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Präsentieren und Visualisieren. Die Rolle visualisierter Inhalte in Präsentationen

Hausarbeit 2016 18 Seiten

Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Einführung in das Thema
1.2 Ziel dieser Arbeit
1.3 Struktur der Arbeit

2. Informationsaufnahme und -verarbeitung
2.1 Der Begriff der Information
2.2 Der Weg der Information
2.2.1 Die menschliche Wahrnehmung
2.2.2 Die Datenverarbeitung im Gehirn
2.3 Die Rolle der Visualisierung
2.3.1 Abgrenzung bildlicher und textlicher Darstellung
2.3.2 Die Verarbeitung bildlicher Darstellung im Gehirn
2.3.3 Einsatzmöglichkeiten der Visualisierung

3. Arten der Visualisierung
3.1 Bausteine einer Visualisierung
3.1.1 Gestaltungselemente
3.1.1.1 Text
3.1.1.2 Grafiken und Symbole
3.1.1.3 Diagramme
3.1.1.4 Animationen
3.1.1.5 Filme
3.1.2 Medien
3.1.2.1 Flipchart
3.1.2.2 Metaplanwand/Pinnwand
3.1.2.3 Overheadprojektor
3.1.2.4 Beamer mit PC/Notebook und Präsentationsprogramme
3.2 Erstellung einer Visualisierung
3.2.1. Grundprinzipien zur Visualisierung von Inhalten
3.2.2 Strategien bei der Visualisierung von Inhalten

4. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildungen

Abbildung 1: Semiotische Ebenen des Informationsbegriffes

Abbildung 2: Bausteine zur Erstellung einer Visualisierung

1. Einleitung

1.1 Einführung in das Thema

Wer eine Präsentation erarbeitet, setzt es sich zum Ziel, den Rezipienten möglichst viel des erarbeiteten Wissens zu vermitteln. Da die Behaltensquote bei visuell dargestellten Inhalten wesentlich höher ist als bei einer rein textlichen oder auditiven Präsentation,[1] hat sich die Visualisierung als wertvolles Mittel des Präsentators erwiesen, um einen umfangreichen Wissenstransfer zu gewährleisten.

1.2 Ziel dieser Arbeit

In dieser Arbeit wird anhand eines Überblicks über die gängigen Theorien zur Informationsverarbeitung und zur Lerntheorie dargestellt, warum der Mensch visuelle Inhalte besser aufnehmen und verarbeiten kann als textliche und welchen Stellenwert die Visualisierung damit in einer Präsentation hat. Auch soll abgegrenzt werden, ab wann eine Darstellung als „bildlich“ anzusehen ist, welche Möglichkeiten der Visualisierung einem Präsentator zur Verfügung stehen, um Sachverhalte bildlich darzustellen und mit welchen Strategien sich dies effektiv gestalten lässt.

1.3 Struktur der Arbeit

In Kapitel 2 wird der Begriff der Information definiert und erläutert, wie Informationen vom Menschen aufgenommen und weiterverarbeitet werden, um zum Wissenszuwachs beizutragen. Hier wird geklärt, ab wann eine Darstellung als visualisiert anzusehen ist und warum die visuelle Darstellung von Inhalten im Vergleich zur textlichen Darstellung den Prozess der Informationsverarbeitung erleichtert. Die besondere Rolle der Verarbeitung von visualisierten Informationen wird anhand von Beschreibungen der dualen Codierungstheorie und der Cognitive Load Theorie dargestellt.

Anschließend werden in Kapitel 3 die verschiedenen Arten der Visualisierung vorgestellt und erläutert, was bei der Erstellung einer Visualisierung zu beachten ist.

Die gewonnenen Erkenntnisse werden in Kapitel 4 abschließend zusammengefasst und der Rolle der Visualisierung bewertet.

2. Informationsaufnahme und -verarbeitung

2.1 Der Begriff der Information

Nach der semiotischen[2] Definition bestehen Informationen aus einem physikalischen Träger (Syntaktik), haben eine Bedeutung (Semantik) und tragen zur Erweiterung des Wissens des Empfängers bei (Pragmatik).[3] Informationen können in diesem Prozess sowohl beschreiben als auch anweisen.[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Semiotische Ebenen des Informationsbegriffes[5]

Da Präsentationen darauf ausgerichtet sind, den Wissensstand des Empfängers zu verbessern, ist der pragmatische Informationsbegriff naheliegend, wonach Informationen dazu dienen, beim Empfänger Unwissenheit zu beseitigen oder sein Wissen zu vermehren.[6] Demnach werden bloße Nachrichten zu Informationen, wenn sie zweckgebunden bereitgestellt werden, um eine Entscheidung zu ermöglichen.[7]

2.2 Der Weg der Information

2.2.1 Die menschliche Wahrnehmung

Kroeber-Riel beschreibt die Wahrnehmung als einen subjektiven, aktiven und selektiven Prozess von hoher Komplexität, der die aus der Umwelt aufgenommenen, physikalischen Reize mit den im Gehirn gespeicherten Informationen verbindet.[8]

90% der Informationen nimmt der Mensch über das visuelle System auf.[9] Etwa 60% der Großhirnrinde sind an der Wahrnehmung, Interpretation und Reaktion auf visuelle Reize beteiligt.[10] Diese Werte machen die besondere Bedeutung der visuellen Wahrnehmung für den Menschen deutlich.

Stark vereinfacht wird beim Sehprozess das von einem Betrachtungsgegenstand reflektierte Licht durch die Fotorezeptoren auf der Netzhaut (Retina) in elektrische Impulse umgewandelt, die im Gehirn weiterverarbeitet werden können.

2.2.2 Die Datenverarbeitung im Gehirn

Von den aufgenommenen Reizen, die auf das Individuum aus der Umwelt einwirken, wird lediglich ein Teil zur Verarbeitung weitergegeben.[11] Die Information durchläuft von der Aufnahme über die Verarbeitung bis zur Speicherung einen gewissen Prozess.

Die hierzu vorherrschende Lehrmeinung ist das modale Modell, das sich aus dem Dreispeichermodell entwickelte, das Atkinson und Shiffrin wiederum aus dem von Broadbent entwickelten Mehrspeichermodell ableiteten[12].

Das Mehrspeichermodell der menschlichen Informationsverarbeitung sieht den Informationsfluss als sequenziell an und unterteilt die kognitiven Prozesse in die Informationsaufnahme, Informationsverarbeitung und Informationsspeicherung.

Das Dreispeichermodell teilt diesen Prozessen die Einheiten „sensorischer Speicher“, „Kurzzeitspeicher“ und „Langzeitspeicher“ zu.[13]

Aus dem Mehrspeichermodell wurde das modale Modell weiterentwickelt, das die einzelnen Prozesse und Einheiten als nicht voneinander unabhängig und sequenziell agierend ansieht, sondern eine enge Verknüpfung untereinander annimmt. Die aufgenommenen Sinnesreize werden demnach zunächst in einem flüchtigen sensorischen Speicher festgehalten und nur dann an das Kurzzeitgedächtnis weitergeleitet, wenn sie unsere Aufmerksamkeit erfahren haben. Im Kurzzeit- oder Arbeitsspeicher werden die Informationen verarbeitet, indem sie interpretiert, bewertetet, verglichen, zusammengefasst und in Handlungen und Handlungsabsichten umgesetzt werden.[14]

Bei der Übernahme der wahrgenommenen Informationen in das Langzeitgedächtnis treten gedankliche Verarbeitungsvorgänge (Codierungen) auf, die sich in erster Linie auf die Verknüpfung der aufgenommenen mit den bereits im Gedächtnis gespeicherten Informationen beziehen.[15] Je mehr die aufgenommenen Informationen mit bereits vorhandenem Wissen (Schemata) in Beziehung gesetzt werden können, desto größer ist die Verarbeitungstiefe und desto leichter können sie abgespeichert und später wieder abgerufen werden.[16]

2.3 Die Rolle der Visualisierung

Insbesondere bei der Verarbeitung von Daten im Kurzzeitspeicher unterscheidet sich die Art und Weise, wie Bildliches und Schriftliches aufgenommen wird. Bilder werden typischerweise ganzheitlich erblickt, während geschriebene Texte sukzessiv von Teilen ausgehend zu einem Ganzen hin erlesen werden müssen.[17] Demzufolge erfolgt die Verarbeitung von Bildern wesentlich schneller als die von Texten. Um dies nachvollziehen zu können, wird zunächst erläutert, wie sich textliche und bildliche Darstellung unterscheiden.

2.3.1 Abgrenzung bildlicher und textlicher Darstellung

Visualisierung ist der Vorgang, Informationen in „visuell Wahrnehmbares“[18] umzuwandeln. Nach der Unterscheidung der Informationsaufnahme durch ein visuelles und ein semantisches Wahrnehmungssystem (i.S.v. Paivio) ist eine Information visuell, wenn ihr Inhalt ausschließlich über das visuelle System aufgenommen und zumindest auch als Bild gespeichert wird und nicht aus inneren semantischen, akustischen, geschmackssensorischen/olfaktorischen oder haptischen Reizen entstanden ist.[19]

2.3.2 Die Verarbeitung bildlicher Darstellung im Gehirn

Die zentrale These Paivios Theorie der dualen Codierung ist, dass verbale und nonverbale Informationen in voneinander unabhängigen, aber miteinander verbundenen Systemen verarbeitet werden.[20] Der Mensch kann sich Bilder und direkt mit Bildern verknüpfte Worte (z.B. Auto) besser merken, als abstrakte Worte und Konzepte (z.B. Ewigkeit). Eine Erklärung dafür ist, dass verbale und nonverbale Codes zwar funktional unabhängig sind, aber einen additiven Effekt auf die Erinnerung haben.[21]

Die Wirkung von Texten und Bildern auf die Gedächtnisantwort und die Verknüpfung mit dem vorhandenen Wissen ist unterschiedlich. Das verbale System arbeitet nach Paivio abstrakt und sequenziell, das „bildliche“ Imagery-System[22] hingegen ganzheitlich analog.[23]

Bei Bildern wird automatisch auch die Bezeichnung aktiviert, während Wörter in einem viel geringerem Ausmaß zugleich bildhafte Vorstellungen auslösen. Paivio leitete daraus den Effekt der Überlegenheit von Bildern (Picture Superiority Effect) ab.[24]

Demnach sind, um ein Bild von mittlerer Komplexität so aufzunehmen, dass es später wiedererkannt werden kann, 1,5 bis 2,5 Sekunden erforderlich. In der gleichen Zeit können ca. 10 Wörter aufgenommen werden. Diese vermitteln aber im Allgemeinen wesentlich weniger Information über einen Sachverhalt als ein Bild.[25]

Diese höhere Fähigkeit, Informationen aus Bildern anstelle von Texten aufzunehmen, wird durch die Cognitive Load Theorie weiter erklärt. Sweller, einer der Begründer und wichtigsten Vertreter der Cognitive Load Theorie geht von zwei Prämissen aus: Erstens, dass die Ressourcen des menschlichen Arbeitsgedächtnisses zur Verarbeitung von Informationen begrenzt sind und zweitens, dass das Arbeitsgedächtnis ein visuelles und ein auditives Zentrum hat und deshalb separate Kapazitäten für die Verarbeitung von bildhafter und von verbaler Information.[26] Die kognitive Belastung bei der Aufnahme von Bildern ist geringer als bei Texten. Bilder können also automatisch, mit geringerer gedanklicher Beteiligung und Anstrengung, verarbeitet werden.[27]

2.3.3 Einsatzmöglichkeiten der Visualisierung

Der Einsatz von Visualisierungen in Präsentationen kann es dem Publikum demnach erleichtern, die vorgetragenen Inhalte aufzunehmen und zu behalten.

Da die Kapazität für die Verarbeitung von bildhaften Informationen höher ist als die für textliche Informationen, bietet es sich an, insbesondere Schlüsselinformationen durch Visualisierung zu unterstreichen, da sich das Publikum dann direkt auf diese konzentrieren kann.

Neben der Rolle als Trägerin von Schlüsselinformationen kann die Visualisierung auch dazu dienen, Hintergründe und Zusammenhänge zu erläutern und es dem Publikum somit leichter zu machen, „auf einen Blick“ komplexe Sachverhalte nachzuvollziehen.

Um diese Vorteile zum Tragen zu bringen, stehen dem Präsentator für die Gestaltung seiner Visualisierung verschiedene Mittel und Wege zur Verfügung, die im folgenden Kapitel aufgezeigt werden.

3. Arten der Visualisierung

3.1 Bausteine einer Visualisierung

Zur Erstellung einer Visualisierung, benötigt man einerseits Gestaltungselemente, mittels denen die Informationen aufbereitet und weitergegeben werden und andererseits Medien, auf denen die Visualisierung physikalisch entsteht.[28] Die Gestaltungselemente lassen sich unterteilen in starre und bewegte Bilder.

[...]


[1] Vgl. Seifert, 2014, S.11.

[2] Semiotik ist die allgemeine Theorie vom Wesen, von der Entstehung und vom Gebrauch von Zeichen.

[3] Vgl. Meyer, 1999, S. 18.

[4] Vgl. Dworatschek, 1971, S.52.

[5] Vgl. Meyer, 1999, S. 18.

[6] Vgl. Brönimann, 1967, S. 23.

[7] Vgl. Meyer, 1999, S. 21.

[8] Vgl. Kroeber-Riel/Gröppel-Klein, 2013, S.363.

[9] Vgl. Meyer, 1999, S. 90.

[10] http://www.allpsych.uni-giessen.de/karl/teach/aka.htm [Stand 15.02.2016].

[11] Vgl. Meyer, 1999, S. 93.

[12] Vgl. Kroeber-Riel/Gröppel-Klein, 2013, S. 306f.

[13] Vgl. ebenda.

[14] Vgl. Meyer, 1999, S. 94.

[15] Vgl. Kroeber-Riel/Gröppel-Klein, 2013, S. 431.

[16] Vgl. ebenda.

[17] Vgl. Schmitz, 2011, S. 10 f.

[18] Vgl. Brockhaus, 1974, S. 658.

[19] Vgl. Meyer, 1999, S. 32 f.

[20] Vgl. Kroeber-Riel/Gröppel-Klein, 2013 S. 441.

[21] http://www.csuchico.edu/~nschwartz/paivio.pdf [Stand 02.03.2016].

[22] Unter dem Oberbegriff Imagery werden die Prozesse zusammengefasst, die bei der Entstehung, Verarbeitung Speicherung und beim Aufruf von visuellen Informationen wirksam werden. Vgl. Kroeber-Riel/Gröppel-Klein, 2013, S. 439.

[23] Vgl. Kroeber-Riel/Gröppel-Klein, 2013, S. 441.

[24] Vgl. Weidenmann 2002, S. 50.

[25] Vgl. Kroeber-Riel/Esch, 2011, S. 24.

[26] http://www.wissualisierung.com, S. 38 [Stand: 29.02.2016].

[27] Vgl. Kroeber-Riel/Esch, 2011, S. 25.

[28] Vgl. Seifert, 2014, S. 14.

Details

Seiten
18
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668570917
ISBN (Buch)
9783668570924
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v379772
Institution / Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Note
1,3
Schlagworte
Informationsverarbeitung Visualisierung Präsentation

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