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Strategien erfolgreicher Lehrer bei Unterrichtsstörungen

Hausarbeit 2017 15 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurzporträt der Schule

3. Beobachtungsschwerpunkt: Unterrichtsstörungen: Beobachtungsfeld
Lehrerinnen u. Lehrer (Erziehung)
3.1 Definitionsansätze
3.2 Klassifikationsmöglichkeiten von Unterrichtsstörungen
3.2.1 Unterscheidung nach Nolting
3.2.2 Unterscheidung nach Lohmann
3.2.3 Unterscheidung nach Keller
3.3 Ursachen für Unterrichtsstörungen
3.4 Interventionsmöglichkeiten bei Unterrichtsstörungen
3.4.1 Direktes Reagieren in Störsituationen
3.4.2 Konfliktgespräch mit dem Schüler
3.4.3 Auszeitmodelle
3.4.3 Verhaltensmodifikation durch positive Anreize
3.5 Strategien erfolgreicher Lehrer

4. Reflexion des Praktikums

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In Folge von Unterrichtsstörungen geht innerhalb der Schule viel Lernzeit verloren. Der durch Störungen hervorgerufene Ausfall von Lernzeit ist hierbei um ein Vielfaches höher als der krankheitsbedingte Unterrichtsausfall.[1] Laut Keller (2014) besteht eine Unterrichtsstunde in Deutschland zu 65% aus Lehr- und Lerntätigkeiten. Die übrigen 35% werden genutzt, um Ruhe und Disziplin herzustellen.[2] Unterrichtsstörungen an sich gefährden dabei nicht nur die Wirksamkeit des Unterrichts, sondern auch die Gesundheit der Lehrer. Ein notwendiges Maß an Disziplin zu generieren und aufrechtzuerhalten, ist eine der schwierigsten Aufgaben im Lehrerberuf. In der Literatur wir hierbei von Diziplinmanagment gesprochen.[3]

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Unterrichtsstörungen. Bevor explizit auf dieses Thema eingegangen wird, wird zunächst die Praktikumsschule vorgestellt. Anschließend rücken verschiedene Definitionsansätze und Klassifikationsmöglichkeiten in den Fokus. Im weiteren Verlauf stehen Ursachen und Interventionsmöglichkeiten im Mittelpunkt. Abschließend erfolgt eine Reflexion des Praktikums.

2. Kurzporträt der Schule

Das Sportgymnasium S. bietet Sporttalenten optimale Rahmenbedingungen und Trainingsmöglichkeiten, um im Sport erfolgreich zu sein und ist somit ein wichtiger Baustein der schulpolitischen Bildungslandschaft in Mecklenburg-Vorpommern. Der sportlichen Ausrichtung der Schule liegt maßgeblich das Leistungssportkonzept des Landessportbundes M-V zu Grunde. Hierbei agieren Trainer der Fachverbände eng mit den Sportlehrern der Schule. Das vorrangige Ziel ist die Entwicklung von Nachwuchssportlern für die Jugend- und Juniorennationalmannschaften. Regelmäßige Eignungsfeststellungen in den Sportarten Boxen, Fechten, Fußball, Handball, Judo, Leichtathletik, Radsport, Rudern, Sportakrobatik, Rhythmischer Sportgymnastik und Volleyball u.a. begrenzen hierbei die Anzahl der Sportler in der jeweiligen Sportart. Als Zentrum der sportlichen Hochbegabtenförderung mit überregionalem Einzugsbereich dient es ferner auch der Standortsicherung des Leistungssports in M-V.[4] Dem Sportgymnasium S. fällt als Eliteschule des Sports eine wichtige Bedeutung zu. Denn: „Eine Eliteschule des Sports ist eine Fördereinrichtung, die im kooperativen Verbund von Leistungssport, Schule und Wohnen Bedingungen gewährleistet, damit talentierte Nachwuchsathleten sich auf künftige Spitzenleistungen im Sport bei Wahrung ihrer schulischen Bildungschancen vorbereiten können.“[5]

Am Sportgymnasium S. lernen Schüler der Sekundarstufe I und II mit dem Ziel einen Regional- bzw. Gymnasialabschluss zu erlangen. Je nach Leistungsfähigkeit werden die Schüler ab der 7. Klasse in Regionalschulklassen (sogenannte R Klassen) und Gymnasialklassen überwiegend getrennt unterrichtet. Um die Teilnahme an Wettkämpfen auf regionaler und überregionaler Ebene zu ermöglichen, werden die Schüler auf Antrag des jeweiligen Sportverbandes oder Sportvereins an Wettkampftagen von der Schule freigestellt. Weitere Besonderheiten sind: Kursverlängerung in der Oberstufe für Kadersportler, Sport kann als Abiturfach gewählt werden, ein Sportinternat in unmittelbarer Nähe, Ganztagsbetreuung und zusätzliche sportliche Ausbildung in anderen Sportarten.[6]

3. Beobachtungsschwerpunkt: Unterrichtsstörungen: Beobachtungsfeld Lehrerinnen u. Lehrer (Erziehung)

3.1 Definitionsansätze

In Anlehnung an Lohmann (2015) sind Unterrichtsstörungen: „Ereignisse, die den Lehr-Lernprozess beeinträchtigen, unterbrechen oder unmöglich machen, indem sie die Voraussetzungen, unter denen Lehren und Lernen erst stattfinden kann, teilweise oder ganz außer Kraft setzen“.[7] Störungen können hierbei von Schülern oder Lehrern verschuldet oder durch Reize von außerhalb z.B. durch Durchsagen hervorgerufen werden.[8]

Keller (2014) definiert Unterrichtsstörungen als: „unterschiedliche Formen abweichenden Verhaltens, die das Lehren und Lernen mehr oder weniger stark beinträchtigen“. [9]

Nach Winkel (2009) liegt eine Unterrichtsstörung vor: „wenn der Unterricht gestört ist, d.h. wenn das Lehren und Lernen stockt, aufhört, pervertiert, unerträglich und inhuman wird“.[10] Er betont, dass Unterrichtstörungen nicht von der personellen Definitionsrichtung betrachtet werden sollten, sondern vom Unterricht her zu kennzeichnen sind. Demnach ist der Unterricht erst dann gestört, wenn beispielsweise das Vorlesen einer Kurzgeschichte und das beständige Zuhören beeinträchtigt werden. Solange der Kommunikationsprozess erfolgreich ist, also Lehren und Lernen gelingt, sollten Lehrer auffällige Verhaltensweisen nicht sofort als Unterrichtsstörungen kennzeichnen.[11]

Zusammenfassend kann konstatiert werden, dass sowohl Winkel, Keller und Lohmann von einer Unterrichtstörung ausgehen, wenn das Lehren und Lernen beeinträchtigt wird. Auffällig ist, dass Winkel den Rahmen einer Unterrichtsstörung vom Unterricht her beschreibt und eine personelle Definitionsrichtung hinten anstellt.

3.2 Klassifikationsmöglichkeiten von Unterrichtsstörungen

In der Literatur werden Unterrichtsstörungen unterschiedlich klassifiziert. Im folgenden Abschnitt werden verschiedene Erscheinungsformen vorgestellt.

3.2.1 Unterscheidung nach Nolting

Er unterscheidet drei Typen:

- Aktive Unterrichtstörungen z.B. Privatgespräche, laute Meldungen, Lärm.
- Passive Unterrichtstörungen z.B. Nichterledigung von Hausaufgaben, fehlende Unterrichtsmaterialien, keine Beteiligung an Unterrichtsgesprächen,
- Störungen der Schüler-Schüler-Interaktion z.B. Feindseligkeiten bzw. Mobbing in der Klasse. Diese Probleme können in den Unterricht hineinwirken.[12]

3.2.2 Unterscheidung nach Lohmann

Der Autor differenziert vier Erscheinungsformen von Unterrichtsstörungen, wobei er sich in seinen Ausführungen auf Fartacek et al. (1987) bezieht. Dies sind:

- Verbale Störungen z.B. Zwischenrufe oder Beleidigungen,
- Fehlender Lerneifer z.B. Desinteresse, mentale Abwesenheit,
- Motorische Unruhe z.B. Kippeln, Aufstehen,
- Aggressives bzw. angreifendes Verhalten z.B. Sachbeschädigung, körperliche Gewalt.[13]

3.2.3 Unterscheidung nach Keller

Eine differenzierte Beschreibung gibt Keller (2014), der zwischen sechs Typen von Störungen unterscheidet:

- Akustische Störungen z.B. Summen, Schwatzen, Handygeräusche,
- Motorische Störungen z.B. Zappeln, artfremdes Benutzen von Arbeitsmitteln,
- Aggressionen z.B. Wutausbrüche, verbale und körperliche Gewalt gegenüber Schülern,
- Geistige Abwesenheit z.B. Tagträume, mit anderen Sachen beschäftigen,
- Verweigerung z.B. Verweigerung der Mitarbeit, absichtliches vergessenes Sportzeug,
- Missachtung der Hausordnung z.B. Unerlaubtes Verlassen des Schulgeländes, Beschmieren von Tischen.[14]

Es wird deutlich, dass die Autoren Unterrichtsstörungen unterschiedlich klassifizieren. Keller geht hierbei am differenziertesten vor.

3.3 Ursachen für Unterrichtsstörungen

In Anlehnung an Keller gibt es folgende Ursachen: Entwicklungsverletzungen, Entwicklungskrisen (Pubertät), neurobiologische Störungen (z.B. ADHS), Familienprobleme, familiäre Erziehungsfehler, gesellschaftliche Einflüsse und schulische Fehler.[15] Im Folgenden wird insbesondere auf Fehler der Institution Schule eingegangen.

Unterrichtsstörungen sind immer auch, aber nicht ausschließlich, systemische Prozesse, welche vom Kollegium mit verursacht werden. In diesem Zusammenhang sind Lehrer zu nennen, die für den Leistungsdruck ihrer Kollegen aufkommen, da die Schüler an ihnen Spannungen und negative Energie abbauen. Ebenso schwierig gestaltet sich eine.

Konstellation des Kollegiums, welches in autoritäre und liberale Kollegen geteilt sein kann.[16] Die Letzteren sind hierbei: „wie Dompteure, die in eine Arena gehen, aber – ohne Peitsche“.[17]

Innerhalb der Schule lassen sich weitere störungsverursachende Quellen finden. Dies sind u.a. der Mangel an Grenzziehung, kein Konsens über Verhaltenserwartungen im Kollegium, mangelhafte Umsetzung von Konsequenzen, wenig Beziehungspflege und Vernachlässigung des sozialen Lernens. Ferner ist schlechter Unterricht als Störungsverursacher zu erwähnen. Dieser ist u.a. gekennzeichnet durch:

- Vernachlässigte Unterrichtsplanung und mangelhafte Unterrichtsdurchführung
- Wenig Methodenwechsel, verbunden mit einem Mangel an schüleraktiven Arbeitsformen
- Über- oder Unterforderung der Schüler
- Übertriebene Sanktionen
- Fehlende bzw. intransparente Klassenregeln
- Willkür des Lehrers[18]

Bei der Ursachenanalyse sollte der Lehrer immer auch sich selbst kritisch hinterfragen. Dass heißt, inwiefern er an dem Disziplinproblem beteiligt ist. Keller schlägt folgenden Leitfaden zur Stördiagnose vor:

1. Wie äußert sich das Schülerverhalten?
2. Wie ist der Schwergrad auf einer Skala von 1-10 einzuordnen?
3. Welche Fächer betrifft es?
4. Sind bestimmte Unterrichtsphasen auszumachen?
5. Wie reagiert die Klasse?
6. Welche Störursachen kommen in Frage?
7. Welche Botschaft steckt hinter dem Störverhalten?
8. Wann ist das Verhalten unproblematisch?
9. Welche Maßnahmen wurden schon ergriffen? Mit welchem Erfolg?
10. Wie könnte das Verhalten wirksam geändert werden?[19]

3.4 Interventionsmöglichkeiten bei Unterrichtsstörungen

Schulrechtlich zu unterscheiden sind Erziehungsmaßnahmen, die durch den verfassungsrechtlich bestimmten Erziehungs- und Bildungsauftrag legitimiert sind. Dem gegenüber stehen Ordnungsmaßnahmen, die einer speziellen Rechtgrundlage bedürfen. Es gibt eine Vielzahl von Erziehungsmaßnahmen. Anzuführen sind beispielsweise verbale Interventionen, Eintragungen ins Klassenbuch/Hausaufgabenheft, Umsetzung innerhalb der Klasse, Einziehen von Gegenständen, Strafarbeit, Gespräche mit Schülern und/oder Eltern sowie verschiedene „Auszeit-Modelle“.[20]

Bei gravierendem Fehlverhalten können Ordnungsmaßnahmen ergriffen werden, die gesetzlich festgelegt sind und in die Rechtsphäre des Schülers eingreifen. Mögliche Ordnungsmaßnahmen sind u.a.: Schriftliche Verweise (u.a. Fachlehrer, Klassenlehrer), Umsetzung in eine Parallelklasse, Ausschluss vom Unterricht für bestimmte Zeit, Androhung der Verweisung auf eine andere Schule und schlussendlich Verweisung von der Schule. Allerdings variieren hier die Inhalte von Bundesland zu Bundesland.[21]

Im folgenden Abschnitt werden ausgewählte Erziehungsmaßnahmen näher betrachtet und gegebenenfalls im Zusammenhang gebracht.

[...]


[1] vgl.: Keller, Gustav (2014): Disziplinmanagement in der Schulklasse. Wie Sie Unterrichtsstörungen vorbeugen und bewältigen. 3. Auflage. Bern: Verlag Hans Gruber, S. 8.

[2] ebd., S. 32.

[3] ebd., S. 7-8.

[4] vgl.: http://www.sportgymnasium-schwerin.de/ [letzter Zugriff: 09.11.17].

[5] http://www.lvmv.de/de/leistungssport/eliteschulen.html [letzter Zugriff: 09.11.17].

[6] vgl.: http://www.sportgymnasium-schwerin.de/wp-content/uploads/2015/11/Schulprogramm.pdf, S. 5; http://www.sportgymnasium-schwerin.de/?page_id=6755# [letzter Zugriff: 09.11.17].

[7] Lohmann, Gert (2015): Mit Schülern klarkommen. Professioneller Umgang mit Unterrichtsstörungen und Disziplinkonflikten. 12. Auflage. Berlin: Cornelsen Verlag, S. 13.

[8] ebd., S.13.

[9] Keller, Gustav (2014): Disziplinmanagement in der Schulklasse. Wie Sie Unterrichtsstörungen vorbeugen und bewältigen. S. 25.

[10] Winkel, Rainer (2009): Der gestörte Unterricht. Diagnostische und therapeutische Möglichkeiten. 9. Auflage. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren, S. 29.

[11] ebd., S. 29-31.

[12] vgl.: Nolting, H.-P. (2011): Störungen in der Schulklasse. Ein Leitfaden zur Vorbeugung und Konfliktlösung. 9. Auflage. Weinheim und Basel: Beltz Verlag, S. 12-14.

[13] vgl.: Lohmann, Gert (2015): Mit Schülern klarkommen. Professioneller Umgang mit Unterrichtsstörungen und Disziplinkonflikten. S. 14.

[14] vgl. Keller, Gustav (2014): Disziplinmanagement in der Schulklasse. Wie Sie Unterrichtsstörungen vorbeugen und bewältigen. S. 25-27.

[15] ebd. S. 33-39.

[16] vgl.: Winkel, Rainer (2009): Der gestörte Unterricht. Diagnostische und therapeutische Möglichkeiten. S. 159.

[17] ebd. S. 159.

[18] vgl.: Keller, Gustav (2014): Disziplinmanagement in der Schulklasse. Wie Sie Unterrichtsstörungen vorbeugen und bewältigen. S. 33-38.; Lohmann, Gert (2015): Mit Schülern klarkommen. Professioneller Umgang mit Unterrichtsstörungen und Disziplinkonflikten. S. 21-23.

[19] ebd. S. 39-40.

[20] vgl.: Lohmann, Gert (2015): Mit Schülern klarkommen. Professioneller Umgang mit Unterrichtsstörungen und Disziplinkonflikten. S. 178-179; Keller, Gustav (2014): Disziplinmanagement in der Schulklasse. Wie Sie Unterrichtsstörungen vorbeugen und bewältigen. S. 43-44.

[21] vgl.: Keller, Gustav (2014): Disziplinmanagement in der Schulklasse. Wie Sie Unterrichtsstörungen vorbeugen und bewältigen. S. 44-45.

Details

Seiten
15
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668604148
ISBN (Buch)
9783668604155
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v385116
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Bildungswissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
strategien lehrer unterrichtsstörungen

Autor

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Titel: Strategien erfolgreicher Lehrer bei Unterrichtsstörungen