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Schönheit gegen Geld? Der Zusammenhang zwischen der physischen Attraktivität von Personen und der Höhe des Einkommens ihrer Partner

Eine quantitative Analyse auf Basis des Beziehungs- und Familienpanels pairfam

Bachelorarbeit 2015 39 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theorie
2.1 Körperliches Kapital
2.2 Erotisches Kapital
2.3 Evolutionspsychologischer Ansatz
2.4 Ableitung der Hypothesen

3. F orschungsstand
3.1 Einkommen
3.2 Partnerwahl

4. Daten und Methoden

5. Ergebnisse
5.1 Deskriptive Auswertung
5.2 Bivariate Auswertung
5.3 Multivariate Auswertung

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Verteilungskennzahlen der abhängigen und unabhängigen Variablen

Tabelle 2: Determinanten der Einkommenshöhe der Partner, getrennt nach Geschlecht der Ankerpersonen sowie das gemeinsame Regressionsmodell für alle Ankerpersonen und Partner (Standardfehler in Klammern)

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Darstellung der unabhängigen Variable Attraktivität der Ankerperson nach Geschlecht

Abbildung 2: Darstellung der durchschnittlichen Einkommenshöhe der Partner nach Attrak­tivität des Ankers (nach Geschlecht getrennt)

1. Einleitung

Der ehemalige deutsche Fußballspieler Lothar Matthäus, der amerikanische Schauspieler Leonardo DiCaprio und der ehemalige italienische Formel-1-Teamchef Flavio Briatore haben mehr miteinander gemeinsam, als sich auf den ersten Blick vermuten lässt. Neben der Tatsa­che, dass alle drei Männer beruflich sehr erfolgreich sind und sich hierdurch finanziell ein Vermögen aufbauen konnten, verbindet sie noch etwas - alle diese Männer haben bekannter­maßen eine Schwäche für schöne Frauen. Der mittlerweile 65-jährige Briatore ist der leibliche Vater von Heidi Klum's ältester Tochter Leni, führte vor einigen Jahren eine Beziehung mit dem amerikanischen Model Naomi Campbell und ist seit 2008 mit dem 30 Jahre jüngeren italienischen Model Elisabetta Gregoraci verheiratet (Süddeutsche Online 2008). Auch ein Blick auf die Liste der Ex-Freundinnen von Leonardo DiCaprio kann zeigen, welchen Typ Frau DiCaprio attraktiv findet: groß, blond und vor allem sehr schön. So war DiCaprio in der Vergangenheit mit Gisele Bündchen, Bar Refaeli, Erin Heatherton oder auch Toni Garrn liiert - alle vier sind international sehr erfolgreiche Models (Petra Online 2013). Aber auch unter Lothar Matthäus' vier Ex-Frauen lassen sich mit Lolita Morena eine frühere „Miss Schweiz“ und mit Liliana Matthäus ein Model finden, und auch die nun bereits fünfte Ehefrau von Mat­thäus, Anastasia Klimko, war bereits als Model tätig (Spiegel Online 2014).

Diese hier vorgestellten prominenten Fälle sind nur einige Beispiele für Beziehungen zwi­schen finanziell erfolgreichen Männern und attraktiven Frauen. Diese Partnerschafts­Konstellation lässt sich jedoch nicht nur bei berühmten Persönlichkeiten, sondern auch unter nicht-prominenten Paaren finden, auch wenn hier Frauen nicht unbedingt als Models tätig sind und Männer nicht das Einkommen eines Stars erreichen. Diese Paar-Konstellationen verwundern jedoch nicht wirklich, werden hierbei doch zwei Komponenten vereint, die in unserer Gesellschaft eine wichtige Rolle spielen, Attraktivität und Geld.

Vor allem Attraktivität wird heutzutage immer wichtiger im gesellschaftlichen Leben, wie sich anhand einiger Zahlen belegen lässt. So konnten 2014 in Deutschland mit Schönheits­pflegemitteln wie Make-Up, Nagellack und Gesichtscremes rund 13 Milliarden Euro umge­setzt werden (IKW Online 2014), 14 Prozent mehr Umsatz als diese Branche noch im Jahr 2005 erwirtschaften konnte (Axel Springer Online 2013). Aber auch bei Schönheitsoperatio­nen zeigt sich ein deutlicher Anstieg. So wurden 2004 in Deutschland an rund 178.000 Patien­ten ästhetische Eingriffe vorgenommen, während diese Zahl im Jahr 2011 bereits rund 500.000 Patienten betrug (HAZ Online 2012). Darüber hinaus nahm aber auch die Anzahl der Personen zu, die sich in Fitnessstudios sportlich betätigen und gesund halten will. Waren 2003 noch etwas über 4 Millionen Deutsche Mitglied eines Fitnessclubs, waren es 2014 mit rund 9 Millionen bereits mehr als doppelt so viele Mitglieder (Statista 2015a). Diese Zahlen zeigen, dass die Deutschen immer mehr Geld und Zeit in ihr Aussehen investieren und dass das Erscheinungsbild in den letzten Jahren immer wichtiger geworden ist. Attraktivität ist jedoch auch in Partnerschaften wichtig, so zeigt das Ergebnis einer Umfrage, dass sich rund die Hälfte der Personen bemüht, für den Partner möglichst attraktiv zu sein (Statista 2015b).

In Partnerschaften und auch bei der Suche nach einem Partner spielt jedoch nicht nur die kör­perliche Attraktivität eine wichtige Rolle, auch die finanziellen Verhältnisse sind hierbei von Relevanz. Dies ist jedoch keine moderne Entwicklung, sondern zeigte sich bereits in vergan­genen Jahrhunderten. So stellte zu früherer Zeit eine Heirat mit einem vermögenden Mann für Frauen beispielsweise die einzige Möglichkeit für einen sozialen Aufstieg dar. Auch wenn sich dies in unserer heutigen Gesellschaft mittlerweile geändert hat, spielt „Geld, Besitz und Status für Bindungen nach wie vor eine große Rolle“ (Zeit Online 2014).

Aufgrund dieser für Partnerschaften so relevanten Faktoren der Attraktivität und der finanziel­len Verhältnisse und auch aufgrund der anfangs vorgestellten Beispiele an Paar­Konstellationen mit attraktiven Frauen und reichen Männern stellt sich die Frage, ob attrakti­vere Menschen wirklich eher mit einkommensstarken als mit einkommensschwachen Part­nern zusammen sind. In dieser Arbeit soll daher untersucht werden, ob zwischen der physi­schen Attraktivität einer Person und der Einkommenshöhe ihres Partners ein Zusammenhang besteht.

Zur Beantwortung dieser Forschungsfrage soll zunächst auf die wichtigsten theoretischen Ansätze eingegangen werden, die erklären können, weshalb Attraktivität auf dem Partner­markt von besonderer Relevanz ist und aus welchen Gründen es in Partnerschaften zu einem Zusammenhang zwischen der Attraktivität einer Person und der Einkommenshöhe ihres Part­ners kommen könnte. Aus der Theorie soll ebenfalls die Ableitung der Forschungshypothesen erfolgen, bevor anschließend eine Darstellung relevanter empirischer Studien zur Attraktivität und zur Partnerwahl folgt. Anschließend sollen die Forschungshypothesen anhand des Fami­lien- und Partnerschaftspanel pairfam analysiert werden. Aus diesem Grund erfolgt in dieser Arbeit eine Vorstellung des pairfam-Datensatzes und der verwendeten Stichprobe, sowie eine Darstellung der Operationalisierung der Variablen. Abschließend soll eine eigene Auswertung der Daten und die Darstellung der gefundenen Ergebnisse erfolgen, wodurch sich am Ende dieser Arbeit klären lassen soll, ob in Partnerschaften ein Zusammenhang zwischen der physi­schen Attraktivität einer Person und der Einkommenshöhe ihres Partners besteht.

2. Theorie

In diesem Kapitel sollen zunächst einige theoretische Erklärungsansätze vorgestellt werden, die sich sowohl mit der Attraktivität von Personen, als auch mit der Partnerwahl von Männern und Frauen beschäftigen. So sollen die für diese Arbeit relevanten Theorien wie die Theorie des körperlichen Kapitals nach Bourdieu, der Ansatz des erotischen Kapitals nach Hakim so­wie der evolutionspsychologische Ansatz beschrieben werden, wie er unter anderem von Buss vertreten wird. Diese Theorien können aufzeigen, aus welchen Gründen es in Paarbeziehun­gen zu einem Zusammenhang zwischen der körperlichen Attraktivität einer Person und der Höhe des Einkommens des Partners kommen könnte.

2.1 Körperliches Kapital

Nach dem theoretischen Konzept des Kapitals von Pierre Bourdieu (1999) bestimmt die indi­viduelle Ausstattung an Kapital über die Position eines Individuums innerhalb des sozialen Raums. Dieser ist bei Bourdieu ein Abbild der sozialen Welt und kann vereinfacht als ein dreidimensionaler Raum anhand von drei Achsen dargestellt werden: durch eine vertikale Achse, auf der die Summe des Kapitalvolumens abgebildet wird, eine horizontale Achse, die anzeigt, ob sich die soziale Position des Kapitalinhabers eher aus der Verfügung durch kultu­relles oder aber eher durch ökonomisches Kapital bildet, sowie durch eine dritte Achse, die den Zeitverlauf darstellt.

Das Kapitalvolumen setzt sich dabei aus den drei Kapitalsorten ökonomisches Kapital, kultu­relles Kapital und soziales Kapital zusammen. Das ökonomische Kapital beinhaltet dabei alle Formen des materiellen Besitzes wie beispielsweise Vermögen und Einkommen, während unter kulturelles Kapital vor allem Kulturgüter wie Bücher und Kunstwerke, aber auch Wis­sen und Fähigkeiten einer Person fallen, die sich häufig durch institutionalisierte Bildungszer­tifikate ausdrücken lassen. Unter sozialem Kapital hingegen können vor allem soziale Bezie­hungen verstanden werden. Der Aufbau und das Erhalten sozialer Beziehungen sind zeitinten­siv, ermöglichen aber einen Austausch von Unterstützung und Informationen. Somit dient das soziale Kapital auch dazu, ökonomisches und kulturelles Kapital zu erhalten und aufzubauen. Darüber hinaus berichtet Bourdieu auch über symbolisches Kapital, worunter vor allem Aner­kennung und Wertschätzung verstanden werden können, jedoch ist nach Bourdieu symboli­sches Kapital weniger eine eigene Kapitalsorte, als vielmehr eine Form durch die sich die drei anderen Kapitalsorten ausdrücken lassen (Fuchs-Heinritz/König 2005). Nach Bourdieu (1999) sind alle Individuen jedoch mit einer unterschiedlichen Kombination an Kapitalsorten ausge­stattet, je nachdem in welchem sozialen Feld sich das Individuum bewegt und welche Kapi­talsorten in diesem Feld besonders benötigt werden. Kapital lässt sich daher auch von einer Kapitalsorte in eine andere umwandeln. Darüber hinaus ist Kapital nach Bourdieu zudem eine „soziale Energie“ (Bourdieu 1999: 194), die in ihrer akkumulierten Form Macht verleihen kann.

Neben diesen klassischen Kapitalsorten beschäftigt sich Bourdieu in seinem Werk „Die fei­nen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft“ (1999: 277-354) auch mit dem körperlichen Kapital, worunter er vor allem körperliche Gesundheit, Körperbau und Körper­haltung, insbesondere aber auch Schönheit und ein attraktives Äußeres versteht. Nach Bour­dieu ist physische Attraktivität als Teil des körperlichen Kapitals somit ein weiterer Faktor, durch den eine Person innerhalb des sozialen Raums positioniert werden kann. Eine hohe Ausstattung an körperlichem Kapital kann als Mittel angesehen werden, „aus dem sich größtmöglicher 'Profit' schlagen ließe“ (Bourdieu 1999: 329). Der Körper lässt sich bei Bourdieu somit als ein Mittel einsetzen, um Gewinne realisieren zu können und Macht zu erlangen, wobei Bourdieu in seinen Ausführungen über das körperliche Kapital jedoch spezi­ell über Frauen, weniger aber über Männer schreibt. Demzufolge lässt sich annehmen, dass der Einsatz des körperlichen Kapitals und vor allem der eigenen Attraktivität besonders für Frauen von Relevanz ist, was sich auch in Bourdieus Betrachtung des Marktwertes von kör­perlicher Schönheit erkennen lässt. Demnach richten sich der Stellenwert und das Interesse an einer körperlichen Selbstdarstellung jedes Individuums, sowie die hierfür aufgewendete Zeit und Mühe der Pflege, vor allem nach den zu erwartenden Vorteilen, welche wiederrum von der ausgeübten Berufstätigkeit einer Person abhängen. Somit ist der Stellenwert der eigenen Schönheit in den Berufen am größten, deren Zugangschancen durch den Faktor Schönheit beeinflusst wird, wie beispielsweise der Beruf der Hostessen. Da nach Bourdieu Frauen aus höheren Klassen jedoch bessere Zugangschancen zu Berufen haben, als Frauen aus unteren Klassen, erkennen diese den Marktwert von körperlicher Schönheit besser und sind daher bereit „übermäßig viel Zeit, Mühen, Entbehrungen und nicht zuletzt Geld in die Korrektur ihres physischen Aussehens zu investieren“ (Bourdieu 1999: 328). Dies macht deutlich, dass sich durch eine Investition von Zeit und Geld in einen Körper, dessen Wert und damit ver­bunden auch seine Macht steigern lassen.

Aus Bourdieus Ausführungen über das körperliche Kapital lässt sich schlussfolgern, dass sich durch Investitionen in das körperliche Kapital ebenso wie durch den Einsatz seines Aussehens Gewinne realisieren lassen, die umso größer sind, desto attraktiver einer Person ist. Diese erzielten Gewinne körperlicher Attraktivität können symbolisches Kapital wie Anerkennung und Ansehen, aber auch ökonomisches Kapital wie ein höheres Einkommen sein.

2.2 Erotisches Kapital

Catherine Hakim (2011) baut mit ihrem theoretischen Konstrukt des erotischen Kapitals auf dem körperlichen Kapital von Pierre Bourdieu auf. Anders als bei Bourdieu, nach dem Kapi­tal immer mit der sozialen Herkunft einer Person verbunden ist, ist erotisches Kapital nach Hakim jedoch unabhängig von der sozialen Herkunft und kann somit zu einem sozialen Auf­stieg besonders attraktiver Personen mit einem hohen Maß an erotischem Kapital verhelfen.

Erotisches Kapital setzt sich nach Hakim aus den sechs Elementen Schönheit, sexuelle At­traktivität, sozialen Fähigkeiten, Lebendigkeit, soziale Präsentation sowie sexuelle Energie und Kompetenz zusammen. Da in einigen Kulturen das erotische Kapital einer Frau eng mit ihrer Fruchtbarkeit verknüpft ist, stellt Fruchtbarkeit bei Hakim ein siebtes Element des eroti­schen Kapitals dar. Während sich die Elemente der Fruchtbarkeit und der sexuellen Energie und Kompetenz jedoch eher auf private und intime Beziehungen beziehen und nicht nur die jeweilige Person selbst, sondern auch ihren Partner betreffen, treten die übrigen Elemente in allen sozialen Beziehungen und Kontexten auf und sind alleine auf die innehabende Person zurückzuführen. Vor allem mit Hilfe der sozialen Präsentation, die Kleidung und Frisur, aber auch das Tragen von Schmuck, Make-up und Parfum umfasst, lassen sich sowohl der persön­liche Stil als auch der soziale Status und der Wohlstand einer Person in der Gesellschaft aus­drücken. Zudem lassen sich insbesondere durch Kleidung wie beispielsweise Militärunifor­men Macht und Autorität vermitteln. Das Element der Lebendigkeit wird sowohl durch kör­perliche Fitness, als auch durch soziale Energie und Humor gekennzeichnet, während dem Element der sozialen Fähigkeiten eher Wesenszüge wie Charme, Anmut und ein einnehmen­des Wesen zugeordnet werden. Die Elemente der Schönheit und der sexuellen Attraktivität beziehen sich jedoch weniger auf charakterliche Wesenszüge, sondern sind eher körperlicher Natur. Während sich das Element der Schönheit jedoch vor allem auf ein anziehendes Gesicht bezieht, geht es bei dem Element der sexuellen Attraktivität insbesondere um einen begeh­renswerten Körper. Somit sind es vor allem diese beiden Elemente, die die physische Attrak­tivität eines Menschen bestimmen. Jedoch wird das erotische Kapital einer Person aus einer Kombination aller Elemente gebildet, wobei diese Zusammensetzung je nach Geschlecht, kulturellem Hintergrund und Zeitepoche variieren kann.

Nach den theoretischen Überlegungen von Hakim haben Personen, die eine bessere Ausstat­tung dieser Merkmale mitbringen, ein größeres erotisches Kapital als Personen, die lediglich über wenige dieser Merkmale verfügen. Jedoch kann sich das erotische Kapital einer Person im Laufe ihres Lebens verändern, so verfügen jüngere Menschen beispielsweise über ein hö­heres erotisches Kapital als Ältere. Nach Hakim haben im Generellen Frauen ein größeres erotisches Kapital als Männer, da diese über fast alle Gesellschaften hinweg mehr Zeit und Anstrengung in ihr Aussehen, ihren Körper und ihre Frisur investieren. Das erotische Kapital lässt sich wie bei Bourdieu ebenfalls in andere Kapitalsorten wie ökonomisches oder soziales Kapital umwandeln. Aus diesem Grund kommt Hakim zu dem Schluss, dass erotisches Kapi­tal besonders auf dem Arbeitsmarkt und dem Partnermarkt für die Realisierung von Gewinnen von Bedeutung ist.

Auf dem Arbeitsmarkt lässt sich erotisches Kapital beispielsweise in ökonomisches Kapital transferieren, so dass Arbeitnehmer mit einem hohen erotischen Kapital, also einer hohen physischen Attraktivität, ein höheres Einkommen erzielen können als weniger attraktive Ar­beitnehmer, auch wenn sie ansonsten über gleiche Fähigkeiten und Merkmale wie Bildung oder soziale Herkunft verfügen. Dass dieser Schönheitsbonus attraktiver Arbeitnehmer für Männer jedoch deutlich höher ist als für Frauen, obwohl diese über ein geringeres erotisches Kapital verfügen als Frauen, liegt nach Hakim jedoch vor allem an einer sexuellen Diskrimi­nierung attraktiver Frauen, da im Berufsalltag „die Haltung gegenüber weiblicher Attraktivität von weit mehr Zwiespältigkeit geprägt ist als die gegenüber männlicher Attraktivität“ (Hakim 2011: 225). Erotisches Kapital kann jedoch nicht nur im Berufsleben vorteilhaft sein, auch auf dem Part­nermarkt ist das Innehaben eines hohen erotischen Kapitals von besonderer Relevanz. Dies ist jedoch in erster Linie auf den Wandel der westlichen Gesellschaft und dem damit ebenfalls verbundenen Wandel des Heiratsmarktes zurückzuführen (Hakim 2010). Noch in den vergan­genen Jahrhunderten fanden Ehepaare häufig nicht über eine freie und eigenständige Partner­wahl zusammen, stattdessen wurde die Aufgabe der Auswahl des passenden Ehepartners von dem männlichen Familienoberhaupt übernommen (Nave-Herz 2013). Dabei ging es bei die­sen Eheschließungen weniger um Liebe, sondern in erster Linie um eine geregelte Arbeitstei­lung der Eheleute, sowie um einen Ausbau von Geld und Ansehen, also um eine Maximie­rung von ökonomischem, sozialem und symbolischem Kapital. Eine Ehe mit einem wohlha­benden Mann war für viele Frauen damals die einzige Möglichkeit in der Gesellschaft aufzu­steigen und ihren sozialen Status zu verbessern. Heutzutage entspricht der Partnermarkt nach Hakim jedoch eher „modernen globalen 'Selbstbedienungsmärkten'“ (Hakim 2010: 115), da junge Menschen ihre Partner nun selbstständig wählen können. Dabei zeigt sich jedoch, dass vor allem Frauen ihr erotisches Kapital zur Partnersuche einsetzen, denn auch heute noch wählen viele Frauen einen Partner, der über einen höheren finanziellen und sozialen Status verfügt als sie selbst. Männer hingegen legen nach Hakim weniger Wert auf den Wohlstand oder den sozialen Rang ihrer Partnerin, stattdessen ist ihnen ein gutes Aussehen der Frau wichtig. Diese geschlechtsspezifischen Präferenzen bei der Partnerwahl können zeigen, dass es innerhalb von Beziehungen durchaus zu einem Austausch von körperlicher Attraktivität der Frau und dem finanziellen Wohlstand eines Mannes kommen kann.

Das theoretische Konzept des erotischen Kapitals von Hakim zusammenfassend, lässt sich festhalten, dass überdurchschnittlich attraktive Personen über ein höheres erotisches Kapital verfügen, als Menschen mit einer geringeren Attraktivität, wobei Frauen grundsätzlich ein höheres erotisches Kapital besitzen als Männer. Zudem ist nach Hakim ein hohes erotisches Kapital vor allem bei der Partnersuche mit mehr Macht und besseren Chancen, einen für sich bestmöglich passenden Partner zu wählen, verbunden. Personen mit einer geringeren Attrak­tivität, die diese Machtposition bei der Partnerwahl nicht innehaben, können hingegen nur Partner auf dem Partnermarkt auswählen, die nicht bereits von anderen Personen gewählt worden sind (Klein 2000, Rosar et al. 2014). Da Frauen nach den Ausführungen von Hakim bei der Partnersuche jedoch besonders auf den Status eines Mannes achten, lässt sich somit schlussfolgern, dass besonders attraktive Frauen mit einem hohen erotischen Kapital eher mit einem Partner zusammen sind, der über einen hohen finanziellen Status verfügt, wohingegen weniger attraktive Frauen, die über ein niedrigeres erotisches Kapital verfügen eher Partner haben, die einen geringeren finanziellen Status innehaben.

2.3 Evolutionspsychologischer Ansatz

Der evolutionspsychologische Ansatz wird unter anderem von David M. Buss (2002) vertre­ten und geht auf die Ursprünge der biologischen Evolutionstheorie von Charles Darwin zu­rück, wird jedoch anders als bei Darwin insbesondere auf die Entwicklung des menschlichen Sozialverhaltens angewendet. Demnach besitzen alle Menschen gewisse Merkmale und Ver­haltensweisen, da sich diese im Laufe der Evolution als besonders erfolgreich bei der Fort­pflanzung herausgestellt haben (Kümmerling 2006). Anders als Darwin geht Buss (2002) je­doch davon aus, dass Männer und Frauen bei der Partnerwahl unterschiedliche Strategien ver­folgen, wobei diese geschlechtsspezifischen Unterschiede auf das Ziel einer jeden Partner­schaft, der Zeugung von gesunden Nachkommen, also der Maximierung des Reproduktionser­folges, zurückzuführen sind.

Männer können aus biologischer Sicht viele und bis ins hohe Alter hinein Nachkommen zeu­gen, wobei es wichtig ist, dass diese gesund und überlebensfähig sind, um sich wiederum als Erwachsene fortzupflanzen und so die Gene eines Mannes in die nächsten Generationen zu verbreiten. Aus diesem Grund sollten sich Männer möglichst promiskuitiv verhalten, um eine Vielzahl an Nachkommen zeugen zu können (Franzen/Hartmann 2001). Für die Zeugung möglichst überlebensfähiger Nachkommen, ist es jedoch für Männer notwendig, eine mög­lichst gesunde Partnerin zu wählen. Als Kriterium für den Gesundheitszustand einer Frau und ihrer Möglichkeit zur Reproduktion dient dabei in erster Linie das Aussehen einer Frau. So ist eine junge, attraktive Frau eher in der Lage ein gesundes und überlebensfähiges Kind zu gebä­ren, als eine Frau höheren Alters. Somit dient die Attraktivität einer Frau als Indikator für ihre Fertilität, auch wenn dieser Mechanismus eher unterbewusst wirkt (Buss 2002, Kümmerling 2006). Bei der Partnerwahl kann aus diesen Gründen daher davon ausgegangen werden, dass Männer vor allem auf eine möglichst hohe physische Attraktivität der Frau achten.

Für Frauen, die im Vergleich zu Männern, weniger Nachkommen hervorbringen können, sind nach dem evolutionspsychologischen Ansatz jedoch andere Verhaltensmuster und Selektions­kriterien ratsam. Frauen sollten daher nicht nur weniger promiskuitiv als Männer sein, son­dern bei der Wahl ihres Partners vor allem wählerischer sein als Männer. So bedeutet für Frauen jeder vollzogene Geschlechtsverkehr das Risiko einer möglichen Schwangerschaft, was wiederrum mit gesundheitlichen Risiken und mit einem hohen Einsatz der Frau an Zeit und Energie bei der Versorgung des Nachwuchses verbunden ist. Somit sind die Kosten einer Frau, die mit der Fortpflanzung verbunden sind deutlich höher als die Kosten eines Mannes. Aus diesem Grund sollten Frauen einen Partner auswählen, der in der Lage ist, sie und die gemeinsamen Nachkommen möglichst gut und vor allem langfristig zu unterstützen. Daher lässt sich dem evolutionspsychologischen Ansatz nach (Buss 2002) darauf schließen, dass Frauen bei ihrer Partnerwahl vor allem auf den sozioökonomischen Status eines Mannes ach­ten sollten, der sich vor allem durch sein erzieltes Einkommen widerspiegeln lässt.

Bei der Betrachtung des evolutionspsychologischen Ansatzes in Bezug auf die Partnerwahl lässt sich zusammenfassen, dass die geschlechtsspezifischen Unterschiede insbesondere durch unterschiedliche Selektionskriterien hervorgerufen werden. So bevorzugen Männer bei der Partnersuche vor allem Frauen mit einer hohen Attraktivität, wohingegen Frauen vor allem Wert auf den finanziellen Status eines Mannes legen sollten.

2.4 Ableitung der Hypothesen

Nach der eben erfolgten Darstellung der theoretischen Erklärungsansätze, sollen nun aus die­sen empirisch überprüfbare Hypothesen abgeleitet werden. Aus diesem Grund soll zunächst noch einmal eine Zusammenfassung der wichtigsten Kernpunkte jeder bereits vorgestellten Theorie erfolgen, doch soll diese insbesondere auf die Frage ausgerichtet sein, ob in Partner­schaften ein Zusammenhang zwischen der physischen Attraktivität einer Person und der Höhe des Einkommens des Partners existiert.

Der theoretische Ansatz des körperlichen Kapitals nach Bourdieu (1999) besagt, dass sich durch eine hohe physische Attraktivität Gewinne erzielen lassen. Diese können die Anerken­nung anderer Personen oder ein höheres Einkommen sein. Als Gewinn einer hohen körperli­chen Attraktivität einer Person ist jedoch auch soziales Kapital denkbar, also ein Ausbau ihrer sozialen Beziehungen und eine Vergrößerung ihres persönlichen Netzwerkes, was wiederrum die Chancen bei der Partnersuche erhöhen kann, einen passenden Partner kennenzulernen. Zudem fallen die Gewinne des körperlichen Kapitals umso höher aus, desto mehr körperli­ches Kapital eine Person inne hat, also desto attraktiver sie ist. Personen mit einer besonders hohen physischen Attraktivität können somit größere Gewinne realisieren als Personen mit einer geringeren körperlichen Attraktivität. Dies bedeutet, dass besonders attraktive Men­schen mehr soziale Anerkennung, ein höheres Einkommen sowie ein größeres Netzwerk er­langen können sollten als weniger attraktive Personen. Da Frauen jedoch deutlich mehr Zeit und Pflege in ihr Aussehen investieren als Männer, weisen Frauen im Gegensatz zu Männern ein höheres körperliches Kapital und somit eine höhere physische Attraktivität auf und kön­nen daher höhere Gewinne realisieren. Umso attraktiver eine Frau jedoch ist, desto höher wird dabei der Gewinn ihrer körperlichen Attraktivität ausfallen.

Nach dem Ansatz des erotischen Kapitals von Hakim (2011) verfügen besonders attraktive Personen über ein höheres erotisches Kapital als Menschen mit einer geringeren Attraktivität, wobei Frauen über ein größeres erotisches Kapital verfügen als Männer. Da erotisches Kapital in andere Kapitalsorten umgewandelt werden kann, ist ein hohes erotisches Kapital und somit eine hohe physische Attraktivität vor allem auf dem Arbeitsmarkt und dem Partnermarkt von Relevanz. Während Männer mit einer hohen Attraktivität vor allem auf dem Arbeitsmarkt Gewinne in Form eines höheren Einkommens realisieren können, lässt sich das erotische Ka­pital attraktiver Frauen vor allem bei der Partnersuche einsetzen. So suchen Männer vor allem eine möglichst attraktive Partnerin, wohingegen Frauen sich bei der Partnerwahl häufig für einen Mann entscheiden, der über einen hohen sozioökonomischen Status verfügt. Da mit einer hohen körperlichen Attraktivität eine hohe Machtposition bei der Partnersuche verbun­den ist, können attraktive Frauen den besten auf dem Partnermarkt verfügbaren Partner wäh­len, während weniger attraktive Frauen lediglich einen Partner wählen können, der nicht be­reits von einer anderen Frau zum Partner gewählt worden ist. Bei der Partnersuche können sich somit besonders gutaussehende Frauen für einen Partner entscheiden, der über einen ho­hen sozioökonomischen Status verfügt, wohingegen weniger gutaussehende Frauen eher mit Partnern zusammen sein sollten, die einen geringeren sozioökonomischen Status innehaben.

Der evolutionspsychologische Ansatz nach Buss (2002) besagt, dass Männer und Frauen bei der Suche nach einem Partner unterschiedliche Strategien verfolgen. Dies hängt mit dem ei­gentlichen Ziel einer jeden Partnerschaft, der Zeugung von gemeinsamem Nachwuchs, zu­sammen. Männer können aus evolutionsbiologischer Sicht viele Nachkommen zeugen, benö­tigen für die Zeugung überlebensfähiger Kinder jedoch eine gesunde, gebärfähige Partnerin. Als Indikator für diese Eigenschaften gilt hier besonders die leicht erkennbare Attraktivität einer Frau, weshalb Männer bei der Partnersuche besonders auf eine möglichst hohe Attrakti­vität der Partnerin achten. Da Frauen aus biologischer Sicht nur wenige Kinder zur Welt brin­gen können und dies sowohl Zeit, Energie als auch Geld kostet, sind Frauen vor allem auf einen Partner angewiesen, der sie bei der Versorgung möglicher Nachkommen unterstützen kann. Aus diesem Grund sollten sich Frauen bei ihrer Partnerwahl vor allem für einen Mann mit einem hohen sozioökonomischen Status entscheiden.

Diese geschlechtsspezifischen Präferenzen bei der Partnerwahl und die Tatsache, dass Frauen über ein höheres körperliches bzw. erotisches Kapital verfügen als Männer und dieses vor allem bei der Partnersuche einsetzen zeigen, dass sich für Männer und Frauen unterschiedli­che Hypothesen ergeben, bei der Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen der physischen Attraktivität einer Person und der Höhe des Einkommens ihres Partners gibt.

Für Frauen ergibt sich aus den theoretischen Ansätzen die Forschungshypothese:

H1: Je höher die physische Attraktivität einer Frau ausfällt, desto höher ist das Einkommen ihres Partners.

Für Männer hingegen ergibt sich als Konsequenz die Forschungshypothese:

H2: Zwischen der physischen Attraktivität eines Mannes und der Höhe des Einkommens seiner Partnerin gibt es keinen Zusammenhang.

3. Forschungsstand

In Bezug auf die körperliche Attraktivität von Personen gibt es zahlreiche Studien, die sich mit dieser Thematik auseinandergesetzt haben. Dabei existieren vor allem Arbeiten, die den Einfluss physischer Attraktivität im Berufsleben untersucht haben, wobei sich die meisten dieser Untersuchungen auf das Einkommen konzentrieren. Physische Attraktivität kann je­doch nicht nur auf dem Arbeitsmarkt von Relevanz sein, vor allem im zwischenmenschlichen Bereich spielt das äußere Erscheinungsbild eine wichtige Rolle, so auch bei der Partnersuche. Aus diesem Grund sollen einige Studien vorgestellt werden, die sich mit dem Einfluss von physischer Attraktivität auf das Einkommen sowie mit der Partnerwahl beschäftigen.

3.1 Einkommen

Eine der grundlegendsten Studien, die sich mit dem Einfluss körperlicher Attraktivität auf das Einkommen beschäftigt, stammt von Hamermesh und Biddle (1994). Für diese wurden drei amerikanische und kanadische Datensätze verwendet: die Daten des 1977 erhobenen „Quality of Employment Survey“ (QES), in welcher 1.515 Arbeitnehmer befragt worden sind, die Da­ten der „Quality of American Life Survey“ (QAL) aus dem Jahr 1971, die 2.164 Personen beinhaltet, sowie der „Canadian Quality of Life Study“ (QOL), erhoben 1981 mit Angaben zu 3.415 Personen. Die Ergebnisse zeigen, dass überdurchschnittlich attraktive Arbeitnehmer ein um zehn bis 15 Prozentpunkte höheres Einkommen erhalten als Arbeitnehmer mit einer ge­ringen Attraktivität. Der Gehaltsvorsprung attraktiver Personen setzt sich dabei zum einen aus einem Lohnbonus für attraktive Arbeitnehmer, als auch aus einer Lohnstrafe für unattraktive Arbeitnehmer zusammen. Männer sind hiervon jedoch etwas stärker betroffen als weibliche Arbeitnehmer. An der Studie kann jedoch kritisiert werden, dass die Ursache-Wirkungs­Beziehung der verwendeten Variablen nicht wirklich eindeutig ist. Die Verwendung von Querschnittstudien, die zu einem einmaligen Zeitpunkt erhoben wurden, ist zudem problema­tisch, da langfristige Entwicklungen wie beispielsweise eine Veränderung der Attraktivität, der Körpergröße oder auch des Lohnniveaus nicht über einen längeren Zeitraum beobachtet werden konnten und somit weniger aussagekräftig sind (Bozoyan/Wolbring 2012).

Harper (2000) hat für seine Studie über die Höhe des Einkommens und der Attraktivität von Personen hingegen eine Kohortenstudie mit 11.407 Briten verwendet, so dass die Ursache- Wirkungs-Beziehung der Untersuchung gewährleistet werden konnte. Dabei konnte sowohl die Lohnstrafe für weniger attraktive Arbeitnehmer, als auch der etwas stärkere Einfluss für Männer bestätigt werden. Für diese Studie lagen für die Teilnehmer sowohl Bewertungen der Attraktivität im Kindesalter, als auch der Stundenlohn der mittlerweile erwachsenen Personen vor. Die Ergebnisse dieser Studie konnten zeigen, dass unattraktive Männer im Vergleich zu durchschnittlich attraktiven Männern rund 15 Prozent weniger Lohn erhalten. Für unattraktive Frauen beträgt diese Differenz zu ihren durchschnittlich attraktiven Geschlechtsgenossinnen rund elf Prozent. Darüber hinaus zeigt sich in dieser Untersuchung vor allem ein deutlicher Einfluss der Körpergröße und des Körpergewichts, da große Männer fünf Prozent mehr Ein­kommen, kleine Personen, sowie übergewichtige Frauen hingegen ein um rund fünf Prozent niedrigeres Einkommen erhalten.

Dass physische Attraktivität nicht nur in anglo-amerikanischen Ländern einen Einfluss auf die Höhe des Einkommens hat, sondern dies auch für Deutschland gilt, zeigt eine Studie von Pfei­fer (2012). Verwendet wurden hierfür die Daten der „Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften“ (ALLBUS). Die Attraktivität der über 3.000 Befragten wurde hierbei durch eine Einschätzung durch den Interviewer, sowie über eine Selbsteinschätzung erhoben. Es wurde festgestellt, dass der Verdienst für jeden höheren Punkt auf der Attraktivitätsskala um drei Prozentpunkte ansteigt. Zudem kann eine um fünf Punkte attraktivere Person ohne Hochschulabschluss ein ebenso hohes Einkommen erzielen, wie ein um fünf Punkte weniger attraktiver Arbeitnehmer mit Hochschulabschluss. Attraktivität ist somit sogar in der Lage fehlende Bildungsabschlüsse auszugleichen.

Auch in zahlreichen anderen Studien (Bozoyan/Wolbring 2013, Cawley 2000, Fletcher 2009, French 2002, Mobius/Rosenblat 2006) konnte ein Einfluss physischer Attraktivität auf die Höhe des Einkommens nachgewiesen werden. Jedoch ist physische Attraktivität, wie bereits beschrieben, nicht nur auf dem Arbeitsmarkt, sondern auch bei der Partnerwahl von Relevanz.

3.2 Partnerwahl

Dass Männer bei der Partnerwahl besonders auf die Attraktivität einer Frau achten, während für Frauen der sozioökonomische Status eines Mannes von Relevanz ist, können zahlreiche Studien belegen (Averett/Korenmann 1996, Bauer/Ganser 2007, Buss 2002, Buston/Emlen 2003, Buunk et al. 2002, Franzen/Hartmann 2001, Hakim 2000, Lee et al. 2008, Todd et al. 2007).

Für eine Studie von Franzen und Hartmann (2001) bewerteten 490 Teilnehmer mittels Frage­bogen vorgegebene Eigenschaften wie ein attraktives Aussehen und eine gute berufliche Stel­lung aber auch weitere Charaktermerkmale wie Intelligenz oder Treue danach, wie wichtig ihnen diese Eigenschaften an ihrem Partner sind. Dabei zeigten sich für die Merkmale der Attraktivität und der beruflichen Stellung deutliche Unterschiede zwischen den Geschlech­tern. Während 53 Prozent der befragten Frauen eine gute berufliche Stellung des Mannes als wichtig empfinden, ist dies nur für rund 30 Prozent der männlichen Befragten eine Eigen­schaft, über die ihre Partnerin verfügen sollte. Für Männer spielt mit 45 Prozent hingegen die physische Attraktivität ihrer Partnerin eine wichtigere Rolle bei der Partnerwahl, als für Frau­en, bei denen sich nur 35 Prozent für ein attraktives Aussehen des Partners aussprachen.

Dass diese geschlechtsspezifischen Unterschiede in Bezug auf den Status und die Attraktivität auch über verschiedene Kulturen hinweg existieren, zeigt eine Studie von Buss (2012). Für diese Analyse wurden 10.047 Befragungsteilnehmer aus 37 unterschiedlichen Kulturen und von sechs verschiedenen Kontinenten befragt, wie wichtig ihnen bestimmte Eigenschaften an ihrem Partner sind. Dabei kam heraus, dass über alle Kulturen hinweg, Frauen diejenigen Männer als Partner bevorzugen, die finanziell gut abgesichert und beruflich besonders ehrgei­zig sind. Für Männer hingegen spielt dieses Merkmal bei ihrer Partnerin ebenfalls über alle Kulturen hinweg nur eine untergeordnete Rolle. Männern ist hingegen wichtiger, dass ihre Partnerin über ein gutes Aussehen und eine hohe körperliche Attraktivität verfügt.

In einer Studie von Todd et al. (2007) konnte zudem belegt werden, dass die Ansprüche einer Person an die Eigenschaften eines potentiellen Partners steigen, je attraktiver eine Person ist. Im Rahmen einer Speed-Dating-Veranstaltung wurden 47 Teilnehmer mittels eines Vorabfra­gebogens sowohl nach ihren eigenen Charaktermerkmalen, als auch nach wünschenswerten Eigenschaften ihres Partners befragt. Im Fokus standen dabei die Merkmale körperliche At­traktivität, derzeitiger sowie zukünftiger finanzieller Status, sozialer Status, Gesundheitszu­stand, Kinderwunsch sowie Elternqualitäten. Zudem wurde die Attraktivität der teilnehmen­den Personen bewertet. Anschließend an die durchgeführten Speed-Datings wurden die Teil­nehmer nach dem Wunsch eines zweiten Treffens befragt. Dabei zeigte sich, dass die Ansprü­che einer Person an ihren Partner ansteigen, je attraktiver eine Person selbst ist. Diese Befun­de sind für Frauen jedoch deutlich stärker als für Männer. Für Frauen zeigte sich insbesonde­re, dass mit ansteigender Attraktivität vor allem der Anspruch an den finanziellen Status des Partners zunimmt.

Auch in der bereits erwähnten Studie von Franzen und Hartmann (2001) ließen sich Hinweise finden, dass das Einkommen des Partners mit dem BMI[1] der weiblichen Befragten korreliert.

In unserer westlichen Gesellschaft gelten Frauen mit einem niedrigen BMI als attraktiver, wohingegen Frauen mit einem höheren BMI bis hin zu Übergewicht als wenig attraktiv gel­ten. Franzen und Hartmann konnten zeigen, dass schlanke und somit attraktivere Frauen eher Partner mit einem höheren Status haben. So ist der BMI der Frauen signifikant niedriger, wenn der Partner über ein überdurchschnittlich hohes Einkommen verfügt.

[...]


[1] Der Body-Mass-Index (BMI) wird anhand der Körpergröße und dem Körpergewicht einer Person berrechnet und liegt für normalgewichtige Personen zwischen 18,5 und 24,9. Ein BMI von über 25,0 bedeutet Überge-

wicht, wobei ab einem BMI von über 30,0 von krankhafter Fettleibigkeit (Adipositas) gesprochen wird (WHO 2000).

Details

Seiten
39
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668590908
ISBN (Buch)
9783668590915
Dateigröße
779 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v383794
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Soziologie
Note
1,30
Schlagworte
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Autor

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Titel: Schönheit gegen Geld? Der Zusammenhang zwischen der physischen Attraktivität von Personen und der Höhe des Einkommens ihrer Partner