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Das Sündenverständnis Schleiermachers in seinem Werk "Der Christliche Glaube" anhand der Paragraphen 65 - 74

Hausarbeit 2017 18 Seiten

Theologie - Systematische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Interpretation des Sündenbegriffs
2.1. Entwicklung des Bewusstseins der Sünde
2.2. Die Sünde als Zustand des Menschen
2.3. Erbsünde & Ursünde
2.4. Die wirkliche Sünde und dessen Unterteilung

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Man bekommt seit frühster Kindheit beigebracht, man solle nicht lügen, nicht stehlen, andere verletzen und soll immer besonnen und freundlich sein. Dennoch erwischt man sich beispielsweise, häufiger bei einer Notlüge, als einem lieb ist. Ob man an Gott glaubt, oder nicht - man hat auch in der heutigen Zeit, stets Angst davor, verbotene Dinge zu tun und befürchtet Konsequenzen. Sogenannte Alltagssünden begleiten uns häufiger in unserem Leben und doch verwenden wir den Begriff öfter, ohne dass wir ihn eigentlich erklären können. Mittlerweile sind 500 Jahre vergangen, seitdem Luther mit seinen 95 Thesen in die Geschichtsbücher eingegangen ist, und das Verständnis von Sünde neu geprägt hat. Gerade in der immer säkularisierteren Welt, eröffnen sich viele Betrachtungsweisen zu einem Thema. Die Frage, die sich aber trotzdem immer wieder stellt, ist: Was bedeutet eigentlich Sünde, welchen Einfluss hat man darauf und wie sieht ein sündiger Mensch aus?

Seit jeher haben sich viele Gelehrte mit diesem Thema auseinandergesetzt, wodurch ganz verschiedene Sichtweisen zu diesem Gebiet im Raum stehen. Selbst im kleinen gesellschaftlichen Kontext bzw. Raum ergeben sich darauf unterschiedliche Herangehensweisen. Einer Tat folgen immer auch Folgen, gerade wenn diese Taten im negativen Bereich angesiedelt sind.

Friedrich Schleiermacher (1768-1834) widmete sich in seiner Glaubenslehre unteranderem diesem Thema. Er gilt als der evangelische Kirchenvater des 19. Jahrhunderts und hat deshalb auch heute noch großen Einfluss auf den aktuellen Diskurs. Sein neues Verständnis von Religion brachte durch seine Lehrsätze eine moderne Erfahrungstheologie hervor. Religion ist für Schleiermacher der Sinn und Geschmack für das Unendliche, das bedeutet, dass das Gefühl an vordergründiger Stelle steht. In seinem Werk „Der Christliche Glaube“ (2.Aufl von 1830/31) beschreibt er ausführlich die Grundsätze der evangelischen Kirche. Diverse Begrifflichkeiten, wie Gnade oder Sünde, aber auch der Glaube selbst kommen hier zum Tragen.

Sein bedeutendes Werk liegt dieser Arbeit zu Grunde und soll den Rahmen dafür bieten, sein Sündenverständnis systematisch zu erarbeiten. Hierfür werden die Paragraphen 65-74 als 1 Grundlage dienen, da hier ganz besonders das Verstehen der Sünde im Bezug zum Menschen thematisiert wird. Im ersten Schritt werden die Gedankengänge strukturiert und in Reihenfolge zusammengefasst und dann der Versuch unternommen einen Gesamtzusammenhang herzustellen, um die Intention Schleiermachers einleuchtend darzustellen. Darüberhinaus soll eine kritische Reflexion seiner Standpunkte als Resultat folgen, die dann mit Luthers Verstehen der Sünde verglichen wird. Darüberhinaus soll die Frage beantwortet werden, ob sein Sündenverständnis noch an Aktualität besitzt und in die heutige Zeit übertragbar wäre, oder ob es an einigen Stellen Schwächen aufzeigt.

2. Interpretation des Sündenbegriffs

2.1. Entwicklung des Bewusstseins der Sünde § 65-66

In diesem ersten Abschnitt erklärt Schleiermacher sein Verständnis von Sünde, die Entwicklung des Bewusstseins dieser und, wie sie als Zustand in den Menschen übergeht.

Schleiermacher (im Folgenden durch Sch abgekürzt) betont, dass die „Ewigkeit, Allmacht und Allwissenheit Gottes“ (Hermann, 2011, S.254) dann bewusst wird, wenn es Übergänge von einem bewusstlosen in einen hellen und bewussteren Zustand gibt. Dieser kommt entweder in einem Gefühl der Lust oder Unlust vor.

Darüberhinaus setzt Sch voraus, dass in diesen Zuständen immer das gesamte Abhängigkeitsgefühl vorhanden ist, d.h. dass Gott also in unserem Gefühl auf eine ursprüngliche Weise gegeben ist und man nicht erst sekundär aus Wissen heraus in dieses Abhängigkeitsgefühl geführt wird. Sch betont zudem, dass die Sätze des ersten Teils dann fruchtbar werden, wenn sie auf das religiöse Leben bezogen werden, was in diesem zweiten Teil behandelt wird.

Kritisch stellt er zu Anfang den Gegensatz auf, dass Sünde einerseits die Abkehr Gottes bedeutet, das wiederum aber gleichzeitig ein Widerspruch zum innewohnenden „Gottestrieb“ sei. Schließlich würde eine Abkehr des Menschen von Gott dann ja auch der Wille von ihm selbst sein (vgl. Schäfer, 2011, S. 404).

Dieses Dilemma versucht Sch einerseits manichäisch, anderseits pelagianisch zu erklären. Ersteres würde eine zu große Tendenz dazu zeigen, dass man die Sünde „aus dem Umkreis der schechthinigen Abhängigkeit von Gott“ (ebd., S. 404) auszuschließen versucht. Sünde also „als dasjenige, was nicht sein würde, wenn nicht auch die Erlösung hätte sein sollen“ (ebd., S. 404). Letzteres zielt auf das Vertragen mit der ursprünglichen Vollkommenheit des Menschen, die durch Gott verursacht ist und damit Sünde zu etwas Gutem stuft. Sünde also „als das, was wie es verschwinden soll, nur durch Erlösung verschwinden kann.“ (ebd., S.404).

Sch führt auf, dass all das, was die Entwicklung des Gottesbewusstsein hemmt, Sünde sei.

Sch entwirft die These, dass Sünde dann vorkommt, wenn das eigene Bewusstsein, durch die Korrelation mit dem Bewusstsein Gottes, als Unlust empfunden wird. Dies kommt immer dann vor, wenn eine Erregung in dem Menschen „von jenem hören nicht ganz durchdrungen und bestimmt wird, sondern […] in einer Fortschreibung für sich allein begriffen ist.“ (Hermann, 2011, S. 261). Die Schwere der Sünde richtet sich nach dem Maß, welches das höhere Bewusstsein nicht fassen kann.

In jedem Gefühl der Anstrengung ist darüber hinaus ein Bewusstsein der Sünde mitgesetzt, da die sinnlichem Elemente von außen verstärkt werden und das Gottesbewusstsein so nicht in der Lage ist, den Moment zu bestimmen.

Sch betont außerdem, dass mitten in der Gemeinschaft mit Gott eine Versuchung nahe treten kann und das selbst in einem bewussten und hellem Augenblick der „lebendige Keim der Sünde“ in jedem von uns steckt (ebd., S.261). Dem zur Folge ist das Bewusstsein der Sünde überall, welches Sünde als Warnung verkörpert, welches zum Vorwurf wird und mit Traurigkeit ahndet.

Sch bemerkt außerdem, dass ein Fehlen der Göttlichkeit im Bewusstsein Sünde ist, während das Bewusstmachen dieses Zustandes Gnade sei, da wir in steter Gemeinschaft mit Gott leben. Sünde ist also das „Widerstreben unserer sinnlichen Erregungen das Bewusstsein Gottes mit in sich aufzunehmen“ (ebd., S. 256). Er fügt außerdem hinzu, dass entgegen vieler neutestamentlichen Texte, die Sünde in der Vollkommenheit schon immer vorhanden ist und der Mensch seine Erlösung selbst erschafft, indem er sie im Bewusstsein dem Erlöser zuschreibt, da Sünde schon immer im Menschen ist (vgl. ebd., S.256).

Das Bewusstsein der Sünde und das Bewusstsein der Gnade stehen miteinander in Verbindung und kommen als Abhängigkeitsgefühl vor. Erst durch diesen Gegensatz erhält die Göttlichkeit ihre Richtung. Zum einen das Bewusstsein der Hemmung des höheren Lebens, also der Sünde und das Bewusstsein der Förderung bzw. der Gnade. Sie stehen also im Bezug zur Abhängigkeit Gottes (vgl. ebd. S. 256).

Sch geht davon aus, dass ein Christ in jedem Augenblick Bewusstsein über Sünde und Gnade hat, da diese in der „christlich frommen Erregung“ (ebd., S. 257) vorkommt. In dieser Erregung werden ihm nämlich zumeist die Augenblicke offenbart, wo „das höhere Bewusstsein durch die Lebendigkeit des niederen zurückgedrängt war“ (ebd., S.258) - also resultierend das Bewusstsein der Sünde (vgl. ebd. S. 258).

Sch überträgt sein Sündenverständnis auf die Welt, indem er schlussfolgert, dass durch den Bewusstseinszustand von Sünde und Gnade Entgegengesetztes geschaffen wird. Folglich also Gutes durch die Gnade oder Übel durch die Sünde (vgl. ebd., S. 259).

Sch sagt zum einen, dass Sünde die Hemmung des Gottesbewusstseins ist, also eine Abkehr des Menschen von Gott, da wir aber in einem Abhängigkeitsgefühl stehen und der Zustand der Sünden im Naturzusammenhang eingebettet ist, so ist die Sünde also auch in der göttlichen Allmacht gegründet. Der Mangel an religiöser Vollkommenheit entsteht also aus der ursprünglichen Vollkommenheit und kann nur so begriffen werden (vgl. ebd., S. 260).

Im Grunde beschreibt Sch die Sünde als eine „gehemmte bestimmte Kraft des Gottesbewusstseins“ (ebd., S. 261) Die Sünde sei die Übertretung des göttlichen Gesetzes und im weiteren Sinne ist das Bewusstsein Gottes immer Gesetz.

„ Urspr ü nglich christlicher aber auch mit der unsrigen unmittelbar zusammenstimmend ist die, welche sagt, S ü nde sei, wenn wir begehren, was Christus ü bersieht und umgekehrt. “ (Sch ä fer, 2011, S.408

2.2. Die Sünde als Zustand des Menschen

Das Bewusstsein der Sünde enthält einen Gegensatz: zum einen dem Bewusstsein über das Fleisch, also der Lust und Unlust, zum anderen dem Gottesbewusstsein. Das bedeutet also, dass das Fleisch etwas für sich vollbringt und der Geist zurückgedrängt wird. Aber genau so das der Geist nicht „den ganzen Menschen durchdringt, sondern gleichsam unterlegenes abgewiesen wird oder ihn zwar durchdringt und zu seinem Ziele kommt“, aber nicht ohne Umwege oder durch das Fleisch hervorgebrachte Akte (Hermann, 2011, S. 265).

[...]

Details

Seiten
18
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668561809
ISBN (Buch)
9783668561816
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v378563
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,5
Schlagworte
sündenverständnis schleiermachers werk christliche glaube paragraphen

Autor

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Titel: Das Sündenverständnis Schleiermachers in seinem Werk "Der Christliche Glaube"
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