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Burnout und Stress am Arbeitsplatz. Präventionsmaßnahmen zur Verbesserung der Mitarbeitergesundheit

Fachbuch 2018 57 Seiten

Sport - Sportökonomie, Sportmanagement

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract / Zusammenfassung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Genderhinweis

Einleitung

1 Stress – Phänomen und Ursachen
1.1 Symptome und Folgen von Stress
1.2 Gesunder und ungesunder Stress
1.3 Stress im Arbeitsleben
1.4 Gesundheit und Wohlbefinden

2 Burnout und andere Krankheitsformen als Folge von Stress
2.1 Was ist ein Burnout?
2.2 Ursachen von Burnout
2.3 Burnout als Krankheit
2.4 Die ausgebrannte Organisation
2.5 Burnout in der Öffentlichkeit

3 Prävention und Intervention
3.1 Prävention und Therapie aus Sicht des Unternehmens
3.2 Prävention und Therapie auf persönlicher Ebene

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Abstract / Zusammenfassung

Disstress kann durch den Mangel an persönlichen oder arbeitsbedingten Ressourcen zu einer psychischen Belastung führen. Folge dieser Belastung kann das Burnout-Syndrom sein. Die Ursachen, wie schlechte Führung, Zeitdruck oder das Überangebot von Wahlmöglichkeiten wirken sich negativ auf Individuum und Unternehmen aus. Um diesen Trend des Burnout-Syndroms und weiteren Folgen vorzubeugen, gilt es aus unternehmerischer Sicht in die Gesundheit der Mitarbeiter zu investieren, um langfristig Kosten zu senken und gleichzeitig die Produktivität zu steigern. Das Gesundheitsbewusstsein des Individuums soll gestärkt werden. Private Maßnahmen zur Stressreduktion, wie regelmäßiges Laufen und Achtsamkeitsübungen können sich positiv im Arbeitsalltag auswirken. Dennoch gibt es unterstützende betriebliche Maßnahmen, wie die Work-Life-Balance (WLB), die zur Gesunderhaltung der Mitarbeiter vorteilhaft sind. Die Investitionen der Unternehmen in die Gesundheit der Mitarbeiter sind lohnenswert und unerlässlich.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Aufbau des Leistungs- und Gesundheitsmanagements (Eigene Darstellung)

Abbildung 2: Phasen des Coaching-Prozesses (Eigene Darstellung)

Genderhinweis

Im Folgenden wird aufgrund der besseren Lesbarkeit ausschließlich die männliche Form verwendet. Es können dabei sowohl männliche, als auch weibliche Personen gemeint sein.

Einleitung

Ziel der vorliegenden Bachelorarbeit ist es, die Phänomene Stress und Burnout sowie die mögliche Folgekrankheit Depression zu definieren und mögliche Lösungsansätze zur Prävention in Arbeitsverhältnissen zu finden.

Stress und Burnout haben sich zu geläufigen Begriffen im täglichen Sprachgebrauch etabliert. Der Begriff Burnout stammt aus dem Englischen und bedeutet wörtlich übersetzt „ausbrennen“.[1] Arbeitnehmer stehen durch die steigenden Forderungen nach mehr Leistung und Effizienz im Job konstant unter Druck. Auch im Alltag setzen Menschen sich durch eng getaktete Terminpläne unter Zeitdruck und streben nach Perfektion. Die Folgen dieser Verhaltensweisen sind ständige Unruhe, Erschöpfung und das Gefühl der inneren Leere. Die Überschreitung von physischen und psychischen Belastungsgrenzen wirkt sich unmittelbar auf die Fehlzeitenquote und die Produktivität eines Unternehmens aus. Daher ist es essenziell, die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeiter zu fördern und das Gesundheitsdenken positiv zu beeinflussen, um Kosten langfristig senken zu können. Die Zukunft eines Unternehmens hängt stark von der Wettbewerbsfähigkeit und den generierten Gewinnen ab. Die Erreichung dieser Ziele kann durch gesunde und leistungsfähige Mitarbeiter leichter umgesetzt werden. Daher ist es in der heutigen Zeit unumgänglich, dass das Burnout-Syndrom im Unternehmen thematisiert wird und präventive Maßnahmen getätigt werden.

Die vorliegende Bachelorarbeit nimmt Bezug auf die folgenden Fragestellungen: Wo entstehen Kosten, die durch psychische Belastungen, wie Stress am Arbeitsplatz, ausgelöst werden und wie können diese verhindert werden? Wie sollte mit vom Burnout-Syndrom betroffenen Mitarbeitern umgegangen werden und welche Interventionsmaßnahmen kann das Unternehmen arrangieren, um die Mitarbeiter langfristig zu halten und Fehlzeiten zu vermeiden? Welche Handlungsmaßnahmen zur Stressreduktion sind durch den Arbeitnehmer selbst möglich und inwiefern haben diese Maßnahmen Einfluss auf den Arbeitsalltag? Des Weiteren wird die Wirtschaftlichkeit der betrieblichen Maßnahmen zur Gesunderhaltung der Mitarbeiter untersucht.

Die Bachelorarbeit ist in drei Kapitel gegliedert. Zuerst wird das Phänomen „Stress“ in Bezug auf den Beruf und die Gesundheit untersucht. Die Definition von gesundem und ungesundem Stress stellt die Stressreaktionen des Körpers dar. Im zweiten Kapitel der wissenschaftlichen Arbeit wird das Burnout-Syndrom als stressbedingte Gesundheitsfolge im Beruf und die Wechselwirkung mit der Depression als mögliche Folge von Burnout erläutert. Hier wird ebenfalls die Annahme des Burnout-Syndroms als Krankheit in Frage gestellt. Im dritten Kapitel der Bachelorarbeit werden Interventionsmöglichkeiten aufgezeigt, um die Ursachen von Stress zu minimieren. Das Kapitel beschreibt Präventions- und Interventionsmaßnahmen von Unternehmen, die durch die Art der Führung, der Implementierung eines Gesundheitsmanagements oder einer erfolgreichen Work-Life-Balance positiv beeinflusst werden. Weiterhin werden private Handlungsmaßnahmen, wie das Laufen und die Meditation aufgezeigt, welche Arbeitnehmer zur verbesserten Stressbewältigung ausführen können.

Ziel ist es, stressbedingte Kosten für das Unternehmen zu senken und das Wohlbefinden der Arbeitnehmer und damit die Produktivität zu steigern. Zu diesem Zwecke werden Möglichkeiten des präventiven Handelns gegenüber stressbedingten Krankheiten, sowohl aus Unternehmenssicht, als auch aus Sicht des Arbeitnehmers, aufgezeigt.

1 Stress – Phänomen und Ursachen

In der heutigen schnelllebigen Zeit scheint der Begriff Stress allgegenwärtig. Wesentlich stammt der Ausdruck aus der Materialforschung. Er beschreibt die Belastung eines Stoffes, welcher unter dem sogenannten „Stresstest“ auf die höchstmögliche Belastbarkeit geprüft wird.[2] Übertragen auf das System Mensch beschreibt der Begriff Stress alle Belastungsarten, die auf den Körper sowohl positiv, als auch negativ einwirken.

Stress besteht aus zwei Komponenten, dem Stressor und der Stressantwort. Als Stressor wird jeder stressauslösende Einfluss bezeichnet, auf den eine Stressantwort folgt. Stressoren werden je nach Einfluss auf den Organismus kategorisiert. Physiologische Stressoren sind beispielsweise (bspw.) Empfindungen, die die Befriedigung von Grundbedürfnissen und damit das Überleben sichern. Dazu gehören Hunger und Durst oder Müdigkeit.[3] Zu weiteren Stressoren, die nicht den physiologischen zuzuordnen sind, gehören zum Beispiel (z. B.) Lärm, Perfektionismus oder Arbeitsdruck am Arbeitsplatz. Die Stressantwort beschreibt die individuelle Art eines Einzelnen, physiologisch, mental und kognitiv mit bestimmten Stressoren umzugehen. Bereits hier ist zu erkennen, dass Belastungen und Stressantworten nicht generalisierbar sind und von Individuum zu Individuum unterschiedlich bewertet werden. Stressoren, die in Verbindung mit Arbeitsverhältnissen stehen, werden im weiteren Verlauf der Bachelorarbeit näher betrachtet.

1.1 Symptome und Folgen von Stress

Biologisch gesehen funktioniert und verhält sich der Mensch wie zu Urzeiten. Er scannt seine Umwelt permanent und analysiert, wo Gefahren lauern und wie das Überleben gesichert werden kann. Dabei spielt das Gehirn die wichtigste Rolle. Es ist die Schalt- und Steuerzentrale, von der jegliche Verhaltens- und Reaktionsweisen ausgehen. Sämtliche Körperreaktionen, die Funktion der Organe, sowie jede Bewegung werden im Gehirn geschaltet und koordiniert. Ebenso werden Erfahrungen, Situationen und Eindrücke gespeichert. Sobald sich Situationen wiederholen, wird auf einen Erfahrungswert zurückgegriffen. Dabei soll das Überleben schnell und sicher bewahrt werden. Prozesse im Gehirn laufen unbewusst in Bruchteilen von Sekunden ab. Eine Sinneswahrnehmung löst schließlich auf Grundlage von Erfahrungswerten eine Emotion und eine darauffolgende Körperreaktion, die Stressantwort, aus. Diese Köperreaktion kann sowohl eine Anspannungs-, als auch eine Entspannungsreaktion sein.

Stress bedeutet dementsprechend, bedingt durch eine negative Wahrnehmung und einen negativ bewerteten Gedanken, das Auslösen einer Körperreaktion. Diese Stressreaktion bereitet den menschlichen Körper instinktiv in hoher Geschwindigkeit auf Angriff, Flucht oder Verteidigung vor. Dazu werden die Hormone Adrenalin oder Noradrenalin ausgeschüttet; ebenso Cortisol, welches dafür sorgt, dass der Körper über einen längeren Zeitraum großen Belastungen standhält. Dieses Stresshormon unterdrückt unter anderem die Produktion von Glückshormonen sowie des Schlafhormons Melatonin. Bei anhaltenden Stressphasen führt diese Unterdrückung zu Schlafstörungen. Der daraus entstehende nervöse Zustand kann chronisch werden und den Prozess des Burnouts begünstigen. Das Immunsystem wird zunehmend geschwächt, wobei die Allergieschwelle sinkt, da die Gesundheit während Flucht und Angriff für den Körper temporär nicht relevant ist. Schließlich kann nur noch ein kurzfristiges Überleben gesichert werden. Zu diesem Zweck wird die Muskulatur kurzfristig mit Blutzucker und -fetten mit Energie versorgt. Weiterhin steigen zum schnelleren Blutfluss Herz- und Pulsfrequenz sowie Blutdruck an, damit der Transport der oben genannten (o. g.) Energiestoffe gesichert ist. Mit andauernder Belastung steigt das Risiko für Diabetes Typ II, Arteriosklerose, Schlaganfälle und Herzinfarkt, da Zucker und Fette während des Sitzens oder Stehens nicht verbraucht werden. Ferner wird die Muskulatur angespannt. Im weiteren Verlauf können Verspannungen bis hin zu Anspannungskopfschmerzen und Bandscheibenvorfällen auftreten. Daraus wiederum können chronische Schmerzzustände resultieren. Bei weiter anhaltender Belastung fährt darüber hinaus die mentale Leistungsfähigkeit und Konzentration des Gehirns herunter, um reflexartiges Handeln zu ermöglichen. In den meisten Fällen wird Stress erst bemerkt, wenn die Belastungen schon außerordentlich hoch sind.[4]

1.2 Gesunder und ungesunder Stress

Unter bestimmten Umständen kann Stress als durchaus positiv empfunden werden. Je nach Anforderung, Belastung und besonders je nach Verarbeitung der Einflüsse durch das Individuum wird Stress unterschiedlich wahrgenommen. Diese Reaktion basiert auf Erfahrungen, die jeder Mensch mit bestimmten Situationen assoziiert und verknüpft. Auch das Selbstwertgefühl spielt hierbei eine Rolle. Je höher dieses ausgeprägt ist, desto widerstandskräftiger können Personen gegenüber jeglichen Stressoren handeln.[5] Im folgenden Abschnitt soll auf die unterschiedlichen Stressweisen eingegangen werden.

1.2.1 Eustress

Der Mensch als lebendiges Wesen ist evolutionsbedingt auf wiederholte Belastungen eingestellt und erhält durch diese seine volle Funktionsfähigkeit.[6] Leichter Stress wirkt aktivierend und schädigt nicht. Erst ein hohes Maß an Stress kann sich negativ auf die Gesundheit und das Wohlbefinden auswirken und sich zum sogenannten Disstress entwickeln.[7] Leichter Stress wird auch als Druck bezeichnet und befähigt im Arbeitsverhältnis zu neuen Denkweisen und einer erhöhten Leistungsfähigkeit. Des Weiteren spielt die Erholungsphase nach einer leistungsstarken Arbeitsperiode eine bedeutende Rolle. Schafft es der Arbeitnehmer in seiner Freizeit abzuschalten und auf diese Weise seinen Cortisolspiegel zu senken, ist nicht von einer Stressphase mit Gesundheitsfolgen auszugehen. Stress ist in diesem Fall ein positives Mittel, um die Qualität und Quantität der Arbeitsergebnisse ohne Risiko für die Belegschaft kurzfristig zu erhöhen. Voraussetzung dafür ist ein gutes Erholungsmanagement, auf das in Kapitel 3 näher eingegangen wird.

1.2.2 Disstress

Nehmen die Belastungen durch Stress Übermaß, wirkt sich dies gesundheitsschädigend auf sämtliche Abläufe des menschlichen Körpers aus. Je länger der Mensch diesen Belastungen ausgesetzt ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass zukünftig somatische Symptome wie Nervosität, Bluthochdruck, bis hin zu Alkohol- und Nikotinmissbrauch die Folge sein können. Ein vorübergehend hohes Maß an Belastungen kann der menschliche Körper sicher kompensieren. Jedoch kommt es dabei auf das mögliche Ende der belastenden Phase an. Bei Erreichen einer bestimmten Belastungsgrenze, die auf Dauer nicht zu unterschreiten scheint, da gegebene Anforderungen mit den eigenen Möglichkeiten nicht zu bewältigen sind, kann sich Stress im weiteren Verlauf zu leichten bis schwerwiegenden psychischen und auch physischen Krankheiten entwickeln.[8] Schon eine hohe Stressbelastung, welche länger als 20 Minuten anhält, kann die Gesundheit negativ beeinflussen.

1.3 Stress im Arbeitsleben

Stresssituationen treten sowohl im privaten Bereich, als auch im Arbeitsumfeld auf. Eine Vielzahl von Faktoren führen dazu, dass Mitarbeiter einer erhöhten Stressbelastung ausgesetzt sind. Dabei sind Mitarbeiter aller Verantwortungsebenen betroffen. Selbstverständlich unterscheiden sich die Belastungen dieser verschiedenen Unternehmensebenen voneinander, jedoch gleichen sich die Diskrepanzen zwischen Ressourcen und Stressoren. Ressourcen im psychosozialen Sinne beschreiben Mittel wie Fähigkeiten, Bildung oder Gesundheit der Mitarbeiter, die zur Bewältigung von Abläufen und Aufgaben nötig sind und werden in Abschnitt 1.3.1 näher erläutert.

Ein möglicher Stressor, welcher während der Arbeit auftritt, ist die Kontrolle durch Vorgesetzte. Werden alle Ergebnisse von Arbeitsanweisungen nachgeprüft, deutet dies auf einen Vertrauensverlust zwischen dem Arbeitnehmer und dessen Vorgesetzten hin. Dieses angespannte Verhältnis führt wiederum dazu, dass die Arbeitsmotivation sinkt und eine selbstbestimmte und eigenständige Arbeitsweise vermindert oder gar unterdrückt wird. Die Unsicherheit des Betroffenen wird auf seine Kollegen übertragen. Zwischenmenschliche Konflikte während der Arbeitszeit können den Arbeitnehmer desgleichen in Stress versetzen. Ein schlechtes Betriebsklima begünstigt eine chronische Stressbelastung.[9] Diese Konflikte mit den Kollegen auf Mitarbeiterebene lassen schlechte Gefühle und Gedanken aufkommen und nehmen Einfluss auf die Arbeit, sodass Arbeitsergebnisse oder Arbeitsgeschwindigkeit darunter leiden. Dieser Punkt kann sowohl bei Führungskräften, als auch bei anderen Mitarbeitern eines Unternehmens als Stressor bewertet werden. Auf Führungsebene sind Mitarbeiter bspw. mit Entlassungen konfrontiert, die andere Berufskarrieren negativ beeinflussen. Aus diesem Grund machen sie sich in vielerlei Fällen Vorwürfe und fühlen sich schuldig. Aufgrund der neuen Medien ist eine ständige Erreichbarkeit unumgänglich. Dieser Umstand belastet im Arbeitsleben, da Privat- und Berufsleben nicht mehr eindeutig zu trennen sind. Eine Erholungsphase ist kaum gewährleistet, wenn in dieser Zeit auch beruflichen Arbeiten nachgegangen wird. Ein Beispiel hierfür ist die Beantwortung von geschäftlichen Anrufen oder E-Mails in der Freizeit. Dieser Stressor kann auch gegenteilig auftreten, da Führungskräfte unter der Nichterreichbarkeit zunehmend Stresssituationen ausgesetzt sind.

Durch Sparmaßnahmen und Kündigungen muss die gleiche oder Mehrarbeit mit einer geringeren Anzahl an Mitarbeitern bewältigt werden. Die große Menge an Arbeitsoutput muss in zunehmender Geschwindigkeit erfolgen, sodass Zeitdruck ausgelöst wird.[10] Das lässt Arbeiten oberflächlich bewerkstelligen und mindert die Ergebnisqualität. Die Dynamik von Produkten, Dienstleistungen, Prozesse, Märkten und Technologien werden schneller und komplexer. Parallel sinkt die Transparenz, Entscheidungssicherheit und Orientierung.[11] Die Arbeitsplatzunsicherheit steigt, ebenso wandelt sich das private Umfeld durch weniger enge soziale Beziehungen, häufige Umzüge aufgrund der geforderten Flexibilität, Scheidungen, Erziehungs- oder finanziellen Problemen.[12]

Zusätzlich zu den o. g. Stressfaktoren sind die Zielkonflikte von besonderer Bedeutung. Sowohl das Nichterreichen von Zielen (z. B. den eigenen Anforderungen nicht zu genügen oder sein gewolltes Arbeitspensum nicht erreicht zu haben), als auch bestimmte Disparitäten zwischen den eigenen Werten und der Unternehmenskultur sind als stressauslösende Faktoren zu nennen. Frauen betrifft ein weiteres Konfliktpotenzial in der Rollenverteilung. Der Familie beziehungsweise (bzw.) den Kindern und gleichzeitig dem eigenen Job gerecht zu werden, lässt gerade weibliche Arbeitnehmer in eine persönliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben geraten.[13]

Das private Überangebot von Wahlopportunitäten z. B. im Bereich der Partnerwahl oder während der Erholungsphasen stellen erhöhte Anforderungen an den Menschen. Dieser ist bei der Organisation und Ausrichtung auf sich allein gestellt.[14]

1.3.1 Stressoren und Ressourcen

Die individuelle Empfindung von Stressoren hat einen Einfluss auf die wahrgenommene Belastung des Menschen. Ebenso sind der Umgang und damit auch die persönliche Stressgrenze von gegebenen Ressourcen abhängig. Die Belastung selbst kann zwar nicht pauschalisiert werden, dennoch lassen sich Stressoren kategorisieren und Ressourcen zur Lösung der Probleme benennen.

1.3.1.1 Stressoren

Stressoren bilden die Ursache für stressbedingte, körperliche und seelische Beschwerden. Sie lassen sich in vier unterschiedliche Arten unterteilen: aufgabenbezogene, soziale, physische sowie karrierebezogene Stressoren. Die aufgabenbezogenen Anspannungen lassen sich auf Probleme in Arbeitsverhältnissen zurückführen. Die Bewältigung von enormem Arbeitspensum in geringer Zeit lässt Überforderung entstehen. Es kommt zu Problemen bei der Arbeitsdurchführung, bspw. durch veraltete Software oder fehlenden materiellen Ressourcen. Bei den sozialen Stressoren handelt es sich um die in Unterkapitel 1.3 beschriebenen zwischenmenschlichen Konflikte am Arbeitsplatz. Dabei sind auch Auseinandersetzungen mit Kunden sowie Mobbing zwischen Kollegen zu berücksichtigen. Die physischen Stressoren stehen im Zusammenhang mit dem ursprünglichen Arbeitsschutz. Dazu gehören Lautstärke- und Temperaturbelastungen sowie die Arbeit mit toxischen Materialien. Schließlich bilden die karrierebezogenen Stressoren alle Unsicherheiten in Bezug auf den Arbeitsplatz ab. Fehlende Bildungsmöglichkeiten oder die Sorge um eine mögliche Kündigung lassen Mitarbeiter unter Stress geraten.[15] Um diesen Stress und die negativen Assoziationen möglichst gering zu halten, bedarf es an ausreichend Ressourcen, welche im Folgenden erläutert werden.

1.3.1.2 Ressourcen

Zu den Ressourcen zählen Methoden zur Bewerkstelligung von Lebensaufgaben oder zur Zielerreichung.[16] Selbige unterscheiden sich in interne und externe Ressourcen. Die Internen stellen alle persönlichen Gegebenheiten, wie z. B. die innere Einstellung, das Selbstbewusstsein und die Kompetenz ungewohnte Situationen zu bewältigen, dar. Die externen Ressourcen umfassen alle von außen stammenden Gegebenheiten. Damit sind nicht nur materielle Ressourcen, wie z. B. finanzielle Mittel gemeint, sondern auch das Umfeld, der soziale Beistand und ein sicherer Arbeitsplatz. In allen Stadien des Stresses können sich neue Ressourcen entwickeln oder andere auflösen, die das Wohlbefinden steigern.[17] Wohlbefinden und Gesundheit werden in Themenabschnitt 1.4 genauer definiert. Die Sicherung von Gesundheit sowie die Verarbeitung von Stress sind ebenfalls durch Ressourcen begünstigt.

Sobald von Stress die Rede ist, wird in der Öffentlichkeit das Bild der Stressoren wahrgenommen. Die Ressourcen werden dabei oftmals außer Acht gelassen. Sie stellen jedoch einen wichtigen Schritt bei der Bewältigung von Stress dar, da sie planbar und für Unternehmen leicht umzusetzen sind. Hingegen können Stressoren weniger gut in kurzer Zeit planmäßig vermieden oder reduziert werden. Eine gute Balance zwischen Stressoren und Ressourcen ist die Basis für ein hohes Wohlbefinden der Mitarbeiter.[18]

1.3.1.3 Stressoren-Ressourcen-Kombinationen

Die Folgen von Stress resultieren aus bestimmten Stressoren-Ressourcen-Kombinationen. Sie können erfreulich oder schädlich ausfallen und sind von physischer, kognitiver oder psychischer Natur. Unterschieden werden sie in lang- und kurzfristige Folgen. Dabei ist zu beachten, dass langfristige Folgen auf anhaltende Phasen, in denen die Stressoren größer als die gegebenen Ressourcen sind, nur schwer zu verändern sind. Eine kurzfristige, positive und körperliche Folge ist bspw. die körperliche Anstrengung während der Arbeitszeit bei einer ausgeglichenen Stressoren-Ressourcen-Kombination.[19] Das bedeutet, dass der Mitarbeiter von seiner körperlichen Aktivität am Arbeitsplatz gesundheitlich auch im Privatleben profitiert und ausreichend unterstützt wird, um die Gesundheit zu bewahren.

Ist ein Mitarbeiter gestärkt durch seine Mittel und Möglichkeiten, besitzt dieser ausreichend Handlungsspielräume, um seine Fähigkeiten möglichst sinnvoll einzusetzen. Infolgedessen kann er die Stressoren besser bewältigen und in seiner Freizeit besser entspannen, um seine Arbeit gestärkt zu verrichten. Ein Angestellter mit wenig Ressourcen, welcher durch Kontrolle und wenig Unterstützung von Kollegen, seine Arbeitsanforderungen nicht erfüllen kann und stätigen äußeren Belastungen ausgesetzt ist, wird in seiner Freizeit weniger Regeneration erfahren und seine physischen Beschwerden werden mit der Zeit zunehmen.

1.3.2 Arbeit und Gesundheit in Zahlen

Die zunehmenden psychischen Arbeitsbelastungen haben nicht nur Konsequenzen für den Arbeitnehmer, sondern betreffen auch Unternehmen und Volkswirtschaft. Eine Leistungsminderung oder der Ausfall von Angestellten führen zu außerplanmäßig entstehenden Kosten, welche von den Unternehmen zu tragen sind.[20] Psychisch bedingte Diagnosen haben sich innerhalb der letzten 20 Jahre verdreifacht und sind aktuell die häufigste Ursache für krankheitsbedingte Frühberentung.[21] Von 1993 bis 2015 stieg der Anteil an Personen, welche aufgrund psychischer Belastungen verfrüht in Rente gingen von 15,4 % auf 42,9 % an.[22] Im Vergleich zum Jahr 2000 steigerten sich die Fallzahlen demzufolge um über 40 %. Das Durchschnittsalter des Renteneintritts mit der Diagnose „Psychischer und Verhaltensstörung“ liegt bei 48,1 Jahren, was deutlich früher, als in anderen Diagnosefällen ist.[23] In vielen Fällen diagnostizieren Ärzte durch Unwissenheit vorschnell ein Burnout. Dabei besteht die Gefahr, mittlere und schwere Depressionen zu übersehen.[24]

Die Tatsache, dass Burnout nicht als Diagnose klassifiziert ist (siehe Abschnitt 2.2), macht es besonders schwer, genaue Zahlen zu Krankenständen und Betroffenen zu identifizieren. Jeder Arzt oder Psychologe wertet die Symptome eines Patienten individuell. Die genauen Ausmaße der ausgebrannten Krankheitsfälle können demnach schwer nachgewiesen werden, sodass eine große Dunkelziffer existieren muss. Das Burnout-Syndrom wird in vielen Fällen als eine „Modediagnose“ angesehen.

Trotz eines allgemein sinkenden Krankenstandes wächst der Anteil an psychischen Erkrankungen seit 40 Jahren relativ von 2 % auf aktuell 15,1 %.[25] Die Arbeitsunfähigkeitstage mit einer psychisch bedingten Diagnose stiegen innerhalb der letzten elf Jahre um mehr als 97 %. Bereits im Jahr 2012 sind 60 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Erkrankungen registriert worden.[26] Besonders schwerwiegend erscheint auch die Dauer der Fehlzeit bei psychischen Diagnosen. Die Durchschnittsdauer dieses Krankheitsbefundes beträgt 36 Tage. Dies entspricht dem dreifachen der Dauer anderer Befunde, die mit zwölf Tagen im Durchschnitt liegen.[27]

Die wirtschaftlichen Folgen für Unternehmen und Volkswirtschaft belaufen sich auf Ausgaben in Milliardenhöhe. Die genauen Krankheitskosten für psychische Erkrankungen belaufen sich auf knapp 16 Milliarden Euro für Unternehmen in Deutschland. Laut Berechnungen verdoppeln sich diese Kosten bis 2030 auf rund 32 Milliarden Euro. Dabei ist der noch größere Anteil an indirekten Kosten durch reduzierte Produktivität während der Arbeitsjahre und die frühzeitige Verrentung noch nicht berücksichtigt. Indirekte Kosten sind Aufwendungen, die dem Phänomen nicht direkt zugeordnet werden können, aber dennoch im direkten Zusammenhang mit diesem stehen.

Eine deutliche Zunahme der Arbeitsunfähigkeitstage mit psychischer Diagnose spiegeln sich auch in den Produktionsausfallkosten wider. Diese betrugen im Jahr 2008 knapp 4 Milliarden Euro und sind bis zum Jahr 2014 auf 8,3 Milliarden angestiegen. Dies gilt übereinstimmend für den Ausfall an Bruttowertschöpfung durch Krankschreibungen aufgrund psychischer Erkrankungen. In demselben Zeitraum konnte eine Zunahme von mehr als 6 Milliarden Euro von rund 7 auf 13,1 Milliarden Euro verzeichnet werden.[28]

1.4 Gesundheit und Wohlbefinden

Die Gesundheit spielt eine zentrale Rolle im Umgang mit Stress und dessen Folgen. Zu klären ist zunächst einmal die Bedeutung von Gesundheit und welche Rolle das Wohlbefinden im Gesundheitsbegriff spielt.

1.4.1 Gesundheit

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschreibt der Begriff Gesundheit einen „Zustand vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens

und nicht allein das Freisein von Krankheit und Gebrechen“[29].

Die Gesundheit kann durch vier Vorgänge beschrieben werden, aus denen sie resultiert bzw. welche Einfluss auf sie haben. Bewegung, Ernährung und die Balance zwischen Anspannung und Regeneration während der Erholungsphasen zeigen Beispiele für das körperliche Element. Geistige Vorgänge beinhalten die Wahrnehmung, das Denken, die Motivation sowie Entscheidungen und Zielsetzungen. Emotionale Prozesse, welche sich auf die Gesundheit auswirken sind bspw. Angst, Ärger, Liebe, Glück und Wohlbefinden. Hinzu kommen die persönlich-sozialen Geschehen wie die Ausstrahlung und Kontakte sowie die Kommunikation.[30]

Die Gesundheit beinhaltet entsprechend der Definition ein hohes Maß an Wohlbefinden, welches im Folgenden kurz näher definiert werden soll.

1.4.2 Wohlbefinden

Nach Riek bezeichnet das Wohlbefinden die „Abwesenheit subjektiv empfundener gesundheitlicher Störungen, […] eine subjektiv empfundene Zufriedenheit und die Abwesenheit von äußeren Zwängen und Einschränkungen […]“[31]. Eine Wechselbeziehung der beiden Begrifflichkeiten Gesundheit und Wohlbefinden existiert insofern, als dass das Wohlbefinden, sowohl körperlich, geistig, als auch sozial eine der Voraussetzungen für Gesundheit ist, jedoch die Gesundheit nicht unerlässlich für ein positives Wohlbefinden ist. Das Wohlbefinden ist ein nicht eindeutig zu definierender Begriff, der je nach Auffassung und Auslegung durch jedes Individuum anders interpretiert und festgelegt wird. Schließlich geht es bei der Bewertung des eigenen Wohlbefindens um die Bewertung der individuellen Zufriedenheit innerhalb der eigenen Umwelt sowie das Ergebnis eines emotionalen Vorgangs.[32]

Ein niedriges Wohlbefinden führt langfristig zu psychischen Belastungen, die folglich stressbedingte Symptome auslösen können. Diese Symptome und deren Erkrankungen werden im nächsten Kapitel erläutert.

2 Burnout und andere Krankheitsformen als Folge von Stress

Anhaltende Stressbelastungen führen häufig zu akuten stressbedingten psychosomatischen Symptomen. Halten diese Anspannungen an, kann das für den Menschen zu einer chronischen Stressbelastung führen. Schon nach einiger Zeit wird er erste Anzeichen eines „Ausgebrannt“-Seins bemerken. Die im aktuellen Sprachgebrauch verwendete Diagnose heißt hier „Burnout“. Ist Burnout eine Krankheit und unter welchen Umständen tritt sie auf?

2.1 Was ist ein Burnout?

Der Begriff Burnout stammt aus dem Englischen und bedeutet wörtlich übersetzt „Ausbrennen“. Ursprünglich wird dieses Wort in der Technik dazu genutzt, um das Durchbrennen eines zu heißen Reaktorkerns zu beschreiben.[33] In der Psychologie gilt er als ein Zustand völliger Erschöpfung und tauchte erstmals im Jahr 1974 durch seinen Begründer, den New Yorker Arzt, Psychologen und Psychoanalytiker Herbert J. Freudenberger in einem wissenschaftlichen Artikel auf. Ursprünglich bezog sich Freudenberger in seinem Artikel über das Burnout-Syndrom auf Angehörige der sozialen Berufe und führte den Begriff in die Medizin ein.[34] Dabei taucht das Burnout-Syndrom ausschließlich im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit auf und ist allgemein darauf als Ursache zu beziehen, wenngleich der Begriff im sprachlichen Gebrauch oft synonym für andere psychische Krankheiten genutzt wird. Der Begriff Burnout ist nicht einheitlich, wissenschaftlich zu definieren und als medizinische Diagnose nicht existent (siehe Abschnitt 2.3).

Das Burnout als psychisches Syndrom gilt als eine dauerhafte Reaktion auf chronische, kognitive und interpersonale Stressoren bei der Arbeit. Dabei durchläuft der Betroffene verschiedene Phasen, in denen er bereits auf das Syndrom aufmerksam gemacht wird. Burnout ist kein Zustand, sondern ein anhaltender Prozess, der aus dem Stresszustand resultiert. Dieser Prozess betrifft Körper, Geist und Gefühle.[35] Angesichts des Phänomens schwinden innere Begeisterung und Arbeitslust, während dafür körperliche Symptome, wie ständige Müdigkeit, Magenbeschwerden, Schlafstörungen et cetera auftreten.[36] Betroffene gehen lange Zeit nicht von einer Krankheit aus, bis der totale Zusammenbruch naht, welcher sich vorher bereits ankündigte, aber nicht ernst genommen wurde.

Das Phänomen des Burnouts beginnt mit einem enthusiastischen Gemütszustand. Der Mensch zeigt ein großes Arbeitsengagement und verbringt viel Zeit im Unternehmen und mit seiner Arbeit. Nach einiger Zeit tritt eine seelische Verausgabung ein, welche das Gefühl aufkommen lässt, überfordert zu sein. Diese Erschöpfung und Ernüchterung lässt den Betroffenen eine negative Einstellung gegenüber seiner Arbeit bekommen.[37] Er fühlt sich in körperlicher und seelischer Hinsicht ausgelaugt und eine gewisse Hoffnungslosigkeit entsteht.[38] In seiner Frustration distanziert er sich weiter von seiner Arbeit, sodass er diese als gleichgültig empfindet. Eine ebenso gleichgültige und emotionslose Einstellung vertritt er gegenüber Mitarbeitern und Menschen des privaten Umfelds. Dieser Prozess wird auch als Depersonalisierung bezeichnet. Die persönliche Fähigkeit in Form des Arbeitspotenzials sinkt, sodass es zu einer geringeren Leistungsfähigkeit kommt, da die Konzentration und folglich das Denkpotenzial erheblich nachlassen.[39] Mit der Desillusionierung der Arbeit stellt sich eine innere Kündigung ein, bei der die Depersonalisierung mit dem eigenen Job und der Firma sowie die Symptome weiter verstärkt werden.[40] Der Burnout-Prozess resultiert aus einer lang andauernden Stresssituation, kann aber auch das Ergebnis mehrerer kurz aufeinanderfolgender Situationen mit hoher Stressbelastung sein.[41]

2.2 Ursachen von Burnout

Die Entwicklung des Burnouts ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen. Diese sind eng mit den in Abschnitt 1.3 aufgeführten Stressfaktoren im Arbeitsleben verknüpft. Der Mensch ist neben der o. g. Lebenssituation mit einem deutlich veränderten Arbeitsalltag inklusive der Entgrenzung der Arbeitszeiten sowie einer höheren Arbeitsdichte in Kombination mit der geforderten Flexibilität und einem sich immer weiter entwickelnden Prozess der Globalisierung konfrontiert.[42] Ist der Mensch über lange Zeit chronischem Disstress ausgesetzt und hält dieser Zustand an, kann er daraus in den Prozess des Burnouts geraten. Der Mensch gelangt in eine Art Spirale, indem er durch seinen Arbeitseinsatz sein soziales Umfeld vernachlässigt und sich somit in Zeiten, in denen er seine Ressourcen auffüllen könnte, in einem weiteren sozialen Konfliktfeld befindet. Um diesem zu entgehen, flüchtet er sich wieder in die Arbeit, woraus wiederum eine Vernachlässigung seiner sozialen Kontakte resultiert. Entkommt er dieser Spirale nicht, kann er den Zustand der Depression erreichen. Durch die in Kapitel 3 aufgezeigten Präventions- und Interventionsmöglichkeiten ist es möglich, diese Spirale zu verlassen.

Arbeitnehmer müssen eine enorme Flut an strukturlosen Informationen verarbeiten. Im Arbeitsalltag kommt es häufig nur bei gemachten Fehlern zu einer Rückmeldung seitens der Vorgesetzten und das Gefühl, keine Anerkennung zu erlangen, entsteht.[43]

Persönliche Ziele sind bei den betroffenen Personen meist an die Realität im Arbeitsalltag fehlangepasst. Dabei können besondere Fähigkeiten und eigene Werte nicht ausgedrückt werden, sodass die eigene Tätigkeit keinen Sinn ergibt und die Ergebnisse nicht zufriedenstellend sind. Dies ist darauf zurückzuführen, dass interne und externe Ressourcen nicht ausreichend zur Verfügung stehen.[44] Hinzu kommen persönliche, psychische Ursachen, wie Ehrgeiz und Perfektionismus, welche das Stresspotenzial des Arbeitnehmers erhöhen.[45] Fraglich ist nun, ob es sich beim Burnout um eine Krankheit handelt und wie diese diagnostiziert wird.

2.3 Burnout als Krankheit

Häufig wird das Burnout-Syndrom als Krankheit bezeichnet, wenngleich es keine anerkannte Diagnose mit dieser Bezeichnung gibt. Parallel zu den o. g. Burnout-Symptomen treten verschiedene somatische Beschwerden auf, die auf das Syndrom hinweisen könnten. Wird während einer Stressphase zu viel Nahrung zugeführt, um negative Gefühle zu kompensieren, kann Übergewicht als Folge resultieren. Außerdem kann das Übergewicht zu Stoffwechselerkrankungen und Bluthochdruck führen. Der Schlafmangel führt zu einem erhöhten Risiko für Diabetes mellitus und kann im schlimmsten Fall zu einem Herzinfarkt führen. Meist gehen mit einem ausgebrannten Menschen auch ein Bewegungsmangel durch die Antriebslosigkeit, sowie ein Libidoverlust einher. Soziale Bindungen können schwer oder gar nicht aufrechterhalten werden.[46]

Wenngleich das Burnout-Syndrom eindeutige gesundheitsgefährdende Symptome aufweist, ist es keine Hauptdiagnose im internationalen Klassifikationssystem für psychiatrische Erkrankungen. Dabei handelt es sich um die „International Classification of Diseases“ (ICD) der WHO, nach denen die psychischen Erkrankungen unter die ICD 10 fallen. Burnout ist nach der WHO nicht als Krankheit definiert und ist dementsprechend auch nicht als solche klassifiziert.[47]

Um Burnout zu klassifizieren, wird die Diagnose heute im ICD-10-WHO 2013 im Kapitel XXI unter dem Schlüssel Z73 aufgeführt. Dieser Schlüssel bietet den Zusatz „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“. Erweitert wird dieser Schlüssel durch Z73.0 „Ausgebranntsein (Burnout), Zustand völliger Erschöpfung“. In vielen Fällen werden weitere spezielle Schlüssel zu der Ausgangsdiagnose hinzugefügt, wie z. B. der Schlüssel Z56 („Probleme mit Bezug auf Berufstätigkeit oder Arbeitslosigkeit“), um die Diagnose genauer klassifizieren zu können. Diese Z-Kategorien beinhalten alle Diagnosen und Angelegenheiten, welche nicht als Krankheit klassifizierbar sind.[48]

Die Diagnose kann über einen normierten Fragebogen, den Maslach-Burnout-Inventar, erfasst werden. Dieser Fragebogen stellt jedoch nur eine subjektive Diagnose des Betroffenen dar. Die Diagnose in Krankenhäusern wird gewöhnlich über die Begleitsymptome der Erschöpfung gestellt, bei der in den meisten Fällen weitere psychische Beschwerden erkannt werden. Zur genauen Klärung der Ursachen werden dort außerdem somatische Ursachen ausgeschlossen. Hierzu zählt bspw. die Kontrolle des Eisenmangels, um eine Erschöpfung aufgrund dieser Ursache ausschließen zu können.[49]

2.4 Die ausgebrannte Organisation

Von einem Burnout können nicht nur einzelne Personen, sondern auch ganze Systeme betroffen sein. Leidet ein Mensch an Symptomen des Burnouts, so ist dies oftmals die Folge einer ausgebrannten Organisation und zeigt dessen Ausmaß. Abgesehen von den o. g. humanen Symptomen gibt es betriebliche Symptome, die auf ein Burnout hinweisen.

Im ausgebrannten Unternehmen herrschen häufig Kommunikationsprobleme. Die Mitarbeiter untereinander oder zwischen verschiedenen Führungsebenen kommunizieren nicht deutlich genug miteinander. Wichtige Informationen werden eventuell durch eine unklare Struktur vorenthalten oder nicht verstanden, sodass Missverständnisse und Konflikte entstehen. Die Mitarbeiter fühlen sich nicht verstanden und eine innere Unzufriedenheit stellt sich ein. Die zwischenmenschlichen Beziehungen unter den Kollegen werden zunehmend schlechter, sodass eine Gleichgültigkeit gegenüber ihnen und auch gegenüber dem Unternehmen entsteht. Ein respektvoller Umgang untereinander ist in diesem Zustand nicht mehr gewährleistet. Diese Verhaltensweise wird als Depersonalisierung bezeichnet, infolgedessen ein Prozess hin zur inneren Kündigung ausgelöst werden kann. Persönliche Fähigkeiten, Impulse und Arbeitseifer nehmen ab. Ebenso geschieht dies bei utopischen Zielsetzungen seitens der Vorgesetzten. In vielen Fällen ist die Geschäftsführung auf eine Gewinnmaximierung fixiert, ohne äußere Umstände zu betrachten. Scheinen die Ziele trotz größter Anstrengung nicht zu verwirklichen, wirkt ein solches Ziel demotivierend. Auch hier nimmt der Arbeitseifer ab und die Mitarbeiter sehen keinen Sinn in der Anstrengung zur Zielerreichung. Aus der Fülle dieser Symptome resultieren schlussendlich die Folgen für das Unternehmen: eine hohe Fehlzeitendichte, die Abgrenzung der Mitarbeiter, sowie ein „Klimawandel“ innerhalb des Unternehmens, spürbar durch ein desolates Betriebsklima ohne Motivation und Zusammenhalt.[50] Bei der Bekämpfung eines organisationalen Burnouts kommt es darauf an, nicht die Betroffenen als Ursache für die Probleme zu sehen, sondern die Voraussetzungen, unter denen die Mitarbeiter erste Burnout-Symptome aufwiesen.[51] Maßnahmen und Verhaltensweisen, um einem organisationalen und damit auch einem individuellen Burnout zu entgehen, werden in Kapitel 3 untersucht.

2.5 Burnout in der Öffentlichkeit

Die mediale Bedeutung von Burnout nahm in den letzten Jahren stark zu. Die Medienberichterstattung hat einen beträchtlichen Einfluss auf die soziale Realität. Es wird eine breite Masse an Menschen angesprochen, sodass ein bis dato unbedeutendes Problem gesellschaftliche Relevanz erhalten kann.[52] Besonders hervorgehoben wird die Thematik des Burnouts durch die Meinung von Experten und die Erfahrungen von Betroffenen, die zur Stellungnahme in den Medien eingesetzt werden. Geschichten, Dokumentationen und Berichte über den Krankheitsverlauf lassen andere Menschen an der Problematik teilhaben.[53] Nicht selten wird dabei eine einseitige Berichterstattung vorgenommen, die dem Zuschauer suggeriert, durch die Gesellschaft und bei einem einfachen Erschöpfungsgefühl bereits Burnout gefährdet zu sein. Das aktuelle Ideal schenkt dem Betroffenen bei der Diagnose Burnout mehr Bewunderung als bei einer Depression.[54]

Selbstverständlich gibt es die arbeitsbedingte Erschöpfung schon seit jeher. In der von Wandel gezeichneten Gesellschaft ist es oftmals vorteilhaft, sich selbst nach außen hin als gefährdeter Burnout-Patient zu bezeichnen, um den eigenen Arbeitseifer in den Vordergrund zu stellen. Burnout wird zu einem harmlosen, oft gebrauchten Begriff, dessen realen Symptome und einhergehenden Probleme trotz dessen gesellschaftlich nicht anerkannt sind, beschönigt werden oder über die gänzlich geschwiegen wird.[55] Der Mensch erlangt seine Anerkennung und seinen sozialen Status nicht durch seine freie Zeit, sondern wird nach seinen abgeleisteten Arbeitsstunden und seinem Stresslevel bewertet. Bereits im Kindsalter wird der Mensch darauf aufmerksam gemacht, für seinen Erfolg etwas leisten zu müssen. Ohne eine hohe Leistungsfähigkeit, kann nach öffentlicher Auffassung kein Erfolg erlangt werden. Auch die mediale Gestaltung hoch angesehener Menschen in der Werbung lässt auf die heutigen Werte schließen. Dabei sind es die Menschen mit einem stressigen, straffen Zeitplan im Terminkalender, die als finanziell unabhängig dargestellt werden und die auf ihre Mitarbeiter hinabschauen.[56]

[...]


[1] Vergleiche (vgl.) Sprenger (2012), Seite (S.) 12

[2] Vgl. Sprenger (2012), S. 8

[3] Vgl. Sprenger (2012), S. 8

[4] Vgl. Bartmann (2014), S. 33

[5] Vgl. Sprenger (2012), S. 11

[6] Vgl. Sprenger (2012), S. 9

[7] Vgl. Bartmann (2014), S. 34

[8] Vgl. Sprenger (2012), S. 9

[9] Vgl. Sprenger (2012), S. 13

[10] Vgl. Sprenger (2012), S. 7

[11] Vgl. Sprenger (2012), S. 13

[12] Vgl. Lehky (2011), S. 170

[13] Vgl. Enzler Denzler (2009), S. 14ff.

[14] Vgl. Sprenger (2012), S. 13

[15] Vgl. Dormann und Hahn (2011), S. 520

[16] Vgl. Enzler Denzler (2009), S. 97

[17] Vgl. Dormann und Hahn (2011), S. 520

[18] Vgl. Dormann und Hahn (2011), S. 521

[19] Vgl. Dormann und Hahn (2011), S. 522

[20] Vgl. Brandenburg und Nieder (2009), S. 53

[21] Vgl. Rehfeld (2006)

[22] Vgl. Deutsche Rentenversicherung Bund (2016), S. 111

[23] Vgl. Deutsche Rentenversicherung Bund: Geschäftsbereich Sozialmedizin und Rehabilitation (2014), S. 24

[24] Vgl. Scherrmann (2015), S. 14

[25] Vgl. Knieps und Pfaff (2016), S. 59

[26] Vgl. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (2016), S. 31

[27] Vgl. Knieps und Pfaff (2016), S. 47

[28] Vgl. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (2016), S. 44

[29] Trambacz (2016), S. 63

[30] Vgl. Kastner (2011b), S. 492

[31] Rieck (2011), 21 f.

[32] Vgl. Rieck (2011), S. 22 ff.

[33] Vgl. Sprenger (2012), S. 12

[34] Vgl. Sprenger (2012), S. 12

[35] Vgl. Enzler Denzler (2009), S. 13

[36] Vgl. Dormann und Hahn (2011), S. 527

[37] Vgl. Enzler Denzler (2009), S. 145

[38] Vgl. Bartmann (2014), S. 37

[39] Vgl. Dormann und Hahn (2011), S. 527

[40] Vgl. Bartmann (2014), S. 37

[41] Vgl. Enzler Denzler (2009), S. 126

[42] Vgl. Lehky (2011), S. 167

[43] Vgl. Sprenger (2012), S. 13

[44] Vgl. Enzler Denzler (2009), S. 126

[45] Vgl. Sprenger (2012), S. 13

[46] Vgl. Sprenger (2012), S. 14

[47] Vgl. Enzler Denzler (2009), S. 133

[48] Vgl. Scherrmann (2015), S. 11

[49] Vgl. Scherrmann (2015), S. 14

[50] Vgl. Wahlert (2012a), S. 94 f.

[51] Vgl. Wahlert (2012a), S. 95

[52] Vgl. Roschker (2014), S. 8

[53] Vgl. Klute (2012)

[54] Vgl. Scherrmann (2015), S. 15

[55] Vgl. Frey (2011)

[56] Vgl. Metzler (17.01.2017)

Details

Seiten
57
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783960951483
ISBN (Buch)
9783960951490
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v384181
Note
Schlagworte
Stress Burnout Stressbewältigung Prävention Gesundheitsmanagement

Autor

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Titel: Burnout und Stress am Arbeitsplatz. Präventionsmaßnahmen zur Verbesserung der Mitarbeitergesundheit