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Translationstheorien. Die Äquivalenz nach Werner Koller und die Adäquatheit in der Skopostheorie

Studienarbeit 2014 15 Seiten

Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Äquivalenz nach Koller
2.1 Kollers Standpunkt zur relativen Übersetzbarkeit
2.2 Die Differenzierung des Äquivalenzbegriffs

3. Die Adäquatheit in der Skopostheorie
3.1 Grundidee der Skopostheorie
3.2 Translationsregeln nach Reiß und Vermeer und der Adäquatheitsbegriff
3.3 Kritik an der Skopostheorie

4. Kritischer Vergleich beider Konzepte anhand eines Beispieltextes
4.1 Übersetzung anhand der Äquivalenz nach Koller
4.2 Übersetzung anhand der Adäquatheit in der Skopostheorie
4.3 Kritische Beurteilung der Ergebnisse der Gegenüberstellung

5. Schlussbetrachtung

6. Anhang

7. Bibliographie

1. Einleitung

Wenngleich die Übersetzungswissenschaft eine noch recht junge Disziplin und eine oftmals nicht als eigenständig anerkannte Wissenschaft darstellt, so hat sie sich doch in den letzten Jahrzenten stark entwickelt. Aufgrund stetig neuer Forschungsansätze und Betrachtungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln bildeten sich im Laufe der Jahre viele unterschiedliche Translationstheorien heraus und es gab etliche Paradigmenwechsel. In diesem Zusammenhang stellen die Äquivalenz nach Koller und die Adäquatheit in der Skopostheorie zwei zentrale Konzepte der entstandenen Theorien dar.

Aufgrund ihrer Bedeutung für die Übersetzungswissenschaft gibt es bereits zahlreiche Forschungen und Analysen zu den einzelnen Translationstheorien. Deshalb soll im Rahmen dieser Arbeit eine kritische Gegenüberstellung und Beurteilung der Äquivalenz und der Adäquatheit erarbeitet werden, indem anhand eines spanischen Beispieltextes die Unterschiede und Schwierigkeiten der Übersetzung anhand der beiden Konzepte aufgezeigt werden.

Zu diesem Zweck wird zunächst in die theoretischen Konzepte der jeweiligen Theorie eingeführt, die die Grundlage der nachfolgenden Übersetzungen bildet. Anschließend werden diese Theorien auf die Übersetzung eines ausgewählten spanischen Beispieltextes angewandt und die angefertigten Übersetzungen hinsichtlich ihrer Unterschiede, Vorteile und Schwierigkeiten beurteilt und verglichen. Im Schluss der Arbeit werden die wichtigsten Ergebnisse und Erkenntnisse zusammenfassend dargestellt und bewertet.

2. Die Äquivalenz nach Koller

Eine im Rahmen der historischen Entwicklung der Übersetzungstheorie entstandene Überlegung ist der äquivalenzorientierte Ansatz, dem sich Werner Koller wohl am ausführlichsten widmete. Grundlegend definiert Koller (2011: 161) Äquivalenz als die für eine „Übersetzung spezifische[n] Beziehung zwischen ZS-Text und AS-Text“[1]. Bei seiner Definition einer Äquivalenzrelation setzt Koller voraus, dass der Ausgangstext das Maß aller Dinge beim Übersetzen sei.[2] Darüber hinaus ist ein wichtiges Merkmal von Übersetzungen eine doppelte Bindung. Diese besteht zum einen an den Ausgangstext und zum anderen an die kommunikativen Bedingungen auf der Empfängerseite (vgl. Koller 2011: 194). Eine Ausgeglichenheit zwischen diesen beiden Bindungen zu schaffen ist für eine gute Übersetzung essenziell, da bei der ausschließlichen Konzentration auf eine der beiden Bindungen Probleme auftreten können. So können Übersetzungen, die sich auf die Bindung an den AS-Text beschränken oft unverständlich werden,[3] wohingegen Übersetzungen, die sich auf die zielsprachliche Bindung konzentrieren, oft nur noch eine entfernte Beziehung zum AS-Text aufweisen (vgl. Koller 2011: 194). Koller behandelt in seinen Überlegungen unter anderem die Frage nach der theoretischen und praktischen Möglichkeit oder Unmöglichkeit des Übersetzens, die im geschichtlichen Verlauf der Übersetzungswissenschaft ausführlich diskutiert und bearbeitet wurde und weitgefächerte Antworten und Lösungsansätze aufweist.

2.1 Kollers Standpunkt zur relativen Übersetzbarkeit

Die These der allgemeinen Unübersetzbarkeit von fremdsprachlichen Texten, der die Sapir-Whorf-Hypothese[4] zugrunde liegt, kritisiert Koller, indem er die von ihm vertretene Auffassung einer relativen Übersetzbarkeit zu Beginn mit sechs Argumenten begründet. Bei seiner Argumentation führt Koller (2011: 174) zunächst an, dass das „Gelingen der Kommunikation mit Übersetzungen unbestreitbar und somit die menschlichen Sprachen und Kulturen weitaus dynamischer sind als oft angenommen wird. Des Weiteren verweist er auf die metasprachliche Funktion von Sprache, die es ermöglicht mittels kommentierender Übersetzungsverfahren wie Fußnoten, Anmerkungen und erklärenden Zusätzen die Bedeutung von Begriffen und unübersetzbaren Wörtern zu klären. Er nimmt außerdem an, dass es Menschen aufgrund ihrer Fähigkeit des logischen Denkens und der selbstständigen Erkenntnis und Reflektion sprachlich vermittelter Denkschemata möglich ist diese zu bewältigen und zu verstehen (vgl. Koller 2011:175).

Im weiteren Verlauf der Argumentation wird darauf verwiesen, dass eine Einzelsprache kein homogenes, sondern ein heterogenes Gebilde ist, das unterschiedliche Weltbilder enthält und vereint. Der Problematik der unterschiedlichen Kulturen innerhalb einer Sprachgemeinschaft begegnet er in seiner Einführung mit dem Argument, dass die kulturellen Unterschiede zwischen Völkern wesentlich geringer sind als oft angenommen werde und demnach eine Übersetzung zwischen Sprachen mit höherer kultureller Ähnlichkeit nicht zwangsweise unproblematischer sein müsse. An letzter Stelle seiner Argumentation setzt Koller (2011: 178) der These der prinzipiellen Unübersetzbarkeit, die oft mit Wörtern belegt wird deren Bedeutung man nur dann angemessen verstehen kann, wenn man den kulturellen Zusammenhang ihres Gebrauchs kennt, entgegen, dass diese sogenannten „unübersetzbaren Wörter“ nie isoliert, sondern immer nur im Textzusammenhang stehen. Daher erschließe sich ihr Sinn oft erst im Kontext und im Sinnganzen eines Textes.

Zieht man die vorangegangen Thesen Kollers heran, so wäre sowohl das Verstehen als auch die Übersetzbarkeit eines Textes immer relativ. Hierbei wägt Koller seine eigene Auffassung dieser relativen Übersetzbarkeit als einen Mittelweg zwischen der rationalistischen Auffassung der Übersetzbarkeit im denotativen Bereich und einer inhaltsbezogenen Sprachauffassung, da beide nach seiner Ansicht die Rolle der Sprache im Erkenntnisprozess nicht richtig erfassen (vgl. Koller 2011:187).

2.2 Die Differenzierung des Äquivalenzbegriffs

Nun soll im Folgenden der Äquivalenzbegriff nach Koller definiert und differenziert werden. Kollers Differenzierung des Äquivalenzbegriffs liegt die Überlegung zugrunde, dass dieser in verschiedenen Definitionen und Theorien völlig unterschiedlich dargestellt und aufgefasst wird. Er nennt zu Beginn drei grundsätzliche Überlegungen zu seinem Ansatz der Differenzierung. Anfangs erklärt er, dass man besser von einer Äquivalenzrelation anstatt nur von Äquivalenz spricht,[5] da dies nur das Vorliegen einer Übersetzungsbeziehung zwischen zwei Texten beinhaltet, bei der jedoch noch unklar ist um welche Art von Beziehung es sich handelt. Für diese Äquivalenzrelation sei es notwendig entsprechende Bezugsrahmen anzugeben. Demnach handelt es sich also bei zielsprachlichen Äquivalenten um sprachliche & textuelle Einheiten verschiedenster Art, die durch Bezugsrahmen zu ausgangssprachlichen Elementen in einer Äquivalenzrelation stehen (vgl. Koller 2011: 218).

Koller führt in seinen weiteren Überlegungen fünf Bezugsrahmen an, die für die Festlegung der Art der Übersetzungsäquivalenz relevant sind. Beim ersten Bezugsrahmen handelt es sich um den außersprachlichen Sachverhalt, der mit einem Text ausgedrückt wird, hier spricht Koller (2011: 219) von „denotativer Äquivalenz“. Man kann diese nahezu immer durch kommentierende Übersetzungsverfahren erreichen, jedoch wird dies nicht in jeder Situation als angebracht erachtet. Es werden im Bereich der Lexik fünf Entsprechungstypen bei der Untersuchung der denotativen Äquivalenz genannt. Bei der Eins-zu-eins-Entsprechung entstehen Übersetzungsschwierigkeiten höchstens durch denotative Synonyme. Die Eins-zu-viele-Entsprechung bietet drei Möglichkeiten: entweder der Kontext lässt Rückschlüsse darauf zu welche Entsprechung zutrifft oder es ist im Textzusammenhang unerheblich oder Unterbegriffe werden genannt, wenn durch die Forderung nach einem unspezifizierten Ausdruck eine sogenannte „unechte Lücke“ (Koller 2011: 232) auf der Textebene entsteht.[6] Die Viele-zu-eins-Entsprechung lässt eine genauere Definition beispielsweise durch Adjektive, Genitive und Adverbien zu, die Eins-zu-null-Entsprechung hingegen weist echte Lücken in der Lexik der Zielsprache auf. Hier liegt es im Ermessen des Übersetzers wie er diese schließt. Möglich sind zum Beispiel Umschreibungen, Definitionen und Lehnübersetzungen (vgl. Koller 2011: 235). Zuletzt sind Eins-zu-Teil-Entsprechungen meist unproblematisch, wenn die Teilentsprechung genügt. Ist dies nicht der Fall, sind nur noch kommentierende Verfahren als Lösung denkbar.

Des Weiteren gibt es die „konnotative Äquivalenz“, also die durch die Art der Verbalisierung vermittelten Konnotationen (Koller 2011:219). Hierbei sind alle oben angeführten Entsprechungen Eins-zu-Teil-Entsprechungen. Konnotative Werte sind beispielsweise Sprachschicht, Frequenz, stilistische Wirkung, Bewertung und Anwendungsbereich. Wichtig ist jedoch die Unterscheidung zwischen übersetzungsrelevanten und übersetzungsirrelevanten konnotativen Werten. Als dritten Bezugsrahmen verweist Koller auf die Gebrauchsnormen, die für bestimmte Textsorten gelten, und nennt diese „textnormative Äquivalenz“ (Koller 2011:219). So sind beispielsweise sprachliche Mittel und Textaufbau bedingt durch die Textsorte.

Die letzten beiden Bezugsrahmen bilden die pragmatische und die formal-ästhetische Äquivalenz. Mit pragmatischer Äquivalenz ist die Empfängerbindung gemeint, weil oft unterschiedliche Rezeptionsbedingungen für AS-Text und ZS-Text vorliegen (vgl. Koller 2011: 251). Zuletzt wird auf die ästhetischen, formalen und individualistischen Merkmale des Ausgangstextes verwiesen, da die Übersetzung eine analoge ästhetische Wirkung erzielen soll (vgl. Koller 2011: 255).

Den Überlegungen zur Differenzierung des Äquivalenzbegriffs ist hinzuzufügen, dass es in der Verantwortung des Übersetzers liegt, eine Hierarchie der in der Übersetzung zu erhaltenden Werte und der Äquivalenzforderungen für einen betreffenden Text herzustellen. Diese Hierarchie steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der jeweiligen Übersetzungstheorie eines Übersetzers (vgl. Koller 2011: 269 f.).

3. Die Adäquatheit in der Skopostheorie

Eine weitere Übersetzungstheorie und Auffassung in der Übersetzungswissenschaft, die sich grundlegend von der Kollers unterscheidet, liefert die Skopostheorie. Im Gegensatz zum äquivalenzorientierten Ansatz von Koller handelt es sich hierbei um einen funktionsorientierten Ansatz, dessen Basis die Annahme bildet eine Translation sei auch immer als eine Handlung aufzufassen (vgl. Vermeer 1990: 72). Diese Auffassung war neu, da Translation nun nicht mehr nur als bloße Transkodierung verstanden wurde, sondern als Handlung.[7] Die Bezeichnung Skopostheorie stammt vom griechischen Wort skopos ab, das so viel bedeutet wie ‘Zweck’, ‘Absicht’, ‘Ziel’.[8] Zu Beginn der theoretischen Grundlagen wird zunächst die Grundidee dieser Überlegungen dargestellt.

3.1 Grundidee der Skopostheorie

Als funktionalistischer Ansatz befasst sich die Skopostheorie vor allem mit der Wirkung des Zieltextes auf den Empfänger. Zusammenfassend beschreiben Reiß und Vermeer (1984:96) die Grundidee dieser Überlegungen mit der Aussage „Die Dominante aller Translation ist deren Zweck.“Da Translation hier immer auch als eine Handlung betrachtet wird und jede Handlung einen Zweck verfolgt, soll auch eine Translation zu einem Resultat führen, dem sogenannten Translat. Nord (2010: 121) definiert Übersetzung in der Skopostheorie als eine zweckgerichtete Aktivität, die darauf abzielt zwischen Mitgliedern verschiedener Kulturen zu vermitteln. Des Weiteren wird Transkulturelle Kommunikation so definiert, dass eine einfache Umkodierung aufgrund der kulturellen Unterschiede zwischen Ausgangs- und Zielkultur nicht möglich ist. Daher sind auch weite Abweichungen zwischen AS-Text und Translat[9] möglich, wenn skoposadäquate Veränderungen notwendig sind (vgl. Nord 2010: 122).

Relevant ist außerdem, dass hier eindeutig die Funktionalität im Fokus steht. Der Zweck der Übersetzung bestimmt also auf welche Art und Weise übersetzt wird (vgl. Reiß/Vermeer 1984: 100). Dies impliziert auch, dass eine genaue Festlegung des Auftrags, also des Ziels einer Übersetzung in der vorgesehenen Zielkultur, unabdingbar ist, wenn der Translator, den Vermeer (1990: 75) als „Experten“ bezeichnet, optimal handeln können soll. Deshalb ging mit diesen Überlegungen zugleich eine Änderung der Stellung des Ausgangstextes einher, da dieser nun eine untergeordnete Rolle einnahm (vgl. Vermeer 1990: 72 ff.).Im Folgenden wird auf die Regeln eingegangen, die Reiß und Vermeer in ihrer Grundlegung zu einer Theoriebasis festlegen.

3.2 Translationsregeln nach Reiß und Vermeer und der Adäquatheitsbegriff

Reiß und Vermeer legen in Ihrer Abhandlung fünf Regeln fest, die ihrer Ansicht nach die Theoriebasis für eine allgemeine Translationstheorie schaffen. Als oberste Regeln wird hier die Skoposregel Trl.=f(Sk) bezeichnet. Diese besagt, dass eine Handlung immer von ihrem Zweck bestimmt wird. Es gibt jedoch viele unterschiedliche Zwecke, diese müssen lediglich begründbar sein. Die Unterregel zur Skoposregel definiert Skopos als eine rezipientenabhängige Variabel Sk=f(R). Daraus folgt, dass man den Skopos auch nur dann genau festlegen kann, wenn man den Empfänger kennt. Außerdem ist eine Verwirklichung des Skopos nur durch genaue Kenntnis der Zielkultur und Zielsprache möglich (vgl. Reiß/Vermeer 1984: 101 ff.).

Die zweite und dritte Regel besagen, dass eine Translation ein Informationsangebot in einer Zielkultur und deren Sprache über ein Informationsangebot aus einer Ausgangskultur und deren Sprache ist und dass diese Übersetzung irreversibel ist, da es sich um einen nachahmenden Transfer handelt. Zuletzt behandeln die letzten beiden Regeln die Kohärenz einer Übersetzung und legen fest, dass ein Translat sowohl in sich als auch mit dem Ausgangstext kohärent sein muss (vgl. Reiß/Vermeer 1984: 105). Mit der Definition dieser Regeln legen Reiß und Vermeer die Grundlagen ihrer Auffassung einer Übersetzungstheorie fest Jedoch stellt das wohl wichtigste Konzept der Skopostheorie der Begriff der Adäquatheit dar. Er beschreibt zunächst die Relation zwischen den Mitteln des sprachlichen Ausdrucks und dem Skopos. Ein Text gilt demnach nur dann als adäquat, wenn er dem Zweck des Translats gerecht wird. In der Skopostheorie ist es nicht mehr der Ausgangstext nach dem eine Übersetzung bewertet wird,[10] sondern die Funktionalität des Zieltextes. Aus diesem Grund ist es auch unerlässlich für eine adäquate Übersetzung, dass der Translator den genauen Zweck der Übersetzung kennt (vgl. Nord 2010: 122). Als letzter Teil der theoretischen Grundlagen folgt nun ein kurzer Überblick der Kritik an dieser Theorie.

3.3 Kritik an der Skopostheorie

Da das Konzept der Skopostheorie stark im Gegensatz zu den bis dato vorherrschenden Translationstheorien und der Auffassung von Translation steht, ist es nicht erstaunlich, dass Reiß und Vermeer sich mit starker Kritik konfrontiert sahen. Im Grunde genommen gibt es zwei Haupteinwände, die im Laufe der Jahre gegen die Skopostheorie erhoben wurden. Der erste Einwand liegt in der Annahme begründet, nicht alle Handlungen hätten ein Ziel (vgl. Vermeer 1990: 97). Der zweite Einwand besagt, dass nicht bei jeder Übersetzung ein Ziel vorhanden sei, allerdings begegnet Vermeer beiden Kritikpunkten mit derselben Argumentation. Demnach kann sich der Skopos auf drei verschiedene Bereiche beziehen: das Ziel der Translation, die Funktion des Translats und die Intention des Modus. Daher wäre eine Übersetzung nur dann keine Handlung, wenn weder zu ihrer Realisierung noch zum Ergebnis noch zu der Art und Weise der Übersetzung ein Ziel angegeben werden kann (vgl. Vermeer 1990: 98 ff.). Vermeer hat mit dieser Argumentation beide Haupteinwände widerlegt und die Grundlegung seiner Auffassung überzeugend dargestellt.

Des Weiteren stand man jedoch auch der Verabsolutierung des Zwecks und der Kultur in Vermeers Translationstheorie kritisch gegenüber. So kritisiert Schreiber (1993: 21), dass diese „Absolutsetzung des Übersetzungszwecks (Skopos)“ zu einer Ausweitung des Übersetzungsbegriffs führe, die so nicht tragbar sei. Demnach sei die Abgrenzung zwischen unterschiedlichen Typen der Texttransformation nicht mehr erkennbar und der Übersetzungsbegriff nach Reiß und Vermeers Skopostheorie zu sehr ausgedehnt (vgl. Schreiber 1993: 22). Außerdem wird häufig Reiß und Vermeers (1984: 4) Aussage, dass „Translation nicht nur ein sprachlicher, sondern immer auch ein kultureller Transfer“ sei, angegriffen, weil damit der Kultur eine zu dominante Rolle in der Übersetzung eingeräumt wird. Schreiber (1993: 21) hingegen sieht Kulturtransfer lediglich als „Teilproblem bestimmter Übersetzungstypen“ und stellt den sprachlichen Prozess in den Mittelpunkt. Wie Schreiber ordnet auch Koller die Kultur als wichtigen Faktor jedoch nicht als Dominante beim Übersetzen ein.[11] Anschließend an die knappe Zusammenfassung der theoretischen Grundlagen beider Theorien folgt nun der empirische Teil dieser Arbeit mit der Anwendung auf einen Beispieltext.

[...]


[1] AS-Text wird im Rahmen dieser Arbeit als ‘ausgangssprachlicher Text‘ verstanden; ZS-Text als ‘zielsprachlicher Text‘.

[2] Einige Übersetzungswissenschaftler unterscheiden zwischen interlingualem und intralingualem Übersetzen, diese Arbeit bezieht sich jedoch lediglich auf das interlinguale Übersetzen.

[3] Hierbei können Wort-für-Wort-Übersetzungen entstehen, die das Verständnis erheblich erschweren.

[4] Die Sapir-Whorf-Hypothese besagt, dass es ohne Sprache auch kein Denken gibt, da das jeweilige Weltbild notwendig mit der jeweils verwendeten Sprache zusammenhängt. Demnach bedeuten verschieden Sprachen auch verschiedene Lebenswelten.

[5] Für den Umfang dieser Arbeit sollen die Begriffe Äquivalenz und Äquivalenzrelation gleichgesetzt und synonym verwendet werden.

[6] Unechte Lücke n entstehen dann, wenn ein unspezifizierter Ausdruck im AS-Text für den Übersetzer zum Problem wird.

[7] Wie auch bei Justa Holz-Mänttäri, deren Translatorisches Handeln: Theorie und Methode fast gleichzeitig mit der Grundlegung einer allgemeinen Translationstheorie erschien. Sie erweitert Vermeers Skopostheorie und legt den Schwerpunkt insbesondere auf den Handlungsaspekt der Translation.

[8] Vermeer (1990) grenzt diese Begriffe erstmals in Skopos und Translationsauftrag.Aufsätze. voneinander ab. Jedoch wird diese Abgrenzung im Rahmen der vorliegenden Arbeit nicht berücksichtigt: Skopos, Zweck, Ziel und Absicht werden synonym verwendet.

[9] Die Bezeichnungen Translat und Übersetzung w erden im Rahmen dieser Arbeit synoym verwendet.

[10] Siehe Kapitel 2.

[11] Weiterführende Überlegungen zu den Grenzen der Skopostheorie bei Harnhoff (1991)

Details

Seiten
15
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668577848
ISBN (Buch)
9783668577855
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v381336
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
2,0
Schlagworte
translationstheorien äquivalenz werner koller adäquatheit skopostheorie

Autor

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Titel: Translationstheorien. Die Äquivalenz nach Werner Koller und die Adäquatheit in der Skopostheorie