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Der Verlauf der dritten griechischen Bürgerkriegsphase und die Internationalisierung des Konflikts. Ein "heißer Krieg" im Kalten Krieg

Hausarbeit (Hauptseminar) 2016 20 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entwicklung in Griechenland von 1940 bis 1945
2.1 Die Situation Griechenlands im zweiten Weltkrieg
2.2 Der griechische Bürgerkrieg von 1943 bis 1945

3. Die Vereinbarung von Varkiza - die verpasste Chance auf Frieden?

4. Die „dritte Runde“ des griechischen Bürgerkriegs (1946-1949)
4.1 Die Fortsetzung des Bürgerkriegs - der Angriff auf Litochoro 1946
4.2 Das politische Schicksalsjahr 1946
4.3 Der Guerilla-Krieg der DSE
4.4 Die Truman-Doktrin im März 1947
4.5 Der Bruch zwischen Tito und Stalin im Frühjahr 1948
4.6 Die Operation Pyrsos - das Ende des griechischen Bürgerkriegs 1949

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Der im Jahr 1943 ausgebrochene griechische Bürgerkrieg gilt nach Meinung vieler Autoren als der erste „heiße“ Krieg im Kalten Krieg und markiert den Anfang eines 40 Jahre andauernden Systemkonflikts zwischen der östlichen und westlichen Welt. Damit symbolisieren die Kampfhandlungen zwischen griechischen Regierungstruppen und kommunistischen Partisanen den Anfang eines politischen und militärischen Wettrennens zwischen den USA und der Sowjetunion. Aufgrund der Fokussierung auf die weltpolitische Ebene gerät die Frage in den Hintergrund, warum und wie es überhaupt zu den sechs Jahre andauernden Kampfhandlungen in Griechenland kommen konnte. Bereits im Jahr 1945 schien mit dem Vertrag von Varkiza eine friedliche Lösung zwischen konservativen und linken Vertretern der jeweiligen Parteien gefunden. Das Ende einer Suche nach demokratischen Strukturen, die durch den Balkanfeldzug Adolf Hitlers im Jahr 1941 ausgelöst wurde. Doch das von beiden Seiten Unterzeichnete Abkommen blieb wirkungslos, die bewaffneten Auseinandersetzungen fanden schon ein Jahr später ihre Fortsetzung. Warum entwickelte sich die dritte Phase des griechischen Bürgerkriegs? Welche Auswirkungen hatte der griechische Bürgerkrieg auf die internationalen Beziehungen nach dem Ende des zweiten Weltkriegs?

Um sich diesen Fragestellungen im Laufe der Hausarbeit zu nähern, wird als Einstieg ein kurzer Blick auf die Entwicklung Griechenlands im zweiten Weltkrieg geworfen, da diese in einem engen Zusammenhang mit dem Ausbruch des Bürgerkriegs 1943 steht. Die darauffolgenden zwei Kapitel konzentrieren sich zunächst auf den Verlauf der innergriechischen Auseinandersetzungen zwischen 1943 und 1945 und enden mit dem Vertrag von Varkiza, der als Schnittstelle zwischen zweiter und dritter Bürgerkriegsphase fungiert. Basierend auf den gescheiterten Friedensgesprächen von Varkiza wird im letzten Teil die dritte Phase des griechischen Bürgerkriegs thematisiert. Anzumerken ist, dass sich die Analyse des letzten Kriegsabschnitts vor allem auf die außenpolitischen Wendepunkte konzentriert. Beispielsweise kann die innenpolitisch heiß diskutierte „Mazedonien-Frage“ im Rahmen dieser Hausarbeit lediglich angerissen und nicht in aller Detailliertheit dargestellt werden. Abschließend wird ein Fazit gezogen, das die relevanten Erkenntnisse der vorliegenden Hausarbeit zusammenfasst.

Als Primärquelle dient im Lauf der Arbeit die Rede von Harry S. Truman vor dem amerikanischen Kongress aus dem Jahr 1947, die im Hinblick auf die von Truman gewählte Rhetorik wichtige Erkenntnisse liefert. Des Weiteren werden Auszüge aus dem im Jahr 1945 erarbeiteten Varkiza-Abkommen Erwähnung finden, die in Heinz Richters Monographie „Griechenland zwischen Revolution und Konterrevolution (1936-1946)“ zu finden sind und veranschaulichen, auf welche Grundsätze sich die Kriegsparteien in diesem Vertrag geeinigt hatten.

Bezüglich der Entwicklung Griechenlands im zweiten Weltkrieg stützen sich die Ausführungen auf die Übersichtsdarstellungen von Apostólos Vakalopulos und Michael W. Weithmann, die die griechische Geschichte vom Frühmittelalter bis zur Gegenwart darstellen. Bei der Analyse des griechischen Bürgerkriegs erwies sich die im Jahr 2012 erschienene Monographie „Griechenland 1940-1950. Die Zeit der Bürgerkriege“ von Heinz A. Richter als hilfreich, da der Autor detailliert die Kampfhandlungen sowie Gebietseroberungen der jeweiligen Kriegsparteien beschreibt. Auf die Strukturen und Entwicklungen innerhalb der KKE und DSE hat sich Matthias Esche in seinem Buch „Die Kommunistische Partei Griechenlands 1941-1949“ spezialisiert, der darüber hinaus die länderübergreifenden Verbindungen zwischen den kommunistischen Parteien erläutert.

2. Die Entwicklung in Griechenland von 1940 bis 1945

Die Untersuchung der Rolle Griechenlands im zweiten Weltkrieg ist wichtig, da die Entwicklungen in diesem Zeitraum die Entstehung des griechischen Bürgerkriegs maßgeblich beeinflussen. Aus diesem Grund bietet es sich an, im Anschluss die ersten zwei Phasen des Bürgerkriegs (1943-1945) in den Mittelpunkt der Analyse zu stellen.

2.1 Die Situation Griechenlands im zweiten Weltkrieg

Griechenland geriet im Oktober 1940, etwas mehr als einem Jahr nach Hitlers Überfall auf Polen und dem damit verbundenen Beginn des zweiten Weltkrieges, ins Visier des italienischen Diktators Mussolini.[1] Bereits zwischen Juli und August 1940 hatten italienische Lufteinheiten an verschiedenen Orten griechische Marineeinheiten bombardiert.[2] Grund dafür waren deutsche Truppenstationierungen in Rumänien, die Mussolini in zweierlei Weise gefährdeten: Zum einen befürchtete er aufgrund der Expansionspolitik Hitlers weitere Gebietsverluste in Südosteuropa, zum anderen eine Verdrängung aus dem aus Deutschland, Italien und Japan bestehenden Achsenbündnis.[3]

Daher entschied sich der Faschistenführer, Griechenland im Rahmen eines Blitzkrieges einzunehmen. Am 28. Oktober 1940 ließ er in Person des italienischen Botschafters Grazzi ein Ultimatum an den griechischen Premierminister Metaxas übergeben, in dem er die Besetzung und Benutzung verschiedener Militärstützpunkte innerhalb des griechischen Territoriums forderte.[4] Doch Metaxas wies die italienischen Pläne mit dem legendären „Ochi“ ab, was einen militärischen Angriff Mussolinis nach sich zog. Im weiteren Verlauf blieb der italienische Einmarsch erfolglos, die griechischen Truppen starteten eine Gegenoffensive und konnten Mussolinis Armee bis nach Albanien zurückdrängen.[5] Die Reaktion Hitlers auf den erlittenen Prestigeverlust Mussolinis, der nach einer zweiten Großoffensive gegen griechische Truppen im März 1941 eine erneute Niederlage einstecken musste[6], ließ nicht lange auf sich warten.

Nachdem Bulgarien im September 1940 und Jugoslawien im März 1941 sich auf starken Druck Deutschlands der Achsenmächte anschlossen, legte der deutsche Botschafter Ehrbach am 6. April 1941 dem neuen griechischen Premierminister Korysis eine Kriegserklärung vor.[7] An diesem Punkt herrscht in der wissenschaftlichen Diskussion Uneinigkeit, Weithmann beispielsweise erklärt, dass die deutsche Wehrmacht ohne Vorwarnung in Jugoslawien und Griechenland einmarschiert sei.[8] Trotz ungeheuren Widerstands der von Großbritannien unterstützten griechischen Truppen kapitulierten diese am 21. April in Saloniki sowie sechs Tage später in Athen.[9] Daraufhin zogen sich König Georg II. und seine Regierung auf die Insel Kreta zurück, die die deutschen Truppen mittels eines verlustreichen Fallschirm- und Gebirgsjägereinsatzes am 1.6.1941 einnehmen konnten.[10] Damit war der deutsche Balkanfeldzug beendet, Georg II. floh nach Ägypten ins Exil.[11]

2.2 Der griechische Bürgerkrieg von 1943 bis 1945

Während der anschließenden Besatzungszeit in Griechenland, auf die im Rahmen dieser Hausarbeit nicht in aller Detailliertheit eingegangen werden kann, bildeten sich Ende 1941 erste Widerstandsgruppen.[12] Die wohl auch für den späteren Bürgerkriegsverlauf einflussreichste Widerstandsorganisation, die EAM (Nationale Befreiungsfront), wurde am 27. September 1941 gegründet und stellte ein Bündnis aus der im ersten Weltkrieg ins Leben gerufenen KKE (Kommunistische Partei Griechenlands) und drei kleineren Linksgruppierungen dar[13].[14] Ideologisch verschiedene Grundausrichtungen und persönliche Ambitionen verhinderten nicht nur eine Kooperation dieser Gruppen gegen die Invasoren[15], sondern mündeten im Oktober 1943 im Ausbruch eines innergriechischen Bürgerkriegs zwischen der republikanisch orientierten EDES und der kommunistischen ELAS.[16]

Der Kriegszustand dauerte bis zum 15. Februar 1944 an, als sich Vertreter von ELAS, EDES, EKKA und die durch Christopher Woodhouse und Jerry Wines vertretene, in Griechenland stationierte Alliierte Militärmisson zu Friedensgesprächen in Myrofyllo versammelten. Hierbei konnten sich die Parteien zu keinem gemeinsamen Weg einer Regierung der Nationalen Einheit einigen, sodass es fünf Tage später zu einem zweiten Treffen der Delegierten in Plaka kam. Am Ende Stand zwar ein von den Widerstandsgruppen vereinbarter Waffenstillstand, jedoch verpassten die Parteien eine Einigung der Resistance. Richter schlussfolgert, dass der verpasste Zusammenschluss hauptsächlich den Briten in die Karten gespielt hat, die daraufhin Verhandlungen mit der Exilregierung in die Wege leiteten.[17]

Von diesem Zeitpunkt an griff die britische Regierung unter Premierminister Winston Churchill verstärkt in den griechischen Bürgerkrieg ein und verfolgten das Ziel, den im Exil befindlichen Georg II. wieder an die Macht zu bringen und auf diese Weise die konstitutionelle Monarchie zu erhalten.[18] Ungeachtet der Waffenstillstandsvereinbarungen von Myrofyllo/Plaka wurde der „blutige Bruderkrieg“[19] fortgesetzt, in dessen Verlauf die ELAS trotz der seit 1944 intensivierten britischen Waffenhilfe an die EDES vermehrt militärische Erfolge feiern konnte.[20] Dies veranlasste die EAM im März 1944 zur Bildung einer „Provisorischen Nationalregierung“ (PEEA), zwei Monate später trat die von der PEEA einberufene Nationalversammlung in Koryschades zusammen.[21]

Parallel dazu erfolgte bei der in Ägypten beheimateten griechischen Exilregierung ein personeller Machtwechsel. Georgios Papandreou, der sich als „Kreuzfahrer der nationalen Einheit“[22] betrachtete, übernahm das Ministerpräsident von Sophoklis Veniselos und erreichte auf der Libanon-Konferenz im Mai 1944 unter Zustimmung der Kommunisten die Bildung einer „Regierung der nationalen Einheit“.[23] Laut Richter war diese Konferenz die Voraussetzung für das Abkommen von Cazerta und nahm mit Blick auf den weiteren Kriegsverlauf eine zentrale Stellung ein, da mit dieser Übereinkunft zwar die Differenzen zwischen den Widerstandsgruppen und der Exilregierung teilweise beseitigt wurden, Griechenland sich jedoch in der Folge zum politischen Spielball der USA, Großbritanniens und der Sowjetunion entwickelte.24 Die Sowjetunion, die sich bis dato bezüglich der Griechenland-Frage äußerst zurückgehalten hatte, rückte im Spätsommer 1944 nach Bulgarien und Rumänien vor.

[...]


[1] Vgl. Weithmann, Michael W.: Griechenland. Vom Frühmittelalter bis zur Gegenwart. Regensburg 1994, S.233.

[2] Vgl. Vakalopulos, Apostólos: Griechische Geschichte von 1204 bis heute. Köln 1985, S.225.

[3] Vgl. Weithmann (1994), S.233.

[4] Vgl Vakalopulos (1985), S.226.

[5] Vgl. Tzennias, Pavlos: Neugriechische Geschichte. Eine Einführung. 3., überarbeitete und erweiterte Auf! Tübingen 1999, S. 149.

[6] Vgl. Vakalopulos (1985), S.228.

[7] Vgl. Vakalopulos (1985), S.228.

[8] Vgl. Weithmann (1994), S.235.

[9] Vgl Ebd.

[10] Vgl. Tzennias (1999), S.151. Bezüglich der Eroberung Kretas variieren die von den Autoren genannten Zeiträume. Vgl. hierzu Weithmann(1994), S.235 oder Vakalopulos (1985), S.229.

[11] Vgl. Vakalopulos (1985), s.229.

[12] Beispielsweise die sozialistische EDES („Nationale Demokratische Liga“) im September 1941, die ELAS („Gnechische Befreiungsannee“) als zukünftiger militärischer Ann der EAM und die EKKA („Nationales und Soziales Befreiungskomitee). Neben den genannten entstanden noch weitere, kleinere Organisationen, die jedoch nur wenig Einfluss ausübten. Vgl. Vakalopulos (1985), S.232.

[13] Als Koalitionspartner fungierten die SKE (Sozialistische Partei Griechenlands), die AKE (Agrarpartei Griechenlands) und die linksliberale ELD (บทion für Volksdemokratie). Vgl. Dreidoppel, Kaspar: Der griechische Dämon. Widerstand und Bürgerkrieg im besetzten Griechenland 1941-1944 (=Balkanologische Veröffentlichungen; Band 46). Wiesbaden 2009, S.44.

[14] Vgl. Ebd. S.43f.

[15] Vgl. Vakalopulos (1985), S.233. Nähere Gründe für die nicht zustande koimnende Zusaimnenarbeit liefert Heinz Richter. Vgl. Richter, Heinz: Griechenland zwischen Revolution und Konterrevolution (1936-1946). Frankfurt am Main 1973, S.333.

[16] Vgl. Richter (1973), S.333.

[17] Vgl. Richter (1973), S.378-382.

[18] Vgl Weithmann (1994), S.242.

[19] Vaka lo pul OS (1985), S.234.

[20] Vgl. Weithmann (1994), S.243.

[21] Vgl Vakalopulos (1985), S.234.

[22] Vgl. Weithmann (1994), s.243.

[23] Vgl Richter (1973), S.427. 440.

Details

Seiten
20
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668564596
ISBN (Buch)
9783668564602
Dateigröße
553 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v379475
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1,3
Schlagworte
1953 bürgerkrieg heißer krieg kalter krieg griechenland vertrag von varkiza

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