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Der Relativsatz im kapverdischen Kreol

Eine kontrastive und deskriptive Analyse anhand von Varietäten der Barlavento und Sotavento Inselgruppen

Hausarbeit 2014 33 Seiten

Romanistik - Französisch - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
2. Zum kapverdischen „ Crioulo “
2.1 Land und Leute
2.2 Sprachpolitik und Sprachprestige

3. Der Relativsatz
3.1 Relativpronomen
3.2 Relativkomplementierer
3.3 Strategie der resumptiven Pronomen
3.4 Typologie der Relativsätze
3.4.1 restriktive Relativsätze
3.4.2 appositive Relativsätze
3.4.3 freie Relativsätze

4. Der Relativsatz in der Barlaventovarietät
4.1 Relativpronomen
4.2 Relativkomplementierer
4.3 Strategie der resumptiven Pronomen
4.4 Typologie der Relativsätze
4.4.1 restriktive Relativsätze
4.4.2 appositive Relativsätze
4.4.3 freie Relativsätze

5. Der Relativsatz in der Sotaventovarietät
5.1 Relativpronomen
5.2 Relativkomplementierer
5.3 Strategie der resumptiven Pronomen
5.4 Typologie der Relativsätze
5.4.1 restriktive Relativsätze
5.4.2 appositive Relativsätze
5.4.3 freie Relativsätze

6. Diskussion

7. Fazit

8. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Arbeit liegt der Fokus auf dem Nebensatz mit der Funktion eines Relativsatzes im kapverdischen Kreol.

In bisherigen Ausarbeitungen beschränkte man sich entweder auf die Barlavento- (vgl. u.a. de Vries 2002; Lopes 2011, 2012) oder auf die Sotaventogruppe (vgl. u.a. Baptista 2002; Alexandre 2005, 2006, 2009). Veiga (2000) verglich beide Archipele, indem er jeweils eine kapverdische Varietät gegenüberstellte: Zum einen die Ilha de São Vicente (Barlavento) und zum anderen die Ilha de Santiago (Sotavento). Hier soll ebenfalls eine deskriptive und kontrastive Analyse zweier Varietäten mit Schwerpunkt auf das Kapverdische der Insel São Nicolau (Barlavento) sowie dem Krioulo der Insel Santiago (Sotavento) dargestellt werden. In Grafik 1 sind die hier behandelten Inseln - São Nicolau und Santiago - mithilfe von Markierungen hervorgehoben.

Der Aufbau dieser Arbeit ist so organisiert, dass zunächst ein allgemeiner Überblick über die Kapverden und vor allem dem kapverdischen Kreol gegeben wird. Daraufhin wird sogleich in die Thematik der Relativkonstruktionen eingestiegen: Die einleitenden Mittel werden beschrieben und die möglichen Typen erläutert. In Abschnitt vier und fünf wird dies dann anhand von Beispielen aus den jeweiligen Varietäten deskriptiv und kontrastiv analysiert, um abschließend Gemeinsamkeiten und Unterschiede festhalten zu können.

„ O Crioulo de Cabo Verde (CCV) é uma á rvore com muitos ramos. E isto em diversos aspectos. ”

(Manuel Veiga, 2008).

Mit diesem Zitat „im Gepäck“ beginnt die Reise zu den kapverdischen Inseln.

Wie sieht dieser Baum aus und welche Zweige führt er? Wie ist die Ausprägung dieser Äste auf den Barlavento- sowie Sotaventoinseln?

2. Zum kapverdischen „ Crioulo “

2.1 Land und Leute

Die Republik Capo Verde (República de Cabo Verde) setzt sich aus insgesamt 14 Inseln zusammen, von denen neun bewohnt sind. Sie lassen sich wiederum zu zwei größeren Einheiten, „ arquip é lago", gruppieren: Ilhas do Barlavento und Ilhas do Sotavento.

Grafik 1: Kapverdische Inseln (Quelle: http://www.africa-turismo.com/mapas/cabo-verde.htm) Erstere umfasst die Inseln Santo Antão, São Vicente, São Nicolau, Sal und Boa Vista und die unbewohnten Inseln Santa Luzia, Branco und Raso und ist auch als Inselgruppe über dem Wind, oder LUV, bekannt. Die Sotaventoinseln sind Santiago (mit der Inselstaathauptstadt Praia), Maio, Fogo und Brava sowie die zwei unbewohnten Ilhéus do Rombo. Diese Gruppierung wird auch als Inselgruppe unter dem Wind, oder LEE, verstanden (http://www.kapverden.de, 2014). Sobald man die Bezeichnungen Barlavento oder Sotavento im Wörterbuch nachschlägt, trifft man auf die in der Seemannssprache verwendeten Begriffe LUV und LEE. (vgl. Langenscheidt (2011) Portugiesisch - Deutsch/ Deutsch - Portugiesisch: 123; 618).

Das kapverdische Kreol findet seine Bezeichnung in folgenden Varietäten wieder: Neben dem Begriff Caboverdiano wird ebenso Criol, Crioulo, Kriol, Krioulo oder Krioulu verwendet, um die portugiesischbasierte Kreolsprache zu benennen (Paul, Simons, Fennig. Ethnologue: Languages of the World, 17th Edition, 2014).

Mit einer Gesamtgröße von circa 4033 Quadratkilometern zählt die Republik mehr als eine halbe Million Einwohner (Auswärtiges Amt: Cabo Verde, 2013).

2.2 Sprachpolitik und Sprachprestige

Die Entdeckung der kapverdischen Inseln durch die Portugiesen im Jahre 1456 eröffnete neue Handelswaren und -wege und das mit einer optimalen geographischen Lage, zwischen Europa und Amerika (http://www.kapverden.de, 2014).

Nach der Unabhängigkeit am 5. Juli 1975 wurde das Kreolische der Insel Santiago aufgrund seiner repräsentativen Ausprägung und seiner Hauptstadt „Praia“ mit seinem autoritären Status, politischer, ökonomischer und kultureller Macht als Basissprache vorgeschlagen. Diese Normierung formulierte die Afrikanische Unabhängigkeitspartei (PAIGC1 ) 1977, um unteranderem eine verbindliche Orthographie und entsprechende Grammatiken und Wörterbücher oder aber die Verwendung in den Massenmedien einzuführen (Perl, 1994: 60f).

Mit Beginn der Autonomie musste jedoch eine schnelle Anpassung her, um das Modell eines „ Estado-na çã o “ zu erreichen. Die Frage nach einer einheitlichen und homogenen Sprache, um die Organisation eines solchen Staates zu gewährleisten, musste geklärt werden: Eine Sprache, die den Anforderungen und Aufgaben eines Staates gewappnet ist. Vorausgesetzt hierfür waren eine vorhandene verbindliche Orthographie sowie eine Standardisierung und Normierung durch Grammatiken und Wörterbüchern. Da das Portugiesische zu jener Zeit diese Bedingungen erfüllte, wurde es zur institutionellen Amtssprache erklärt. Daraufhin wirkte sich dieses Gewicht auf das Einheitsbild aus, sodass das Portugiesische an Dominanz gewann und sich mit dem muttersprachlichen Status des Landes deckte. Diachronisch betrachtet wurde eine passive Annahme des Portugiesischen jedoch nicht gegeben, sodass nun die Frage nach der kapverdischen Identität geklärt werden muss (Branco, 2008).

Das Sprachprestige der offiziellen Landessprache, Portugiesisch, ist nur vage zu beschreiben. Das Portugiesische, als institutionelle Form, spiegelt das Bildungswesen, die Massenmedien, die Regierung, Politik und Wirtschaft sowie die (öffentliche) Verwaltung der Kapverden wider. Als eine Einheitssprache, vom Staat eingeführt und festgelegt, gewährleistet sie völlige Transparenz, welches für internationale sowie nationale Geltung und Ansehen wichtig ist.

So scheint das Portugiesische nach außen nicht nur l í ngua oficial zu sein, sondern gleichzeitig die l í ngua nacional zu repräsentieren. Anzunehmen ist dies, durch historische Prägungen, wie Literatur oder der Nationalhymne, aber auch durch gegenwärtige Massenmedien, wie dem Kino.

Die oben angesprochene language attitude bezüglich ihrer (objektiv-) kommunikativen Leistungen oder (subjektiv-) angenommenen Vorbildlichkeit ist in dem Sinne strittig, da die Bevölkerung augenscheinlich ihr Crioulo als Landessprache (língua nacional) betrachtet. Das Bild einer Einheit - die Identität mit der Nation - projiziert diese kollektive Betrachtungsweise (Branco, 2008).

Im weiteren Verlauf wird der Untersuchungsgegenstand dieser Ausarbeitung - der Relativsatz - genau analysiert, um daraufhin die einleitende Elemente und Konstruktionen der Insel São Nicolau mit denen der Insel Santiago deskriptiv und kontrastiv betrachten zu können.

3. Der Relativsatz

„A relative clause is a subordinated clause that includes, at some level of semantic representation, a variable that ultimately gets bound in some way by an element of the matrix.” (Alexander Grosu, 2002: 145).

De Vries (2005: 4f) greift die Definition auf und unterstreicht diese anhand eines Beispiels:

(1) “The man who I saw in the park yesterday.”

In diesem Fall ist the der externe Determinierer und man die “head NP”; zusammen, stellen sie den Matrixsatz dar. Who I saw in the park yesterday ist der Nebensatz mit Funktion eines restriktiven Relativsatzes. Das Relativpronomen („ variable “) ist hier who, welches mit man verbunden ist, also das rückbezüglich auf dieses Element (hier: man) im Matrixsatz zurückgreift.

Die Konstruktion von Relativsätzen ist kein universeller Akt, es kann jedoch festgehalten werden, dass unter semantischer Betrachtungsweise immer eine coreference - zwischen internen und externen Ausdrücken des Relativsatzes - und eine assertion - der Relativsatz ist eine Assertion der zu „relativierenden“ NP - vorhanden sind (vgl. Downing, 1978: 378). Eine weitere Eigenschaft ist die modification, die sich allerdings nur auf Relativsätze mit explizitem Antezedens bezieht (vgl. Bianchi, 2002a; Abschnitt 3.4).

De Vries (2002: 62) legt zwei Arten von Elementen dar, die den Relativsatz generell einleiten können. Dies sind zum einen die Relativpronomen und zum anderen Relativpartikel (Komplementierer, Markierer sowie Affixe). Des Weiteren schlägt er die Strategie der resumptiven Pronomen vor.

Grafik 2: Relative elements Für das Kapverdische im Allgemeinen sowie für das Portugiesische im Speziellen spielen die Partikel „Markierer“ und „Affixe“2 keine Rolle, da sie dort nicht vorhanden sind (Lopes, 2012: 24).

Es gibt drei mögliche Funktionen, die die Elemente haben können:

(1) Subordination: Der Relativsatz ist ein untergeordneter Satz, welches durch ein Pronomen gekennzeichnet sein kann.

(2) Attribution: Der Relativsatz ist eine Ergänzung zum Kopf. Die phi-Merkmale des Elements sind kongruent zu den Kopfmerkmalen.

(3) Gap Construction: Der Kopf innerhalb des Relativsatzes ist durch ein Pronomen oder einen Determinierer besetzt, die also die Lücke „füllen“ und somit (abstrakten) Kasus tragen (vgl. Lehmann, 1984).

Festgehalten werden muss hierbei, dass nur der Komplementierer C die Subordination ausdrückt und das Relativum in D die Attribution und eventuell die Gap Konstruktion repräsentiert (de Vries, 2002: 161).

3.1 Relativpronomen

Das Relativpronomen ist der Kategorie der Pronomen beziehungsweise Determinanten zugehörig (de Vries, 2002: 118/158). Es unterliegt der Wh-Bewegung und erhält den abstrakten Kasus von der subordinierenden Phrase. Mit dem Kopf der vorausgegangenen NP (wenn eine vorhanden ist) wird daraufhin die Kongruenz geprüft. Relativpronomen können morphologisch komplex sein und treten in der Regel als Demonstrativa und/oder Interrogativpronomen auf (de Vries, 2002:178) „ at least in the Indo-European languages ” (id.: 116). Sie werden unteranderem in postnominalen Relativsätzen eingesetzt (vgl. Abschnitt 3.3; de Vries 2005: 21). Dowing (1978: 390) hält fest, dass sie in diesem Fall immer satzinitial (bezogen auf den Nebensatz) sind (auch wenn sie in einer Präpositional- oder Nominalphrase eingebettet sein können). Relativpronomen werden also, wie Fragepronomen, in den CP Bereich bewegt und besetzen die Spezifikatorposition (de Vries 2005: 21f). „ All postnominal relative constructions undergo wh-movement of a relative pronoun. ” (de Vries 2002: 118).

3.2 Relativkomplementierer

Komplementierer sind Elemente, die die syntaktische Kopfposition der CP besetzen und stehen dementsprechend (in den hier untersuchten Sprachvarietäten) in phraseninitialer Position (des Nebensatzes). Dies geschieht, ohne die Kongruenz mit dem Kasus der NP zu überprüfen und ohne bewegt zu werden. Sie sind Funktionswörter, die normalerweise dem Grammatikaliserungsprozess anderer syntaktischer Elemente, wie Determinanten oder Fragewörtern, zugrunde liegen (de Vries, 2002: 173f).

Zusammenfassend lässt sich dies in einem Theorem von de Vries (2002: 161) wiedergeben:

a. C bears neither Case nor φ antecedent -features.

b. D bears both (abstract) Case and φ -features.

3.3 Strategie der resumptiven Pronomen

Resumptive Pronomen treten in Form von Personal- oder Demonstrativpronomen auf, die die Lücke einer Relativphrase besetzen, aber nicht einleitend auftreten (außer im Falle einer Koinzidenz). Sie sind also nicht von der Wh-Bewegung betroffen. Dennoch gelten sie als gebundene Variablen (durch einen Wh-Operatoren), welches vergleichbar mit der Lücke (das heißt: eine Spur) in der nicht-resumptiven „Relativierungsstrategie“ ist. Resumptive Pronomen können nie in Verbindung mit Relativpronomen und vice versa, auftreten (de Vries, 2005: 26).

Ein Beispiel aus Haegeman 1994: 410:

(2) I am looking for those documents which I can never remember where I put them verdeutlicht, dass der Satz ohne dem resumptiven Pronomen them ungrammatisch wäre. Das liegt daran, dass them eine Insel ist und folglich keine Bewegung möglich ist. Im gegenteiligen Beispiel: (3) the man that I saw (*him), ist der Gebrauch eines solchen Pronomens nicht möglich (vgl. de Vries, 2002: 165).

3.4 Typologie der Relativsätze

Typologisch betrachtet lassen sich die Relativsatzkonstruktionen in zwei Arten unterteilen: Zum einen mit Antezedens und zum anderen ohne Antezedens, den sogenannten freien Relativsätzen. Erstere lassen sich wiederum subklassifizieren in restriktive und nicht-restriktive beziehungsweise appositive Relativsätze (vgl. u.a. de Vries, 2002; Alexandre, 2006). Neben der semantischen Klassifizierung gibt es zusätzlich die Unterteilung in vier verschiedene syntaktische Typen: postnominal, prenominal, circumnominal sowie correlative (vgl. u.a. de Vries, 2002; 2005 für genauere Beschreibungen). Für die hier untersuchten Varietäten spielt nur die postnominale Variante eine Rolle, daher wird sich im Weiteren auf diese Art beschränkt.

3.4.1 restriktive Relativsätze

“ Restrictive relatives restrict the meaning of the antecedent.” (de Vries, 2002: 1; 2005: 4). Sie sind an einer NP adjungiert (Mioto & Negrão, 2007: 162) und weisen folgende Grundstruktur auf:

Grafik 3: Restriktiver Strukturbaum (vgl. Lehmann 1984: 262)

(4) (Jill spoke to) the lecturers that failed the test on didactics. (de Vries, 2002: 16). Jill sprach zu einer Gruppe, wovon ein Teil der Teilnehmer den Test nicht bestanden hat. Es ist also nicht an mögliche Teilnehmer, die den Test bestanden haben, gerichtet. Die „Gruppe“ wird durch das restriktive Verfahren genauer definiert, indem ihre Bedeutungsalternativen beziehungsweise -möglichkeiten eingeschränkt werden.

[...]

1 Seit 1981: PAICV Partido Africano da Independência de Cabo Verde (Quelle: http://www.kapverden.de/kapverdische-inseln.html).

2 Für einen genaueren Überblick vgl. de Vries (2002: 174f).

Details

Seiten
33
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668561694
ISBN (Buch)
9783668561700
Dateigröße
674 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v378483
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Romanistik
Note
1,0
Schlagworte
Relativsatz Relativpronomen Kreol Syntax Sprachwissenschaft Romanistik Portugiesisch

Autor

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Titel: Der Relativsatz im kapverdischen Kreol