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Emotionswahrnehmung und -regulation bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung

Hausarbeit 2017 10 Seiten

Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie

Leseprobe

Inhalt

THEORETISCHER HINTERGRUND
Borderline-Persönlichkeitsstörung
Die Emotionswahrnehmung bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung
Borderline-Persönlichkeitsstörung und emotionale Reaktionen
Aversive Spannung bei Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörung

Emotionsdysregulation
Die Rolle der Emotionsdysregulation beim Vorliegen, einhergehenden Schwierigkeiten und Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung
Komponenten der Emotionsdysregulation bei der Borderline- Persönlichkeitsstörung

Literatur

Theoretischer Hintergrund

Borderline-Persönlichkeitsstörung

Eine allgemeine Definition für Persönlichkeitsstörungen ist dem DSM-IV-TR (Saß, Wittchen, Zaudig & Houben, 2003) zu entnehmen, die Persönlichkeitsstörungen charakterisiert als „ein überdauerndes Muster von innerem Erleben und Verhalten, das merklich von den Erwartungen der soziokulturellen Umgebung abweicht, tiefgreifend und unflexibel ist, seinen Beginn in der Adoleszenz oder frühen Erwachsenenalter hat, im Zeitverlauf stabil ist und zu Leid oder Beeinträchtigungen führt“.

Ungeachtet dessen, dass allen Persönlichkeitsstörungen diese Gemeinsamkeiten zugrundeliegen, bestehen deutliche Unterschiede zwischen ihnen. Für die Diagnose einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) müssen neben dem Vorliegen einer Emotionsregulationsstörung weitere entscheidende Kriterien in den Bereichen Impulsivität, Kognition und interpersoneller Bereich erfüllt sein. Gegenstand dieser schriftlichen Arbeit ist primär der Bereich der Emotionen, da diese das Hauptthema im Rahmen des Seminars ausmachen.

Die charakteristischen Merkmale einer BPS werden im DSM-IV-TR (Saß et al., 2003) zusammengefasst als „ein tiefgreifendes Muster von Instabilität in zwischenmenschlichen Beziehungen, im Selbstbild und in den Affekten sowie von deutlicher Impulsivität“. Das klinische Erscheinungsbild dieser Persönlichkeitsstörung umfasst Emotionsregulationsdefizite, impulsive Aggression, wiederholte Selbstverletzung und chronische suizidale Tendenzen (Lieb, Zanarini, Schmahl, Linehan & Bohus, 2004). Gerade diese Borderline-typischen überdauernden Schwierigkeiten der Impulskontrolle und des Selbstbildes resultieren häufig in destruktiven Verhaltensweisen sich selbst und anderen gegenüber.

Vor allem weil die Störung der Emotionsregulation als Kernproblem der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) gilt, wie vorangegangene Studien aufzeigen konnten (Glenn & Klonsky, 2009; Sanislow, Grilo & McGlashan, 2000), wird auf diese im zweiten Teil der Arbeit noch einmal gesondert eingegangen. Zunächst beschäftigt sich der folgende Abschnitt mit der allgemeinen Wahrnehmung von Emotionen bei Betroffenen einer BPS.

Die Emotionswahrnehmung bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung

Aus dem Artikel von Domes, Schulze und Herpertz (2009) geht hervor, dass eine deutlich beeinträchtigte Emotionsregulation bei Betroffenen einer BPS vorliegt, die mit affektiver Instabilität einhergeht. Es wird angenommen, dass ein beeinträchtigtes soziales kognitives Funktionsniveau zur sozialen Störung beiträgt, sodass das Resultat ein verändertes Muster der Wahrnehmung von Emotionen im Gesicht ist.

Den Autoren des Artikels zufolge konnten bei Betroffenen strukturelle und funktionelle Veränderungen im neuronalen Netzwerk nachgewiesen werden, sodass diese als mögliche Ursache für die zugrundeliegende affektive Dysregulation und emotionale Hyperreaktivität angenommen werden. Die Annahme ist, dass die emotionale Hyperreaktivität kognitive Prozesse, welche wiederum der Emotionswahrnehmung im Gesicht zugrundeliegen, stört.

Die Emotionswahrnehmung ist eine für das Individuum relevante Fähigkeit, um sozial mit anderen Individuen interagieren zu können. Somit gilt sie als kognitive Basis der sogenannten Sozialfunktion und hat Auswirkungen auf andere Fähigkeiten des Individuums wie das Empathievermögen, Vertrauensfähigkeit und prosoziales Verhalten. Mögliche Konsequenzen einer fehlerhaften Emotionswahrnehmung sind Emotionsstörungen, inadäquates Sozialverhalten und eine beeinträchtigte Sozialfunktion.

Dabei ist zu erwähnen, dass die Emotionswahrnehmung nicht nur bei der BPS beeinträchtigt ist, sondern auch bei vielen anderen Störungsbildern. Dennoch ist im Falle einer BPS eine unterschiedliche neuronale Basis vorliegend, welche im Kontext der BPS ursächlich für eine veränderte Emotionswahrnehmung ist. Es liegt ein verstärktes emotionales Arousal vor, welches den BPS-Betroffenen die kognitive Auswertung emotionaler Gesichtsausdrücke erschwert. Den Autoren zufolge beschrieb Linehan diese Merkmale unter dem Begriff der Emotionalen Vulnerabilität, der eine verstärkte emotionale Sensitivität, eine gesteigerte emotionale Reaktivität, eine langsamere Rückkehr vom emotionalen Arousal zur Baseline und eine erhöhte Vigilanz für soziale Reize (beispielsweise Zurückweisung oder Bedrohung) subsumiert.

Insgesamt zeigt sich bei BPS-Betroffenen eine geringere Akkuratheit der Emotionswahrnehmung; am stärksten sind hierbei Gesichtsausdrücke der Emotionen Wut, Ekel, Angst und Traurigkeit betroffen, wobei Betroffene frequenter Angst und Wut berichten. Das Wahrnehmen von Wut dient als Indiz für die vorab antizipierte Ablehnung oder Bedrohung durch andere. Die Welt und andere werden als Bedrohung wahrgenommen. Betroffene sehen sich selbst als machtlos und als nicht von anderen akzeptiert. Daneben beschreiben die Autoren das Vorliegen einer Tendenz, mehrdeutige Gesichtsausdrücke negativ zu interpretieren. Erklärungsansätze sehen die Ursache für die verstärkte Sensitivität auf negative Emotionen in einer Hyperreaktivität der Gehirnregion Amygdala und in einer verstärkten limbischen Reaktivität.

Im folgenden Abschnitt wird auf das Muster emotionaler Reaktionen von Borderline-Betroffenen eingegangen.

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Details

Seiten
10
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668587670
ISBN (Buch)
9783668587687
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v383092
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Note
unbenotet
Schlagworte
Emotionswahrnehmung Emotionsregulation Borderline-Persönlichkeitsstörung BPS Aversive Spannung Emotionale Reaktion Emotionsdysregulation Persönlichkeitsstörung

Autor

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Titel: Emotionswahrnehmung und -regulation bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung