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Der Suizid Stefan Zweigs

Eine biographisch-psychologische Analyse

Magisterarbeit 2008 104 Seiten

Germanistik - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Verlust der Welt von Gestern, Angst vor der Welt von Morgen: Suizidbegünstigende Faktoren in Stefan Zweigs Leben
1.1. Verluste
1.1.1. Verlust der Heimat
1.1.2. Verlust der Sprache
1.1.3. Verlust der Aufgabe
1.1.4. Verlust der materiellen Unabhängigkeit
1.1.5. Verlust der Freunde
1.2. Ängste
1.2.1. Angst vor dem Sieg der Nationalsozialisten
1.2.2. Die Angst um Lotte Zweigs Gesundheit
1.2.3. Die Angst vor dem Alter
1.3. Einflüsse
1.3.1. Der Einfluss de Montaignes Schriften
1.3.2. Der Einfluss der brieflichen Korrespondenz
1.4. Zusammenfassung

2. Krankheit zum Tode – Die Depression Stefan Zweigs
2.1. Definition, Abgrenzung und Anwendung auf Zweig
2.2. Ursprung der Depression – Die Kindheit als Kerker
2.3. Verlauf der Depression – Das Exil als Katalysator
2.4. Auswirkungen der Depression – Die Schwermut als Alltag
2.4.1. Schuld und Mitgefühl
2.4.2. Körperliche Beschwerden
2.4.3. Mangel an Lebensfreude
2.5. Linderung der Depression – Die Religion als Rettung?
2.6. Zusammenfassung

3. „Ein gewisses Fläschchen“ – Der Suizid Zweigs
3.1. Definition, Abgrenzung und Anwendung auf Zweig
3.2. Das präsuizidale Syndrom bei Stefan Zweig
3.2.1. Phase I : Einengung
3.2.2. Phase II : Autoaggression
3.2.3. Phase III: Suizidphantasien
3.3. Der Doppelsuizid des Ehepaares Zweig – ein Bilanzsuizid?
3.3.1. Der freie Wille des Suizidärs
3.3.2. Der Bilanzsuizid
3.3.3. Die Eigenart des Doppelsuizids
3.4. Exitus
3.4.1. Abschied
3.4.2. Ausklang
3.5. Zusammenfassung

Resümee

Literaturliste

Endnoten

Einleitung

Im Sommer 1940 treffen sich Stefan Zweig und der Journalist Hugo Gerngroß zu einem Interview in New York. Sie sprechen über vergangene Zeiten und Zukunftspläne, über grandiose literarische Erfolge und düstere politische Prognosen. Und sie sprechen über die Autobiographie, mit deren Konzeption Zweig in jenen Tagen beschäftigt ist. Er werde das Werk treffend benennen, sagt Zweig, „My three lifes“ solle der Titel lauten

[1] Unter der Überschrift „Drei Leben“ wird Gerngroß´ Artikel noch im selben Jahr veröffentlicht.[2] Sechsundsechzig Jahre später erscheint die derzeit jüngste Biographie Stefan Zweigs auf dem deutschen Buchmarkt: „Stefan Zweig. Drei Leben – eine Biographie“.[3] Es sind die schroffen Zäsuren, die Zweig und seine Biographen dazu veranlassen, sein Leben in der Rückschau dreigeteilt zu sehen.

Das erste Leben Stefan Zweigs beginnt 1881 mit seiner Geburt als Sohn einer wohlhabenden jüdischen Familie des gehobenen Wiener Bürgertums. Es ist kein vorbehaltlos glückliches Leben, aber eines, das sich in einer „Welt der Sicherheit“[4] noch unbedroht von umwälzenden Geschehnissen geruhsam entwickeln kann. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges beendet dieses Leben. In seiner neuen Wahlheimat Salzburg vollzieht sich Stefan Zweigs außergewöhnlicher Aufstieg zu einem der meistgelesenen und –übersetzten Autoren Europas.[5] Im Zenit seines Ruhmes veranlassen die politischen Ereignisse jener Jahre Zweig dazu, seine Heimat Österreich zu verlassen, um sein nächstes Leben, das eines Exilanten, anzutreten.[6] Es ist sein letztes und sein kürzestes, und es endet mit Zweigs Griff zur Giftampulle.

Über Stefan Zweigs drei Leben ist viel geschrieben worden, fällt doch die Vita dieses vielseitig begabten Schriftstellers, dieses Meisters der Novelle,[7] der auch in Romanen, Gedichten, Kammerspielen, Operntexten und Biographien sein literarisches Talent unter Beweis zu stellen verstand,[8] auch in jene geschichtliche Epoche Europas, die durch Hungersnöte und Epidemien, Revolutionen und Inflationen, Geburt und Verbreitung der großen Massenideologien und zwei den Kontinent verheerender Weltkriege gezeichnet ist. Es ist die Tragik des hochgeschätzten Autoren, der, unpolitisch in seinem Wesen, durch die Politik zum Exilanten wird, es ist die Vielseitigkeit seiner nicht nur literarischen Interessen, und nicht zuletzt ist es auch die ambivalente Gestalt seiner charakterlichen Eigenarten, „vertrackt und interessant, neugierig und listig, bedenklich und sentimental, hilfreich und kühl, amüsant und voller Widersprüche, ein Großbürger in seiner Manier und unbürgerlich in seinen Äußerungen, […] ein heiterer Pessimist und todesernster Optimist“[9], die dem Leben Stefan Zweigs etwas romanhaftes verleihen. Und es ist sein selbsterwählter Tod in der paradiesischen Abgeschiedenheit Brasiliens, der dieses Bild rundet. Der Suizid Stefan Zweigs ist ein rätselhaftes Geschehen. Der Mann ist 60 Jahre alt, körperlich gesund, finanziell versorgt, hat eine junge Frau an seiner Seite und Freunde in aller Welt, muss nicht Not noch Hunger leiden, schreibt mit ungebrochener Kraft und suizidiert sich doch. Warum?

Der Suizid ist ein Mysterium, das sich dem Verständnis widersetzt. Sowohl die Methoden der traditionellen Philosophie als auch jene der modernen Psychologie können nicht vollends erklären, was einen Menschen dazu bewegt, die Hand gegen sich selbst zu erheben. Der wissenschaftlichen Disziplin der Suizidologie[10] gelang zwar die Formulierung von Definitionen und Erklärungsansätzen, wodurch sich der Suizid als medizinisches, psychologisches und gesellschaftliches Phänomen katalogisieren und somit besser verstehen ließ. Einem konkreten Einzelfall gegenübergestellt, kann jedoch auch dieser Forschungsbereich keine endgültige Antwort auf die Frage geben, welche Gründe für einen Suizid vorliegen und wie der Suizidär diese gewichtet hat. Die letztendliche Begründung für die finale Tat bleibt beim Verstorbenen, und seit Entdeckung des Unterbewusstseins und seiner verborgenen Mechanismen in der Psyche eines jeden Menschen ist fraglich, ob ihm selbst diese Gründe in vollem Umfang bewusst gewesen sind.[11] Die Suche nach Gründen für einen Suizid ist verständlich, sowohl von Seiten der Forscher, als auch von Seiten der Hinterbliebenen. Die Nachwelt mag mit Unverständnis auf den selbst erwählten Tod eines Menschen reagieren, mit Wut, mit Trauer, vielleicht mit stiller Bewunderung, doch stets sucht und findet sie scheinbare Motive für die Tat, um dem Mysterium des Suizids nicht bar jeder Erklärung gegenüberstehen zu müssen. So auch bei Stefan Zweig.

Vermeintliche Gründe für den Suizid Zweigs finden sich zahlreich in den Nachrufen und Briefen, die von Freunden und Bekannten des berühmten Dichters kurz nach dessen Tod geschrieben wurden: Er sei ein Verzweifelter gewesen,[12] krank geworden an seiner Unfähigkeit, Hass zu empfinden gegen seine Peiniger,[13] sei von unstillbarem Heimweh aufgezerrt worden,[14] fürchte den Sieg der Achsenmächte und die Welt, die diesem folgen werde,[15] habe eine unheilbar erkrankte Frau zu versorgen gehabt[16] oder wolle schlicht der Aufdeckung eines unbekannten Skandals vorbeugen.[17]

Mit Ausnahme der beiden letztgenannten können alle diese Begründungen für sich genommen als zutreffend angesehen werden. Doch ist den Autoren sehr wohl bewusst, dass sie nur spekulieren können, nur den Ausschnitt eines Ganzen freizulegen in der Lage sind. Jede der hier angeführten Ursachen ist Teil eines Mosaiks von Beweggründen, das in seiner Gesamtheit den Suizid Stefan Zweigs nicht letztendlich erklären, aber doch zumindest erhellen kann. Die einzelnen Fragmente dieses Mosaiks sind die suizidbegünstigenden Faktoren in Stefan Zweigs Leben. In der Sekundärliteratur werden vorrangig nur zwei Faktoren als suizidauslösend erkannt: das Exil und die Depression. Sie erscheinen als die zwei Pole, in deren Spannungsfeld Stefan Zweigs Entscheidung reift, sein Leben durch eigene Hand zu beenden. Aber es sind nicht die einzigen Faktoren. Und sie sind einander wesensfremd, der eine Resultat äußerer Umstände, der andere eine in der Psyche wirkende Krankheit.

Diese Arbeit sammelt, kategorisiert und analysiert alle wesentlichen suizidbegünstigenden Faktoren in Stefan Zweigs Leben und erhebt damit den Anspruch, jenes Mosaik von Beweggründen zum Suizid systematisch in seiner Gänze darzustellen; ein Unterfangen, wie es bis dato ohne Beispiel in der Sekundärliteratur ist.[18] Dafür bedarf es eines Systems, das die Unterteilung der suizidbegünstigenden Faktoren in Sinnabschnitte gestattet. Dieses System besteht in der Gliederung, welche die suizidbegünstigenden Faktoren in Stefan Zweigs Leben in die Kategorien Verluste, Ängste und Einflüsse unterteilt (Kapitel 1). Der wirkungsstarke Faktor des Exils zerfällt dabei in mehrere Unterpunkte, die vorrangig in der Kategorie Verluste sublimiert sind. Der medizinische Befund der Depression, der Stefan Zweig attestiert werden kann, steht als suizidbegünstigender Faktor nicht gleichberechtigt neben Verlusten, Ängsten und Einflüssen, sondern dominiert deren subjektive Gewichtung. Für Zweig ist die Depression eine Krankheit zum Tode, und als solche wird sie in dieser Ausarbeitung gesondert behandelt und auf ihren Ursprung, ihren Verlauf und ihre gängigsten Symptome hin untersucht (Kapitel 2). Im letzten Kapitel wird der Suizid Zweigs diskutiert, wobei die Erkenntnisse aus den vorangehenden Kapiteln verwertet werden. Die dominante Frage dabei lautet: Ist der Suizid Zweigs das Resultat einer sorgsamen Bilanzierung der Lebensumstände und somit Ausdruck eines freien Willens, der eine freie Entscheidung trifft oder aber das finale Symptom einer mental destruktiven Krankheit, die den Entscheid zum Suizid determiniert? Willensfreiheit oder Automatismus? Die Frage wird vorrangig aus einer medizinisch-psychiatrischen Perspektive behandelt, wobei aber auch anderweitige psychologische und philosophische Aspekte berücksichtigt werden (Kapitel 3).

In den Biographien über Stefan Zweig liegt der Schwerpunkt, der literarischen Gattung entsprechend, auf dem Leben, nicht dem Ableben des Autors, weswegen dem Suizid in der Regel verhältnismäßig wenig Raum gewährt wird und eine systematische Analyse von Beweggründen zum Suizid unterleibt. Oliver Matuschek beschreibt Zweigs Werdegang sehr detailliert in aller einer Biographie gebührenden Ausführlichkeit. Den Suizid Zweigs schildert er in Form einer sachlichen Darstellung von Fakten, ohne die Beweggründe der finalen Tat zu erörtern. Ausführlicher als Matuschek behandelt Donald A. Prater in seiner Biographie „Stefan Zweig. Das Leben eines Ungeduldigen“[19] den Suizid des Schriftstellers. Im Epilog wirbt er um Verständnis für den Entscheid Zweigs zum Suizid, der auch ihm als Resultat eines offenkundig komplexen, aber von ihm nicht näher klassifizierten „Mosaiks von Gründen“[20] erscheint, in dem die Faktoren Exil und Depression dominant hervortreten. Thomas Haenel, der psychologische Biograph Zweigs,[21] widmet der Suizidproblematik in Zweigs Leben ein eigenes Kapitel, das vorrangig die Depression als medizinisches, suizidbedingendes Phänomen ausführlich behandelt. Eine umfangreiche Arbeit, die sich ausschließlich mit dem selbstständig herbeigeführten Lebensende Zweigs beschäftigt, findet sich in Rosi Cohens Buch „Das Problem des Selbstmordes in Stefan Zweigs Leben und Werk“[22]. Sie unterteilt Zweigs Persönlichkeit in einzelne Aspekte – Zweig als Dichter, als Wiener, als Ehemann, als Jude etc – und stellt diese Zweigs Erleben des Ersten und Zweiten Weltkrieges und seiner Exilerfahrung gegenüber. Die Depression, unter der Zweig periodisch immer wieder zu leiden hat, tritt in ihrer Darstellung in den Hintergrund. Die Aufzeichnungen von Zweigs erster Ehefrau Frederike „Stefan Zweig. Wie ich ihn erlebte“[23] gewährt Einblicke in die psychische Verfassung Zweigs zu unterschiedlichen Zeiten, kann aber keine Analyse des Suizids vorweisen und muss ob der Offensichtlichkeit der subjektiven Färbung des Geschilderten mit Vorsicht behandelt werden.[24] Gleiches gilt für Zweigs Selbstzeugnis „Die Welt von Gestern“[25], in welchem Hinweisen auf eine Depression und eine damit verbundene Veranlagung zum Suizid kein Raum gewährt wird. Sämtliche schmaleren Biographien Zweigs und sonstige verwendete Werke zu seinem Leben, Wirken und Ableben[26] sehen, sofern überhaupt nach tieferen Gründen für den Suizid gefahndet wird, diesen als Folge von Zweigs Aufenthalt im Exil oder als finales Symptom seiner Depression, ohne dass eine nähere Spezifikation erfolgt.

Diese Arbeit möge das Forschungsfeld „Stefan Zweig“ durch die systematische Darstellung und Analyse der suizidbegünstigenden Faktoren in seinem Leben, die Schilderung seiner depressiven Erkrankung und deren Auswirkungen sowie die Debatte um die Autonomie der finalen Tat bereichern. Der Suizid ist ein Themenkomplex, der stark polarisiert und von den verschiedenen Disziplinen (Psychologie, Psychiatrie, Philosophie, Theologie, Soziologie, Juristik, Kriminalistik, etc.) höchst unterschiedlich bewertet wird. Diese Arbeit ist biographisch-psychologisch ausgerichtet und kann somit nicht allen Aspekten der Suizidologie gerecht werden. Im Bemühen um eine möglichst sachliche und objektive Darstellung wird, auch auf die Gefahr der Wortwiederholung hin, der Terminus Suizid verwendet, der sich vom Lateinischen „sui caedere“, sich töten, ableitet.[27] Die ebenfalls gebräuchliche Formulierung „Freitod“ konnotiert ebenso eine moralische Wertung wie der Begriff „Selbstmord“. Die Werke Stefan Zweigs, in denen das Sujet des Suizids ebenso wie das der Depression gehäuft auftauchen, finden in dieser, im Schwerpunkt biographisch-psychologischen Ausarbeitung, keine Berücksichtigung[28] ; Dichter und Dichtung werden nicht vermengt. Aufgrund der Ausführlichkeit der verwendeten Textverweise und im Bemühen, den Lesefluss nicht zu behindern, sind die Fußnoten als Endnoten verfasst.

1. Verlust der Welt von Gestern, Angst vor der Welt von Morgen: Suizidbegünstigende Faktoren in Stefan Zweigs Leben

„Alles Vergangene wird für immer verloren sein und die Zukunft kann uns niemals das bringen, was uns einst beglückte.“[29]

Stefan Zweigs Motive zum Suizid lassen sich entlang der Zeitachse in drei Sinnabschnitte gliedern: Verluste der Vergangenheit, Ängste vor der Zukunft und Einflüsse in der Gegenwart. Diese Gliederung erlaubt die eindeutige Sublimierung aller suizidbegünstigenden Faktoren in Zweigs Leben in eine der drei Kategorien und ist damit ein präziseres System, als es in der gängigen Unterteilung in äußere und innere Faktoren besteht.

Die Kategorie Verluste behandelt jene Beweggründe zum Suizid, die aus dem unfreiwilligen Entbehren eines Zustands bestehen, den Stefan Zweig lange Jahre seines Lebens innehatte. Es sind dies die Verluste der Heimat, der gewohnten Sprachumgebung, der Aufgabe als Schriftsteller, der materiellen Unabhängigkeit und der Freunde. All diese Verlusterscheinungen begründen sich aus dem Aufenthalt Stefan Zweigs im Exil und sind maßgeblich an seinem Entscheid zum Suizid beteiligt. Es handelt sich dabei im weiteren Sinne um kollektive Erfahrungen des Exils, die das Gros der von den Nationalsozialisten exilierten Schriftsteller zu bewältigen hatte. Dementsprechend wird in dieser Kategorie auch auf die Verlusterfahrungen anderer Autoren eingegangen, um die häufig aparte Position Stefan Zweigs zu seinen Kollegen verorten zu können. Da auch Stefan Zweig nur verlieren kann, was er einst besessen hat, weist die Darstellung der Verluste in die Vergangenheit von Zweig und macht deutlich, wie weitreichend die Entbehrungen sind, die sein Gemüt belasten.

Die Kategorie Ängste verweist zeitlich in die entgegengesetzte Richtung. Als suizidbegünstigende Faktoren werden die Angst vor dem Sieg der Nationalsozialisten, die Angst vor dem Alter und die Angst um Lotte Zweigs Gesundheit dargestellt. Diese, sich auf die Zukunft beziehenden Ängste, sind keine direkte Folge des Aufenthalts im Exil, sondern gründen in Stefan Zweigs individuellem Charakter. Nachdem die Darstellung der Verluste zeigen wird, wie wenig lebenswert Stefan Zweig seine Gegenwart im Vergleich zu seiner Vergangenheit vorkommt, macht die Schilderung der Ängste deutlich, dass Stefan Zweig jede Hoffnung auf Besserung seiner Lebensumstände in der Zukunft verloren hat.

Die Kategorie Einflüsse behandelt abschließend die Gegenwart Stefan Zweigs in den letzten Wochen vor seinem Suizid und untersucht die Beschäftigungsfelder, denen er sich vorrangig gewidmet hat. Insbesondere die intensive Auseinandersetzung mit den Schriften de Montaignes beeinflusst Zweigs moralische Einstellung zum Suizid. Aber auch die Korrespondenz mit anderen Autoren, Leidensgenossen Zweigs im Exil, wirkt als suizidbegünstigender Faktor auf ihn ein.

Die Unterteilung der suizidbegünstigenden Faktoren in Stefan Zweigs Leben in die Kategorien Verluste, Ängste und Einflüsse weist schon darauf hin, dass der Entscheid zum Suizid als Resultat einer Bilanzierung angesehen werden kann. Die Werte der Vergangenheit sind für Zweig verloren, der Gedanke an die Zukunft erfüllt ihn mit Furcht und die Einflüsse der Gegenwart setzen die moralische Hemmschwelle für eine Selbsttötung herab. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, scheint der Freitod die einzige Alternative zu bieten, die einen langen Leidensweg zwischen unbewältigter Verlusterfahrung und Hoffnungslosigkeit erspart. Aber es sei ausdrücklich darauf hingewiesen: Diese Form der Bilanzierung der Lebensumstände mit dem Ergebnis, ein Suizid sei dem Weiterleben vorzuziehen, kann nicht verallgemeinert werden. Auch die Gesamtheit aller suizidbegünstigenden Faktoren, jenes Mosaiks von Beweggründen, führt nicht zwangsläufig zur Selbsttötung. Die Kenntnis der Faktoren macht den Suizid verständlicher und bewahrt den Kundigen vor einem voreiligen Urteil über Zweig, bzw. einer reflexhaften Verurteilung seiner Tat. Ein Automatismus zum Freitod liegt nicht zwingend vor (Siehe Kapitel 3.3). Viele Freunde, Bekannte und Kollegen von Stefan Zweig haben ähnliche, häufig auch schwerwiegendere Verluste hinnehmen müssen und, wie die Tagebucheinträge bestätigen, sank vielen von ihnen die Hoffnung auf eine lebenswertere Zukunft mit jeder Stunde im Exil. Dennoch haben sich die wenigsten von ihnen das Leben genommen. Die psychische Kondition des Exilierten ist ausschlaggebend für die erfolgreiche Verarbeitung der Begleitumstände des Exils. Und ebenso wird der Glaube an eine bessere Zukunft weniger von den äußeren Faktoren als mehr von der innerlichen Einstellung geprägt.

Bei Stefan Zweig steht ein Umstand seiner psychischen Struktur bezüglich der Verlustbewältigung und Zukunftsperspektive zuvorderst und dominiert seine innere Einstellung zum Suizid: die Depression. Schon vor dem Exil treten depressive Schübe intervallartig auf und erreichen des Öfteren eine pathologische Intensität, womit eine gewisse Neigung zur Selbsttötung einhergeht.[30] In der Verbannung verstärken sich die depressiven Tendenzen in Zweigs Charakter und schmälern seinen Lebenswillen bedrohlich. Die Depression Stefan Zweigs ist ein medizinischer Tatbestand, eine Krankheit, und nicht als Synonym für einen melancholischen Charakter fehl zu interpretieren. Ihre Bedeutung für den Entscheid Zweigs zum Suizid kann kaum überschätzt werden. Als suizidbegünstigender Faktor in Zweigs Leben besitzt die Depression einen Sonderstatus gegenüber Verlusten, Ängsten und Einflüssen; sie dominiert deren subjektive Gewichtung und wird dementsprechend in einem eigenen Kapitel behandelt (Siehe Kapitel: 2).

1.1. Verluste

„[…] die gute Kunst, Verlorenem nicht nachzutrauern, hat unsere Generation gründlich gelernt.“[31]

Im Jahre 1929 veröffentlicht Stefan Zweig die Biografie Joseph Fouchés,[32] in welcher er die Frage formuliert: „Hat schon jemand den Hymnus des Exils gedichtet, dieser schicksalsschöpferischen Macht, die im Sturz den Menschen erhöht, im harten Zwange der Einsamkeit neu und in anderer Ordnung die erschütterten Kräfte der Seele sammelt?“[33] Inmitten der Friedensperiode zwischen den Weltkriegen skizziert Zweig selbst einen solchen Hymnus. Das Exil sei eine harte Lehre, schreibt er, doch könne es dem starken Menschen eine Kräftigung verschaffen, denn „dem Weichlichen knetet es den Willen neu zusammen, den Zögernden macht es entschlossen, den Harten noch härter“[34]. Vier Jahre später hat sich Zweigs Ansicht im Vorgefühl, das Exil könne sein eigenes Schicksal werden, gewandelt. An Masereel schreibt er: „Ich habe die stärkste Abneigung, Emigrant zu werden und würde das nur im äußersten Notfall tun, denn ich weiß, daß alles Emigrantentum gefährlich ist.“[35] Und im Jahr 1941 kann Zweig schließlich bei der Niederschrift seiner autobiographisch ausgerichteten Epochendarstellung „Die Welt von Gestern“[36] auf seine eigene Exilerfahrung zurückblicken. Der glorifizierende Tonfall von einst ist einem resignierten gewichen: „Jede Form von Emigration verursacht an sich schon unvermeidlicherweise eine Art von Gleichgewichtsstörung […] man wird unsicherer, gegen sich selbst mißtrauischer. […] Etwas von der natürlichen Identität von meinem ursprünglichen und eigentlichen Ich blieb für immer zerstört.“[37]

Die Gleichgewichtsstörung, von der Zweig hier spricht, resultiert aus dem Umstand, dass dem Exilierten viel genommen und wenig gegeben wird. Nicht nur der Verlust materieller Güter ist zu beklagen, sondern auch der Verlust ideeller Werte: Heimat, Sprache, Funktion, Freunde. Und auch wenn Stefan Zweig in „Die Welt von Gestern“ rückblickend sagen kann: „Aber die gute Kunst, Verlorenem nicht nachzutrauern, hat unsere Generation gründlich gelernt“[38], so ist diese Aussage über Zweigs Generation nicht uneingeschränkt auf ihn selbst übertragbar. Insbesondere er – Sohn eines wohlhabenden Fabrikanten, finanziell stets gut versorgt, geschmeichelt vom frühen, kontinuierlichen Erfolg – hat in seinen Kindheits- und Jugendjahren nie Mangel leiden, nie um Dasein oder Anerkennung kämpfen und nie große Verluste hinnehmen müssen.[39] Vom Leben verwöhnt, hat gerade er nie lernen können, die schmerzlichen Entbehrungen des Exils zu verkraften.[40]

1.1.1. Verlust der Heimat

„Am Tage, da ich meinen Paß verlor, entdeckte ich mit 58 Jahren, daß man mit seiner Heimat mehr verliert als einen Fleck umgrenzter Erde.“[41]

Für das Gros der von den Nationalsozialisten vertriebenen Schriftsteller bedeutet der Verlust der Heimat eine andauernde seelische Erschütterung; es ist das größte Trauma des Exilierten. Die volle Bedeutung des abstrakten Begriffs „Heimat“ wird vielen Vertriebenen erst im Verlust offenbar. Die Heimat – das ist mehr als das Haus, das man zurücklässt und mehr als der Boden, den man aufgibt. Der Begriff bezeichnet auch ein Geflecht von Bezügen, mit denen der Mensch seine Verbundenheit mit der Umgebung umschreibt, in der die ersten sozialen Beziehungen geknüpft werden und seine Persönlichkeit die erste Prägung erhält. Die Heimat besteht aus einem geographisch einheitlich erlebten Raum, auf den auch alle Erinnerungen an die Kindheits- und Jugendjahre stets verweisen. So konnotiert der Ausdruck „Heimat“ ein ursprüngliches Gefühl von Zugehörigkeit und Sicherheit. Dem aus seiner Heimat Vertriebenen geht dieses Gefühl in der Regel verloren, deshalb nimmt es nicht Wunder, wenn der Heimatverlust mit dem Sterben assoziiert wird. Paul Zech, ein Brieffreund Zweigs, formuliert deutlich, was sich als Gedankengang in zahlreichen Tagebüchern und Briefen von Exilierten findet: „Jedwedem starb ein Stück von seinem Ich hinweg, als er das Land verließ.“[42] Klaus Mann spricht in diesem Zusammenhang von einer „Entwurzelungsneurose“[43], die den Verbannten jeglichen Lebenswillen schleichend zersetzt.

Aber können diese Aussagen auch für Stefan Zweig gelten? Kann er, der Kosmopolit, der in allen Städten der Welt zu Hause ist,[44] an einer Neurose der Entwurzelung erkranken? Ausgerechnet Zweig, der Weitgereiste, der 1935 noch seinem Tagebuch anvertraut: „Zwei Koffer, in einem die Garderobe, die irdische Notwendigkeit, in dem anderen Manuskripte, die geistige Bereitschaft und man ist überall zu Hause.“[45] Muss nicht gerade dieser stetig Reisende, der nicht nur Europa, sondern auch weite Teile Amerikas und Asiens erkundet hat,[46] die Fähigkeit, seine Heimat im Ort seiner Wahl zu sehen, im Übermaß besitzen?

Im Herbst 1941 notiert Zweig, während seines Aufenthaltes in Rio de Janeiro, in sein Tagebuch: „Ich kann mich mit dem Ich in meinem Reisepass nicht identifizieren – Emigrant aus ich-weiß-nicht-wo, Schriftsteller ohne Vaterland […] Nicht nur Pflanzen und Zähne vertragen es nicht, keine Wurzeln zu haben, den Menschen geht es nicht besser.“[47] Kurz vor seinem Suizid im Februar 1942 schreibt Zweig an Felix Braun: „Ich finde die Identität mit meinem Ich nicht mehr, nirgends hingehörig, nomadisch und dabei unfrei.“[48] In einem Brief an Jules Romain, ebenfalls im Februar 1942 verfasst, vergleicht sich Zweig mit einem Baum ohne Wurzeln, der zum Absterben verdammt sei.[49]

Das Nomadische seines Daseins lastet schwer auf Stefan Zweig, die kosmopolitische Gesinnung kann die Heimat nicht ersetzen. Doch stellt sich die Frage, warum der Entwurzelte keine neuen Wurzeln hat schlagen können, warum er glaubt, „überall Fremder und bestenfalls Gast“[50] zu sein, obwohl sein britischer Pass und seine Visa für Nordamerika und Brasilien ihm zahlreiche Möglichkeiten bieten, eine neue Heimat zu finden.[51] Um dieses Missverhältnis zwischen Zweigs subjektivem Gefühl, zum Nomadentum verurteilt zu sein, und seiner realen Möglichkeit, in einem Land seiner Wahl sesshaft zu werden, klären zu können, muss man sich zwei charakterliche Eigenschaften Zweigs bewusst machen. Zum einen ist die Fähigkeit, sich an neue Verhältnisse anzupassen, seine nicht,[52] zum anderen ist Zweig sein Leben lang von einer gewissen Rastlosigkeit beherrscht.[53]

Seine mangelnde Anpassungsfähigkeit scheint Zweig sogar mit Stolz zu erfüllen. Im Januar 1942 schreibt er an Zech: „Die Meisten versuchen, sich dem Amerikanischen total anzupassen, nehmen alles in Kauf [… während] in mir eine finstere Entschlossenheit ist, mich nicht mehr zu verändern sondern alles einzusetzen, um der zu bleiben, der ich war.“[54] Zweig gehört damit jener Gruppe von Exilierten an, die sich bewusst gegen eine Integration in die Kultur des Gastlands sträuben.[55] Andere Emigranten, wie etwa Alfred Kerr, Lion Feuchtwanger oder Carl Zuckmayer, plädieren vehement für die Anpassung an das Neue, um dem Aufenthalt im Exil frische Eindrücke und Impulse abgewinnen zu können.[56] Diese Gruppe von Emigranten kann den Schock der Verbannung aus der Heimat häufig erfolgreicher überwinden als die andere Fraktion, da es ihnen an Bereitschaft, mit allem Deutschen bzw. Österreichischen zu brechen, nicht mangelt.[57] Zweig fehlt diese Bereitschaft. Stets ist er bemüht, sich ein Stück der verlorenen Heimat zu bewahren, und wählt, diesem Bemühen folgend, seine Domizile im Exil auch nach dem Kriterium ihrer Ähnlichkeit mit seiner österreichischen Wohnstätte aus. Im Januar 1936 gestaltet Zweigs damalige Frau Frederike die gemietete Wohnung in London in dem Bemühen, sie möglichst exakt der Wohnstätte in Salzburg nachzubilden.[58] Das später bezogene Haus in Bath am Lyncombe Hill bietet eine Aussicht, wie Zweig sie vom Kapuzinerberg in Österreich stets genießen konnte.[59] Und von Zweigs letzter Wohnstätte in Petropolis schwärmt er im September 1941 in einem Brief an Frederike: „Petropolis ist ein kleiner Semmering, nur primitiver, so wie anno 1900 das Salzkammergut.“[60]

Der Versuch Zweigs, sich in der Fremde ein Stück Heimat zu bewahren und sich einer gänzlichen Assimilierung zu verweigern, zeigt auf, dass ihm keineswegs daran gelegen ist, sich von seinen österreichischen Wurzeln zu lösen. Den Verlust der Heimat kann Zweig mangels Anpassungsfähigkeit und -willen nicht kompensieren, wodurch ihm sein Leben im Exil entwurzelt und nomadisch vorkommen muss.

Die zweite charakterliche Eigenschaft, die in diesem Zusammenhang erwähnenswert ist, ist die Rastlosigkeit in Stefan Zweigs Leben. Seit seiner Jugend ist Zweig viel auf Reisen, erkundet Europa, Nord- und Südamerika, gelangt selbst bis nach Indien und Südchina.[61] Das Reisen ist Zweig Therapie, wenn er unter Depressionen leidet, ist ihm Entlohnung, wenn er eine Arbeit beendet und Inspiration, wenn er eine beginnt. Es dient ihm, sein seelisches Gleichgewicht zu wahren:[62] „Nur Ferne gewinnt dich dir selber zurück!“[63], schreibt Zweig in seinem Hymnus an die Reise. Mit dem Exil jedoch ändert sich Zweigs Betrachtungsweise bezüglich des Reisens. Von „ständigem Flüchten“ und „Gejagdsein“, von „ahasverisch wandern“ ist nun die Rede[64] und nicht mehr von der Freiheit des Reisens, die des Menschen Horizont erweitert und ihn reifen lässt.[65] Zweifelsohne erhält das Umherreisen eine völlig neue Bedeutung, wenn man nicht mehr nach Hause zurückkehren kann. Ohne „einen stabilen Punkt, von dem aus man wandert, und zu dem man immer wieder zurückkehrt“[66] wird das Reisen zu jenem unfreien Nomadentum, als welches Zweig seine Wanderungen im Exil betrachtet.[67] Die Rastlosigkeit Zweigs, die ihn seit der Jugend immer wieder zu kurzen und längeren Auslandsaufenthalten getrieben hat, ist entgegen der Erwartung keine charakterliche Eigenschaft, die über den Verlust der Heimat hinweghilft. Das Gegenteil ist der Fall. Der gelegentliche Wunsch Zweigs nach Raumveränderung und neuen Eindrücken kann im Exil nicht mehr befriedigt werden, weil ihr Wert in der Möglichkeit des Heimkehrens gründet.

Heimat bedeutet für Zweig in erster Linie Österreich. In „Die Welt von Gestern“ bezeichnet sich Zweig vorrangig als Österreicher, erst dann als „Jude, Schriftsteller, Humanist, und Pazifist“[68]. Auch Frederike Zweig kann in ihrer Rückschau deutlich sagen: „Haus und Heimat, das hieß nicht Bath, nicht England, das hieß Österreich.“[69] Doch haben die langen Jahre des Reisens und seine vielfältigen Bekanntschaften mit Literaten in Deutschland, Frankreich, Niederlande etc. Stefan Zweig eine zweite, eine geistige Heimat erschaffen.[70] „His spiritual homeland, his religion, was called Europe.“[71] Im Jahre von Zweigs Suizid, 1942, befindet sich faktisch ganz Europa unterm Hakenkreuz. So muss sich Zweig nicht nur aus den räumlichen, sondern auch aus den geistigen Grenzen seiner Heimatwelt verbannt sehen.[72]

Die These Richard Friedenthals, Zweig sei allein am Heimweh zugrunde gegangen,[73] kann den Suizid sicherlich nicht erschöpfend erklären, jedoch ist das Heimweh nach dem Österreich und dem Europa von Gestern ein gewichtiger suizidbegünstigender Faktor in Stefan Zweigs Leben. Der Wunsch nach der Heimat, gepaart mit dem Wissen, dass es diese nicht mehr gibt, schmälert den Mut, den es zum Weiterleben bedarf. So bleibt Zweig nur die Hoffnung posthum, denn der „Tod“, schreibt er in seinem Abschiedsbrief an René Fülöp-Miller „ist das große Heimkehren“[74].

1.1.2. Verlust der Sprache

„Unser Wort wird nicht mehr verstanden werden – in keiner Sprache.“[75]

Der Verlust der Heimat bedingt eine Folgeerscheinung, die sich nicht als geographischer, kultureller oder sozialer Verlust fassen lässt und das alltägliche Leben wie auch das schriftstellerische Tun des Exilierten von Grund auf erschüttert. Es ist der Verlust der gewohnten Sprachumgebung. Nahezu alle von den Nationalsozialisten vertriebenen Literaten müssen sich in einem nicht-deutschsprachigen Gastland akklimatisieren.[76] Nur die wenigsten der exilierten Schriftsteller vollziehen eine radikale Abkehr von ihrer Muttersprache und wagen den Versuch, in der Fremdsprache heimisch zu werden.[77] Die meisten bemühen sich nach Kräften, „verzweifelt an der deutschen Sprache festzuhalten“[78]. Die Gründe dafür sind vielseitig. Zum einen liegt eine politische Motivation vor, nämlich die Sprache des nicht-faschistischen, nicht-gleichgeschalteten Deutschland am Leben zu halten.[79] „Intra muros et extra“ sei die deutsche Sprache gefährdet, mahnt Ernst Bloch, „in Deutschland droht sie zu ersticken, im Ausland zu erfrieren“[80]. Dem Appell, das andere Deutschland nicht nur ideologisch, sondern auch sprachlich zu repräsentieren, wird allgemein bereitwillig Folge geleistet.

Dabei dürfte der wahre Grund für die Fixierung auf die deutsche Sprache eher psychologischer Natur sein. Man muss sich die Situation des exilierten Schriftstellers in seinem Gastland bewusst machen: Schuldlos in die Fremde getrieben, unfreiwillig der Heimat verbannt, erfährt die Muttersprache eine wesentlich bewusstere Wertschätzung, denn sie ist das einzige „Gerät […] mit dessen Hilfe sie [die Exilierten] sich, wenn auch nicht vor dem physischen Untergang, so doch vor dem letzten Herunterkommen bewahren konnten; und das einzige unraubbare Gut, das einzige Stück Zuhause, das sie, wenn sie es verteidigten, selbst im Zustande restloser Entwürdigung noch beherrschten, das einzige, das (wenn auch nur ihnen selbst) bezeugte, wo sie hingehörten“[81]. Der aktive Erhalt der Muttersprache dient so der psychologischen Festigung in der Verbannung.[82]

Problematisch ist dies, weil die erhöhte Wertschätzung der Muttersprache unter den Bedingungen des Exils zu einem Dilemma führt. Der Integrationsdruck auf die Exilierten fordert nämlich gerade ein Abrücken von der eigenen Sprache. Sei es, dass die Regierung des Gastlandes den Gebrauch der deutschen Sprache in der Öffentlichkeit bei Strafe untersagt,[83] sei es, dass finanzielle Not den Schriftsteller dazu zwingt, in der Landessprache zu schreiben: Das Erlernen der Fremdsprache ist unabdingbare Bedingung für eine erfolgreiche Integration. Für den erwachsenen Menschen ist die Aneignung einer fremden Sprache ein mühevoller und jahrezerrender Prozess, und wenn es schließlich gelingt, so reichen die erworbenen Kenntnisse häufig nicht, die neue Sprache auch literarisch verarbeiten zu können.[84] Indes sinkt während des Lernprozesses mangels Übung das Sprachniveau in der Muttersprache.[85] Mit verheerenden Folgen für den Sprecher, der in eine Form des „Stammelns“ verfällt: „Und Stammler sind viele von uns geworden, Stammler sogar in beiden Sprachen: denn während wir unser Französisch, Englisch oder Spanisch noch nicht gelernt hatten, begann unser Deutsch bereits Stück für Stück abzubröckeln, und zumeist so heimlich und allmählich, daß wir von dem Verlust wenig bemerkten.“[86] Diese Primitivierung der Sprache wirkt sich wiederum auf Denken und Fühlen des inferior Sprechenden aus, denn „wie man sich ausdrückt, so wird man. Unterscheidungen, die wir als Sprechende nicht machen können (nicht mehr oder noch nicht), die spielen bald auch für uns als sinnliche oder moralische Wesen keine Rolle mehr“[87]. Diese Entwicklung gefährdet insbesondere die Schriftsteller, deren Arbeitswerkzeug im Exil zusehends stumpfer wird ohne dass ein gleichwertiger Ersatz beschafft werden könnte.

Der Sprachverlust und die Schwierigkeiten, sich eine neue Sprache anzueignen, sind häufig wiederkehrende Motive in der Literatur des Exils, insbesondere in der Lyrik.[88] Auch in den autobiographischen Aufzeichnungen exilierter Schriftsteller finden sich zahlreiche Passagen, in denen die zerbrechende Sprachexistenz beklagt wird.[89] Der Ausdruck „Emigranto“ für die restringierte Sprechweise der Flüchtlinge war allgemein gebräuchlich.[90]

Dementsprechend ist es bemerkenswert, dass Stefan Zweig diesem Themenfeld wenig Beachtung zukommen lässt. Weder beklagt er eine schrittweise Degeneration der eigenen Sprache, noch berichtet er von sonderlichen Schwierigkeiten, eine fremde Sprache zu erlernen. Worin mag dieser Umstand gründen, der Zweig von dem Gros seiner Kollegen unterscheidet? Zum einen hat Stefan Zweig bereits in der Schule Englisch, Französisch und Italienisch passabel in Wort und Schrift zu gebrauchen gelernt,[91] zum anderen herrscht in seinem Elternhaus eine betont sprachlich kultivierte Atmosphäre.[92] In Amerika hält Zweig im Januar und Februar 1939 in fünfzehn Städten Vorlesungen, die wie selbstverständlich in englischer Sprache stattfinden.[93] In Rio de Janeiro präsentiert er ein Jahr später Vorträge in französischer und, zur Überraschung der Anwesenden, auch in spanischer Sprache.[94] Das in Brasilien gesprochene Portugiesisch zu erlernen, fällt Zweig nach eigener Aussage nicht sonderlich schwer.[95] Hinzu kommt ein äußerst reger, schon in jungen Jahren kultivierter, Briefverkehr, der in Englisch, Französisch und Deutsch stattfindet. Des Weiteren verhindern die in der Frühphase des Exils unternommenen Reisen und der Kontakt mit andere Exilierten eine sprachliche Isolation. Zweig hält an seiner Muttersprache wahrlich nicht aus dem politischen Grund der Repräsentation des anderen Deutschlands fest, sondern vor allem, weil er es sich leisten kann. Seine im Exil entstandenen Werke[96] finden ebenso leicht Verleger wie Absatz. Das Kuriosum dabei ist, dass Zweig in einer Sprache schreibt, für die es kaum mehr Leser gibt, denn im Deutschen Reich sind seine Werke verboten. Dementsprechend klagt Zweig bezüglich des Sprachproblems auch mehr über wirtschaftliche Probleme, denn über existenzielle. Spätestens mit Beginn des Krieges gibt es eine deutsche Leserschaft nur noch in der Schweiz und unter deutschsprachigen Emigranten, was finanziell nicht viel einbringt.[97] Jedoch erscheinen seine Werke in vielfältiger Übersetzung,[98] was den Zufluss von Tantiemen dauerhaft sicherstellt.

Der Verlust der Sprache trifft Stefan Zweig am stärksten in seinem künstlerischen Selbstverständnis. Die Übersetzung seiner Werke in fremde Sprachen bezeichnet Zweig etwas abwertend als „Nachdichtungen“[99]. Selbst in der besten Übersetzung könne die Feinheit der Wortwahl, der Rhythmus des Klangs, der ganze Stil, nicht bewahrt werden, so dass eine Übertragung immer „in verdünntem, verändertem Medium das geschaffene Wort zur Erscheinung“ [100] bringe. Die Entstellung seiner Werke, verursacht durch den Verlust des deutschsprachigen Publikums, belastet Zweig[101] und mag ihm den Glauben einimpfen, als Schriftsteller an Bedeutsamkeit verloren zu haben (Vergleiche Kapitel 1.1.3). Unter diesem Aspekt betrachtet, kann der Verlust der Sprache den Suizid begünstigt haben. Auch das Wissen, dass ihm Österreich, die Welt seiner Sprache, wie es Zweig in seiner Abschiederklärung Declaração bezeichnet,[102] unwiederbringlich verloren ist, deutet an, dass ihm der Verlust einer deutschsprachigen Umgebung eine schwere Bürde ist. Dennoch ist der Sprachverlust Stefan Zweigs im Vergleich zu anderen Autoren eher gering zu bewerten; auch nimmt das Thema wenig Raum in Zweigs autobiographischem Zeugnis oder seinen Briefen ein. Die These, Zweig sei am Sprachverlust und am Zwang, nur in sprachlicher Verkleidung an die Öffentlichkeit treten zu können, zu Grunde gegangen, wie sie Alfred Polgar im Nachruf bereits 1942[103] und Abrahao Koogan in einem Vortrag 1992[104], vertritt, bzw. andeutet, ist nicht haltbar. Sicherlich aber stellt der Verlust der Sprache ein kleines Fragment jenes großen Mosaiks dar, aus dem Stefan Zweigs Entscheid zum Suizid resultiert.

1.1.3. Verlust der Aufgabe

„What can we do with our pen?“[105]

„Ein Schriftsteller von Beruf und berufen dazu“, schreibt Paul Zech, „ist ein viereckiges Rad, wenn die Zeitungen und Buchverleger sich ihm versperren.“[106] In die Rolle eines funktionslosen Rades sehen sich viele Schriftsteller im Exil gedrängt. Wer nicht beachtlichen welt- oder zumindest europaweiten Ruhm erlangen konnte, bevor die Nationalsozialisten jede Publikation im deutschsprachigen Raum unmöglich machten, verliert als Schriftsteller sein Publikum und damit auch seine vorrangige Aufgabe.[107] Wer nicht gelesen wird, schreibt nur für sich. Das Selbstverständnis des Schriftstellers im Exil gerät so in eine schwere Krise. Hinzu kommt, dass der Literat mit seinem Leserkreis häufig auch das Zentrum seiner wirtschaftlichen Existenz verliert.[108] Insbesondere in den ersten Jahren des Exils steht so das wirtschaftliche Überleben im Vordergrund von Denken und Handeln.[109] Auch ist es der schriftstellerischen Tätigkeit nicht gerade zuträglich, „ständig den Aufenthaltsort zu wechseln und auf Schritt und Tritt bürokratischen Weisungen unterworfen zu sein“[110]. Lion Feuchtwanger stellt in diesem Zusammenhang fest, dass ihn das Überwinden bürokratischer Hürden ebensoviel Zeit gekostet hat, wie das Schreiben eines Romans.[111] Ebenfalls darf man die psychologische Belastung nicht unterschätzen, die entsteht, wenn man bar jeder finanziellen Mittel, um Aufenthaltsgenehmigungen ringend, nicht weiß, wie man die nächste Woche, den nächsten Tag überdauern soll.[112] Der Literat, der vor seiner Verbannung Auskommen und Aufgabe besaß, verliert beides mit dem Exil und ist genötigt, seine einst künstlerisch schöpferische Berufung gegen den Versuch einzutauschen, das bloße Überleben sicherzustellen.

Trotz dieser immensen Alltagsprobleme entstehen zahlreiche Zeitschriften und andere Publikationsorgane im Exil, die vielen Schriftstellern wieder ein Forum, wenn auch kein ausreichendes Einkommen bieten.[113] Über die Publikationen der Zeitschriften findet eine rege Debatte um die Aufgaben der Exilsliteratur statt. Eine einheitliche Meinung gibt es dabei nicht, das Spektrum der Ansichten ist weit gefächert. Als einziges Credo ließe sich allenfalls ein gewisser „Zwang zur Politik“[114] feststellen, der die Schriftsteller dazu bewegen solle, die Welt vor dem Dritten Reich zu warnen, das andere Deutschland zu repräsentieren und die Tradition des deutschen, präfaschistischen Geistes auch in der Fremde zu bewahren.[115] Diesem Appell Folge zu leisten kann dem exilierten Schriftsteller eine sinnspendende Aufgabe sein. Grundsätzlich kann man feststellen, dass ein Autor eine sinnvolle Aufgabe in seiner literarischen Tätigkeit umso mehr sieht, je verhafteter er mit einer politischen Ideologie ist. Dementsprechend sind gerade marxistisch ausgerichtete Literaten im Exil weitgehend immun gegen die Gefahr, keinen Sinn in ihrem künstlerischen Tun zu sehen.[116]

Stefan Zweig bezeichnet sich selbst als vollkommen apolitischen Menschen, dem jede staatsmännische Tätigkeit zuwider sei.[117] In Ermangelung einer politischen Mission wird ihm seine eigene Literatur suspekt. „What can we do with our pen?“, fragt er im Juni 1941 in einem Brief an Victor Fleischer, „All is said, everybody knows everything, since the greatest Criminal on earth acts quite openly and without the slightest touch of shame.”[118] Zweig, obwohl seine Bücher weltweit Absatz finden, sieht nicht nur sein bisheriges Schaffen, sondern die Berechtigung eines literarischen Kunstwerks überhaupt durch die politische Situation in Frage gestellt.[119] „I no longer possessed the courage to deal with privat psychological facts, every ´story` appeared to me totally irrelevant when seen in contrast to history.”[120] Diese Attitüde Zweigs ist besonders vernichtend für sein psychisches Wohlbefinden, weil sie die ganze Literatur betrifft und nicht nur bestimmte Themenkomplexe. Auch ist sie nicht Folge der Erfahrung eines langjährigen Exils, sondern manifestiert sich bereits früh. 1938 schreibt er: „Man ist fassungslos über die Ohnmacht, die man plötzlich bei sich entdecken muss: nichts tun zu können. Selbst wenn uns Engelszungen gegeben wären [...] unser Wort fände nicht mehr das Ohr derer, die es angeht und die noch der Vernunft zugänglich sind.“[121] Diese von Zweig sehr häufig betonte Einstellung gegenüber der Literatur im Allgemeinen[122] gründet nicht alleine in seinem Charakter, sondern wird auch genährt durch hunderte von Briefen, die ihn während seines Exils erreichen. Kurz vor Ausbruch des Krieges schreibt er an Felix Braun: „[…] wenn Du diese Schicksale, die aus den Briefen aufschreien, lesen würdest, käme Dir unser ganzes Dichten entsetzlich phantasielos vor! […] Daß Schreiben immer unnützer wird […] macht einen verzweifelt. […] ich bitte Dich, laß Dich nicht vom falschen Wahn betören, daß man in dieser Verwirrung macht, wichtig wäre für die deutsche Literatur, wichtig ist jetzt vor allem, Existenzen zu retten, sogar sich selber.“[123]

Diese letzte Aussage ist kein reines Lippenbekenntnis. Das Retten von Existenzen, die aktive Hilfe für Flüchtlinge, erhebt Zweig zur vorherrschenden Aufgabe seiner Exilsjahre. Einige in Not geratene Kollegen unterstützt Zweig mit einem regelmäßigen finanziellen Zuschuss,[124] anderen lässt er eine einmalige Summe zukommen.[125] Auch bemüht sich Zweig in Brasilien, Mexiko und den USA um die Bereitstellung von Visa für Intellektuelle, denen eine Flucht aus Europa aus bürokratischen Gründen nicht möglich ist.[126] Eine Zeit lang kann die Beschaffung und Verteilung von Affidavits, Permits und Reisegeldern Zweig über die Einsicht in die Nutzlosigkeit literarischer Arbeit hinwegtrösten. Die Hälfte seiner Zeit opfere er diesem Zweck, behauptet Zweig, und fügt hinzu, er sei „vormals Schriftsteller, nun Experte in Visen“[127].

Auf lange Sicht vermag ihn diese Aufgabe aber nicht zu befriedigen. Zum einen ist Zweig charakterlich derart gefügt, dass ihn der nicht endende Strom von Bittbriefen, die alle mit der Schilderung erschütternder Schicksale einhergehen, zutiefst deprimiert,[128] zum anderen ist Zweig die eigene Literatur stets mehr gewesen, als eine lukrative Einkommensquelle. Wie es in Zweigs Abschiedsbrief heißt, ist ihm „geistige Arbeit immer die lauterste Freude“[129] gewesen. In den Anfangsmonaten des Exils ist sie ihm Trost und Zuflucht,[130] mehr noch, das „Opium der Arbeit“[131] fungiert als Antidepressivum, die eigenen Werke seien ihm kostbar wie eigene Kinder, schreibt Zweig.[132] Jedoch, mit zunehmender Zeit in der Verbannung verliert das Opiat Arbeit seine Wirkung, die depressiven Phasen folgen schneller aufeinander, dauern länger an.[133] Das Gefühl, nutzlos zu sein in einer Welt, in der sich das Hakenkreuz mehr und mehr ausbreitet, wird überwältigend. Zweig sieht sich nicht mehr in der Lage, dichterisch zeugen zu können, lediglich „Zeugenschaft leisten im Dienst des Dokumentarischen“[134], womit die Niederschrift der „Welt von Gestern“ gemeint ist, sei ihm noch möglich. Dies entspricht zwar keineswegs den Tatsachen, denn Zweig schreibt nach Beendigung seiner Autobiographie noch die qualitativ hochwertige Schachnovelle, zeugt aber von der Gemütslage des Dichters im Jahr 1942. Gravierend auf Zweigs Stimmung wirkt sich auch der Glaube aus, der Verlust der Aufgabe als Schriftsteller sei unumkehrbar. Ein knappes Jahr vor seinem Suizid gesteht er Carl Zuckmayer: „Die Welt, die wir geliebt haben, ist unwiederbringlich dahin. Und zu dem, was später kommt, können wir nichts mehr beitragen. Unser Wort wird nicht mehr verstanden werden – in keiner Sprache. […] Wir haben keine Gegenwart und keine Zukunft.“[135]

In all den Jahren im Exil kommt es Zweig niemals in den Sinn, seine künstlerische Begabung in den Dienst politischer Aufklärung zu stellen. Jede Form der öffentlichen Äußerung zu politischen Geschehnissen wird von Zweig tunlichst vermieden; nicht immer zum Wohlwollen seiner Kollegen. Die Einladung zur Teilnahme am PEN-Kongress in Dubrovnik kurz nach der Bücherverbrennung in Deutschland schlägt Zweig aus, um sich einer eindeutigen Stellungsnahme gegen den Nationalsozialismus zu entziehen. Auch auf einer Pressekonferenz in New York 1935 weigert er sich, gegen das Hitler-Regime Position zu beziehen. Und selbst noch 1938 betont Zweig in einem Artikel zur Stellung der Juden in der Politik, dass sich nur „in besonderer Zurückhaltung die moralische Stärke [zeige]“[136]. Ein literarisches Engagement in politischer Mission kann Zweig keine neue Aufgabe sein. Besonders eindeutig wird dies im Zusammenhang mit der von Klaus Mann redigierten Exilzeitschrift „Die Sammlung“, der Zweig die zugesicherte Mitarbeit augenblicklich aufkündigt, als er erfährt, dass sich das Blatt offen gegen den Nationalsozialismus ausspricht.[137]

Der These Rosi Cohens, dass der Verlust der Aufgabe als Schriftsteller, bedingt durch die Erkenntnis, alle Literatur sei irrelevant geworden, Zweig „den Boden unter den Füßen raubte“[138] und so den Entscheid zum Suizid stärker begünstigt, als andere Gründe, ist in sich schlüssig und durch die zahlreichen diesbezüglichen Aussagen Zweigs gestützt. Stefan Zweig verliert mit dem Glauben an sein Werk und die Bedeutung der Literatur im Allgemeinen, mit dem Verlust einer sinnspendenden Aufgabe im Leben, die Rechtfertigung der eigenen Existenz. Eine neue, gleichwertige Lebensaufgabe kann er nicht für sich ausfindig machen. Möchte man den Verlust der Aufgabe als Schriftsteller in jenem Mosaik von Beweggründen verorten, die den Suizid Zweigs begünstigen, so tut man gut daran, ihn ins Zentrum zu setzen, von wo aus er alle anderen möglichen Gründe zwar nicht hinfällig macht, jedoch an Bedeutsamkeit überragt.

1.1.4. Verlust der materiellen Unabhängigkeit

„Ich bin gefeiert gewesen und geächtet, frei und unfrei, arm und reich.“[139]

Kategorisiert man die mit dem Exil verbundenen Verlusterfahrungen anhand des Gegensatzpaares materiell – ideell, so fällt auf, dass die bisher behandelten Entbehrungen überwiegend der letzteren Gruppe zugehörig zu rechnen sind. Der Verlust der gewohnten Sprachumgebung, der Heimat und auch der Aufgabe geht im Regelfall aber mit dem Verlust der materiellen Unabhängigkeit einher. Dies ist ein Aspekt des Exils, der auch im Kontext dieser auf Stefan Zweig ausgerichteten Arbeit nicht übergangen werden darf. Die schlichte Sorge um das tägliche Brot dominiert den Alltag des Gros der verbannten Schriftsteller. Nur jene Autoren, die vor der Emigration zu den besserverdienenden gehört haben, können ihren früheren Lebensstandart auch im Exil halten.[140]

Man darf den Verlust der materiellen Unabhängigkeit nicht gleichsetzen mit dem Verlust materieller Güter. Das Abhandenkommen der finanziellen Eigenständigkeit ist schwerwiegender, weil dauerhafter, als ein einmaliger Verlust. Mit Beginn seiner Verbannung gerät der exilierte Schriftsteller in einen Teufelskreis, der ihm die Sicherung eines finanziellen Einkommens auf Dauer massiv erschwert. Für den allgemeinen Fall lässt sich das Dilemma in etwa wie folgt beschreiben:

Der Emigrant besitzt bei Einreise in ein Gastland meist nur geringe oder überhaupt keine nennenswerten Gelder oder Güter.[141] Die Bevölkerung des Gastlands und die dortigen Behörden sind in der Regel von starkem Misstrauen gegenüber den Flüchtlingen geprägt, sei es aus politischen (Stichwort: Appeasement), sei es aus ökonomischen (Stichwort: Sorge um den eigenen Arbeitsplatz) oder sonstigen psychologischen Motiven.[142] Dieses Misstrauen in Verbindung mit dem juristisch strittigen Status der Emigranten bedingt ihre Deklassierung nicht nur auf sozialem, sondern auch auf ökonomischem Sektor. Denn ein Recht auf Arbeit wird nur jenen gewährt, die eine Arbeitserlaubnis vorweisen können. Diese wiederum erhält nur, wer auch eine Aufenthaltsgenehmigung sein Eigen nennt. Und eine Aufenthaltsgenehmigung kostet, variierend von Land zu Land, eine größere Summe Geld. Geld, das nicht erwirtschaftet werden darf, weil – und hier schließt sich der Kreis – keine Arbeitserlaubnis vorliegt.[143] Die geringen Einkünfte aus Spenden oder der literarischen Tätigkeit im Rahmen von Exilsverlagen reichen bestenfalls aus, eine Wohnung und Lebensmittel zu erwerben. Schwarzarbeit ist bei strengster Strafe, sofortiger Ausweisung, verboten. Günter Anders formuliert diesen Konflikt pointiert mit den Worten: „Offiziell gefordert waren Zahlungen von Beträgen, deren Erwerb ebenso offiziell untersagt war […]“[144]

Die Konsequenz dieser bürokratischen Schikane ist die faktische Unmöglichkeit, im Gastland einen wirtschaftlichen Neubeginn unternehmen zu können.[145] Für viele Schriftsteller im Exil ist schon der Erwerb des Existenzminimums ein alltäglicher Kampf.[146] Es stellt sich die Frage, ob dieser Regelfall der Exilerfahrung auch für Stefan Zweig, den seit jeher Gutbetuchten, Gültigkeit hat. Die Antwort ist ein klares Nein. Stefan Zweig ist die gesamte Dauer seines Exils über nicht nur in der Lage, Wohnung und Nahrungserwerb gesichert zu wissen, sondern auch ein größeres Absinken seines Lebensstandards zu verhindern. Im Februar 1934 verlässt er Österreich und bezieht eine Mietwohnung in London.[147] Ende September 1939 kauft er ein Haus in Bath.[148] Zu diesem Zeitpunkt des Exils, mit Beginn des Krieges, befindet sich Zweig im Zustand völliger finanzieller Sicherheit. Der anhaltende, weltweite Erfolg seiner Bücher garantiert regelmäßige Tantiemen[149], und die materiellen Güter, die Zweig ständig mit sich führt, insbesondere kostbare Autographen aus seiner umfangreichen Sammlung und nicht minder wertvolle Handzeichnungen Rembrandts, fungieren als Wertpapiere und könnten an fast jedem Punkt der Erde versilbert werden.[150] Armut und Existenznot bedrohen Zweig zu keinem Zeitpunkt seines Exils. Abrahão Koogan, Zweigs Freund zu Lebzeiten und sein Nachlassverwalter postmortem, bezeichnet Zweig als „sehr reich“[151]. Halb schelmisch, halb anerkennend nennen Freunde ihn auch „den Erwerbszweig“[152].

Dennoch muss der Vollständigkeit halber erwähnt werden, dass Stefan Zweig durch die deutsche Praktik der Konfiszierung jüdischen Vermögens gewaltige Verluste entstehen. Zum einen wird die vom Vater in Teilen ererbte Firma enteignet, zum anderen der Erlös vom Verkauf des Salzburger Hauses nur anteilig überwiesen. Nach dem Anschluss Österreichs ist Zweig gezwungen, auf seine in Salzburg verbliebenen Vermögenswerte nach der so genannten „Judenvermögensabgabe“ 20 % Steuern zu zahlen. Zumindest einen Teil der verbleibenden ca. 200.000 Reichsmark, die sich aus Anteilen am Haus der Eltern, Wertpapieren, Geldern auf diversen Verlagskonten etc errechnen, kann Zweig trotz strenger Devisenvorschriften nach England hinüberretten.[153] Weit mehr als der rein finanzielle Verlust belastet Stefan Zweig der Verlust materieller Güter wie etwa seiner Bibliothek, die stolze 10.000 Bände und eine reiche Sammlung von Originalhandschriften umfasst.[154] Auch Manuskripte und Notizen für künftig zu schreibende Biographien verbleiben unerreichbar für Zweig in Österreich.[155] Für einen Schriftsteller bedeutet ein solcher Verlust auch ein Absinken der materiellen Unabhängigkeit. Immer wieder beklagt Zweig den Mangel an Büchern und den Verlust seiner Bibliothek, in der er sich sicher zu bewegen wusste. „Es ist schrecklich, ohne Bücher zu leben“[156], schreibt er wenige Monate vor seinem Tod an den Freund Guido Fuchs. Gerade in seinem Domizil in Brasilien leidet Zweig schwer an dem mangelnden Zugang zu umfangreichen Bibliotheken. An Paul Zech schreibt er Ende 1941: „Was fehlt, sind Bücher […] Wo immer ich etwas versuche, fehlt mir eine kleine oder große Dokumentierung.“[157] So sei er auf Erinnerungen und Zufälliges angewiesen, klagt Zweig weiter, und fürchte, nach einiger Zeit den richtigen literarischen Weltblick einzubüßen.[158]

Die Klage ist verständlich für einen schöpferischen Geist wie Zweig. Weniger verständlich dagegen und kaum erklärbar sind Aussagen Zweigs, die darauf schließen lassen, dass er sich in seinen letzten Lebensjahren zeitweise für arm oder zumindest finanziell stark eingeschränkt hält.[159] Thomas Haenel, psychologischer Biograph Zweigs, interpretiert diesen Umstand als Symptom von Zweigs Depression und klassifiziert ihn als depressive Wahnidee, deren Ursprung in Zweigs Kindheit und dem von übermäßigem Reichtum gezeichneten Elternhaus zu verorten sei.[160]

Es ist schwer festzustellen, inwieweit der Verlust der materiellen Unabhängigkeit, der sich im Falle Zweigs in erster Linie auf mangelnden Zugang zu Büchern und die Wahnidee drohender Armut begrenzt, die Entscheidung zum Suizid begünstigt hat. Realistischerweise muss man annehmen, dass dieser Faktor, der für viele von Zweigs Kollegen im Vergleich mit anderen Verlusterfahrungen der vorherrschendste, greifbarste und alltäglichste war, bei Zweig in den Hintergrund tritt. Das Gefühl finanzieller Eingeschränktheit mag Zweig als Symptom der Depression zeitweise ergriffen haben, kann jedoch bezüglich der Intensität nicht mit anderen Symptomen der Depression, von denen noch die Rede sein wird, konkurrieren (Siehe Kapitel 2.4). So ist der Verlust der materiellen Unabhängigkeit, ohnehin nur äußerst begrenzt auf Zweig anwendbar, der geringste der suizidbegünstigenden Faktoren in seinem Leben. Dementsprechend ist es auch nicht überraschend, dass diesem weder in den Nachrufen noch in Biografien oder sonstigen Publikationen zum Suizid Zweigs ein hoher Stellenwert eingeräumt wird, auch wenn er der Erwähnung für wert erachtet wird.

1.1.5. Verlust der Freunde

„Was fehlt sind Bücher und Freunde.“[161]

Die Diaspora der deutschsprachigen literarischen Intelligenz streut ihre Mitglieder über den ganzen Erdball. Sie finden ihre Exilländer in Nord- und Südamerika, in der Sowjetunion, den skandinavischen Ländern und der Schweiz, gelangen aber auch bis nach Südostasien, Australien oder Neuseeland.[162] Der Auswanderungsort ist häufig mehr vom Zufall als von Absicht bestimmt, denn auf der Flucht vor den Nationalsozialisten ist erst einmal jedes Auswanderschiff recht, dessen Zielort jenseits des Zugriffs von Wehrmacht und Gestapo liegt. Ein geistiges Leben der deutschen Emigration indes kann sich nur dort bilden, wo die politische Situation es zulässt und ausreichend Flüchtlinge hingelangen, etwa in London oder New York. Stefan Zweig befindet sich ab 1934 in London und zumindest zeitweise 1938 und 1940/41 in New York.[163] Die Möglichkeit, dort regelmäßig mit Freunden und Bekannten aus dem Literaturbetrieb zusammenzutreffen, ist gegeben. Auch stehen Zweig im Gegensatz zu den meisten anderen Exilierten die Finanzmittel zur Verfügung, jede räumliche Distanz zu überwinden, um Freunden einen Besuch abzustatten. Und an Freunden hat Stefan Zweig keinen Mangel. Zu Beginn des Krieges steht er in freundschaftlichem Kontakt mit Menschen überall auf der Welt, darunter klangvolle Namen wie Romain Rolland, Hermann Hesse, Franz Werfel, Sigmund Freud, Carl Zuckmayer und viele andere.[164] Freundschaften zu pflegen sei ihm eine innere Pflicht, schreibt Zweig 1937 an Frederike[165] und bestätigt damit, was ihm Romain Rolland bereits 1919 attestiert: „Stefan Zweig – Freundschaft ist seine Religion“[166]. Hermann Hesse nennt Zweig gar einen „Meister der Freundschaft“[167], der sich nirgendwo auf der Welt allein zu fühlen braucht.

[...]


[1] Matuschek, Oliver: Stefan Zweig. Drei Leben – eine Biographie. Fischer-Verlag. Frankfurt am Main 2006. (fortan: Matuschek) Seite 9f. Später wird Zweig den zunächst angedachten Titel „My Three Lives“ verwerfen und das Werk „Die Welt von Gestern“ nennen.

[2] Gerngroß publiziert den Artikel „Drei Leben“ 1940 in der Emigrantenzeitschrift „Aufbau“. Siehe Matuschek S. 10

[3] Stand: Mai 2008.

[4] Stefan Zweig bezeichnet die geschichtliche Epoche, in die seine Jugend fällt, als „Welt der Sicherheit“, wobei der Beginn des Ersten Weltkrieges für ihn sowohl eine markante geschichtliche wie auch eine persönliche Zäsur darstellt. Vgl. Zweig, Stefan: Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers. Gesammelte Werke in Einzelbänden, Band 11. Fischer-Verlag³. Hamburg 1990. (fortan WvG) S. 14ff

[5] Matuschek S. 10

[6] Matuschek S. 268; Am 18.02.1934 wird Zweigs Salzburger Wohnung von der Polizei nach Waffen durchsucht; eine reine Schikanemaßnahme, die Zweig dazu bewegt, nach London überzusiedeln. Den 18.02.1934 sieht Matuschek als Beginn von Zweigs „drittem Leben“, das nunmehr das eines Exilanten sei.

[7] Aussage Hugo O. Gerngroß in „Drei Leben“; zitiert nach Matuschek S. 10

[8] Vgl. Zweigs Werkregister in Haenel, Thomas: Stefan Zweig. Psychologe aus Leidenschaft. Leben und Werk aus der Sicht eines Psychiaters. Droste Verlag. Düsseldorf 1995. (fortan: Haenel) S. 360ff

[9] Kesten, Herman: Stefan Zweig, der Freund. In: Arens, Hans (Hg.): Der große Europäer Stefan Zweig. Fischer Verlag. Frankfurt am Main 1981. (fortan: Arens) S.90

[10] Die Suizidologie ist eine relativ junge wissenschaftliche Disziplin, die sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts mit der Erforschung des Suizids und der Suizidprävention beschäftigt. Sie umfasst Aspekte der Psychiatrie, der Psychologie und der Soziologie und berücksichtigt heute auch neurobiochemische und klinisch-psychiatrische Perspektiven.

[11] Cohen, Rosi: Das Problem des Selbstmordes in Stefan Zweigs Leben und Werk. Europäische Hochschulschriften, Reihe 1 Deutsche Sprache und Literatur, Band 576. Peter Lang Verlag. Bern, Frankfurt am Main 1982. (fortan: Cohen) S. 12

[12] Mann, Klaus: Er war ein Verzweifelter. In: Arens S.101

[13] Werfel, Franz: Stefan Zweigs Tod. In: Arens S.154f

[14] Viertel, Berthold: Abschied von Stefan Zweig. In: Arens S.137

[15] Feder, Ernst: Stefan Zweigs letzte Tage. In: Arens S.118

[16] Mann, Thomas: An Frederike Zweig. In: Weinzierl, Ulrich (Hg.): Stefan Zweig. Triumpf und Tragik. Aufsätze, Tagebuchnotizen, Briefe. Fischer Verlag. Frankfurt am Main 1992. (fortan: Weinzierl) S.142

[17] Mann, Thomas: An Frederike Zweig. In: Weinzierl S.138

[18] Zur Inaugenscheinnahme der verwendeten Literatur: Siehe Literaturverzeichnis

[19] Prater, Donald A.:Stefan Zweig. Das Leben eines Ungeduldigen. Carl Hanser Verlag. München, Wien 1981. (fortan: Prater)

[20] Prater S.465 und 481

[21] Haenel, Thomas: Stefan Zweig. Psychologe aus Leidenschaft. Leben und Werk aus der Sicht eines Psychiaters. Droste Verlag. Düsseldorf 1995.

[22] Cohen, Rosi: Das Problem des Selbstmordes in Stefan Zweigs Leben und Werk (=Europäische Hochschulschriften, Reihe 1 Deutsche Sprache und Literatur, Band 576). Peter Lang Verlag. Bern, Frankfurt am Main 1982.

[23] Zweig, Frederike: Stefan Zweig. Wie ich ihn erlebte. F.A. Herbig Verlag. Berlin 1948. (fortan: Frederike)

[24] Vgl hierzu Matuschek S. 12ff

[25] Zweig, Stefan: Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers. Fischer-Verlag³. Hamburg 1990.

[26] Zur Inaugenscheinnahme der sonstigen benutzten Literatur siehe: Literaturverzeichnis

[27] Siehe: Améry, Jean: Hand an sich legen. Diskurs über den Freitod. Klett-Cotta Verlag6. Stuttgart 1976. (fortan: Améry) S. 14

[28] Die Ausnahme dabei bildet die Autobiograpie Zweigs.

[29] Brief an Frederike, vom 18.02.1942; in: Berlin, Jeffrey B. / Kerschbaumer, Gerd (Hg.): Stefan Zweig. Frederike Zweig. „Wenn einen Augenblick die Wolken weichen“. Briefwechsel 1912 – 1942. Fischer-Verlag. Frankfurt am Main 2006. (fortan: Briefe V) S.394

[30] Prater S.465f

[31] WvG S.13

[32] Zweig, Stefan: Joseph Fouché. Bildnis eines politischen Menschen. Bermann-Fischer Verlag. Stockholm 1948. (fortan: Fouché)

[33] Fouché S.121

[34] Fouché S.122f

[35] Brief an Frans Masereel, vom 15.04.1933; zitiert nach: Friedenthal, Richard (Hg.): Stefan Zweig. Briefe an Freunde. Fischer-Verlag. Frankfurt am Main 1978. (fortan: Briefe I) S. 227

[36] Stefan Zweigs „Die Welt von Gestern“ wird zwar offiziell unter dem Gattungsbegriff „Autobiographie“ geführt, ist aber mehr eine Epochendarstellung der österreichischen Gesellschaft vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges. Zweig gewährt sich viel Raum, diese darzustellen, während autobiographische Informationen in den Hintergrund treten; so werden etwa Zweig Ehefrauen Frederike und Lotte oder viele von Zweigs Freunden nicht erwähnt. Vgl. Matuschek S. 10

[37] WvG S.467f

[38] WVG S.13

[39] Cohen S.341f

[40] Cohen S.342

[41] WvG, hier zitiert nach Prater S.368

[42] zitiert nach: Homann, Ursula: Exil und literarischer Widerstand. Das Wort als gefürchtete politische Waffe. In: Romberg, Otto (Hg.): Widerstand und Exil 1933-1945. Campus Verlag. New York / Frankfurt am Main 1986. (fortan: Romberg) S.204

[43] Mann, Klaus: Der Vulkan. Roman unter Emigranten. Fischer Verlag. Frankfurt am Main 1956. S.4

[44] Cohen S.204

[45] zitiert nach Matuschek S.332

[46] Gelber, Mark: Die Welt von Gestern als Exilliteratur. In: Gelber, Mark / Zelewitz, Klaus (Hg.): Stefan Zweig. Exil und Suche nach dem Weltfrieden. Ariadne Press. Roverside USA 1995. (fortan: Gelber) S. 158

[47] zitiert nach: Haenel, Thomas: Identitätsstörung und Suizidalität. In: Benedetti, Gaetano / Wiesmann, Louis (Hg.): Ein Inuk sein. Interdisziplinäre Vorlesungen zum Problem der Identität. Vandenhoeck & Rubrecht Verlag. Göttingen 1986. (fortan: Benedetti) S. 188f

[48] zitiert nach: Haenel, Thomas: Identitätsstörung und Suizidalität. In:Benedetti S.188

[49] Brief an Romain Rolland, vom 19.02.1942; zitiert nach Beck, Knut / Berlin, Jeffrey (Hg.): Stefan Zweig. Briefe 1932 – 1942. Fischer-Verlag. Frankfurt am Main 2005. (fortan: Briefe II) S. 752

[50] WvG S. 8

[51] Für Amerika besitzt Zweig nur ein Transitvisum, jedoch hätte er dieses mit geringem bürokratischen Aufwand leicht in ein Permanentvisum umwandeln können (Prater S.396); Für Brasilien besitzt Zweig ein Permanentvisum (Prater S.422).

[52] Siehe Cohen S.90

[53] Siehe Cohen S.125ff

[54] Zitiert nach Cohen S.90; Anmerkung: In einer anderen Veröffentlichung ist die selbe Textstelle wiedergegeben, jedoch fehlt das Wort „finstere“; ob Zweig sich von einer „Entschlossenheit“ oder aber einer „finsteren Entschlossenheit“ beseelt sieht, ist ohne Sichtung des Originalbriefes nicht festzustellen. Siehe: Daviau, Donald (Hg.): Stefan Zweig. Paul Zech. Briefe 1910 – 1942. Fischer-Verlag. Frankfurt am Main 1986. (fortan: Briefe III) S.112

[55] Ebenso Musil und andere; Siehe: Wegner, Matthias: Exil und Literatur. Deutsche Schriftsteller im Ausland 1933 – 1945. Athenäum Verlag². Frankfurt am Main / Bonn 1968 (fortan: Wegner) S.91

[56] Wegner S.91

[57] Wegner S.92

[58] „Ich trachtete nun, sein Arbeitszimmer in der Hallam Street genau seiner Bibliothek in Salzburg nachzubilden, mit der gleichen roten Tapete, die er liebte, der Masereel´schen Landschaft über seinen Bücherschränken, die aber gegenüber den circa 10.000 Bänden in Salzburg zunächst nur ein Zehntel dessen enthielten.“ Aussage Frederike; zitiert nach Cohen S.132

[59] Haenel S.175

[60] Zweig, Frederike: Stefan Zweig – Unrast der Liebe. Scherz-Verlag. Bern 1981. S.275

[61] Gelber, Mark: Die Welt von Gestern als Exilliteratur. In: Gelber S. 158

[62] Cohen S.125f

[63] Zweig Stefan: Hymnus an die Reise. In: Zweig, Stefan: Silberne Saiten. Gedichte. Gesammelte Werke in Einzelbänden, Band 18. Fischer-Verlag. Frankfurt am Main 1982. S.145

[64] Gelber, Mark: Die Welt von Gestern als Exilliteratur. In: Gelber S. 158f

[65] Cohen S.128

[66] WvG S.190

[67] Haenel, Thomas: Identitätsstörung und Suizidalität. In: Benedetti S.188

[68] WvG S.7

[69] Frederike S.248

[70] Cohen S.157

[71] Aussage Harry Zohns; zitiert nach Cohen S.157. Harry Zohn (1923-2001) war österreichischer Literaturwissenschaftler und wie Zweig aus seiner Heimat vertrieben worden.

[72] Vergleiche: Declaração, wiedergegeben in Kapitel 3.4.1.

[73] Cohen S.74

[74] zitiert nach: Cohen S.344

[75] wiedergegeben von Carl Zuckmayer in: Zuckmayer, Carl: Did you know Stefan Zweig. In Arens S.133

[76] Die einzige Ausnahme bilden jene exilierten Schriftsteller, die im deutschsprachigen Teil der Schweiz Asyl genießen, eine verschwindend geringe Minderheit. Der Verlust der gewohnten Sprachumgebung ist damit eine der wenigen Exilerfahrungen, die Allgemeinheit beanspruchen können.

[77] So etwa Robert Neumann, der es als „eine Sache der Würde“ ansieht, „diese Sprache aufzugeben und die Sprache des Landes anzunehmen, das ihm Freiheit und Gastfreundschat geboten hatte“ zitiert nach Wegner S.146

[78] aus: Anders, Günther: Der Emigrant. zitiert nach Wegner S.149

[79] Maimann, Helene: Sprachlosigkeit. Ein zentrales Phänomen der Exilerfahrung. In: Frühwald, Wolfgang / Schieder, Wolfgang (Hg.): Leben im Exil. Probleme der Integration deutscher Flüchtlinge im Ausland 1933 – 1945. Historische Perspektiven, Band 18. Hoffmann und Campe Verlag. Hamurg 1981. (fortan: Frühwald) S.37

[80] Bloch, Ernst: Zerstörte Sprache, zerstörte Kultur. Vortrag in New York 1939. In: Wegner, Mathias / Schwarz, Egon (Hg.): Verbannung. Aufzeichnungen deutscher Schriftsteller im Exil. Hoffmann und Campe Verlag. Hamburg 1964. S.180

[81] aus: Anders, Günther: Der Emigrant. Zitiert nach Wegner S.149

[82] Maimann, Helene: Sprachlosigkeit. Ein zentrales Phänomen der Exilerfahrung. In: Frühwald S.34

[83] Dies ist in Brasilien der Fall, wovon auch alteingesessene Deutsche, ebenso wie Zweig betroffen sind. Siehe: Von zur Mühlen, Patrik: Exil in Brasilien. Die deutsprachige Emigration 1933 – 1945. In: Lehmann, Klaus-Dieter (Hg.): Exil in Brasilien. Die deutsprachige Emigration 1933 – 1945. Eine Ausstellung des deutschen Exilarchivs. Die Deutsche Bibliothek, Sonderveröffentlichung, Band 21. Frankfurt am Main 1994. S.14

[84] Wegner S.147

[85] Wegner S.148

[86] Anders, Günther: Die Schrift an der Wand. Tagebücher 1941- 1966. C.H. Beck Verlag. München 1967. (fortan: Anders) S. 90

[87] Anders S.91

[88] Wegner S.146

[89] Das Crux mit der Sprache wird beispielsweise thematisiert bei Alfred Döblin „Als ich wiederkam“, Alfred Polgar „Im Lauf der Zeit“, Leonard Frank „Links, wo das Herz ist“, Raoul Auernheimer „Das Wirtshaus zur verlorenen Zeit“, Fritz Kortner „Aller Tage Abend“, Elias Canetti „Wortanfälle“, Ludwig Macuse „Mein zwanzigstes Jahrhundert“ und vielen anderen. Vgl: Maimann, Helene: Sprachlosigkeit. Ein zentrales Phänomen der Exilerfahrung. In: Frühwald S.34ff

[90] Maimann, Helene: Sprachlosigkeit. Ein zentrales Phänomen der Exilerfahrung. In: Frühwald S.33

[91] Prater S.25 Darüberhinaus stammt Zweigs Mutter aus Süditalien, wodurch Zweig früh die italienische Sprache erlernen kann. Vgl. WvG S.23

[92] WvG S.24f „[…] und ich erinnere mich, mit welcher Selbstverständlichkeit man bei meiner Tante in Paris, von der einen zur anderen [Sprache] hinüberwechselte.“

[93] Prater S.373

[94] Prater S.397 S. 399

[95] Prater S.414

[96] Sieht man den 18.02.1934, den Tag der Hausdurchsuchung, die Zweigs Fortgang aus Österreich auslöst, als Beginn des Exils an, wie es etwa Matuschek tut, so sind die im folgenden aufgelisteten Werke Zweigs als Erstausgaben erschienen, als Zweig sich im Exil befindet: Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam; Sinn und Schönheit der Autographen; Die schweigsame Frau; Arturo Toscanini – Ein Bildnis; Castellio gegen Calvin oder ein Gewissen gegen die Gewalt; Der begrabene Leuchter; Begegnungen mit Menschen, Büchern, Städten; Magellan – der Mann und seine Tat; Ungeduld des Herzens; Worte am Grabe Siegmund Freuds; Brasilien, ein Land der Zukunft; Schachnovelle. Erst nach dem Tode Zweigs erschienen sind: Sternstunden der Menschheit; Zeit und Welt; Amerigo – Geschichte eines historischen Irrtums; Die Welt von Gestern; Balzac, der Roman seines Lebens; Europäisches Erbe; Rausch der Verwandlung; Clarissa (Fragment).

[97] Cohen S.201

[98] Zweigs Werke sind bereits Ende der 30er Jahre in über 50 Sprachen übersetzt worden, darunter auch eher exotische wie Armenisch, Maratti, Blindenschrift oder Stenographie. Siehe Haenel S.176 und WvG S.405

[99] zitiert nach Cohen S.201

[100] WvG S.464

[101] Cohen S.202

[102] Siehe: Declaração in Kapitel 3.4.1

[103] Polgar, Alfred: Stefan Zweig zum Gedächnis. In Weinzierl S.143

[104] Koogan, Abrahão: Eine besondere Freundschaft. In Schwamborn, Ingrid (Hg.): Die letzte Partie. Stefan Zweigs Leben und Werk in Brasilien (1932-1942).Aisthesis Verlag. Bielefeld 1999.(fortan: Schwamborn) S.36

[105] Brief an Fleischer, vom 25.06.1941; unveröffentlicht; hier zitiert nach Wegner S.97

[106] Zech, Paul: Stefan Zweig, eine Gedenkschrift. In: Briefe III S.132

[107] Nur eine Handvoll Schriftsteller ist bekannt genug, um auch im Exil Verleger zu finden. Dazu Feuchtwanger (Feuchtwanger, Lion: Die Arbeitsprobleme des Schriftstellers im Exil; zitiert nach Wegner S.89): „Sehr viele Schritsteller, die in ihrem eigenen Lande marktfähig waren, sind trotz höchster Begabung im Ausland nicht verkaufbar, sei es, weil ihr Wert vor allem im Sprachlichen liegt, sei es, weil ihre Stoffe des ausländischen Leser nicht interessieren. […] Es ist erstaunlich, wie viele Autoren, deren Leistungen die ganze Welt anerkannt hat, jetzt im Exil trotz ernsthaftester Bemühungen völlig hilf- und mittellos dastehen.“

[108] Wegner S.88

[109] Wegner S.86f

[110] Feuchtwanger, Lion: Die Arbeitsprobleme des Schriftstellers im Exil; zitiert nach Wegner S.87

[111] Wegner S.87

[112] Wegner S.89f

[113] Eine ausführliche Übersicht der Publikationsorgane im Exil findet sich bei Wegner S.55ff. Meist ist die Lebensdauer einzelner Zeitschriften auf Grund wirtschaftlicher Schwierigkeiten nicht lang, jedoch werden ständig neue Blätter gegründet, die die verschwundenen ersetzen. Einige Presseorgane bestehen schon seit Beginn der 30er Jahre und setzen ihre Arbeit im Exil mit anderen Schwerpunkten fort. Die bekanntesten Zeitschriften sind: Die Sammlung, herausgegeben von Klaus Mann, Das neue Tagebuch, herausgegeben von Leopold Schwarzschild, Maß und Wert, herausgegeben von Thomas Mann und Konrad Falke, Deutsche Blätter, herausgegeben von Udo Rukser und Albert Theile, Die neue Weltbühne, zunächst herausgegeben von Carl von Ossietzky und später von Willi Schlamm, Das Wort, herausgegeben von Bert Brecht, Willy Bredel und Lion Feuchtwanger, sowie Neue Deutsche Blätter, herausgegeben von Oskar Maria Graf, Wieland Herzefelder und Anna Seghers. Ebenso wie Zeitschriften entstehen im Exil auch eigens für die Publikation von Exilliteratur eingerichtete Verlage, bzw. übernehmen bestehende ausländische Verlage im umfangreicheren Maße Werke der Exilliteratur, etwa die Verlage: Allert de Lange, Querido, Europa, Oprecht, Editions du Carrefour, Neue Verlag oder Aurora.

[114] Der Ausdruck „Zwang zur Politik“ ist von Thomas Mann geprägt, der das einst verfochtene Dasein als apolitischer Kulturmensch im Exil ablegt und für ein bewusstes Bekennen demokratischer Werte plädiert. Der „Zwang zur Politik“ wird in der Debatte um die Aufgaben der Exilsliteratur zum Schlagwort und auch von marxistisch orientierten Literaten verwendet, die jedoch, anders als Mann, den Zwang zur Politik als Hinwendung zum Marxismus, bzw. Kommunismus umdeuten.

[115] Wegner S.58f

[116] Wegner S.61

[117] Chédin, Renate: Das Geheim Tragische des Daseins. Stefan Zweigs `Die Welt von Gestern´. Königshausen und Neumann Verlag. Würzburg 1996. (fortan: Chédin) S.69. Siehe auch: WvG S.376: „[…] indess ich, der das Politische und Dogmatische im tiefsten verabscheut […]“ und WvG S.441: „Ich hatte nie einer Partei angehört, mich nie um Politik gekümmert. […] Dass jemand, der wie ich vollkommen jeder Politik fernstand und seit Jahren nicht einmal sein Wahlrecht ausgeübt hatte […]“

[118] Brief an Fleischer, vom 25.06.1941; unveröffentlicht; hier zitiert nach Wegner S.97

[119] Wegner S.94

[120] Aus einem Interview für die New York Time Book Review vom 28.07.1940; zitiert nach Wegner S.94

[121] zitiert nach: Zech, Paul: Stefan Zweig, eine Gedenkschrift. In: Briefe III S.126f

[122] Wegner S.94

[123] Brief an Felix Braun, undatiert, vermutlich 1939; zitiert nach: Beck, Knut (Hg.): Das Stefan Zweig Buch. Fischer-Verlag². Frankfurt am Main 1981. (fortan: Stefan Zweig Buch) S. 326

[124] Beispielsweise Joseph Roth und Ernst Weiß; Vgl. Michels, Volker: „Im Unrecht nicht selber ungerecht werden!“. Stefan Zweig, ein Autor für morgen in der Welt von heute und gestern. In: Gelber S.30

[125] Zweig bietet beispielsweise Felix Braun eine einmalige finanzielle Unterstützung explizit an. Siehe: Brief an Felix Braun, undatiert, vermutlich Herbst 1939; In: Stefan Zweig Buch S.330. Vgl auch: Matuschek S. 338. Insbesondere während seines Aufenthalts in London sieht sich Zweig massiv um Hilfe gebeten. Robert Neumann, Sekretär des Deutschen PEN Clubs schreibt nach Zweigs Übersiedelung im März 1936 an Rudolf Olden, Zweig sei warmherzig, großzügig, stets hilfsbereit und „anschnorrbar at 49 Hallam Street, W1.“ zitiert nach Pross, Steffen: „In London treffen wir uns wieder“. Vier Spaziergänge durch ein vergessenes Kapitel deutscher Kulturgeschichte.Eichborn-Verlag. Frankfurt am Main 2000 S.19

[126] Prater S.395f

[127] zitiert nach Prater S.395

[128] Cohen S.212

[129] Siehe: Declaração in Kapitel 3.4.1.

[130] Cohen S.50

[131] aus einem Brief Zweigs an Felix Braun, undatiert, vermutlich vom Frühjahr 1939; zitiert nach Stefan Zweig Buch S.323

[132] aus einem Brief Zweigs an Berthold Viertel, vom 20.01.1942; zitiert nach Stefan Zweig Buch S. 341

[133] Cohen S.235 und S.341

[134] zitiert nach Prater S.396

[135] wiedergegeben von Carl Zuckmayer in: Zuckmayer, Carl: Did you know Stefan Zweig. In Arens S.133

[136] zitiert nach: Eicher, Thomas: Vorwort. In: Eicher, Thomas (Hg.): Stefan Zweig im Zeitgeschehen des 20. Jahrhunderts. Österreichische Literatur in Kontexten, Band 8. Athena Verlag. Oberhausen 2003.(fortan: Eicher) S.9

[137] Eicher, Thomas: Vorwort. In: Eicher. S.9f Bezüglich der Mitarbeit in der Zeitschrift „Die Sammlung“ ist Zweigs Rolle äußerst unrühmlich. Nicht nur, dass der zur Publikation vorgesehene Ausschnitt aus Zweigs Werk „Erasmus“ von ihm zurückgezogen wird, Zweig entschuldigt sich bei seinem deutschen Verleger Kippenberg ausdrücklich für die Ankündigung seines Beitrages und distanziert sich wortreich von der Zeitschrift. Diese schriftliche Distanzierung wird, ohne Zweigs Legitimierung, im „Börsenblatt des deutschen Buchhandels“ abgedruckt und so als Propagandaartikel gegen die Exilschriftsteller genutzt, wodurch sich diese von Zweig diffamiert sehen.

[138] Cohen S.341

[139] WvG S.10

[140] Zu ihnen zählen neben Stefan Zweig vor allem Thomas Mann, Vicky Braun, Franz Werfel oder Erich Maria Remarque.Schon Heinrich Mann, Alfred Döblin oder Walter Hasenclever, auch damals bereits durchaus bekannte Namen, sind gezwungen in überaus bescheidenen Verhältnissen zu leben. Siehe dazu auch das Zitat Lion Feuchtwangers in Fußnote 103, und Vgl. Schuhmann, Thomas: „Einmal Emigrant, immer Emigrant...“. Schriftstellerschicksale im Exil. In: Romberg S.214

[141] Wegner S.47

[142] Schuhmann, Thomas: „Einmal Emigrant, immer Emigrant...“. Schriftstelleschicksale im Exil. In: Romberg S.214

[143] Schuhmann, Thomas: „Einmal Emigrant, immer Emigrant...“. Schriftstelleschicksale im Exil. In: Romberg S.214f

[144] zitert nach: Schuhmann, Thomas: „Einmal Emigrant, immer Emigrant...“. Schriftstelleschicksale im Exil. In: Romberg S.215

[145] Wegner S.89

[146] Um sich die finanzielle Not des Gros der exilierten Schriftsteller vor Augen führen zu können, seien hier einige dokumentierte Einzelschicksale kurz skizziert: Friedrich Wolf oder Julius Hay mussten sich zeitweise allein von wildwachsenden Brennesseln und Nüssen ernähren, um dem Hungertod zu entrinnen. Arthur Köstler campiert monatelang auf einem Heuboden, Egon Erwin Kisch verdingt sich schlecht bezahlt als Zauberkünstler in einem Spielkasino, Kurt Kläber und Hans Henny Jahnn werden Landarbeiter. Karl Paetel ist zumindest drei Tage lang, bevor er von Bekannten Unterstützung erhält, obdachlos und ohne Nahrung. Alice Berend kann sich 1938 in Florenz keinen Arzt leisten und erliegt dem behandlungsbedürftigen Leiden. Selbst Autoren wie Heinrich Mann, einst Präsident der Preußischen Akademie für Dichtung, lebt fast ausschließlich von einer bescheidenen Rente des Querido-Verlages; ebenso Alfred Döblin, Anna Seghers oder Arnold Zweig. Diese und weitere Einzelschicksale finden sich in Wegner S.89 und Schuhmann, Thomas: „Einmal Emigrant, immer Emigrant...“. Schriftstelleschicksale im Exil. In: Romberg S.213ff

[147] Prater S.309 und Haenel. S.111

[148] Prater S.379

[149] Wegner S.95 und Cohen S.221

[150] Matuschek S.332

[151] zitiert nach: Schwamborn, Ingrid: Vorwort. In: Schwamborn S.13

[152] zitiert nach: Neumann, Robert: Stefan Zweigs Literatur en gros. In: Weinzierl S.163

[153] Matuschek S.314

[154] Haenel, Thomas: Suizidalität in Leben und Werk von Stefan Zweig – Psychologische und gesellschaftliche Aspekte. In: Giernalczyk, Thomas / Frick, Eckhard (Hg.): Suizidalität. Deutungsmuster und Praxis. Roderer-Verlag. Regensburg 1993. (fortan: Giernalczyk) S.42 und Cohen S.222

[155] Cohen S.222

[156] zitiert nach Cohen S.153

[157] Brief an Zech vom 25 Dezember 1941. In Briefe III S.112

[158] Brief an Zech vom 25 Dezember 1941. In Briefe III S.112

[159] Haenel, Thomas: Stefan Zweig und seine Krankheit. In: Pöldinger, Walter (Hg.): Kulturelle Psychologie und Psychiatrie. Braun-Verlag. Karlsruhe 1992. (fortan: Pöldinger) S. 146

[160] Haenel, Thomas: Stefan Zweig und seine Krankheit. In: Pöldinger. S.146 und Haenel, Thomas: Die Suizidproblematik bei Stefan Zweig. In: Zeitschrift des Schweizer Archivs für Neurologie, Neurochirugie und Psychiatrie. 1981, Band 129, Heft 2, S.297-314. (fortan: Haenel Z) hier: S.304

[161] Brief an Felix Braun, vom 21.11.1941; zitiert nach Cohen S.244

[162] Wegner S.46ff

[163] Haenel S.358

[164] Schenkt man Robert Neumann Glauben, so besitzt Zweig „in jeder Stadt von mehr als fünftausend Einwohnern auf dem weiten Erdenball einen Freund“ (Neumann, Robert: Stefan Zweigs Literatur en gros. In: Weinzierl S.163). Mag diese Formulierung auch etwas übertrieben sein, so muss man Zweigs Freundeskreis denoch als überwältigend groß bezeichnen. Eine (unvollständige) Auflistung findet sich bei Arens, Hans: Stefan Zweig. In: Arens S.19 und Cohen S.80, darunter Namen wie: Richard Beer-Hofmann, Richard Dehmel, André Gide, Maxim Gorkij, Gerhart Hauptmann, James Joyes, Gustav Mahler, Franz Masereel, Walter Rathenau, Joseph Roth, Rainer Maria Rilke, Arthur Schnitzler, Bruno Walter und viele andere.

[165] zitiert nach Cohen S.78

[166] zitiert nach Arens, Hans: Stefan Zweig. In: Arens S.21

[167] zitiert nach Cohen S.78

Details

Seiten
104
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783668734470
ISBN (Buch)
9783668734487
Dateigröße
892 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v381373
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – Germanistik
Note
1,3
Schlagworte
Suizid Zweig Biographie Exil Depression

Autor

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Titel: Der Suizid Stefan Zweigs