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Soziale Ungleichheit in Frankreich vor dem Hintergrund der drei Welten des Wohlfahrtskapitalismus nach Esping-Andersen

Hausarbeit 2015 21 Seiten

Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wohlfahrtstaatliche Regime nach Gosta Esping- Andersen
2.1 Liberaler Wohlfahrtstaat
2.2 Korporatistischer Wohlfahrtsstaat
2.3 Sozialdemokratischer Wohlfahrtsstaat
2.4 Kritik

3. Französische Republik
3.1 Wirtschaftssystemund seine Entwicklung
3.2 Sozialsystem und seine Entwicklung
3.3 Eurokrise und ihre Folgen

4. Soziale Ungleichheit in Frankreich
4.1 SozialeUngleichheit
4.2 Typisierung des französischen Wohlfahrtstaates
4.3 Stratifizierung und Dekommodifizierung im französischen
Wohlfahrtsstaat

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Eurokrise hat in allen europäischen Ländern ihre Spuren hinterlassen. In einigen Ländern tiefere, wie beispielsweise in Griechenland, Spanien oder auch Portugal und in anderen weniger. Dennoch sind die Auswirkungen bis heute zu spüren. Auch Frankreich ist betroffen, wenn auch weit weniger stark als seine südlichen Nachbarn.

Arbeitslosigkeit und die damit zunehmende finanzielle Belastung auf das Sozialsystem stehen für Frankreich schon seit Jahrzehnten im Fokus, welches sich durch die Eurokrise weiter verschlimmerte. Der Druck auf das Sozialsystem nimmt dementsprechend weiter zu und weitet sich auch auf andere Bereiche aus, sodass der einst als konservativ eingestufte Sozialstaat immer mehr zu liberalen Mitteln greifen muss, um seine Staatsverschuldung nicht weiter zu erhöhen. Wechselende Regierungen und unterschiedliche Ansätze halfen oft nur kurzzeitig.

Im folgenden sollen die wohlfahrtstaatlichen Systeme nach Gosta Esping- Andersen erklärt werden, um anschließend näher auf den französischen Staat einzugehen. Dabei soll es vor allem um die Entwicklung des Wirtschafts- und Sozialsystems gehen, sowie den heutigen Stand der jeweiligen Versicherungen und Leistungen. Im Anschluss daran wird das Thema der sozialen Ungleichheit in Frankreich untersucht werden. Dafür wird zunächst der Begriff der sozialen Ungleichheit erklärt, sowie dessen soziologische Bedeutung, um dann den wohlfahrtsstaatlichen Typ Frankreichs zu erklären und dessen Stratifizierung und Dekommodifizierung. Abschließend an diese Analyse soll ein Fazit gefasst werden.

2. Wohlfahrtsstaatliche Systeme nach Gesta Esping- Andersen

Esping- Andersen unterscheidet die wohlfahrtsstaatlichen Regime in drei unterschiedliche Typen. Es handelt sich dabei um Idealtypen, die in der beschriebenen Gestalt nicht in der Realität vorhanden sind. Bei der Typisierung stehen die Aufgabenteilung zwischen Markt, Staat und Familie bei der Wohlfahrtsproduktion im Zentrum seiner Analyse (Vgl. Ullrich: 2005). Je nach Ausprägung werden so die Wohlfahrtsstaaten zugeordnet.

Die Wohlfahrtstaatlichkeit kann anhand dreier Kriterien bestimmt werden, da das Leistungsniveau als Indikator allein unzureichend ist (Vgl. ebd.). So werden die Dekommodifizierungs- sowie Stratifizierungswirkung untersucht, sowie die Verknüpfung des jeweiligen Wohlfahrtsstaats mit der Rolle des Marktes und der Familie in Bezug auf die Wohlfahrtsproduktion (Vgl. ebd.). Dekommodifizierung im allgemeinen meint den Grad in dem ein Individuum unabhängig vom Markt sein Dasein führen kann. Nach Esping- Andersen umfasst dies die Leistungsberechtigung eines Menschen, sowie die Höhe der Lohnersatzzahlungen im Vergleich zum Lohn, aber auch den Umfang an sozialen Rechten einer Person in der Gesellschaft. Stratifizierung bezieht sich auf die Wirkung des Wohlfahrtstaates auf soziale Ungleichheit (Vgl. ebd.).

Die Wohlfahrtsstaaten unterscheiden sich deswegen hinsichtlich ihrer Prinzipien auf die Leistungsberechtigung, sowie die Auswirkung der Stratifizierung (Vgl. Esping-Andersen: 1998).

2.1 Liberaler Wohlfahrtsstaat

Liberale Wohlfahrtsstaaten sind wie dem Namen entnehmbar stark auf den freien Markt konzentriert. Sie bieten eine bedarfsgeprüfte Sozialfürsorge an, sowie niedrige universelle Transferleistungen. Bestehende Sozialversicherungsprogramme sind ebenso wie die universellen Leistungen eher gering. Diese Zahlungen richten sich vor allem an die schlecht bezahlte Arbeiterschicht und führen dazu, dass sie selten anstatt von Arbeit eingefordert werden. Zudem muss bemerkt werden, dass die Leistungsberechtigungen oft sehr strikt sind und von stigmatisierender Natur. Durch diese geringen Leistungen fördert der Staat auf passive Art den Markt, denn so besteht die Notwendigkeit der privaten Zusatzversicherungen , zusätzlich kann er diese auch aktiv durch Subventionierungen begünstigen. In liberalen Wohlfahrtsstaaten haben Reformen oft nur eine geringen Einfluss, da sie durch die traditionellen Normen liberaler Arbeitsethik begrenzt werden. Dieser Typ Wohlfahrtsstaat hat nur geringfügige dekommodifizierende Effekte und sorgt durch die geringen Leistungen und strikten Zugangsregelungen für eine Beschneidung der sozialen Rechte, welches eine Schichtungsordnung erzeugt (Vgl. Esping-Andersen: 1998). Als Vertreter dieses wohlfahrtsstaatlichen Typs können die Vereinigten Staaten von Amerika gesehen werden.(Vgl. Ullrich: 2005).

2.2 Korporatistischer Wohlfahrtsstaat

Der korporatistische Wohlfahrtsstaat oder auch konservativer Wohlfahrtstaat genannt verdrängt anders als der liberale Wohlfahrtstaat den Markt als Wohlfahrtsproduzent, soziale Versicherungen oder auch betriebliche Zusatzleistungen spielen hier keine große Rolle. Die sozialen Rechte sind in diesem System nicht ernsthaft umstritten. Es setzt auf den Erhalt von Statusunterschieden, dementsprechend sind die Rechte jeweils klassen- beziehungsweise statusgebunden. In diesem Typ haben die Kirchen noch einen großen Einfluss und es wird auf den Erhalt von klassischen Familienformen gesetzt, die für ihre Mitglieder eine Fürsorgepflicht tragen. Leistungen für Familien sollen zur Mutterschaft ermutigen, sowie dazu dem traditionellen Familienbild in Form von Mutter und Hausfrau nachzukommen, denn Kindertagesstätten und ähnliche familienbezogenen Dienstleistungen sind in diesem wohlfahrtsstaatlichen Typ oft unterentwickelt. Das Subsidiaritätsprinzip ist hier ein Garant dafür, dass der Staat nur dann tätig werden muss, wenn die Familie nicht mehr fähig ist Hilfe zu leisten (Vgl. Esping-Andersen: 1998).

Die dekommodifizierende Effekte in diesem Wohlfahrtsstaat sind als mittelmäßig anzusehen (für Erwerbstätige höher), sowie auch die Stratifizierungseffekte als eher gering angesehen werden können, da Statusdifferenzen gefestigt werden. Als Vertreter dieses wohlfahrtsstaatlichen Typs kann Deutschland gesehen werden.(Vgl. Ullrich: 2005).

2.3 Sozialdemokratischer Wohlfahrtsstaat

Der sozialdemokratische Typ hat das Ziel Gleichheit auf dem höchsten Niveau zu schaffen, dabei sind alle Klassen und Schichten der Gesellschaft in einem universellen Sicherungssystem versichert, welches sich nach dem jeweiligen Einkommen der Versicherten orientiert. Der herrschende Universalismus in diesem System ist den Bedürfnissen der neuen Mittelschicht angepasst und will mit diesen Leistungen eine hohe dekommodifizierende Wirkung erzielen. Wie auch im konservativen Wohlfahrtsstaat wird hier der Markt aus der Wohlfahrtsproduktion zurückgedrängt. Hier folgt man der Prämisse: „Jeder profitiert, jeder ist abhängig - undjeder wird sich voraussichtlich zum Zahlen verpflichtet fühlen.“ (Esping-Andersen: 1998). Dadurch wird vor allem den sozialen Diensten eine große Verantwortung zugesprochen, denn anders als im konservativen Wohlfahrtsstaat werden hier Frauen ermutigt erwerbstätig zu werden. Dies ist vor allem wichtig, da dieser wohlfahrtsstaatliche Typ auf Idee der Vollbeschäftigung angewiesen ist, um dieses Modell zu realisieren. Durch eine annähernde Vollbeschäftigung kann das Steueraufkommen maximiert und damit die Leistungen gemäß Niveau der Mittelschicht geleistet werden. Hier sind das Recht auf Arbeit auf einer Ebene mit dem Recht auf Einkommenssicherheit (Vgl. Esping-Andersen: 1998).

Die Dekommodifizierung in diesem Wohlfahrtsstaat ist sehr hoch, ebenso zeigt sich in Bezug auf die Stratifizierung, dass der Staat darum bemüht ist Statusunterschiede zu begradigen und die Schere zwischen den Schichten zu verringern beziehungsweise zu schließen. Als Vertreter des sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaat wird Schweden genannt (Vgl. Ullrich: 2005).

2.4 Kritik

Dennoch ist die Typisierung von Gosta Esping- Andersen nicht frei von Kritik. Ein immer wieder auftauchender Kritikpunkt spricht auf den Status des Idealtyps hin. Wie bereits in der Einleitung des Kapitel beschrieben handelt es sich bei den drei Wohlfahrtsstaaten um Formen, die in der Realität so nicht vorzufinden sind. Sie weisen daraufhin, dass ,,[...] ganze Gruppen von Wohlfahrtsstaaten weder als Proto- noch als Mischtyp zugeordnet werden können.“ (Ullrich: 2005). Weshalb von vielen Seiten der Vorschlag zur Erweiterung der Typologie angemerkt wird. Dabei wurde unter anderem auf die mediterranen oder rudimentären Wohlfahrtstypen hingewiesen, wie sie beispielsweise in Griechenland oder Spanien vorzufinden sind. Hier steht ein starker Familismus im Zentrum, sowie geringe Sozialleistungen, aber auch Australien und Neuseeland würden nach Ansicht von Kritikern, ebenso wie postkommunistische und ostasiatische Wohlfahrtsstaaten ein eigene Kategorie bedürfen, da sie mit den bestehenden Typen nur unzureichend beschrieben werden könnten (Vgl. Ullrich: 2005).

Des Weiteren wird Esping- Andersen vorgeworfen eine „'gender'- und Familienblindheit“ (Ullrich: 2005) in Bezug auf seine Typologie zu haben, denn die Seite der Frau und die dekommodifizierenden Effekte auf diese würden bei ihm völlig vernachlässigt werden (Vgl. Ullrich: 2005).

3. Französische Republik

Die französische Republik liegt im Westen Europas. Der europäische Staat ist eine präsidiale Republik, welche derzeitig von Francois Hollande regiert wird. 2015 hatte das Land um die 64,21 Millionen Einwohner und eine Geburtenrate von 2,1 Kindern pro Frau (Vgl. Statista: 2015). Im folgenden sollen das Wirtschaftssystem, sowie das Sozialsystem mit deren Entwicklung dargestellt werden.

3.1 Wirtschaftssystem undseineEntwicklung

Die Entwicklung der französischen Wirtschaft wie sie heute vorhanden ist begann erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Land hatte damals mit großen Modernisierungsproblemen zu kämpfen, denn es hing seinen Konkurrenten Deutschland und auch Großbritannien erheblich hinterher. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Republik stark von der Landwirtschaft geprägt und es stellte eine enorme Kraftanstellung dar den Rückstand auf Deutschland aufzuholen (Vgl. Uterwedde: 2013). Die fehlenden Rohstoffe, aber auch das Bedenken auf Seiten der Bevölkerung gegenüber Großkonzernen und Investitionen in der Industriebranche hemmten das Wachstum. Die Förderung von Massenprodukten schien hinsichtlich des schwachen Bevölkerungswachstum nicht ausbaufähig und auch der Fakt, dass französische Güter mit hohen Schutzzöllen belegt wurden führte zur Konkurrenzlosigkeit auf dem großen kolonialen Markt. Nur mit mehrjährigen Entwicklungsplänen durch den Staat konnten die durch den Krieg bedingten Zerstörungen beseitigt und Modernisierungen in den einzelnen Industriebranchen eingeleitet werden. Zudem profitierte Frankreich von der geschaffenen Planungskommissariat und der Marshallplanhilfe, sodass 1946 bereits einige Verbesserung in die Wege geleitet werden konnten (Vgl. Kempf: 2007). So konnte sich Frankreich entwickeln und den Rückstand auf andere Industrienationen langsam aufholen. Allerdings setzte die 1958 beginnende Europäische Integration der nationalen Strukturlenkung weit aus engere Grenzen, als die Franzosen es bisher gewohnt waren. Zollunion, die Wettbewerbspolitik, Subventionskontrolle, sowie Spielregeln für den gemeinsamen Binnenraum sorgten für Einschränkungen der französischen Regierung in ihrer Wirtschaftspolitik (Vgl. Uterwedde: 2013).

Je nach Machtlage änderte sich in Frankreich das Wirtschaftskonzept. So setzte die Regierung unter Charles de Gaulles (1959-1969) darauf einzelne Branchen zu bezuschussen, womit das französische Prestigebedürfnis befriedigt werden sollte. Trotz dieser Finanzspritzen konnten nur wenige der Unternehmen die wirtschaftliche Gewinnerstattung erfüllen, einige konnten nur durch Staatskredite vor dem Ruin bewahrt werden. Insbesondere die Zuwendung zu den Prestigeobjekten wie dem Überschallflugzeug Concorde und der Computer- und Nuklearindustrie führten zu erheblichen Ungleichheiten im Bereich der Großindustrie was ihre Start- und Entwicklungschancen anging. Diese Politik des staatlichen Eingreifens mit liberalen Elementen sollte eine Stärkung und Modernisierung der Wirtschaft fordern und die Großunternehmen auf dem internationalen Markt wettbewerbsfähiger machen. Diese Art der Wirtschaftspolitik wurde von Pompidou (1969-1974) fortgeführt, wobei er den Schwerpunkt vor allem auf den Ausbau strategischer Zukunftsbranchen beschränkte (Vgl. Kempf: 2007). Bis in die siebziger Jahre hinein sprach man von den „ Trentes Glorieuse“, dreißig glorreiche Jahre in denen durch Modernisierungen und den Anschluss an den Binnenmarkt ein Wirtschaftswachstum erreicht werden konnte. Die Jahre 1945 bis 1973 können als erfolgreiche Jahre des Fordismus angesehen werden, während diese Art der Wirtschaftspolitik ab 1973 für eine Krise sorgte (Vgl. Lux: 2013).

Der Erdöl- Schock der 1970er Jahre führte auch in Frankreich zu einer Umorientierung. D'Esting (1974-1981) hatte mit starken Anpassungsproblemen in dieser Zeit zu kämpfen. Die Inflation stieg ebenso wie die Zahl der Arbeitslosen in die Höhe und auch das Außenhandelsdefizit wurde für die französische Regierung zu einem Sorgenkind. Branchen die traditionell in die Wirtschaftslandschaft der Republik verankert waren bekamen zunehmend Probleme ihre Güter zu verkaufen, denn gegen die ausländische Konkurrenz waren sie nicht wettbewerbsfähig. Dazu behinderten die veralteten Unternehmungsstrukturen, sowie der immer noch vorherrschende Rückstand an Modernisierung und Technisierung die Chancen in vielen Bereich der Investitionsgüterindustrie. Mit der „Marktnischenstrategie“ sollten nötige Reformen für die Industriestruktur in die Wege geleitet werden und die Wirtschaft sollte sich spezialisieren auf zukunftsträchtige Technologieprodukte. Weiterhin sollten Branchen mit geringen oder keinen Absätzen aufgegeben werden, damit die Konzentration und finanzielle Zuwendung sich auf Branchen wie den Transport, der Telekommunikation, Nuklearindustrie, Luft- und Raumfahrt, aber auch der Datenverarbeitung beschränken sollte. Die Textilindustrie, der Schiffsbau und auch die Stahlindustrie sollten gestrichen werden. Der erhoffte Erfolg blieb aus und die finanzielle Zuwendung in die klassischen Industriesektoren musste fortgeführt werden, da die damit verbundene wachsende Arbeitslosigkeit nicht tragbar gewesen wäre. Diese Strategie führte dazu, dass zwar einerseits Frankreich eine bessere Wettbewerbsposition in einigen Branchen erreichte, aber andererseits musste sie sich aus anderen Bereichen zurückziehen, womit die Importe für Konsumgüter wieder anstiegen. Zugleich bemühte sich Regierungschef Barré (1976-1981) die Wirtschaftspolitik zu liberalisieren. Er schaffte das Preiskontrollsystem von 1944 ab, um dem Markt einen größeren Spielraum zu geben und den Wettbewerb zwischen den Unternehmen zu fördern. Die Austeritätspolitik „[...] die ’der Wiederherstellung des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts die Priorität der konjunkturbelebenden Maßnahmen einräumte’, scheiterte in Folge der zweiten Ölkrise.“ (Kempf: 2005). Sowohl Inflation als auch die Arbeitslosenquote erreicht so neue Höchstwerte (Vgl. Kempf: 2005).

Mit der Regierung François Mitterrand (1981-1995) stellte sich in Frankreich ein Wechsel hin zu einer sozial-kommunistischen Regierung ein, deren Ziele vor allem darin bestanden ein arbeitnehmerfreundlicheres Wirtschaftsprogramm in die Weg zu leiten. Dies sollte durch zwei zentrale Maßnahmen erreicht werden, zum einen die Erhöhung des Mindestlohns für Arbeitnehmer, aber auch die Herabsetzung des Rentenalters, mehr bezahlter Urlaub, sowie die Verkürzung der Arbeitsstunden bei vollem Lohnausgleich. Die zweite Maßnahme stellte die Verstaatlichung von Unternehmen dar, bereits ab 1981 wurden die meisten Schlüsselindustrien, sowie der Hauptteil des Finanzsektors verstaatlicht. Somit wurde die zuvor eingeführte Marktnischenstrategie nach d'Esting wieder abgesetzt. Dies sollte zu einer vermehrten Zusammenarbeit von leistungsstarken und -schwachen Teilen der Wirtschaft führen. Zudem sollte der massive finanzielle Aufwand der Regierung für die Schaffung neuer Arbeitsplätze sorgen und so die hohen Zahlen an Arbeitslosen senken und einen weiteren Anstieg verhindern. Doch wie bereits bei vorherigen Maßnahmen der französischen Regierung sorgten auch die radikalen Umstrukturierung durch Mitterand nicht für den gewünschten Effekt. Das Staatsdefizit nahm bedrohliche Maße an und auch das wachsende Außenhandelsdefizit, sowie mehrere Franc- Abwertungen sorgten eher für eine Umkehrung der angedachten Ziele. Die weiter steigende Arbeitslosigkeit zeigte deutlich auf, dass das Wirtschaftsprogramm gescheitert war. Wirtschafts- und Finanzminister Jaques Delors sah aufgrund dieser drastischen Verschlechterungen einen Grund für eine radikale Korrektur in Bezug auf die Wirtschafts- und Sozialpolitik der Republik. Eine harte Austeritätspolitik, die vor allem die Arbeitnehmer traf. Von Lohnkürzungen über die Reduzierung von Wochenarbeitsstunden, sowie Kapazitäts- und Stellenabbau in Krisenbrachen über die Rücknahme von Wahlversprechen. Aufgefangen werden sollten diese radikalen Änderungen durch Sozialprogramme. Man erhoffte sich davon die Kontrolle über die Inflationsrate zurück zu erlangen, aber auch den Staatshaushalt und die Defizite im Außenhandel wieder in den Griff zu bekommen. Erste Erfolge der Politik waren bereits 1986 spürbar. Die Profite der Unternehme beganen erneut stark anzusteigen und beliefen sich auf das Niveau vor der ersten Ölkrise. Diese Mittel konnten nun wieder für notwendige Modernisierungen genutzt werden, um die Branchen wieder konkurrenzfähiger zu gestalten (Vgl. Kempf: 2007).

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Details

Seiten
21
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668596535
ISBN (Buch)
9783668596542
Dateigröße
934 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v384472
Institution / Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta
Note
2,0
Schlagworte
Wohlfahrtstaatliche Systeme Frankreich Soziale Ungleichehit Esping-Andersen drei Welten des Wohlfahrtskapitalimus

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