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Synthese von Frisur und Kopfputz im Barock

Die Perücke am französischen Hof

Skript 2017 7 Seiten

Design (Industrie, Grafik, Mode)

Leseprobe

Thesenpapier von Anna Franken

Synthese von Frisur und Kopfputz im Barock

Die Perucke am franzosischen Hof

- Im Barock und Rokoko fand ein zugiger, stetiger Wandel der Moden statt; so waren auch Frisur und Kopfputz, die zwischenzeitlich vollstandig miteinander verschmolzen, diesem Wandel in extremer Form unterworfen
- Der Zeitgeist war von einem Streben nach steifer Distanz beherrscht; von dem Streben, die Form uber die Materie triumphieren zu lassen
- Vor allem in Frankreich avancierte die Perucke daher bald zu einem Reprasentationsstuck der Kultiviertheit; betrachtet man die Kultur - wie so mancher Autor - als Gegenteil zur Natur, wird deutlich, warum die Perucke in der Vergangenheit haufig auch als Unnatur bezeichnet wurde
- Im Barock erlebte die Perucke geschichtlich ihre Hochphase; der Barockstil wird daher nicht selten auch als Perucken- oder Zopfstil bezeichnet
- Als Standeszeichen und Statussymbol wurde sie in Frankreich schnell zum festen Bestandteil der Hoftracht
- Die Perucke hatte dabei nie (wie so oft behauptet) den Zweck, wie ein heutiges Toupet, einen Mangel an eigenem Haar zu verdecken, sondern war von Anfang an als Kleidungsstuck, das der Zierde und der Vervollkommnung der auBeren Erscheinung dienen sollte, gedacht
- Die hochwertigsten Perucken waren aus Menschenhaar gefertigt und sehr teuer; in der Regel wurden Perucken eher aus Tierhaar hergestellt; meistens aus Pferde- oder Ziegenhaar, aber auch aus pflanzlichen Fasern wie z.B. Wolle
- Die Perucke machte aus den Adligen ein lebendes Kunstwerk und wurde der niedrigeren Gesellschaft durch sogenannte Kopfleiherinnen auf der StraBe vorgefuhrt
- Damenfriseure wurden als akademische Kunstler bezeichnet und ausgebildet; oft waren sie sogar besser bezahlt als Minister

Frisurenmode der Manner

- Glich die Perucke zuvor noch eher der naturlichen Haarpracht, ernannte Ludwig XIV. 1673 die Allongeperucke (allonge franz. = verlangern) fur die Manner zur Staatsperucke
- Es handelte sich dabei um eine voluminose, lockige Perucke, die in der Mitte gescheitelt war; die hoch aufgebauschten Locken fielen teilweise bis auf die Hufte hinunter und konnten mitunter mehrere Kilogramm schwer sein
- Unter der Perucke trug man die Haare meist kurz geschoren; zum Schutz gegen SchweiB trug man daruber eine kleine, leinene Haube, die Kalotte

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Angeblich versuchte der Sonnenkonig mithilfe der Allongeperucke, wie auch durch hohe Schuhabsatze, seine geringe KorpergroBe nach oben zu korrigieren; er soll eine ganze Sammlung von diesem Kopfputz besessen haben
- In den 1690er Jahren war die Allongeperucke so hoch wie nie und bildete zu Seiten des Scheitels zwei Spitzen
- Karl II. machte diesen Stil nach seiner Thronbesteigung auch in England bekannt
- Nach der Jahrhundertwende wurde die unpraktische Allongeperucke langsam durch dunnere und kurzere Peruckenformen abgelost; etwa funf Jahre nach dem Tod Ludwigs XIV. (1715) war sie wieder ganz aus der Welt der Mannermode verschwunden

- Ihr Nachfolger war u.a. der Cadogan, bei dem Haarpartien in Knoten gebunden wurden
- Gerne trug man auch die kurzere Stutzperucke, die mitunter aus nur drei groBen Locken bestand; eine Perucke musste es allerdings sein; sein eigenes Haar zeigte der Herr hochstens privat zu Hause
- Beliebt war auBerdem der Soldatenzopf, eine Perucke, die man heute hauptsachlich von zeitgenossischen Kriegsgemalden kennt
- In den 1740er Jahren trugen die meisten Manner in Europa und den europaischen Kolonien die Haarbeutelfrisur bzw. die Beutelperucke; dabei wurde das Nackenhaar in einen Beutel gelegt und seitlich am Kopf befanden sich einzelne Rolllocken

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Bis 1770 wurden die Frisuren wieder groBer und in den 1770ern ubertrafen sie alles bisher Dagewesene; junge Modenarren, die Macaronis, trieben die franzosische Mode mit ihren hohen, schwankenden Perucken auf die Spitze
- Erst mit der Franzosischen Revolution 1789 und der Abkehr vom Frisurenstil des Absolutismus wurde die Frisurenmode wieder wesentlich schlichter; sie verlor an Hohe und ging stattdessen in die Breite
- Bald trug man nun nur noch das eigene, gepuderte Haar

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Hutmode der Manner

- 1673: Die Allongeperucke verlangt neue Hute; getragen wurden breite, weiche Filzhute mit varrierbarer Krempe (meist stark hochgeschlagen); geschmuckt wurden diese riesigem Federschmuck, Goldborte und Bandern
- Dieser entwickelte sich bald zum Dreispitz (ebenfalls ein Filzhut), dessen Stil sich bis zur Franzosischen Revolution, fast ein Jh. spater hielt
- Seine Hochblute hat der Dreispitz als die Perucken um 1760 wieder hoher wurden; man trug ihn meistens unterm Arm
- Zwischen 1770 und 1789 kommt ein weicher, runder Hut mit flachen Kopf und breiter Krempe auf; darauf tragt man die Kokade (Hoheitszeichen) und Federn
- Seit 1660 nahmen die Manner wegen der Perucken im Haus ihre Hute ab, da dies bequemer war

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Frisurenmode der Frauen

- Noch 1670 flocht man bloB Blumen und Perlen ins (eigene) Haar
- Danach wurde der Kopfputz groBer und uppiger; man begann zunachst Haarteile zu tragen, da das eigene Haar die gewunschte Uppigkeit nicht hergab; ein oder zwei Locken lieB man in den Rucken fallen, der Rest wurde hochfrisiert
- Eine zeitlang wurden auch Lockchen in die Stirn gekammt; dann kam jedoch die ausrasierte, hohe Stirn in Mode
- Bald setzte sich die Fontange durch, benannt nach der Herzogin von Fontange; angeblich hatten sich ihre Haare bei einem Ausritt in den Asten verfangen, sie standen wild zu Berge und es hatten sich Blatter darin verfangen, doch die anderen Frauen waren sofort begeistert von dieser neuen „Mode“
- Die Fontange war dementsprechend ein aus Wulsten, Drahten und Metallstaben errichtetes, turmartiges Gebilde uber der Stirn, in das die Haare eingearbeitet wurden; am Hinterkopf wurde daruber immer ein flaches Haubchen aus mehreren Lagen Spitze und Band getragen, die oft durch ein Drahtgestell, die Commode, gestutzt wurden
- Gegen Ende des 17.Jh. erreichte die Fontange mit einem Aufbau von ca. 60 Zentimetern Hohe ihre hochsten MaBe; anschlieBend wurde sie allmahlich wieder flacher
- Erst 1715 (nach rund 30 Jahren) kam die Fontange aus der Mode; das Haar wurde nun wieder in Locken um das Gesicht oder haufiger hochgesteckt getragen

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- Bald trug man es entweder aus der Stirn gekammt, hoch aufgebauscht, in welligen Locken oder an den Seiten reich gelockt mit einer einzelnen Ringellocke uber einer Schulter
- Ab Mitte des 18.Jh. wurden die Frisuren erneut auffallend groB und bestanden aus Unmengen von echtem und falschem Haar, Drahten und Stutzen; die Coiffeure entwarfen, arrangierten und konstruierten die Haartrachten
- Auch die Merchands des Modes (Putzmacher) gewannen an Bedeutung; sie entwarfen und verkauften den Putz fur Kleider und Frisuren
- Die 1770er ubertrafen alles bisher Dagewesene; die Frisuren wurden jedes Jahr groBer und abenteuerlicher; das Haar wurde gepolstert, gepudert, gelockt, gerollt, reich geschmuckt mit Federn, Bluten, Bandern, Haubchen und Perlketten

- Durch Marie Antoinette und ihre Modistin Rose Bertin (1747-1813) bzw. ihren Hoffriseur Leonard Autier entwickelten sich die hohen Frisuren in diesen Jahren zur Vollendung

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- Außergewöhnliche Motive wie der Sternenhimmel, eine Rodelbahn, Kutschenmodelle, Landschaften, Flüsse, Fruchtkörbe, Springbrunnen oder sogar Tagesereignisse wurden einfrisiert; so z.B. Marie Antoinettes berühmte Frisur á la Belle Poule, in die angeblich ein beachtlich großes Schiff eingearbeitet wurde

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- Bekannt ist auch die schrag geformte Rosenkranzfrisur der Prinzessin Lamballe aus den ersten Tagen der Revolution; die Schragform soll durch den mutwilligen Lanzenstich eines betrunkenen Revolutionars entstanden sein
- Da der Haarbau bis zur vierfachen GroBe des eigenen Kopfes anstieg, waren die Damen bei Hofe zu Balanceakten gezwungen; angeblich lieB man sehr hohe Frisuren eigens durch einen Pagen stutzen (!) und nachts musste man den frisierten Kopf ganz ruhig im Lehnstuhl halten
- Gegen Ende des 18.Jh. verloren die gigantischen Perucken an Hohe und wurden dafur breiter
- Nach der Franzosischen Revolution trug man erstmal nur noch das eigene, gepuderte Haar

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Hutmode der Frauen

- Das 17.Jh. hindurch trugen Frauen keine Hute; hochstens wenn sie ausgingen ein Spitzentuch, verheiratete Burgerfrauen ein Haubchen
- Etwa ab 1681 im Freien ein langes Tuch, einen Kapuzenumhang oder einen Chaperon (kapuzenartige Kopfbedeckung um 1650) als Kopfschutz
- Um 1770 kamen flache Strohhute auf, die sich bis ins Spatbarock hielten

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- Ab 1720 trugen auch Frauen einen kleinen Dreispitz mit Federschmuck
- Von 1778-1789 war die Kalesche der letzte Schrei; eine Haube zum Schutz der hochaufgeturmten Frisuren mit Verdeck, das zuruckgeklappt werden konnte, aus feiner Seide, die uber Reifen gezogen war; benannt nach einer Kutsche mit ahnlichem Verdeck

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- AuBerdem trugen Frauen ausladende Hauben und Hute mit flachen Krempen, die nach hinten geschoben oder seitlich getragen wurden (Stil aus England) als Ende des 18. Jh. auch die Frisuren begannen, in die Breite, statt in die Hohe zu gehen

- Nach der Franzosischen Revolution verschwanden die Riesenhute und man trug nur noch wesentlich kleinere Modelle

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