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Die Förderung der Analysekompetenz im Fach Politik und Wirtschaft. Eine Unterrichtssequenz über die politische Kommunikation der Parteien in der BRD

Examensarbeit 2016 40 Seiten

Didaktik - Politik, politische Bildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Planung
2.1. Sachanalyse und Begründung des Themas
2.2. Lerngruppenbeschreibung und Lernausgangslage
2.2.1.Lerngruppenbeschreibung und äußere Rahmenbedingungen
2.2.2.Lernausgangslage des fachlichen Wissen und Könnens
2.3. Didaktische Überlegungen
2.3.1.Exemplarisches Lernen
2.3.2.Handlungsorientierung
2.3.3.Wissenschaftsorientierung
2.3.4.Problemorientierung
2.4. Methodische Überlegungen
2.5. Kompetenz- und Zielformulierung der Unterrichtssequenz

3. Durchführung
3.1. Überblick über die Unterrichtssequenz
3.2. Erste ausgewählte Stunde: Der Galeriegang
3.2.1.Planung der ersten ausgewählten Stunde
3.2.2.Durchführung und Reflexion der ersten ausgewählten Stunde
3.3. Zweite ausgewählte Stunde: Wahlplakate der Bundestagswahl 2013
3.3.1.Planung der zweiten ausgewählten Stunde
3.3.2.Durchführung und Reflexion der zweiten ausgewählten Stunde

4. Evaluation und Gesamtreflexion

5. Literatur
5.1. Monografien
5.2. Sammelbände
5.3. Internetquellen
5.4. Unterrichtsmaterialien

6. Anhang
6.1. M1 Fragebogen (Auswertung)
6.2. Advance Organizer
6.3. Die Parteiensteckbriefe im Vergleich
6.4. Wahlplakatanalyse (Lerntempoduett)
6.5. Parteien Lernplakate
6.6. Parteien Wahlplakate

1. Einleitung

Die deutsche Demokratie wird durch eine Vielzahl an Wahlen auf den verschiedenen politischen Ebenen gekennzeichnet. Weil immer mehr Menschen nicht mehr zu den Wahlen gehen, stellen die Nichtwähler bei den Kommunalwahlen teilweise schon die Mehrheit. Liegt es an der Politikverdrossenheit oder an dem mangelnden Wissen über die politischen Prozesse? In der Reflexion der Unterrichtseinheit hat ein Schüler1 dieses Dilemma sehr gut auf den Punkt gebracht: ÄIch persönlich fand den Unterricht [die Unterrichtssequenz] eigentlich ganz gut, obwohl mich manche Themen nicht besonders interessiert haben […].“ Wenn Unterrichtsthemen uninteressant sind, müssen sie für den Schüler motivierend und verständlich unterrichtet werden. Mit einem handlungsorientierten Unterricht kann man die Schüler motivieren und beeinflussen, sich auf das Thema einzulassen. Mit dem folgenden Zitat kann man deshalb sehr gut die im Rahmen der pädagogischen Facharbeit durchgeführten Unterrichtssequenz charakterisieren.

Ä‚Die Anfertigung von Plakaten als handlungsorientierten Zugang dient dem näheren Verständnis der Machart, die darin besteht, dass bestimmte Zielgruppen zu bestimmten Zwecken angesprochen werden sollen‘ (Schelle 2002,127). Besonders für den Unterricht der politischen Bildung besitzt das politische Plakat ein Lernpotenzial. Indem Schülerinnen und Schüler Wahlplakate analysieren, schulen sie sowohl ihre politische Analyse- als auch ihre Urteilsfähigkeit. […] Plakate dienen ganz bewusst der Meinungsbildung, sie wollen ansprechen, irritieren, provozieren und vor allem gesehen werden.“2

Das Zitat zeigt, dass die Analysekompetenz für das Verstehen und Interpretieren von Wahlplakaten sehr wichtig ist. Durch eine differenzierte Betrachtung fördern die Schüler gleichzeitig ihre Urteilskompetenz. Die Schüler müssen analysieren, warum jemand sich nicht von den Wahlzielen der Parteien angesprochen fühlt und warum die Parteien im Wahlkampf, im Rahmen der politischen Kommunikation, unter anderem durch Wahlplakate, die Chance haben diese Nichtbeteiligung an Wahlen zu verhindern. Durch eigene Wahlplakate sollen die Schüler die Bürger ansprechen an der Wahl teilzunehmen und ihre bearbeitete Partei zu wählen.

Die Unterrichtssequenz hat für die Schüler einen hohen Lebensweltbezug, da sie sich auf aktuelle Ereignisse übertragen lässt. Die Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und in Sachsen-Anhalt haben im Frühjahr 2016 die Parteienlandschaft verändert. Mit den Grünen regiert nun eine etablierte „Kleinpartei“ mit einer zur Junior- Partner geschrumpften CDU. In Sachsen-Anhalt hat die AfD ein überraschend hohes Wahlergebnis erhalten und bereitet damit den etablierten Parteien ein Problem in der Regierungsbildung. Die Zeiten von Koalitionen mit nur zwei Parteien scheinen zunehmend schwerer zu werden, was man unter anderem auch in Rheinland-Pfalz beobachten kann.3 Doch auch die Kommunalwahlen in Hessen standen im März 2016 an, weshalb die Unterrichtssequenz „Die politische Kommunikation der Parteien in der BRD: Eine Unterrichtssequenz zur Förderung der Analysekompetenz von Wahlplakaten im Fach PoWi der Jahrgangsstufe 8“ durchgeführt werden soll. Die pädagogische Facharbeit wird im Modul ÄDie Lehr- und Lernkultur innovativ gestalten“ (LLG) geschrieben, sodass eine Verknüpfung mit dem direkten unmittelbaren Lebensweltbezug für die Schüler im Sinne der Schülerorientierung, Schüleraktivierung und Motivation im Fokus steht und die Unterrichtssequenz kennzeichnet.4

Grundsätzlich ist diese Facharbeit so aufgebaut, dass im zweiten Kapitel die Planung der Unterrichtssequenz dargestellt wird. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die didaktischen Prinzipien des Faches Politik und Wirtschaft von elementarer Bedeutung sind. Guter Unterricht zeichnet sich jedoch nicht nur durch die didaktischen Überlegungen aus. Verschiedene Methoden müssen passend zum jeweiligen Stundenvorhaben den Lernprozess unterstützen, weshalb diese ebenfalls in einem eigenen Unterkapitel thematisiert werden. Doch wo stehen eigentlich die Schüler in ihrem Wissen und Können? Mithilfe einer Lerngruppenbeschreibung und einer Lernstanderhebung soll die Lernausgangslage beschrieben werden, auf der sich die Planung der Unterrichtssequenz bezieht. Welche (Teil-)Kompetenzen müssen gefördert werden, um auf das Hauptziel - der Förderung der Analysekompetenz von Wahlplakaten - hinzuarbeiten? Ein Blick in das Kerncurriculum, was den rechtlichen Rahmen absteckt, hilft diese Teilziele zu formulieren und auf die Unterrichtssequenz zu beziehen.

Im dritten Kapitel wird die Durchführung der Unterrichtssequenz dargestellt. Hier sei bereits angemerkt, dass die Überlegungen aus Kapitel Zwei berücksichtigt werden müssen, da diese in diesem Kapitel nicht noch einmal in ganzer Breite dargestellt werden können. In den zwei ausgewählten Stunden steht deshalb die Durchführung und Reflexion im Vordergrund. Die erste ausgewählte Stunde überprüft den Lernstand nach der Parteien-Gruppenarbeit, während die zweite ausgewählte Stunde den Kern der Facharbeit thematisiert und den Grundstein für die Arbeitsergebnisse der Wahlplakate für die BTW 2017 legt.

Zum Schluss der Arbeit wird die Unterrichtssequenz in ihrer Gesamtheit bezüglich ihrer Planung und Durchführung reflektiert. Die Frage, „inwiefern die Förderung der Analysekompetenz anhand von Wahlplakaten die Wahrnehmung und Beschreibung politischer Kommunikation von Parteien in der Bundesrepublik Deutschland ermöglicht?“, soll im Rahmen der kommentierten Lernprogression und durch die Arbeitsergebnisse beantwortet werden. Dabei ist die Bewertung der Unterrichtssequenz durch die Schüler von Bedeutung.

2. Planung

2.1. Sachanalyse und Begründung des Themas

Das Fach Politik und Wirtschaft ist ein sehr lebensnahes Fach, welches im gesellschaftlichen und sozialen Umfeld von großer Bedeutung ist. In diesem Kapitel wird das Thema aus dem Fachcurriculum und Kerncurriculum heraus begründet und fachwissenschaftlich durch die Sachanalyse dargestellt. Die fachwissenschaftliche Perspektive beinhaltet dabei meist ein Idealbild, welches in der Realität nicht in dieser Form wiederzufinden ist.

Nach dem Fachcurriculum der Stiftsschule St. Johann ist für die Jahrgangsstufe 8 im Fach Politik und Wirtschaft das übergeordnete Halbjahresthema ÄWahlen, Parteien und politischer Entscheidungsprozess“ festgelegt. Die Schüler haben in der Jahrgangsstufe

7 bisher das politische System hin zur Länderebene behandelt, sodass nun das politische System bis hin zu der Bundesebene im inhaltlichen Fokus steht. Deshalb wurden die Unterrichtssequenzen ÄDemokratie als Herrschaftsform“ und ÄWahlen in der deutschen Demokratie“ bereits vor dieser Unterrichtssequenz behandelt, um den Schülern die Grundlage zu vermitteln, in welchem Umfeld Parteien im Wahlkampf agieren. Die Schüler wissen, welche Funktionen Wahlen haben und verstehen deren Bedeutung für unsere Demokratie.

Als Bindeglied zwischen der letzten und jetzigen, in der Facharbeit dargestellten Unterrichtssequenz wurde die Arbeit eines Abgeordneten exemplarisch in den Fokus genommen. Der einzelne Bundestagsabgeordnete ist in der Regel in einer Fraktion seiner Partei organisiert und wird erst durch die Wahlkampfunterstützung der Partei in den Bundestag gewählt.

Nach dem Kerncurriculum ist die Unterrichtssequenz „Die politische Kommunikation der Parteien in der Bundesrepublik Deutschland“ dem Inhaltsfeld ÄDemokratie“ zuzuordnen.5 Dieses Inhaltsfeld rückt bereits die Parteien als Akteur in der politischen Kommunikation in den Fokus. Durch ihren Verfassungsrang sind die Parteien ein zentrales Element der deutschen Demokratie.6 Parteien haben die Aufgabe Lösungsansätze für gesellschaftliche Probleme zu liefern und die politische Willensbildung der Bevölkerung zu fördern.7 Doch die Parteien befinden sich in einem Dilemma. Immer weniger Menschen engagieren sich fest in einer Partei als aktives Mitglied oder als Kandidat für die Wahlen. Durch die Spezialisierung des Politiker- Berufs wird die Bindung zur Mehrheit der Bevölkerung zunehmend aufgelöst. Daraus resultierend haben die Parteien bei den kommenden Wahlen mit einer größeren Zahl von Nicht- und Wechselwählern zu rechnen.8

Die politische Kommunikation bezieht die Medien und die Öffentlichkeit als weitere Akteure mit ein. Dieses sogenannte ÄDreieck in der Kommunikation“9 sorgt dafür, dass die Politik und das „Tagesgeschehen“ überhaupt erst für die Bevölkerung erfahrbar wird. In einer Gesellschaft mit 80 Millionen Menschen ist es nicht mehr möglich direkt miteinander in Kontakt zu treten. Medien [auch die neuen (sozialen) Medien] sollen in der politikwissenschaftlichen Theorie hochkomplexe Sachverhalte auf einer für den einzelnen Bürger verständlichen Ebene vermitteln. Erst dadurch können sich die Bürger wiederum in Parteien engagieren oder an Wahlen die verschiedenen

Lösungsperspektiven der Parteien mit ihrer Stimmabgabe befürworten.10 Die Medien sind als sogenannte ÄVierte Gewalt“ eine Kontrollinstanz der Politik und thematisieren die Sorgen und Ängste der Bevölkerung. Die Politik reagiert auf dieses durch die Medien dargestellte gesellschaftliche Problem und sucht Lösungen dafür.11 Durch diese ÄAgenda-Setting-Funktion“ hat dieses Kommunikationsdreieck zwischen Politik, Bevölkerung und Medien kurz vor Wahlen die höchste Bedeutung. Konkrete Wahlziele und Kandidaten werden meist in den medialen Fokus gerückt und die Menschen können sich entscheiden, wer für sie in unserer repräsentativen Demokratie die Verantwortung übernehmen soll.12

Die Bedeutung der Medien wird durch das folgende Zitat von BIANCHI und KORTE sehr deutlich. Die eigene Person spielt eine wesentliche Rolle, denn erst durch die eigene Biografie, die eigene Analyse- und Urteilsfähigkeit, wird ein Wahlkampfthema für den Einzelnen wichtig.

ÄErst das Gespräch im kleinen Kreis über das Gelesene, Gehörte oder Gesehene bzw. der Austausch darüber in sozialen Netzwerken - analog wie digital - formt und festigt unsere politischen Einstellungen. […] Diese Informationen [werden] durch die Brille [der] eigenen Werte und Kenntnisse [wahrgenommen].“13

Da die Medien (Zeitungen, TV, Rundfunk) von den Parteien nicht direkt gesteuert werden können, versuchen die Parteien die Wähler mit anderen Mitteln auf die Wahl aufmerksam zu machen und von ihren Ansichten zu überzeugen. Informationsmaterial landet oft ungelesen im Mülleimer, weshalb Wahlplakaten im stark frequentierten öffentlichen Raum eine große Bedeutung zukommt. Wahlplakate sind eines der traditionellsten Wahlkampfmittel der Parteien.14 Doch immer wieder wird sehr kontrovers diskutiert, ob Wahlplakate wirklich zu einer Wahlbeteiligung animieren können oder nicht.15

Wahlplakate dienen in der politischen Kommunikation der Parteien als wichtiges Kommunikationsinstrument, um die Bevölkerung direkt anzusprechen und gleichzeitig die eigenen Mitglieder zu motivieren und zu aktivieren. Die eigenen Mitglieder sind in der Regel die sichersten Wähler für eine Partei, sodass diese über Plakatierungsaktionen aufgerufen werden, sich an der Wahl direkt als Wahlhelfer und Wähler zu beteiligen.16

Grundsätzlich sind gute Plakate mit einer einfachen Aussage und gestalterisch gut gemachten Bildern versehen - wie gute Werbeplakate, welche die Schüler im ersten Halbjahr kennengelernt haben.17

Das politische Wahlplakat gibt es seit dem 19. Jahrhundert. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bestimmen zunehmend Fotografien und Politikerporträts das Aussehen von Wahlplakaten.18 Der Betrachter muss binnen Sekunden zentrale Botschaften und Personen erkennen und diese einer Partei zuordnen.19 Bilder sind dabei besser geeignet Emotionen zu vermitteln, als ein reines Textplakat.20

Schüler sind heute regelmäßig vor Wahlen mit Wahlplakaten konfrontiert. Um dieses Wahlkampfmittel mit der nötigen kritischen Betrachtung zu verstehen, werden die Schüler im Rahmen dieser Unterrichtssequenz damit konfrontiert. Für die Analyse der Wahlplakate ist es wichtig die dargestellten Plakatinhalte und die damit einhergehende Wahlkampf-Entwicklung der letzten Bundestagswahlen kennenzulernen. Die Parteien versuchen durch eine Personalisierung die Wahlen zu gewinnen und werben mit einem Spitzenkandidaten auf Wahlplakaten für ihre inhaltlichen Ziele.

Die Bundestagswahl 2013 (BTW 2013) hat gezeigt, dass die Wähler einen teilweisen Machtwechsel wollten, indem sie die FDP abgewählt haben.21 Die SPD konnte jedoch ihr Wahlergebnis nicht weiter ausbauen, weil die Kanzlerin zu beliebt war und der Aufbau eines geeigneten Gegenkandidaten zur Kanzlerin zu spät erfolgte. Mit Peer Steinbrück war ein Kandidat aufgestellt worden, der durch seine Tätigkeit als Finanzminister zwar das konservative Wählerklientel ansprechen konnte, aber zu dem Wahlkampfthema der Äsozialen Gerechtigkeit“ nicht gepasst hat.22 Eine Personalisierung des Wahlkampfes ist insofern nur erfolgreich, wenn die Stimmung in der Bevölkerung richtig analysiert wird und die daraus abgeleiteten Wahlkampagnen zu den aufgestellten Spitzenkandidaten passen. Die Wahlkampf-Verantwortlichen (mittlerweile oft Public-Relations-Agenturen) sollten deshalb für die BTW 2017 das Wählerklientel mit den gesellschaftlichen Problemen genauer analysieren. Nach einer erfolgreichen Analyse können mit guten Wahlplakaten und Lösungsansätzen für die gesellschaftlichen Probleme Wähler gewonnen werden.23

Diese Unterrichtssequenz möchte die Analysekompetenz von Wahlplakaten fördern, welche einen konkreten Ausdruck der politischen Kommunikation zwischen den Parteien, Medien und Bürgern darstellt. Doch um die Inhalte für die Lerngruppe didaktisch reduzieren zu können, müssen die Lerngruppe und die Lernausgangslage näher betrachtet werden.

2.2. Lerngruppenbeschreibung und Lernausgangslage

2.2.1. Lerngruppenbeschreibung und äußere Rahmenbedingungen

Die folgenden Aussagen über die Lerngruppe sind mit Hilfe von eigenen Beobachtungen24, Rückmeldungen aus Unterrichtsbesuchen, Gesprächen mit in der Klasse unterrichtenden Kollegen, der Heftführung sowie der Einsicht von Schülerprodukten und Schülerergebnissen aus zurückliegenden Unterrichtsstunden entstanden.

Die von mir seit dem Schuljahr 2015/2016 eigenständig unterrichtete Klasse hat donnerstags in der 7. und 8. Stunde Unterricht im Fach Politik und Wirtschaft. An dem Fach zeigen die Schüler ein grundsätzliches Interesse.

Die Lerngruppe besteht aus 28 Schülern (20 w, 8m). Nach der Jahrgangsstufe 7 wurde die Klasse neu zusammengesetzt und musste sich erst zu einer Gemeinschaft entwickeln. Mittlerweile herrscht ein starkes Teamgefühl und ich habe den Eindruck, dass sich alle Schüler in der Klasse wohlfühlen.

Das Arbeitsklima ist angenehm und von gegenseitigem Respekt geprägt. Da die Pubertät mittlerweile bei einigen Schülern einsetzt, kommt es im Unterricht zu kleineren Störungen. Lea und Daniela zum Beispiel lenken ihre jeweiligen Sitznachbarn ab und Lena L. lacht oft impulsiv über Wortbeiträge von ihren Mitschülern. Luis meldet sich in letzter Zeit weniger, da er sich im Stimmbruch befindet. Durch diese pubertären Einflüsse wird die konzentrierte Arbeitsphase manchmal gestört. Durch die

Klassenlehrer wird mit einer wechselnden Sitzordnung versucht, diese Störungen zu verringern und das Teamgefühl weiter auszubauen.

Hilfreich im Hinblick auf die Durchführung der Unterrichtssequenz ist der großzügig geschnittene Klassenraum, da dort problemlos und gut zugänglich Plakate aufgehängt werden können. Einschränkend für die Durchführung ist das neue und noch nicht vollständig ausgestattete Medienzentrum der Stiftsschule St. Johann. Unter anderem kann auf den Rechnern nur über Umwege der Internet-Explorer geöffnet werden.

2.2.2. Lernausgangslage des fachlichen Wissen und Könnens

In einem ersten Schritt wird dargelegt, wo methodische Stärken und Probleme der Schüler im PoWi-Unterricht liegen, bevor im zweiten Schritt die inhaltliche Lernausgangslage zu dieser Unterrichtssequenz dargestellt wird.

Während des Unterrichtseinstiegs haben die Schüler bislang Karikaturen und Fotografien kennengelernt. An diesen haben sie geübt, Fragen und Vermutungen zu dem jeweiligen Stundenthema zu entwickeln, nachdem das jeweilige Bild fachgerecht im Plenum beschrieben und gedeutet wurde. Die Schüler sind bereits mit darstellenden Texten und kleineren Zeitungsartikeln vertraut, woraus sie mit klar formulierten Aufgabenstellungen selbstständig den Inhalt erarbeiten und weiterführende Gedanken anstoßen.

Den Inhalt in Stichworten wiederzugeben, fällt den meisten Schülern schwer, weshalb im Rahmen dieser Unterrichtssequenz immer wieder versucht wird, zentrale Begriffe aus einem Text heraus zu arbeiten und über entsprechende Tafelbilder zu sichern. Außerdem wird durch sehr eng gefasste Arbeitsaufträge dieser Lernprozess unterstützt werden. Mit Hilfe von Zeilenangaben am darstellenden Text wird außerdem geübt, die herausgearbeiteten Inhalte zu belegen. Schwächeren Schülern wird dadurch die Möglichkeit gegeben, den Redebeiträgen der anderen Schüler besser zu folgen.

Mit der kooperativen Lernform der Partnerarbeit sind die Schüler vertraut und beherrschen diese routiniert. Eine Sicherung erfolgt in der Regel über ein Tafelbild. In der Präsentation mit Hilfe von Lernplakaten sind die Schüler geübt, sodass in der Unterrichtssequenz auf diesem Können aufgebaut wird.

In der nachfolgenden Tabelle ist der Entwicklungsstand der Schüler bezüglich der zu fördernden Kompetenzen dargestellt. Die Tabelle wurde in Zusammenarbeit mit dem LiV Patrick Willner formuliert, um in Anlehnung an das Modul ÄDiagnostizieren, fördern und beurteilen“ die Schüler ihren jeweiligen Kompetenz- und Niveaustufen zuordnen zu können.

Tabelle 1: Lernstand der SuS im Fach Politik und Wirtschaft

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Im Sinne einer einfacheren Lesbarkeit wird im folgenden auf eine getrennte Schreibweise in männlicher und weiblicher Form verzichtet. Der Plural soll geschlechtsneutral genutzt werden.

2 M. Mosch: Plakat, in: A. Besand und W. Sander (Hrsg.): Handbuch Medien in der politischen Bildung, 2. Auflage, Wochenschau Verlag, Schwalbach 2011, S. 363.

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3 Vgl. ohne Autor auf Spiegel Online: Abstimmung in drei Ländern, URL: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/wahlen-2016- die-ergebnisse-der-landtagswahlen-im-ueberblick-a-1082093.html (letzter Zugriff: 17.07.2016)

4 Vgl. C. Schelle: Adressatenorientierung, in: W. Sander (Hrsg.): Handbuch politische Bildung, 3. Auflage, Wochenschauverlag, Schwalbach 2005, S. 84ff und vgl. L. Brüning und T. Saum: Individuelle Förderung durch kooperatives Lernen, in: I. Kunze und C. Solzbacher (Hrsg.): Individuelle Förderung in der Sekundarstufe I und II, Schneider und Hohengeren, Baltmannsweiler 2008, S. 83-

91.

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5 Hessisches Kultusministerium: Bildungsstandards und Inhaltsfelder. Das Kerncurriculum für die Sekundarstufe I, Hessisches Kultusministerium, Wiesbaden 2010, S. 25.

6 Vgl. U. Jun: Grundlagen, in: C. Hesse (Hrsg.): Informationen zur politischen Bildung Nr. 328 (Parteien und Parteiensystem der Bundesrepublik Deutschland), Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2015, S. 5.

7 Vgl. ebd., S. 9f.

8 Vgl. U. Jun: Aktuelle Herausforderungen, in: C. Hesse (Hrsg.): Informationen zur politischen Bildung Nr. 328 (Parteien und Parteiensystem der Bundesrepublik Deutschland), Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2015, S. 63 ff.

9 U. Jun: Parteien und Medien, in: C. Hesse (Hrsg.): Informationen zur politischen Bildung Nr. 328 (Parteien und Parteiensystem der Bundesrepublik Deutschland), Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2015, S. 30 und Vgl. F. Brettschneider: Der Bürger im Staat. Bundestagswahl 2013, Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg über die Süddeutsche Verlagsgesellschaft, Ulm 2013, S. 190.

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10 Vgl. P. Donges: Massenmedien und öffentliche Meinung, in: C. Hesse (Hrsg.): Informationen zur politischen Bildung Nr. 309 (Massenmedien), Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2010, S. 7.

11 Vgl. W. Donsbach: Wechselbeziehungen zwischen Massenmedien, Politik und Wirtschaft, in: C. Hesse (Hrsg.): Informationen zur politischen Bildung Nr. 309 (Massenmedien), Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2010, S. 55ff. 12 Vgl. F. Brettschneider: Bürger im Staat 2013, S. 190 und vgl. U. Jun: Parteien und Medien 2015, S. 32ff..

13 M. Bianchi und K. Korte: Die Wahlkommunikation zur Bundestagswahl 2013, in: K. Korte (Hrsg.): Die Bundestagswahl 2013, Springer, Wiesbaden 2015, S. 295.

14 Vgl. E.-M. Lessinger, C. Holtz-Bacha und W. Cornel: Wahlplakate treffen jeden - Die Plakatkampagnen der Parteien im

Bundestagswahlkampf 2013, in: C. Holtz-Bacha (Hrsg.): Die Massenmedien im Wahlkampf, Springer, Wiesbaden 2015, S. 91.

15 Vgl. F. Brettschneider: Bürger im Staat 2013, S. 196.

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16 Vgl. J. Siri: Parteien, Springer, Wiesbaden 2012, S. 153.

17 Vgl. ohne Autor: Plakat-Wahlkampf - „Materialschlacht mit wenig Wirkung“, URL: http://www.merkur.de/politik/plakat- wahlkampf-materialschlacht-wenig-wirkung-447088.html (letzter Zugriff: 18.07.2016).

18 Vgl. H. Reimann: Wahlplakate, Universität Heidelberg, Heidelberg 1961, S. 5ff.

19 Vgl. J. Kamps: Plakat 1999, S. 2.

20 Vgl. E.-M. Lessinger u.a., Wahlplakate 2015, S. 92ff.

21 Vgl. M. Jung, Y. Schroth und A. Wolf: Angela Merkels Sieg in der Mitte, in: A. Seibring (Hrsg.): Aus Politik und Zeitgeschichte 48-49 - Bundestagswahl 2013, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2013, S. 10.

22 Ebd., S. 10 ff.

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23 Vgl. R. Tils und J. Raschke: Strategie zählt. Die Bundestagswahl 2013, in A. Seibring (Hrsg.): Aus Politik und Zeitgeschichte 48-

49 - Bundestagswahl 2013, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2013, S. 20ff.

24 Beobachtungen zu dem Verhalten von SuS untereinander in den Pausen und während des Unterrichts; zu der Heftführung; zu der Beteiligung an Unterrichtsgesprächen und der Arbeit während der Erarbeitungsphasen.

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Details

Seiten
40
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668600379
ISBN (Buch)
9783668600386
Dateigröße
1.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v385648
Institution / Hochschule
Studienseminar für Gymnasien in Marburg
Note
2,0
Schlagworte
PoWi Analysekompetenz Wahlplakate Examen Urteilsbildung Bundestagswahl Wahl Plakate Analyse

Autor

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Titel: Die Förderung der Analysekompetenz im Fach Politik und Wirtschaft. Eine Unterrichtssequenz über die politische Kommunikation der Parteien in der BRD