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Georg Büchners Dantons Tod - ein Politikum

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 25 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Zwischen revolutionärem Handeln und Fatalismus der Geschichte – Anmerkungen zu Büchner, seiner Zeit und seinem Werk

2. Das Inventar von Dantons Tod – eine Makro-Analyse

3. Das Personal des Dramas im Spiegel der Politik
3.1. Danton und die Gemäßigten
a) Danton – resignierender Revolutionär und ambivalenter „Held“
b) Dantons Gefolgschaft
3.2. Das Volk – hungernde Masse und Spielball der Demagogie
3.3. Robespierre und die radikalen Jakobiner
a) Robespierre – der vermeintliche Heilsbringer
b) Robespierres Gefolgschaft
3.4. Die Frauen

4. Die politische Intention als pluralistische Konstruktion
4.1. Kein politisches Lehrstück
4.2. Der politische Gewaltdiskurs
4.3. Das Stück als Paraphrase des Fatalismus der Geschichte?
4.4. Das Drama als pluralistische Konstruktion von Sinn

Literaturverzeichnis

Vorwort

Ausgangspunkt der folgenden Auseinandersetzung mit Georg Büchners Dantons Tod ist das Seminar Politische Dramen II. Dessen Ziel war es durch seine dezidierte Themenstellung den Blick [zu] schärfen für die Aktualität, das Engagement und das kritische Potential von Literatur[1] und zwar im Hinblick auf politische Konzeptionen bzw. politisches Handeln überhaupt. Nachdem wir uns im Seminar auf die dem Common Sense entsprechende Definition von Politik als Umsetzung von Konzepten und Maßnahmen, die sich auf die Gestaltung des öffentlichen Lebens und seiner Institutionen beziehen, geeinigt hatten, analysierten und interpretierten wir dahingehend verschiedenste Werke diverser Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts. Darunter auch Georg Büchners grandioses Revolutionsdrama Dantons Tod, das durch seine Komplexität im Seminar leider nur ansatzweise behandelt werden konnte. Diese Ausarbeitung will sich als Fortsetzung der im Seminar begonnenen Arbeit verstanden wissen.

Der Eindruck der immensen Komplexität des Stückes, der sich bereits im Seminar angedeutet hat, erfuhr durch die Recherche und Lektüre der umfangreichen wissenschaftlichen Sekundärliteratur weitere Verstärkung. Nach und nach kristallisierte sich dabei heraus, dass die Erhellung des politischen Gehalts von Dantons Tod als nach wie vor unabgeschlossen bezeichnet werden kann. Dies rührt zum einen von der bekannten desolaten Überlieferungslage[2] hinsichtlich Büchners Schaffen überhaupt her, wird aber auch durch die Pluralität der im Danton enthaltenen politischen Positionen und ihrer Verstrickungen mit Diskursen zu anderen Thematiken bedingt, die – je nachdem worauf man das Hauptaugenmerk legt oder welcher Ideologie die Interpretation dienen soll – zu verschiedensten Deutungen geführt haben.

Auch wenn sich meine Interpretation auf den politischen Gehalt konzentrieren wird, sollen auch andere Aspekte des Stückes nicht gänzlich unbeachtet bleiben, da Büchner diese mit der politischen Dimension derart kunstvoll verwoben hat, dass sie zum Teil nur schwer voneinander zu trennen sind. Dies erachte ich insofern für notwendig, als dass das Verständnis unter gänzlicher Ausblendung der historischen, literaturgeschichtlichen, philosophischen und moralischen Aspekte des Stücks stark getrübt würde. Ein Anspruch auf Vollständigkeit kann daraus freilich nicht resultieren. Dies würde zudem den Rahmen meiner Arbeit sprengen. Vielmehr hoffe ich dadurch, dem schier unerschöpflich wirkenden Kunstcharakter des Werkes wenigstens ansatzweise Rechnung tragen zu können.

1. Zwischen revolutionärem Handeln und Fatalismus der Geschichte –Anmerkungen zu Büchner, seiner Zeit und seinem Werk

Mit dem Drama Dantons Tod legt der am 17.10.1813 geborene Karl Georg Büchner[3][4] sein literarisches Debüt vor. Zugleich ist das 1835, zusammen mit den Victor Hugo-Übersetzungen und dem Hessischen Landboten, im Verlag Johann David Sauerländer veröffentlichte Werk der einzige literarische Text, der zu Lebzeiten Büchners erscheint.[5] Vor der Veröffentlichung im Buchformat wird Dantons Tod jedoch auszugsweise in Sauerländers Phönix, der von Eduard Duller herausgegebenen liberal-fortschrittlichen Frühlingszeitung für Deutschland, abgedruckt.[6] Beide Veröffentlichungen des in höchstens fünf Wochen (GB, S. 280)[7] geschriebenen Dramas verdankt der gerade 22-jährige Autor dem prominenten Schriftsteller und Literaturkritiker Karl Gutzkow[8]. Doch bei diesen fünf Wochen kann es sich lediglich um die Zeit gehandelt haben, die Büchner für die tatsächliche Niederschrift des vermutlich zwischen Anfang Oktober 1834 und Mitte Januar 1835 konzipierten Stückes benötigte. Dafür sprechen nicht nur Ausleihquittungen der Darmstädter Hofbibliothek vom Oktober und Dezember 1834 über grundlegende Quellwerke für Dantons Tod, sondern auch der Fakt, dass Büchner inhaltlich noch einiges aus dem zweiten Teil von Heinrich Heines Salon. Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland übernommen hat, der erst Mitte Januar 1835 erschienen war.[9]

Darauf, dass in Dantons Tod politischer Gehalt und Brisanz von nicht geringem Umfang liegen muss, verweisen schon die von Gutzkow unter Berücksichtigung der Zensur vorgenommenen präventiven Änderungen sowie der von Duller unautorisiert hinzugefügte und zudem inhaltlich in die Irre führende Untertitel Dramatische Bilder aus Frankreichs Schreckensherrschaft.[10] Aber auch der Autor selbst liefert in diversen Briefen sowie in der Flugschrift Der Hessische Landbote Hinweise, die direkt oder indirekt mit dem Drama in Verbindung stehen.

Die politischen Verhältnisse könnten mich rasend machen (GB, S. 263), schrieb Georg Büchner Anfang Dezember 1833 in einem Brief an seinen Freund August Stöber. Was ihn in Rage versetzen könnte, erklärt der direkt folgende Satz: Das arme Volk schleppt geduldig den Karren, worauf die Fürsten und Liberalen ihre Affenkomödie spielen. (ebd.) Dieser Zustand, den er hier als Affenkomödie bezeichnet, ist die Folge der restaurativen Politik seit dem Wiener Kongress (1815).[11] Die durch die Französische Revolution erkämpften Menschen- und Bürgerrechte gehen weitgehend wieder verloren und die Karlsbader Beschlüsse (1819) beschneiden die Meinungs- und Pressefreiheit. Im Zuge des Wiederauflebens der feudalherrschaftlichen Zustände verelendet des Volkes zusehends. Wie sehr Büchner dies ablehnte, bekundete er bereits im April 1833: Als seine Eltern ihn von dem gescheiteten Sturm einiger Revolutionäre auf den Wachturm in Frankfurt am Main unterrichten, erwidert er: Man wirft den jungen Leuten den Gebrauch der Gewalt vor. Sind wir denn aber nicht in einem ewigen Gewaltzustand? [...] Was nennt ihr denn gesetzlichen Zustand? Ein Gesetz, das die große Masse der Staatsbürger zum frohnenden Vieh macht, um die unnatürlichen Bedürfnisse einer unbedeutenden und verdorbenen Minderzahl zu befriedigen? (GB, S. 253f.) Auch wenn er in diesem Brief an seine Eltern davon spricht, dass er mit Mund und Hand dagegen kämpfen (GB, S. 254) werde, so sieht er doch zum gegenwärtigen Zeitpunkt jede revolutionäre Bewegung als eine vergebliche Unternehmung an (ebd.), weil er nicht die Verblendung derer teile, welche in den Deutschen ein zum Kampf für sein Recht bereites Volk sehen (ebd.). Zwischen den Zeilen schwingt hier bereits die Einsicht mit, die Büchner im Juni 1833 in einem weiteren Brief an seine Eltern klar formuliert. Nämlich, dass nur das notwendige Bedürfnis der großen Masse Umänderungen herbeiführen kann, daß alles Bewegen und Schreien der Einzelnen vergebliches Torenwerk ist (GB, S. 256). Obgleich Büchner durch seinen Studienaufenthalt in Straßburg (1831 – 1833) Kontakt zu revolutionären Kräften hatte[12], beschwichtigt er seine Eltern, die anhand solcher Äußerungen natürlich vermuten, dass ihr Sohn Georg selbst zum Revolutionär werden könnte, mit der Bekundung, dass er sich in die Gießener Winkelpolitik und revolutionären Kinderstreiche nicht einlassen werde (ebd.). Ob er es tatsächlich so sah, oder ob er dies nur als Schutzbehauptung seinen Eltern gegenüber gebrauchte, lässt sich kaum mit Sicherheit sagen.

Die Erfahrungen und Einsichten aber, die bereits 1833 in seinen Briefen zu finden sind, gipfeln im sogenannten Fatalismus -Brief, den Büchner im Winter 1834[13] an seine Verlobte Louise Wilhelmine Jaeglé schreibt. Hierin heißt es: Ich studierte die Geschichte der Revolution. Ich fühlte mich wie zernichtet unter dem gräßlichen Fatalismus der Geschichte. (GB, S. 268) Neben den bereits in den früheren Briefen angedeuteten Erkenntnissen, dass der einzelne nur Schaum auf der Welle (ebd.) sei, dass in den menschlichen Verhältnissen eine unabwendbare Gewalt (ebd.) liege, die allen und keinem verliehen (ebd.) letztlich über das Scheitern oder Gelingen revolutionärer Handlungen entscheidet, und dass es letztlich nur noch helfe das Auge ans Blut (ebd.) zu gewöhnen[14], thematisiert der Fatalismus -Brief auch Büchners Abkehr vom idealisierten, bürgerlich-konservativ geprägten Geschichtsbild, weil es ihm nun nicht mehr einfiele, sich vor den Paradegäulen und Eckstehern der Geschichte, die noch zuvor in Form von politisch Aktiven seine Helden waren, zu bücken. Weil die Herrschaft des Genies ein Puppenspiel (ebd.) sei, gleiche der Wille, nachhaltig politische Veränderungen herbeizuführen, ohne sich an den Interessen des Volkes zu orientieren, einem lächerliche[n] Ringen gegen ein ehernes Gesetz, es zu erkennen das Höchste, es zu beherrschen unmöglich (ebd.). Die Beherrschung dieses Gesetzes hieße das Volk und seine materiell geprägten Interessen zu beherrschen. Dieses aber ist nicht möglich, weil eben den menschlichen Verhältnissen [überhaupt] eine unabwendbare Gewalt innewohnt, deren Triebfedern Hunger, Ausbeutung und Armut sind. Obgleich er dies weiß – oder gerade deswegen – gründet Büchner zusammen mit dem Butzbacher Schuldirektor Johannes Friedrich Weidig die konspirative Gießener „Gesellschaft der Menschenrechte“[15] und versucht mit rhetorisch-agitatorischem Geschick in der Flugschrift „Der Hessische Landbote“[16], die Bauern und Tagelöhner dazu aufzurufen, sich gegen diejenigen aufzulehnen, die seiner Meinung nach für ihr Elend verantwortlich sind, gegen die Vornehmen und Reichen.

Dieses Konfliktpotential scheint die politische Dimension von Dantons Tod maßgeblich zu beeinflussen. Kehren doch sowohl Büchners Gedanken aus den Fatalismus -Brief, als auch aus dem Hessischen Landboten in seinem Revolutionsdrama wieder. Nicht zuletzt, weil das Verhältnis zwischen Armen und Reichen [.] das einzige revolutionäre Element in der Welt (GB, S. 288) ist, wie Büchner später an Gutzkow schreibt.

2. Das Inventar von Dantons Tod – eine Makro-Analyse

Dantons Tod besteht aus vier Akten à sechs, sieben, zehn und neun Szenen. Eine handlungsexterne Exposition im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Die Handlung beginnt in media res und umfasst die Zeit von knapp 14 Tagen, um präzise zu sein, die historische Zeit vom 24.03. bis 05.04. 1794. Auf den 24. März verweist Philippeaus[17] Rede in der Eingangsszene, in der er davon berichtet, dass heute wieder zwanzig Opfer gefallen (GB, S. 25) sind und sich dabei auf die Hinrichtung der Hébertisten[18] bezieht. Im letzten Akt werden wir dann Zeugen der Guillotinierung Dantons[19] und seiner Freunde, die historisch auf den 05. April zu datieren ist. Büchner thematisiert also weder die gesamte Geschichte, noch einen direkten Höhepunkt der französischen Revolution, sondern die sich in ihr vollziehenden Fraktionskämpfe der unterschiedlichen revolutionären Parteien und Gruppierungen. Obgleich es zwar an einer eigentlichen Exposition fehlt, so übernehmen doch wenigstens Teile des ersten Aktes exponierende Funktion, da sowohl I,1 (insbesondere das Gespräch der Dantonisten untereinander) und I,2 (Volksszene in einer Gasse), als auch I,3 (Der Jakobinerklub) auf die für das Verständnis des Dramas notwendige Vorgeschichte Bezug nehmen, namentlich den schwelenden Streit der Fraktionen um die Richtung und den Fortgang der Revolution.[20] Damit ist der Hintergrund des Konflikts abgebildet. Des Weiteren treten im ersten Akt alle, für die Handlung wichtigen, Personen und Personengruppen auf: Neben den Deputierten Danton, Legendre[21], Camille Desmoulins[22], Hérault-Sechelles[23], Lacroix[24] und Philippeau sind das die Mitglieder des Wohlfahrtsausschusses Robespierre[25], St. Just[26] sowie Collot d’Herbois[27], weiterhin Dantons Frau Julie[28], die Grisetten Marion, Adelaide und Rosalie sowie der Soufleur Simon und weitere Männer und Weiber aus dem Volk[29]. Explizit zu erklären brauchte Büchner hier nichts, weil er die Präsenz der Ereignisse, Personen und Schauplätze der französischen Revolution in den Köpfen seiner Leser voraussetzen konnte, da es als das prägendste Ereignis dieser Zeit anzusehen ist. Vielmehr reichte es auf historisches Wissen anzuspielen. So lässt sich auch erklären, warum er die Handlungsschauplätze und deren Gestaltung für die Bühne, wenn überhaupt, dann nur sehr sparsam kommentiert.

[...]


[1] Vgl. Monika Ritzer: Seminarplan Politische Dramen II. Leipzig, 2004.

[2] Burghard Dedner: Georg Büchner: Dantons Tod. Zur Rekonstruktion der Entstehung anhand der Quellenverarbeitung. S. 106. In: Thomas Michael Mayer (Hrsg.): Georg Büchner Jahrbuch Nr. 6 (1986/87). Frankfurt a. M., 1990, S. 106 - 131.

[3] Aufgrund des engen Rahmens meiner Arbeit beschränke ich mich hierbei auf die im Hinblick auf Dantons Tod relevanten Informationen.

[4] Der Vollständigkeit halber sei hier angemerkt, dass Büchner am 19.02. 1837 an den Folgen einer Typhuserkrankung starb. Vgl. dazu Gerhard P. Knapp: Georg Büchner. Stuttgart, 2000, S. 34.

[5] Vgl. Gerhard P. Knapp: Georg Büchner. Stuttgart, 2000, S. 25.

[6] Vgl. ebd. sowie Thomas Michael Mayer: Aus der Büchner-Chronik – Zu „Dantons Tod“. S. 173 In: Peter von Becker (Hrsg.): Georg Büchner „Dantons Tod“. Eine kritische Studienausgabe. Frankfurt/M., 1985, S. 169 – 173.

[7] Zitiert wird hier, wie auch im Folgenden, nach Franz-Josef Görtz (Hrsg.): Georg Büchner. Werke und Briefe. Zürich, 1988. Diese Ausgabe folgt der historisch-kritischen Edition von Werner R. Lehmann.

[8] Diesen hatte Büchner in einem Brief vom 21. Februar 1835 ausdrücklich darum gebeten, „Dantons Tod“dem Herrn Sauerländer zu empfehlen (GB, S. 280).

[9] Vgl. Thomas Michael Mayer: Aus der Büchner-Chronik – Zu „Dantons Tod“. S. 171f. In: Peter von Becker (Hrsg.): Georg Büchner „Dantons Tod“. Eine kritische Studienausgabe. Frankfurt/M., 1985, S. 169 – 173. und Burghard Dedner: Georg Büchner: Dantons Tod. Zur Rekonstruktion der Entstehung anhand der Quellenverarbeitung. S. 107ff. In: Thomas Michael Mayer (Hrsg.): Georg Büchner Jahrbuch Nr. 6 (1986/87). Frankfurt a. M., 1990, S. 106 – 131.

[10] Vgl. Gerhard P. Knapp: Georg Büchner. Stuttgart, 2000, S. 25. sowie Thomas Michael Mayer: Aus der Büchner-Chronik – Zu „Dantons Tod“. S. 173 In: Peter von Becker (Hrsg.): Georg Büchner „Dantons Tod“. Eine kritische Studienausgabe. Frankfurt/M., 1985, S. 169 – 173.

[11] Die hier und im Folgenden erwähnten historischen Daten und Ereignissen stammen aus Kurze Geschichte der Deutschen Literatur. Berlin, 1981, S. 350 – 357.

[12] Dieser Fakt sowie alle nachfolgenden zur Biographie Büchners stammen aus Jan-Christoph Hauschild: Georg Büchner. Biographie. Stuttgart/Weimar, 1993. bzw. Gerhard P. Knapp: Georg Büchner. Stuttgart, 2000.

[13] Die genaue Datierung des Briefes ist umstritten. Bis 1989 wurde sicher davon ausgegangen, dass Büchner ihn nach dem 10. März 1834 geschrieben habe. Jan-Christoph Hauschild bringt jedoch in seinem Aufsatz „Neudatierung und Neubewertung von Georg Büchners ‚Fatalismus’-Brief“ gute Argumente für eine Entstehung Mitte Januar desselben Jahres. Vgl. Jan-Christoph Hauschild: Neudatierung und Neubewertung von Georg Büchners ‚Fatalismus’-Brief. In: Zeitschrift für deutsche Philologie, Nr. 108, 1989, S. 511 – 529.

[14] Vgl. dazu auch Gerhard P. Knapp: Georg Büchner: Dantons Tod. Grundlagen und Gedanken zum Verständnis des Dramas. Frankfurt a. M., 1990, S. 22.

[15] Wenig später, etwa Mitte April, initiierte er noch einen Ableger davon in Darmstadt.

[16] Neben Büchner geht diese Initiative vom Butzbacher Schuldirektor Friedrich Johannes Weidig aus, der zu den führenden Oppositionellen im Großherzogtum Hessen zählt, und durch dessen Kontakte „Der Hessische Landbote“ schließlich im Juli 1834 gedruckt wird. Die Flugschrift hat nach aktuellem Forschungsstand anerkanntermaßen zwei Autoren, nämlich Büchner und Weidig, da letzterer aufgrund von Büchners Liberalismuskritik im Entwurf des „Hessischen Landboten“ entscheidende Änderungen vorgenommen hat. Vgl. dazu beispielsweise Jan-Christoph Hauschild: Georg Büchner. Biographie. Stuttgart/Weimar, 1993, S. 313 – 323.

[17] Pierre Philippeau (1754-1794) war Jurist, Mitglied des Nationalkonvents und Anhänger Dantons. Vgl. H, S. 91. Die meisten dieser historisch-politisch/gesellschaftlichen Erläuterungen sind dem Büchner-Kommentar Walter Hinderers entnommen und werden von mir mit H, Seitenzahl am Ende jeder Erläuterung kenntlich gemacht werden. Vgl. Walter Hinderer: Büchner-Kommentar. Zum dichterischen Werk. München, 1977.

[18] Mitglieder der radikalen Partei, die von Pierre-Gaspard Chaumette (1763-1794) und Jacques-René Hébert (1757-1794) begründet wurde, die für die Übertragung aller Macht an die Pariser Kommune plädierte und den Kult der Vernunftgöttin einführen wollte. Vgl. H, S. 91.

[19] George-Jacques Danton (1759-1794) war einer der führenden französischen Revolutionäre, der nach dem Sturz der Monarchie am 10.07. 1792 Justizminister war, das Revolutionstribunal und den Wohlfahrtsausschuss mitbegründete und als begnadeter Redner und Agitator galt. Er lehnte die gemäßigten Girondisten ebenso ab wie die radikalen Hébertisten und den fanatischen Idealismus Robespierres. Vgl. H, S. 90.

[20] Zu den Fraktionen, ihren unterschiedlichen Ansichten und ihrer Stellung innerhalb der französischen Revolution vgl. den Beitrag Karl Gutzkows aus dem Phönix. Dieser findet sich u.a. in: Walter Hinderer: Büchner-Kommentar. Zum dichterischen Werk. München, 1977, S. 88f.

[21] Louis Legendre (1752 – 1797), gelernter Fleischer, der sowohl Mitglied im Jakobinerklub als auch im Franziskanerklub (den sogenannten Cordeliers) war. Obgleich er auf Seiten der Dantonisten stand, entging er der Hinrichtung. Später beteiligte er sich aktiv am Widerstand gegen Robespierre. Vgl. H, S. 96.

[22] Camille Desmoulins (1760 – 1794), einer der engsten Freunde Dantons, kannte Robespierre bereits seit dem gemeinsamen Besuch des Pariser Collège de Louis Le Grande (darauf referiert Camille in II,3: Wir saßen auf einer Schulbank. – GB, S. 63.) Er initiierte den Sturm auf die Bastille, war führender Propagandist der Revolution und redigierte die Publikationen der Dantonisten. Getreu seinen Quellen rückte Büchner sein sprachliches Bezugsfeld in Richtung griechische Antike. Er war Hellenist, Humanist und bekannte sich zur Kultur und Lebensfreude. Vgl. H, S. 91.

[23] Marie-Jean Herault de Séchelles galt als einer der bestaussehendsten Männer Frankreichs (im Stück mehrfach erwähnt, wenn erst Robespierre sagt: Ein schöner Kopf. – GB, S. 51 und schließlich ein Weib sagt: Ein hübscher Mann, der Hérault. – GB, S. 113), war ausgebildeter Jurist und Präsident des Nationalkonvents. Er wirkte maßgeblich an der Verfassung von 1793 mit. Eigentlich vor Danton verhaftet, aber mit ihm hingerichtet. Vgl. H, S. 90.

[24] Jean Francois de Lacroix (1754 – 1794) war Jurist (darauf verweist auch Robespierre: gewesener Advokatenschreiber – GB, S. 51) und Anhänger Dantons, dem die Girondisten Veruntreuung von Finanzen vorgeworfen hatten. Vgl. H, S. 97.

[25] Maximilien de Robespiere (1758 – 1794) war ebenfalls Jurist. Neben seiner Mitgliedschaft im Jakobinerklub führte er seit 1792 die Bergpartei an. Auf seinen Antrieb wurden die Girondisten entmachtet; er ließ 1794 die Hèbertisten und Dantonisten hinrichten und errichtete damit die Schreckensherrschaft. Er erklärte die Unsterblichkeit der Seele als Dogma und galt dem Volk als Mittler zwischen Himmel und Erde, als Messias, wie ihn auch Büchner vom Volk in I, 2 bezeichnen lässt. Vgl. H, S. 94.

[26] Louis Antoine de Saint-Just (1767 – 1794) war Journalist und Romancier. Er wurde 1792 Mitglied des Nationalkonvents, 1793 des Wohlfahrtsausschusses und galt als engster Vertrauter Robespierres, weswegen man ihn auch Messiasjünger nannte. Zusammen mit Robespierre wurde er am 28.07.1794 hingerichtet.

[27] Jean Marie Collot d’Herbois (1750 – 1796) war ursprünglich Schauspieler und Theaterdichter. 1793 wurde er Präsident des Nationalkonvents und Mitglied des Wohlfahrtsausschusses. Er ordnete als Richter Massenhinrichtungen in Lyon an und stand zunächst auf der Seite Robespierres. Später verschwor er sich mit Billaut-Varennes und Barère gegen Robespierre und war an dessen Sturz beteiligt. Er hatte ein Alkoholproblem. Vgl. H, S. 96f.

[28] Die zweite Frau des historischen Danton hieß eigentlich Louise. Im Gegensatz zum Drama folgt sie Danton nicht in den Tod, sondern heiratete einen Baron Dupin. Vgl. H, S. 90.

[29] Die Figuren der Grisetten sowie die Volksfiguren sind historisch nicht belegt, entstammen also ganz der Erfindung des Dichters selbst.

Details

Seiten
25
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638374071
ISBN (Buch)
9783638654401
Dateigröße
568 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v38309
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Institut für Germanistik
Note
1,0
Schlagworte
Georg Büchners Dantons Politikum Hauptseminar Politische Dramen

Autor

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Titel: Georg Büchners Dantons Tod - ein Politikum