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Okzidentaler Rationalismus nach Max Weber

Referat (Ausarbeitung) 2004 10 Seiten

Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung
1.1 Kurzbiographie
1.2 Begriffsdefinitionen

2. Religion
2.1 Protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus

3. Okzidentaler Kapitalismus
3.1 Rationalisierung des Rechts
3.2 Bürokratisierung
3.3 Herrschaftsformen

4. Idealtypen

5. Fazit

Literatur

1. Einleitung

1. 1 Kurzbiographie

Max Weber war kein Soziologe im eigentlichen Sinne. Eher könnte man ihn als Universalgelehrten protestantisch- lutherischer Prägung des Berliner Großbürgertums im ausgehenden 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts bezeichnen. Zu dessen Weltbild gehörte ein Glaube an staatliche Autorität sowie an den Liberalismus.[1] Um den Menschen Karl Emil Maximilian Weber besser interpretieren zu können, ist es von Bedeutung, sich seinen frühen Lebensweg kurz anzuschauen. Dazu gehören u.a. das Studium der Rechtswissenschaften, Nationalökonomie, Agrargeschichte, Philosophie und Theologie. Examen, Promotion sowie Habilitation (1891) schloss Weber als Jurist ab. Zu den weiteren frühen Stationen des jungen Weber gehören u.a. die Mitgliedschaft zu einer studentischen Burschenschaft sowie eine Ausbildung zum Reserveoffizier der Armee. Erst 1909, als Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS), nannte Weber sich selbst Soziologe, jedoch dies auch nur halbherzig.[2]

Im Kontext der Industrialisierung und Kapitalisierung seiner Zeit lässt sich nun sein Denken besser einordnen und in Reihenfolge bringen zu den wohl bekanntesten Begriffen seiner Prägung: neben dem der protestantischen Ethik nämlich ebenso den der Rationalisierung und des Rationalismus. Obgleich die Begriffsdefinitionen Rationalisierung und Rationalismus auch bei Weber selbst nicht eindeutig festgelegt sind.[3]Schicksal unserer Zeit“ nannte Weber es selbst oft und gebrauchte es als Oberbegriff für eine Entzauberung der Welt. Bürokratisierung, Industrialisierung, Spezialisierung, Versachlichung oder auch Entmenschlichung usw. wurden Schlagworte dieses Kontextes der Epoche des Rationalismus.[4]

1. 2 Begriffsdefinitionen

Zum weiteren Verständnis des Weberschen Wortkonstruktes „okzidentaler Rationalismus“, der begrifflich Anfang des 20. Jahrhunderts entstand, hilft der erste Blick ins Fremdwörterbuch, der den Okzident als „(lat.) das Abendland, Europa“[5] definiert. Eine weitere Definition von Wolfgang Schluchter, hilft den Rationalismus zu erläutern:

- Die Fähigkeit, Dinge durch Berechnung zu beherrschen, als Folge von empirischem Wissen und Können, also quasi ein wissenschaftliches Vorgehen im weiteren Sinne.
- Eine Systematisierung von Sinnzusammenhängen und die intellektuelle Bearbeitung der Gegenstände und Begriffe, welches quasi der innere Drang des Kulturmenschen ist.
- Ferner stellt der Rationalismus die Institutionalisierung von Sinnzusammenhängen dar.[6]

Weber geht dabei oft sehr dialektisch und kritisch an die Dinge heran; etwa wenn er von Teilordnungen spricht, die den Gesamtordnungen gegenüberstehen, die wechselseitig eine hohe Eigendynamik besitzen[7]: „Interessen (materielle und ideelle), nicht: Ideen, beherrschen unmittelbar das Handeln der Menschen. Aber: Die Weltbilder, welche durch Ideen geschaffen wurden, haben sehr oft als Weichensteller die Bahnen bestimmt, in denen die Dynamik der Interessen das Handeln fortbewegte“[8], ergänzte Weber seine eigenen Ausführungen in den Jahren 1919/ 20.

2. Religion

Die Grundlage von Webers Denken ist denn auch eine vergleichende Gegenüberstellung der durch die vorherrschenden und diversen Religionen bestimmten Weltbilder in Orient und Okzident. Er analysiert u.a. den Buddhismus, Taoismus, Konfuzianismus, Hinduismus, das Judentum, den Katholizismus und Protestantismus auf ihr Verhältnis zur Rationalität hin. Daraus ergeben sich nach Weber unterschiedliche Ausprägungen des Weltbildes und der Herrschafts- sowie Rechtsverhältnisse, die wiederum entscheidend sind für Organisationsart,

-form u. -grad einer Gesellschaft sowie ihrer Wirtschaft.

Die Konstellation, dass das Streben nach überweltlicher Erlösung mit innerweltlicher Askese, also harter Arbeit etc., verbunden sei und damit die Religion samt des realen Weltbildes entzaubert, findet sich demnach nur in der okzidental christlichen Tradition- also anfangs im antiken Judentum sowie letztendlich im asketischen Protestantismus nach Luther und Calvin.[9] Im Gegensatz dazu fordert z.B. der Katholizismus die kontemplative, im Gebet versunkene Askese, um Gott zu gefallen.[10] Dazu ist das kulturhistorische Verstehen von Religion insgesamt notwendig, im Zuge dessen aus Monismus Dualismus wird. Das heißt, der Mensch unterscheidet im Laufe der Zeit und seiner Erfahrungen in seiner Religion bereits zwischen Gut und Böse und erkennt dies rational und teilt es ein. Er nimmt also Unter- u. Überordnungen vor. Nicht mehr der „Eine Gott“ ist quasi maßgeblich, sondern die unterschiedlichen Gebote Gottes, die Riten, Sitten und Auslegungen bestimmen das Weltbild und Handeln. Denn der Mensch braucht- nach Weber - Identifikationen, Institutionalisierungen, Interpretationen, Ausrichtungen, um seine Welt, religiös wie pragmatisch zu begreifen und um interagieren zu können.[11]

2. 1 Protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus

Insgesamt zieht Weber damit einen eher kognitionspsychologischen Syllogismus heran und versucht eine eher evolutionistische Darstellung von der protestantischen Religion und Ethik hin zur Ökonomie. Für Weber ist die Menschheitsgeschichte ein fortwährender Prozess der Rationalisierung.[12] Der streng asketische Calvinismus (nach dem Juristen und Prediger Jean Calvin, 1509-1564, unter dem Einfluss von Martin Luther im 16. Jhd.[13]) der nicht nur zu harter Arbeit als solcher ermahnt, sondern ebenfalls die methodische Rechtfertigung mittels realer Taten (zu jedoch bereits vorbestimmtem Schicksal) vor Gott fordert, ist für Weber die Grundlage der Geisteshaltung des Kapitalisten, „Reichtum wird zum Zeichen der Auserwähltheit“.[14] Nicht mehr Herkunft und Stand, sondern Talent und Können werden entscheidend für die Zugehörigkeit zur Geldaristokratie.[15] Und eben diese systematisch- methodische Lebensplanung und -einrichtung vor Gott, ist für Weber eine der existentiellen Grundlagen des okzidentalen Rationalismus in Verbindung mit dem Kapitalismus. Ebenfalls kann die dadurch bedingte Unterwerfung des Arbeiters unter die Disziplin des Kapitalisten als Grundlage dafür betrachtet werden. Denn auch das Proletariat war zu ebenso harter Arbeit aus Überzeugung und Gottgefälligkeit aufgerufen. Was allerdings insgesamt nicht bedeutet, dass im Orient (mit seinen Religionen) nicht auch eine Variante des Rationalismus und der Askese existiert; jedoch ist es für Weber eine andere, die sich gerade religiös erheblich vom Abendland unterscheidet. Auch existieren natürlich Formen des Kapitalismus und des Handels im Orient, die sich ebenso kulturell wie sozio- ökonomisch von denen der europäischen Arten erheblich abheben.[16] Dort fehlen oft auch politische oder organisatorische Zusammenhänge und Voraussetzungen, um sie mit dem okzidentalen Weg gleichzusetzen.[17]

[...]


[1] Vgl.: Kaesler, D.: Max Weber. In: Klassiker des Sozialismus. München. 1991. S. 190ff.

[2] a.a.O., S. 204

[3] Vgl.: Schluchter, W.: Rationalismus der Weltbeherrschung. Frankfurt/M. 1980. S. 10/ Vgl. auch Hauck, G.: Geschichte der soziologischen Theorie. Reinbek. 1984. S. 88

[4] Vgl.: Kaesler, D.: a.a.O., S. 198

[5] Vgl.: Fremdwörterbuch, Duden. Mannheim. 1997

[6] Vgl.: Schluchter, W.: a.a.O., S. 10

[7] Vgl.: Schluchter, W.: Die Entwicklung des okzidentalen Rationalismus. Tübingen. 1979. S. 20

[8] a.a.O., S. 39, zitiert Weber

[9] a.a.O., S. 10

[10] Vgl.: Hauck, G.: a.a.O., S. 72f.

[11] Vgl.: Schluchter, W.: Rationalismus der Weltbeherrschung. Frankfurt/M. 1980. S. 15ff.

[12] Vgl.: Hauck, G.: a.a. O., S. 71

[13] Vgl.: Genthe, H.: Martin Luther. Göttingen. 1996. S. 285ff.

[14] Vgl.: Hauck, G.: a.a.O., S. 73

[15] Vgl.: Zeitwende, Wirtschaft. dtv- Atlas Weltgeschichte Band 1. München 2002. S. 215

[16] Vgl.: Hauck, G.: a.a.O., S. 74ff.

[17] Vgl.: Schluchter, W.: Die Entwicklung des okzidentalen Rationalismus. Tübingen. 1979. S. 16

Details

Seiten
10
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638370530
Dateigröße
578 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v37803
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,5
Schlagworte
Okzidentaler Rationalismus Weber

Autor

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Titel: Okzidentaler Rationalismus nach Max Weber