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Genre- und Gesellschaftskritik durch Überspitzung, Satire und Parodie. Werkzeuge der Dekonstruktion in der Popkultur und Musikbranche

Analyse der Musikgruppen Macklemore, The Lonely Island und Bilderbuch

Hausarbeit (Hauptseminar) 2017 23 Seiten

Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Geschichte der Parodie und die Dekonstruktion

2. Parodie und Satire als Methode der Dekonstruktion

3. Lieder und ihre Musikvideos als Gesellschafts- und Genrekritik
3.1. Kritik an Hypermaskulinität: The Lonely Island
3.2. Hip(ster)-Hop: Macklemores Thrift Shop
3.3. sneakers4free: Dekonstruktion der nihilistischen Konsumgesellschaft durch Bilderbuch

4. Vergleich: Musik und Musikvideos als (selbst)ironische Gesellschaftskritik

5. Vermarktung der Gegenkultur

Bibliographie

1. Die Geschichte der Parodie und die Dekonstruktion

Satire, Parodie und Ironie sind sicherlich keine neuen oder postmodernen Techniken. Beschreibungen dieser literarischen und rhetorischen Methoden finden sich schon bei Aristoteles und Horaz (Lapp 24). Auch bedient sich eines der bekanntesten Werke der Weltliteratur, Don Quijote de la Mancha von Miguel de Cervantes unzähliger dieser Techniken und ist eine Parodie auf den mittelalterlichen Ritterroman. Durch Parodieren von Genrekonventionen und Selbstreferentialität dekonstruiert es lange vor Jaques Derridas Theorie mittelalterliche Ideale und Genremerkmale und stellt Autorenschaft und die Frage nach Authentizität in Frage.

Die Dekonstruktion nach Jaques Derrida ist inzwischen schon lange ein bewusster und unbewusster Teil der Popkultur geworden. Aus den Elfenbeintürmen der Theoretiker und Philosophen hat sich die Analysemethode Jaques Derridas einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Auch wenn es sich dessen vielleicht manchmal nicht bewusst ist. Derridas Theorie fungiert als Kritik der Moderne und des Humanismus: Er hinterfragt die Strukturalität von Struktur und die Unfähigkeit, dualistischem Denken zu entgehen, ohne dualistisches Denken zu reproduzieren. Dekonstruktivistisches Denken lehnt große Narrative, Ideologien und Ideale ab und stellt fest, dass jedes Element und die zu untersuchende Struktur selbst lediglich in einem historischen und kulturellen Kontext Bedeutung gewinnen. Erst durch diesen Kontext und den Bezug auf andere, vorangegangene Elemente entsteht Bedeutung (Derrida Structures, Signs and Plays 226). So wird die Berechtigung und der Wahrheitsgehalt jeder Struktur hinterfragt und jede Dichotomie als falsch entlarvt: Machtstrukturen, insbesondere sozio- kulturelle Heteronormative wie dem Gender-Dualismus, Patriarchat, Rasse, Klasse, etc., die aufgrund der sich stets gegenseitig selbst Bedeutung verleihenden Elemente die gesamte Kultur und Gesellschaft beeinflussen. Diese Theorie und diese Analysemethode finden an vielen Stellen Anwendung, so auch in der Popkultur.

Die Defragmentierung jeglicher impliziten, einzelnen, dominierenden Bedeutung eines Textes lässt sich inzwischen überall finden: Im Film, Fernsehen und auch in der westlichen Musikindustrie, die als Teil der Kultur und Gesellschaft deren Machtstrukturen unterworfen ist, sie reproduziert und verstärkt. Dekonstruktive Methoden finden sich in unterschiedlichen Facetten und unterschiedlichen Musikstilen, und auch nicht in Kreisen sozial bewusster Indie- Musiker, sondern inmitten der Popmusik und teilweise auch an der Spitze der Charts, direkt vor der Nase des großen Publikums sozusagen. Diese Omnipräsenz fungiert dadurch als wirksame Gesellschaftskritik, die nicht nur auf Tropen, Trends und Klischees innerhalb der Musikindustrie und des Genres hinweisen kann, sondern auch dahinterliegende Kritik an gesellschaftlichen Idealen und Konzepten, sowie kapitalistischem Konsum üben kann. Diese Dekonstruktionen können durchaus subtil sein, weshalb eine Kritik meistens implizit bleibt. Denn was der Rezipient zuerst sieht, ist etwas, dass er oder sie nicht mit Gesellschaftskritik in Verbindung bringen würde: Lächerlichkeit.

Überspitzung, Satire und Parodie können Werkzeuge der Dekonstruktion sein, wie in dieser Arbeit gezeigt werden soll. So lassen sich diese Elemente nicht nur in der Popkultur wiederfinden, sondern genießen sogar große Prominenz, gerade in der gegenwärtigen Musikbranche, die die Musik und auch die Musikvideos im Internet vermarktet. Die besonders erfolgreiche Karriere der Comedy- und Musikgruppe The Lonely Island, die im US-amerikanischen Fernsehen bei Saturnight Live und noch mehr durch ihre Videos auf Youtube, bekannt geworden ist (Anderson), zeigen diese Merkmale der Genre- und Gesellschaftskritik auf, ebenso wie der zweifache Grammy-Song und Nummer-1-Hit "Thrift Shop" des Rappers Macklemore (Billboard Staff), aber auch die Wiener Band "Bilderbuch", deren jüngstes Album "Magic Life" (2017) ebenfalls kommerziell und kritisch sehr erfolgreich war (Offizielle Charts). Die folgende Arbeit soll zeigen, dass alle drei Künstlergruppen durch Überspitzung, Satire und Parodie in ihrer Musik und in ihren Musikvideos Genre- und Gesellschaftsnormen dekonstruieren und hinterfragen. Es soll festgestellt werden, dass unterschiedliche gesellschaftliche und musikalische Konventionen zum Thema gemacht und so kritisiert werden. Zuerst wird erläutert, wie Parodie und Satire als dekonstruktive Methoden funktionieren. Anschließend wird verglichen, wie unterschiedliche Ziele der Kritik bei den jeweiligen Künstlern nach diesem Muster dekonstruiert werden und wo ihre Unterschiede und Gemeinsamkeiten liegen.

2. Parodie und Satire als Methode der Dekonstruktion

Bevor jedoch nachgewiesen werden kann, was für Strukturen durch die Lieder und Musikvideos dekonstruiert werden, soll bewiesen werden, wo die definitorischen Differenzen zwischen Satire und Parodie liegen und dass es sich hierbei um inhärent dekonstruktive Methoden handelt.

Parodie wird als Kunstgriff, manchmal auch als Genre betrachtet, dass eine "Vorlage mit Mitteln der Komik antithematisch verarbeitet" (Verweyen/Witting 25). Eine Parodie hat stets eine (oder mehrere) intertextuelle Bezugsquellen, auf die es sich eindeutig bezieht. Eine Parodie "gründet darauf, dass sie den Stil der Vorlage imitiert und das Thema transformiert" (Symner 26). Eine Parodie bedient sich der Sinnkonstitution und der Produktionsästhetik der Vorlage und verfremdet diese oder entwickelt sie weiter. Dabei wird die Wirkungsdimension in Frage gestellt und durch eine interne Inkongruenz oder durch Wiedererkennen der Vorlage Komik erzeugt (Symner 27). Die Pointe der Komik hierbei resultiert aus der "Bloßstellung der Verfahren, die zur Entstehung der Vorlage geführt haben", wobei die Überlagerung und ganz besonders eine Interferenz zweier Signifikantenebenen relevant sind (Karrer 95).

Während die Parodie als Hypertext nach Genette (Genette 15) zunächst lediglich als Adaption oder Observation fungieren kann, ohne kritischen Impetus, so ist Satire stets kritisch dem Inhalt gegenüber, über welchen sie sich lustig macht (Giuffre/Hayward 131). Satire ist "Ausdruck, Darstellung und Appell in eins" (Symner 21). Zunächst drückt der Satiriker eine Kritik an Missständen aus, oder was er für welche hält, anschließend stellt er die Missstände durch verschiedene Techniken dar und schließlich wird ein Appell formuliert, diese wahrgenommenen Missstände zu beenden (Symner 21). Diese Kritik kann mehr oder weniger explizit formuliert werden und kann unter Umständen erst vom Rezipienten erschlossen werden müssen. Auch muss die Satire nicht zwingend lustig sein (Symner 22). Typische Techniken der Darstellung der Satire sind Verstellung und eine rhetorische Ironie. Es wird entweder das Gegenteil dessen gemeint, was gesagt wird, etwas anderes gesagt, als gemeint ist, kritisiert durch falsches Lob und gelobt durch falsche Kritik oder sich lediglich lustig gemacht (Lapp 24). Satire bedient sich darüber hinaus der "unglaubwürdig-maßlosen Übertreibung der Hyperbel, Andeutung, Anspielung und [des] Wortspiel[s]" (Symner 22). Ebenso wie bei der Parodie handelt es sich hier um einen verzerrenden Hypertext, der die Vorlage ebenfalls antithematisch behandelt. Satire und Parodie sind abzugrenzen von der Polemik, welche angegriffene Personen nicht fiktionalisiert und persönlich kritisiert, wohingegen die Satire die Vorlage lediglich als Typus und Beispiel herausgreift (Symner 22).

Damit sind Satire und Parodie beides bereits inhärent dekonstruktiv. Die Dekonstruktion, wie eingangs beschrieben, deckt die Lücken, blinden Flecken und Widersprüche in einem Text auf, welche die darin enthaltenen Ansprüche an Wahrheit, Ästhetik, Logik und Struktur subvertieren (Phiddian 674). Durch das gezielte Zerlegen (Destruieren) und Neuzusammenfügen (Konstruktion) von Strukturelementen zeigt die dekonstruktive Methode die Arbitrarität eines Textes und seiner Abhängigkeit von Kontext(en) auf und das ist exakt das Gleiche, was die Parodie und Satire machen. Phiddian schreibt: "Parody is a form of deconstruction. [...] I'm not just arguing that parody is like deconstruction; I'm arguing that they are secretly the same thing" (Phiddian 681). Derrida beschreibt es genau auf diese Weise, wenn er sagt, dass die Dekonstruktion alle "strategic and economic resources of subversion from the old structure" ausleiht und diese nicht zerstört, sondern lediglich neu arrangiert (Derrida Of Grammatology 20). Phiddian stellt fest: "Parody is a play of différance" (Phiddian 684). Parodie und Satire sind sich beide der Intertextualität und Nonreferentialität der Sprache bewusst. Durch Verfremdung machen sie deutlich, dass Sprache die Welt verzerrt und verdeckt, und dass es sich um einen Text handelt, der nicht den Anspruch haben kann, die Realität abzubilden. Durch diesen Metabezug und Selbstreferentialität decken sie gleichzeitig auch die Arbitrarität de Originaltextes auf und die Unzulänglichkeiten und Grenzen von Sprache und Text (Phiddian 691). Somit kreieren die komischen Aspekte der Parodie und der Satire gleichzeitig eine kritische Perspektive.

Es wurde gezeigt, dass Parodie und Satire inhärent dekonstruktiv agieren und damit auch die nachfolgend analysierten Parodien und Satiren.

3. Lieder und ihre Musikvideos als Gesellschaft^- und Genrekritik

Komik und speziell Satire und Ironie sind selbstverständlich nichts Neues in der Musik. Oftmals fungiert die Musik jedoch meistens lediglich zur Unterstützung der Komik des Textes. Des weiteren muss der Hörer mit den "Stilen, Mitteln und Traditionen der Musik vertraut sein", damit die Komik und die Satire funktionieren können, also wird eine musikalische Sozialisation vorausgesetzt (Wirth 222). Dies ist konsistent mit der zuvor beschriebenen Funktion von Parodie und Satire. Aufgrund vielen Ebenen und medialen Pluralität von Text, Musik und Musikvideo, aber auch vieler KünstlerInnen und Genres bieten sich viele Möglichkeiten der Parodie. Der Text, aber auch die Musik, das Arrangement oder die Aufführung und der Gesang können verzerrt, holprig oder klischeehaft dargestellt werden (Wirth 225). Ebenso können Inkongruenzen zwischen Text und Musik, Video und Musik, Text und Bild und so weiter eine komische Fallhöhe, Differenz oder Mehrdeutigkeit erzeugen. So kann ein obszöner oder lächerlicher Text zu ernster Musik gespielt werden, oder aber auch hintersinnige Bemerkungen hinter klischeehaften populären Melodien und Arrangements versteckt werden (Wirth 231).

Welche Techniken zu welchem Zweck verwendet werden, wird nun im Folgenden analysiert.

3.1. Kritik an Hypermaskulinität: The Lonely Island

US-Amerikanische late night television kommentiert und kritisiert Politik, Nachrichtenkonsum und die Gesellschaft durch Parodie, Satire und Humor und hat somit eine bedeutende Funktion für die Gesellschaft als Korrektiv (Giuffre 130). In diesem Medium schrieben und veröffentlichten The Lonely Island den Großteil ihrer Lieder, nämlich als Teil von Saturday Night Live (Giuffre 128), später wurden ihre Clips durch Youtube verbreitet. Dass es sich bei allen Liedern Lonely Islands um Parodien handelt, ist daher auch kein Geheimnis, da der erste Hauptzweck ihrer Lieder stets in der Erzeugung von Komik liegt. Ziel ihres Spotts ist meistens die "music industry, music styles, stars and imagery", aber auch eine "lyrical, music video and performer parody" (Giuffre 129).

The Lonely Island parodiert häufig die Musikindustrie, Musik(-video) Genres, Künstler und Themen, die zum Industriestandard gehören. Das 2006 veröffentlichte Lied Dick in a box ist stilistisch, visuell und akustisch, eine Parodie der R 'n' B Boybands der 1990er Jahre. Arrangement, wie auch Kleidung, Choreographie, Thematik und setting des Musikvideos entsprechen alle diesem Stil und sind damit eine direkte Anspielung. Besonders eingängig wird die Parodie durch die Kollaboration mit Justin Timberlake, der nicht nur gesanglich Sambergs Stimme passend zum imitierten Stil ergänzt, sondern als ehemaliges Mitglied der Band NSYNC tatsächlich die Musik seiner früheren Karriere selbst parodiert (Giuffre 132). Dies macht den Kontrast zum parodierten Original noch deutlicher und zeigt damit deutliche Merkmale einer Parodie auf. Das Video zeigt Samberg und Timberlake in schlecht sitzenden Anzügen, goldenem Schmuck, schwarzen Sonnenbrillen und gestylter Gesichtsbehaarung, wie sie an verschiedenen Orten zu simplen Choreographien tanzen und verführerisch in die Kamera oder zu ihren respektiven Partnerinnen blicken. Sie besingen ihre Partnerinnen und dass sie ihnen ein ganz besonderes Geschenk machen würden, welches von großem Wert sei. Es stellt sich heraus, dass es sich um ihre Penisse handelt, die sie in Geschenkboxen gesteckt haben. Komik wird durch die Inkongruenz zwischen dem sich als seriös und romantisch wahrgenommenen Genre des Liebeslieds und der lächerlichen, plumpen und obszönen "Schenkung" des eigenen Penis. Dadurch dass Timberlake darüber singt, dass er ihr zeigen will was "on his mind" (The Lonely Island Dick in a box) ist, nämlich ausschließlich sein sexuelles Interesse, anstatt einem romantischen Liebesbeweis, wird die Motivation der Sänger des ganzes Genres in Frage gestellt (The Lonely Island Dick in a box). Das Lied entlarvt die sich als seriös und romantisch gebenden Liebeslieder der Boybands der 1990er als plumpe Versuche, eine Frau zu Sex zu überzeugen. Allein bereits der Rückgriff auf die Stilistik und Ästhetik der 1990er erzeugt einen komischen Effekt durch Lächerlichkeit und Entfremdung, da sich die Kleidung, Musikstil und Videoästhetik gewandelt haben und nicht mehr aktuell sind und damit buchstäblich aus der Mode gefallen sind. Die implizite Kritik hier entsteht dadurch, dass auf die lächerlichen, niederen Motive der Sänger hingewiesen wird, welches durch die veraltete Ästhetik verstärkt wird, sich jedoch nicht ausschließlich auf die Lieder und Musikvideos aus den 1990ern bezieht, sondern auch auf gegenwärtige Popmusik, die diesen Trend lediglich mit neuer Ästhetik und neuen Arrangements fortführt. Das sieht man auch daran, dass Justin Timberlake als echter, auch gegenwärtiger Musiker an der Parodie teilnimmt.

Die Künstler selbst und der Personenkult, welcher um sie entsteht wird ebenfalls parodiert, wie in dem Lied I'm on a boat aus dem Jahre 2009. Samberg gewinnt zu Anfang des Musikvideos eine Bootfahrt, wohin er Schaffer mitnimmt, aber nicht Taccone, der durch den Rapper T-Pain ersetzt wird. Daraufhin singen die drei darüber, wie großartig es ist, auf einem Boot zu sein und dass es sie zu etwas ganz besonderem macht, was sie dem zurückgebliebenem Taccone unter die Nase reiben. Das Lied ist wieder musikalisch und visuell eine Parodie auf kontemporären Hip Hop, unterstrichen durch die Kollaboration von T-Pain. Komik wird dadurch erzeugt, dass eine simple gewonnene Bootsfahrt so eine übertriebene Feier und Selbstbeweihräucherung rechtfertigt lächerlich ist, unterstrichen wird dies dadurch, dass sie billigen Champagner konsumieren und nicht aufsehenerregende Flipflops tragen (Giuffre 137). Parodiert wird hier das gangster rapper Image. Diese preisen oftmals in ihren Liedern ihren Erfolg und ihre materiellen Besitztümer an. Diese Fixierung auf Konsumgüter und Statusobjekte wird durch den Kontrast lächerlich gemacht und als hohle Prahlerei entlarvt. Der Popstar fungiert als "party leader, entertainer, sex symbol, role model, mobile brand, youth marketing tool" und wird als erfolgreich, begehrenswert und attraktiv stilisiert und diese Wahrnehmung wird parodiert (Giuffre 134). Erneut fungiert der kollaborierende Musiker, T-Pain als Selbstkritik, indem seine gesanglichen Einlagen, die größtenteils nur aus langgezogenen Vokalen und "Yeahs" bestehen, stark durch Autotune bearbeitet wurden (The Lonely Island I'm on a boat). T-Pains häufige Nutzung dieser digitalen Nachbearbeitungstechnik für den Gesang wurde auch in der Vergangenheit häufig als unauthentisch kritisiert (Giuffre 136). Hier wird dies wieder aufgegriffen und stellt damit die Authentizität der Figur des Superstars in Frage.

Die von den Popstars verkörperten kulturellen Ideale, die durch die gesamte Musikindustrie als erstrebenswert angepriesen werden, werden durch die Inkongruenz zwischen dem ernsten „macho style of the rapping and the silliness of the lyrics“ kontrastiert und lächerlich gemacht (Thompson/Tussey 239). Der Industriestandard, dass eine Gruppe von Männern über ihr Verlangen nach einer Frau singen, wie es in Dick in a box parodiert wird, und was sie mit dieser Frau machen würden, zeigt ihr „sense of control over the imminent relationship“ und degradiert die Frau zu einem Objekt der Begierde (Giuffre 137). Die Parodien von The Lonely Island verstärken durch die Kopie der musikalischen und ästhetischen Elemente der Originale dieses hegemonisches Verständnis von Männlichkeit. Aber gleichzeitig wie der Popstar als unauthentisch hinterfragt wird, werden auch seine verkörperten Ideale als unehrlich aufgedeckt (Giuffre 137). Es wird gezeigt, dass es nicht um romantische Ideale von Liebe, Respekt und Anerkennung geht, sondern nur um Sex und die Machtstrukturen der Geschlechter. Durch das Parodieren und damit Dekonstruieren der Lächerlichkeit und fehlenden Authentizität der Popstars und ihrer verkörperten ideale werden Machtdispositionen von Gender und gesellschaftliche Normen in Frage gestellt und kritisiert. Die Hypersexualität und Potenz, welche dem männlichen Popstar zugeschrieben werden, werden als unrealistisch und unaufrichtig entlarvt. Das porträtierte Verständnis von Männlichkeit wird lächerlich gemacht, indem der Penis als Symbol der Männlichkeit präsent gemacht wird. Die Männlichkeit wird durch eine öffentliche Zurschaustellung einer hypermaskulinen Identität ausgedrückt, die sich um den Penis als Symbol dreht. Durch die in diesem Wertesystem konsistente Vorstellung, den Penis als Geschenk für die Frau anzusehen ihn folgerichtig in eine Geschenkbox zu stecken, und ihn als den ultimativen Liebesbeweis zu betrachten ist lächerlich und komisch, womit konsequenterweise die ganze dahinterstehende Vorstellung der Fixierung auf den Penis und Männlichkeit dekonstruiert wird (Giuffre 137).

[...]

Details

Seiten
23
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668585409
ISBN (Buch)
9783668585416
Dateigröße
622 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v382928
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,0
Schlagworte
Bilderbuch Macklemore The Lonely Island Musik Satire Parodie Dekonstruktion

Autor

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Titel: Genre- und Gesellschaftskritik durch Überspitzung, Satire und Parodie. Werkzeuge der Dekonstruktion in der Popkultur und Musikbranche