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Stressbewältigung bei Lehrern - Möglichkeiten und die Realität

Zwischenprüfungsarbeit 2004 24 Seiten

Psychologie - Persönlichkeitspsychologie

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Stress
2.1. Was ist Stress?
2.2. Die Auswirkungen von Stress auf Körper und Geist
2.3. Stress bei Lehrern und dessen Folgen

3. Stressbewältigung
3.1. Stressbewältigungsformen
3.2. Dem Stress vorbeugen
3.3. Umfrage: So entspannen sich Lehrer

4. Schlussfolgerung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Also, den Weg zum Klassenzimmer habe ich als brutal empfunden. Das fing schon im Lehrerzimmer an. Ich rauchte noch eine Zigarette, und als es läutete, blieb ich einfach noch sitzen. Jede Minute, die verstreicht, muss ich nicht im Klassenzimmer sein. Schon beim Aufstehen spürte ich wackelige Beine. Auf dem Gang dann war ich ganz alleine, niemand begegnete mir, ich fühlte mich unheimlich allein. ... Als ich vor der Tür war, hatte ich ganz starkes Herzklopfen. Ich hielt die Türklinke lange in der Hand.“[1] Diese Aussage einer Lehrerin ist keine Ausnahme oder ein Einzelfall, sondern es schildert die Lage vieler Lehrer.

Das so genannte „Burnout-Syndrom“ ist schon beinah zu einer Berufskrankheit geworden und stellt ein zunehmendes Problem dar. Von dieser Krankheit sind Menschen aller gesellschaftlichen Schichten, jeden Alters und Geschlechts betroffen. Darunter Leiden sowohl erfolgreiche Manager als auch Hausfrauen und Mütter. Vor allem sind aber Menschen in den so genannten helfenden Berufen davon betroffen, wie z.B. Psychologen, Ärzte, Krankenpfleger und Drogenberater, doch vor allem Lehrer.

„Das Ausbrennen ist das Resultat andauernder oder wiederholter emotionaler Belastung im Zusammenhang mit langfristig intensivem Einsatz für andere Menschen…“[2] Durch andauernden Stress und den Mangel an Satisfaktion bewegen sich viele Lehrer im Verlauf ihrer Karriere auf den Endpunkt Burnout zu, der nicht selten in Berufsunfähigkeit ausgeht. Viele Lehrer lassen sich verfrüht pensionieren oder aber sind öfter krankgeschrieben als im Schulgebäude anwesend. Oft führt die Überforderung zum Missbrauch von Zigaretten, Alkohol oder Schlafmitteln und belastet somit auch oft das Privatleben, das im Idealfall einen Ausgleich zum Berufsstress bieten sollte, dann jedoch zur weiteren psychischen Belastung wird, wenn z.B. eine Ehe in die Brüche geht oder es Streit und Entfremdung verursacht. Hinzu kommt, dass das Burnout-Syndrom sich auch sehr negativ auf die Gesundheit auswirkt, was wiederum eine weitere Belastung darstellt. Häufige Krankheitsbilder sind Kopf- und Rückenschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Einschlafstörungen, sexuelle Unlust usw.

Doch das alles muss nicht sein. Als ich diese erschütternden Tatsachen als Lehramtstudentin kennen lernte, beschloss ich mit dem Wissen über die Gefahr nach vorbeugenden Maßnahmen zu suchen, denn ich wollte mich im meinen Wunsch, Lehrerin zu werden, nicht beirren lassen und dem Burnout-Syndrom so gut wie möglich vorbeugen. Tatsächlich wurde ich auch fündig und lernte während der Recherche viele Möglichkeiten kennen, mit Stress besser umzugehen und ihn möglichst zu vermeiden. Darüber werde ich auf den folgenden Seiten berichten.

2. Stress

2.1 Was ist Stress?

Stress [engl.], von H. Selye 1936 geprägter Begriff für ein generelles Reaktionsmuster, das Tiere und Menschen als Antwort auf erhöhte Beanspruchung zeigen. …“[3] Das ist die Definition von dem Wort „Stress“, die man im Duden nachlesen kann. Doch ist es wirklich das, was der Mensch im 21. Jahrhundert unter Stress versteht? Stress ist mittlerweile zu einem viel benutzten Wort geworden. „Ich bin im Stress, ich habe keine Zeit“ ist die wohl am häufigsten angewandte Formulierung von immer unter Zeitdruck stehenden Menschen. „Hatten Sie in letzter Zeit Stress?“ fragt heutzutage fast jeder Arzt, wenn er einen Patienten mit Atembeschwerden oder Herz-Kreislauf-Störungen vor sich hat. Sogar schon Kinder finden die Schule stressig oder wollen nicht gestresst werden im Sinne von belästigt. Das Wort „Stress“ ist in aller Munde, doch stets wird Stress nur sehr oberflächlich und nur negativ gesehen. Kaum jemand ist sich dessen bewusst, dass Stress auch positive Seiten hat und oft auch lebensnotwendig und –rettend ist. Um Stress genauer zu betrachten, muss man sich wieder der Wissenschaft zuwenden und zur Definition zurückkehren. Den Ursprung hat Stress schon in der Urzeit, als der Mensch sich nicht viel vom Tier unterschied und ihm noch seine Instinkte beim Überlebenskampf halfen. Bei Birker und Schott wird das Phänomen „Der Neandertal-Effekt“[4] genannt, denn die vom Stress verursachten physischen Reaktionen bewirkten, dass der Mensch entweder die Flucht antrat oder sich aber für den Angriff entschied. Beide Wege dienten der Lebenserhaltung und waren somit wichtig und notwendig für das Überleben. Diese reflexartige Reaktion durchlebt der Mensch von heute physisch betrachtet noch genauso, nur hat er eher selten die Möglichkeit diesen mächtigen Impuls körperlich zu realisieren. Wenn sich zum Beispiel ein frisch gebackener Dozent in der Lage befindet, zum ersten mal eine Vorlesung vor einer Ansammlung von im Vorfeld gelangweilten, oder, noch schlimmer, skeptischen Studenten zu halten, hat er als Reaktion auf diese Stresssituation das Bedürfnis, wegzulaufen wie der Neandertaler. Es muss jedoch bedacht werden, dass Stress etwas sehr individuelles und relatives ist, denn ein erfahrener Dozent würde die Aufgabe, eine Vorlesung vor hundert Studenten zu halten, nicht als Stress empfinden sondern als etwas Alltägliches und nicht Bedrohliches. Doch auch dieser Dozent fing einmal ängstlich und unsicher an und hatte genauso das Bedürfnis, wegzulaufen. Ob ein Mensch Stress erlebt und wie er damit umgeht, hängt auch stark von seinem psychischen Befinden ab. „Mit Stress und unseren Ängsten umgehen zu lernen, ist eine Anforderung unseres Lebens, die wir täglich neu bewältigen müssen. Wir alle erfahren Stress in den verschiedenen Stadien unserer Entwicklung und in den unterschiedlichsten Lebenssituationen… Aber auch mangelndes Selbstbewusstsein, der Berufsalltag unter Arbeitsbelastungen und Termindruck sowie ein bevorstehender öffentlicher Auftritt als Festtagsredner oder als Referent können Ängste auslösen und Stress erzeugen.“[5] Es kommen also viele Faktoren zusammen, die sich auf die Stressempfindung und Stressbewältigung auswirken. Ein weiterer Stressor, also stressauslösender Reiz, kann auch der schlechte gesundheitliche Zustand sein. Eine Krankheit kann enormen Stress bewirken, z.B. wenn der Kranke psychisch sehr darunter leidet, dass seine Mobilität eingeschränkt ist oder dass er nicht arbeiten kann und dies wiederum Auswirkungen auf die finanzielle Lage hat. Aber auch Schmerz und Krankheit an sich bilden eine starke Belastung für den Körper, was auch eine Form von Stress ist. Weitere Stresssituationen können auch im Bereich des Privatlebens entstehen, wie z.B. der Tod eines geliebten Menschen, die Trennung vom Partner, Sorge um das eigene Kind, die Aufnahme eines Familienmitglieds zur Pflege, finanzielle Nöte usw.

Welche Folgen Stress auf den Körper und die Psyche hat, werde ich nun schildern.

2.2 Die Auswirkungen von Stress auf Körper und Geist

Stress ist nicht gleich Stress! Wie schon bereits geschildert, gibt es viele Formen von Stress, die mal mehr und mal weniger als solche empfunden werden. Grundsätzlich kann man Stress in zwei Arten unterteilen: in Eustress und Distress[6]. Eustress ist der positiv zu bewertende Stress, der oft nötig ist, um z.B. sich besonders stark zu konzentrieren um eine komplexe Aufgabe zu lösen oder an Grenzen der eigenen Belastbarkeit zu erreichen, wie es bei Leistungssportlern der Fall ist. Auch Stress bei Prüfungen ist meistens für das positive Ergebnis förderlich, denn die im Stresszustand stattfindenden körperlichen Reaktionen unterstützen die Konzentration. Es entsteht positive Motivation und das Selbstvertrauen wird bestärkt durch das Gefühl, eine Stresssituation gut bewältigt zu haben. „Erlebt ein Mensch viele Eustresssituationen, kann sich daraus eine offene und positive Grundeinstellung gegenüber neuen (auch anspruchsvolleren) Stresssituationen ergeben.“[7] Der positive Eustress ist jedoch nur in begrenzten Massen nützlich, denn ab einem gewissen Grad der Belastungen wird auch aus Eustress der negative Distress. Dieser ist dann negativ zu bewerten, da er dem Geprüften nicht nützt, indem er die Konzentration unterstützt, sondern eher schadet. Die häufigste Folge ist Angst, die den Menschen lähmt und es kommt zu dem so genannten „Blackout“. Distress entsteht durch „ungenügende Adaption des Körpers an Belastungen oder infolge von Diskrepanz zwischen Anforderungen und subjektivem Bewältigungsverhalten.“[8] Diese Form von Stress entsteht also durch Belastung, die vom Betroffenen als Überforderung und Bedrohung empfunden wird. Nicht selten mündet dieses Gefühl in Angst. Besonders für den Menschen belastend ist die so genannte Mehrfachbelastung, d.h. wenn der Mensch dieses Empfinden in mehreren Lebensbereichen gleichzeitig erfährt, z.B. im Beruf und in der Partnerschaft. Distress ist auch dafür verantwortlich, wenn der Körper und vor allem auch die Psyche geschädigt werden.

Wie schon bereits erwähnt sind Herz-Rhythmus-Störungen, Kopf- und Rückenschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden und Einschlafstörungen die am häufigsten verbreiteten Krankheitsbilder. Doch das ist erst der Anfang der erschreckenden Liste von negativen Folgen von Stress und Dauerüberlastung.

Anfangen möchte ich nun mit den Psychosomatischen Störungen. Damit sind Krankheitsbilder gemeint, die nachweislich psychische Ursachen haben. Stress ist dabei häufig der Auslöser dieser Störungen. Nähere Ausführungen, auf denen die folgenden Darstellungen basieren, sind in Manfred Cassens „Work-Life-Balance“ zu finden.

1. Geänderter Schlafrhythmus

Schlaf ist, wie wir alle aus eigener Erfahrung wissen, ein wichtiger Bestandteil unseres Tagesablaufs. Eigentlich sollten wir ein Drittel des Tages, also acht Stunden, mit Schlafen verbringen und uns in dieser Zeit regenerieren und neue Kräfte schöpfen. Angesichts der enormen Reizüberflutung der heutigen Gesellschaft voll von Werbung, Krach und Hektik, bräuchte der Mensch sogar mehr als acht stunden, um sich genügend zu erholen. Wie wichtig Schlaf ist, merken vor allem Menschen, die Schichtarbeit leisten oder sich nachts in Bereitschaft befinden und dieser dann oft unterbrochen ist. Wie sehr der Körper unter Schlafentzug leidet, wird deutlich, wenn wir im Jetlag sind und eine lange schlaflose Zeitspanne überbrücken müssen. Wieso diese Umstellung uns so schwer fällt liegt besonders an den chemischen Stoffen und Hormonen wie Melatonin, die uns normalerweise bei einem recht regelmäßigen Schlafrhythmus auf den „Schlafmodus“ umstellen. Während des Schlafes wird z.B. auch das Hormon Serotonin hergestellt, das eine antidepressive Wirkung hat und somit für unser Wohlbefinden wichtig ist.

Durch Stressoren psychischer und physischer Art können Schlafstörungen auftreten, die wahrscheinlich jeder vereinzelt kennt. Am häufigsten sind dabei private Konflikte und seelische Belastung zu nennen, aber auch Angst vor dem nächsten Tag.

Dabei kommen verschiedene Arten von Schlafstörungen vor.

1.1. Schlaflosigkeit

Hierbei handelt es sich um keinen oder nur qualitativ schlechten Schlaf, über einen längeren Zeitraum. Typisches Problem hierbei ist das Nichteinschlafenkönnen, Unterbrechungen des Schlafes sowie das zu frühe Aufwachen ohne wieder einschlafen zu können. Eine gefahrenvolle und falsche Behandlung dieses Problems ist die Einnahme von Alkohol und/oder Medikamenten.

1.2. Exzessive Schläfrigkeit

Das ist der genau entgegengesetzte Fall zur Schlaflosigkeit. Der Mensch wird in der eigentlichen Phase des Wachens von Schlafanfällen geplagt, obwohl die Schlafphase ausreichend war. Ebenfalls typisch für dieses Störungsbild ist die lange Phase des Wachwerdens beim Übergang von der Schlafphase zur Wachphase. Mit dieser Störung geht ein bemerkbarer Leistungsabfall einher und steht auch nicht selten mit Depressionen im Zusammenhang. Der erste Schritt zur Besserung muss hierbei die Überprüfung sein, ob nicht vielleicht die Einnahme eines Medikaments der Auslöser sein kann, wie z.B. die Einnahme von vielen Antiallergika.

[...]


[1] Miller, Reinhold „ Sich in der Schule wohlfühlen“, S. 30.

[2] Aronson et al., 1985, S. 25.

[3] Duden- Das neue Lexikon, 3. Auflage, Band 9, 1996.

[4] Birker Klaus, Schott Barbara : „Energie tanken“, S. 19.

[5] Spielberg Charles: „Stress und Angst“, S. 7.

[6] Spielberg Charles: „Stress und Angst“, S. 7.

[7] Cassens Manfred: „Work-Life-Balance“, S. 33.

[8] Pschyrembel, 2002, S. 1601.

Details

Seiten
24
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638373050
Dateigröße
587 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v38144
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Institut für Psychologie
Note
1,3
Schlagworte
Stressbewältigung Lehrern Möglichkeiten Realität

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Titel: Stressbewältigung bei Lehrern - Möglichkeiten und die Realität