Lade Inhalt...

Ein Unterrichtsentwurf zur "Attischen Demokratie" für die Klassen 6 und 10

Unterrichtsentwurf 2011 19 Seiten

Pädagogik - Unterrichtsvorbereitung allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
a) Klasse 6
b) Klasse 10/Oberstufe

III. Zusammenfassung

IV. Literaturverzeichnis

V. Anhänge

Material 1 - Die Akropolis

Material 2 - Die Herrschaft des Adels in Athen

Material 3 - Die Verfassung des Solon und Kleisthenes

Material 4 - „Demokratiespiel“

Material 5 - Quellenauszug zu Solon

Material 6 - Quellenauszug zu der Tyrannis des Peisistratos

Material 7 - Quellenauszug zu Kleisthenes

Material 8 - Verfassung des Solon und Kleisthenes

I. Einleitung

Die folgende Hausarbeit wird eine Unterrichtseinheit zur attischen Demokratie darstellen und didaktisch-methodisch begründen. Die Unterrichtseinheit ist für zwei Schulstunden konzipiert. Letztendlich wurde das Material für eine Unterrichtseinheit in der Klasse 6 und gegenüberstellend in der Klasse 10 unterschiedlich von mir zusammengestellt. Des weiteren sind in dieser Hausarbeit die Kritikpunkte aus dem Seminar bereits integriert, weshalb diese nicht noch einmal erwähnt werde.

Der Hauptteil der Hausarbeit wird das Material (im Anhang) erläutern, zuerst für die Jahrgangsstufe 6 und dann für die Jahrgangsstufe 10, die Aufgaben werden besprochen und es wird begründet, warum das Material so gewählt wurde und weshalb die Stundeneinteilung so gestaltet wurde.

Abschließend wird meine Unterrichtseinheit kurz mit den Kritikpunkten in dem Seminar reflektiert und ein Fazit gegeben.

Als Literaturhinweise kann ich aus wissenschaftlicher Sicht Martin Drehers „Athen und Sparta“ (München 2001) und Hans-Joachim Gehrke/ Helmuth Schneider „Geschichte der Antike“ (Stuttgart 2006) empfehlen. Des weiteren wurde das Schulbuch „bsv Geschichte 1N“ (München 1987) und das Buch von Michael Sauer „Geschichte unterrichten“ (Seelze-Velber 2009) verwendet. Das Material in den Schulbüchern war zum Teil sehr ernüchternd, sodass ich ein Schaubild verändern musste und auch einen Text für die Klasse 6 vereinfachen musste. Es gab auch keine Quelle in dem Schulbuch von Aristoteles, was sehr schade ist, weil man von ihm alles über die attische Demokratie weiß. Deshalb wurde auf die Originalquelle in der Oberstufe zurückgegriffen.

Der historische Kontext beginnt mit der Verschuldung der Kleinbauern Athens. Solon brachte 580-570 v. Chr. Reformen auf den Weg und führte die Timokratie ein. Weil die meisten Bevölkerungsschichten von seinen Reformen profitierten, wurde er als der Mann des Ausgleichs tituliert (vgl. Dreher: 2001: 23 und 26-27). Er veranlasste die Entschuldung der Kleinbauern und lies die versklavten Bauern wieder zurückkaufen (vgl. ebd.: 24). Einige Jahre nach Solon schien sich eine reiche Adelsschicht herausgebildet zu haben und es war Peisistratos, welcher um 546 v. Chr. die Tyrannis in Athen übernahm. Insgesamt baute seine Herrschaft zwar auf einem Söldnerheer, aber dennoch herrschte Frieden und die solonische Verfassung blieb bestehen (vgl. ebd.: 27- 29). 528/527 v. Chr. verstarb Peisistratos und die Herrschaft ging an seine Söhne Hippias und Hipparchos über. 514 v. Chr. wurde Hipparchos ermordet und damit wurde die Tyrannis des Hippias umso gewalttätiger (vgl. ebd.: 29-31). Im Jahre 510 v. Chr. wurde die Herrschaft des Peisistratiden mithilfe der Spartaner beendet (vgl. ebd.: 61- 62). In der Nachfolgezeit stritten sich Kleisthenes und Isagoras um die Herrschaft in Athen und Isagoras setzte sich letztendlich 508/507 v. Chr. als Archonten durch (vgl. ebd.: 63). Um die Herrschaft zu erlangen, wandte sich Kleisthenes an das Demos, dem niederen Volk, welches bislang noch nicht an der Politik teilgenommen hatte. Diese Schicht war die Gruppe der unabhängigen Bauernschicht, welche die Hopliten stellten (vgl. ebd.: 63). Fundament seiner Reformen war die Phylenreform, je ein Demos aus der Stadt, der Küste und dem Binnenland wurden zusammen zu einer Phyle, wodurch die Zusammengehörigkeit gestärkt wurde. Er öffnete außerdem die Politik für alle Bürger Athens, was als Demokratia von Herodot genannt wird (vgl. ebd.: 66-67). Danach folgte die Zeit der Perserkriege und dann erst um 450 v. Chr. wirkte Perikles erst in Athen (vgl. ebd.: 97).

Wenn in dieser Hausarbeit von Schülern gesprochen wird, sind sowohl die männlichen Schüler als auch die weiblichen Schülerinnen gemeint.

II. Hauptteil

a) Klasse 6

Im Folgenden soll kurz das Material für die Jahrgangsstufe 6 mit den dazugehörigen Aufgaben und der didaktischen Begründung dargestellt werden.

Material 1 zeigt das Pantheon auf der Akropolis. Dieses Bild wird als Folie mithilfe des Overheads an die Wand geworfen. Aufgabe ist eine Bildbeschreibung, wo die Schüler zunächst allgemein beschreiben sollen, was sie sehen. In einem weiteren Schritt sollen die Schüler darauf kommen, dass dieses Gebäude in Athen steht. Im Stundenverlauf soll die Bildbeschreibung 5-10 Minuten in Anspruch nehmen. Ziel dieser Aufgabe soll es sein, dass die Schüler ein berühmtes Gebäude in Athen erkennen und sie ein Gebäude haben, wo die Athener zusammenkamen bei der Volksversammlung. Leider war das Pantheon erst später erbaut worden und die Volksversammlung fand auf dem Hügel Pnyx statt, aber dadurch, dass der Ort relativ unbedeutend für die Klasse 6 ist, habe ich den Ort zur besseren Anschauung (In Deutschland gibt es auch einen berühmten Ort, wo das Parlament tagt - den Reichstag) geändert.

Methodisch und didaktisch soll dieses Material der Einstieg in die Unterrichtseinheit sein zur attischen Demokratie. Aus dem Kerncurriculum habe ich für diese Unterrichtseinheit die Inhaltsfelder (Geschichtswissenschaftliche Dimensionen) „Herrschaft“ und „Eigenes und Fremdes“ ausgesucht. Wie oben schon erläutert, sollen die Schüler die attische Demokratie im Vergleich zu ihrer eigenen Demokratie sehen, weshalb ich das Pantheon als „Reichstagsersatz“ gewählt habe.

Material 2 ist der Text „Die Herrschaft des Adels in Athen“, welcher von mir leicht gekürzt aus einem etwas älteren Schulbuch entnommen wurde (es gab jedoch kein neueres, was den Inhalt so gut zusammengefasst hatte). In dem Text ist sehr gut die Entwicklung von der Monarchie über die Aristokratie bis zu den Gründen für die Demokratie zusammengefasst. Ebenfalls werden dort die frühen Ämter (z. B. Archonten) der Aristokratie dargestellt und auch die ersten Institutionen (z. B. Areopag). Aufgrund des hohen Informationsgehaltes des Textes werden folgende 4 Fragen formuliert: 1. Welche Institutionen werden erwähnt und was waren ihre Aufgaben? 2. Welche Herrschaftsform wird dargestellt? Welche gab es davor? 3. Welche Auswirkungen hatte die Herrschaft auf die Bevölkerung und wie war ihre Meinung dazu? 4. Warum wollten die ärmeren Bauern mehr Mitbestimmung, als die Phalanx als Schlachtordnung eingeführt wurde?

Insgesamt sind 30-35 Minuten für dieses Material eingeplant, weil der Text doch sehr anspruchsvoll für die 6. Klasse ist und bestimmt einige Nachfragen im Plenum zusammen beantwortet werden müssen. Desweiteren sind zur Erarbeitung mit den 4 Fragen auch einige Minuten mehr zu veranschlagen. Als Ziel sollen die Schüler erkennen, dass es eine Entwicklung von der Monarchie zu einer Herrschaft gab, wo mehr Menschen beteiligt wurden. Außerdem sollen die Schüler, vor allem auch im Hinblick zur mittelalterlichen Grundherrschaft, erkennen, dass eine Aristokratie noch keine Volksherrschaft im heutigen Sinne war.

Methodisch und didaktisch sollen sich die Schüler mit diesem Text die Entwicklung weg von der Monarchie selbst erarbeiten und erkennen, dass die Demokratie keine plötzlich dagewesene Staatsordnung gab. Aufgabe 1. und 2. haben das Aufgabenanforderungsniveau I und Aufgabe 3. Aufgabenniveau II. Aufgabe 4. hat das Aufgabenniveau III und ist eine Transferaufgabe, sodass in der Aufgabenstellung eine Steigerung erkennbar ist. Geplant ist diese Aufgabe als Einzelarbeit, aber man könnte durchaus eine Partner- oder Gruppenarbeit daraus machen, sollten die Schüler nicht mit den Aufgaben fertig werden, wird dies die Hausaufgabe sein, die Aufgaben fertigzustellen.

Material 3 sind die Schaubilder zur Verfassung des Solon und Kleisthenes. Die Verfassung nach Solon stellte eine Timokratie dar, wo die politische Partizipation nach den Einkommen gestaffelt war. Wer am meisten für den Staat erwirtschaftet (Steuern), darf auch am meisten am Staat teilhaben. Kleisthenes führte die Verfassung ein, welche als „attische Demokratie“ genannt wird, weil dort unabhängig von Besitz und Stand durch Los die Ämter vergeben wurden. Insgesamt sind 3 Aufgaben vorgesehen: 1. Die Verfassung Solons war ein Schritt weg von der Aristokratie, war sie jedoch schon eine Demokratie (= Herrschaft des Volkes)? 2. Nachdem es eine Tyrannis in Athen gab, reformierte Kleisthenes die Verfassung, welche Gruppen konnten nun mitbestimmen? 3. Was bringt die Vermischung der drei Regionen zu einer neuen Phyle? Durch dieses Material sollen die Schüler erkennen, dass die Verfassung des Kleisthenes die „attische Demokratie“ darstellt und dass es ein Prozess war, der zu der Demokratie führte. Geplant sind 30 Minuten für die Schaubilder und Aufgaben.

Didaktisch und methodisch stellt diese Aufgabe die inhaltliche Fixierung zu den Inhaltsfeldern „Eigenes und Fremdes“ und „Herrschaft“, denn hier sehen die Schüler eine Demokratie, welche unterschiedlich zu unserer Demokratie ist. Es gibt also unterschiedliche Formen von Demokratien und die Schüler haben sich durch die selbstständige Arbeit und das Gespräch im Plenum die attische Demokratie vom Aufbau her selbst erarbeitet.

Zum Schluss der zweiten Stunde in der Unterrichtseinheit soll das Demokratiespiel (Material 4) gemacht werden. Dieses von mir auf Grundlage eines Cartoons (The groovy Greeks) erfundene Spiel geht darum den Schülern zu veranschaulichen, dass nicht jeder Einwohner in Athen an der Demokratie teilhatte. Bei dem Spiel müssen alle Schüler aufstehen und ich stelle folgende Fragen (ausgehend von einer Schule in Marburg): Wer ist in Marburg geboren? Alle die in Marburg geboren sind, dürfen stehen bleiben, da jedoch in Schulen meistens auch Schüler aus dem Umland sind, wird sich ein Teil der Klasse setzen, weil die Metöken in Athen schließlich auch keine Partizipation an der Demokratie hatten. Die Frage, wer ein Mädchen ist, wird sicherlich Unverständnis heraufrufen, jedoch hatten die Frauen in der Antike ebenfalls kein Stimmrecht. Wenn ich nun noch nach dem Alter frage, wer zum Beispiel älter als 12 Jahre alt ist in der sechsten Klasse, der wird sehen, dass nicht viele Schüler übrig geblieben sind, welche nach attischen Einschränkungen an der Demokratie teilnehmen konnten. Dies ist auch der Sinn hinter dem Spiel, denn 300.000 Menschen können schlecht an einer Volksversammlung teilnehmen, ohne dass diese zeitlich noch möglich wäre. Für das Spiel habe ich 10-15 Minuten eingeplant, weil die Schüler in der 6. Klasse noch etwas lebhaft sind.

Didaktisch und methodisch ist dieses Spiel das Ende der Unterrichtseinheit und die Schüler sollen noch einmal praktisch die attische Demokratie spielen. Außerdem wird deutlich, dass unsere heutige Demokratie weiter ist, auch wenn sie noch nicht perfekt ist, denn Frauen haben ebenfalls nun das Wahlrecht. Weiterhin habe ich das Spiel ausgewählt, weil ich denke, dass dies ein schöner spielerischer und mit Bewegung verbundener Abschluss ist, nachdem die Schüler viel lesen und zuhören mussten in einer von Frontalunterricht geprägten Unterrichtseinheit.

b) Klasse 10/Oberstufe

Nachdem wir nun die Unterrichtseinheit der attischen Demokratie für die Klasse 6 gesehen haben, soll die Unterrichtseinheit für die Jahrgangsstufe 10 (Oberstufe) im Vergleich dargestellt werden. Die Unterrichtseinheit soll ebenfalls zwei Schulstunden in Anspruch nehmen.

In der ersten Stunde müssen sich die Schüler in Stillarbeit mithilfe der Quellen der Demokratie nähern. Material 5 ist ein Quellenausschnitt aus Aristoteles Staat der Athener, welcher sich um Solon und seiner Reform und Verfassung dreht. Die Schüler haben dabei die Aufgaben, den Text stichpunktartig zusammenzufassen und zu begründen, ob die Maßnahmen des Solon ein Erfolg für die „Demokratie“ waren. Für diesen Text und die Aufgaben sind 15 Minuten angesetzt.

Didaktisch und methodisch sollen die Schüler mit diesem sehr „langweiligen“ Unterrichtseinstieg in die Materie der attischen Demokratie einsteigen. Des weiteren sollen die Schüler mit dieser Quelle die Quellenarbeit üben und wiederholen. Das Zusammenfassen der Quelle ist Anforderungsniveau I und die zweite Aufgabe schon Niveau II.

Nach dem Text von Solon sollen die Schüler einmal eine andere Herrschaftsform informiert werden, welche der Demokratie zuwiderläuft.

[...]

Details

Seiten
19
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783668602960
ISBN (Buch)
9783668602977
Dateigröße
985 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v383216
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
3,0
Schlagworte
unterrichtsentwurf attischen demokratie klassen

Autor

Zurück

Titel: Ein Unterrichtsentwurf zur "Attischen Demokratie" für die Klassen 6 und 10