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Psychologie des Gesundheitsverhaltens

Selbstwirksamkeitserwartung / Verlauf eines Beratungsgesprächs

Einsendeaufgabe 2017 21 Seiten

Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Selbstwirksamkeitserwartung
1.1 Definition
1.2 Auswertung der Fragebögen
1.3 Vergleich der Studien

2 Literaturrecherche zum Thema Suchterkrankung

3 Beratungsgespräch
3.1 Modell Gesundheitsverhalten / gesundheitspsychologische Ziele
3.2 Rolle des Beraters
3.3 Gesprächsverlauf

4 Literaturverzeichnis

5 Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

1. Selbstwirksamkeitserwartung

1.1 Definition Selbstwirksamkeitserwartung

Die Selbstwirksamkeitserwartung, die auch als Kompetenzerwartung bekannt ist, wird als eine individuelle Auffassung beziehungsweise Überzeugung der eigenen Kompetenz definiert. Dies bezieht sich vor allem auf schwierige Handlungen, wie man mit ihnen umgeht und folglich auch das Zutrauen in die eigene Person, um diese zu Ende zu bringen (Jerusalem & Schwarzer, 2002). Das Konzept beruht auf der sozial-kognitiven Theorie von Albert Bandura (1997). Seine Theorie besagt unter anderem, dass „kognitive, emotionale und aktionale Prozesse durch subjektive Überzeugungen gesteuert“ werden (Jerusalem & Schwarzer, 2002, S.35). Es geht nicht primär um die eigentlichen Fähigkeiten, die ein Mensch besitzt, sondern darum wie man in bestimmten Situationen reagiert, welche Erfahrungen man gemacht hat und wie groß der Glaube an sich selbst ist, die Herausforderung unter bestimmten Umständen zu meistern: „Perceived self - efficacy is concemed not with the number of skills you have, but with what you believe you can do with what you have under a variety of circumstances“ (Bandura 1997, S. 37). Menschen, welche die Überzeugung besitzen mit schwierigen Gegebenheiten zurecht zu kommen, werden sich in der Folge mehr anstrengen, ein größeres Durchhaltevermögen zeigen und sich höhere Ziele setzen. Eine hohe Selbstwirksamkeit beziehungsweise das Zutrauen in die eigene Person steigert letztlich auch den persönlichen Erfolg (Bandura, 1997). Die Höhe der Selbstwirksamkeitserwartung beeinflusst das gesamte Handeln, Befinden und Vertrauen in sich selbst. Nur wer eine positive Einstellung hat und sich etwas zutraut, wird erfolgreich sein.

1.2 Auswertung der Fragebögen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Auswertung der SSA-Skala- Selbstwirksamkeit zur „sportlichen Aktivität“

Ich habe mich für den Fragebogen zur „sportlichen Aktivität“ entschieden. Die fünf Fragebögen habe ich bewusst fünf Personen aus meinem Umfeld gegeben, die meiner Meinung nach die unterschiedlichsten Einstellungen zum Thema Sport haben. Alle Probanden sind berufstätig, haben einen unterschiedlichen Lebensstil und sind zwischen 24 und 61 Jahren alt. Die Auswertung des Fragebogens dient zur Errechnung und Bestimmung der Selbstwirksamkeit bezogen auf die „sportliche Aktivität“.

Bei der Auswertung wird deutlich, dass jedem der Probanden ein aktives Leben wichtig ist, jedoch hat der Sport dabei einen unterschiedlichen Stellenwert.

Der niedrigste Score bei den Probanden beträgt 43 und wird von der jüngsten der befragten Personen (fünfte Person) erreicht. Der Score bei diesem Test resultiert aus der Aufsummierung der zwölf gestellten Fragen. Der niedrigste Score liegt bei 12 und der Höchste bei 84. Die jüngste Probandin liegt somit im Mittelfeld, auch wenn sie insgesamt bei dem durchgeführten Test den niedrigsten Score erzielt hat.

Es wird deutlich, dass die Person ungern ihr geplantes Vorhaben umsetzt, wenn ihr stattdessen andere Möglichkeiten offen stehen zum Beispiel: „Freunde zu Besuch sind, andere Personen etwas unternehmen wollen, viel Arbeit zu erledigen ist oder wenn sie Müdigkeit verspürt.“ Anders sieht es aus, wenn die Person sich angespannt fühlt. Bei diesem Gemütszustand ist sie sich „ganz sicher“, dass sie ihr Vorhaben in die Tat um-setzen wird.

Die meisten Kreuze hat die Person in den Spalten „gar nicht sicher“ und „vielleicht“ gemacht, was dafür spricht, dass sie in sich selbst noch nicht gefestigt und sehr unentschlossen in ihren Entscheidungen ist. Ihre Selbstwirksamkeit, wie auch der eigene Glaube an die Fähigkeit Handlungen zu organisieren und auszuführen, muss sich bei dieser Person noch weiterentwickeln. Ihr Mittelwert wie auch der Median liegt mit 3,5 am niedrigsten, bei der Standardabweichung liegt sie, mit 1,7, knapp hinter der zweiten und dritten Person. Die zweite Person hat einen Score von 62 und die dritte Personen einen Wert von 55. Beide liegen bei der Auswertung im Mittelfeld und ich würde sie als Personen mit einer etwas höheren Selbstwirksamkeit bezüglich des Sports einstufen. Diese Personen lassen sich allerdings gerne von anderen Dingen ablenken oder stellen den Sport zurück, wenn: „Freunde zu Besuch sind, andere Personen etwas unternehmen wollen oder ihre Familie/ Freunde sie beanspruchen“.

Vor allem das Item, in dem nach der Beanspruchung gefragt wird, weist darauf hin, dass sie oftmals andere Personen vor sich selbst stellen und sie damit in den Hintergrund rutschen. Ihre Selbstwirksamkeit und deren Bewusstsein sollte noch etwas ausgebaut werden. Auch in den weiteren Auswertungen gibt es zwischen dem zweiten und dritten Proband nur geringe Abweichungen. So liegt der Mittelwert bei dem ersten Probanden bei 5,1, bei dem Zweiten bei 4,5. Die Standardabweichung ist nahezu identisch mit 1,85 und 1,88, lediglich der Median weicht etwas stärker mit 6,0 und 4,0 ab. Beide Probanden lassen sich nicht davon abhalten Sport zu treiben, wenn: „Sie keinen finden, der mit ihnen Sport treibt, schlechtes Wetter ist, noch Arbeit zu erledigen ist oder auch ein interessantes Fernsehprogramm läuft.“ Dies spricht wiederum dafür, dass sie durchaus standhaft bei ihren Entscheidungen sein können, etwas durchzuführen und sich nicht davon abbringen lassen. Sport wird von allen Probanden als etwas angesehen, womit sie zu sich selbst finden, ihrem Ärger Luft machen können und um einen klaren Kopf zu bekommen.

Bei zwei meiner Probanden (Proband 1 und Proband 4) zeigt die Auswertung, dass Sport ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens ist. Der erste Proband hat einen Score von 71, der zweite Proband einen Score von 74, was auf eine ausgeprägte Selbstwirksamkeit hindeutet. Sie haben sich ein Ziel gesetzt und wollen dies auch erreichen, dafür verzichten sie bei Bedarf auch auf einige Dinge. Lediglich der soziale Aspekt kann sich auch bei diesen Personen auf die Entscheidung auswirken. Der Mittelwert der beiden Testpersonen liegt mit 5,9 und 6,1 am höchsten in der Auswertung, daher sind auch die Standardabweichungen mit 1,3 und 0,8 am niedrigsten, der Median wiederum mit 6,5 und 6 am höchsten. Letztendlich sind beide Probanden konstant sicher in dem was sie tun, sind in sich selbst gefestigt und wissen, dass sie sich auf ihre Fähigkeiten und ihr Durchhaltevermögen zum Erreichen ihrer Ziele verlassen können.

1.3 Vergleich der Studien

Tab. 1: Tabellarische Gegenüberstellung zweier wissenschaftlicher Studien zum Thema „ Selbstwirksamkeitserwartung“.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten1 2

In beiden Studien geht es um Ergebnis- und Selbstwirksamkeitserwartung, deren Auswirkungen, Beeinflussungen und Strategie, sich diese zwei Kompetenzen anzueignen.

In der Studie von Birte Dohnke, Werner Müller-Fahrnow und Bärbel Knäuper geht es um den „Einfluss von Ergebnis- und Selbstwirksamkeitserwartung auf die Ergebnisse einer Rehabilitation nach Hüftgelenksersatz“ (im Nachfolgenden „Studie 1“ genannt). Die Studie von Jessica Schneider und Winfried Rief beschäftigt sich mit den „Selbstwirksamkeitserwartungen und Therapieerfolge bei Patienten mit anhaltender somatoformer Schmerzstörung (ICD-10:F45.4)“, (im Nachfolgenden „Studie 2“ genannt).

Bei Studie 1 handelt es sich um eine prospektive Beobachtungsstudie, mit drei Messzeitpunkten, in der 1065 bewusst ausgewählte Patienten teilnehmen. Bei Studie 2 handelt es sich um eine Feldstudie mit anfallender Stichprobe und zwei Messzeitpunkten, welche nur mit 319 zufällig auserwählten Patienten durchgeführt wird. Folglich wird durch die geringe Zahl der Teilnehmer die Genauigkeit der Auswertung der Studie erschwert, da bei einer geringeren Anzahl von Probanden eventuelle Ausreißer mehr ins Gewicht fallen und somit das Ergebnis verfälschen können. Die Ergebnisse aus den Fragebögen wurden durch Strukturgleichungsmodelle im Rahmen konfirmatorischer Pfadanalysen analysiert und kreuzvalidiert. In Studie 1 stammen die Daten aus einer multizentrischen Langzeitstudie. Durch hierarchisch, multiple Regressionsanalysen mit abhängigen Variablen wurden Vorhersagen über das Reha-Ergebnis am Ende der Reha durch Ergebnis und Selbstwirksamkeitserwartung zu Beginn der Reha getroffen. Allerdings bezieht sich das Ergebnis lediglich auf das Reha-Ende. Der Richtwert, “sechs Wochen nach Reha-Ende“, findet in dem Ergebnis keine Berücksichtigung, was die Aussage über den tatsächlich langfristigen Erfolg leider offen lässt. Beide Studien wurden durch genaue Skalen, numerische Ratings und abhängigen Variablen berechnet und ausgewertet, sodass beide zu dem Ergebnis kommen, dass eine positive Ergebniserwartung sowie eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung zu einem besseren Heilungsprozess und geringeren ADL-Einschränkungen führen. Studie 2 verweist darauf, wie wichtig eine positive Sicht auf die Genesung ist, beleuchtet aber auch das Gegenteil, dass Personen mit geringerer Selbstwirksamkeitserwartung sich häufig in einer ausweglosen Situation befinden, die oftmals zu einer emotionalen und behavioralen Beeinträchtigung führt.

2 Literaturrecherche: Suchterkrankungen

Suchterkrankungen und Abhängigkeiten äußern sich ganz individuell, das Krankheitsbild hat viele Gesichter und Facetten. Nach Möller et. al. (2005, S. 36) wird Sucht wie folgt definiert: „Ein Zustand periodischer oder chronischer Intoxikation, verursacht durch wiederholten Gebrauch einer natürlichen oder synthetischen Substanz, der für das Individuum und die Gesellschaft schädlich ist“. Abgesehen von stoffgebundenen Süchten wie Alkohol, Zigaretten, illegale Drogen usw. gibt es nichtstoffgebundene Suchtbilder die auf den ersten Blick harmloser erscheinen, wie z.B. Kauf- oder Spielsucht, die die Betroffenen ebenso in eine Abhängigkeit treiben. Die Betroffenen sind tatsächlich abhängig, sie sind angewiesen, ihre Sucht zu befriedigen, um lebensfähig zu sein. Diese Abhängigkeit/Sucht wird dann zu einem Pathologischen Phänomen, für einen gesunden Menschen eine kaum vorstellbare Verhaltens- und Lebensweise. Der Betroffene versucht aus der für ihn ausweglosen Realität in eine Scheinwelt zu flüchten (Tölle, 1999). Warum Menschen an einer Sucht erkranken bzw. eine Abhängigkeit entsteht, kann durch die unterschiedlichsten Auslöser heraus begründet sein. Oftmals möchten Menschen mit dem Konsum von Alkohol oder Drogen etwas betäuben, sie möchten sich in eine Parallelwelt flüchten, in der sie ihren gegenwärtigen Schmerz betäuben. Wissenschaftler vermuten, dass chemische Substanzen auf Zentren im Gehirn einwirken und gewisse Gefühle regulieren können. Die Konsumetappen gehen oft schleichend ineinander über. In der Regal beginnt es mit Probierkonsum, dann Gelegenheitskonsum, Gewohnheitskonsum, Missbrauch und letztlich die Sucht (Sting & Blum, 2003). Aber auch das familiäre Umfeld kann dafür verantwortlich gemacht werden, dass Betroffene in eine Sucht abrutschen. Sei es, dass Kinder es so vorgelebt bekommen, durch Missbrauch oder fehlende Liebe kann eine Störung des emotionalen Gleichgewichts entstehen und somit eine Leere, die gefüllt werden muss (Schulze, 2003).

[...]


[1] Alle konsekutiv aufgenommenen Patienten der Edertal Klinik, die zwischen April 2002 und Juli 2003 eine stationäre psychosomatische Rehabilitation erhielten und als Hauptdiagnose eine „Anhaltende somatoforme Schmerzstörung“ aufwiesen.

[2] Sie war Teil des Projektes „ Qualitätsmanagementsystem für die medizinische Rehabilitation Muskuloskelettaler Krankheiten“(MSK- QMS)

Details

Seiten
21
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668576780
ISBN (Buch)
9783668576797
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v381099
Institution / Hochschule
Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement GmbH
Note
0,6
Schlagworte
gesundheitsmanagement suchterkrankung selbstwirksamkeitserwartung beratung

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