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Das Grüne Klassenzimmer. Positives Raumklima durch Pflanzen und deren thematische Einbettung in den Unterricht für Grundschulkinder

von Dina Loos (Autor) I. S. (Autor)

Bachelorarbeit 2014 68 Seiten

Sachunterricht, Heimatkunde (Grundschulpädagogik)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Intention
1.2 Methode und Aufbau der Arbeit

2. Raumklima
2.1 Positives Raumklima im Klassenzimmer
2.2 Thermische Behaglichkeit
2.3 Raumakustik
2.4 Licht und Farbe
2.5 Raumausstattung
2.6 Luftbeimengungen
2.6.1 Schadstoffe in der Raumluft und ihre Quellen
2.6.2 Sick-Building-Syndrom

3. Luftreinigende Pflanzen
3.1 NASA-Clean-Air-Studie
3.1.1 VOV oder VOC
3.1.2 Kohlendioxid
3.2 Die Studie
3.3 Steckbriefe
3.4 Die Wirkung auf das Raumklima

4. Die Wirkung von Pflanzen auf den Menschen
4.1 Die Wirkung von Pflanzen auf unsere Sinne und unsere Gesundheit
4.2 Die Wirkung von Pflanzen auf Konzentration und Leistung

5. Pflanzen im Klassenzimmer
5.1 Auswahlkriterien für Pflanzen
5.2 Pflanzenanzahl und Pflanzenstandort
5.3 Wahl des Substrats und der Pflanzengefäße
5.4 Pflanzenpflege

6. Die Projektarbeit „Grünes Klassenzimmer“
6.1 Einbettung des Projekts in den Unterricht
6.2 Einordnung des Projekts in den Lehrplan
6.3 Kompetenzerwartungen

7. Unterrichtsentwurf
7.1 Organisation
7.2 Umfang des Projekts
7.3 Die erste Unterrichtseinheit
7.3.1 Einordnung der Stunde in die Unterrichtseinheit
7.3.2 Ziele der ersten Unterrichtseinheit
7.3.2.1 Hauptziel der ersten Unterrichtseinheit
7.3.2.2 Hauptziele und Teilziele der einzelnen Unterrichtsstunden
7.4 Die zweite Unterrichtseinheit
7.4.1 Einordnung der Stunde in die Unterrichtseinheit
7.4.2 Ziele der zweiten Unterrichtseinheit
7.4.2.1 Hauptziele der zweiten Unterrichtseinheit
7.4.2.2 Hauptziele und Teilziele der einzelnen Unterrichtsstunden
7.5 Überlegungen zur Didaktik
7.6 Überlegungen zur Methodik

8. Fazit

9. Quellen

10. Anhang

Vorwort

Die vorliegende Bachelorarbeit ist eine Partnerarbeit. Die Idee zu dem Themaist vor einiger Zeit im Rahmen eines gemeinsamen Seminars entstanden. DerTitel des Seminars lautete: „Wo Kinder leben und lernen. Räume als Ort Schuli-scher Bildung und Erziehung“. Das Seminar hat mit Präsentationen der Studen-ten abgeschlossen. Unser Thema war sehr schnell gefunden. Wir wollten einenWeg vorstellen, das Raumklima in Grundschulklassen zu verbessern, und sinddabei auf Grünpflanzen gestoßen. Die „Kraft“ der Pflanzen hat uns direkt be-geistert und wurde Gegenstand unserer Präsentation. Wir haben dazu denKlassenraum einer Grundschule mit Grünpflanzen ausgestattet, um eineneigenen ersten Eindruck von der Wirkung der Pflanzen auf den Raum zuerhalten. Dieses Thema hat ein derart großes Interesse in uns geweckt, dasswir es auch zum Gegenstand dieser Abhandlung gemacht haben. Es soll auf-gezeigt werden, dass sich Grünpflanzen nachweislich dazu eignen, die Qualitätder Raumluft zu verbessern und darüber hinaus einen sehr positiven Effekt aufSchulkinder ausüben.

1. Einleitung

Pflanzen sieht man in Klassenräumen eher selten. Ab und an steht ein kleinesPflänzchen verlassen und unbeachtet auf der Fensterbank, dann meist auch ineinem eher schlechten Zustand. Sie kosten zu viel Geld, sie machen Arbeit, sienehmen Platz weg, und zu guter Letzt gehen sie ein und werden entsorgt. Diesdient eventuell häufig als Begründung gegen eine Anschaffung von Pflanzen fürSchulen. Dabei sind sie äußerst nützliche Helfer, und mit der richtigen Einstel-lung sowie dem Wissen über ihr „Können“ bringen sie zusätzlich für lange ZeitFreude in jedes Zimmer. Diese Arbeit veranschaulicht, weshalb Pflanzen festerBestandteil eines jeden Klassenzimmers sein sollten. Zimmerpflanzen sindwahre Alleskönner, und es finden sich zahlreiche Gründe, die für ein „grünesKlassenzimmer“ sprechen: sie wirken sich positiv auf das Raumklima aus, aufSchüler und Lehrer, sie bieten eine natürliche Möglichkeit, die Raumluft zu ver-bessern, sie sind Balsam für unser Auge und unsere Seele und unterstützendadurch einen positiven Lernprozess. Pflanzen bieten darüber hinaus eine Viel-

zahl von Lerninhalten und können dadurch den Unterricht fächerübergreifend

bereichern. Diese und andere Vorzüge werden in dieser Arbeit aufgezeigt undeingehend vorgestellt. Daran anknüpfend wird Einblick genommen in die Raum-luftqualität und schädliche Luftbeimengungen. Das Wissen darüber macht esnoch notwendiger, Wege aufzusuchen, unsere Kinder auf natürliche Weise vorden heutigen Umwelteinflüssen zu schützen. Pflanzen können einen großenTeil dazu beitragen. Ihre Arbeit bleibt jedoch „unsichtbar“ und wird ohne Weite-res nicht von uns wahrgenommen. Hier soll sichtbar gemacht werden, wasPflanzen alles leisten und was wir außerdem noch tun können, um das Raum-klima von Grundschulklassen so angenehm wie möglich zu gestalten unddadurch einen Ort für Schüler[1] zu schaffen, in dem Leben und Lernen zum Ver-gnügen werden.

1.1 Intention

Wir leben in einer schnellen Welt, was auch unsere Kinder schon frühzeitig zuspüren bekommen. Die Einschulung kann auf Wunsch bereits im Alter von fünfJahren stattfinden, die zweite Klasse kann übersprungen werden, und das Abi-tur wurde verkürzt. Bei Eintritt in die Schule sollen Kinder von zu Hause aus ambesten schon lesen und schreiben können. Wer nicht schnell genug mitkommt,erhält zusätzlich Förderstunden, damit er „funktioniert“. Schule kann für Kindersehr viel Stress bedeuten. Schwierigkeiten in der Transitionsphase werden vielzu selten ernst genommen. Dabei kann für Kinder ihre kleine Welt zusammen-brechen, wenn sie sich nach der schönen Kindergartenzeit plötzlich fünf bissechs Stunden am Tag in einem Klassenzimmer wiederfinden und danach wo-möglich noch bis zum späten Nachmittag die Nachmittagsbetreuung aufsuchen.In vielen Schulen hat sich bereits ein ganz anderes Konzept durchgesetzt. Dortwird vermehrt darauf geachtet, die Bedürfnisse der einzelnen Schüler in denVordergrund zu stellen und sie auf ihrem neuen Weg helfend zu begleiten. Diesgelingt durch eine Vielzahl an Maßnahmen. Einen großen Bereich bildet dieGestaltung der Arbeitsräume. Der Arbeitsraum „Klassenzimmer“ ist dabei vonbesonderer Bedeutung, da sich die Kinder dort die meiste Zeit ihres Schultages aufhalten. Hier schafft man durch ein gut durchdachtes Raumklima eine mög- lichst angenehme Arbeitsatmosphäre und unterstützt Schüler in ihrem Handeln.Ein positives Raumklima erhält insbesondere für Grundschulen einen noch hö-heren Stellenwert als vielleicht für weiterführende Schulen, da Schule und Kin-dergarten sehr unterschiedlich sind und Kinder Zeit benötigen, sich auf die neueLebenssituation nach der Einschulung einzustellen. Das Klassenzimmer solltedaher ein Ort zum Wohlfühlen sein, in dem sich Schüler sicher und geborgenfühlen und der eine häusliche Atmosphäre widerspiegelt. Es sollte dementspre-chend gemütlich sein, zum Verweilen einladen und dennoch jeden Komfort bie-ten, um Entwicklung, Lernprozesse und Kommunikation anzuregen und zu un-terstützen.

Pflanzen können einen großen Teil dazu beitragen. Sie schaffen Gemütlichkeit,sind der Entspannung zuträglich und verbessern die Qualität der Raumluft. Wirwollen mit dieser Arbeit eine Hilfestellung bieten, um das Raumklima ganzheit-lich verbessern zu können und Schülern dadurch eine Atmosphäre zu schaffen,in der sie sich entfalten können und in der sie gerne ihren Tag verbringen. Zu-sätzlich soll veranschaulicht werden, wie wertvoll Pflanzen für den Unterrichtsind und dass Kinder durch den intensiven Umgang mit ihnen Erfahrungen undWissen sammeln, die ihr gesamtes Leben bereichern können.

1.2 Methode und Aufbau der Arbeit

Es war uns bis jetzt noch nicht möglich, selbst ein längeres Projekt mit Pflanzenan einer Grundschule durchzuführen. Es wird aber in Abschnitt 6 ein Beispielfür eine Projektarbeit präsentiert, welches demonstrieren soll, wie stark diesesThema in den Unterricht eingebunden werden kann und welche KompetenzenGrundschulkinder durch eine solche Projektarbeit erlangen können.Die in dieser Abhandlung aufgeführten Erkenntnisse stützen sich auf ausge-wählte Studien, die im Verlauf angesprochen und teilweise näher vorgestelltwerden. Die exakten Quellen der Studien sind in Abschnitt 9 zu finden.

Der Einfachheit halber erlauben wir uns im Verlauf dieser Arbeit von Grund-schülern und Lehrern zu sprechen und auf die Nennung von Grundschülerinnen und Lehrerinnen zu verzichten. Natürlich sind aber immer beide Geschlechter gemeint.

Wie im vorangegangenen Abschnitt bereits beschrieben, wird es mehr undmehr zu einem allgemeinen Anliegen, die Lernbedingungen von Schülern allerAltersgruppen zu optimieren. Eine Vielzahl von Einflüssen ist hierbei zu beach-ten. Das Klassenzimmer als Lebensraum und Lernumgebung spielt dabei eineRolle, die wiederum sehr facettenreich ist und viele Angriffspunkte bietet, dasHandeln und Erleben der Schüler darin zu verbessern. Die vorliegende Arbeitnimmt die Klassenzimmer von Grundschulen in den Fokus, wobei sich die ausden Studien angesprochenen Erkenntnisse in Abschnitt 2 auf alle Altersgruppenund Schulformen übertragen lassen. Die Projektarbeit in Abschnitt 6 ist jedochspeziell auf Grundschüler ausgerichtet.

In Abschnitt 2 werden zunächst der Begriff „Raumklima“ sowie nachfolgend diesechs Gegenstände, die hier das Raumklima ausmachen, erläutert. Luftschad-stoffe und ihre gesundheitlichen Folgen werden im Anschluss in den Abschnit-ten 2.6 bis 2.6.2 behandelt. Es gibt eine Vielzahl von Zimmerpflanzen, die eineMöglichkeit bieten, diesen Folgen entgegenzuwirken. In Abschnitt 3 wird eineAuswahl dieser Pflanzen mit ihren luftreinigenden Eigenschaften angesprochen.Hierzu wird in Abschnitt 3.2 eine Studie vorgestellt, die diese Eigenschaftenbelegt. In Abschnitt 4 und Unterpunkten werden weitere Gründe erörtert, diePflanzen zu optimalen Einrichtungsgegenständen für Klassenzimmer machen.Abschnitt 5 fasst zusammen, worauf bei der Begrünung eines Klassenzimmerszu achten ist, da nicht alle Pflanzen für Klassenräume und Grundschulkindergeeignet sind und sie sich auch in ihren „Filtereigenschaften“ unterscheiden,wie eine Tabelle im Anhang aufzeigt. Abschnitt 6 und Unterpunkte decken Stel-len im aktuellen Lehrplan NRW auf, an denen Kompetenzerwartungen ange-sprochen werden, die in einem engen Zusammenhang mit dem Thema Pflan-zen stehen. In Abschnitt 7 wird eine Projektarbeit für Grundschüler und mitGrundschülern mit Bezug auf den aktuellen Lehrplan veranschaulicht.

2. Raumklima

„Reine Luft“ besteht aus Stickstoff, Sauerstoff, Edelgasen und Wasser. Spricht man von Luftverunreinigung, dann meint man Beimengungen, die einen negativen Aspekt auf unser Wohlbefinden ausüben. Schon Alexander von Humboldt hat 1845 in seinem Werk „Kosmos - Entwurf einer physischen Weltbeschreibung“ eine sehr bemerkenswerte Definition veröffentlicht. Er umschrieb das Thema mit dem Begriff „Klima“:

„ Der Ausdruck Klima bezeichnet in seinem allgemeinsten Sinne alle Ver ä nderungen in der Atmosph ä re, die unsere Organe merklich affi- cieren: die Temperatur, die Feuchtigkeit, die Ver ä nderungen des baro- metrischen Druckes, den ruhigen Luftzustand oder die Wirkungen un- gleichnamiger Winde, die Gr öß e der elektrischen Spannung, die Reinheitder Atmosph ä re oder die Vermengung mit mehr oder minder sch ä dlichengasf ö rmigen Exhalationen, endlich den Grad habitueller Durchsichtigkeit und Heiterkeit des Himmels, welcher nicht blo ß wichtig ist f ü r die ver- mehrte W ä rmestrahlung des Bodens, die organische Entwicklung der Gew ä chse und die Reifung der Fr ü chte, sondern auch f ü r die Gef ü hle und ganze Seelenstimmung des Menschen. “ [2]

Wenn er sich hier auch auf die Qualität der Außenluft bezieht, ist es doch be-merkenswert, dass er bereits alle Faktoren nennt, die uns auch heute stark be-schäftigen, wenn wir die Luftqualität optimieren wollen. Auch dass er die Zu-sammenhänge zwischen Luftqualität und unserer Seelenstimmung anspricht,zeigt, dass durchaus bereits sehr früh bekannt war, was die Zusammensetzungder Luft alles bewirkt.

Spricht man heute von Raumklima, so meint man das Zusammenspiel vonTemperatur, Luftfeuchte, Luftgeschwindigkeit, Luftbeimengungen, aber auchSchallwellen und Elektrofelder. Unter Luftbeimengungen subsumiert man Stäu-be, Mikroorganismen, Geruchs- und Duftstoffe sowie Schadstoffe.Der Begriff „Raumklima“ wird in dieser Arbeit indes noch weiter gefasst und um-fasst ferner das Licht, die Farben, die Raumausstattung sowie die Bepflanzungdes Raumes. Gelingt es dem Lehrpersonal bzw. der Schule, für ein möglichstoptimales Zusammenspiel all dieser Faktoren zu sorgen, so kreiert man ein

„positives Raumklima“ und somit das bestmögliche Umfeld, um ungestörte Ent-

wicklung und Lernen stattfinden zu lassen.

2.1 Positives Raumklima im Klassenzimmer

Grundschulkinder verbringen fast die Hälfte ihres Tages in ein und demselbenKlassenzimmer. Oftmals wird der Raum nur für den Sportunterricht oder even-tuell für den Musikunterricht gewechselt. Der restliche Unterricht wird in einemfesten Klassenzimmer abgehalten. Deutsche Klassenzimmer weisen keine ein-heitlichen Größen auf, sind aber in der Regel eher zu klein als zu groß. Es wer-den 2,3 bis 3 Quadratmeter pro Schüler empfohlen, was aber bei Klassen von

30 und mehr Schülern häufig nicht der Realität entspricht. Umso wichtiger istes, diesen Raum in Zusammenarbeit mit den Schülern auf ihre Bedürfnisse ab-zustimmen und ein positives Raumklima zu generieren. Dies gibt ihnen Frei-raum in ihrem Handeln, ermöglicht ihnen, sich zu entfalten, regt Kommunikationan und verhindert Aggression sowie Unwohlzustände. Ein positives Raumklimawirkt sich in vielerlei Hinsicht auf die Insassen des Zimmers aus. Im nächstenUnterkapitel werden die einzelnen Komponenten erläutert und aufgezeigt, wo-rauf genau zu achten ist und wie man das allgemeine Klima verbessern kann.

2.2 Thermische Behaglichkeit

Im vorangehenden Unterkapitel werden die Raumtemperatur, Luftfeuchtigkeitund Luftgeschwindigkeit als wichtige Faktoren für Behaglichkeit genannt. Manspricht hierbei in Fachkreisen von „thermischer Behaglichkeit“. Diese verspürtman, wenn alle drei Faktoren ideal an das Individuum angepasst sind. Sie kor-relieren mit dem jeweiligen Tätigkeitsgrad und der Bekleidung. Thermische Be-haglichkeit bedeutet mithin, dass man sich rundum „wohl“ temperiert fühlt. Diesist bedeutend für ein angenehmes Arbeitsklima, da Frieren oder Schwitzen ei-nen starken Einfluss auf die Konzentrationsfähigkeit haben. Beide Zuständelenken von der eigentlichen Arbeit ab. Allerdings gestaltet es sich schwierig,perfekte Temperaturbedingungen für eine große Gruppe von Menschen, hierGrundschulkindern, zu schaffen, da es sich bei dem Gefühl der thermischen

Behaglichkeit zum einen um ein relativ subjektives Empfinden handelt und die- se zum anderen zusätzlich von Einflussfaktoren aus der Umgebung abhängigist. Zugluft (hier Luftgeschwindigkeit) oder Sonneneinstrahlung können zumBeispiel zu einem starken „lokalen“ warmen oder kalten Unbehagen führen, vondem eventuell aufgrund ihres Sitzplatzes nur einige Schüler betroffen sind, wäh-rend sich andere wohlfühlen. Unterschiedliche Bekleidung kann ebenfalls zuabweichenden Empfindungen führen. Der jeweilige Gesundheitszustand spielteine weitere Rolle, ebenso wie der Grad der Aktivität in der Klasse. WeitereFaktoren sind außerdem die vorherrschende Bodentemperatur als äußerer Fak-tor, aber auch das Geschlecht, das Alter und der Metabolismus der einzelnenIndividuen. So kommt es innerhalb eines Schultages zu etlichen thermischenSchwankungen im Raum oder auch unter den Individuen, die ein konstantes„Im-Auge-Behalten“ der Befindlichkeit der einzelnen Schüler von der jeweiligenLehrperson erfordern. Unwohlzustände lassen sich leicht aufdecken und behe-ben, etwa durch Öffnen oder Schließen eines Fensters oder einer Tür, durchAn- oder Ausziehen eines Kleidungsstücks, durch Drosseln oder Erhöhen derHeizleistung oder einen Platzwechsel bei lokalem Unbehagen. Nur wer einehohe thermische Behaglichkeit empfindet, kann konzentriert und ungestört ar-beiten. Empfohlen sind Raumtemperaturen zwischen 20 und 23 Grad Celsiussowie eine Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 % bei sitzender, geistiger Tätig-keit.[3] Zugluft und direkte Sonneneinstrahlung sollten vermieden werden.

Die Luftfeuchtigkeit steht in einem engen Zusammenhang mit der Innen- undAußentemperatur. Besonders in den kalten Wintermonaten hat man sowohl inPrivathäusern als auch in öffentlichen Gebäuden fast immer mit zu trockenerRaumluft zu kämpfen, ausgelöst durch den Dauerbetrieb von Heizungen. Zuüberprüfen ist die Luftfeuchtigkeit ganz einfach durch kleine Hygrometer, diepraktischerweise meist auch gleich die Raumtemperatur mit anzeigen. Sie hel-fen dabei, beide Werte zu kontrollieren, und bieten die Möglichkeit, die Schülermit einzubeziehen. Hier kann man gemeinsam festlegen, welche Werte wün-schenswert sind und weshalb und wie man sie zusammen begünstigen kann.Speziell in Klassenräumen sollten Werte von 30 % Luftfeuchtigkeit nicht unter-schritten werden, da dies ein Austrocknen der Schleimhäute mit sich bringt, was

zu trockenen, brennenden Augen führt, einem trockenen Mund, Hustenreiz aus-

lösen kann und vor allem die Entstehung von Erkältungskrankheiten erhöht.Sind die Schleimhäute zu trocken, sind sie schutzlos gegenüber Bakterien undViren, woraus Husten, Schnupfen und grippale Infekte resultieren können. Tro-ckene Raumluft lässt sich durch das Aufstellen von Wasserschalen oder elektri-schen Verneblern beheben, aber auch auf ganz natürlichem Weg durch dasgezielte Aufstellen von Grünpflanzen, wie in Unterkapitel 3.4 noch näher erläu-tert wird.

Ist die Luftfeuchtigkeit hingegen konstant zu hoch und liegt über 60 %, so be-günstigt dies die Bildung von Schimmelpilzen, deren Sporen sich in der Raum-luft wiederfinden und unseren Organismus durch eine dauerhafte Inhalationschwächen. Das kann Allergien und Atemwegserkrankungen bewirken. Regel-mäßiges Stoßlüften bei ganz geöffnetem Fenster sorgt für das Austreten der zufeuchten Luft und dem Einströmen meist trockenerer, sauerstoffreicherer Luft.Dies kann bereits ein ausreichendes Absinken der Luftfeuchtigkeit bedingen.

2.3 Raumakustik

Der nächste Faktor zur Verbesserung des Raumklimas ist die Raumakustik.Viele Menschen reagieren negativ auf eine zu hohe Lautstärke. Sie stört dieKonzentration und somit die Leistungsfähigkeit. Sie ruft Stress hervor und be-einflusst dementsprechend das vegetative Nervensystem. Stresshormone wer-den ausgeschüttet, Blutdruck und Puls steigen, man fühlt sich unruhig und auf-gebracht und ist dadurch schneller erschöpft und schlapp. In der Fachsprachebezeichnet man diese und weitere Symptome als „extra-aurale Lärmwirkung“.Dies bedeutet die „ Auswirkungen auf den Gesamtorganismus und die psycho-physiologische Beeinflussung von Organen und Organsystemen[4]. Von dieser„extra-auralen Lärmwirkung“ ist auszugehen bei andauernden Lautstärken über 55 dB(A). Ein leises Gespräch zweier Menschen weist dagegen ca. 30 dB(A)auf. In Klassenräumen, besonders von Grundschulen, kommt es immer wieder

zu Lautstärken weit über dem angegebenen Richtwert. Die Reaktionen auf die- se Lautstärken sind individuell ganz unterschiedlich. Sie sind abhängig von dem persönlichen Stressbewältigungspotenzial jedes Einzelnen und der individuellen Lärmempfindlichkeit, aber auch dem Lebensalter, dem individuellen Hörvermögen oder auch besonderen Situationen wie akuten Erkrankungen, die unsere Lärmempfindlichkeit erhöhen. Dies kann zum Beispiel der Fall sein bei grippalen Infekten, einer starken Erkältung oder Kopfschmerzen.

Man kann eine Vielzahl raumakustischer Maßnahmen treffen, um den Schall zu reduzieren und dadurch eine Lärmminderung zu bewirken. Auch hier lassen sich Pflanzen nutzen. Sie bieten eine kostengünstige und effektive Möglichkeit, Schallwellen zu absorbieren und den Lärm dadurch zu dämpfen. Große Pflanzen mit üppigem Blattwerk eignen sich hierzu besonders gut.

2.4 Licht und Farben

Auch Licht und Farben wirken sich auf das Raumklima aus. Das Universitätskli-nikum Hamburg-Eppendorf hat hierzu eine ausführliche Studie mit der FirmaPhilips durchgeführt. An einer Hamburger Grundschule haben 166 Kinder imAlter von acht bis 16 Jahren ein Jahr lang an dieser Studie teilgenommen. Eskonnte aufgezeigt werden, dass sich Aufmerksamkeit, Konzentration, Leis-tungsfähigkeit und Wohlbefinden durch optimale Lichtbedingungen signifikantverbessern lassen.[5] Die Ergebnisse brachten zutage, dass ein Klassenraumunbedingt hell genug sein sollte. Als beste Lichtquelle fungiert das natürlicheTageslicht. Da dieses aber meist nicht ausreichend vorhanden ist, muss derRaum mit künstlichem Licht ausgestrahlt werden. Werte von mindestens 300Lux sind hierbei empfehlenswert. Zusätzlich sollten die Lichtquellen ein warm-weißes Licht abgeben, das dem Tageslicht nachempfunden ist. Ein falsch oderunzureichend beleuchtetes Klassenzimmer kann die Sehleistung stark beein- trächtigen, was wiederum zu Kopfschmerzen, Nervosität, Augendruck, Stress, Energielosigkeit und vorzeitiger Ermüdung führen kann. Eine übermäßige Be-leuchtung im gesamten Raum kann indes auch zu Stress führen. Ideal wäre es,die Lichtverhältnisse verändern zu können, zum Beispiel durch einen Dimmeroder wechselnde Beleuchtung. Auf diese Weise wäre es den Schülern möglich,in Pausenphasen, die teilweise in den Klassenräumen verbracht werden, bes-ser entspannen zu können. Ist dies nicht möglich, so sollte wenigstens ein klei-ner Bereich des Raumes vor zu hellem Licht geschützt sein, sodass die Schülerdort die Möglichkeit erhalten, sich auszuruhen. Es werden mittlerweile spezielleBelichtungsanlagen für Schulen angeboten, sogenannte Vollspektrumleucht-stoffröhren. Diese gestatten es, verschiedene Lichtqualitäten einzustellen, undkönnen das Tageslicht nahezu identisch nachahmen. Diese Anlagen sind aller-dings nicht kostengünstig und werden daher bis jetzt nur sehr selten genutzt.

Durch Raumfarben lässt sich das Raumklima ebenfalls erheblich beeinflussen.In der Farbpsychologie sind jeder Farbe Wirkungen zugeschrieben, die bei Um-fragen immer wieder auf allgemeine Zustimmung stoßen. Es existieren folglicheinige Regeln, die man beachten sollte, um das Raumklima eines Klassenzim-mers positiv zu beeinflussen. Zu grelle Farben sind unbedingt zu vermeiden, dasie Unruhe und Aggression auslösen können und zu sehr für Ablenkung sor-gen. Auch zu bunt sollten die Wände nicht gestaltet werden, da dies ebenfallsstörend wirkt. Vor allem die Tafelwand, auf die sich der Blick am häufigstenrichtet, sollte in einer ruhigen, hellen Farbe gehalten sein. Eine stets adäquateFarbe für Klassenzimmer ist nicht vorhanden. Wichtig ist, dass man die Farbenpassend zum Raum, zu den Lichtverhältnissen, zum Mobiliar und nach denWünschen der Kinder auswählt. Ideal sind helle, ruhige, luftige Farben, die ei-nen positiven Einfluss auf Konzentration und Leistung ausüben und somit füreine angenehme, vor allem wohnliche Stimmung sorgen.

Nachstehend finden sich einige Beispiele für die Wirkung von Farben nach EvaHeller[6], um aufzuzeigen, welche Gefühle und Reaktionen Farben auslösenkönnen. Gleichwohl ist zu beachten, dass Farben in Kombination mit weiterenFarben wieder ganz andere Gefühle hervorbringen können. Wie bereits er- wähnt, ist es deshalb schwierig, pauschal Farben zu nennen, die sich für Klas- senräume besonders eignen. Man sollte sich, abgesehen von den äußeren Ein-flüssen, gut überlegen, was mit der Wandfarbe erreicht werden soll. Beruhi-gung, Anregung, Harmonie oder Kraft - es existieren zahlreiche Einflüsse aufdas Raumklima, die man durch den richtigen Einsatz von Farben bewirkenkann.

Die Farbe Blau wird von den meisten Menschen als sehr angenehm empfun-den. Blau symbolisiert Sympathie, Harmonie und Freundlichkeit. Es wirkt beru-higend und entspannend und eignet sich daher gut für Ruheräume. Blau in derrichtigen Nuance kann einen Raum größer wirken lassen. Zu viel Blau schafftaber auch schnell das Gefühl von Kälte und Unbehagen. Ideal für Klassenräu-me kann eine Kombination aus Blau mit Grün und Weiß sein, da dies ein Gefühlvon Erholung generiert.

Rot ist als Wandfarbe lediglich vorsichtig einzusetzen. Es ist die Farbe der Kraftund Aggressivität. Zu viel Rot bedingt Unruhe. Rot ist eine Signalfarbe, einewarnende Farbe und oft auch die Farbe der Verbote. In kleinen Dosen wirkt esindes auf positive Weise anregend und stimulierend. Rot findet sich daher ger-ne in Sporthallen oder Musikräumen und überall dort, wo Aktivität gewünschtist.

Gelb ist die Farbe der Sonne, des Lichtes, der Heiterkeit und Freundlichkeit. Es eignet sich gut, um schlecht belichtete Räume heller wirken zu lassen. Kleine Räume wirken größer. In der richtigen Kombination gibt es uns die nötige Energie für den Tag und fördert die Konzentration. Damit ist Gelb für Klassenräume sehr gut geeignet. Es wird aber nicht von allen gerne gesehen, kann also auch in zu grellen Tönen als störend empfunden werden. Helle, pastellige Gelbtöne sind ideal und werden gut akzeptiert.

Grau wurde lange Zeit häufig für Böden genutzt, allerdings fast stets in Kombination mit weißen Wänden, was zu einem sehr sterilen, ausdruckslosen Anblick führt. Es löst das Gefühl von Kälte in uns aus und wirkt unfreundlich. Auch heute sind Böden oftmals in Grautönen gehalten, da es eine unempfindliche Farbe ist, auf der Staub und Schmutz länger ungesehen bleiben. Es ist zusätzlich eine Farbe, die sich durch ihre Neutralität gut mit anderen Farben kombinieren lässt. Doch je größer die graue Fläche ist, desto schwieriger wird es, die davon ausgehende Sterilität durch Wandfarben wieder aufzuheben.

Als letztes Beispiel sei die Farbe Grün genannt. Sie verkörpert die Farbe der Natur, die Farbe des Lebens und des Gesunden. Grün ist Erholung. Es wirktberuhigend und vitalisierend auf uns. Pflanzen in Räumen unterstützen dieseWirkung noch, weil sie mehr als nur grüne Farbe sind. Sie sind „echt“ und brin-gen Natur in den Raum. Grüne Akzente helfen uns dabei, zu entspannen, undsteigern unser Wohlbefinden (hierzu mehr in Unterkapitel 4.2).Jede Farbe hat eine ganz bestimmte Wirkung auf den Menschen, wobei dieseauch stark erfahrungs- und geschmacksabhängig ist. Es wird sich folglich auchdeshalb als schwierig erweisen, die „ideale“ Farbe zu finden, da jeder seine ei-genen Vorzüge hat. Nichtsdestotrotz existieren bestimmte farbliche Einflüsse,die sich nicht wegdiskutieren lassen und derer man sich bei der Raumgestal-tung bedienen sollte.

2.5 Raumausstattung

Es wurden nun bereits einige Faktoren vorgestellt, die das Raumklima beein-flussen. Auch die Raumausstattung wurde anfänglich genannt. Sie trägt nichtunerheblich dazu bei, dass sich die Rauminsassen wohlfühlen. „Raum“ wurdevor etlichen Jahren von Loris Malaguzzi[7] als „der dritte Pädagoge“ bezeichnet.Dieses Bild hat sich in einigen Schulen bereits durchgesetzt und findet mehrund mehr Beachtung. Ein sehr wichtiger Raum ist in diesem Zusammenhangdas Klassenzimmer. Es beeinflusst als „der dritte Pädagoge“ das tägliche Ler-nen und die Entwicklung der Schüler, aber auch das Wohlbefinden und Wirkender Lehrperson. Ein relevanter Aspekt ist daher bei der positiven Gestaltungdes Raumklimas die Wahl des Mobiliars. Es wird mittlerweile auf ergonomischeTische und Stühle geachtet, um unnötige Anstrengungen durch Fehlhaltungenzu vermeiden. Stühle sollten höhenverstellbar sein, um jedem Schüler gerechtzu werden. Tische sollten eine multiple Nutzung unterstützen und für Schülerleicht zu bewegen sein, um Flexibilität in der Sitzordnung zu ermöglichen undsich der jeweiligen Lernsituation mühelos anzupassen. Die ausgewählten Mö-belstücke sollten möglichst frei von Schadstoffen sein und keine Verletzungsge-fahren mit sich bringen. Sie sollten nicht mehr nur dem Frontalunterricht gerecht

Kooperationsform gerecht werden und sämtliche Möglichkeiten der Zusam-menarbeit unterstützen. Möbel können Arbeitsweisen anregen, dazu einladen,etwas auf die eine oder andere Art anzugehen, und dabei die Kommunikationuntereinander unterstützen. Bei der Raumplanung ist allerdings ebenfalls daraufzu achten, dass die Kinder Raum zur Entspannung finden, etwa durch Lese-ecken oder kleine Ruheecken mit Kissen und Matratzen, einer gemütlichenCouch und gedämpftem Licht. Hierbei ist es stets ratsam, zusammen mit denKindern zu entscheiden, wie der Raum aufgeteilt werden sollte.

2.6 Luftbeimengungen

Der Schwerpunkt dieser Abhandlung liegt auf der Raumluft und den Luftbei-mengungen. Je besser die Raumluftqualität ist, desto angenehmer ist dasRaumklima. Bereits Pettenkofer[8] hat in seinem Werk von 1858 über die Wich-tigkeit der Raumluftqualität für den Menschen gesprochen. In den folgendenJahren bis heute war und ist Raumluft immer wieder Thema, und es wurdenwichtige Erkenntnisse durch Studien gewonnen. Diese Arbeit nimmt insbeson-dere die Wirkung der Raumluft auf Grundschulkinder in Klassenzimmern in denFokus. Auch hierzu wurden Studien durchgeführt, aus denen Erkenntnisse her-vorgehen, die einen Blick in das Thema sinnvoll und relevant werden lassen.Eine interessante und aufschlussreiche Arbeit ist die Studie von Shendell(2004). Hier wurden über einen Zeitraum von zwei Jahren 434 Klassenzimmeran 22 Schulen untersucht. Man beschränkte sich in den Untersuchungen aufdie Auswirkung steigender Kohlendioxidwerte auf die Schüler. Dies brachte dasverblüffende Ergebnis zutage, dass ein deutlicher Zusammenhang zwischender Kohlendioxidkonzentration und den Fehlzeiten der Schüler festzustellenwar. Eine weitere Studie von Wargocki (2000) zeigt auf, dass sowohl die Leis-tung als auch das Wohlbefinden der Testpersonen stark beeinflussbar sinddurch simple, indes effiziente Maßnahmen zur Regulierung des Kohlendi-oxidgehalts in der Raumluft. Beides stieg bei ausreichender Frischluftzufuhrdurch regelmäßiges Stoßlüften deutlich an. Unzufriedenheit und das Gefühl von Mund- und Nasentrockenheit nahmen hingegen stetig ab. Eine Studie von Myr- vold (1996) wurde in 22 Klassenzimmern an fünf Schulen durchgeführt. Erüberprüfte nicht nur den Kohlendioxidwert, sondern zusätzlich auch einige Luft-schadstoffe, die Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftgeschwindigkeit. Auchhier gelangte man zu dem eindeutigen Ergebnis, dass es klare Zusammenhän-ge zwischen der Kohlendioxidkonzentration in der Raumluft und der Leistungder Schüler gibt. Zu erwähnen ist gleichwohl, dass sich der Großteil der Testshauptsächlich auf subjektive Einschätzungen der Versuchsteilnehmer stützt,weshalb die Genauigkeit der Ergebnisse also durchaus anzweifelbar ist. DieEindrücke der Testpersonen könnten auf dem sogenannten Hawthorne-Effektbasieren (hierzu mehr in Unterkapitel 4.1). Eine Vielzahl gesundheitlicher Effek-te wie trockene oder zu feuchte Schleimhäute, Hustenreiz oder Blutdruckverän-derungen können aber medizinisch belegt werden. Es existiert daher kein Zwei-fel dahin gehend, dass man Wege finden muss, die Raumluft stets möglichst„rein“ und „frisch“ sowie die Anzahl von Schadstoffen dazu möglichst gering zuhalten.

2.6.1 Schadstoffe in der Raumluft und ihre Quellen

Hier sind zunächst die Baustoffe zu nennen. Toxische Schadstoffe sind hier inallen Bereichen zu finden: in Bodenbelägen, Isoliermassen (spezielle Schäu-me), Dichtungsmassen (z. B. Silikone), Wandbelägen und Spanplatten. Weitergeht es mit der Raumausstattung. Hier finden sich Schadstoffquellen wieLeuchten, Türen, Möbel aller Art sowie diverse Anstriche wie Heizkörperlacke,Möbellacke und vieles mehr. All diese Materialien und Gegenstände könnenLösemittel, Weichmacher, Antioxidantien, Formaldehyd und weitere Schadstof-fe ausdünsten, welche die Raumluft schwach bis stark belasten - und das oft-mals über viele Jahre. Auch die Belastung durch Asbeststäube, gerade in öf-fentlichen Gebäuden, ist auch heute noch nicht ganz auszuschließen. Hinzukommen Mikroorganismen wie Pilzsporen, Bakterien, Viren und nicht zuletzt dieLuftverunreinigung durch den Menschen selbst. Er scheidet Kohlendioxid inrelativ hohen Mengen sowie weitere Stoffwechselprodukte aus, welche dieRaumluftqualität stark mit beeinflussen. Dazu gesellen sich Ausdünstungen über die Haut, die als Schweiß zu unangenehmen Gerüchen führen können, insbesondere bei schlecht belüfteten, zu kleinen Räumen und zu enger Belegung durch zu viele Menschen.

Als weitere Verunreinigung der Raumluft ist der „normale“ Hausstaub zu nen-nen. Er besteht meistens aus dem Abrieb von Textilien (Kleider, Polstermöbel,Teppiche, Gardinen), dem Abrieb von Einrichtungsgegenständen, wie etwanicht versiegelten Fußböden, Mauerwerk, Reinigungsrückständen, menschli-chen Hautschuppen und anderen Partikeln, die je nach Außenluftzufuhr undRaumnutzung variieren. Wie stark der Staub die Luft belastet, hängt sehr vonder vorherrschenden Luftfeuchtigkeit im Raum ab, aber auch von der Häufigkeitund Intensität der Raumreinigung. Je besser die Luftfeuchtigkeit in einem Raumist, desto weniger Staub findet sich in der Raumluft, da dieser das Wasser inder Luft anzieht und bei Sättigung zu Boden fällt. Dazu wird eine Luftfeuchtig-keit von mindestens 40 % benötigt.

Weitere Faktoren für die Qualität der Innenraumluft bilden die Nutzungsart unddie Nutzungsintensität eines Raumes sowie die Qualität der Außenluft, der mandurch einfaches Öffnen der Fenster Einlass gewähren kann. Zeigt der Raumdirekt zu einer Straße, so ist von einer größeren Schadstoffbelastung auszuge-hen als bei Schulen, die fernab vom Straßenverkehr liegen. Spricht man von„schlechter“ Raumluft, so spielen also multiple Faktoren eine wichtige Rolle, dieeinerseits objektiv messbar sind und andererseits von uns allen subjektiv alsstärker oder schwächer empfunden werden. Gerade Geruch, Luftfeuchtigkeitund Temperatur werden sehr unterschiedlich wahrgenommen, sodass es sichals schwierig erweist, die Qualität der Raumluft und generell des Raumklimasso zu gestalten, dass sie von allen Anwesenden als „angenehm“ empfundenwird.

Es finden sich zahlreiche Möglichkeiten, die Qualität der Raumluft zu beeinflus-sen. Der Kohlendioxidgehalt lässt sich am wirkungsvollsten durch regelmäßigesStoßlüften kontrollieren. Sehr effektiv sind jedoch überraschenderweise speziel-le Grünpflanzen zur Verbesserung der Raumluftqualität. Sie nehmen nicht nurpositiven Einfluss auf die Kohlendioxidkonzentration, sondern gleichsam auf dieLuftfeuchtigkeit und das Vorkommen verschiedener Schadstoffe in der Raum-luft. Diese Möglichkeit der „Luftreinigung“ wird in dieser Arbeit vorgestellt und in

[...]


[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird lediglich der männliche Terminus verwendet.

[2] Humbold, Alexander von (1845), Kosmos - Entwurf einer physischen Weltbeschreibung, Bd. 1, Cotta Verlag, Stuttgart, S. 340.

[3] Leuphana Universität Lüneburg (2011), Zentrum für Angewandte Gesundheitswissenschaften, Projekt „Gemeinsam gesunde Schule entwickeln“.

[4] DGUV-Information (2013), „Lärm-Stress“ am Arbeitsplatz - Nicht das Innenohr betreffende, extra-aurale Lärmwirkungen, Ausgabe 10/2013.

[5] Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychosomatik, Michael Schulte-Marktwort, Claus Barkmann & Nino Wessolowski(2009), Studie I: Ergebnisbericht „Wirksamkeit von dynamischem Licht in HamburgerSchulklassen“.

[5] Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychosomatik, Michael Schulte-Marktwort, Claus Barkmann & Nino Wessolowski(2009), Studie I: Ergebnisbericht „Wirksamkeit von dynamischem Licht in HamburgerSchulklassen“.

[6] Heller, Eva (1989), Wie Farben wirken - Farbpsychologie, Farbsymbolik, Kreative Farbgestaltung, Rowohlt Verlag GmbH, Hamburg.

[7] Loris Malaguzzi, bekannt als Begründer der Reggio-Pädagogik.

werden, sondern multifunktional, beweglich und anregend sein. Sie sollten jeder

[8] Pettenkofer, Max von (1858), Über den Luftwechsel in Wohngebäuden, Cotta, München.

Details

Seiten
68
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668646056
ISBN (Buch)
9783668646063
Dateigröße
615 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v385495
Institution / Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
1,7
Schlagworte
Bildungswissenschaften Sachunterricht Grünes Klassenzimmer Pflanzen

Autoren

  • Dina Loos (Autor)

  • I. S. (Autor)

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Titel: Das Grüne Klassenzimmer. Positives Raumklima durch Pflanzen und deren thematische Einbettung in den Unterricht für Grundschulkinder