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Augustinus Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens

Das Streben nach und sich Verbinden mit dem wahren Gott (De vera religione Kap. 48 – 55)

Facharbeit (Schule) 2015 29 Seiten

Theologie - Religion als Schulfach

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung: „Unruhig ist unser Herz bis es ruht o Gott in dir!"

1. Das Römische Reich im 4. Jahrhundert
1.1 Politischer, religiöser und soziokultureller Hintergrund
1.2 Die römische Provinz Africa

2. Augustinus - auf Umwegen zum bekennenden Christen
2.1 Ein Karrieremensch
2.2 Auf der geistig-geistlichen Suche nach seiner religiösen Heimat
2.3 Die neue Lebensform: die beschaulich-asketische Gemeinschaft

3. Augustinus erste schriftstellerische Schaffensperiode
3.1 Frühschriften
3.2 De vera religione - „Ouvertüre zur Symphonie seines Gesamtwerks“
3.2.1 Entstehungsgeschichte, Motive und Adressaten
3.2.2 Programmatik, Gliederung und inhaltliche Grundzüge

4. „streben wir zu dem einen Gott und bemühen uns, ihm allein … unsere See- len zu verbinden“ - Augustinus´ Antwort auf der Suche nach dem Sinn des Lebens in „De vera religione" Kap.
4.1 Freiheit zum Handeln
4.2 Die menschliche Geistseele und Vernunft ermöglichen Erkennen und Überschreiten seiner selbst
4.3 Offenbarungsglaube als Alternative zur Erkenntnis
4.4 Gott als das Höchste und als Mittelpunkt des Lebens
4.5 Religion ist Beziehung
4.6 In der Beziehung zur Vervollkommnung reifen
4.7 Verehrung ist gelebte Beziehung
4.8 Warnung vor der falschen Religion

5. Zusammenfassung und Ausblick

Quellen- und Literaturverzeichnis

„Tu excitas, ut laudare te delectet, quia fecisti nos ad Te et inquietum est cor nostrum, donec requiescat in te, Domine“ (conf. I 1)

In diesen weltberühmten Worten seiner „Bekenntnisse" hat Augustinus sein unruhiges irdisches Unterwegssein auf ein überirdisches Ziel hin, nämlich Gott, zusammengefasst. Er möchte uns damit an seinem Beispiel verdeutlichen, dass unser ganzes Leben ein Su- chen und ein Sehnen nach etwas Höherem ist. Gott ist damit der Mittelpunkt in Augusti- nus´ Leben und in seiner Lehre. Auf ihn hin zu leben ist für Augustinus Tag für Tag eine neue Herausforderung.

Für Augustinus war es von Anfang an alles andere als klar, dass Gott für ihn die Antwort auf sein Unruhigsein und das Ziel seines Unterwegsseins sein würde. Erst zu Beginn seiner 30er Lebensjahre hat er die Überzeugung entwickelt und gewonnen, dass für ihn und für die Menschen der Weg zu einem guten und glücklichen Leben im lebenslangen Bemühen besteht, zum dreifaltigen Gott der Bibel zu streben, sich mit ihm zu verbinden, ihm anzuhangen und mit aufrichtiger Frömmigkeit zu verehren.

Diese Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens hat er nach einem alles andere als geradlinig verlaufenden Prozess der Gottes- und Selbstfindung gefunden. Dieser Pro- zess ist im Wesentlichen mit seiner Bekehrung und Taufe 386/387 innerlich abgeschlos- sen und bis kurz vor seiner Priesterweihe 391 gedanklich durchdrungen. Dieser Lebens- abschnitt von der Geburt bis zur Priesterweihe bildet auch den zeitlichen Rahmen meiner Arbeit.

Augustinus´ Lebensweg ist eingebettet in den einsetzenden Umbruch von der Spätantike zum Frühen Mittelalter. Deshalb wird eingangs grob die Situation des römischen Reiches und der römischen Provinz Africa im 4. Jahrhundert skizziert. Grundlinienartig wird im zweiten Punkt Augustinus´ beruflicher Werdegang beschrieben. Im Weiteren wird eingehender versucht, die für die Fragestellung maßgebliche geistig-geistliche Entwicklung von Augustinus nachzuvollziehen. Über 20 Jahre hat sie gedauert. Sie führte zunächst weg vom anerzogenen christlichen Glauben und, auf Umwegen und mit schmerzhaften Erfahrungen, wieder zurück zum bekennenden und getauften Christen der rechtgläubigen katholischen Kirche.

Mit dem neu gewonnenen Gottes-, Bibel-, Kirchen- und Selbstverständnis geht eine neue beschauliche und asketische Lebensform einher. Diese Phase, in der die Frühschrif- ten entstehen, ist eine erste fruchtbare, wie ich im dritten Abschnitt kurz beschreibe. Da- zu gehört als letztes Werk auch seine Schrift „De vera religione“ (im Weiteren: V.r.).

In den Kapiteln 48 bis 55 hat er - für jeden nachlesbar - sein neu gewonnenes Sinnmo- dell zu Papier gebracht. Abschnitt vier ist deshalb der Frage gewidmet, wie Augustinus seine Position beschreibt, denkerisch entwickelt und philosophisch und biblisch begrün- det.

Vor diesem Hintergrund möchte ich mit meiner Arbeit aufzeigen, dass Augustinus in seiner Schrift der Überzeugung ist und bekennt, den Weg zu einem guten und glückli- chen Leben für sich und die Menschheit gefunden zu haben, nämlich der einzig wahren Religion, dem Christentum mit Gott als dem trinitarischen Einen, anzuhangen. Als Textquelle liegt der Arbeit die Übersetzung von Wilhelm Thimme1 zugrunde. Thimme nimmt in seiner Übersetzung keine Satzzählung vornimmt, sondern nummeriert den Text nur nach Kapitel, Abschnitten und Unterabschnitten. Diese Unterabschnitte umfassen unterschiedlich viele Sätze. Bei wichtigen Textstellen, die in der Regel nicht mit dem Unterabschnitt identisch sind, wird in den Anmerkungen der Anfang und das Ende der relevanten Textstelle zitiert.

Zum Verständnis einzelner Textstellen wurden auch die Übersetzungen von Josef Lössl2 und Carl Johann Perl3 herangezogen.

Als Sekundärliteratur wurde unter anderem das Kompendium von Drecoll verwendet. Aufgrund der Vielzahl der daran beteiligten Autoren mit sehr unterschiedlich umfangreichen Beiträgen wird auf eine individuelle Nennung zugunsten des Herausgebers und der jeweiligen Seitenzahlen verzichtet.4

1. Das Römische Reich im 4. Jahrhundert

Augustinus wurde in der römischen Provinz Africa in eine relativ friedliche Welt, aber in eine Zeit stürmischer Diskussionen und Kontroversen hineingeboren. Im Römischen Reich hingegen bahnte sich in diesem Jahrhundert ein epochaler Umbruch in kirchlicher, politischer, kultureller und sozialer Hinsicht an. In einem schleichenden Prozess begann die Herrlichkeit des Römischen Reiches zu schwinden. „Der Untergang war zu Augustins Lebenszeit noch nicht besiegelt, aber er zeichnete sich ab.“5

1.1. Politischer, religiöser und soziokultureller Hintergrund

Nach der Alleinherrschaft Konstantins des Großen (306-337) begann der innenpolitische Friede durch Bruderkämpfe, Gegenkaiser und aufständische Heerführer und einer damit verbundenen langen Kette an Bürgerkriegen zu bröckeln6 Die Autorität vor allem des westlichen Kaisertums wurde dadurch auf Dauer untergraben.7 Die römische Armee wurde maßgeblich geschwächt für den Kampf gegen die Bedrohung von aussen.8 An den Reichsgrenzen waren die Herrscher zusehends mit der Verteidigung ihrer Gren- zen und Gebiete gegen Eindringlinge und Aufständische im Norden, die persische Be- drohung im Osten gebunden. Eine neue Qualität der Bedrohung brachte das Einbrechen der Hunnen. Es löste die Völkerwanderung aus. Nach der Niederlage von Adrianopel 378 gegen terwingische Goten verlor das Reich zunehmend auch die Kontrolle über die westlichen Provinzen, brach die weströmische Verwaltungsordnung zusammen. Einen vorläufigen Höhepunkt fand der Niedergang des Westens mit der Plünderung Roms durch die Westgoten unter König Alarich im Jahr 410.9 Einen weiteren schweren Schlag für Westrom bedeutete der Verlust Africas an die Vandalen 435. All das führte zu einem langsamen Zerfall des Westreichs ab dem 5. Jahrhundert in eine Reihe faktisch unabhängiger Territorien, auch wenn sie die kaiserliche Oberhoheit noch längere Zeit anerkannten. Der Osten musste zwar territoriale Verluste hinnehmen, konnte sich aber weitgehende innenpolitische Stabilität bewahren.10

In religiöser Hinsicht hatte das Christentum bereits nach den letzten Christenverfolgun- gen (303-311) seinen endgültigen Siegeszug angetreten. Er gipfelte politisch und staats- rechtlich in der Erhebung des Christentums zur Staatsreligion 380.11 Die Jahrzehnte wa- ren geprägt vom Ringen zwischen Heiden- und Christentum um die Vorherrschaft, das den sozialen Frieden erschütterte und die Menschen in jeder Hinsicht verunsicherte. Es entstanden auch mächtige Gegenbewegungen, unterstützt von allerhöchster Stelle. Es gab immer wieder Versuche, die römische und griechische Kultur und damit auch die heidnischen Kulte wieder zu beleben und ihnen ihre alte Bedeutung zurück zu geben, beispielsweise von Kaiser Julian oder dem römischen Stadtpräfekten Symmachus.12

Es breiteten sich auch geistige Strömungen weiter aus oder erlebten eine Renaissance.13 Selbst innerhalb des Christentums herrschte ein Pluralismus an christlichen Meinungen, ein Kampf von Glaubensrichtungen, die die Gemeinden spalteten.14 Viele waren auf der Suche nach geistig-geistlicher Orientierung, wie auch Augustinus.

1.2 Die römische Provinz Africa

Bis zur Vandalen-Eroberung 429 war Africa mit ihren sechs Provinzen ein blühender, von Kriegen verschonter Teil des römischen Reiches.15 Die bedeutendste war die Africa Proconsularis, Zentren waren Karthago im Osten und Hippo Regius im Westen. Zivilisa- tionsträger waren die lateinisch sprechenden Römer. Rom-, gesetzestreu und betucht pflegten die Ober- und Mittelschicht die römische Lebensart. Wirtschaftlich war Africa die Kornkammer des Reiches. Handel und Landwirtschaft sorgte für Wohlstand.16 In den überdurchschnittlich vielen klassisch römischen Städten und Dörfern herrschte bei aller strenger Rangordnung zwischen Herrschern und Beherrschten ein „multikulti“ an Natio- nen, Rassen und Religionen, Kulten und Aberglauben. Wenngleich es zwischen Erobe- rern und Einheimischen sowie zwischen den durchlässigen Schichten Reibereien gab, konnten sich Menschen entwickeln. Die Tore zu Bildung, Macht und Ehre standen of- fen, so auch Augustinus. Die Ländereien gehörten wenigen Großgrundbesitzern und dem Kaiser. Die berberische Urbevölkerung wurde ausgebeutet, blieb arm und ausgegrenzt, sofern sie sich nicht mit Eroberern und Handeltreibenden vermischten. Umso mehr fand die christliche Botschaft vom liebenden und erlösungsbringenden Schöpfergott Anklang. Das Christentum hatte in Afrika von jeher eine besondere Dynamik. Zur Zeit Augusti- nus´ gab es bereits circa 600 Bistümer.17 Schwer belasteten das christliche Leben in Africa die Auseinandersetzungen mit den Donatisten. Deren Auffassung, dass abgefalle- ne Christen von der Kirche und ihren Ämtern auszuschliessen wären, fand viele Anhä- nger. Sie stellten auf dem Land und in einigen Städten die Mehrheit und bildeten eine eigene Kirche. Aufgrund des teils von gewaltsamen Ausschreitungen begleiteten Streits ging ein tiefer Riss durch die afrikanische Kirche. Erst das Eingreifen der staatlichen Autorität anfangs des fünften Jahrhunderts beendete den Konflikt.18

Donatisten auseinander. Der Pelagianismus (die menschliche Natur ist nicht durch die Erbsünde ver- dorben) sollte Augustinus ab 410 beschäftigen. Vgl. insgesamt Decroll 92-103, 171-202.

2. Augustinus - auf Umwegen zum bekennenden Christen

In seinem Denken und Wirken ist Augustinus zum einen in besonderer Weise Kind seiner Zeit.19 Seine Biographie ist zum anderen geprägt von der Geradlinigkeit des Karrierestrebens und dem Wechselkurs religiösen Strebens.

2.1 Ein Karrieremensch

In der afrikanischen Kleinstadt Thagaste20 geboren ebneten Augustinus´ Eltern den Weg für eine Karriere als Rhetor. Nach der Elementarschule und weiterführenden Rhetorik- und Grammatikschule in Madaura (369/370) ging er zum Rhetorikstudium nach Kartha- go (370-373).21 Ihm folgten erste Lehrtätigkeiten in Thagaste, im nordafrikanischen Zentrum Karthago und in Rom, bevor ihm der große Karrieresprung als Rhetorikprofessor an den Kaiserhof in Mailand (384-386) gelang.22 Eigentlich hatte Au- gustinus Ruhm und Ansehen erreicht. Doch er war hin- und hergerissen zwischen Karri- ere und standesgemäßer Heirat23 einerseits und seiner Sehnsucht nach Antworten auf seine existentiellen Fragen, dem richtigen Lebensstil wie seiner religiösen Heimat ande- rerseits. Erst infolge seines Mailänder Bekehrungserlebnisses 386 beendete er seine Kar- riere. Er zog sich für mehrere Monate auf das Landgut Cassiciacum, und nach seiner Taufe in der Osternacht 38724 für drei Jahre in eine religiöse Laiengemeinschaft in Thagaste zurück. Dem folgten im Januar 391 die Priesterweihe, 395 die Weihe zum Hilfsbischof, ein Jahr später die Bischofsweihe. Augustinus starb 75-jährig am 28. Au- gust 430 während der vandalischen Belagerung der Stadt Hippo.25

2.2 Auf der geistig-geistlichen Suche nach seiner religiösen Heimat

Augustinus durchlief auf der Suche nach seiner religiösen Heimat einen alles andere als geradlinigen Weg zum bekennenden und getauften Christen der katholischen Kirche. Eine 20-jährige Odysee führte vom Lichtblick-Erlebnis der Hortensius-Lektüre über die Begeisterung für den Manichäismus und die Astrologie, den akademischen Skeptizismus und die Bücher der Platoniker zum endgültigen religiösen Standpunkt mit dem Bekehrungserlebnis 386 als Schlussbaustein. Ausgangspunkt war das heidnisch-christliche Spannungsfeld seines Elternhauses. Mutter Monika war überzeugte Christin, erzog ihre Kinder streng christlich und sollte bis zu ihrem Tod prägenden Einfluß auf Augustinus ausüben.26 Im gleichen Atemzug lernte er die heidnische Welt aus erster Hand kennen. Vater Patrizius war bis kurz vor seinem Tod Heide (+372).

In seinen Studienjahren rückte sein anerzogener Glaube in den Hintergrund. Jetzt inte- ressierten lateinische Klassiker und jede Art wissenschaftlicher Literatur.27 Jetzt beein- druckte ihn Cicero auch inhaltlich. Dessen „Hortensius“28 führte bei Augustinus schließ- lich zu einem Schlüsselerlebnis auf Suche nach dem Sinn seines eigenen Lebens. Die Schrift warb dafür, den Sinn im Philosophieren zu suchen, und verlangte von den Philo- sophierenden eine ethische Lebensführung. Sie erweckte in Augustinus eine zeitlebens anhaltende Liebe zur Weisheit und führte zu einem beschaulicherem Lebenswandel. Sie verstärkte sein Streben nach Wahrheit, die Suche nach gesicherter Erkenntnis und zwei- felsfreiem Wissen über die göttlichen und menschlichen Dinge, um ihre ursächlichen Zusammenhänge zu verstehen.29

Um weitergehende Antworten zu bekommen, beschäftigte sich Augustinus mit der Hei- ligen Schrift. Sie stellte den sprachbegabten, rhetorisch geschulten und philosophisch gebildeten Studenten stilistisch und inhaltlich nicht zufrieden.30

[...]


1 Siehe (im Weiteren: S.) V.r.

2 Vergleiche (im Weiteren: Vgl.) Lössl.

3 S. Perl.

4 S. Drecoll.

5 Flasch 11. Augustinus lebte vom 13. November 354 bis 28. August 430.

6 Augustinus war selbst Betroffener: Als er 387 nach Carthago zurückkehren wollte, wurde im August 388 die Blockade aufgehoben und Augustinus und seine Gruppe konnten noch vor dem Winter, der die Seewege schloss, nach Karthago segeln.

7 Nicht aber des östlichen. Die Macht Roms hatte sich ohnehin seit geraumer Zeit in Richtung Byzanz verschoben. 324 hatte Konstantin bereits die Hauptresidenz in den Osten nach Byzanz verlegt. - Wenngleich staatsrechtlich die Einheit des Reichs noch lange nicht in Frage stand, gab es bereits nach Konstantins Tod 337 ein Mehrkaisertum mit getrennten Aufgaben (z.B. Verwaltung, Heer usw.), seit 367 zwei Kaiserhöfe im Reich. Der lateinische Westen entfremdete sich immer mehr von den östli-chen, griechischsprachigen Gebieten. Wesentlich trug dazu bei die Reichsteilung 395. Die Machttren-nung wurde endgültig festgeschrieben, um das Reich koordinierter verwalten zu können Nach dem Tod Theodosius´ I. wurden das Reich unter seine Söhne Honorius (Westen) und Arkadius (Osten) auf-geteilt, was sich erst später als endgültig erweisen sollte.

8 Die Verluste (z.B. bei der Schlacht bei Mursa 351 und der Schlacht am Frigidus 394) waren größer als bei der bis dahin erfolgten Abwehr äußerer Feinde. Die gesamte Stärke der Römischen Armee reichte dann nicht mehr aus, um an den neu aufbrechenden Fronten erfolgreich Krieg führen zu können. Dazu kam, dass römische Heer schon lange nicht mehr nur aus einzelnen Bürgern Roms, sondern immer mehr aus Söldnern bestand.

9 Augustinus erlebte den Fall Roms mit den entsprechenden Auswirkungen als Bischof in Hippo. Ein Flüchtlingsstrom mit römischen Bürgern kam aus Rom nach Nordafrica, um sich auf ihre Ländereien zurückzuziehen (vgl. Tony 5).

10 Umstritten ist, welche Rolle dabei die Wirtschaft, Verwaltung, demographische Entwicklung, der Le- bensstil der reichen Ober- und Mittelschicht, die Steuerlast und die Korruption usw. gespielt haben. Weitere Gründe und zusammenfassende Übersicht über die Theorien des Zusammenbruchs des Römi- schen Reichs bei Fuhrmann 13ff. Ein neuerer knapper Überblick bei Witschel.

11 Die politische Vorherrschaft der heidnisch-römischen Religion musste der der christlichen weichen: 311 Toleranzedikt des Galerius, 313 Mailänder Toleranzedikt der Kaiser Konstantin und Licinius. Die vollständige Christianisierung des Reiches von Staatswegen erfolgte unter Theodosius (379-395). 380 wurde auch die Ausübung heidnischer Kulte unter Strafe gestellt, 391 jeder heidnische Kult verboten. Vgl. Fuhrmann 354-356, Fuhrer 18 f., Brox, 186 ff.

12 Unter Kaiser Julian etwa wurde im Rhetorenedikt 362 den Christen der Lehrberuf verweigert. Der politisch-symbolische Höhepunkt des heidnisch-christlichen Konflikts war die Entfernung der Statue der Victoria adveniens aus dem römischen Senat im Jahr 382, welche anlässlich des Sieges von Octa- vian in der Schlacht bei Actium (29 v. Chr.) dort aufgestellt worden war .Zu einem der wichtigsten heidnischen Repräsentanten gegen das Christentum zählte Symmachus (ca. 340 - 402 n. Chr.). Vgl. dazu insgesamt Knwoles 88-94, Flasch 10, Fuhrmann 59 ff., Fuhrer 7 f., 18 f..

13 Die spätantike gnostische Weltreligion des Manichäismus etwa bot eine dualistische Erklärung der Frage nach dem Guten und dem Bösen. Vgl. Decroll. 85-89. - Im 4. Jahrhundert kam es auch zu einer Renaissance der heidnischen Philosophie, Literatur und der bildenden Kunst. Klassische römische Schriftsteller wie Vergil, Cicero und Sallust wurden gelesen, unterrichtet und neu kommentiert. Zu li- terarischen und philosophischen Traditionen vgl. Drecoll 49-84, Fuhrer 7.

14 Z. B. die arianische Diskussion, ob Gott Vater den Sohn geschaffen hat, zum anderen von der Frage, ob der Mensch aus eigener Kraft ein gutes Leben führen kann und die Gnade Gottes für das Gelingen nicht brauche (vgl. Fuhrer8 f.). Der Donatismus spaltete in der Frage des Umgangs mit den Abgefalle- nen der Christenverfolgung. Als Bischof von Hippo setzte sich Augustinus nach 400 mit den

15 Das heutige westliche Lybien, Tunesien und Algerien bis zur Südwestspitze Marokkos.

16 Von hier wurde Rom versorgt. Die Führungselite pochte gegenüber Rom auf politische Unabhängig- keit. So erkannte etwa der afrikanische Befehlshaber Gildo (385-398) die kaiserliche Autorität nur no- minell an. Zum unterschiedlichen Bedeutungsgebrauch von „Africa“, zu den Provinzen und ihrer Ei- genart vgl. Bechert 83-88. Drecoll 20-22, Fuhrer 32 f. Anders als im übrige Reich blieben die Kern- lande (bis auf die äußeren Ränder) bis 329 unbehelligt. Vgl. Drecoll 21 f.

17 Christen sind im 2. Jahrhundert nachweisbar. Mit dem Toleranzedikt 311 räumte Kaiser Gratian das Scheitern seiner Christenverfolgung ein. Zum spätantiken Christentum in Africa vgl. Drecoll 22-27. Hier hatten Kirchenlehrer wie Tertullian (+220) und Cyprian (+258) und später Augustinus als erste eine christliche Theologie in lateinischer Sprache entwickelt.

18 Die donatistische Kirchenspaltung ging zurück auf die Christenverfolgungen 303 bis 305. Zu den Hin- tergründen und der Geschichte des Streits vgl. Fuhrer 38-42, Flasch 158 ff., Drecoll 21 f.

19 Flasch 11: „Augustinus´ intellektuelle und religiöse Entwicklung wie sein Handeln stehen im objekti- ven Zusammenhang des Zusammenstoßes und den daraus resultierenden Konflikten zweier Epochen.“ Besonders bemerkenswert, wie parallel sie zur kaiserlichen Religionspolitik verlief (vgl. Flasch 10).

20 Die heutige algerische Stadt Souk-Ahras, 80 km südlich vom Mittelmeer.

21 In Augustinus Ausbildung dominierten die römischen Klassiker wie Cicero, Ovid, Seneca Vergil im Dienst der grammatischen und rhetorischen Übungen, nicht die inhaltliche Beschäftigung. Augustinus erwies sich als begabt, wenngleich er selbst ungern lernte, schrieb und rechnete. Hier lernte er die Grundlagen für sein späteres Sprechen, Schreiben und Predigen. Ihn zeichnete offenbar ein glänzendes Gedächtnis aus. Einmal Erfasstes war latent gegenwärtig, konnte in Beziehung gesetzt und verglichen werden. Vgl. Knowles40, Feldmann 108. Griechisch Vgl. Fuhrer 109, Drecoll 50, Knowles 36-40.

22 Vgl. Drecoll 144-148.

23 16 Jahre lebte Augustinus in einer Beziehung ohne Eheschließung. Ihr entstammte Sohn Adeodatus (geb. 372). Noch um 385 opferte er sie den Karriereplänen zugunsten einer noch nicht heiratsfähigen (vgl. Drecoll 137, 147). Erst mit seiner Bekehrung 386 entschied er sich für die Ehelosigkeit.

24 Zu Augustinus´ Karriereplänen und seinem letztendlichen Ausstieg s. Fuhrer 26-31, Drecoll 144-148, 152 f. Im selben Jahr verstarb seine Mutter. Zu ihrer Rolle im Leben Augustinus´ s. Fuhrer 12, Flasch 47 f., 232-252, Drecoll 35-40.

25 Weitere Einzelheiten zu Augustinus´ Zeit als Priester und Bischof Drecoll 40-49, Flasch 155-422.

26 Vgl. Fuhrer 19. Augustinus wurde nicht gleich getauft, was der seinerzeit üblichen Praxis des Taufauf- schubs entsprach, um die Taufgnade durch Sünden nicht zu verwirken.

27 Vgl. Drecoll 164.

28 Eine im Dialog gehaltene Werbeschrift (46/45 v.Chr.), die politisch und juristisch denkende Römer für die griechische Philosophie begeistern sollte. Politisch ausgebotet findet Cicero Halt im stoischen Ge- danken, dass nicht der äußere Erfolg den Wert eines Mannes ausmacht. Vgl. Drecoll 37, 51.

29 Noch als Bischof sprühte er vor Begeisterung über das Werk und was es bei ihm ausgelöst hatte. Au- gustinus hat 386 den Hortensius unter veränderten Voraussetzungen erneut gelesen, die Inhalte nahezu auswendig präsent gehabt, ihn seinen Schülern zum Studium empfohlen. Vgl. insgesamt zum Werk Feldmann 103-107. Eine Antwort auf seine Frage nach der Wahrheit enthielt der Hortensius aber nicht (vgl. Trelenberg 2).

30 Vgl. Feldmann 111, Drecoll 51. Augustinus brachte noch nicht lateinisch-griechische Sprach- und Denkstruktur mit der völlig anders geartete jüdisch-christliche Erfahrungswelt zusammen.

Details

Seiten
29
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668576940
ISBN (Buch)
9783668576957
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v379685
Note
1,0
Schlagworte
Augustinus de vera religione Sinn des Lebens

Autor

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Titel: Augustinus Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens