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Der Arbeiter im 'Arbeiter- und Bauernparadies'

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 27 Seiten

Geschichte - Didaktik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Sachanalyse- Der Arbeiter im Arbeiter und Bauernstaat
2.1 Zur Begrifflichkeit Arbeiter
2.2 Die DDR-Arbeiterklasse als Synonym für die gesamte Arbeiterschaft
2.2.1 Klassen- und Schichtstruktur in der DDR im Jahre 1985 (Angaben in Prozent)
2.2.2 Die theoretische Idealisierung des Arbeiters
2.3 Der Arbeiter in der DDR
2.4 Die Planung als leitender Aspekt des Wirtschaftssystems
2.5 Arbeitskräfte in den Betrieben
2.7 Zur praktischen Durchführung der Idealisierung
2.8 Arbeit in der Schattenwirtschaft
2.9 Die Vereinnahmung der Arbeiter in der Freizeit

3. Didaktische Analyse
3.1 Die DDR Geschichte als didaktisches Problem
3.2 Problemorientierung
3.4 Gegenwartsbezug
3.5 Welche Bedeutung hat das Thema für die Zukunft der Schüler?
3.6 Methodische und mediale Möglichkeiten des Themas

4. Schluss

5. Literatur

1. Einleitung

Diese Hausarbeit setzt sich mit der Rolle des Arbeiters in der DDR auseinander. Die Arbeit und der Arbeiter nahmen im kollektiven Selbstverständnis der DDR eine zentrale Bedeutung ein. „Stärker noch als die westliche Gesellschaft war die DDR-Gesellschaft eine (erwerbs)arbeitszentrierte, in der der einzelne nur als „arbeitenden Mensch“ Bedeutung hatte.“[1] Die Funktion der Arbeit richtete sich ideologische auf Fortbestand der DDR.[2] Arbeit war laut der DDR- Gesetzgebung Recht und Pflicht eines jeden Bürgers. „Die wichtigste und auch edelste Sache im Leben ist die nutzbringende Arbeit zum Wohle aller.“[3] Arbeitslosigkeit wurde politische verboten und führte in der Praxis oftmals zu formalen Beschäftigungsverhältnissen.

Die DDR, als sogenannter Arbeiter- und Bauernstaat, sprach vor den Arbeitern eine gesonderte Position zu. Sie sollten die wirtschaftliche, soziale und politische Führung des Staates übernehmen. Aufgrund der starken Heroisierung und Idealisierung des Arbeiters wurde mit unterschiedlichen Mitteln versucht, seine Position zu festigen. Trotz des dargestellten Idealbildes setzte sich der Alltag der Arbeiter in den Betrieben von dem propagiertem Bild ab. Das sogenannte Arbeiter- und Bauernparadies erwies sich nicht als das versprochene Ideal, sondern eher als eine Utopie.

Im Rahmen dieser Hausarbeit soll diese Zwiespältigkeit der Rolle des Arbeiters bearbeitet werden. Unter Zwiespältigkeit lässt sich in der Hinsicht der Unterschied zwischen propagiertem Ideal und der realen Umsetzung verstehen. Um diesen Sachverhalt zu verdeutlichten, soll damit begonnen zu werden, den Begriff des Arbeiters in der DDR zu definieren. Dabei wird betont, dass die festgelegte Definition, den Begriff des Arbeiters sehr ausdehnt. Der Zusammenschluss aller Arbeiter zur Arbeiterklasse der politisch und wirtschaftlichen Führungsmacht ist nur ein Indiz der Idealisierung. In der Praxis wurden vielfältige Methoden angewandt, die ihre Rolle festigen sollten. Die reichten von der Darstellung in allen Bereichen der Kunst, über Literatur bis hin zu ständigen Auszeichnungen.

Aufgrund der Planwirtschaft und zahlreicher anderer Indikatoren, zeichnete sich die Arbeitswelt dennoch anders ab. Die Arbeiter wurden aufgrund der Unterbeschäftigung zeitweise zum „Nichtstun“ gezwungen. Aufgrund der mangelnden Versorgung der DDR, baute man demzufolge in der „Schattenwirtschaft“ eine eigene Arbeitswelt auf, die eine Stabilisierung der eigenen Lebensverhältnisse sichern sollte. Neben diesen Beschäftigung, war es gerade auch der Betrieb, welcher mehr Einfluss an der Freizeit des Arbeiters gewinnen wollte. Dies sollte zur Folge haben, dass die Arbeit den Menschen in der DDR in allen Bereichen bestimmte.

Das Thema „Arbeiter im Arbeiter und Bauernparadies“ eignet sich aus besonders gut für den schulischen Unterricht. Welche Möglichkeiten bestehen das Thema in den Unterricht einfließen zu lassen, welche Anknüpfungspunkte in den Rahmenrichtlinien ersichtlich sind, welche Perspektiven aufgezeigt werden und wie man es gut in den Unterricht einbinden kann, soll im zweiten Teil der Arbeit diskutiert werden.

2. Sachanalyse- Der Arbeiter im Arbeiter und Bauernstaat

2.1 Zur Begrifflichkeit Arbeiter

Um sich ein Bild über den Arbeiter in der DDR zu machen, muss vorerst geklärt werden, was unter dem Begriff eigentlich zu verstehen ist?

Aus heutiger Sicht, lässt sich zum Begriff Arbeiter folgendes festlegen:

„Arbeiter, unselbständige oder abhängige Beschäftigte, die ihre überwiegend körperlich ausgeführte Arbeitskraft dem Arbeitsgeber gegen Entgelt zur Verfügung stellen. Man unterschiedet einerseits zwischen ungelernten Arbeitern (Hilfsarbeitern) und angelernten, die über keine berufliche Qualifikation verfügen, und andererseits gelernten Arbeitern oder Facharbeitern, die sich durch langjährige Berufserfahrung bzw. eine geregelte Berufsausbildung auszeichnen.“[4]

In der DDR sprach man dem Begriff des Arbeiters mehr Bedeutung zu.

Im Zusammenhang einer definitorischen Festlegung des Begriffes Arbeiter in der DDR wird erkennbar, dass mit im sehr undeutlich umgegangen wird. Als Arbeiter versteht die Deutsche Demokratische Republik alle „Arbeitskräfte, die in einem Arbeitsverhältnis zu einem Betrieb, einer Einrichtung, einem Verwaltungsorgan, einer Produktionsgenossenschaft, zum Verband der Konsumgenossenschaften, zu einer sonstigen Genossenschaft (z.B. Rechtsanwaltkollegium), einer ein Gewerbe oder eine freiberufliche Tätigkeit ausübenden Person stehen, das durch einen unbefristeten oder befristeten Vertrag begründet wurde. Heimarbeiter sowie Hausangestellte in privaten Haushalten zählen ebenso hinzu.“[5]

Es handelt sich demnach nicht nur um die ungelernten, angelernten Facharbeiter in der Produktion, sondern auch um die Angestellten in Dienstleistungen, Verwaltungs- und Organisationsbereichen und Teile der Intelligenz. Somit kann man den größten Teil der erwerbstätigen Bevölkerung als die Arbeiterklasse bezeichnet werden.

2.1.1 Berufstätige bzw. Arbeiter im Betrieb

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Die DDR-Arbeiterklasse als Synonym für die gesamte Arbeiterschaft

Um genauer zu beleuchten, was unter der Terminologie des sozialistischen Arbeiters der DDR zu verstehen ist, sollte man sich der Begrifflichkeit der Arbeiterklasse zuwenden. Der Ausdruck des Arbeiters in der DDR wurde oftmals mit dem Aspekt der Arbeiterklasse gleichgesetzt. Unter dem Begriff der Arbeiterklasse versteht die heutige Wissenschaft „die Gesamtheit der industriellen in der Regel handarbeitenden Lohnabhängigen, die als Folge der Industrialisierung vom Verkauf ihrer Arbeitskraft an den Kapitalisten lebt und aufgrund der gemeinsamen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Situation (kein Besitz an Produktionsmitteln, häufig politische Verfolgung) zu einem mehr oder minder einheitlichen Klassenbewusstsein gelangt.“[6][7]

Die Klasse der Arbeiter (oder auch Arbeiterklasse) wurde in der DDR „als die revolutionärste Klasse in der Geschichte der Menschheit“[8] festgelegt. Man sah in ihr sozusagen die Hauptklasse der Gesellschaft.

Es stellt sich die Frage, wie die Herrschaft der Arbeiterklasse legitimiert wurde? In diesem Zusammenhang erfolgte eine starke Ideologisierung. „Nach der marxistisch-leninistischen Ideologie ist die Arbeiterklasse eine Hauptklasse in der Gesellschaftsformation des Kapitalismus und des Sozialismus. Sie soll in beiden Gesellschaftsformationen die fortschrittlichste und revolutionärste Klasse sein, die als Träger der sozialistischen Revolution den Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus herbeiführt und im Sozialismus die politische Macht mit den Genossenschaftsbauern und den sonstigen werktätigen Schichten ist.“[9] Sie galt somit als der Träger des fortschrittlichen Klassenbewusstseins und der einzig wissenschaftlichen Weltanschauung. Die Arbeiterklasse machte den größten Anteil der Bevölkerung aus und hatte die Aufgabe den größten Teil der materiellen Werte schaffen. Dieser Anspruch lässt aus dem Parteiprogramm der SED des Jahres 1976 entnehmen: „Die Arbeiterklasse ist die politische und soziale Hauptkraft und zahlenmäßig stärkste Klasse. Sie ist Träger der politischen Macht, sie ist eng mit dem sozialistischen Volkseigentum verbunden, sie produziert den größten Teil des materiellen Reichtums der ganzen Gesellschaft. Ihre Interessen bringen zugleich die Grundinteressen des ganzen Volkes zum Ausdruck.“[10]

2.2.1 Klassen- und Schichtstruktur in der DDR im Jahre 1985 (Angaben in Prozent)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2.2 Die theoretische Idealisierung des Arbeiters

Mit der Idealisierung des Arbeiters in der DDR-Gesellschaft , versucht man die Verbesserung der Position des Arbeiters im Vergleich zu anderen gesellschaftlichen Formen zu verdeutlichen (im engeren Sinne der Kapitalismus). Im Sozialismus nahm die Arbeiterklasse die führende soziale, gesellschaftliche und politische Rolle ein. Im Vergleich zum Kapitalismus (wo vorrangig lohnabhängige Industriearbeiter in der unmittelbaren Produktion „ausgebeutet“ wurden) wird die Vorrangstellung der DDR Arbeiter innerhalb des Produktionsprozesses und Klassenbewusstsein gesehen. Es wurde aber propagiert, dass diese alleinige Trägerschaft der Arbeiterschaft nicht umsetzbar war, sondern der führenden Kraft der SED bedurfte. Nur unter der Führung der Partei könnten die Produktionsverhältnisse mit dem gesellschaftlichen Charakter der Produktivkräfte in Übereinstimmung gebracht werden und die Arbeiter somit zum gesellschaftlichen Eigentümer der Produktionsmittel werden.[11]s

Durch die Ideologisierung des Begriffes des Arbeiters bzw. der Arbeiterklasse wurde von der Begriff des Proletariats ersetze. (im Sinne der Marxschen Theorie als die „Klasse der Lohnarbeiter“[12] in der Maschinenfabrik des 19. Jahrhunderts). Diese Änderung der Terminologie Proletariat zu Arbeiterklasse, aufgrund der soziologischen Veränderungen in der modernen Industriegesellschaft legitimiert.

Der Arbeiterklasse wurde eine politischer Auftrag übertragen, der gemeinsam von allen Arbeitern umgesetzt werden sollte. „Die historische Mission der Arbeiterklasse ist die Beseitigung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung und damit die Beendigung der Jahrtausende währenden Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, der Aufbau des Sozialismus und des Kommunismus und damit die Aufhebung der Klassen überhaupt.“[13]

Der Arbeiter hatte sich demzufolge in der Arbeiterklasse zu integrieren um den politischen Anforderungen des Staates gerecht zu werden. Es wurde gesetzlich festgelegt, dass jeder Bürger der DDR verpflichtet war, einer Arbeit nachzugehen. Dies spiegelte sich in unterschiedlichen gesetzlichen Regelungen wieder. In der Verfassung der DDR (Abschnitt I. Kapitel 1) wird folgendes festgelegt: „ Die Deutsche Demokratische Republik ist ein sozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern. Sie ist die politische Organisation der Werktätigen in Stadt und Land unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei.“ Ergänzende Festlegungen verdeutlichten sich im Gesetz der Arbeit (vom 19.04. 1950, es handelt sich hierbei um den Kurztitel für das Gesetz der Arbeit zur Förderung und Pflege der Arbeitskräfte). Dieses Gesetz sollte zur Steigerung der Arbeitsproduktivität und zur Verbesserung der materiellen und kulturellen Lage der Arbeiter beitragen. Das Gesetz wurde zweimal verändert (am 01.07.1961 mit Hilfe des Gesetzbuches der Arbeiter und am 01.01. 1978 durch das Arbeitsgesetzbuch ersetzt). Die Festschreibung des Rechts auf Arbeit und Arbeitsplatz, sowie der zentrale Charakter des Betriebes, sollten eine positive Identifikation und Motivation der Beschäftigten erzeugen.[14]

[...]


[1] Schroeder K./Alisch S.: Der SED Staat, Geschichte und Strukturen der DDR, 2. Auflage, München 1999, S. 515.

[2] Die„sozialistische Einstellung zur Arbeit, das Beste für die Gesellschaft zum Nutzen aller geben, legt Zeugnis ab vom hohen Staatsbewusstsein aller Bürger.“ Zitiert nach: Arbeiter unserer Tage. Helden unserer Zeit, Portraits von Arbeiterpersönlichkeiten der Hauptstadt der DDR, hrsg. von der FDJ-Betriebsleitung Berlin, Berlin 1979, S. 4.

[3] Arbeiter unserer Tage. Helden unserer Zeit, Portraits von Arbeiterpersönlichkeiten der Hauptstadt der DDR, hrsg. von der FDJ-Betriebsleitung Berlin, Berlin 1979, S. 4.

[4] Roland Detsch: Arbeiter, in: Microsoft Encarta 1998,

[5] Statistisches Jahrbuch der Deutschen Demokratischen Republik 1983, hrsg. von der staatlichen Zentralverwaltung für Statistik, 28. Jahrgang, Berlin 1983, S. 107.

[6] Statistisches Jahrbuch der DDR, 28. Jahrgang, Berlin 1983, S. 111.

[7] Peter Lösche, Arbeiterklasse, in: Lexikon der Politik: Begriffe- Methoden-Fakten, Band 7, Nohlen, D./Schultze R.-O./Schüttemeyer, S. S.- Politische Begriffe, Berlin 2003, S. 43.

[8] Arbeiterklasse, in: Kleines Politisches Wörterbuch, Berlin 1973, S. 49.

[9] Arbeiterklasse in: Enzyklopädie der DDR: Personen, Institutionen und Strukturen in Politik, Wirtschaft und Justiz, Wissenschaft und Kultur, Berlin 2000, S. 831

[10] Parteiprogramm der SED 1976, S.

[11] Vgl.: Weidig Rudi (Hrsg.): Sozialstruktur der DDR, Berlin 1988, S. 16.

[12] Peter Lösche, Proletariat, in: Lexikon der Politik: Begriffe- Methoden-Fakten, Band 7, Nohlen, D./Schultze R.-O./Schüttemeyer, S. S.- Politische Begriffe, Berlin 2003. S. 524.

[13] Arbeiterklasse, in: Kleines Politisches Wörterbuch, Berlin 1973, S. 49.

[14] Schroeder K./Alisch S.: Der SED Staat, Geschichte und Strukturen der DDR, 2. Auflage, München 1999, S. 515.

Details

Seiten
27
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638374316
Dateigröße
728 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v38340
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
1,0
Schlagworte
Arbeiter Arbeiter- Bauernparadies

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