Marktteilnehmer, unabhängig von der eigenen Beurteilung, die Wertpapiere aufgrund einer Herabsetzung des Investment Grade abstoßen müssen.[2] Mit einem guten Rating steigt hingegen das Ansehen bei Investoren und Kreditgebern, aber auch bei Kunden, Lieferanten und Geschäftspartnern.[3] Ratings sind in Anbetracht einer Vielzahl von bedeutenden Unternehmensinsolvenzen in den vergangenen Jahren stark in den Fokus gerückt und haben sich längst zu einem grundlegenden Funktionsparameter der Finanzmärkte entwickelt.[4]

Unabhängig ob Kredit- oder Kapitalmarktfinanzierung, das Rating für die Kapitalbeschaffung ist unabdinglich. Während sich bei der Finanzierung über Bankkredite jedes Unternehmen nach Basel II, dem Eigenkapitalstandard der Banken, einem Rating unterziehen muss, fordern die Investoren im Rahmen einer Kapitalmarktfinanzierung ebenfalls ein Rating. Somit hat sowohl das interne Rating durch Banken, als auch das externe Rating durch Ratingagenturen Auswirkungen auf das Controlling.[5] Vor diesem Hintergrund ist die Integration einer ratingorientierten Unternehmenssteuerung im Unternehmen erforderlich. Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist, die wesentlichen Anforderungen und Schnittstellen eines ratingorientierten Steuerungssystems aufzuzeigen. Hierzu werden die verschiedenen Auswirkungen auf das Controlling ausführlich untersucht. Damit kann ausgehend von den Erkenntnissen dieser Arbeit ein Steuerungskonzept entwickelt werden, welches den Anforderungen der Banken und Ratingagenturen gerecht wird.

Um die Auswirkungen von Ratings auf das Controlling zu untersuchen, ist die Arbeit in vier Kapitel aufgegliedert. Im Folgenden werden die Grundlagen des Ratings und Controllings aufgezeigt. Aufbauend auf den grundlegenden Informationen wird im Hauptteil auf die Anforderungen einer ratingorientierten Unternehmenssteuerung eingegangen. Im abschließenden Kapitel werden die wesentlichen Ergebnisse zusammengefasst und die zukünftige Entwicklung dargelegt.

2 Grundlagen des Ratings und Controllings

2.1 Begriffsdefinition des Controllings

Da das Controlling einen zentralen Gegenstand der vorliegenden Arbeit darstellt, wird in diesem Abschnitt eine prägnante Begriffserklärung vorgenommen.

„Controlling ist die zielbezogene Unterstützung von Führungsaufgaben, die der systemgestützten Informationsbeschaffung und Informationsverarbeitung zur Planerstellung, Koordination und Kontrolle dient; es ist eine rechnungswesen- und vorsystemgestützte Systematik zur Verbesserung der Entscheidungsqualität auf allen Führungsstufen der Unternehmung.“[6]

Im Rahmen des Controllings ist zwischen dem Controlling als Funktion und als Institution zu differenzieren. Dabei übernimmt die funktionale Ausprägung des Controllings Teilaufgaben aus dem Managementprozess. Hierunter fallen bspw. Planungs- und Kontrollaufgaben. Die institutionale Ausprägung agiert hingegen als Führungsunterstützungsfunktion. In dieser Variante werden Planungs- und Kontrollprozesse koordiniert und das Management im Entscheidungsprozess mit Informationen versorgt.[7]

2.2 Rating

2.2.1 Begriffsdefinition und Abgrenzung

Der Begriff „Rating“ bezeichnet zum einen die Vorgehensweise, mit der die Kreditwürdigkeit des Unternehmens festgestellt wird und zum anderen das Ergebnis einer solchen Analyse.[8] Im Unterschied zum Ranking, wo eine Rangfolge der Objekte erstellt wird, werden die Ratingobjekte anhand einer Ratingskala klassifiziert.[9] Die ersten extern erstellten Ratings sind zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch die amerikanischen Ratingagenturen Standard & Poor‘s, Moody‘s und Fitch erstellt worden. Zu dieser Zeit sollten die stark durch Anleihen finanzierten Eisenbahngesellschaften in den USA analysiert werden und damit den Investoren eine Risikoeinschätzung über bestehende oder potenzielle Investments vermitteln.[10]

Auch heutzutage legt das Rating eine Meinung zu den mit einem Investment verbundenen Risiken offen und ermöglicht Investoren somit mehr Transparenz.[11] Grundsätzlich hat der Kapitalnehmer (Unternehmen) einen Informationsvorsprung hinsichtlich seiner Liquidität, sowie seinen Erfolgs- und Risikofaktoren. Das Rating übernimmt die Aufgabe, die angesprochenen Informationsasymmetrien zu reduzieren. Ferner soll die internationale Vergleichbarkeit erfüllt sein und somit einen neutralen Wettbewerb am Kapitalmarkt gewährleisten.[12] Dagegen ist kritisch einzuwenden, dass bspw. die abweichende Bilanzierung im internationalen Kontext zu einer eingeschränkten Vergleichbarkeit von Ratingurteilen führt.[13] Gute Ratingsysteme zeichnen sich somit durch eine Berücksichtigung der unterschiedlichen Rechnungslegungsstandards aus.[14] Anders sieht es zum Beispiel bei der Bewertung von Wechselkursrisiken oder der Prognose von wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aus. Hier stoßen Ratings regelmäßig an ihre Grenzen, sodass durch zukünftige Unsicherheiten Fehlurteile entstehen können.[15] In der Literatur wird abhängig von dem beauftragten Institut zwischen bankinternen und externen Ratings unterschieden. Diese beiden Verfahren werden im folgenden Abschnitt 2.2.2 gegenübergestellt.

2.2.2 Ratingverfahren

Ratings entstehen innerhalb eines internen Ratings durch Kreditinstitute oder einem externen Rating durch Ratingagenturen. Das externe Rating erfolgt formal auf Initiative des Unternehmens. Investoren können jedoch ein Rating zur Voraussetzung eines finanziellen Engagements fordern, sodass der Bewertungsanlass schließlich von den Geldgebern herbeigeführt wird. Bei der Auswahl einer externen Ratingagentur hat die Unternehmensgröße entscheidenden Einfluss. Während für internationale Konzerne das Rating durch renommierte Agenturen wie bspw. Standard & Poor’s oder Moody’s durchgeführt wird, kommen für mittelständische Unternehmen auch andere Ratingagenturen in Betracht.[16] Bei dem Rating durch Ratingagenturen wird zwischen dem Emissions- vs. Emittentenrating, dem Auftraggeber des Ratings und dem Zeithorizont unterschieden. Während das Emissionsrating (Issue Rating) auf einen speziellen Finanztitel eines Emittenten abzielt, bezieht sich das Emittentenrating (Issuer Rating) auf die generelle Fähigkeit des Unternehmens, seinen Zahlungen nachzukommen.[17]

In der vorliegenden Arbeit wird der Fokus auf das Emittentenrating und den damit einhergehenden Auswirkungen auf das Controlling gelegt. Im Rahmen des Emittentenratings wird zwischen beauftragten (solicited) und unbeauftragten (unsolicited) Ratings unterschieden. Bei den unbeauftragten Ratings wird die Ratingagentur ohne Auftrag und auf eigene Rechnung aktiv. Das Rating basiert dabei lediglich auf frei zugänglichen Daten und kann aufgrund der limitierten Informationen zu Fehleinschätzungen führen.[18] Bei dem in der Praxis üblichen Standard der beauftragten Ratings wird hingegen die Ratingagentur von dem Unternehmen gegen Bezahlung in Auftrag genommen.[19] Aufgrund der höheren praktischen Relevanz wird im weiteren Verlauf ausschließlich auf die beauftragten Ratings eingegangen.

Im Unterschied zu externen Ratings werden bankinterne Ratings nicht gegenüber Dritten offengelegt. Ferner verbinden Kreditinstitute, anders als die Ratingagenturen, die Bonitätseinstufung mit einer eigenen Finanzierungsentscheidung.[20] Obwohl weder Banken noch Ratingagenturen ihre Beurteilungskriterien nicht vollständig offenlegen, sind die entscheidenden Faktoren dennoch bekannt. Dabei sind bei näherer Betrachtung keine fundamentalen Unterschiede zwischen Banken und Ratingagenturen ersichtlich. Dennoch liegen Unterschiede in der Gewichtung der einzelnen Kriterien vor.[21]

Sowohl bei externen, als auch bei bankinternen Ratings werden innerhalb des Ratingprozesses die Erfolgs- und Risikofaktoren objektiv und zukunftsbezogen bewertet. Um eine Vergleichbarkeit zwischen den verschiedenen Analysen herzustellen spiegelt das Ergebnis im Ratingurteil ein Ratingsymbol wieder, welches mit der Ausfallwahrscheinlichkeit verknüpft ist. Dabei bilden mehrere Ratingsymbole eine Bonitätsklasse.[22] Auffällig ist jedoch, dass bis heute keine Einheitlichkeit der einzelnen Ratingstufen vorliegt. Neben den durch das Unternehmen beeinflussbaren Kriterien, fließen auch nicht beeinflussbare Kriterien, wie zum Beispiel die Branchenentwicklung in das Ratingurteil ein.[23] Die weiteren Ausführungen der vorliegenden Arbeit sind auf branchenunabhängige Kriterien beschränkt. Um den Grundlagenteil abzuschließen, wird letztlich in Abschnitt 2.2.3 auf die Ratingdurchführung eingegangen.

2.2.3 Ratingdurchführung

In der Literatur wird zwischen quantitativen und qualitativen Beurteilungskriterien unterschieden. Die quantitativen Kriterien basieren auf den Informationen aus dem Jahresabschluss und der Kapitalflussrechnung der Vorjahre und bilden die Grundlage zur Beurteilung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage.[24]

Um festzustellen, ob das Unternehmen über die notwendigen Vermögenswerte zur Leistungserstellung verfügt und ob diese Ausstattung den Branchenerfordernissen entspricht, wird eine Analyse der Vermögenslage durchgeführt. Besonders relevant zur Beurteilung der langfristigen Unternehmensfortführung des Unternehmens ist die Eigenkapitalquote, welche eine Aussage über die Risikotragfähigkeit ermöglicht.[25] Im Rahmen der Finanzlage wird die Kapitalflussrechnung innerhalb der zeitraumbezogenen Liquidität herangezogen. Dadurch sind die Analysten in der Lage, die vorhandene Liquidität mit den Verbindlichkeiten in Relation zu setzen und somit Aussagen zu möglichen Zahlungsstörungen zu treffen. Der nachhaltige Erfolg und dessen Aufteilung auf die Geschäftsfelder werden in der Analyse der Ertragslage ermittelt. Hierfür werden Rentabilitätskennzahlen, wie zum Beispiel die Umsatz- oder Gesamtkapitalrentabilität herangezogen.[26]

Neben der Beurteilung der VFE-Lage werden mit Hilfe von Zeit- und Betriebsvergleichen der letzten Geschäftsjahre Trendanalysen erstellt, um positive oder negative Geschäftsentwicklungen zu erkennen.[27] Durch die Analyse der quantitativen Kriterien kann der Analyst eine erste Einschätzung des Unternehmens vornehmen. Dabei ist fraglich und kritisch einzuwenden, ob und inwiefern bilanzpolitische Spielräume ausreichend berücksichtigt werden können. Die Ausgestaltung der Abschreibungsdauer, sowie die Bildung bzw. Auflösung von stillen Reserven und Lasten sind mögliche Aspekte, die berücksichtigt werden sollten.

Aufgrund der begrenzten Aussagefähigkeit der vergangenheitsorientierten Kennzahlen und dem bilanzpolitischen Potential, wird die Analyse durch qualitative Kriterien ergänzt.[28] Im Vergleich zu den quantitativen Kriterien, welche zum größten Teil aus dem Jahresabschluss ableitbar sind, sind für die qualitativen Kriterien detailliertere Informationen sowie intensive Managementgespräche erforderlich. Die qualitativen Kriterien beschäftigen sich mit der zukünftigen Entwicklung des Unternehmens und beurteilen die Voraussetzungen für den zukünftigen Erfolg oder Misserfolg. Bei der Beurteilung werden das Informationsverhalten, die Qualität des Managements und Controllings, das Unternehmens- und Branchenumfeld, sowie etwaige Länderrisken analysiert.[29] Dabei stellen die quantitativen Kriterien bzw. Kennzahlen teilweise die Grundlage für die qualitativen Kriterien dar. In Erscheinung tritt dies insbesondere bei Planungen. Durch die schwierige Datenlage sind die qualitativen Kriterien, im Gegensatz zu den quantitativen Kriterien, jedoch nur eingeschränkt, mit hohem subjektiven Charakter messbar.[30]

In der Praxis legen vor allem externe Ratingagenturen ihren Prüfungsschwerpunkt auf die qualitativen Kriterien. Diese Vorgehensweise erscheint plausibel, da Ratings ein Urteil über die zukünftige Entwicklung des Unternehmens geben.[31] Neben den Eigenschaften des Managements, wie zum Beispiel der Qualifikation oder Motivation, spielt die Glaubwürdigkeit eine elementare Rolle. Gleichwohl ist die Richtigkeit der Bewertung dieser Kriterien dahingestellt und die Subjektivität kritisch zu sehen.[32] Im weiteren Verlauf der Arbeit wird der Fokus auf die Auswirkungen des Controllings gelegt und somit auf einen beeinflussbaren Faktor des Unternehmens. Die in Abschnitt 2.2.3 beschriebenen qualitativen und quantitativen Beurteilungskriterien sind dabei in das in Kapitel drei thematisierte ratingorientierte Controlling-System im Unternehmen zu integrieren.

[...]


[1] Friedman (1996), PBS, Free Market Society, Transcript of interview between Gergen and Friedman, zitiert aus Gerke et al. (2005), S. 203.

[2] Vgl. Gerke et al. (2005), S. 203ff.

[3] Vgl. Büschgen et al. (1996), S. 50.

[4] Vgl. Wieben (2004), S. 2ff.

[5] Vgl. Müller et al. (2004), S. 372.

[6] Reichmann (2006), S. 13.

[7] Vgl. Horváth (2009), S. 746ff.

[8] Vgl. Reichling et al. (2007), S. 45.

[9] Vgl. Wieben (2004), S. 6.

[10] Vgl. Langer et al. (2013), S. 39.

[11] Vgl. Heim (2006), S. 17.

[12] Vgl. Gerke et al. (2005), S. 207.

[13] Vgl. Weber et al. (2004), S. 16ff.

[14] Vgl. Schneck et al. (2003), S. 108.

[15] Vgl. Büschgen et al. (1996), S. 51.

[16] Vgl. Grunow et al. (2006), S. 122ff.

[17] Vgl. Reichling et al. (2007), S. 45.

[18] Vgl. Weber et al. (2004), S. 11.

[19] Vgl. Weber (2008), S. 327.

[20] Vgl. Wieben (2004), S. 6.

[21] Vgl. Schneck et al. (2003), S. 87.

[22] Vgl. Weber (2008), S. 325ff.

[23] Vgl. Reichmann et al. (2012), S. 451.

[24] Vgl. Guserl (2014), S. 80ff.

[25] Vgl. Weber et al. (2004), S. 13.

[26] Vgl. Weber et al. (2004), S. 14.

[27] Vgl. Schneck et al. (2003), S. 109.

[28] Vgl. Flacke (2006), S. 74.

[29] Vgl. Weber (2008), S. 328ff.

[30] Vgl. Schneck et al. (2003), S. 108ff.

[31] Vgl. Schneck et al. (2003), S. 106.

[32] Vgl. Weber et al. (2004), S. 18ff.

Details

Seiten
19
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668602038
ISBN (Buch)
9783668602045
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v385672
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
Schlagworte
auswirkungen ratings controlling unternehmen anforderungen unternehmenssteuerung

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