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Entwicklungsaufgaben Jugendlicher im Übergang Schule-Beruf und Unterstützungsmöglichkeiten durch die Soziale Arbeit

Hausarbeit 2017 18 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Jugend als Lebensphase
2.1 Definitionen

3 Entwicklungsaufgaben (Konzepte) im Jugendalter

4 Berufsorientierungs- und -entscheidungsprozesse Jugendlicher im Übergang Schule und Beruf.
4.1 Sozialisationsinstanzen Schule, Familie, Peergroup

5 Handlungsansätze für die Soziale Arbeit
5.1 Welche Jugendlichen benötigen Unterstützung bei der beruflichen Eingliederung
5.2 Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit im Kontext beruflicher Integration von Jugendlichen, Definition Jugendhilfe
5.3 Schulsozialarbeit
5.4 Offene Kinder- und Jugendarbeit
5.5 Jugendberatungsstellen..

6 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Um den Übergang von der Schule in eine Ausbildung und später in den Beruf erfolgreich bewältigen zu können, stellt Jugendliche vor die Herausforderung, perspektivisch weitreichende Entscheidungen für ihre weitere Berufs-und Bildungsbiografie zu treffen. Der Berufsorientierungs- und -entscheidungsprozess wird von persönlichen, sozialen und institutionellen Faktoren beeinflusst. In Deutschland gilt die duale Ausbildung immer noch als Mindestqualifikation um den Weg in Erwerbstätigkeit zu sichern und den Zugang zu gesellschaftlicher Teilhabe und sozialer Integration zu generieren. Es besteht hierzulande ein enger Zusammenhang zwischen sozioökonomischer Herkunft, Hintergrund der Familie, Bildungsbeteiligung und Bildungsergebnissen (vgl. Bildungsmonitor 2016, S.61). Welche Faktoren haben Einfluss auf diesen Prozess und welchen Herausforderungen haben sich Jugendliche in dieser Phase zu stellen? Welche Unterstützungsmöglichkeiten für eine erfolgreiche berufliche Integration kann die Soziale Arbeit bieten? Auf diese Fragen gehe ich näher ein und auch wie Sozialisationsprozesse die Berufswahl bzw. Berufsorientierung beeinflussen. Auf die Perspektiven junger Erwachsener im Übergang von stationären Jugendhilfeeinrichtungen in ein eigenständiges Leben gehe ich kurz ein, da hier eine besondere Herausforderung für die Soziale Arbeit im Kontext der beruflichen Integration Jugendlicher liegt. Der Fokus liegt auf den Entwicklungsaufgaben, die von den Jugendlichen an der Schnittstelle zwischen Schule Übergang und Berufsleben bearbeitet werden sollten.

2 Jugend als Lebensphase

Die Jugendphase ist eine Phase zwischen der Kindheit und dem Erwachsenenalter. Während diesem Lebensabschnitt prägen Sozialisationsinstanzen die Persönlichkeit und nehmen auch Einfluss auf die Berufswahl. Einen wichtigen Beitrag dazu kann auch die Soziale Arbeit leisten, indem sie Jugendliche an der Schnittstelle zwischen Schule und Erwerbsleben unterstützt und zu einer beruflichen Integration der Jugendlichen beiträgt.

2.1 Definitionen

Definition Entwicklungsaufgabe:

Wie Havighurst definiert, ist eine Entwicklungsaufgabe eine Aufgabe, die sich in einer bestimmten Lebensphase stellt. Die Bewältigung führt zu Erfolg, Zufriedenheit und Versagen zu ggf. unglücklich sein oder ggf. später zu gesellschaftlicher Ablehnung. Er unterscheidet drei Quellen der Entwicklungsaufgabe: Physische Reife (individuelle Leistungsfähigkeit), kultureller Druck (Erwartungen der Gesellschaft, soziokulturelle Entwicklungsnorm) sowie die individuelle Zielsetzung. Er beschreibt in seinem Konzept der Entwicklungsaufgaben den Lebenslauf als eine Folge von Problemen, denen sich der Mensch gegenübersieht und die individuell bewältigt werden sollten. Die Voraussetzung um Entwicklungsaufgaben zu bewältigen, ist jede Entwicklungsaufgabe erfolgreich zu bewältigen. Denn das Versagen, Nichtbewältigen von Entwicklungsaufgaben, erschwere auch die Bewältigung der Folgenden. Unter Bewältigen wird somit ein Entwicklungsprozess verstanden, der durch Anforderungen von anderen Sozialisationsinstanzen wie Familie, Schule, Freunden, Kollegen an das Individuum gestellt werden (vgl. Hurrelmann, 2012, S.34). Alfred Adler definiert das Konzept der Entwicklungsaufgaben als Lebensstil: „ Der Lebensstil bildet sich in seinem Grundmuster während des Alters von vier oder fünf Jahren heraus, und von da an werden alle Erfahrungen diesem individuell einmaligen Lebensstil angeglichen und zunutze gemacht.“.

K. Hurrelmann formuliert als eine Entwicklungsaufgabe der Adoleszenz die Entwicklung intellektueller und sozialer Kompetenz, mit dem Ziel, schulische und berufliche Qualifikationen zu erreichen (vgl. Hurrelmann 2010; S. 12 f. zit. in: Marx 2011; S. 50). Die Entscheidung für einen Weg nach der Schule oder auch den der Berufswahl stellt somit die jungen Menschen, aber auch ihr soziales Umfeld, Eltern, Freunde vor eine Herausforderung. Probleme bei Entwicklungsaufgaben in der Adoleszenz, sind insbesondere auch die Entwicklung eines Werte-Normsystems inklusive politischem Bewusstsein sowie der Entwicklung bzw. dem Selbstverantwortlichem Erwerb der schulischen bzw. beruflichen Qualifikationen.

Definition Jugend:

Hurrelmann (2005) beschreibt die Jugendphase als einen Prozess zu mehr Selbständigkeit und Verantwortung und gleichzeitig als einen Ablösungsprozess von den Eltern. Dieter Baacke verweist darauf, dass sich seit den 50ziger Jahren von einer “standardisierten Statuspassage“ Jugend zu einem eigenständigen Lebensabschnitt entwickelt hat, die sich inzwischen weiter nach hinten in die 20er Lebensjahre ausdehnt (vgl. Baacke, 2005, S.47). In dieser Phase wird den Heranwachsenden immer mehr Selbstbestimmung und auch Verantwortung übertragen. Endziel, nach Hurrelmann, ist unter anderen, die ökonomische Selbstversorgung Die Gesellschaft stellt an die Jugendlichen und die damit einhergehende Erfüllung von Entwicklungsaufgaben Erwartungen. Somit ist das Jugendalter eine Übergangszeit zwischen Kindheit und Erwachsensein, in der der Mensch weder die Rolle des Kindes noch die eines Erwachsenen hat. Es ist ein Ablöseprozess von den Eltern, der, laut Havighurst, zu einer eigenen Familiengründung bzw. Partnerschaft und somit zur gesellschaftlichen Mitgliedsrolle führen soll.

Definition Sozialisation:

Es gibt diverse Sozialisationstheorien, die sich sowohl mit soziologischen, wie auch psychologischen Ansätzen beschäftigen. Der Kern ist die Auseinandersetzung des Individuums mit der Gesellschaft und beschreibt den Prozess der Persönlichkeitsentwicklung, der sich über ein Leben zieht und wie er im Kontext mit den Sozialisationsinstanzen, Familie, Bildungssystem, Peergroup, Freunden, Beruf und Freizeit bewältigt werden kann.

Hurrelmann (2005) beschreibt den Begriff der Sozialisation als eine Entwicklung des Menschen, die sich durch die Auseinandersetzung mit den inneren und äußeren Realitäten ergibt. Die Maximen von Hurrelmann beziehen sich auf die Individuation, so zu werden wie ICH will, und der Integration, sich in die Gesellschaft einzufinden. Die Kernfrage der Sozialisation ist: wie kann es dem Individuum gelingen sich in die Gesellschaft zu integrieren und dabei trotzdem eine handlungsfähige und individuelle Persönlichkeit zu bleiben. Fragen wie: wohin will ich, welchen Beruf, welchen Schulabschluss sollten in dieser Entwicklungsaufgabe bearbeitet werden genauso wie eigene Wünsche und Bedürfnisse mit der äußeren Realität abzugleichen, sozial zu integrieren und Fuß fassen in der Gesellschaft. Die Bewältigung der Entwicklungsaufgaben ist eine Erwartung an die Entwicklungsaufgaben und Krisen sollten als Chance zur ICH Identität genutzt werden. Identität meint die Beschaffenheit des Selbst als einmalige und unverwechselbare Person durch die soziale Umgebung und durch das Individuum selbst. Das Ziel ist Individuation mit Integration in die Gesellschaft zu verknüpfen. Nur wenn es nicht gelingt, dann entsteht eine Krise; wenn bspw. wenig Hilfe von außen wie bspw. von Eltern, Freunden oder der Schule kommt, dann kann Entwicklungsdruck entstehen. Daher ist es sinnvoll und ein Schritt der ICH Identität, sich Hilfe zu organisieren. Somit sind soziale Ressourcen (Peers, Eltern, …) nötig um die gesellschaftliche Integration und ICH- Bildung zu bewältigen. Ziel ist: ein Gesellschaftswesen zu werden ohne sich selbst zu verlieren. Der Sozialisationsprozess und das Umfeld hat bei Jugendlichen auf die Berufswahl eine relevante Auswirkung. Unbewältigte, vor allem traumatische; Lebenserfahrungen verhindern die altersgemäße Bewältigung der Entwicklungsaufgaben.

3 Entwicklungsaufgaben (Konzepte) im Jugendalter

Jugendliche entwickeln ihren eigenen Lebensstil und bewältigen gleichzeitig körperliche und psychische Anforderungen. Gesellschaftlich und je nach Kultur werden ihnen Erwartungen entgegengebracht, die sie entweder angehen und versuchen zu bewältigen oder mit Abwehr reagieren und versuchen dem Problem auszuweichen. Havighurst hat die Entwicklungsaufgaben definiert in das Akzeptieren der neuen körperlichen Gestalt, dem Erwerb der Geschlechterrollen, Aufbau neuer bedeutungsvoller Beziehungen zu den Gleichaltrigen und gleichzeitiger emotionaler Ablösung von den Eltern und anderen Erwachsenen, Vorbereitung des beruflichen Werdegangs durch Überlegungen zur Berufswahl und Lebenszielen. Hurrelmann (2010) fokussiert auf vier zentrale Entwicklungsaufgaben: Entwicklungsaufgaben der Qualifikation, Ablösung und Bindung, Konsumieren und Partizipation (vgl. Hurrelmann, 2010, S.27-28).

Die Entwicklung der intellektuellen und sozialen Kompetenz beinhaltet nach Hurrelmann auch den selbstverantwortlichen Erwerb von schulischen und beruflichen Qualifikationen. Dieses Qualifizieren, ist das aneignen von Berufsrelevanten Eigenschaften und dies fällt auch in den Bereich des Bildungssystems. Die Schule hat als Institution eine wichtige Aufgabe, unter anderem auch, den Jugendlichen immer mehr Verantwortung und Selbstbestimmung zu übertragen. Besonders Haupt/Werkrealschulen haben den Focus auf ein berufsbezogenes Profil und der intensiven Vermittlung fachlicher, personaler und sozialer Kompetenzen, damit die Heranwachsenden sich möglichst eine eigenständige berufliche Existenz sichern können. Dadurch kann die ökonomische und soziale Absicherung und auch die gesellschaftliche Stellung gefestigt werden.

Eine weitere wichtige Entwicklungsaufgabe ist auch die Entwicklung der Geschlechtsrolle und des sozialen Bindungsverhaltens (vgl. S.33). Dazu gehören neben Beziehungsaufgaben wie stabile und intime Freundschaften aufzubauen auch die Autonomie von den Eltern, die die emotionale Ablösung beinhaltet. Hurrelmann bezeichnet diese Entwicklungsaufgabe als die „Entwicklung des inneren Bildes“ (S.27), um das Entfalten einer individuellen Körper –und Geschlechtsidentität.

Michael Dreher (1994) setzt sich mit der Bedeutung von Entwicklungskonzepten auseinander. Diskontinuitäten, Unsicherheiten bei der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben gehören zur Lebensphase der Adoleszenz dazu. Wie von Hurrelmann als „partizipieren“ beschrieben, liegt Jugendlichen lt. Dreher viel an der Persönlichkeitsentwicklung, zu der bspw. Selbständigkeit, Selbsterkenntnis, Entwicklung von Zielen und Werten gehören (vgl. Dreher, 1994, S.124). Hurrelmann beschreibt diese Entwicklungsaufgabe der Partizipation neben der Aneignung von Werten und ethischer Prinzipien auch als Übereinstimmung vom eigenen Denken und Handeln (S. 33).

„Konsumieren“ als Entwicklungsaufgabe wird von Hurrelmann die Entwicklung eigener Handlungsmuster zur kontrollierten und bedürfnisorientierten Nutzung von Medien und des Freizeit-und Konsumangebotes bezeichnet. Hier kann lt. Hurrelmann die „verstärkte Orientierung an Gleichaltrigen“ eine Unterstützung zum Umgang mit den Angeboten bieten und sich dabei gleichzeitig soziale Kontakte entwickeln. Ziel ist die Entwicklung eines eigenen Lebensstils und auch die Notwendigkeit eines „Verhaltenskompasses“. Durch das immer größer werdende Konsumangebot, besteht die Gefahr die Übersicht, auch finanziell, zu verlieren. Die Herausforderung dieser Entwicklungsaufgabe ist das richtige Maß von diversen Genussmitteln zu finden (S.33-34).

Havighurst unterscheidet als wichtige Entwicklung Heranwachsender den soziokulturellen Erwartungen gerecht zu werden und gleichzeitig neben der physischen Reife auch die individuellen Ziele und Leistungsfähigkeiten mit der Umwelt zu verknüpfen Somit unterscheidet er zwischen zeitlich abgeschlossenen Aufgaben und Entwicklungsaufgaben, die sich über lange Phasen des Lebens erstrecken.

Hurrelmann hält fest, dass aus psychologischer Sicht, Jugend als eigenständige Lebensphase definiert wird, da in dieser Phase durch die Persönlichkeitsentwicklung, die Individuation und damit die Identität als wichtige Entwicklungsaufgabe bewältigt wird (vgl. Hurrelmann, 2005, S. 30). Es hängt auch von der individuellen Persönlichkeit und den Sozialisationsinstanzen ab, wie gut die Entwicklungsaufgaben bewältigt werden und wie mit Entwicklungskrisen umgegangen wird. Wie Hurrelmann betont, gibt es unterschiedliche Theorien „zwischen Transition und Moratorium“, die den mehr oder weniger schnellen Übergang der Lebensphase Jugend in Erwachsener beschreiben (S.42-43). Somit hat ein Heranwachsender eine Doppelaufgabe, nämlich die der Qualifizierung für einen Beruf und durch Wertorientierungen sich auf die Erwachsenenrolle vorzubereiten.

4 Berufsorientierungs- und - entscheidungsprozesse Jugendlicher im Übergang Schule und Beruf

Je nach Ausstattung können eine Vielzahl von Faktoren die Berufswahl von Jugendlichen beeinflussen und die spätere soziale Position. Diese Faktoren lassen sich unterscheiden in endogene wie persönliche Ressourcen und die Biografie der Bewerber/innen und exogene Bedingungen wie zum Beispiel gesellschaftliche, wirtschaftliche, regionale oder sozio-strukturelle Rahmenfaktoren. Zu den persönlichen Ressourcen gehören zum Beispiel Berufsinteressen, Werte, Erwartungen, schulische Voraussetzungen aber auch Kompromissbereitschaft. Für den Bildungserfolg sind auch Lernmotivation und Leistungsbereitschaft unerlässlich.

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Details

Seiten
18
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668611955
ISBN (Buch)
9783668611962
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v385363
Institution / Hochschule
Hochschule Fulda
Note
1,0
Schlagworte
entwicklungsaufgaben jugendlicher übergang schule-beruf unterstützungsmöglichkeiten soziale arbeit

Autor

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Titel: Entwicklungsaufgaben Jugendlicher im Übergang Schule-Beruf und Unterstützungsmöglichkeiten durch die Soziale Arbeit