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Jugendliches Konfliktverhalten als Aufgabe von Politik und Gesellschaft: Theoretische Grundlagen und praktische Erkenntnisse eines Forschungsprojektes

Magisterarbeit 2004 91 Seiten

Politik - Sonstige Themen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Verzeichnisse

Abbildungen

Tabellen

Abkürzungen

1. Einleitung
1.1 Einordnung der Themenstellung
1.2 Forschungsstand und Literaturbericht
1.3 Aufbau der Arbeit

DAS VERHÄLTNIS VON POLITIK UND GESELLSCHAFT ZUR JUGEND

2. Die Jugend in der modernen Gesellschaft
2.1 Wissenschaftliche Differenzierung des Jugendbegriffs
2.2 Jugend in der öffentlichen Wahrnehmung
2.3 Jugend und Politik

3. Die Jugendpolitik in Deutschland
3.1 Jugendpolitik: Begriffsbestimmung
3.2 Jugendpolitik und Politik
3.3 Jugendpolitik als Jugendhilfepolitik
3.4 Modell jugendpolitischen Handelns

4. Die Ursachen der defizitären Entwicklungen
4.1 Verlust demographischer Bedeutung
4.2 Wertewandel und Verlust gesellschaftlicher Anerkennung
4.3 Jugend als Problem des politischen Systems

5. Mangel an sozialen Kompetenzen - zwei Beispiele
5.1 Rückläufiges öffentliches Engagement
5.2 Gewaltbereitschaft
5.3 Gemeinsamkeiten

DAS PROJEKT „AGGRESSIONSVERMINDERUNG“ UND DIE ERKENNTNISSE DARAUS

6. Die bisherigen Thematisierungen zur Verminderung von Jugendgewalt..
6.1 Ansätze
6.2 Praxisfeld Schule
6.3 Praxisfeld Justizvollzugsanstalt
6.4 Bisherige Konzepte zur Verminderung von Aggression und Gewalt

7. Die Fragestellungen und Ziele der durchgeführten Studie
7.1 Zur Notwendigkeit einer solchen Studie
7.2 Theoretische Grundlagen der Studie
7.3 Definition und Arten aggressiven Verhaltens

8. Das Informationsverarbeitungs-Modell der Studie
8.1 Modell von Crick und Dodge
8.2 Situationsinterpretation und Kausalzuweisung
8.3 Handlungsausführung und Einfluss von Emotionen

9. Das Untersuchungsdesign der vorliegenden Studie
9.1 Variablen und Untersuchungsplan
9.2 Vorgehen, Arbeitsschritte und Zeitplan
9.3 Übersicht über die verwendeten Methoden

10. Ergebnisse der Studie
10.1 Übersicht über die Ergebnisse
10.2 Abschließende Anmerkungen zur Studie

11. Resümee
11.1 Zusammenfassung
11.2 Fazit

Literaturverzeichnis

Danksagung

Der Bescheidenheit dieser Arbeit steht die Größe der Unterstützung gegen- über, die mir zuteil wurde: Allen voran gilt hier mein Dank Frau Dipl.-Psych. Silvia Kratzer und Herrn Dr. Johannes Bach vom Lehrstuhl Prof. Dr. Ulich für ihre absolut kompromisslose Art, mit der sie sich für das Projekt und diese Arbeit engagiert haben. Ebenso bedanke ich mich bei dem gesamten Team des Projektes „Aggressionsverminderung“ für die fruchtbare Zusammenarbeit.

Verzeichnisse

Abbildungen

1) Informationsverarbeitungsmodell nach Crick & Dodge (1994)

2) Ergebnisse der Intervention

3) Ergebnisse der Intervention: hule

4) Ergebnisse der Intervention: Gefängnis

Tabellen

1) Entwicklung der Altersstruktur der Bevölkerung Deutschlands

2) Demografische Gewichtsverteilung Jugend-nioren

3) Übersicht über die verwendeten Testmethoden

4) Vergleich Prä- und Posttest

Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren undverachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beineübereinander und tyrannisieren die Lehrer.“ Sokrates

1. Einleitung

1.1 Einordnung der Themenstellung

Das Thema „Jugend“ hat - unter den jeweils spezifischen Bedingungen - seit jeher seinen Platz in Diskursen der Altgewordenen, wie die enttäuschte Klage von Sokrates zeigt.1 Enttäuschungen in Bezug auf den Nachwuchs gehören seit Menschheitsgedenken zu den Erfahrungen von Eltern und der Älteren im Allgemeinen. Dennoch wäre es heute nicht hilfreich, die Arme zu verschränken und sich resigniert zurückzulehnen. Denn der Topos ist zu brisant und zu wichtig, als dass man ihn einfach abtun sollte.

Jene schwerwiegenden Veränderungsprozesse und Reformen vor denen die Bundesrepublik Deutschland derzeit steht, erlauben es nicht, jene ignorieren zu wollen, die das Schicksal dieses Landes schon in wenigen Jahren mit zu tragen und mit zu bestimmen haben. So überrascht es auch nicht, dass sich wie nie zuvor Menschen in der Jugendarbeit, in Verbänden und in der Politik mit der jungen Generation auseinander setzen.

Leider jedoch geschieht dies allzu oft unter mindestens einer falschen Prä- misse, nämlich der, „Jugend“ in einen Atemzug mit „Problem“ zu stellen. Ein nur oberflächlicher Blick über die Behördenlandschaften, Parteiprogramme, populären Jugendsurveys bis hin zu Darstellungen in den diversen Medien vermittelt leicht den Eindruck, das Jugendlichsein selbst wäre das eigentliche Problem. So absurd dies auch sein mag, Pauschalisierungen von Einzelfällen, die mit Dramatisierung und Kriminalisierung alles anormal empfundenen ein- hergehen, sind enttäuschenderweise an der Tagesordnung.

Aussagen wie „Eine wachsende Zahl von Kindern und Jugendlichen schließ- lich spürt die Freiheit der Anomie - wer glaubt, er habe nichts zu verlieren, braucht sich an Regeln nicht mehr zu halten.“2 geben die Richtung vor. Und laut wird dann gefragt: Was ist eigentlich los mit unserer Jugend? Seltener aber: Worüber reden wir überhaupt, wenn wir von Aggression oder Gewalt sprechen? Was sind die möglichen Ursachen für die Entstehung gewalttätigen Verhaltens? Wer ist schuld und wer ist in Verantwortung zu nehmen? Was ist zu tun und wo liegen die Möglichkeiten präventiver Arbeit? Vor diesem Hintergrund über „Jugendliches Konfliktverhalten als Aufgabe von Politik und Gesellschaft“ zu schreiben, erweist sich hierbei zum heutigen Zeitpunkt als notwendige und fordernde Aufgabe.

Denn gerade in einer Atmosphäre der zunehmenden Medialisierung politi- scher Inhalte müsste es im Sinne aller gesellschaftlichen Akteure sein, sich von allzu einfachen Erklärungsmustern zu lösen, um ein qualifizierteres Bild von der nachkommenden und nachrückenden Generation zu erhalten. Eben dies wird das Leitthema dieser Arbeit sein, deren Anliegen es auch ist, die diffizilen Strukturen freizulegen, unter denen Erwachsen- und Älterwerden in der Bundesrepublik Deutschland stattfindet und wie diese Lebensphase in der Öffentlichkeit rezipiert wird.

1.2 Forschungsstand und Literaturbericht

Im Rahmen der Politikwissenschaften dies zu tun ist hierbei eine besonders interessante Aufgabe, da dieser Sachverhalt derzeit darin im Wesentlichen unter drei Gesichtspunkten bearbeitet wird: der Jugendpolitik, die dabei zur Zeit vor Allem unter dem Aspekt der europäischen Integration betrachtet wird, der politischen Bildung mit dem derzeit zentralen Thema der Partizipa- tion und schließlich der Jugendgewalt, die seit der Vereinigung Deutschlands im Zusammenhang mit Rechts- beziehungsweise Linksextremismus oder neuerdings auch religiösen Fundamentalismus erforscht wird. Konjunkturen ist hingegen das Thema „Gewalt und Schule“ unterworfen; zu Beginn des Jahres 2004 fand beispielsweise im Hinblick auf etliche Vorfälle eine rege De- batte darüber statt. Weiterhin erfolgt vereinzelt noch eine Thematisierung von Jugend im Kontext von Subkulturen, Integration von Zuwanderern und auch der postmodernen Wertewandeldebatte.

Eine umfassendere Sichtweise des Gegenstandes ist bisher jedoch im Bereich der Politikwissenschaft zu vermissen. So erfordert die Auseinandersetzung mit juveniler Gewalt - jenseits der oben angeführten Diskurse - die interdis- ziplinäre Auseinandersetzung mit anderen Fachgebieten, insbesondere der Soziologie, der Pädagogik, der Kriminologie und nicht zuletzt der Psycholo- gie. Gerade die Psychologie - hier ist im Besonderen die Entwicklungs- und die Sozialpsychologie zu nennen - bietet hinsichtlich des Themas dieser Ar- beit besonders fundierte Erklärungsansätze. Speziell wenn es um Phänomene wie Jugendgewalt und jugendlicher Aggression geht, bietet sie empirisch fundierte Analysemöglichkeiten, die nicht zu sehr durch normative Sichtwei- sen, wie etwa in den anderen genannten Wissenschaften, eingeschränkt sind.

All diese Gesichtspunkte prägen den hier erfassten und verwendeten For- schungsstand. So liegt dieser Untersuchung das umfangreiche Quellenmate- rial der mit Jugend befassten politischen Institutionen zugrunde, das seine Ergänzung in der Berichterstattung der regionalen und überregionalen Presse findet. Der theoretischen Fundierung dient der Einbezug der entsprechenden Fachliteratur, hier im Besonderen all jene, die sich mit dem Phänomen „Ju- gend“ und den Zusammenhängen von Jugendgewalt und -aggression be- schäftigt. Diese Literatur entstammt zu einem großen Teil der Jugendfor- schung, die in der Pädagogik und der Soziologie zu verorten ist. Aus der Psy- chologie wurden dort Arbeiten herangezogen, wo es um die Erklärung spezi- fischer Erscheinungen der Gesichtspunkte Jugend, Gewalt und Aggression geht. Es entspricht der Intention dieser Arbeit, dass sie im Bemühen ein möglichst aktuelles Bild zu zeichnen, sich - jedoch nur dort, wo das möglich und sinnvoll ist - auf die Literatur neueren Datums beruft.

1.3 Aufbau der Arbeit

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in zwei Teile, einen eher theoretischen und einen, dessen Schwerpunkt in der Verarbeitung empirischer Erkenntnisse liegt. Hier soll nach der allgemeinen Situationsbeschreibung Jugend in ihrem ganz spezifischen Zusammenhang exemplarisch unter dem Gesichtspunkt des „Projektes Aggressionsverminderung“ der Universität Augsburg betrachtet werden.

Entsprechend soll durch diese zweiseitige Herangehensweise eine am Ge- genstand der Untersuchung nahe Beschreibung der Situation der Jugend im Hinblick auf die Gewaltproblematik im beginnenden 21. Jahrhundert sicherge- stellt werden.

So ist die Arbeit im ersten Abschnitt in vier Bereiche gegliedert: Im ersten Teil werden das Bild und die Rolle der Jugend in der modernen Gesellschaft analysiert. Danach geht es um die Art und Weise, wie der Gegenstand Ju- gend in der Politik bearbeitet wird. Diese Bearbeitung wird als defizitär gese- hen und deswegen dient der dritte Teil der Suche nach den Ursachen und dem Ausloten von Lösungsansätzen. Im vierten werden die in der Öffentlich- keit gängigen Mangelerscheinungen jugendlicher Entwicklung unter den Stichworten der „Politikverdrossenheit“ und der „Gewaltbereitschaft“ themati- siert und betrachtet. Gerade der Zusammenhang beider Faktoren ist von so- zial-kognitiven Standpunkt aus auch Ansatzpunkt einer Intervention.

Darin liegt der Schwerpunkt des zweiten Teils. Das Erkenntnisinteresse des Forschungsprojektes „Möglichkeiten der Aggressionsverminderung bei Ju- gendlichen unter besonderer Berücksichtigung kognitiver Moderatoren“, das an der Universität Augsburg vom Lehrstuhl für Psychologie im Jahr 2003 und 2004 durchgeführt wurde, ist dadurch motiviert.3 Zielsetzung dieser Untersu- chung war und ist es, den Verantwortlichen aus allen Bereichen der Jugend- arbeit eine erstmals fundiert analysierte Möglichkeit aufzuzeigen, der Heraus- forderung durch jugendliche Aggression auf eine effiziente und praktikable Art Herr zu werden.

Dies wird in folgenden fünf Schritten geschehen: Zuerst werden die bisheri- gen Ansätze zur Verminderung von Jugendgewalt in den Bereichen Schule und Gefängnis dargetan. Das darauf folgende Kapitel erläutert das Konzept und die Fragestellungen der vorliegenden Studie und stellt im nächsten Schritt das Untersuchungsdesign dar. Im Anschluss daran werden die Ergeb- nisse präsentiert und hinterfragt, inwieweit damit die Voraussetzungen gege- ben sind, die sozialen Kompetenzen Jugendlicher mit dem zugrunde liegende Interventionsprogramm zu steigern. Ihren Abschluss findet die Arbeit mit einem Resümee.

DAS VERHÄLTNIS VON POLITIK UND GESELLSCHAFT ZUR JUGEND

2. Die Jugend in der modernen Gesellschaft

2.1 Wissenschaftliche Differenzierung des Jugendbegriffs

Zunächst ist es notwendig sich den Gegenstand dieser Arbeit einmal zu ver- gegenwärtigen. Der häufig verwendete Jugendbegriff offenbart sich bei nä- herer Betrachtung als diffizil und wissenschaftlich schwer zu pointieren.4 Zu allen Zeiten gab es jugendliche Menschen und mindestens seit der Antike Aufteilungen der unterschiedlichen Lebensabschnitte, wie beispielsweise die siebenteilige des Hippokrates; er unterteilte die Lebensphasen in Kind (paidí- on), Knaben (pais), Jüngling (éphebos), Jungmann (neanískos), Mann (anér), den Alten (presbytes) und den Greis (géros). Allerdings herrschte da- mals - und das wäre als gemeinsamer Nenner anzuführen - keineswegs Ei- nigkeit über eine solche Gliederung der Lebensalter.5 Jedoch wurde erst zum Ende des 19. Jahrhunderts der „moderne, neuzeitliche Jugendbegriff ent- deckt, erfunden bzw. konstruiert“6 und setzte sich als biologisch und entwick- lungspsychologisch bedingte eigenständige Lebensphase durch.7

Die genauen Merkmale der Adoleszenz sind jedoch, wie oben erwähnt, seit jeher umstritten und variieren im Besonderen zwischen den unterschiedli- chen Fachdisziplinen. Im Allgemeinen versteht man unter Jugend die Über- gangsperiode zwischen Kindheit und Erwachsensein, also zwischen Pubertät und dem Eintritt in eine selbst bestimmte Lebensführung. Diese definitori- sche Unschärfe betrifft also gleichermaßen Beginn wie Ende der Jugendzeit.8 Laut Ferchhoff sind es die „vielen Ungleichzeitigkeiten und asynchronen Ent- wicklungen“ im Hinblick auf die lebensgestaltenden Teilübergänge und das damit verbundene Erreichen unterschiedlicher Teilreifen in sexueller, politi- scher und sozialer Hinsicht, die die Jugendphase heute kennzeichnen.9

Hinter dem Jugendbegriff als solchen verbergen sich also verschiedenste Bedeutungsdimensionen. „Jugend“ im Sinne eines Begriffes und Konzeptes ist Entwicklungsstadium, Generation oder einfach nur ein Ausdruck eines spezifischen Lebensgefühls.10 In jedem Fall ist „Jugend“ nichts durch die Natur geschaffenes, vielmehr ist es eine gesellschaftliche Konstruktion, die in und durch Institutionen wie Schulen einer gewissen, aber auch Beschränkungen unterliegenden, Selbständigkeit gekennzeichnet ist.11

Der Vielfältigkeit im Hinblick auf die Bedeutungsfacetten entsprechen den je- weiligen unterschiedlichen Etikettierungen von Jugend in verschiedenen wis- senschaftlichen Disziplinen, die deren jeweiligen Logiken folgen.12 Dement- sprechend ist das Jugendbild der Rechtswissenschaften ein anderes als bei- spielsweise das der Pädagogik oder der Psychologie, wobei keines für sich al- leine steht, sondern gekennzeichnet ist, durch wechselseitige interdisziplinäre Durchdringung;13 ganz besonders gilt dies für die Jugendforschung,14 deren Ergebnisse oft eine vermittelnde Zwischenposition innerhalb der Fachbereiche einnehmen. Von ihrer Seite wäre es hilfreich den Forschungsbereich genauer einzugrenzen,15 da Studien in diesem Bereich oft den Eindruck vermitteln, sie würden über einen Gegenstand schreiben, während die Unterschiede oft beträchtlich sind.16

In dieser Arbeit wird das Jugendbild der Sozialwissenschaften dominierend sein: Im Vordergrund steht eine Sichtweise, die Jugend als „Transmissions- phase gesellschaftlicher Reproduktion“17 begreift und Werteorientierungen und Handlungsmuster betrachtet. Der Vorteil dieser Betrachtungsweise ist ihre Fähigkeit, unterschiedliche Positionen sinnvoll zu integrieren: Jugend wird hierin als Teil der Gesellschaft, Sozialisierungsaufgabe und als Generati- on gesehen;18 Hauptmerkmal der Jugendphase ist das Alter, aus pragmati- schen Gründen wird es für diese Arbeit zwischen 14 und 27 liegen.19 Darüber hinaus wird diese Sichtweise durch die Betrachtung der Jugend vom Stand- punkt der Psychologie erweitert, worin vor allem Entwicklungsprozesse und sozialpsychologische Aspekte im Mittelpunkt stehen.20 Als ganzes genommen versteht sich darum dieser Beitrag als Teil eines sozialpsychologischen Dis- kurses innerhalb der Politikwissenschaft.

2.2 Jugend in der öffentlichen Wahrnehmung

Ausgangsüberlegung dieser Arbeit ist, dass die gesellschaftliche Konstruktion von Adoleszenz weniger etwas über die Jugend an sich aussagen kann, son- dern vielmehr über die sich äußernde Gesellschaft.21 Denn nahe liegend ist die Vermutung, dass die Bilder, die innerhalb einer Gesellschaft über Heran- wachsende vorherrschen und im Besonderen von Politik, Medien und Wis- senschaft verbreitet werden, nicht ohne Folgen wiederum für juvenile Ein- stellungen und Verhaltensmuster sind.22 Ein solch konstruktivistisches Ver- ständnis der Wirkungszusammenhänge liegt dieser Arbeit zugrunde.23

Eine solcher Ansatz weitet die Perspektiven und ermöglicht eine kritische Be- trachtung der Hintergründe der zahlreichen Erhebungen und öffentlichkeits- wirksam inszenierten Surveys zu diesem Thema: Deren Motive, Gesell- schaftsbilder und politische Zielsetzungen bestimmen oftmals im vornherein die Ergebnisse.24

Viel gravierender ist aber, dass diese im gesellschaftlichen Diskurs zumeist dann aufgegriffen werden, sofern sie Argumente für kulturpessimistische Deutungen geben. Zwei Themen erfreuen sich daher einer sehr hohen Be- liebtheit und dominieren die Berichterstattung der Medien: Politikverdrossen- heit und Gewalt.25 Besonders über den (auf jugendliche Täter zentrierten) Gewaltdiskurs wird seit etwa der Mitte der 90er Jugend feindlich stereotypi- siert.26 Wie häufig die „Freiheit der Anomie“27 kommuniziert wird zeigt eine stichprobenartige Untersuchung in drei deutschen Tageszeitungen: So be- richteten die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Süddeutsche Zeitung im Jahr 2002 rund 180 Male über gewalttätige Jugendliche, die Lokalzeitung Augsburger Allgemeine tat es über 400fach.28 Jugendliche stehen also äu- ßerst häufig im Zusammenhang mit Gewalt in der Zeitung.29 Entsprechend wenig überraschen einen daher Schlagzeilen wie diese: „Junge Straftäter werden brutaler“ schreibt da die Augsburger Allgemeine im Januar 2004: „Wenn alle Betreuung und gutes Zureden nichts hilft, klicken die Handschellen (...) Besonders schlimm: Gewalt und Brutalität nehmen zu.“30 Zynisch und bedenklich muten dann darin getroffene Aussagen über die er- folgte „Betreuung und gutes Zureden“31 an, wenn man bedenkt, dass genau dies in der Praxis längst nicht der Fall ist.

Interessant jedoch an solchen Skandalisierungs-Artikeln ist das dreigliedrige Muster nach dem darin zumeist verfahren wird: Aus der Beschreibung eines drastischen Einzelfalles heraus wird ein allgemeines Bedrohungsszenario aus- gemalt. Die unbestreitbare Gefährlichkeit der exemplarischen Einzeltat wird in einem zweiten Schritt mit dem Hinweis auf statistisches Material, im ge- nannten Fall die Polizeistatistik,32 untermauert und in einem dritten Schritt werden eindimensionale Erklärungsmuster offeriert.33 Auf diese Weise wird aus dem Angriff auf Jugendlicher auf eine Frau eine beispielhafte Tat, die die von der Polizei dokumentierte Steigerung der Jugendkriminalität um 39% unterfüttert, woran dann vor allem gewalttätige Medien und Alkohol schuld seien.34 Von einem weniger emotional gefärbten Standpunkt aus halten solche Ansichten einer wissenschaftlichen Hinterfragung nicht stand, wie sich im Folgenden ebenfalls zeigen wird.35

Neben einer solcherart negativen Deutung findet man bisweilen auch das ge- naue Gegenteil, nämlich die Idealisierung der Jugendlichen. Solche Argu- mentationen basieren oft auf den sehr populären Ergebnissen der Shell-Stu- dien,36 die regelmäßig einer interessierten Leserschaft sagt, wie Jugendliche sich heute befänden. Die letzte Studie (2002) bezeichnete die aktuellen Ju- gendlichen als „pragmatische Generation“, die sich aufteile in „selbstbewuss- te Macher“ und „pragmatische Idealisten“.37 Solche oft wohlwollenden Deu- tungen - seit den 90ern jedoch regelmäßig gemildert durch Politikverdros- senheitsszenarien - sind als Korrektiv leider wenig hilfreich, da sie ebenfalls die Wahrnehmung polarisieren; auf die Ursachen dafür soll später noch ein- gegangen werden. Sehr treffend beschreibt diese Situation ein SPD-Jugend- papier von 2002:

„Die Debatte über die Jugend in Deutschland ist Konjunkturen unterworfen, die zu sehr unterschiedlichen, zum Teil gegensätzlichen, häufig vereinfachenden Mustern und Wertungen über „die Jugend“ führen. Alltagswahrnehmungen oder mediale Darstellungen „der Jugend“ führen dazu, dass nicht selten ein Zerrbild entsteht. [...] Die Pole der Gesellschaft bei Jugendlichen - die Erfolgreichen und die Prekären - stehen im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses.“38

Insgesamt genommen fixiert sich die Wahrnehmung der jugendlichen Gene- ration vor Allem auf die Wiederholung des Perpetuums „Die Jugend wird im- mer lascher oder aggressiver“. Wenn man mit solchen Klischees argumen- tiert, kann man das Versagen der Erwachsenengeneration und ihrer Politik verschleiern und Verantwortung auf die nunmehr zunehmend als Täter stig- matisierten Jugendlichen abwälzen.39 Dies trifft, wie so oft bei Polarisierun- gen, ebenso zu, wenn man aus ihnen „selbstbewusste Macher“ per Definition macht. Denn beide im SPD-Papier genannten Gruppen, die „Erfolgreichen und die Prekären“,40 verstellen den gesellschaftlichen und politischen Blick auf die große unauffällige Mehrheit derer, die vielmehr „die Jugend“ ausma- chen.

Dennoch sind die darin sich artikulierenden Interessen der hier handelnden Erwachsenengeneration auch an ganz anderer Stelle festzumachen, wie hier jedoch nur angedeutet werden kann: dort, wo es um die gerne propagierte Solidarität der Generationen geht. Denn die derzeit ganz offen betriebene Ungleichbehandlung von Jugendinteressen im Vergleich zu denen der Senio- ren, sorgt dafür, dass es im Verhältnis von Jung und Alt nicht zum Besten bestellt ist.41 Das diagnostiziert das Bundesjugendkuratorium im Jahr 2000: Was fehle, sei der Aufbruch der Gesellschaft im Spiegelbild ihrer nachwach- senden Generation und eine Abkehr von deren „irrationalen Umgang“ mit ihr.42

2.3 Jugend und Politik

Die negativen Konsequenzen eines solchen Konstruktes von „Jugend“ wer- den dann jedoch überdeutlich, wenn man untersucht, wie dieser Topos denn politisch behandelt wird. Gewöhnlich wird in Wissenschaft und Medienöffent- lichkeit gerne gefragt, wie es um das Verhältnis der Adoleszenten zur Politik oder dem politischen System stünde. Die Antworten, die sich daraus erge- ben, lassen sich ihrer Charakteristik nach auf die einseitigen Beschreibungen der bekannten Formeln der „Politikverdrossenheit“ oder „Parteienverdrossen- heit“ bringen.

Dementsprechend wird selten die Frage gestellt, wie denn die Politik zur Ju- gend steht und aus welchen Blickwinkel heraus jugendpolitische Entschei- dungen in Deutschland getroffen werden.43 In diesem Abschnitt soll zunächst - eine Auseinandersetzung mit der Jugendpolitik als solcher folgt später - untersucht werden, wie Jugendliche aus der Sicht der Parteien wahrgenom- men werden. Zur Veranschaulichung des Topos schrieb der Verfasser am 2. Februar 2004 eine Email an die Bundesgeschäftsstellen (im Falle der CSU Landesgeschäftsstelle) der Parteien mit Mandat, worin nach die Bedeutung der Jugend gefragt wurde.44

Die Antworten - in der Regel vom jugendpolitischen Referat kommend - der Parteien betonten besonders die Rollen der Nachwachsenden als Arbeitneh- mer (meist im Sinne von Gefährdung durch Arbeitslosigkeit), die Notwendig- keit einer „Aktivierung des Jugend-Engagements“45 sowie das Erreichen einer „Erziehungspartnerschaft von Eltern, Angeboten der Tagesbetreuung für Kin- der, Schule und Einrichtungen der Jugendhilfe“.46 Die Antworten der Parteien unterstreichen eines ganz klar: Die politischen Akteure bemühen sich ernst- haft um die Jugendlichen, versuchen sie einzuladen, Politik zu machen, wie die „Ich-mache-Politik“-Kampagne des Bundesministeriums für Familie, Se- nioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) im Herbst 2001.47 Jedoch muss dieses „Liebeswerben“48 vor dem Hintergrund von realistischen Befunden49 einseitig bleiben, da es im Kern die Zielgruppe verfehlt.50 Eine Politik, die Jugend als Gegenstand der Verwaltung und Subventionierung und den Dialog mit ihr lediglich aus kompensatorischen Motiven betreibt, wie es zur Zeit der Fall ist, definiert und bearbeitet deren Anliegen allenfalls dort, wo sie das System in Frage stellt oder zu stellen droht.51

Entsprechend harsch reagieren die politischen Akteure: Jene Jugendliche, die sich nicht nahtlos in die Gesellschaft einfügen wollen oder können, sollen durch möglichst rigide Maßnahmen dazu gebracht werden. In wenigen Bereichen liegen die Positionen populistischer Meinungsmacher und offizielle Politik derart nahe beieinander52 wie wenn es darum geht, Maßregeln für abweichende und delinquente jugendliche Verhaltensformen zu finden.53 Die Gründe sich politisch für möglichst weit reichende gesetzliche Regelungen in diesem Bereich zu engagieren sind offensichtlich: Es ist die politisch leicht nutzbare Angst der Älteren vor den Nachkömmlingen, die bald versuchen werden, die Maßstäbe der Gesellschaft zu bestimmen.54

Der Extremfall der Normabweichung, das kriminelle Verhalten Jugendlicher, eignet sich für meist unhinterfragtes populistisches Handeln. Der Volkszorn und die Empörung darüber lässt sich hierzulande schadlos ausnutzen, da die offene Sichtbarkeit als aggressiv empfundener Jugendlicher in engem Zu- sammenhang mit den Bedrohungsgefühlen der älteren Wähler steht. Das of- fene Propagieren von harten Strafmaßnahmen von Seiten der Parteien kommt allseits gut an; Rache statt Resozialisierung ist die Forderung dieser Tage.55 Dieser Generalverdacht wiederum unterdrückt die notwendige Dis- kussion darüber, welche Formen abweichenden Verhaltens im Sinne eines Austestens der Grenzen des pluralen Gesellschaftssystems Deutschlands ak- zeptabel sind.56 Das jedoch verlangt von Regierung und Parteien langfristige Denkweisen, die sich nicht auf kurzfristige legislative Akte beschränken, son- dern vielmehr darauf abzielen, Normen und Werte glaubwürdig zu vermit- teln. Unter den gegebenen Bedingungen ist jedoch davon auszugehen, dass auch weiterhin Idealisierung und Kriminalisierung das politische Jugendbild bestimmen werden.57

3. Die Jugendpolitik in Deutschland

3.1 Jugendpolitik: Begriffsbestimmung

Politik, die jugendpolitisch ist, bezeichnet im Allgemeinen das „Ensemble von Maßnahmen, Aktivitäten, Programmen, mit deren Hilfe Gesellschaften ge- zielt, und auf eine gewisse Dauer gestellt, die Lebensbedingungen“58 beein- flussen.59 Wie dies geschieht und welche Prioritäten dabei verfolgt werden, hängt eng mit dem jeweiligen Jugendbegriff, den man zugrunde legt, zusam- men. Darüber hinaus entscheidet der Umfang der Sozialstaatlichkeit im je- weiligen System darüber, welche Instrumente und Möglichkeiten zu Eingrif- fen vorhanden sind. Inhaltlich geht es dabei im Wesentlichen um drei Ziele: die Qualifizierung, den Schutz und die Integration der Jugendlichen.60

Zu den Grundproblemen der Jugendpolitik gehört dabei, dass sie nicht ein Ressort ist, sondern dass sie sich auf ein „Objekt richtet, das eine soziale Gruppe darstellt, die in vielfältige Bezüge eingebettet ist.“61 In dieser Form wäre Jugendpolitik originäre Adressatenpolitik, doch, und das gehört zu der spezifischen Problematik in Deutschland, liegt der Akzent hier eher auf einer Politik der Institutionen.62 Daraus resultiert unmittelbar die Konsequenz, dass sich hier eine Jugendpolitik als Bereichspolitik im Sinne einer, wie Hornstein es betont, „Jugendhilfepolitik“63 durchgesetzt hat, deren Schwerpunkt in der Bearbeitung von bestimmten Problemlagen und postulierten Defiziten liegt. So gilt es zu unterscheiden zwischen der Jugendpolitik im Sinne einer be- reichsübergreifenden Gesellschaftspolitik und der für Deutschland eigentüm- lichen Politik der Jugendhilfe. Ebenso gilt es, die Eigentümlichkeit dieses pro- tektiv orientierten Systems zu beleuchten und sich zu fragen, welche Bedin- gungen eine derartige Struktur in Richtung eines aktivierenden Umganges mit den Jugendlichen führen könnten.

Dies wird im Folgenden thematisiert werden: Zunächst im Sinne einer Dar- stellung der vorhandenen Ansätze zur jugendpolitischen Einwirkung und im darauf Folgenden unter dem Eindruck der spezifischen Eigenheiten der deut- schen Jugendhilfepolitik. Anzumerken ist ebenfalls noch, dass in dieser Arbeit „Jugendpolitik“ in allgemeinerer Verwendung als echte „Querschnittspolitik“64 verstanden wird, im engeren Sinne, wie ausgeführt, als spezifische Aufgabe des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

3.2 Jugendpolitik und Politik

Es ist schon gesagt worden: Die Politiker bemühen sich um die Nachwach- senden auf verschiedene Art und Weise. Oft eben auf eine, die den Adressa- ten dieser Werbung nicht verständlich ist und oft auch sehr halbherzig. Hel- mut Ortners Kritik aus dem Jahre 1985 über den gern zitierten „Dialog mit der Jugend“ hat nicht an Aktualität verloren, wenn er meint, dass dieser Dia- log bisher gescheitert sei, weil Politiker aus dem „Dialog einen Monolog, eine Werbeveranstaltung für ihre Partei“ gemacht hätten.65 Die Gründe hierfür werden offensichtlich, wenn man betrachtet, wie Jugendpolitik in Deutsch- land definiert und praktiziert wird.

Zunächst ist festzustellen, dass jene, die um die Jugend und den Dialog mit ihr werben, politisch oft nicht im jugendpolitischen Feld an sich zu verorten sind. Berühmtestes Beispiel dafür mag der in den frühen 80ern vom damali- gen Bundeskanzler Helmut Schmid verordnete Dialog sein, dessen Titel „Die Jugend anerkennen“ bereits eine hohe Aussagekraft besitzt.66 Eine Erklärung für das Vorbeireden der Politiker ist dann auch hierin zu sehen: Gespräche mit und über Jugendliche sind lediglich Mittel zum Zweck der Öffentlichkeits- arbeit im Hinblick auf die Erwachsenen, genauer gesagt den Familien.67 Wie gewichtig dieses Argument ist, zeigt sich plausibel in der Gestaltung des für Jugendbelange hauptverantwortlichen Ministeriums, dessen Aufgabenfelder in seiner Bezeichnung als „Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend“ innewohnen. Diese Einteilung zeigt sehr deutlich, an welcher Stelle und in welchem Kontext das Thema „Jugend“ hierzulande bearbeitet wird.

Das Interesse von politischen Akteuren an diesem Ministerium an sich ist auf gleich niedrigem Niveau, wie an echten jugendpolitischen Themen überhaupt.68 Lediglich dort wo es möglich ist publikumswirksam, medienkräftig unterstützt zu agieren, finden sich Politiker, die in solchen Themen eine Gelegenheit zur Öffentlichkeitsarbeit sehen.69 Da es jedoch im sozialen Bereich aufgrund der ihm innewohnenden Sensibilität beziehungsweise seiner strukturellen Probleme und komplexen Problemfeldern meist langwierig ist, Dinge zum Positiven hin zu verändern, beschränkt man sich gerne auf jene wenigen Bereiche darin, die es einem erlauben, sich und seine Politik im Sinne eines Präsentismus publikumswirksam darzustellen.70

All das Geschilderte ist unzweifelhaft jugendpolitisch bedeutsam: Die mehr oder weniger ernst gemeinten Kommunikationsversuche der Politiker mit den Jugendlichen genauso wie die Anstrengungen der Politiker das Thema „Jugend“ gezielt zur eigenen Profilierung zu nutzen. Verwiesen sei in diesen Kontext darauf, dass es keine Politik geben kann, die nicht auch Jugendpolitik ist.71 Doch so verbreitet diese Erkenntnis auch ist und obwohl die zuständige Ministerin Christine Bergmann Jugendpolitik als eine „Querschnittsaufgabe, zu der alle Politikfelder ihren Beitrag zu leisten haben“72 bezeichnete, so wenig hat diese seit den 80ern verbreitete Erkenntnis in die althergebrachten Strukturen zum Positiven verändern können.

So existiert, eingedenk der oben ausgeführten Tatsachen, die engere Ju- gendpolitik, wie sie das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend betreibt und von der im kommenden Abschnitt die Rede zu sein hat.

3.3 Jugendpolitik als Jugendhilfepolitik

Jugendpolitik, wie sie derzeit vom zuständigen Bundesministerium praktiziert wird ist nach wie vor Ressortpolitik. Das jedoch steht dem eigenen Selbstver- ständnis, die „Jugendpolitik der Bundesregierung versteht sich als Quer- schnittspolitik“,73 entgegen. Im Wesentlichen handelt es sich in Deutschland dabei um Jugendhilfepolitik,74 in deren Zentrum die Steuerung des Systems von Einrichtungen, Institutionen, Regelungen und Maßnahmen steht.75 Es handelt sich also um die Verfolgung des Defizitansatzes: Hauptaugenmerk wird auf die Jugend als Problembereich und dessen institutionelle Bewälti- gunggerichtet.

Zu den Haupthindernissen einer Veränderung in Richtung einer am Jugendli- chen selbst ausgerichteten Jugendpolitik gehört neben diesen System das deutsche Charakteristikum einer sehr protektiven Einstellung der Politik in Fragen der Jugend.76 Gerade diese traditionell „auf Schutz, Integration, Kontrolle, Übersehbarkeit“77 Ausgerichtetheit verhindert eine Veränderung zu einer wirklich bereichsübergreifenden Herangehensweise und verspielt somit die Möglichkeit einer Entwicklung hin zu einer „emanzipativen, oder gemeinwesenorientierten“78 Jugendpolitik, wie sie in anderen Ländern vorzufinden ist. In dieser praktizierten Weise ist ihre Funktion lediglich kompensatorisch und abhängig von der Sozial-, Justiz- und Bildungspolitik, aber dennoch ist sie das einzige ausführende Organ in diesem Feld.

Strukturell abhängig, dies kommt dann noch hinzu, ist diese Jugendpolitik wiederum von dem System der Jugendhilfe, dessen Einflussmöglichkeiten wiederum von den Trägern der Praxis (Fachorganisationen, Jugendverbände, Wohlfahrtsverbände) und nicht zuletzt der föderalen Ordnung und kommu- nalen Selbstverwaltung determiniert ist.79 Für diese als unbefriedigend zu charakterisierende staatliche Jugendpolitik in Deutschland sind somit vier Hauptursachen zu lokalisieren: die Nachrangigkeit im Verhältnis zu den an- deren Politikbereichen, die starken Begrenzungen der Kompetenzen im Rah- men der föderalen Strukturen, die Angewiesenheit auf die öffentlichen Trä- ger der Praxis und der durch die drei vorher genannten Aspekte verursachte indirekte Zugang zu den Lebenslagen der Jugendlichen.80

Gemeinhin ergibt sich also der Sachverhalt, dass auf der vertikalen Politik- ebene Bund, Länder und Gemeinden ihre jeweiligen Kompetenzen verteidi- gen, wobei der Bund den sozialen Teilbereich traditionell mit seiner kompen- satorischen Hilfepolitik bearbeitet, während andere in diesem Kontext auch bedeutsame Teilbereiche wie Bildungspolitik außen vor bleiben.81 Aus der da- raus sich ergebenden „kaum glaublichen Zusammenhanglosigkeit“,82 dem „Kompetenzwirrwarr und Zuständigkeitsdschungel“83 heraus findet „in stillen Kammern“84 eine meist unreflektierbare Mischung aus Adressaten- und Insti- tutionenpolitik statt.85 Dabei überwiegt jedoch die Akzentuierung in Richtung der Ausgestaltung des Institutionensystems, wobei zwar der Adressat, der Jugendliche, fokussiert wird, das Ziel dennoch aus oben erläuterten Gründen über die Förderung von Institutionen zu erreichen ist.86

Diese staatliche „Alimentierung“87 der Jugendarbeit unter der Einschränkung der Subsidiarität hat jedoch sehr weit reichende Konsequenzen. Zum einen führt dieses Subventionierungswesen zu einer schwachen Form parlamenta- rischer Kontrolle in der Förderungspolitik. Hierfür ist in hohem Maße die weit- reichende Personenidentität von (Jugend-) Experten und Interessenvertre- tern verantwortlich.88

Zum Andern, und darin liegt möglicherweise die eigentliche Problematik, wol- len die vom Staat aufgewendeten Gelder jedoch sinnvoll angelegt sein. Da- her werden sie im überwiegenden Maße dort aufgewendet, wo es darum geht mögliche Gefährdungen im Hinblick auf die gesellschaftliche Eingliede- rung abzuwenden. Entsprechend erfolgt die Definition und Bearbeitung von jugendlichen Problemlagen unter dem Aspekt des politischen Risikocharak- ters. So ist das überproportional hohe Interesse an den Phänomenen Rassis- mus, Fremdenfeindlichkeit und nicht zuletzt auch Jugendgewalt zu erklären.89 Beispielhaft steht hierfür das „Aktionsprogramm gegen Aggression und Ge- walt“ (AgAG)90 von 1992; es überrascht nicht, dass es aus dem Kontext der rechtsextremen Gewalttaten der frühen 90er Jahren heraus entstand und seine Zielgruppe mit den Schlagworten „gewaltbereit und rechtsorientiert“91 beschreibbar ist.

Aus diesen Tendenzen resultieren zwei Befunde: Einerseits tritt der Staat bei dieser Form des jugendpolitischen Eingreifens nicht offen in Erscheinung, dennoch wahrt er durch gezielte Förderungspolitik seine Interessen und un- terdrückt damit die Kräfte der Selbstregulation.92 Andererseits wird dadurch der Mut zu emanzipativen und problemlösenden Strategien durch die Wand- lung vom sozialen Rechtsstaat hin zum sozialen Wohlfahrtsstaat konterka- riert.93 Diese Einschätzung wird selbst von den Autoren des „Elften Kinder- und Jugendberichtes“ geteilt und der soziale Wohlfahrtsstaat aufgefordert:

„Die Forderung nach einer öffentlichen Verantwortung beruht letztlich auf der Feststellung, dass sich die Lebensbedingungen und die Lebens- führung von Kindern und Jugendlichen in der gegenwärtigen Gesellschaft grundlegend verändert haben und dass verantwortliches Handeln der Kinder und Jugendlichen sowie ihrer Eltern heute nur noch auf dem Hin- tergrund einer öffentlichen Verantwortung für das Aufwachsen denkbar ist.“94

Es muss jedoch hinzugefügt werden, dass diese Entwicklung nicht nur von oben nach unten verläuft, sondern im Sinne einer Feedbackschleife auch von der Gesellschaft nachdrücklich der Politik kommuniziert und dem entsprechend von der Politik befördert wird.95

Diese Zusammenhänge wirken nicht zuletzt auf den einzelnen Jugendlichen zurück, wie das zu Beginn von Punkt ‚2.2 Jugend in der sozialen Wahrneh- mung’ angeführt ist; zu den markanten Indizien für diese These gehört ein Befund, der Gemeinplatz geworden ist: Staatliche und gesellschaftliche (par- teiunabhängig erscheinende) Institutionen genießen bei Jugendlichen im Ge- gensatz zu den Parteien ein ungemindert hohes Vertrauen.96 Dadurch stehen die sehr erstrebenswerten Ziele der Qualifizierung, des Schutzes und der In- tegration der nachkommenden Generation vermehrt im Schatten der system- immanenten Dispensierung einer Kultur der Eigenverantwortlichkeit.97

Es ist nicht Intention dieser Arbeit, dieses Feld an dieser Stelle in aller Aus- führlichkeit abzuhandeln; doch gilt es zu betonen, dass es diese Zerrbilder sind, die verantwortlich für irrige Verständnisse im Bezug auf „Jugend als Systemproblem“98 sind. Es sind diese Erscheinungen, die jene kognitiven Mängel bei Jugendlichen - und wohl leider auch die bei den politischen Instanzen - hervorbringen.

3.4 Modell jugendpolitischen Handelns

Die Bezüge zwischen kognitiver Leistungsfähigkeit und optimaleren Reakti- onsformen gelten nicht nur für Individuen, sondern auch für Organisationen. Als Modell für die Politik, ihre Aufgaben besser zu erfüllen, nämlich im Sinne einer hier ausdrücklich propagierten aktivierenden und emanzipativen Ju- gendpolitik, bedarf es eines grundlegenden Wandels des Zugangs zum The- ma. Die gerade erläuterten Defizite der bisherigen Verhältnisse können hier, mit dem bei einem Modell üblichen Beschränkungen, zumindest in wichtigen Aspekten berücksichtigt werden. Der wichtigste Wandel hat im grundsätzli- chen Verständnis jugendpolitischer Aktivität stattzufinden, deren Aktivität nicht erst im Problemfall, also in kompensatorischer Weise, sondern vielmehr aktivierend stattfinden müsste.99 Der Bezugsrahmen dafür sollte wie folgt aussehen:

Eine am Jugendlichen orientierte Politik hat als Ansatzpunkte zum Einen das Individuum, zum Anderen die Umwelt. Die Wechselseitigkeit dieser beiden Bezugssysteme ergibt für das Individuum eine Beeinflussung durch die der Umwelt zugeordneten Sozialisationsfelder (Eltern, Ausbildung und andere), auf die es im Gegenzug wiederum selbst einwirkt. Diese konkreten Interaktionen erzeugen wiederum selbst Erfahrungsstrukturen psychischer und sozialer Wirklichkeit.100 Dies hat Jugendpolitik, will sie am Individuum ansetzen, unter anderem mit zu berücksichtigen.101

[...]


1 Vgl. dazu: Drösser, Christoph: Verlotterte Jugend, in: DIE ZEIT vom 07.04.2004.

2 Beispielhaft dazu der Artikel von Susanne Gaschke; Gaschke, Susanne: Wie diese Gesell- schaft ihre Jugend verspielt. Generation in Gefahr, in: DIE ZEIT vom 07.05.1998.

3 Das Projekt wurde von Prof. Dr. Dieter Ulich, Lehrstuhl für Psychologie der Universität Augsburg, unter der Leitung von Frau Silvia Kratzer und Herrn J. Bach durchgeführt.

4 Vgl. dazu Hornstein, Walter: Jugendforschung und Jugendpolitik. Entwicklungen und Struk- turen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Weinheim/ München 1999, S. 184ff.

5 Vgl. Ferchhoff, Wilfried: Jugend an der Wende vom 20. zum 21. Jahrhundert. Lebensfor- men und Lebensstile, Opladen² 1999, S. 67ff. Dazu auch: Horn, Klaus- Peter: Was ist denn eigentlich Jugend? Moderne Fragen und vormoderne Antworten, in: Horn, Klaus- Peter/ Christes, Johannes/ Parmentier, Michael (Hrsg.): Jugend in der Vormoderne. Annäherungen an ein bildungshistorisches Thema, Köln/ Weimar/ Berlin 1998, S. 1-20.

6 Ferchhoff 1999, S. 67.

7 Vgl. Ferchhoff 1999, S. 68. Zur Jugend als Lebensphase siehe Hurrelmann, Klaus: Lebens- phase Jugend. Eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Jugendforschung, München 1994.

8 In diesem Zusammenhang ist oft die Rede von einer eigenständigen Phase der „Postadoleszenz“; da dies zu debattieren den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, wird jedoch darauf verzichtet. Vgl. speziell dazu Junge, Matthias: Forever young? Junge Erwachsenen in Ost- und Westdeutschland, Opladen 1995, S. 54ff.; allgemein und grundlegend Keniston, Kenneth: Young radicals. Votes on commited youth, New York 1968.

9 Ferchhoff 1999, S. 68.

10 Vgl. Oerter, Rolf & Dreher, Eva: Jugendalter, in: Oerter, Rolf/ Montada, Leo (Hrsg.): Ent- wicklungspsychologie, Weinheim 4 1998, S. 258-318, hier: S. 311.

11 Vgl. Sander, Uwe: 100 Jahre Jugend in Deutschland, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 19-20/ 2000, S. 3-11.

12 Vgl. Sander, Uwe/ Vollbrecht, Ralf: Jugend im 20. Jahrhundert, in: Sander, Uwe/ Voll- brecht, Ralf (Hrsg.): Jugend im 20. Jahrhundert. Sichtweisen - Orientierungen - Risiken, Neuwied/ Berlin 2000, S. 7-19.

13 Vgl. Sander 2000, S. 5f.

14 Speziell zu Jugendforschung und in dieser Beziehung noch immer aktuell: Hornstein, Walter: Jugendprobleme, Jugendforschung und politisches Handeln, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 3/ 1982, insbes. S. 4-25.

15 Vgl. Hornstein 1999, S. 185.

16 An den Shell-Studien lässt sich das beispielhaft zeigen: Wurden 1991 13-29jährige untersucht, beschränkte man sich 2002 auf die Altersgruppe der 12-25jährigen; siehe Deutsche Shell (Hrsg.): Jugend ´92. Lebenslagen, Orientierungen und Entwicklungsperspektiven im vereinigten Deutschland. Bd. 1, Opladen 1992, S. 9-22 und Deutsche Shell (Hrsg.): Jugend 2002. Zwischen pragmatischen Idealismus und robustem Materialismus, Frankfurt a. M. 2002, S. 13-15. Noch stärker akzentuiert sich das Problem dort, wo noch engere Altersgrenzen angelegt werden, die nach Außen aber mit „Jugend“ etikettiert sind.

17 Vgl. Sander 2000, S. 7.

18 Vgl. Flammer, August/ Alsaker, Françoise: Entwicklungspsychologie der Adoleszenz. Die Erschließung innerer und äußerer Welten im Jugendalter, Bern 2002, S. 39-44.

19 Für diese Altersgrenze spricht ihre Bedeutung in der deutschen Kinder- und Jugendhilfe; vgl. Statistisches Bundesamt: 11 Jahre Kinder- und Jugendhilfegesetz in Deutschland. Ergeb- nisse der Kinder- und Jugendhilfestatistiken, Bonn 2003, S. 4. Eine vergleichbare Grenzzie- hung, zwischen 15 und 25, empfiehlt beispielsweise eine Untersuchung der Europäischen Kommission; Vgl. Schizzerotto, Antonio/ Gasperoni, Giancarlo: Die Lage der Jugend in Europa, in: Schizzerotto, Antonio/ Gasperoni, Giancarlo: Studie zur Lage der Jugend und zur Jugendpolitik in Europa. Bd. 1: Leitlinien und Ländervergleiche, Mailand Januar 2001, S. 25-57. Technisch spricht für eine solche Grenzziehung die Tatsache, dass damit auch alle Probanden des Forschungsprojektes (das besonders auch für Träger der Jugendhilfe von In- teresse sein dürfte) erfasst sind.

20 Vgl. Dollase, Rainer: Die „Jugend“ der Psychologie, in: Sander, Uwe/ Vollbrecht, Ralf (Hrsg.): Jugend im 20. Jahrhundert. Sichtweisen - Orientierungen - Risiken, S. 101-115.

21 Vgl. Hafenegger, Benno: Jugendbilder. Zwischen Hoffnung, Kontrolle, Erziehung und Dialog, Opladen 1995, S. 114-118.

22 Vgl. Jülisch, Bernd-Rüdiger: Zwischen Engagement, Apathie und Resignation, in: Mansel, Jürgen/ Klocke, Andreas (Hrsg.): Die Jugend von heute. Selbstanspruch, Stigma und Wirklichkeit, Weinheim/ München 1996, S. 69-87, hier: S. 70f.

23 Zum Konstruktivismus an sich sei hier unter Anderem auf Von Glasersfeld, Ernst: Radikaler Konstruktivismus, Frankfurt am Main 1997 verwiesen; zu Konstruktivismus und Sozialwissen- schaften vgl. Knorr Cetina, Karin: Konstruktivismus in der Soziologie, in: Müller Albert/ Mül- ler, Karl H./ Stadler, Friedrich (Hrsg.): Konstruktivismus und Kognitionswissenschaft, Wien 1997, S. 127-149.

24 Vgl. Többe-Schukalla, Monika: Jugend als Thema sozialwissenschaftlich-empirischer For- schung und als Aufgabe für die Politik, Dissertation, Münster 1990, S. 1-10.

25 Vgl. Hoffmann-Lange, Ursula: Der fragwürdige Beitrag von Jugendstudien zur Analyse von Trends in der politischen Kultur, in Merkens, Hans/ Zinnecker, Jürgen (Hrsg.): Jahrbuch Jugendforschung 1/ 2001, Opladen 2001, S. 187-210, hier: S. 187f.

26 Vgl. Hafenegger 1995, S. 113f.

27 Gaschke 1998.

28 Der Befund erhebt keinerlei Anspruch auf Repräsentativität. Es handelt sich dabei lediglich um eine Stichprobe; anzumerken ist jedoch, dass m. E. dies durchaus einen Trend spiegelt, was jedoch Thema einer separaten Untersuchung wäre. (Recherchiert wurde in den elektro- nischen Datenbanken der Süddeutschen Zeitung und der Augsburger Allgemeinen (hier führ- te das ein Mitarbeiter der AZ für mich durch) von 2002 nach Artikeln mit „jugend* AND (ge- walt* OR aggress*)“; Ergebnis: SZ 225 Treffer, AZ 440 Treffer und FAZ 634 Treffer).

29 Und wohl auch in anderen Medien - konkrete aktuelle Untersuchungen sind jedoch auch hier ein Desiderat.

30 Nur ein Artikel unter unzähligen (aber wegen seiner Beispielhaftigkeit hier gut geeignet): Sabinsky, Holger: Junge Straftäter werden brutaler, in: Augsburger Allgemeine, 10.01.2004. Auch: Karg, Josef: Zweimal die Woche vor laufender Kamera gequält, in: Augsburger Allgemeine, 05.02.2004; Reißerisch: Schwarz, D./ Welte, J./ Schiebel, P.: Andy (14) erschießt Erzieher!, in: Abendzeitung, 12.02.2004.

31 Sabinsky 2004.

32 Zur Bedeutung der PKS später; betont sei an dieser Stelle, dass das in der PKS vorgelegte Zahlenmaterial sehr differenziert gesehen werden muss.

33 Vgl. Hamburger, Franz: Gewaltdiskurs und Schule, in: Schubarth, Wilfried/ Melzer, Wolf- gang (Hrsg.): Schule, Gewalt und Rechtsextremismus, Opladen² 1995, S. 152-154.

34 So der hier beispielhaft analysierte Artikel von Sabinsky 2004.

35 Insbesondere die „Medien-Gewalt“-These muss sehr kritisch hinterfragt werden; in aller Kürze vgl. Kunczik, Michael/ Zipfel, Astrid: Gewalttätig durch Medien?, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 44/ 2002, S. 29-37. Eine Anfrage an Herrn Sabinsky zu diesem Kontext vom 02.02.2004, die seine Berichterstattung hinterfragte, blieb leider ohne Antwort.

36 Vgl. zur Fragwürdigkeit der Shell-Studien besonders Hoffmann-Lange 2001, S. 187-210; speziell zu den Shell-Studien und ihrer Geschichte: Zinnecker, Jürgen: Fünf Jahrzehnte öf- fentliche Jugend-Befragung in Deutschland. Die Shell-Jugendstudien, in: Merkens, Hans/ Zinnecker, Jürgen (Hrsg.): Jahrbuch Jugendforschung 1/ 2001, Opladen 2001, S. 243-271.

37 Vgl. dazu Deutsche Shell Frankfurt am Main 2002.

38 SPD Parteivorstand: Jugendinitiative. Jugendphase im Umbruch, Berlin 06/ 2000.

39 Vgl. auch Drobinski, Matthias: Die pragmatische Generation, in: Süddeutsche Zeitung vom 20.08.2002. Dazu ebenfalls: Rückert, Sabine: Wie man in Deutschland kriminell wird, in: DIE ZEIT vom 22.01.2004.

40 SPD Parteivorstand 06/ 2000.

41 „Die gesellschaftliche Macht, die finanziellen Ressourcen und die öffentliche Aufmerksam- keit sind von der jungen zur älteren Generation gewandert“, so beschreibt Warnfried Dett- ling 1997 die Ursachen hierfür; siehe dazu: Dettling, Warnfried: Die moralische Generation, in: DIE ZEIT vom 14.02.1997.

42 Vgl. Bundesjugendkuratorium: Gegen den irrationalen Umgang der Gesellschaft mit der nachwachsenden Generation, in: Frankfurter Rundschau vom 28.08.2000.

43 Vgl. Hornstein, Walter: Was macht die Politik mit der Jugend? Über die nicht einlösbaren Versprechungen, mit denen die Politik die Jugend zu gewinnen sucht, in: Zeitschrift für Pädagogik, 6/ 2003, S. 870-884.

44 Dieses Verfahren erschien mir als sehr zweckmäßig; die Ergebnisse sind im Rahmen dieser Arbeit auch durchaus brauchbar. Jedoch antworteten von allen im Bundestag vertretenen Parteien (+CSU) lediglich CDU, FDP, PDS sowie PDS.

45 So im Schreiben der FDP-Bundesgeschäftsstelle vom 3. Februar 2004; vergleichbar äußerte sich die PDS in ihrem Brief vom selben Datum; ebenso die CDU, die statt einer ausformulierten Antwort auf ihre jugendpolitischen Leitsätzen verwies.

46 Bundesfachausschuss Familien- und Jugendpolitik der CDU: Jugendpolitische Leitsätze, in: http://www.cdu.de/jugendforum/leitsaetze.pdf (04.02.2004/ 12.00); in vergleichbarer Weise auch die übrigen Parteien.

47 Vgl. Pressemitteilung des BMFSFJ vom 31.10.2001 und dazu Hornstein 2003, S. 871f.

48 Hornstein 2003, S. 870.

49 Einen solchen Befund bietet - in weit höherem Maße als die gängigen Jugendsurveys - die qualitative Studie von Ingrid Burdewick; vgl. Burdewick, Ingrid: Jugend - Politik - Anerken- nung. Eine qualitative empirische Studie zur politischen Partizipation 11- bis 18-Jähriger, Bonn 2003.

50 Vgl. dazu als aktuelles Beispiel: Scharfenberg, Nadeschda: Minderjährige Expertenkommission, in: Süddeutsche Zeitung vom 25.05.2004.

51 Vgl. Hornstein 2003, S. 873-879.

52 Verwiesen sei hierbei auf die z. T. ähnlich weitgehenden Vorstellungen rechter und Partei- en und denen der politischen Mitte; vgl. Bundesprogramm der REPUBLIKANER, Kap. III, Un- terpunkt „Innere Sicherheit, Justiz“, Fassung von 2002, mit den Leitlinien zur inneren Sicher- heit der CDU, Kap. IV „Bekämpfung der Kinder- und Jugendkriminalität“, Fassung vom 25.06.2001. Beide Papiere fordern im Hinblick darauf den „Einsatz repressiver Maßnahmen“ (CDU) und „null Toleranz“ (DIE REPUBLIKANER) auch bei geringfügigen Verstößen. Zur Relativierung muss hinzugefügt werden, dass die CDU an anderer Stelle sich dazu auch anders äußert: vgl. Jugendpolitische Leitsätze der CDU: Jugendpolitik heißt Zukunftspolitik, Kap. 11 „Jugendgewalt und Jugendkriminalität“, Fassung vom November 2001, worin Prävention und Resozialisierung im Vordergrund stehen.

53 Zur Definition von delinquenten und abweichenden Verhaltensweisen siehe: Lamnek, Siegfried: Theorien abweichenden Verhaltens, München 7 1999, S. 43-54.

54 Drobinski 2003.

55 Vgl. Rückert 2004; darin enthalten auch die Ergebnisse einer Befragung von Franz Streng, Universität Erlangen-Nürnberg zu Rache oder Resozialisierung.

56 Vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Elfter Kinder- und Jugendbericht, Bonn 2002, S. 238.

57 Vgl. Dettling 1997; siehe auch: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2002, S. 238. Auch Bundesjugendkuratorium Bonn 2000, S. 303.

58 Hornstein 1999, S. 411.

59 Vgl. auch Bay, Joi/ Bendit, Renè/ Hein, Kerstin: Jugendpolitik in Europa, in: Schizzerotto, Antonio/ Gasperoni, Giancarlo: Studie zur Lage der Jugend und zur Jugendpolitik in Europa. Bd. 1: Leitlinien und Ländervergleiche, Mailand Januar 2001, S. 58-117, hier: 58-63.

60 Vgl. Hornstein 1999, S. 411.

61 Vgl. ebenda, S. 411.

62 Vgl., insbesondere zu den Begriffen, Hornstein 2003, S. 877.

63 Hornstein 1999, S. 411.

64 Vgl. dazu: Stellungnahme der Bundesregierung, BMFSFJ 2002, S. 4.

65 Ortner, Helmut (Hrsg.): Keiner fragt - Politiker antworten. Jugendliche zum „Dialog mit der Jugend“, Frankfurt am Main 1985, S. 6; vgl. auch Hornstein 2003, S. 872; auch: Roos, Peter: Kaputte Gespräche. Wem nützt der Jugend-Dialog, Weinheim/ Basel 1982.

66 Vgl. Roos 1982, bes. S. 49-104.

67 Vgl. hierzu besonders Möller, Kurt: Jugend und Gewalt - versagt Jugendpolitik, verzagt Jugendarbeit?, in: Heitmeyer, Wilhelm/ Möller, Kurt/ Sünker, Heinz: Jugend-Staat-Gewalt. Politische Sozialisation von Jugendlichen, Jugendpolitik und politische Bildung, Weinheim/ München 1989, S. 277-298, hier: S. 287ff.

68 Vgl. Möller 1989, S. 286.

69 Vgl. Hornstein 2003, S. 874.

70 Vgl. Hornstein 2003, S. 874; zu „Präsentismus“ und politischer Inszenierung siehe Meyer, Thomas: Die Theatralität der Politik in der Mediendemokratie, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 53/ 2003, S. 12-19.

71 Hornstein 2003, S. 872ff.

72 So Christine Bergmann, Bundesministerin für Familie, Frauen und Jugend im Vorwort des Elften Kinder- und Jugendberichtes, BMFSFJ 2002, S. 2.

73 So in der Stellungnahme der Bundesregierung, in: BMFSFJ 2002, S. 4.

74 Zur Jugendhilfe in Deutschland und ihren Strukturen vgl. Schwab, Hans: Strukturen, Institutionen und Förderung der politischen Jugendbildung, in: Hafenegger, Benno (Hrsg.): Handbuch politische Jugendbildung, Schwalbach/ Ts. 1997, S. 37-56.

75 Vgl. Hornstein 2003, S. 872ff.; auch Becker, Heidede/ Löhr, Rolf-Peter: „Soziale Stadt“. Ein Programm gegen die sozialräumliche Spaltung in den Städten, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 10-11/ 2000, S. 22-29.

76 Vgl. Hornstein 2003, S. 874ff.

77 Ebenda, S. 875.

78 Ebenda, S. 875.

79 Vgl. ebenda, S. 875ff.

80 Vgl. ebenda, S. 875ff.; auch Hornstein 1999, S. 153-161; vgl. insbesondere auch BMFSFJ 2002, S.78-92.

81 Vgl. Többe-Schukalla 1990, S. 257ff.

82 Vgl. ebenda, S. 258; auch: Hornstein 2003, S. 874.

83 Hornstein 2003, S. 875.

84 Ebenda, S. 874.

85 Zu den Begriffen vgl. Hornstein 2003, S. 877, vgl. auch Möller 1989, S. 286ff.

86 In der Praxis hat das, aufgrund der demographischen Veränderungen, bereits zu Konkur- renzkämpfen um das „knappe Gut Jugend“ geführt, um „Legitimationsprobleme“ zu vermei- den. Vgl. dazu Fülbier, Paul/ Münchmeier, Richard: Handbuch der Jugendsozialarbeit, Müns- ter 2001, S. 202-206.

87 Knoll, Joachim: Staat - Gesellschaft - Selbstkontrolle, in: tv diskurs 4/ 1998, S. 46-53, zi- tiert nach: http://www.fsf.de/Texte/Selbstko/Knoll/hauptteil_knoll.htm (22.02.2004/ 13.46).

88 Vgl. Hornstein 2003, S. 878f. Nicht zuletzt sind die „Berührungsängste“ der Politiker mit diesem politischen Bereich für die mangelnde Öffentlichkeit zumindest mitverantwortlich. Vgl. Möller 1989, S. 286.

89 Vgl. Hornstein 2003, S. 877. Vgl. auch dazu Knoll 1998.

90 Dazu vgl. Bohn, Irina/ Münchmeier, Richard: Das Aktionsprogramm gegen Aggression und Gewalt, Bd. 1, Münster 1997.

91 Bohn/ Münchmeier 1997, S. 114.

92 Vgl. Knoll 1998.

93 Vgl. Hornstein 2003, S. 875 und Knoll 1998.

94 BMFSFJ 2002, S. 245.

95 Vgl. Knoll 1994, S. 47; zu „Feedback“: Watzlawick, Paul/ Beavin, Janet/ Jackson, Don: Menschliche Kommunikation, Bern 4 1969, S. 29-33.

96 Vgl. zu diesem Befund Schneekloth, Ulrich: Demokratie, ja - Politik, nein? Einstellungen Jugendlicher zur Politik, in: Deutsche Shell 2002, S. 100-119. Ebenso: Fischer, Arthur: Jugend und Politik, in: Deutsche Shell (Hrsg.): Jugend 2000. 13. Shell-Jugendstudie, Bd. 1, Opladen 2000, S. 261-282; Siehe auch: Gaiser, Wolfgang et al.: Politikverdrossenheit in Ost und West? Einstellungen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 19-20/ 2000, S. 12-23.

97 Vgl. Knoll 1998, siehe auch dazu Hornstein 2003, S. 882.

98 Hornstein 1999, S. 156.

99 Vgl. Hornstein 2003, S. 875f.; auch Többe-Schukalla 1990, S. 24-30, 257.

100 Vgl. Többe-Schukalla 1990, S. 22.

101 Ebenda.

Details

Seiten
91
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638371797
ISBN (Buch)
9783638705417
Dateigröße
898 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v37979
Institution / Hochschule
Universität Augsburg – Lehrstuhl für Politikwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Jugendliches Konfliktverhalten Aufgabe Politik Gesellschaft Theoretische Grundlagen Erkenntnisse Forschungsprojektes

Autor

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Titel: Jugendliches Konfliktverhalten als Aufgabe von Politik und Gesellschaft: Theoretische Grundlagen und praktische Erkenntnisse eines Forschungsprojektes