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Wolfgang Schivelbuschs "Geschichte der Eisenbahnreise" und die Industralisierung von Raum und Zeit im 19. Jahrhundert

Hausarbeit 2016 9 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1 Einleitung
1.1 Biographische Eckpunkte
1.2 Darstellung der Kernaussagen

2 Wahrnehmungsänderung von Raum und Zeit im Kontext des Seminars „ Bildung und Technologisierung“

3 Literaturangabe

1 Einleitung

1.1 Biographische Eckpunkte

Am 26 November 1941 wurde Wolfgang Schivelbusch in Berlin geboren. Sein Studium der Literaturwissenschaft, Soziologie sowie der Philosophie absolvierte er in Frankfurt am Main und Berlin. Seit seinem 32 Lebensjahr, arbeitet und lebt W. Schivelbusch als freier Autor in New York.

Für sein Werk „ Geschichte der Eisenbahnreis: Zur Industrialisierung von Raum und Zeit im 19. Jahrhundert“ erhielt er den Deutschen Sachbuchpreis.( vgl.Schivelbusch 1995)

1.2 Darstellung der Kernaussagen

Im folgenden Kapitel wird eine kurze Zusammenfassung der Kernaussagen des Buches dargestellt, um einen allgemeinen Eindruck zu erhalten.

In Kapitel 2 soll die veränderte Wahrnehmung von Raum und Zeit, ausgelöst durch die Entstehung der Eisenbahn, im Kontext des Seminars „ Bildung und Technologisierung“ verdeutlicht werden.

In seinem Werk zeigt Wolfgang Schivelbusch anhand der Entwicklung der Eisenbahn, wie sich flächendeckend ein industrialisiertes Bewusstsein in der bestehenden Gesellschaft ausbreitete.

Mit der Weiterentwicklung der Dampfmaschine zum neuen Verkehrsmittel, der Eisenbahn, entstand bei den bisher mit Postkutsche Reisenden ein Gefühl, welches sich aus Angst und Faszinationen zusammensetzte.

Die „Vernichtung von Raum und Zeit“( ebd. S.16), so charakterisiert Schivelbusch die ungeheure Geschwindigkeit die sich von den natürlichen Gegebenheiten, wie Wind und Wasser, durch die Kohle gespeiste Dampfkraft löste. Am Beispiel der Geschwindigkeit wird deutlich, wie sich die technische Industrialisierung von den Naturgrenzen, sowohl von der menschlichen als auch der äußeren Natur befreit.

Hierbei schildert Schivelbusch die neue Technik und die damit einhergehenden Veränderungen aus dem Blickfeld der Reisenden, Versicherungsexperte, Mediziner, 3

Ingenieure und Unternehmer.

Zum besseren Verständnis soll noch erläutert werden, wie die Begriffe Natur und Technik in dieser Arbeit verwendet werden.

Natur sei dabei in einem ´traditionellen Sinne zu verstehen und dient als Gegensatz zum Bereich des Menschen. Technisch ist alles, was durch Entwicklung oder auch Organisation auf den Menschen zurückzuführen ist. ( vgl. Böhme 1992, 185ff.) Dies bedeutet, dass die Natur als Gegebenes besteht, alles andere wie Kultur oder auch Technik, erst durch den Menschen entstehen kann. Hierbei zeigt sich ein fundamentaler Unterschied zwischen „ Gegeben“ und „ Gemacht“

Nicht nur die Geschwindigkeit veränderte die Wahrnehmung der Reisenden gegenüber der Landschaft, auch die Eisenbahnstrecken selbst veränderten das bestehende Landschaftsbild. Eisenbahnstrecken wie ein Lineal durch die Landschaft gelegt und in die Natur geschlagen, so beschreibt Schivelbusch eine Geradlinigkeit wie man sie in natürlichen Formen nicht kannte, welche schnell die holprigen und mühsamen Kutschfahrten vergessen lies.

Hierbei zeichnet sich, wie W. Schivelbusch es beschreibt, ein Gedankenwechsel ab. Die gleichförmigen Bewegung der Eisenbahnen werden schnell in der Wahrnehmung der Menschen adaptiert und führen zu einer Umkehrung dieser. Nicht mehr das Geradlinige und Gleichförmige wurde als fremd und unnatürlich angesehen, sondern die holprige und schmerzhaften Bewegung der Zugtiere. Folge dieser Wahrnehmungsänderung war der Verlust des lebendigen Verhältnisses von Mensch und Natur. Nicht nur waren mechanische Kräfte weitaus leistungsfähiger und angenehmer, vor allem aber machten sie die Verkehrsmöglichkeiten kalkulierbar für den Menschen. Unzuverlässigkeit, Unberechenbarkeit und Erschöpfung der animalischen Kräfte wurde von nun an durch mechanische Energie ersetzt ( vgl. Schivelbusch 1995, S. 16-20).

Gesellschaftliche Normierungen, wie die 1840 eingeführte Greenwich - Zeit, aber auch eine scheinbare „ Verkleinerung und zugleich Erweiterung des bestehenden Raums mit Auswirkungen auf die Arbeitssituationen, Gebietsstrukturen ( z.B. Ansiedlung des Rotlichtviertels, Landflucht und Wachstum der Städte) sowie Wahrnehmungsänderungen hin zum „panoramatischen Blick“, waren Folgen der erhöhten Geschwindigkeit und Kalkulierbarkeit des neuen Verkehrsmittels im 19. Jahrhundert( ebd., S. 35-50). Eine genaue Betrachtung dieser Veränderungen erfolgt in Kapitel 2.

Wolfgang Schivelbusch zeigt die Geschichte der Eisenbahnreise mit all ihren Facetten, den neuen Produktionsformen, neue Verkehrsmöglichkeiten, Bewusstseinsveränderungen und auch neuen Kommunikationsmöglichkeiten. Hierbei zeigt er wie eine von Menschen geschaffene Veränderung eine Veränderung in der inneren Natur des Menschen entstehen lässt. Dies zeigt Schivelbusch eindrucksvoll am Beispiel des Eisenbahnunfalls. Der Schock beim Eisenbahnunglück, bringt die traumatische Neurose hervor, welche zuvor als Krankheitsbild nicht existent war.

Allgemein lässt sich sagen, dass sich Wolfgang Schivelbusch in seinem Buch auf die Veränderung der Massenwahrnehmung, sowie alltäglicher Erfahrungsräume durch die technologische Entwicklung der Eisenbahn als Massentransportmittel des 19. Jahrhunderts fokussiert

2 Wahrnehmungsänderung von Raum und Zeit im Kontext des Seminars „ Bildung und Technologisierung“

In diesem Kapitel werden nun die Bestandteile Schivelbuschs Werk, der Dialektik von „Raumverkleinerung bzw. Raumvergrößerung“ sowie der Einführung einer standardisierten Zeit auf ihre gesellschaftlichen, psychischen und physischen Veränderungsprozesse hin untersucht.

„ Die Vernichtung von Raum und Zeit“, dieses feststehende Bild, welches im frühen 19.Jahrhundert die Wirkung der Eisenbahn beschrieb, gründete sich aus der Vorstellung über die unnatürliche Geschwindigkeit des neuen Transportmittels.

Doch was ist Raum und Zeit?

Schivelbuschs Aussagen über Veränderungsprozesse lassen Parallelen zu Kants Verständnis von Raum und Zeit erkennen. Nach Kant sei das Wesen von Raum und Zeit „ […] die subjektiven Bedingungen unserer sinnlichen Anschauungen aller Gegenstände in Raum und Zeit.“ ( vgl. Gerlach 2011, S.24)

Sinnlichkeit bezeichnet hierbei die Fähigkeit, sich Gegenstände vorzustellen und Empfindungen von ihnen zu haben. Das heißt, das Gegenstände mit uns in irgendeiner Weise in Kontakt treten müssen, damit wir eine Vorstellung von ihnen erlangen.(ebd. S.26f.)

Bei diesen Aussagen wird deutlich, dass es eine Differenz gibt, wie wir Dinge wahrnehmen und wie sie wirklich sind.

Kant folgert, dass Raum und Zeit als notwendige Elemente der Erfahrung, der erscheinenden Wirklichkeit, empirische Realität haben. In Bezug auf die Wahrnehmung sind Dinge nur Denkmöglichkeiten.

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Details

Seiten
9
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668569591
ISBN (Buch)
9783668569607
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v380375
Institution / Hochschule
Technische Universität Darmstadt
Note
2,0
Schlagworte
geschichte der eisenbahnreise wolfgang schivelbusch

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Titel: Wolfgang Schivelbuschs "Geschichte der Eisenbahnreise" und die Industralisierung von Raum und Zeit im 19. Jahrhundert