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Die Stellung der Frau in Indien. Merkmale, Diskriminierung und Entwicklung

Hausarbeit 2016 18 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Soziale Determinanten von Frauenrechten - die heterogene Lage der indischen Frau
2.1 Die Klasse
2.2 Die Kaste
2.3 Die Religion

3. Von Geburt an - Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen
3.1 Die Geburt
3.2 Kindheit, Pubertät
3.3 Die Ehefrau
3.4 Die Witwe

4. Auf dem Weg zur Emanzipation
4.1 Frauenrechte in den Fünfjahresplänen
4.2 Der Einfluss der Globalisierung auf die Emanzipation

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Religionszugehörigkeit der indischen Bevölkerung in Prozent

Abbildung 2: Bevölkerungspyramide Indiens

1. Einleitung

Das ehemals homogene klassische Bild der deutschen Frau hat sich im Laufe der Zeit verändert. Während eine Frau damals standardisiert in Schürze hinter dem Kochherd abgebildet wurde, ist das Bild heute äußerst heterogen. Sei es eine Frau, die sich für die Mutterrolle entscheidet, die Karriereleiter erklimmt, Bundeskanzlerin wird oder aber Familie und Beruf kombiniert. Die Frau in Deutschland ist größtenteils emanzipiert. Doch wie sieht es im Gegensatz dazu mit den Frauen in anderen Ländern aus? Welche Rolle nimmt die Frau in Indien ein, welches kein Industrieland wie Deutschland ist, sondern auf der Schwelle dorthin liegt?

Fraglich ist es, inwiefern sich die indische Frau in der Gesellschaft eingliedert. Welchen Problemen steht sie gegenüber, welcher Diskriminierung muss sie entgegentreten? Was unternimmt die indische Regierung zur Besserung der Frauenrechte?

Diese Hausarbeit befasst sich mit der heutigen Rolle der Frau in Indien, explizit mit ihren Merkmalen, der Diskriminierung und der bisherigen Entwicklung. Im ersten Schritt soll darüber Aufschluss gegeben werden wie die Rolle der Frau determiniert wird. Es wird davon ausgegangen, dass die Lage der Frau durch verschiedene Einflüsse bestimmt wird. Im zweiten Schritt wird auf die Diskriminierung der Frau im Laufe eines Lebens eingegangen. Die Darstellung beginnt mit der Geburt und endet mit dem Leben als Witwe. Zuletzt schenkt man der bisherigen Entwicklung der Emanzipation Beachtung. Im ersten Punkt beschäftigt man sich mit der Veränderung der Frauenrechte in den Fünfjahresplänen der indischen Regierung. Es wird darauf eingegangen, inwiefern der Staat auf die Lage der Frau reagiert. Im zweiten Punkt betrachtet man den externen Einfluss der Globalisierung. Es wird beschrieben wie weltweite Entwicklungen sich auf die Stellung der Frau auswirken und inwiefern sie mit internen Veränderungen verknüpft sind.

2. Soziale Determinanten von Frauenrechten - die heterogene Lage der indischen Frau

Betrachtet man sich die Rolle einer Person in einer Gesellschaft, so zeichnet sich ein heterogenes Bild einer jeden Person ab. Es gibt nicht das Bild eines Mannes in Deutschland und auch nicht das Bild einer Frau in Indien. Jeder ist von gesellschaftlichen Umständen determiniert. Während in Deutschland und anderen Industrieländer die Bevölkerung weniger hiervon bestimmt wird, so sind gesellschaftliche Faktoren in Entwicklungs- und Schwellenländern sehr entscheidend. Aus diesem Grund wird im Folgenden auf die sozialen Determinanten der indischen Frau eingegangen. Diese bestehen aus der Klasse, der Kaste und der Religion.

2.1 Die Klasse

Zu einer gemeinsamen sozialen Klasse gehören „Gesellschaftsmitglieder, denen in etwa ein gleicher sozialer Status und damit ein gleiches soziales Prestige zugemessen wird; im Allgemeinen wird zwischen Unter-, Mittel- und Oberschicht unterschieden.“1 In Indien müssen 30 Prozent der gesamten Bevölkerung mit nur einem US - Dollar pro Kopf und Tag zurechtkommen, 70 Prozent mit nur zwei US - Dollar.2 Dies bedeutet, dass beinahe ein Drittel der indischen Staatsbürger unterhalb der Armutsgrenze lebt.

In diesen Unterschichten begegnet Frauen die größte Ungerechtigkeit. Der Grund liegt darin, dass Frauenrechte zweitrangig sind. Vorrangig ist die unmittelbare Existenz. Der Zugang zu bildungs- und gesundheitsfördernden Ressourcen ist eingeschränkt.

Frauen der Mittelschicht haben dagegen bessere Möglichkeiten Bildung zu erlangen. Dies resultiert in beruflicher Unabhängigkeit, doch es schützt nicht vor Gewaltausbrüchen gegen Frauen. Anders ist es in der Oberschicht. Diese beträgt lediglich ein Prozent der gesamten Bevölkerungszahl. Hier sind die indischen Frauen nicht diskriminierenden Wertevorstellungen untergeordnet, jedoch unterliegen sie immer noch den Bedingungen des Kastenwesens.3

2.2 Die Kaste

Das Kastensystem kann in vier Hauptkasten eingeteilt werden. Dazu gehört die Kaste der Priester (Brahmanen), Krieger (Kschatrijas), Händler (Vaischyas) und Bauern (Schudras). Bestimmt wird die Kastenzugehörigkeit nicht nur durch den Beruf, sondern ebenfalls durch die Geburt und die Reinerhaltung. Unter oder außerhalb dieser primären Kasten besteht die Kaste der Dalits, welche meist der Landwirtschaft angehören. Obwohl im Jahr der Unabhängigkeit 1949 die tatsächliche Unberührbarkeit der Dalits abgeschafft wurde und die Gewaltakte gegen Dalits per Gesetz der Strafverfolgung unterliegen, so ist die Diskriminierung immer noch bestehend.4 Für Kastenzugehörige bedeutet dies Diskriminierung und das Nicht - Wahrnehmen ihrer Menschenrechte.

Besonders für Dalit - Frauen endet die Diskriminierung in Vergewaltigungen. Männer aus höheren Kasten behandeln die Frauen wie Menschen zweiter Klasse und sprechen sich das Recht zu, diese Frauen sexuell zu missbrauchen.5

Die Kastenzugehörigkeit bestimmt heutzutage weiterhin die Heiratsfrage. Eine Heirat zwischen unterschiedlichen Kasten ist rechtlich gesehen erlaubt, aber in der Gesellschaft wird dieser mit Geringschätzung begegnet. Folglich raten neun von zehn Eltern ihren Kindern von einer solchen Zusammenfindung ab.6

2.3 Die Religion

Die folgende Grafik (Abbildung 1) zeigt die Religionszugehörigkeit der indischen Bevölkerung im Jahr 2001. An der senkrechten Achse ist der Anteil der Gesamtbevölkerung zu sehen, während an der horizontalen Achse die verschiedenen Religionen abgezeichnet sind. Diese Abbildung soll verdeutlichen wie viele Weltreligionen in Indien nebeneinander existieren. Bei einer Bevölkerung von 1,252 Milliarden Menschen sind die absoluten Zahlen der verschiedenen Religionsanhänger immens. 80,5 Prozent Hindus sind in etwa 1,007 Milliarden Menschen, 13,4 Prozent ergeben eine Anzahl von 167 Mio. Muslime und 2,3 Prozent sind 28 Mio. Christen.

Abbildung 1: Religionszugehörigkeit der indischen Bevölkerung in Prozent

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/170764/umfrage/religionen-in-indien/

Bei einer solch großen Anzahl an Religionen ist das Konfliktpotential groß. Indiens Rechtssystem verstärkt die Kluft weiter, weil ein zweistufiges Rechtssystem herrscht. Zum einen herrscht das civil code (Bürgerliches Gesetzbuch) und zum anderen die personal laws, die unterschiedliche Rechte für Hindus, Muslime und Christen vorbehält.7 Durch letzteres kommt nicht nur eine verstärkte Trennung der Religionen zustande, sondern verwehrt Frauen das verfassungsmäßige Recht auf Gleichbehandlung und unterwirft sie festen Geschlechterrollen.8

Mit diesem kurzen Überblick wurden die sozialen Determinanten der Frau dargestellt, um zu verdeutlichen wie verschiedenartig die Stellung der Frau sein kann, je nachdem welchen gesellschaftlichen Reglementierungen sie unterstellt ist. Im Folgenden werden die Lebensphasen und die miteinhergehende Ungerechtigkeit gegenüber Frauen näher betrachtet.

3. Von Geburt an - Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen

Man spricht von diskriminieren, wenn man „durch Äußerungen, Behauptungen in der Öffentlichkeit jemandes Ansehen, Ruf schaden, ihn herabsetzen [oder, d. Verf.] durch unterschiedliche Behandlung [jemanden, d. Verf.] benachteiligen“9 möchte. Dieser Diskriminierung und der Gewalt gegen Frauen folgen wir von der Geburt eines indischen Mädchens an.

3.1 Die Geburt

Abbildung 2: Bevölkerungspyramide Indiens

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle:https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/graphics/population/IN_popgraph%20 2014.bmp

Abbildung 2 stellt die Bevölkerungspyramide Indiens im Jahre 2014 dar. Auf der vertikalen Achse sind die Altersgruppen, welche jeweils in 5 - Jahres - Gruppen aufgeteilt sind, abgebildet, während auf der horizontalen Achse die Bevölkerungszahl in Mio. angegeben ist.

Links von der vertikalen Achse wird die männliche Bevölkerung angezeigt und rechts davon die weibliche. Man erkennt, dass die männliche Bevölkerung bei der Geburt durchschnittlich bei ca. 62 Mio. liegt, bei der weiblichen Bevölkerung sind es durchschnittlich ca. 54 Mio. Erst ab dem Alter von 45 Jahren löst sich das Frauendefizit auf. Laut der Central Intelligence Agency (CIA) fällt bei der Geburt eines Mädchens eine Geburt von 1,12 Jungen.10 Das lässt sich insofern erklären, dass die Geburt einer Tochter für indische Familien eine Belastung darstellt. Für sie wird bei der Hochzeit eine Mitgift gezahlt, obwohl diese mittlerweile verboten ist, und sie kann später nicht zum Lebensunterhalt beisteuern. Im Gegensatz dazu ist ein Junge eine sichere Altersvorsorge und bringt der Familie Anerkennung.11 Obwohl es seit 1994 untersagt ist, wird vor der Geburt festgestellt, ob der Fötus weiblichen oder männlichen Geschlechts ist. Somit können Frauen der Geburt einer Tochter durch eine Abtreibung vorbeugen. Wird eine Tochter geboren, so werden diese in der Babypflege, medizinischen Versorgung und Ernährung vernachlässigt.12 Zur Lösung könnte die indische Regierung medizinische Pflichtuntersuchungen bis zu einem gewissen Alter einführen. Fraglich ist es, inwiefern die Bevölkerung gleichermaßen Zugang zu medizinischen Ressourcen hat. Besonders in ländlichen Gebieten würde sich dieses Unterfangen schwierig erweisen.

Änderungen sind in der indischen Gesellschaft, verstärkt in der Mittelschicht, zu erkennen. „Nach der Geburt nehmen Eltern der städtischen Mittelklasse mit gleicher Freude Anteil an ihrer weiblichen und männlichen Nachkommenschaft, zumindest solange sie Kinder sind.“13

3.2 Kindheit, Pubertät

Der Global Gender Gap Report des World Economic Forum zeigt durch einen Index auf, inwiefern Geschlechter in bestimmten Ländern gleichgestellt sind. Betrachtet man sich den Global Gender Gap Report aus dem Jahr 2014, wird deutlich, dass Indien mit der Bildung bei Mädchen im Gegensatz zu Jungen unter dem Durchschnitt liegt. Fällt die Einschulungsquote von 0,97 Schülerinnen auf 1 Schüler im Grundschulalter, so beträgt sie bei der Anmeldung zur sekundären Schulform nur noch 0,79. Dies spricht für eine hohe Abbrecherzahl beim weiblichen Geschlecht.14

[...]


1 Springer Gabler Verlag (Hrsg.), Gabler Wirtschaftslexikon. Quelle http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/57703/soziale-schicht-v3.html, Zugriff am 19.11.2015.

2 Vgl. Auswärtiges Amt: Indien - Wirtschaft. Quelle: http://www.auswaertiges- amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/Indien/Wirtschaft_node.html, Zugriff am 19.11.2015.

3 Vgl. Lobo-Bader, Benazir: Frauen in Indien zwischen Exklusion, Partizipation und Emanzipation, in: Geiger, Gunter (Hrsg.): (2001), Die Hälfte der Gerechtigkeit? Das Ringen um universelle Anerkennung von Menschenrechten für Frauen. Das Beispiel Asien, Opladen & Farmington Hills, MI, S. 169.

4 Vgl. Betz: (2007), Gesellschaftliche Strukturen, in: Informationen zur politischen Bildung, Nr. 296, S. 14-16.

5 Vgl. Lobo-Bader: (2011), S. 170.

6 Vgl. dsb., S.170; Vgl. auch Roy, Rekha: (2006) Women´s Rights in India: A Feminist Perspective, New Dehli, S. 154.

7 Vgl. Jain, Pratibha: (2005), Balancing Minority Rights and Gender Justice: The Impact of Protecting Multiculturalism on Women ' s Rights in India, in: Berkeley Journal of International Law, Volume 23, S. 204.

8 Vgl. dsb., S. 219.

9 Duden: (2007), Das Fremdwörterbuch, 9. Auflage, S. 239.

10 Vgl. Central Intelligence Agency: The World Factbook, India. Quelle: https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/in.html, Zugriff am 19.11.2015.

11 Vgl. Weber, Ute: (2003), Von Sita zur neuen Frau. Die Darstellung der Frau im postkolonialen indoenglischen Roman, Marburg, S. 50f.

12 Vgl. Stang, Friedrich: (2002), Indien. Geographie, Geschichte, Wirtschaft, Politik, Darmstadt, S. 86f.

13 Kakar, Katharina/ Kakar, Sudhir: (2006), Die Inder. Porträt einer Gesellschaft, München, S. 50.

14 Vgl. World Economic Forum: (2014), The Global Gender Gap Report 2014, Cologny/Geneva, S.206.

Details

Seiten
18
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668555907
ISBN (Buch)
9783668555914
Dateigröße
980 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v378298
Institution / Hochschule
Hochschule Ruhr West
Note
2,7
Schlagworte
stellung frau indien merkmale diskriminierung entwicklung

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