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Beeinflusst die Social Network Plattform Instagram jugendliche Mädchen in ihrer Entwicklung und Identitätsfindung?

Forschungsarbeit 2017 30 Seiten

Psychologie - Entwicklungspsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

1. Identität
1.1 Was ist Identität?
1.2 Identität nach Erikson

2. Identität nach James E. Marcia
2.1 Die vier Stadien nach Marcia
2.1.1 Die übernommene Identität (foreclosure)
2.1.2 Die diffuse Identität (identity diffusion)
2.1.3 Die erarbeitete Identität
2.1.4 Das Moratorium
2.2 Das Moratorium genauer erläutert
2.3 Konklusion Identität

3. Mädchen und Social Network/Media
3.1 Definition Social Media und Social Network
3.1.1 Soziale Medien (Social Media)
3.1.2 Soziale Netzwerke (Social Network)
3.2 Sexismus auf Social Media und Social Networks

4. Was ist Instagram
4.1 Mädchen und Instagram

5. Einfluss von Sozialen Medien/Netzwerken auf die Identität
5.1 Identitätsbildung und Instagram bei jugendlichen Mädchen

6. Ergebnisse

7. Generelle Diskussion

8. Abschliessendes Fazit

9. Literatur
9.1 Bibliographie
9.2 Webographie

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Facebook- vs. Instagramnutzung von US-Teens 19 Abgerufen von https://de.statista.com/infografik/2806/diese-social-networks-nutzen-us-teenager/

Abstract

„It’s funny it’s called a ¢ selfie, ¢ “ Riley said, „because half the time it doesn’t even look like you. So you’re getting people to like this picture of you that isn’t even real “ (Sales, 2017, S. 62). Tagtäglich versuchen Millionen von Nutzerinnen mit ihren Instagramprofilen möglichst viele andere Nutzerinnen und Nutzer auf sich aufmerksam zu machen. Mit stark bearbeiteten Fotos von sich selbst, Bildern des Ruhms und glücklichen Lebens sowie stetig lächelnden Freunden auf den Fotos werden nicht selten trügerische Realitäten an die Instagram -Community verkauft. Geleitet von erfolgreichen Influencern, die sich oftmals schon seit Jahren mit der Vermarktung der eigenen Persönlichkeit beschäftigen, sind die Nutzerinnen und Nutzer fortwährend auf dem neusten Stand, was aktuelle Trends in Beauty und Mode anbelangt. Der spürbare Ruhm und Erfolg dieser Frauen lässt viele junge Nutzerinnen diesen Trends nacheifern; geschminkt, gekleidet und gelebt wird nach dem aktuellen Trend. Doch was geschieht mit der Persönlichkeit oder der Psyche dieser jungen Frauen, wenn Trends im Zeitalter der Digitalisierung so schnell geändert und verbreitet werden können? Wie setzen die vorgegeben Trends dem weiblichen Bild zu und welche Folgen kann dies für die jüngere Generation haben?

Mit dieser Arbeit wird der Gebrauch von Instagram bei jugendlichen Mädchen genauer erläutert. Mit diesen Ergebnissen werden schlussendlich die möglichen Einflüsse auf die Identität dieser Mädchen analysiert und ein schlussfolgerndes Fazit soll die Leserschaft über den Gebrauch sozialer Medien und Netzwerke sensibilisieren und aufklären.

Nach Abschluss der Arbeit wurde erkannt, dass mit dem Fokus auf die Identität der Nutzerinnen ein interessanter, höchst aktueller und wichtiger Aspekt aufgegriffen wurde. Der Blick auf die anderen Folgen des Gebrauches von Instagram, beispielsweise psychische Erkrankungen, Suizidalität oder Mobbing, darf nach dem Ende dieser Arbeit nicht in Vergessenheit geraten und bedarf ebenfalls einer Recherche.

Diese Studienarbeit wurde im Rahmen der thematischen Felder erstellt und bedient sich lediglich einer theoretischen Recherche ohne empirischen Teil.

1. Identität

1.1 Was ist Identität?

Wird in einem alltäglichen Sinne von Identität gesprochen, so meinen wir die Gesamtheit individueller und einzigartiger Merkmale eines Menschen, die genau diesen Menschen beschreiben. Von signifikanten Anderen ist eine Person anhand dieser Merkmale beschreib- sowie erkennbar. Solche Merkmale zeigen sich beispielsweise und nicht abschliessend als Name, Geschlecht, Kulturzugehörigkeit, Beruf oder Alter. Diese alltägliche Definition von Identität ist jedoch der Gefahr ausgesetzt, sich schnell und einfach auch auf ganze Gruppen von Individuen übertragen zu lassen (Oerter, 2006, S. 175). Der Mensch tut dies aus dem Grund, sich in seinem Alltag besser orientieren zu können, sowie besser funktionieren zu können. Aus solchen Generalisierungen entstehen schliesslich Stereotypen, welche dem Menschen genau diese Orientierung und volles Funktionieren gewährleisten können (Reimer, 2014, PDF).

Die psychologische Definition von Identität setzt hier engere Grenzen; „Identität ist an Ichbewusstsein gekoppelt.“ (Oerter, 2006, S. 175). In diesem Sinne und tiefer analysiert wird der Begriff Identität den drei folgenden Komponenten untersetzt: Einer einzigartigen Persönlichkeitsstruktur und darauf basierend das Abbild, das Mitmenschen von dieser Persönlichkeitsstruktur erhalten (S. 175). In der Jugendphase beginnen sich Individuen zunehmend mit der dritten Komponente auseinanderzusetzen; die Selbsterkenntnis, die Identität mit einem eigenen Verständnis zu betrachten sowie der Sinn dafür, was das Individuum ist und was es einmal werden möchte (S. 175). Es geht dabei stark um die Selbstthematisierung; wer bin ich, inwiefern lasse ich mich von anderen unterscheiden oder was ist eigentlich mein Selbst? Dem Begriff Selbst zugehörig sind auch Begriffe wie Selbstkonzept und Selbstwert (Ryser, 2016, PPP).

Die Identität eines Individuums wird gut vorstellbar, wenn sie als eine Struktur bezeichnet wird, welche in sich verschiedene Komplexitäten aufweist, sowie im Laufe der Zeit auch diverse Strukturen aufweisen kann. Diese Struktur lässt sich durch Anteile aus der Umwelt beeinflussen, im positiven wie auch im negativen Sinne (Oerter, 2006, S. 175). Das Selbst und die Identität unterscheiden sich im Psychologie-Jargon massgebend; ein Selbst besitzt das Individuum nur einmal, wogegen es mehrere Identitäten besitzen kann (Schreiner & Weber, 2015, S. 1). Die Identität eines Individuums bringt schlussendlich nicht nur Merkmale wie der Name oder die Adresse mit, sondern auch tieferliegende Merkmale wie Werte, Zielvorstellungen, Attribute der Persönlichkeit oder Fähigkeiten (S. 1).

Der Begriff Selbstkonzept hat sich schliesslich daraus adaptiert und bringt in seiner Definition zwei Komponenten mit, welche es zu unterscheiden gilt: Die affektive Komponente, welche das Selbstwertgefühl (engl. self-esteem) sowie das Selbstvertrauen (engl. self-assurance) beinhaltet und weiter die kognitive Komponente, welche das Wissen über sich selbst sowie die Selbstwahrnehmung beinhaltet (Oerter, 2006, S. 175-176). Ein Ichbewusstsein bildet das Individuum bereits von Mitte bis zum Ende seines zweiten Lebensjahres (S. 175-176). Das Individuum wird sich durch das Selbstkonzept also über sich selbst bewusst und kann sich selbst wahrnehmen (Schreiner & Weber, 2015, S. 1). Dieser Bewusstseinsfähigkeit zugehörig ist schlussendlich auch, dass ein Individuum ein Real-Selbst hat, so wie es sich derzeitig in der Gesellschaft und seinen signifikanten anderen präsentiert (S. 1). Das Ideal-Selbst eines Individuums ist jenes Selbst, welches man gerne sein möchte und das Normative-Selbst ist schliesslich dasjenige, welches die Gesellschaft, Werte & Normen sowie Verhaltensweisen der jeweiligen Kultur dem Individuum vorgeben (S. 1). Je nach individueller Situation ist es durchaus möglich, dass diese drei Komponenten sich vertragen und das Individuum sich in diesem Dreieck wohlfühlen kann – andererseits können sie aber in einer Diskrepanz zueinanderstehen und das Individuum fühlt sich unwohl (S. 1). Sofern das Individuum die Ressourcen dazu verfügt, kann es versuchen, dieses Ungleichgewicht zu korrigieren. Fehlen diese, kann das Ungleichgewicht dem Individuum psychischen Schaden zufügen, beispielsweise durch das Auslösen von Stress (Eppel, 2007, S. 19).

Die Identitätsfindung ist ein lebenslanger Prozess – bezüglich des Modells nach Marcia ist es in jedem Lebensabschnitt möglich die Phasen zu wechseln (Oerter, 2006, S. 175-176).

Kapitelabschliessend ist schlusszufolgern, dass die Identität eines Individuums eine hochkomplexe Persönlichkeitsstruktur ist, welche keineswegs stabil ist. Vielmehr lässt sie sich durch externe sowie interne Faktoren verändern und kann sich in jungen sowie späteren Jahren weiterentwickeln.

1.2 Identität nach Erikson

Auf die Theorie von Erikson wird in dieser Arbeit nur in einem kurzen Abschnitt eingegangen. Jedoch erscheint sie als nennenswert, da sie den Grundstein für die Identitätstheorie nach Marcia legte. Marcia orientierte sich an den Grundgedanken von Erikson, dass eine Identitätsentwicklung verschiedene Stufen beinhaltet, entfernte sich aber von der Überlegung, dass diese Stufen aufeinanderfolgend ablaufen.

Gemäss Muuss (1996) baute Erikson seine Theorie der Identitätsentwicklung entsprechend einem Stufenmodell auf, wobei er die Freud’sche Theorie in einem Minimum miteinbezog (Muuss, 1996, S. 42). Bei Erikson gibt es acht verschiedene Krisen, welche ein Individuum auf seinem Lebensweg zu bewältigen hat (S. 42-57). Die Bewältigung der jeweiligen Stufen ist gemäss seiner Theorie erforderlich, um sich mit den Aufgaben der nächsten Stufen erfolgreich auseinandersetzen zu können (S. 42-57). In seiner Konzeption entspricht jede Krise einer Anforderung, mit welcher sich das Individuum zu genau diesem Zeitpunkt auseinandersetzen muss, jedoch aber auch im späteren Alter wieder auftreten kann (S. 42-57). Bezüglich Erikson liegt es nicht im Bereich des Möglichen, dass sich die Stufenabfolge verändern kann (S. 42-57). Seiner Theorie entsprechend ist die erfolgreich bewältigte Stufe nicht zwingend notwendig, wird dem Individuum aber bei der Auseinandersetzung mit Anforderungen der nächsten Stufen, beziehungsweise Krisen, dienlich sein (S. 42-57). Seine Theorie lässt sich gut als Bauklotz vorstellen; je besser die unteren Fundamente sind, umso stabiler ist auch der obere Teil des Gebildes (S. 42-57). Die früheren Konflikte, denen ein Individuum bisher begegnet ist, bleiben für das Leben lang aktuell und müssen immer wieder behandelt werden (S. 42-57). Durch eine erfolgreiche Behandlung während der akuten Phase dieser Krise, ist jedoch eine stabilere Auseinandersetzung im höheren Alter besser gewährleistet (S. 42-57).

Das Ziel am Ende der Identitätsfindung nach Erikson ist der Status des erwachsenen Ichs (Straus & Höfer, 2008, S. 202).

2. Identität nach James E. Marcia

Marcia definiert die Identität des Menschen als nicht statisch; ihm bezüglich ist die Identität eine innerliche, selbst konstruierte sowie dynamische Organisation von Antreibungen, Fähigkeiten, Glauben und persönlicher Geschichte (Adelson, 1980, S. 109-111). Basierend auf seinen Nachforschungen betont Marcia, dass Individuen mit besser entwickelten Strukturen sich ihrer Einzigartigkeit klarer bewusst sind und so auch auf andere Individuen durch ihre Stärke der Persönlichkeit auffallen (S. 109-111). Im Gegensatz dazu wirken Individuen mit weniger entwickelten Strukturen eher konfus bezüglich ihrer eigenen Identität und sind zudem mehr abhängig von externen Einflussfaktoren (S. 109-111). Unabhängig der Stärke der Identitätsstruktur eines Individuums deklariert Marcia, dass Identitäten fortwährend neue Elemente dazugegeben und weggenommen werden können (S. 109-111).

So setzt er auch den Anfang der Identitätserarbeitung an den Punkt der Selbstobjektdifferenzierung im Kindesalter und das Ende an die finale Phase im hohen Alter, welche Individuen durch den Status „self-mankind intergration“ erreichen (S. 109-111). An dieser Stelle erachte ich aber die Aussage Adelsons als nicht zwingend stimmig, da ich davon ausgehe, dass beispielsweise kritische Lebensereignisse oder signifikante Andere auch in diesem Alter auf ein Individuum treffen können. Als Beispiel kann hier der zweite Weltkrieg für damalig ältere Menschen genannt werden, in der heutigen Zeit beispielsweise ein Hurrikan, welcher einem glücklichen älteren Ehepaar den geliebten Partner aus dem Leben reisst.

Marcia setzt aber der Jugend einen hohen Stellenwert zu (S. 109-111). Sie ist geprägt durch Änderungen der Strukturform (S. 109-111). Die Jugend zeichnet sich als Periode aus, in der das Individuum den Übergang zu Ansätzen von kognitiven Aufgaben, moralischen Problemen und psychologischen Bedenken bewältigen muss (S. 109-111). Vor allem die spätere Jugendphase erweist sich als bedeutender Punkt, denn hier fallen zum ersten Mal physische Entwicklungen, soziale Erwartungen und kognitive Fähigkeiten aufeinander und müssen in der Gesellschaft funktionieren (S. 109-111).

Entscheidungen, Gedanken oder Ideen während der Jugend sind alles entscheidende Beiträge des Individuums zu seiner Identitätsfindung (S. 109-111). Diese Faktoren werden während dieser Periode nicht selten durch Idole, Peergruppen oder Rollenmodelle herbeigezogen (S. 109-111). Dies bedeutet, dass sich Jugendliche nicht selten stark an solchen orientieren und sich davon bewusst oder unbewusst in ihren Lebensstilen leiten lassen (S. 109-111). Diese Orientierung kann soweit führen, dass Kleidungsstile, Musikgeschmäcker, Vorlieben oder weiteres sich gemäss den obengenannten Leitbildern neu definieren können und sich Individuen teilweise oder gar grundlegend verändern können.

2.1 Die vier Stadien nach Marcia

James E. Marcia entwickelte im Anschluss an die Konzeption der Identität nach Erikson ein Verfahren, welches die Ermessung des derzeitigen Entwicklungsstandes eines Individuums aufdecken soll (Oerter, 2006, S. 179-180).

In seine Ermessungsmöglichkeit integriert er die Frage nach Verpflichtung, Krise und Exploration auf verschiedene Bereiche des Lebens (S. 179-180). Beispielhaft und nicht abschliessend sollen hierzu die Bereiche Karriere, Politik oder Religion genannt werden. Der Aspekt der Verpflichtung sucht Antworten auf das Ausmass des Engagements sowie auf den Grad an Gebundenheit bezüglich des Lebensstils (S. 179-180). Der Aspekt der Krise legt den Fokus auf die Unsicherheit, Rebellion und Beunruhigung, die während der Suche des Lebensbereichs auftreten (S. 179-180). Die Exploration wiederum beschäftigt sich damit, wie viel Erkundung das Individuum in den aktuellen Lebensbereich gelegt hat (S. 179-180).

Marcia unterscheidet schliesslich vier mögliche Identitätsstati, welche ein Individuum im Laufe seiner Entwicklung und seines Lebens begegnen kann; erarbeitete Identität (identity achievement), überommene Identität (foreclosure), diffuse Identität (identity diffusion) und das Moratorium (moratorium) (S. 179).

Um die eigene Rolle in der Gesellschaft zu finden und zu spüren, wer man ist, wer man sein möchte oder wer man sein kann, ist das Individuum in der Lage, im Laufe seines Lebens verschiede dieser Identitätsstati auszuprobieren. Die Zeitspanne zwischen Kindes- und Erwachsenenalter erweist sich als eine Phase der hohen Exploration der eigenen Identität auf (S. 179). Es muss nicht zwingend der Fall sein, dass Jugendliche alle vier Phasen durchlaufen oder am „Ende“ ihrer progressiven Exploration eine erarbeitete Identität finden (S. 179). Die Identitätsfindung eines Individuums kann durchaus regressiv Verlaufen, was bedeuten soll, dass das Individuum am „Ende“ der Identitätsfindung eine diffuse Identität findet (S. 179). Wiederum kann der Verlauf stagnieren und das Individuum bleibt beispielsweise in seiner übernommenen Identität oder findet nicht aus einer diffusen Identität heraus (S. 179).

2.1.1 Die übernommene Identität (foreclosure)

Die übernommene Identität weist sich durch niedrige Exploration bei gleichzeitig hoher Verpflichtung aus (Kroger & Marcia, 2011, S. 34-35). Das Individuum übernimmt hier eine vorgegebene Identität, in der Regel von signifikanten Anderen (Familie, Freunde) (S. 34-35). Diese Form der Identität stellt für das Individuum keine Krise dar (S. 34-35). Eine übernommene Identität ist gleichzeitig eine übertragene Identität, beispielsweise können familientraditionelle Berufe über Generationen weg weitergegeben werden (S. 34-35). Eine solche Identität kann so selbstbewusst wie eine selbst erarbeitete Identität wirken, weist sich aber bei genauerer Analyse durch eine gewisse Zerbrechlichkeit und Fragilität aus (S. 34-35). Die Fragilität kann sich auswirken, wenn eine Person in einer Diskussion ihren Standpunkt verteidigen soll; beispielsweise eine stark religiöse Person, die diese Religion ohne vorangegangene Exploration von den Eltern übernommen hat. In einer Diskussion könnte es ihr schwerfallen, überzeugende und authentische Argumente aufzubringen, gerade wenn das Gegenüber versucht, durch kritische Argumente zu verunsichern. Ein Beispiel für die Zerbrechlichkeit könnte eine Person darstellen, die wie ihre Eltern bereits Bäcker wurde und nun eine Mehlallergie erhält und gezwungen wird, die übernommene Identität abzugeben. An diesem Punkt des Lebens könnte die Person fragil wirken und sich unsicher fühlen, da er sich seiner Identität als Bäcker lange bewusst war und sich nun neu definieren muss.

2.1.2 Die diffuse Identität (identity diffusion)

Bedeutend für die diffuse Identität ist, dass sich das Individuum kaum für bevorstehende Aufgaben aufrafft und relativ wenig Reflexionen bezüglich Zukunftsplänen und sich selbst zeigt (Oerter, 2006, S. 179). Das Individuum zeigt keine Verpflichtung gegenüber klaren Werten und sucht auch nicht danach (S. 179). In der Phase der diffusen Identität ist das Individuum relativ direktionslos und kümmert sich kaum darum, dass es wenig Engagement gegenüber dem ausgewählten Lebensstil zeigt (Kroger & Marcia, 2011, S. 34). Zudem lassen sich Individuen in dieser Phase stark von signifikanten Anderen beeinflussen (S. 34). So wäre ein Beispiel, dass ein Jugendlicher oft und gerne Rockmusik hört. Da nun aber alle anderen der Klasse Hip-Hop hören, beginnt auch der Junge Hip-Hop zu mögen, obwohl er sich nie damit beschäftigt oder sich dafür interessiert hätte.

2.1.3 Die erarbeitete Identität

Nach einer überwundenen Krise und der erforschten und gefundenen Identität befindet sich das Individuum nach einem progressiven Verlauf in der reflektierten erarbeiteten Identität, in welcher es sich kaum von externen Einflüssen verändern lässt (Kroger & Marcia, 2011, S. 35). Einzig können auftretende kritische Lebensereignisse oder neu auftretende signifikante Andere das Individuum in seiner erarbeiteten Identität ins Schwanken bringen (S. 35). In dieser Phase ist das Individuum fähig, selbst Verantwortung zu übernehmen und kann sich gegenüber anderen als eine Ressource der Kraft ausweisen (S. 35). Die Treue gegenüber dem Lebensstil bleibt auch beim Überwinden grösserer Hürden bestehen, sofern die Ziele realistisch sind (S. 35). Das Individuum ist in der Lage, selbst definierte Ziele und Beschäftigungen zu verfolgen (Adelson, 1980, S. 111).

2.1.4 Das Moratorium

Das Moratorium zeichnet sich dadurch aus, dass das Individuum seine Identität formen will, jedoch aber zwischen Alternativen herschaukelt (Kroger & Marcia, 2011, S. 34-35). Während dieser Phase zeigt das Individuum relativ wenig Verpflichtung gegenüber dem momentanen Lebensstil bei gleichzeitig hoher Exploration (S. 34-35). Das Moratorium zeichnet sich zudem durch eine Krise aus (Adelson, 1980, S. 111).

2.2 Das Moratorium genauer erläutert

Der Begriff Moratorium ist nicht nur ein in der Psychologie verwendeter Begriff. Auch beispielsweise die Wirtschaft, Medizin oder die Physik bedienen sich des Begriffes, um Aufschübe zu definieren (Duden, n.d.). Aufschub – das soll also vereinfacht und alltagssprachlicher mit dem Begriff ausgedrückt werden. In einem entwicklungspsychologischen Sinne soll mit Aufschub verstanden werden, dass eine erarbeitete Identität noch nicht erreicht wurde und noch immer im Zentrum der Suche steht (Fraser-Thill, 2017, URL). In diesem Sinne bezieht sich der Begriff auf den Übergang vom Jugendalter ins Erwachsenenalter, kann aber auch in späteren Lebensphasen wieder auftreten, beispielsweise nach kritischen Lebensereignissen oder wenn neue signifikante Andere in das Leben des Individuums treten (Fraser-Thill, 2017, URL).

Das Moratorium nach James E. Marcia definiert sich als einen Schritt der Identitätsfindung, in welcher Individuen aktiv nach ihrer Identität suchen (Fraser-Thill, 2017, URL). Hauptmerkmal dieser Phase ist die Frage nach dem „Wer bin ich?“ – eine Frage, die sich nicht nur im Lebensabschnitt Jugend stellen kann, hier aber eine bedeutend grosse Rolle spielt und meist auch erfolgreich beantwortet werden kann (Fraser-Thill, 2017, URL). Die Suche nach dem Ich beschränkt sich nicht nur auf einen minimalen Aspekt des Lebens; sie zeigt sich in allen möglichen Ausdrucksweisen der Identität (Fraser-Thill, 2017, URL). Solche Ausdrucksweisen einer Identität können die eigene Religion, ethnische Herkunft, Musikgeschmack, Kleidungsstil oder Peergruppenzugehörigkeit sein (Fraser-Thill, 2017, URL). In dieser Phase der Suche nach dem Selbst, erproben Individuen viele Möglichkeiten, um ihrer Identität auf die Spur zu kommen (Fraser-Thill, 2017, URL). Die ausgesuchten Lebensstile werden meist ohne grosse Verpflichtung ausgelebt, vielmehr geht es um das Sammeln von Erfahrungen in diversen Bereichen des Lebens (Fraser-Thill, 2017, URL). Das Individuum befindet sich während dem Moratorium in einer Krise, welche es zu überwinden gibt und vom Individuum selbst auch überwunden werden will (Fraser-Thill, 2017, URL). Diese Krise wird oft als schwierig und verwirrend wahrgenommen, ist aber, bezüglich vieler Psychologen ein erforderlicher Schritt der Identitätsfindung, um eine erarbeitete Identität zu erlangen (Fraser-Thill, 2017, URL).

2.3 Konklusion Identität

Durch die vorangehenden Kapitel bezüglich der Identität lässt sich schliesslich feststellen, dass der Begriff ein hochkomplexer Begriff und lebenslanger Prozess eines jeden Menschen ist. Einerseits ist Identität etwas ganz Eigenes, Individuelles und Persönliches, andererseits lässt sie sich durch äussere Faktoren in jedem Alter immer wieder beeinflussen. Abschliessend für dieses Kapitel und wichtig für die nächsten Kapitel dieser Arbeit ist der Fokus auf den Prozess und die Veränderbarkeit einer jeden Identität. Das nicht statische der Identität soll hier nochmals hervorgehoben werden und der Leserschaft für die weitern Abschnitte präsent bleiben.

3. Mädchen und Social Network/Media

Social Media und Social Networking sind seit Jahren ein beliebtes Thema bei Jugendlichen. Sowohl Jungen als auch Mädchen weisen sich als rege Nutzerinnen und Nutezr verschiedenster Plattformen aus; Twitter, YouTube, Facebook, Snapchat, Kik und Instagram sind Begriffe, die in diesem Alter allen bekannt sind. In diesem Kapitel wird der Fokus in erster Linie auf Mädchen und Social Media gelegt.

3.1 Definition Social Media und Social Network

Social Media und Social Newtwork sind heute allgegenwärtige Begriffe, deren Definition im Rahmen dieser Arbeit von grosser Relevanz ist. Fast täglich begegnet man heute den zwei Begriffen, ohne sich genauer bewusst zu sein, was sie denn eigentlich bedeuten und wie nahe sie sich doch stehen. In den folgenden zwei Abschnitten sollen die Begriffe der Leserschaft nähergebracht werden und ihre Diskrepanzen sowie Gemeinsamkeiten definiert werden.

3.1.1 Soziale Medien (Social Media)

Als Soziale Medien werden Plattformen bezeichnet, die es Nutzerinnen und Nutzern ermöglichen, miteinander in Kontakt zu sein und Inhalte im World Wide Web zu teilen (Springer Gabler Verlag, n.d., URL). Soziale Medien weisen nicht zwingend die Möglichkeit der Vernetzung auf, vielmehr handelt es sich um die Möglichkeit der Verbreitung und Verteilung von Inhalten (Springer Gabler Verlag, n.d., URL). So werden spezifische Inhalte auf dafür vorgesehenen Soziale Medien verbreitet (Springer Gabler Verlag, n.d., URL).

3.1.2 Soziale Netzwerke (Social Network)

Soziale Netzwerke weisen sich in erster Linie durch die Möglichkeit der Vernetzung mit anderen Nutzerinnen und Nutzern derselben Plattform aus (Boyd & Ellison, 2007, S. 210-217). So weist sich als Haupteigenschaft eines sozialen Netzwerkes das eigene virtuelle Ich, das Profil, der Nutzerinnen und Nutzer aus (S. 210-217). Dieses kann, je nach Netzwerk, anders bearbeitet werden und enthält die Möglichkeit, mit bereits Bekannten zusätzlich virtuell in Verbindung zu treten, oder um mit neuen unbekannten Menschen Bekanntschaften zu schliessen (S. 210-217). Seit der Entstehung von sozialen Netzwerken gibt es zahlreiche verschiedene Plattformen, die sich in ihrer Struktur, Erscheinung, Anwendung und Eigenschaften grundlegend unterscheiden. Die Funktion des Vernetzens zeigt sich jedoch über alle Netzwerke hinweg als Hauptmerkmal aus (S. 210-217). Mittlerweile gibt es soziale Netzwerke, deren Hauptmerkmal das Teilen von Fotos/Videos ist (Instagram); das Teilen von Beiträgen (Twitter); die Weiterverbreitung von Videos jeglicher Art (YouTube) oder das Erstellen von Berufsprofilen ist (LinkedIn). Durch diese Kategorisierung wird es für Anwendende von sozialen Netzwerken einfacher das ideale und passende soziale Netzwerk zu finden und sich entsprechende Peers zu erschliessen oder erforderliche Informationen zu sammeln. Um mit anderen Nutzerinnen und Nutzern auf den sozialen Netzwerken in Kontakt zu sein, bieten sich je Plattform andere Möglichkeiten an; es gibt Instant Messanger, die ähnlich wie E-Mail funktionieren; Kommentier- sowie Likefunktionen für Fotos, Videos oder Beiträge oder das Posten von Fotos, Videos und Beiträgen auf dem eigenen Profil, damit es andere Nutzerinnen und Nutzer sehen können. Die Zugänglichkeit auf fremde Profile ist ebenfalls von Plattform zu Plattform verschieden, so verlangen einige Geldbeiträge, um vollständige Profile einsehen zu können oder andere überlassen die Möglichkeit den Nutzerinnen und Nutzern selbst, ob das eigene Profil öffentlich zugänglich ist oder nur für akzeptierte Freunde (S. 210-217).

3.2 Sexismus auf Social Media und Social Networks

Die Autorin des Buches American Girls, Nancy Jo Sales, stellte sich die Frage „Are girls addicted to social media?“ (Sales, 2017, S. 10) und musste durch ihre Recherchen und Interviews ein klares Ja als Antwort festlegen (Sales, 2017). In ihren Recherchen gräbt Sales tief und erkennt schliesslich einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Pornografie sowie Sexismus der heutigen Gesellschaft und wie sich Mädchen dadurch im Internet darstellen und verhalten (S. 10).

Der Zugang zu Pornografie, öfters auch harter Pornografie, ist seit einigen Jahren einfach. Nicht nur erwachsenen Personen wird dieser Zugang niederschwellig gewährleistet; auch jungen Menschen ist es dank alltäglicher und leichter Nutzung des Internets ein regelrechtes Kinderspiel, pornografisches Bild- und Videomaterial zu konsumieren. Bezüglich des Sexismus braucht es nicht ausschliesslich das Internet. Weit verbreitete Beautyshows oder Modelwettbewerbe im Fernsehen und Werbung auf Strassen, Fernsehen oder Magazinen mit leichtbekleideten, schlanken und perfekt aussehenden Frauen sind für unser Auge zur Normalität geworden (S. 3-22). Dass Frauen, leicht bekleidet, schlank und perfekt aussehend in unserer Gesellschaft erfolgreich zu sein scheinen und bewundert werden, wird dem Menschen durch viele verschiedene Möglichkeiten und allgegenwärtig „bewusst“ gemacht (3-22). Diese Beurteilung von Frauen aufgrund ihrer Erscheinung war auch 2003 der Entstehungsgedanke für das Social Network Facebook (damals noch Facesmash); ursprünglich dazu verwendet, um die Mitstudenten und Mitstudentinnen aufgrund einer Foto Hot or Not zu beurteilen (Weinberger, 2016, URL). Die Seite wurde gelöscht und kurz darauf begann das heute bekannte Facebook zu entstehen und wachsen (Weinberger, 2016, URL). Zahlreiche junge Nutzerinnen und Nutzer fanden ihren Weg zu Facebook, mitgenommen haben sie auch ihre Ideale von perfekt aussehenden Frauen. Die Funktion, Bilder von Freunden zu liken, motiviert junge Menschen, sich im Internet so darzustellen, wie es auch ihre erfolgreichen Idole und Rollenmodelle tun; leicht bekleidet, geschminkt und perfekt aussehend.

Seit Jungen und Mädchen aktive Trägerinnen und Träger von Smartphones sind und Facebook zu schätzen gelernt haben, ist auch Silicon Valley, eine männerdominierende Industrie der IT- und High-Tech-Branche in Kalifornien, erwacht (Danner, 2015, URL). Seit der Entstehung von Facebook sind zahlreiche Apps entstanden, welche eine ähnliche Nutzung aufweisen; Fotografie und Likes – die Selbstdarstellung auf Social Media und dessen Bewertung durch Mitnutzerinnen und Mitnutzern gehört heute zum täglichen Gebrauch von Millionen von Menschen (Danner, 2015, URL).

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Details

Seiten
30
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668581371
ISBN (Buch)
9783668581388
Dateigröße
568 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v382567
Institution / Hochschule
Berner Fachhochschule Soziale Arbeit
Note
5.5
Schlagworte
beeinflusst social network plattform instagram mädchen entwicklung identitätsfindung

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