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Der Fremdsprachenerwerb mithilfe digitaler Medien. Chancen und Grenzen digitaler Lernangebote

Hausarbeit 2017 14 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Lerntheoretische Grundlagen des Fremdsprachenerwerbs

3. Ziele des Fremdsprachenunterrichts

4. Der Einsatz von digitalen Lernangeboten im Fremdsprachenunterricht
4.1. Chancen des Einsatzes
4.2. Grenzen des Einsatzes

5. Fazit und Handlungsempfehlung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Durch den technologischen Wandel, der in den letzten Jahren in der Entwicklung von multimedialen Endgeräten wie Smartphone, Tablets und Co. seinen aktuellen Höhepunkt fand, entstanden neue Möglichkeiten der Informationsbeschaffung und neue Kommunikationswege. Doch diese neuen Optionen stellen auch gewisse Anforderungen. Denn neue Technologien erfordern einen sachgemäßen Umgang und neue Kommunikationsformen stellen neue Interaktionsregeln auf. Kompetenzen in diesen Bereichen zu fördern ist also schon vom Kindesalter an wichtig. Deshalb ist dieses Ziel auch im Bildungsauftrag der Schule festgehalten. Doch können diese Ziele wirklich umgesetzt werden? Insbesondere im Hinblick auf den Fremdsprachenunterricht scheint eine Einbindung digitaler Kommunikationsformen sinnvoll, damit die Lernenden auch in fremdsprachlichen Kontexten mit diesen Kommunikationsmitteln umgehen können. Zusätzlich erzeugen die digitalen Angebote veränderte Lernbedürfnisse. Auf diese veränderten Umstände sollten Lehrpersonen reagieren, vorzugsweise mit einer Einbindung digitaler Lernangebote in den Unterricht. Doch wo liegen die wirklichen Vorteile gegenüber traditionellen Medien? Welche Nachteile und Grenzen hat der Einsatz der digitalen Medien im Fremdsprachenunterricht? In der vorliegenden Arbeit sollen genau diese zwei Gegensätze thematisiert werden. Dazu werden zunächst die lerntheoretischen Grundlagen des Fremdsprachenerwerbs skizziert. Anschließend soll auf die allgemeinen Lernziele des Unterrichts eingegangen werden, besonderer Fokus liegt hier auf der Bildung von Kompetenzen. Danach werden die Kriterien für einen sinnvollen Einsatz von digitalen Medien thematisiert. In 4.1 und 4.2 werden dann die Chancen und Grenzen des Einsatzes digitaler Lernangebote näher erläutert. Abschließend wird ein Fazit und eine Handlungsempfehlung darüber gezogen, ob der Einsatz von digitalen Medien im Fremdsprachenunterricht sinnvoll ist und in welchem Ausmaß dieser erfolgen sollte. Ein kurzer Ausblick soll außerdem darüber informieren, wo in diesem Bereich noch Bedarf an weiterer Forschung besteht.

2. Lerntheoretische Grundlagen des Fremdsprachenerwerbs

Um verstehen zu können, ob und inwieweit digitale Medien beim Fremdsprachenerwerb hilfreich sind, sollten zunächst die theoretischen Grundlagen, nach denen Menschen sich Fremdsprachen bzw. neues Wissen aneignen, betrachtet werden. Grundsätzlich kann zwischen drei Lerntheorien unterschieden werden, die sich im Laufe der Jahre herausgebildet haben: Dem Behaviorismus, dem Kognitivismus und dem Konstruktivismus. Jede der drei Theorien setzt unterschiedliche Schwerpunkte, die hier kurz erläutert werden. Beim Behaviorismus steht das sichtbare und beobachtbare Verhalten des Menschen, also alle auf die Umwelt ausgerichteten Aktivitäten und deren Bedingungen, im Mittelpunkt. Ausgeblendet werden die inneren Prozesse, die das Lernen beeinflussen. Lernen wird demnach durch eine Reiz-Reaktions-Kette ausgelöst, die besagt, dass auf bestimmte Reize entweder positive oder negative Reaktionen erfolgen können. Diese Reaktionen können dann, je nach gewünschtem Verhalten, entweder belohnt oder bestraft werden. Der Lernende ist hierbei sehr passiv und erhält passende Anreize vom Lehrenden, dem in dieser Theorie eine zentrale Rolle zukommt.1 Behavioristische Konzepte wurden im Rahmen des Fremdsprachenunterrichts durchaus praktiziert, jedoch kam man in den 1970er Jahren zu der Erkenntnis, dass

„instutionalisiertes Fremdsprachenlernen kein ‚bloßes Resultat von Vermittlungsprozessen’ ist (Riemer 2015: 170f.), sondern ein von vielfältigen [...] Faktoren abhängiger Prozess, bei dem das lernende Subjekt [...] eine aktive und entscheidende Rolle spielt.“2

Es wurden an dieser Lerntheorie also vor allem die passive Rolle des Lerners und die mangelnde Berücksichtigung der inneren Prozesse während des Lernvorganges kritisiert. Der Kognitivismus setzt genau an jener Kritik an, er stellt die inneren Erkenntnisprozesse des Menschen beim Verarbeiten von Informationen in den Vordergrund. Demnach können Informationen als Erkenntnisse bzw. Kognitionen im Gehirn gespeichert und wieder abgerufen werden. Darüber hinaus können sie auch miteinander verknüpft werden und dadurch zu neuen Kognitionen werden. Lernen bezieht sich nach dieser Theorie auf die Informationsaufnahme, -verarbeitung und -speicherung. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Verarbeitungsprozess, der durch das passende Lernangebot und Frage- bzw. Problemstellungen unterstützt wird. Die Rolle des Lerners wird im Lernprozess aktiver, er muss Informationen aufnehmen, verarbeiten und anhand dieser Lösungswege zu Problemstellungen finden.3 An dieser Theorie kann kritisiert werden, dass Lernweg und Ergebnisse bereits vordefiniert sind, die „richtigen“ und „falschen“ Antworten dementsprechend bereits bestimmt sind.4

Der Konstruktivismus stellt den Gedanken des Inputs, also den Informationen, die dem Menschen von außen gegeben werden, in Frage. So besagt diese Lerntheorie, dass sich der Mensch mithilfe seiner individuellen Wahrnehmung und Interpretation der Umwelt, eine eigene Sichtweise und damit auch neues Wissen konstruiert. Die Konstruktion einer eigenen Wirklichkeit ist gebunden an die Erfahrungen, Lebensumstände und die sozialen Bezüge des Menschen. Es gibt demnach keine allgemeingültige Wirklichkeit, die allgemeingültiges Wissen beinhaltet. Der Lernprozess wird daher im Konstruktivismus als sehr offen gesehen. Da jeder Lernende sich eine andere Sichtweise und damit anderes Wissen konstruiert, gibt es die Kategorien „richtiges“ und „falsches“ Wissen nicht. Der Fokus dieser Lerntheorie liegt in der Befähigung des Lerners, mit einer Situation umzugehen und aus ihr heraus individuelle Lösungen zu entwickeln. Der Lerner bekommt eine stark aktive Rolle, in der er wenige Vorgaben erhält und selbstorganisiert zu einer Lösung kommt. Der Lehrende steht dabei als Begleitperson zur Verfügung.5

Diese Theorien waren früher alle voneinander abgegrenzt, heute ist die Methodengestaltung für den Unterricht jedoch pragmatischer: Die Ansätze der jeweiligen Theorie kommen dann zum Zuge, „wenn aus ihnen heraus Lösungswege für den Pädagogen sichtbar sind“6. Dieses Prinzip lässt sich auch auf den Fremdsprachenunterricht übertragen, allerdings ist das Fremdsprachen lernen heutzutage vom behavioristischen Lernverständnis losgelöst. Vielmehr geht man davon aus, „dass Lernen ein kognitiv-konstruktiver Prozess [ist,] und demzufolge in hohem Maße individualisiert ist“7. Die allgemeingültige Methode für guten Fremdsprachenunterricht gibt es zwar nicht, jedoch soll hier bereits angemerkt werden, dass sich fremdsprachendidaktische Unterrichtsprinzipien vor allem auf den Kompetenzerwerb und auf die Entwicklung von Lernerautonomie fokussieren, was auch im Sinne der Lerntheorie steht, nach derer Fremdsprachen erlernt werden.8

3. Ziele des Fremdsprachenunterrichts

Wie bereits im vorherigen Punkt erwähnt, ist eines der Hauptziele fremdsprachlichen Unterrichts der Kompetenzerwerb des Lerners in verschiedenen Bereichen. Als Kompetenzen werden dabei „mehrfach dimensionierte Bereitschaften eines Menschen (Dispositionen), die gleichermaßen Wissen, Fertigkeiten, [...] und soziale Aspekte umfassen“9 bezeichnet. Kompetenzen sind auf bisherigen Erfahrungen und Lernprozessen aufgebaut und können durch Lernarrangements längerfristig ausgebaut werden. Im Kontext des Fremdsprachenerwerbs bedeutet Kompetenz, die Fähigkeit, sich in Kommunikationssituationen adäquat zu verhalten und fremdsprachlich zu handeln.10 Da sich diese Situationen auf unterschiedlichste Art und Weise ereignen können, sind die zu erwerbenden Fertigkeiten bereits in den communicative language activities vorstrukturiert. Rezeptive Fertigkeiten sind demnach das Hör- und Leseverstehen, produktive Fertigkeiten das zusammenhängende Sprechen bzw. Schreiben. Ein weiteres Lernziel ist der Erwerb vom dolmetschenden bzw. übersetzenden Transponieren, sowie die Fähigkeit, an schriftlicher Interaktion oder an Gesprächen teilnehmen zu können.11 Neben diesen sprachlich- praktischen Aspekten eines anwendungsbereiten Sprachkönnens, gibt es weitere Kompetenzen, die innerhalb des Fremdsprachenunterrichts erreicht werden sollen, wie beispielsweise die interkulturelle kommunikative Kompetenz. Sie gilt als Leitziel des heutigen Fremdsprachenunterrichts und besteht aus der kommunikativen Kompetenz, also der „Fähigkeit, sich ohne Angst und Komplexe mit sprachlichen Mitteln, [...] zu verständigen und kommunikative Absichten [...] zu durchschauen [...]“12 und weiteren interkulturellen Aspekten, die Mitte der 90er Jahre zunehmend an Bedeutung gewannen.13 Es gibt verschiedene Modelle, die die Fähigkeiten umschreiben, die interkulturelle kommunikative Kompetenz umfasst. Am häufigsten wird das Modell von Michael Byrams aus dem Jahre 1997 zitiert. Neben dem Wissen über die eigene(n) und die fremde(n) Kultur(en), sowie dem Wissen über Interaktionsprozesse sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlicher Ebene, umfasst die interkulturelle kommunikative Kompetenz noch die Fähigkeit, Kulturen zu verstehen und interpretieren zu können, sowie sich selbstständig neues Wissen über Kulturen aneignen zu können. Weitere Fähigkeiten, die diese Kompetenz beinhaltet, sind die offene Einstellung gegenüber fremden Kulturen und kultureller Vielfalt, außerdem das Bewusstsein darüber, wie in einer Gesellschaft Werte bzw. Verhaltensweisen entstehen und die Fähigkeit, diese kritisch reflektieren zu können.14 Interkulturelles Lernen verfolgt hauptsächlich kognitive und affektive Lernziele, an dessen Ende die Entwicklung der interkulturellen Handlungsfähigkeit steht.15

Neben der Entwicklung der Kompetenzen, die sich primär auf den Sprachgebrauch beziehen, steht auch die Förderung von Lernkompetenz im Fokus des Fremdsprachenunterrichts. Diese wird vor allem im Kontext eines weniger lehrergesteuerten Unterrichts thematisiert. Lernkompetenz umfasst die Fähigkeit bzw. die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen, also zum Lernen, welches über den schulischen Fremdsprachenunterricht hinausgeht. Daher sollte im ‚autonomiefördernden’ Fremdsprachenunterricht u.a. das Bewusstsein über individuelle Lernbedürfnisse, das Setzen von Lernzielen und die Planung des Lernens, das Erkennen eigener Lernwege, die kompetente Auswahl von Lernangeboten, die Überprüfung des Lernerfolgs und die Übernahme von mehr Lernverantwortung gefördert werden.16

Ein wichtiges Ziel des schulischen Gesamtbildungsauftrages ist die Stärkung sogenannter Schlüsselkompetenzen, die zur erfolgreichen Bewältigung der Anforderungen des Alltags benötigt werden. Diese Kompetenzen werden durch allgemeinkulturelles Lernen erworben, im Fremdsprachenunterricht sollen diese fremdsprachlich weiterentwickelt bzw. auf deren Anwendung in kulturellen Kontexten vorbereitet werden. Konkret unterteilen sich die zu erwerbenden Schlüsselkompetenzen in drei Bereiche: In soziales und interaktionales Lernen, generisches Lernen und den Erwerb textueller und medialer Schlüsselkompetenzen.17

[...]

1 Vgl. Meir, Susanne: elearning-plus. Didaktischer Hintergrund Lerntheorien. S. 10f. URL: http://lehrerfortbildung-bw.de/moodle-info/schule/einfuehrung/material/2_meir_9-19.pdf, aufgerufen am 17.02.2017

2 Martinez, Hélène: Lernerperspektive und Lernerorientierung. In: Burwitz-Melzer, Eva u.a. (Hrsg.): Handbuch Fremdsprachenunterricht. Tübingen: A. Francke Verlag 2016. S. 241-246, hier S. 241

3 vgl. Meier, Susanne: elearning-plus. S.12f.

4 vgl. ebd. S. 13

5 vgl. ebd. S. 14f.

6 ebd. S. 17

7 Hallet, Wolfgang; Königs, Frank G.: Fremdsprachendidaktik. In: Hallet, Wolfgang u.a. (Hrsg.): Handbuch Fremdsprachendidaktik. Seelze-Velber: Klett/Kallmeyer 2013. S. 11-17, hier S. 13

8 vgl. ebd. S. 14

9 Zydatiß, Wolfgang: Kompetenzen und Fremdsprachenlernen. In: Hallet, Wolfgang u.a. (Hrsg.): Handbuch Fremdsprachendidaktik. Seelze-Velber: Klett/Kallmeyer 2013. S. 59-63, hier S. 59

10 vgl. ebd. S. 59f.

11 vgl. ebd. S. 62

12 Piepho, Hans Eberhard: Kommunikative Kompetenz als übergeordnetes Lernziel im Englischunterricht. Dornburg-Frickhofen: Frankonius-Verlag 1974. S.9f.

13 vgl. Hu, Adelheid: Interkulturelle Kommunikative Kompetenz. In: Hallet, Wolfgang u.a. (Hrsg.): Handbuch Fremdsprachendidaktik. Seelze-Velber: Klett/Kallmeyer 2013. S. 75-78, hier S. 75

14 vgl. Hu, Adelheid: Interkulturelle Kommunikative Kompetenz. S. 76

15 vgl. Freitag-Hild, Britta: Interkulturelle kommunikative Kompetenz. In: Burwitz-Melzer, Eva u.a. (Hrsg.): Handbuch Fremdsprachenunterricht. Tübingen: A. Francke Verlag 2016. S. 136-140, hier S. 138f.

16 vgl. Tönshoff, Wolfgang: Lernkompetenz, Lernstrategien und Lern(er)typen. In: Hallet, Wolfgang u.a. (Hrsg.): Handbuch Fremdsprachendidaktik. Seelze-Velber: Klett/Kallmeyer 2013. S. 195-199, hier S. 195

17 vgl. Hallet, Wolfgang: Kulturelles Lernen. In: Hallet, Wolfgang u.a. (Hrsg.): Handbuch Fremdsprachendidaktik. Seelze-Velber: Klett/Kallmeyer 2013. S. 129-132, hier S. 129

Details

Seiten
14
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668562783
ISBN (Buch)
9783668562790
Dateigröße
390 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v379031
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,0
Schlagworte
Fremdsprache Fremdsprachendidaktik Spracherwerb digitales Lernen digitale Medien Apps Lerntheorie Fremdsprachenunterricht

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