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Der Kampf gegen die Riesen von Kanaan. Eine Untersuchung der Funktion innerhalb des Abenteuerbuches "Herzog Ernst"

Seminararbeit 2009 15 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Einordnung in den Verlauf der Geschichte

3 Definition „Riese“ und Herkunft der Fabelwesen

4 Untersuchung der literarischen Funktion des Kampfes gegen die Riesen von Kanaan
4.1 Herzog Ernsts Bewährungsprobe gegen die Riesen von Kanaan
4.2 Ernsts Gefolge von Kuriositäten

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis
6.1 Primärliteratur
6.2 Sekundärliteratur

1 Einleitung

Die immer fortwährende Anziehungskraft des Mittelalters mit all seinen monströsen Gestalten und mutigen Held erregt auch in der Gegenwart stets unsere Neugier. Auch Herzog Ernst begegnet auf seiner Reise ins Heilige Land den mysteriösen Wundervölkern des Orients und muss sich in vielzähligen Kämpfen gegen sie behaupten. Eine der gefährlichsten Stationen auf seinem Weg sind die Riesen von Kanaan, die ihrem furchterregenden Ruf alle Ehre machen.

„In der mittelalterlichen Epik sind Riesen Gegner der Helden, um deren Mut und Stärke noch eindrucksvoller erscheinen zu lassen.“[1]

Dieser These möchte ich in der nun folgenden Hausarbeit berücksichtigen und mich dabei mit der Frage beschäftigen, welche Funktion der Kampf mit den Riesen innerhalb des Spielmannsepos einnimmt und wie er die Geschichte weiter beeinflusst. Hierzu soll mithilfe einer Definition des Wortes „Riese“ zunächst die Herkunft solcher Fabelwesen geklärt werden. Im anschließenden Hauptteil wird der Verlauf und der Hintergrund der Geschichte näher betrachtet und zuletzt die Beziehung zwischen Ernst und seinem begleitenden Riesen untersucht.

2 Einordnung in den Verlauf der Geschichte

Nach einem Zerwürfnis zwischen Herzog Ernst und Kaiser Otto I. bricht Ernst zu einem Kreuzzug ins Heilige Land auf. Auf dem Weg dorthin erleben der Herzog und seine Gefährten eine Vielzahl von Abenteuern mit den seltsamen Wundervölkern des Orients. Dank des Beistands seiner Gefährten gelingt es ihnen jedoch immer wieder, aus den brenzligen Situationen gesund und siegreich zu entkommen.

Im Verlauf der Geschichte kommen sie in ein Land namens Arimaspi, dessen König sie im Kampf gegen die benachbarten Wundervölker um Hilfe bittet, darunter auch die Riesen von Kanaan. Aufgrund des furchterregenden Rufs der Riesen war der König zunächst bereit, deren Tributforderungen nachzugeben, um den Frieden aufrecht zu erhalten. Ernst überredet ihn jedoch zum Kampf, da der König seiner Ehre und seinem Ansehen als Herrscher ansonsten nicht gerecht werden könne.

Die Arimaspi rüsten sich nun zum Kampf, den sie dank einer schlauen List des Herzogs siegreich beenden. Große Verluste zwingen die Riesen zur Flucht, allerdings bleibt ein junger Riese verletzt zurück. Herzog Ernst nimmt sich seiner an, pflegt und umsorgt ihn, bis er sich wieder bester Gesundheit erfreut. Obwohl Ernst ihm die Freiheit schenkt, schwört der Riese ihm aus lauter Dankbarkeit ewige Treue und reiht sich nun in sein Heer angesammelter Kuriositäten ein.

Nachdem Ernst im Heiligen Land die Heiden erfolgreich zurückgedrängt hat, gelangt die Nachricht über seinen Verbleib auch bis zu Kaiser Otto, der ihm gewährt, zurückzukehren. Versteckt unter den Kleidern eines Büßers bittet Ernst um Vergebung. Der Kaiser bereut zwar zunächst seine Entscheidung, ihm vergeben zu haben, jedoch ist er fasziniert von seiner Geschichte, vielmehr aber noch von Ernsts Sammlung von Kuriositäten, die er von seiner Reise mitgebracht hat. Als Ernst dem Kaiser einen Teil seines Heeres überlässt, vergibt er ihm endgültig und erhebt ihn durch die Schenkung von Land zum Herrscher.

3 Definition „Riese“ und Herkunft der Fabelwesen

Der Definition nach sind Riesen allgemein „übergroße, oft als Monster vorgestellte mythische Wesen, Widersacher der Götter, häufig dämonische Verkörperungen von Naturgewalten […], Feinde und Helfer der Menschen, oft von großer Weisheit“[2]. Diese Vorstellung von Riesen beruht auf den Überlieferungen des Alten Testaments, insbesondere auf dem 1.Buch Mose. Laut Gen. 6,4 sind die Riesen aus Verbindungen der Söhne Gottes mit den Menschentöchtern entsprungen, jedoch wurden diese Abkömmlinge als „Verkörperungen des Bösen“ [3] betrachtet. Infolgedessen sann Gott danach, diese durch die Sintflut auszulöschen und mit ihnen all das Böse auf der Welt. Doch mit einem neuen Geschlecht der Menschen war auch ihr Fortbestand gesichert.

Auch in weiteren Geschichten der Bibel wird von Riesen berichtet, beispielsweise von dem legendären Zweikampf zwischen David und dem Riesen Goliath (1. Sam. 17), den David trotz ungleicher Voraussetzungen für sich entscheidet. „ [H]ier findet sich bereits jene Vorstellung vom Riesen, die für die mittelhochdeutsche Literatur als typisch bezeichnet werden kann“[4], denn durch ihre enorme Größe und Stärke erscheint ein Sieg über einen Riesen fast unmöglich, lässt den Mut und die Stärke eines siegreichen Helden jedoch noch eindrucksvoller erscheinen.

Neben dieser biblischen Quelle sind die Erzählungen griechischer Romane über den fernen Ostens ebenso entscheidend für die Vorstellungen der mittelalterlichen Dichter über Riesen, wie z.B. „Odyssee“ Homers.

Darüber hinaus haben aber nicht nur antike Schilderungen über Wunderwesen den Glauben an Riesen fortgeführt, vielmehr „ [waren] Dämonen, Monster und Fabelwesen nicht allein exotische Geschöpfe fremder Lebenswelten, sondern […] waren im Lebensraum des mittelalterlichen Menschen allgegenwärtig: in Religion und Recht, Medizin und Astronomie, Kunst und Literatur.“[5] Der Glaube daran wurde durch die Vielzahl an illustrierten Welt- und Reisebeschreibungen untermauert, aber auch durch die literarischen Weltauffassungen vieler damaliger Autoritäten.

„Das Buch war im Mittelalter das Medium, durch das die Wirklichkeit und die Natur wahrgenommen und gewertet wurde. Die empirische Umwelt war kaum der Maßstab für die Darstellungen der Welt in Büchern. Eher wurde umgekehrt die Welt [mittels] Büchern wahrgenommen und bewertet.“[6]

Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, warum man im Mittelalter keinen Unterscheid zwischen Fiktion und Realität bzw. imaginären und realen Lebewesen machte. Zwar hinterfragte man die Wahrscheinlichkeit von derartigen Berichten, prinzipiell hielt man in der Schöpfung Gottes aber nichts für unmöglich und „[ sogar] im kirchlichen Schrifttum finden sich Aussagen, die darauf drängen, alle Wesen, sogar die Monster, als Geschöpfe Gottes zu betrachten[…].“[7] Die Begründung all dessen findet sich wiederum in der Bibel: In Gen. 2,19-20 wird von der Erschaffung der Tiere und der Natur berichtet, die der Mensch durch Benennungen einteilen und auseinanderhalten soll, um sie so als komplexes Ganzes erfassen zu können. Er selbst erfindet keine Tierarten, sondern muss sie lediglich finden und benennen. Aus dieser Tatsache heraus wird verständlich, wie es zur Erschaffung phantastischer Lebewesen kommt und warum „das mittelalterlich[e] Bewusstsein [zwischen] wundersamen Phantasiegeschöpfen [und] realen Naturgeschöpfen [nicht] unterscheidet“.[8] So gesehen ist der Glaube an monströse Geschöpfe im Allgemeinen eher als Huldigung Gottes und dessen Macht und Größe zu verstehen, da laut Auffassung des mittelalterlichen Menschen „Scheusale existieren, weil sie Teil des göttlichen Heilplans sind, und selbst in der schrecklichsten Fratze […] sich sie Größe des Schöpfers [offenbart].“[9]

[...]


[1] Wunderlich, Werner: Dämonen, Monster, Fabelwesen. Eine kleine Einführung in Mythen und Typen phantastischer Geschöpfe. In: Mittelalter Mythen (Band 2), S. 675

[2] Wunderlich, Werner: Dämonen, Monster, Fabelwesen. S. 675

[3] Habiger-Tuczay, Christa: Zwerge und Riesen. In: In: Mittelalter Mythen (Band 2), S.645

[4] Habiger-Tuczay, Christa: Zwerge und Riesen, S.646

[5] Wunderlich, Werner: Dämonen, Monster, Fabelwesen. S.17f.

[6] Wunderlich, Werner: Dämonen, Monster, Fabelwesen. S.17

[7] Classen, Albrecht: Die guten Monster im Orient und in Europa. In: Mediaevistik – Internationale Zeitschrift für interdisziplinäre Mittelalterforschung (Band 9). S.27

[8] Wunderlich, Werner: Dämonen, Monster, Fabelwesen. S.16

[9] Wunderlich, Werner: Dämonen, Monster, Fabelwesen. S.14

Details

Seiten
15
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783668584440
ISBN (Buch)
9783668584457
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v383054
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück – Germanistik
Note
1,0
Schlagworte
Herzog Ernst Riesen Mediävistik mittelhochdeutsche Literatur Spielmannsdichtung Held

Autor

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