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Populationsdivergenz innerhalb der Gattung "Leucorrhinia"

Bachelorarbeit 2016 35 Seiten

Biologie - Genetik / Gentechnologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Zusammenfassung

2 Einleitung

3 Material & Methoden
3.1 Sammlung der Daten
3.2 Molekularbiologische Methoden
3.2.1 DNA-Isolierung
3.2.2 Quantifizierung der DNA
3.2.3 Wahl der Primer
3.2.4 Polymerasekettenreaktion
3.2.5 Aufreinigung der PCR Produkte
3.2.6 DNA-Agarosegelelektrophorese zur Mengenabschätzung
3.2.7 Sequenzierung

4 Ergebnisse
4.1 DNA Isolierung und Quantifizierung der DNA
4.2 Methoden zur Optimierung der ND1-PCR
4.3 Methoden zur Optimierung der ITS-PCR
4.4 Sequenzierung der PCR-Produkte
4.5 Untersuchung der DNA von 2013 und 2014 auf Degradation

5 Diskussion

6 Literaturverzeichnis

7 Anhang

1 Zusammenfassung

Die Ausbreitung von Individuen stellt einen wichtigen Faktor dar, um den Genfluss zwischen Populationen einer Art aufrecht zu erhalten und Divergenzen zu vermeiden. Prädatoren haben einen entscheidenen Einfluss auf die Ausbreitungskapazität von Populationen. Deshalb unterscheidet man zwei Ausbreitungstypen. Zum einen gibt es die Habitatspezialisten, die sich so lange Ausbreiten können, bis ein Prädator auftritt, an den sie nicht angepasst sind. Ihre Adaption betrifft das Zusammenleben mit dem Hauptprädator in dem durch sie bevölkerten Habitat und ist genetisch fixiert. Aufgrund dessen kann der Genfluss unterbrochen werden und leicht Divergenzen entstehen. Im Gegensatz dazu gibt es die Generalisten, die phänotypische Plastizität aufweisen und unterschiedliche Habitate mit variierenden Top-Prädatoren besiedeln können. Mögliche Divergenzen werden durch den vorherrschenden Genfluss vermieden.

Von den fünf europäischen Leucorrhinia -Arten, in denen L. caudalis, L. albifrons und L. pectoralis nur in Habitaten mit Fischen vorkommen und L. dubia sowie L. rubicunda an das Zusammenleben mit invertebraten Prädatoren spezialisiert sind, ist L. dubia am signifikantesten phänotypisch plastisch. In der vorliegenden Studie gilt es zu zeigen, dass Untersuchungen von Populationen der plastischen Art L. dubia unabhängig von der Entfernung des Sammlungsstandortes, eine verminderte Divergenz aufweisen. Un- tersuchungen der Arten L. albifrons, L. caudalis, L. pectoralis sowie L. rubicunda weisen im Vergleich eine höhere Divergenz auf. Um die molekularen Untersuchungen durchzuführen und gute Ergebnisse zu gewährleisten, wurde die Kombination aus einem mitochondrialen (ND1) und chromosomalen (ITS) Primer gewählt.

Eine Überprüfung der aufgestellten Hypothesen blieb jedoch aus, da eine erfolgreiche Amplifizierung und Sequenzierung sowohl für den ND1 - als auch für den ITS - Primer, auch nach mehrfachen Optimierungsversuchen, nicht erreicht werden konnte. Dies ermöglichte eine Fehleranalyse. Es zeigte sich, dass beim Einlegen der Individuen in Aceton keine systematische Technik genutzt wurde, sodass eine Kontamination nicht ausgeschlossen werden konnte. Die Erkenntnis, dass Wasser und Verschmutzungen in Aceton eine Degradation der DNA begünstigen bestätigte, dass eine Amplifikation und Sequenzierung der DNA aus den Jahren 2012/13 aufgrund dessen nicht möglich war. Die DNA aus dem Jahr 2014 lag intakt vor, wodurch sich eine Analyse über alternative Methoden ergab. Es zeigte sich, dass Trehalose zum PCR-Mix hinzugegeben oder eine andere Isolations-Methode gewählt werden konnte, um eine komplette Amplifika- tion zu gewährleisten. Das Prinzip des PCR-Produkt klonierens hätte womöglich eine komplette Sequenzierung ermöglicht. Da die Überprüfung dieser Methoden im Rahmen der Arbeit nicht möglich war, sollte dies Gegenstand zukünftiger Untersuchungen sein.

2 Einleitung

Divergente natürliche Selektion zwischen alternativen Umwelten führt oftmals zu einer phänotypischen Diversität (Albertson et al., 2003; Orr & Smith, 1998). Auf diese Weise kann eine adaptive Divergenz (Caputo et al., 2014) und die daraus resultierende Diffe- renzierung von Populationen hervorgerufen werden (Schluter, 2000). Man bezeichnet die phänotypische Auseinanderentwicklung von Populationen als Populationsdiver- genz. Darauf aufbauend formt die Divergenz von Populationen innerhalb einer Art ei- nen unmittelbaren Ausgangspunkt für Artbildungsprozesse (Levine, 1976; Grant, 1986) und ist somit essentiell für die Entstehung neuer Arten. Divergenzen innerhalb einer Population können entweder von einer plastischen Adaption (Walsh et al., 2008) oder aus einer genetischen Differenzierung (Langerhans et al., 2004) stammen.

Einer der wichtigsten Faktoren für die Entstehung von Populationsdivergenz sind Un- terbrechungen des Genflusses zwischen Populationen. Dies kann einerseits durch eine geographische Isolation entstehen. Die Populationen entwickeln sich aufgrund von Ad- aptionen an unterschiedlich vorherrschende Selektionsdrücke phänotypisch divergent (Turelli et al., 2001). Andererseits kann die Unterbindung des Genflusses und die somit entstehende Divergenz auch durch ökologische Selektion hervorgerufen werden (Stel- kens et al., 2012). Dies kann durch eine lokale Adaption an divergierende Umwelten innerhalb eines Habitats, wie beispielsweise unterschiedliche Nahrungsressourcen, Prädatoren, Parasiten oder Klimaunterschiede auftreten. Die Besetzung verschiedener ökologischen Nischen begünstigt die phänotypische Divergenz (Taylor, 1991; Dionne et al., 2008). Die unterschiedlichen Umwelten können also einen direkten Wandel des Verhaltens, der Morphologie und der Physiologie induzieren. Solche Veränderungen werden zusammenfassend als phänotypische Plastizität bezeichnet (Price et al., 2003). Phänotypische Plastizität ist die Fähigkeit eines einzelnen Genotyps unter unter- schiedlichen abiotischen und biotischen Umweltbedingungen verschiedene Phäno- typen auszubilden (Pfennig et al., 2010). Diese Adaption erlaubt dem Organismus auf unvorhersehbare Umweltveränderungen zu reagieren, indem dieser seinen Phänotyp ändert und somit vorteilhafter an die lokalen Bedingungen angepasst ist (Thibert-Plante & Hendry, 2010). Gelangt ein Organismus in eine neue Umwelt, die sich stark von seiner Alten unterscheidet und enorme Veränderungen mit sich bringt, besteht die Möglichkeit, dass Phänotypische Plastizität evolviert (Pigliucci, 2005). Gerade in het- erogenen Umwelten, die in Raum (Via & Lande, 1985; Hollander, 2008) oder Zeit (Gabriel, 2005; Lande, 2009) fluktuieren, bietet es einen Vorteil und bringt die Popula- tionen schneller zu ihrem Fitnessoptimum (Stelkens et al., 2012). Plastizität wird somit dann favorisiert, wenn Veränderungen innerhalb einer kurzen Generationenfolge gehäuft auftreten (Price et al., 2003).

Phänotypische Plastizität kann die Divergenz zwischen Populationen verhindern, in- dem sie eine Aufrechterhaltung des Genflusses zwischen ihnen ermöglicht. So erlaubt sie einem Genotypen, unterschiedliche Phänotypen als Antwort auf die sich ändernden Umweltbedingungen auszubilden. Sollte eine geringe Plastizität nachweisbar sein, können nur kleine, schwache Schwankungen der Umwelt in Kauf genommen werden. Ist eine hohe Plastizität vorzufinden, kann der Organismus auch mit starken Umweltveränderungen umgehen. Wichtig bei beiden Varianten ist, dass einzig und allein der sich ändernde Phänotyp die Population zu ihrem Fitnessoptimum bringt. Ein genetischer Wandel wird hier nicht benötigt und eine mögliche Artaufspaltung durch einen vorherrschenden Genfluss verhindert, da diese Adaptionen reversibel sind und wieder verschwinden können, sobald der Umweltreiz nicht mehr immanent vorhanden ist (Pfennig et al., 2010). Lässt man beispielsweise Wasserflöhe der Art Daphnia Pluex in Gegenwart von Feinden aufwachsen, so entwickelt sich ein großer helmförmiger Kopf und ein langer, spitzer Schwanz. Diese Adaptionen fungieren als Abwehrmecha- nismen gegen Prädatoren. Wachsen sie dagegen ohne natürliche Feinde auf, bleibt der Kopf klein und der Schwanz ist kürzer und spitzer. Untersucht man ihre Allelfre- quenz, so stellen sich keine Unterschiede zwischen den beiden unterschiedlich aufge- zogenen Organismen heraus. Es bleiben genetisch identische Individuen (Stearns, 1989). Zum Anderen erlaubt die Plastizität verschiedenen Genotypen denselben Phänotyp als Antwort auf sich ändernde Umweltbedingungen auszubilden. Auch hier wird eine Verminderung der Divergenz erwartet. Da selektive Faktoren auf alle Geno- typen gleichermaßen wirken, kann die Selektion zwischen den unterschiedlichen Genotypen nicht unterscheiden. Ein Genfluss zwischen verschiedenen Populationen entsteht und somit können reproduktive Nachkommen gebildet werden (Pfennig et al., 2010).

Ein Hauptgrund für die Aufrechterhaltung oder Verminderung des Genflusses von na- türlichen Populationen stellt deren Ausbreitung dar (Benard & McCauley, 2008). Die Ausbreitung von Individuen oder Populationen beschreibt jegliche Bewegungen durch den Raum mit möglichen Folgen für den Genfluss (Ronce, 2007). Man unterscheidet hierbei zwei verschiedene Ausbreitungstypen, die sich in ihrer Ausbreitungskapazität unterscheiden (Baguette et al., 2013). Prädatoren haben einen entscheidenden Ein- fluss auf die Ausbreitungskapazität (Slatkin, 1987). Einerseits gibt es die Habitatspezia- listen. Ihre spezifische Adaption betrifft das Zusammenleben mit dem Hauptprädator in dem durch sie bevölkerten Habitat und ist genetisch fixiert. Andererseits gibt es die Generalisten, die phänotypische Plastizität aufweisen und unterschiedliche Habitate mit variierenden Top-Prädatoren besiedeln können. Adulte Tiere der Habitatspezialisten breiten sich nicht weit aus und kolonisieren weniger weit entfernte Habitate. Der Grund liegt darin, dass sie nicht in der Lage sind Habitate mit alternativen Top-Prädatoren zu besiedeln, da sie keine Adaptionen für das Zusammenleben ausbilden können und somit der Selektionsdruck zu stark ist (McCauley, 2007). Slatkin (1987) schrieb, dass sich solche Populationen nur so weit ausbreiten können, bis sie durch Barrieren, wie beispielsweise Prädatoren, Kosten oder geographische Strukturen gestoppt werden. Das bedeutet, dass die Habitatspezialisten sich nur so lange Ausbreiten können, bis ein Prädator auftritt, an den sie nicht angepasst sind (McCauley, 2007). Aus diesem Grund kann der Genfluss nicht immer aufrechterhalten werden und eine Divergenz zwischen Populationen kann schneller auftreten (Baguette et al., 2013). Die Generalis- ten hingegen bewegen sich quer über die Landschaft hinweg und besiedeln neue Habi- tate mit unterschiedlichen Top-Prädatoren. Bedingt durch ihre phänotypische Plastizität ist es ihnen ermöglicht, sich auch in weit entfernte Habitate auszubreiten (McCauley, 2007). Somit kann eine Verbindung zwischen Populationen mit großer Distanz aufge- baut werden, ein Genfluss stattfinden und eine mögliche Divergenz wird verhindert (Benard & McCauley, 2008).

Lebensgemeinschaften aquatischer Insekten werden oft durch Prädatoren determiniert (Wellborn et al., 1996). Süßwassergewässer gemäßigter Regionen werden gemäß ihres Top-Prädators in drei Habitattypen unterteilt. Differenziert wird zwischen ephemeren Habitaten, die nur für eine kurze Zeit bestehen und in denen keine großen Prädatoren vorherrschen, sowie zwischen permanenten Seen und Teichen, die inver- tebrate Prädatoren, wie beispielsweise große Libellenlarven, als Spitzenprädatoren enthalten oder in denen Fische die Hauptprädatoren sind (Stoks und McPeek, 2006; Wellborn et al., 1996). Die Zusammensetzung von Libellen-Lebensgemeinschaften un- terscheiden sich zwischen Gewässern mit Fisch- und invertebraten Prädatoren (Jo- hansson et al., 2006).

Arten der Libellengattung Leucorrhinia (Odonata: Libellulidae) unterscheiden sich sowohl in ihrer Morphologie, als auch in ihrem Verhalten zwischen Fischseen und Li- bellenhabitaten (Johansson & Mikolajewski, 2008). Larven dieser Gattung, die mit Fis- chprädatoren, wie beispielsweise dem Flussbarsch (Perca fluviatilis) aufwachsen, be- sitzen lange laterale und dorsale abdominale Dornen sowie eine hohe Flucht- geschwindigkeit, um sich vor Fischattacken zu schützen. Wachsen die Larven hinge- gen mit invertebraten Prädatoren auf, wie beispielsweise Libellenarten der Gattung Aeshna, so zeigen sie reduzierte bis keine abdominale Dornen und eine reduzierte

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Phylogenie der fünf europäischen Leucorrhinia-Arten. Diese wurde von der Phylogenie aller Leucorrhinia - Arten von Hovmöller und Johansson abgeändert (2004).

Phylogenie der fünf europäischen Leucorrhinia- Arten. Diese wurde von der Phylogenie aller Leucorrhinia - Arten von Hovmöller und Johansson abgeändert (2004).

Fluchtgeschwindigkeit (Hovmöller & Johansson, 2004; Mikolajewski et al., 2010). Es herrschen also innerhalb der Gattung Leucorrhinia zwei gegensätzliche durch Präda- toren induzierte Selektionsdrücke, weshalb eine Abstimmung der jeweiligen Art auf den durch sie bevölkerten Habitattyp überlebenswichtig ist. Unterschiede in der variieren- den Anzahl und Länge der abdominalen Dornen zwischen Habitaten mit unter- schiedlichen Prädatoren können entweder von einer genetischen Differenzierung (Langerhans et al., 2004) oder einer plastischen Adaption (Walsh et al., 2008) stam- men.

In den fünf europäischen Arten, in denen L. caudalis, L. albifrons und L. pectoralis nur in Habitaten mit Fischen vorkommen und L. dubia sowie L. rubicunda an das Zusam- menleben mit invertebraten Prädatoren gewöhnt sind, ist L. dubia am signifikantesten in ihrem Verhalten und in ihrer Dornenausprägung phänotypisch plastisch. L. dubia ist mit geringen kurzen Dornen ausgestattet und kann sowohl in Habitaten mit als auch ohne Fischen vorkommen. Die Anwesenheit von Fischen induziert bei ihr signifikant längere anteriore, sowie kürzere posteriore abdominale Dornen (Johansson & Samu- elsson, 1994) und eine reduzierte larvale Aktivität (Mikolajewski & Johansson, 2004), welches ein Ergebnis der phänotypischen Adaption ist. Die anderen Arten sind auf das Merkmal der Dornenmorphologie hin nicht plastisch und können nur das Überleben in dem durch sie bevölkerten Habitattyp garantieren (Mikolajewski et al., 2010). Zu er- wähnen ist, dass L. albifrons plastisch im Verhalten ist. Erreicht sie Habitate mit inver- tebraten Prädatoren, erhöht sich ihre larvale Aktivität. Diese Plastizität ist jedoch nicht so signifikant wie bei L. dubia (Mikolajewski & Johansson, 2004). Phylogenetisch be- trachtet bilden der Fisch-Spezialist L. pectoralis mit L. dubia und L. rubicunda sowie L. albifrons und L. caudalis eine monophyletische Gruppe (vgl. Abbildung 1).

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, Populationsdivergenz innerhalb der Gattung Leucorrhinia nachzuweisen. Wie oben bereits erwähnt, ist es Arten, die phänotypisch plastisch sind, möglich neue Habitate mit unterschiedlichen Prädatoren zu besiedeln (Petrin et al., 2010). Von adulten Individuen der plastischen Art L. dubia ist bekannt, dass sie sich weit ausbreiten und große Distanzen zurücklegen können (Pajunen, 1962). Sie bilden in den neuen Habitaten den erforderten Phänotyp aus, um Prädation zu vermeiden. Man kann also davon ausgehen, dass die innerartlichen Unterschiede von L. dubia bezüglich der Dornenmorphologie und der Fluchtgeschwindigkeit Resul- tate der Phänotypischen Plastizität sind und keine genetische Differenzierung (Johans- son & Samuelsson, 1994). Da sie aufgrund dessen auch sehr weit entfernte Habitate besiedeln und damit den Genfluss aufrecht erhalten können, wird folgende Hypothese (a) überprüft: Untersuchungen von Populationen der plastischen Art L. dubia zeigen, unabhängig von der Entfernung des Sammlungsstandortes, eine verminderte Populationsdivergenz. L. albifrons, L. caudalis, L. pectoralis sowie L. rubicunda könnte man, wie oben geschrieben, auch als Habitatspezialisten bezeichnen. Sie können sich nur so lange Ausbreiten, bis ein Prädator auftritt, an den sie nicht angepasst sind (McCauley, 2007). Der Genfluss kann dadurch nicht immer aufrechterhalten werden und eine Divergenz zwischen Populationen kann aufgrund dessen schneller auftreten (Baguette et al., 2013). Daraus folgt Hypothese (b): Die Untersuchungen der Arten L. albifrons, L. caudalis, L. pectoralis sowie L. rubicunda weisen, im Vergleich zu der plastischen Art L. dubia, eine höhere Populationsdivergenz auf.

3 Material & Methoden

3.1 Sammlung der Daten

Zu der Gattung Leucorrhinia gehören insgesamt 14 Arten, welche in Nord-Amerika und Europa vorkommen (Hovmöller und Johansson, 2004). Untersucht wurden davon die Larven von fünf europäischen Leucorrhinia -Arten: Leucorrhinia albifrons (die östliche Moosjungfer), Leucorrhinia caudalis (die zierliche Moosjungfer), Leucorrhinia dubia (die kleine Moosjungfer), Leucorrhinia pectoralis (die Große Moosjungfer) und Leucorrhinia rubicunda (die Nordische Moosjungfer). Diese wurden in vergangenen Studien in den Jahren 2012/ 2013/ 2014/ 2015 in Gewässern in Deutschland, Schweden und Polen gesammelt, bestimmt und in 100% Aceton eingelegt. In Schweden wurden Gewässer ausgewählt, deren Standorte weit auseinanderliegen (L.dubia und L.albifrons lagen als Proben vor). In Deutschland wurden dicht zusammenliegende Standorte ausgesucht (alle Arten lagen als Proben vor). In Polen wurden sowohl dicht als auch weit ausein- anderliegende Orte gewählt (alle Arten lagen als Proben vor). Für jede Art wurden 10 Individuen pro Standort in jedem Land ausgewählt (vgl. Tabelle 1).

Tabelle 1: Auflistung der Sammlungsstandorte für jede Art aus Schweden, Polen und Deutschland.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2 Molekularbiologische Methoden

3.2.1 DNA-Isolierung

Die Isolation der DNA erfolgte mit Hilfe des Tissue DNA Pufrification Kit. Dabei wurde nach dem Protokoll „Tissue DNA Purification Kit“ (siehe Anhang 7.2) gearbeitet. Um den Ertrag der DNA zu maximieren, wurden die folgenden Änderungen vorgenommen, die nicht im Protokoll zu finden sind. Zum einen fand die Lysierung über Nacht in einem 56°C warmen Wasserbad statt. Zum anderen wurde das Lyseprodukt am nächsten Morgen 30 Minuten bei -20°C tiefgefroren. Nach dem Auftauen erfolgte die weitere Isolation nach Anleitung des Protokolls.

3.2.2 Quantifizierung der DNA

Um die Konzentration der Nukleinsäuren in den einzelnen Proben zu bestimmen und diese auf mögliche Verunreinigungen zu kontrollieren, wurden die DNA-Lösungen mit einem UV/VIS-Photometer NanoDrop ® ND-1000 (Peqlab) untersucht. Der Nullabgleich erfolgte mit Pufferlösung, da diese auch für die Elution der DNA verwendet wurde. Um die Nukleinsäuren zu quantifizieren, wurde die Absorption bei einer Wellenlänge von 260nm (A260 ) photometrisch bestimmt, da dort ihr Absorptionsmaximum liegt. Ebenso wurde bei 280nm (A280) - dem Absorptionsmaximum für Proteine - gemessen. Polysac- charide, die durch die DNA-Isolierung noch in der Probe enthalten sein konnten, haben ein Absorptionsmaximum bei 230nm (A230). Der Quotient aus A260 und A280 bzw. A260 und A230 gilt als Maß für die Reinheit der Probe. Die DNA sollte für das Verhältnis aus A260 und A280 einen Wert von 1,8 aufweisen und für das Verhältnis von A260 und A230 einen Wert von 2,2. Kontaminationen, wie zum Beispiel Proteine, erhöhen die Absorp- tion bei 280nm, während Polysaccharide für eine erhöhte Absorption bei 230nm sor- gen.

3.2.3 Wahl der Primer

Um die Populationsdivergenz innerhalb der Gattung Leucorrhinia nachzuweisen, wur- den zwei Marker ausgewählt. Zum einen wurde ein Gen der mitochondrialen DNA (mDNA), ND1 (NADH-Dehydrogenase Untereinheit 1), gewählt. Ein Grund für diese Wahl liegt darin, dass sich mitochondrial proteincodierende Gene, wie ND1, drei Mal schneller entwickeln, als beispielsweise das mitochondriale Markergen 16s. Arten, die erst kürzlich Populationsdivergenz aufweisen und dadurch Unterschiede in der Nukleo- tidsequenz aufweisen, können daher gut offenbart werden. Das Markergen 16s wird hingegen eher dann verwendet, wenn lang zurückliegende Artaufspaltung analysiert werden soll (Damm, Dijkstra & Hadrys, 2009). Außerdem wurde ND1 schon oft in an- deren Libellenstudien erfolgreich genutzt (vgl. Damm& Hadrys, 2012; Bergmann et al., 2013; Hovmöller & Johansson, 2004).

Folgende Primersequenzen von Abraham et al. (2001) wurden für ND1 verwendet: ND1 fw 5’ TTC AAA CCG GTG TAA GCC AGG 3’ ND1 rev 5’ TAG AAT TAG AAG ATC AAC CAG C 3’

Zum anderen wurde die nukleare ITS (Internal Transcribed Spacer)-Region als Maker- gen verwendet, welche eine der am meisten sequenzierten ribosomalen DNA-Marker ist. Die Nukleotidsequenz dieser Region beträgt 500-800bp, wodurch sie komplett am- plifiziert werden kann (Begerow et al., 2010). Die ITS-Region kann variable bis hochvariable Bereiche aufweisen, wodurch sie routinemäßig in Bereichen der Identi- fikation von Arten oder Stämmen auf Artebene sowie in der Systematik und der Phylo- genie verwendet wird. Auch in verschiedenen Libellenstudien wurde ITS erfolgreich genutzt (vgl. Hovmöller & Johansson, 2004; Damm, Dijkstra & Hadrys, 2009).

Folgende Primersequenzen von Damm et al. (2010) wurden für ITS verwendet: ITS fw 5’ CGT AGG TGA ACC TGC AGA AG 3’ ITS rev 5’ CTC ACC TGC TCT GAG GTC G 3’

3.2.4 Polymerasekettenreaktion

3.2.4.1 PCR des ND1-Primers

Der Ausgangspunkt der PCR orientierte sich an dem Temperaturprofil (Tabelle 3.1) und dem Standard-Mastermix (Tabelle 3.2) von Damm et al. (2009). Diese wiesen die Populationsdivergenz innerhalb der Libellengattung Trithemis mit Hilfe des ND1-Primers nach. Dabei lag die DNA-Menge bei 2 μl, die Primer-Konzentration bei jeweils 1,5 μl und der Magnesiumanteil bei 2,5 μl. Jeder Standard-Mastermix hatte ein Endvolumen von 25 μl. Die Annealing-Temperatur betrug 48°C (Damm et al., 2009). Alle veränderten ND1-PCR-Parameter sind in Tabelle 3.3 zusammengefasst.

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Details

Seiten
35
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668604704
ISBN (Buch)
9783668604711
Dateigröße
768 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v385102
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,1
Schlagworte
populationsdivergenz gattung leucorrhinia

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Titel: Populationsdivergenz innerhalb der Gattung "Leucorrhinia"