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Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Federal Reserve (FED) im Vergleich

Seminararbeit 2017 25 Seiten

VWL - Geldtheorie, Geldpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Geldpolitische Grundlagen
Zentralbanken
Definition Geldpolitik
Ziele

EZB – Europäische Zentralbank
Geschichtlicher Hintergrund
Aufbau und Funktionsweise
Aufgaben und Ziele
Geldpolitische Strategie der EZB
Geldpolitische Instrumente

Fed – Federal Reserve System
Geschichtlicher Hintergrund
Aufbau und Funktionsweise
Aufgaben und Ziele
Geldpolitische Strategie der Fed
Geldpolitische Instrumente

Vergleich EZB und Fed

EZB - Aktuell

Fazit

Verweise

Einleitung

„Leitzins bei 0%“

Was genau bedeutet das und was sind die damit einhergehenden Folgen für die europäische Wirtschaft?

Ich habe mich für das Thema „Geldpolitik der EZB und der Fed im Vergleich“ entschieden, weil ich mehr über dieses Thema erfahren wollte. Eine gewisse Basis an Wissen über das Zentralbankensystem und dessen Aufgaben sowie dessen Funktion ist ein Bestandteil der Allgemeinbildung. Bestimmte Fragen jedoch, wie beispielsweise das US-amerikanische Zentralbankensystem funktioniert und inwiefern die Geldpolitik von Zentralbanken mit „Blasenbildung“ und Wirtschaftskrisen zusammenhängt, sind nicht selbsterklärend.

Besonders der Begriff „Immobilienblase“ ist durch mediale Kommunizierung ein recht geläufiger Begriff. Was aber genau hinter dem Begriff steckt, wie solche „Blasen“ entstehen und was mit diesen „Blasen“ passiert, kann nur durch geldpolitisches in-depth Verständnis begründet werden.

Zu Beginn werden dem Leser geldpolitische Grundlagen nahegelegt. Des Weiteren soll ein Verständnis für die Institution Zentralbank geschaffen werden. Die europäische und die US-amerikanische Zentralbank werden daraufhin aufgeschlüsselt. Geschichte, Aufbau und Funktionsweise sowie geldpolitische Instrumente, Ziele und Strategien sollen dem Leser erklärt werden. In einem anschließenden Vergleich wird auf eventuelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Zentralbanken eingegangen.

Die Arbeit wird mit einer genauen Ausarbeitung über die aktuelle Geldpolitik der EZB und den eventuell damit einhergehenden Risiken für die gesamte europäische Wirtschaft beendet.

Die Arbeit hat den Anspruch, den Leser in Themen wie Geldpolitik, Zentralbanken und Risiken der aktuellen EZB-Geldpolitik, wie beispielsweise Blasenbildung, zu einem vertieften Verständnis zu verhelfen. Darüber hinaus soll Klarheit über die Zusammenhänge zwischen Geldpolitik und Wirtschaftskrise geschaffen werden.

Geldpolitische Grundlagen

Zentralbanken

Als eine Zentralbank wird die Bank eines Staates bezeichnet. Zentralbanken haben üblicherweise das Monopol auf die Banknotenausgabe in dem jeweiligen Staat. Darüber hinaus stellen Zentralbanken für die Volkswirtschaften der verschiedenen Staaten eine der wichtigsten Institutionen dar, was vor allem in der Reichweite der Entscheidungen über das alltagsübliche Medium Geld begründet liegt. Außerdem sind die Zentralbanken für die Währungserhaltung und, je nach geldpolitischer Zielsetzung, primär für die Preisniveaustabilität oder die Höhe des Beschäftigungsgrades verantwortlich. Des Weiteren tragen die Zentralbanken durch die Möglichkeit der Refinanzierung von Kreditinstituten dazu bei, die Stabilität in einer Volkswirtschaft aufrechtzuerhalten.

Eine genauere Ausführung über die verschiedenen Aufgaben und Ziele der EZB und der Fed folgt im Verlauf der Arbeit.

Zentralbanken gibt es als nationale und supranationale Institutionen. Die Deutsche Bank ist die Zentralbank Deutschlands und somit eine nationale Institution. Die EZB hingegen ist die Zentralbank Europas, weshalb sie eine supranationale Institution darstellt.

Ein weiterer wichtiger Aspekt im Zusammenhang mit Zentralbanken ist deren Unabhängigkeit. Es gibt Zentralbanken, welche „höheren“ Institutionen unterstellt sind, dennoch sind Zentralbanken üblicherweise unabhängig.

Die Unabhängigkeit der Zentralbanken soll sicherstellen, dass politische Interessen der sonst vorgesetzten Institutionen nicht die Maßnahmen und Entscheidungen der jeweiligen Zentralbank beeinflussen können. Durch die Unabhängigkeit wird sichergestellt, dass die Zentralbank frei von politischen Beeinflussungen jeder Art ihre Aufgaben erledigen kann. Außerdem ermöglicht die Unabhängigkeit den Zentralbanken eine beschleunigte Entscheidungsfindung von Entscheidungen. Durch vorgesetzte Institutionen könnten eventuelle bürokratische Hürden oder verschiedene Fragen bezüglich des Handlungsspielraums der Zentralbanken den Prozess der Entscheidungsfindung verzögern.

Damit die Unabhängigkeit nicht zu voreilig getroffen Entscheidungen führt, gibt es das sogenannte Expertengremium, welches sichergestellt, dass es sich um zielgerichtete Entscheidungen handelt.

Definition Geldpolitik

Unter dem Begriff „Geldpolitik“ verstehen sich alle wirtschaftspolitischen Maßnahmen und Entscheidungen die eine Zentralbank zum Erreichen ihrer Ziele verwendet. Die Zentralbanken benutzen zum Erreichen dieser Ziele verschiedene geldpolitische Instrumente. Diese geldpolitischen Instrumente sind verschiedene wirtschaftspolitische Maßnahmen, welche die Wirtschaft entsprechend beeinflussen sollen. [1] [2]

Ein klassisches Beispiel eines geldpolitischen Instruments zur Beeinflussung der Wirtschaft/Konjunktur ist das Erhöhen oder das Senken des Leitzinses. Der Leitzins wird im europäischen Raum vom EZB-Rat bestimmt und legt fest, zu welchem Zinssatz sich Banken bei Zentralbanken Kapital leihen können. Die Zentralbanken haben somit die Möglichkeit, durch den Leitzinssatz indirekt die Geldmenge in einer Volkswirtschaft zu regulieren.

Das Erhöhen des Leitzinssatzes führt dazu, dass die Kreditaufnahme bei Zentralbanken verteuert wird. Folglich leihen sich weniger Geschäftsbanken Kapital, was zu einer Verringerung der Geldmenge in der jeweiligen Volkswirtschaft führt.

Wird der Leitzins hingegen gesenkt, wird das Leihen von Zentralbankgeld für Geschäftsbanken aufgrund der niedrigen Zinsen attraktiv. Es folgt eine Erhöhung der Geldmenge.

Die Geldpolitik lässt sich in zwei Arten unterteilen. Unter der expansiven Geldpolitik versteht sich die Verbilligung des Zentralbankgeldes, also das Senken des Leitzinssatzes. Das Ziel der expansiven Geldpolitik ist es, die Geldmenge zu erhöhen, um einer eventuellen Deflation entgegenzuwirken. Darüber hinaus verspricht man sich aus der Erhöhung der Geldmenge eine erhöhte Konsum- und Kaufbereitschaft, was wiederum die Wirtschaft belebt und wachsen lassen würde.

Die Anwendung der expansiven Geldpolitik lässt jedoch auch das Inflationsniveau ansteigen. Einem hohen Inflationsniveau kann in der Theorie mit einer restriktiven Geldpolitik begegnet werden. Unter der restriktiven Geldpolitik versteht man die Verteuerung des Zentralbankgeldes bzw. das Erhöhen des Leitzinssatzes. Das Sinken der Geldmenge als Folge der restriktiven Geldpolitik wirkt deflationär und dämpft somit ein hohes Inflationsniveau. Das Sinken der Geldmenge wirkt sich darüber hinaus jedoch verringernd auf das Wirtschaftswachstum aus.

Es existieren weitere geldpolitische Instrumente zur Steuerung der Geldpolitik. Die verschiedenen Zentralbanken verwenden verschiedene geldpolitische Instrumente. Die geldpolitischen Instrumente, die von der EZB und der Fed verwendet werden, gilt es im Verlauf der Arbeit auszuführen. [3]

Ziele

Die Ziele der Geldpolitik sind von den verschiedenen Zentralbanken und der politischen Ausrichtung der jeweiligen Volkswirtschaft abhängig. Trotzdem lassen sich die Ziele in übergeordnete Ziele und Zwischenziele gliedern. [4]

Mit übergeordneten Zielen sind wirtschaftspolitische Ziele der Zentralbanken gemeint. Diese Ziele sind üblicherweise vertraglich festgelegt.

Vor dem Hintergrund, dass die Rolle des Geldes von den verschiedenen volkswirtschaftlichen Schulen unterschiedlich interpretiert wird, verfolgt die Politik je nach politischer Ausrichtung verschiedene geldpolitische Ziele.

Die expansive keynesianische Geldpolitik hat traditionell das Wirtschaftswachstum als übergeordnetes Ziel. Monetaristisch orientierte Volkswirtschaften verfolgen als übergeordnetes Ziel die Preisniveaustabilität.

In der Praxis ergeben sich die Ziele der Geldpolitik jedoch nicht ausschließlich aus der politischen Ausrichtung. Historische Ereignisse beeinflussen die geldpolitischen Ziele ebenfalls. Das oberste geldpolitische Ziel in Deutschland ist aufgrund der zwei vergangenen Hyperinflationen die Preisniveaustabilität. [5]

EZB – Europäische Zentralbank

Die EZB ist wie bereits erwähnt die Zentralbank Europas. Gemeinsam mit den nationalen Zentralbanken der EU-Mitgliedsstaaten bildet sie das Europäische System der Zentralbanken (kurz: ESZB). Die Kernaufgabe der EZB besteht in Wahrung der Preisniveaustabilität und in der Wahrung des Euros.

In den folgenden Abschnitten werden die Funktionsweise, der Aufbau sowie die Geschichte der EZB beschrieben. Es folgt anschließend eine Vorstellung der Aufgaben und der Ziele der EZB. Die Werkzeuge der Zentralbank, also die geldpolitischen Instrumente, die sie verwendet um ihre Ziele zu erreichen, werden ebenfalls beschrieben.

Geschichtlicher Hintergrund

Im „EU-Raum“, besonders zwischen Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, Luxembourg und Niederlande, bestand bereits lange vor der Gründung der Europäischen Union der Gedanke an eine einheitliche Währung.

Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft bestand aus den oben genannten Staaten - und weiteren – und wurde 1957 gegründet. Im Rahmen der wirtschaftlichen Transaktionen stellte sich heraus, dass einheitliche Standards den supranationalen Handel erleichtern. Damit einhergehend entstand die Idee von einheitlichen europäischen Institutionen sowie einer einheitlichen Währung.

Nach der EU-Gründung durch den Maastricht-Vertrag am 1.11.1993 wurde daraufhin das Europäische Währungsinstitut am 1.1.1994 gegründet. Dem Europäischen Währungsinstitut (EWI) oblag primär die Aufgabe, eine einheitliche Währung im EU-Raum zu schaffen. Darüber hinaus war das EWI mit Aufgaben, wie der Verknüpfung der verschiedenen nationalen Zentralbanken, für eine verstärke Zusammenarbeit beschäftigt.

Am 1.6.1998 wurde die Nachfolgeinstitution – die EZB – des EWI gegründet. Die EZB übernahm die Aufgaben des EWI und etablierte am 1.1.2002 die erste gemeinsame Währung innerhalb der EU, den Euro. [6] [7] [8] [9]

Aufbau und Funktionsweise

Die EZB besteht aus verschiedenen Organen. In der folgenden Abbildung ist zu sehen, aus welchen Teilen sich die EZB zusammensetzt. Die verschiedenen Organe werden daraufhin aufgeschlüsselt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

EZB-Direktorium

Das EZB-Direktorium besteht aus 6 Mitgliedern und überwacht das Tagesgeschäft der EZB. Das Direktorium ist das ausführende Organ der EZB-Organe. Anweisungen des EZB-Rats werden durch das Direktorium umgesetzt und als Aufgaben oder Anweisungen an die nationalen Zentralbanken verteilt. Des Weiteren ist die Vorbereitung der EZB Ratssitzungen Teil der Aufgaben des Direktoriums.

Die 6 Mitglieder des EZB-Direktorium setzen sich wie folgt zusammen:

- Präsident der EZB
- Vizepräsident der EZB
- vier weitere Mitglieder

Die vier weiteren Mitglieder werden von den Finanz- und Wirtschaftsministern der EU-Teilnahmestaaten empfohlen. Es erfolgt daraufhin eine nicht bindende Abstimmung über die empfohlenen Direktoriumsmitglieder durch das Europäische Parlament und durch das Plenum des Parlaments. Bei entsprechenden Mehrheiten werden Sie vom Rat der EU zur Ernennung als Direktoriumsmitglieder empfohlen. Über die durch den Rat der EU empfohlenen Mitglieder wird im Europäischen Rat abgestimmt. Zur Ernennung eines neuen Direktoriumsmitglieds bedarf es mindestens einer qualifizierten Mehrheit innerhalb des EU-Rats (255 aus 345 Stimmend d.h. 73,91%). [10]

EZB-Rat

Der Rat der Europäischen Zentralbank ist das höchste Entscheidungsorgan der unabhängigen Institution. Er ist mit dem Erlass von Leitlinien und Beschlüssen beauftragt, die zur Erfüllung der geldpolitischen Ziele notwendig sind. Unter anderem ist der Rat der EZB mit dem Festlegen der europäischen Geldpolitik und der Bestimmung des Leitzinssatzes beauftragt. Seit der Wirtschaftskrise fällt auch die „verstärkte“ Bankenaufsicht und die Kontrolle von Finanzinstitutionen unter die Aufgaben des EZB-Rats.

Der Rat der Europäischen Zentralbank besteht aus den sechs Mitgliedern des Direktoriums und den Präsidenten der nationalen Zentralbanken der Mitgliedsstaaten des Euroraums.

Der EZB-Rat tagt zweimal pro Monat in Frankfurt am Main. Eine Tagung sieht üblicherweise eine Bewertung der wirtschaftlichen und monetären Entwicklung und eine entsprechende geldpolitische Änderung oder Maßnahme vor. Um die geldpolitischen Aufgaben der EZB von den restlichen Aufgaben zu trennen, finden verschiedenen Sitzungen statt. Der Inhalt der gesonderten Sitzungen ergibt sich aus den übrigen Aufgaben und Verantwortungsbereichen der EZB.

Der EZB-Rat hält alle sechs Wochen eine vom EZB-Präsidenten geführte Pressekonferenz, die der Aufklärung über geldpolitische Änderungen oder andere Beschlüsse dient. [10]

Erweiterter Rat

Der Erweiterte Rat besteht aus den Mitgliedern des EZB-Rats. Darüber hinaus sind auch die Präsidenten der nationalen Zentralbanken der restlichen EU-Mitgliedsstaaten, welche den Euro nicht eingeführt haben, Teil des Erweiterten Rats. Die restlichen Mitglieder der EZB - die des Direktoriums - und ein Mitglied der europäischen Kommission dürfen ebenfalls an den Sitzungen des Erweiterten Rats teilhaben. Jedoch sind diese nicht stimmberechtigt.

Der Erweitere Rat kann als Übergangs- und Beratungsgremium angesehen werden. Er beschäftigt sich in erster Linie mit den ehemaligen Aufgaben des Europäischen Währungsinstituts, also dem Verknüpfen der Zentralbanken der EU-Länder. Diese Aufgabe obliegt dem Rat, weil nicht alle EU-Länder den Euro eingeführt haben und die damals neu gegründete Institution (EZB) sich primär auf die Eurostaaten beschränkte.

Des Weiteren ist die Beratung der EZB auf Grundlage von statistischen Daten ebenfalls Teil der Aufgaben des Erweiterten Rats. Darüber hinaus muss der Erweiterte Rat den Jahresbericht der EZB und die Beschäftigungsbedingungen für EZB-Mitglieder erstellen. [10]

Aufgaben und Ziele

Die grundlegenden Aufgaben der EZB sind vertraglich im „AEU-Vertrag“ (Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union) Art. 127 Abs. 2 festgelegt.

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Details

Seiten
25
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668554276
ISBN (Buch)
9783668554283
Dateigröße
616 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v377952
Institution / Hochschule
Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter
Note
1,3
Schlagworte
Zentralbanken EZB FED Geldpolitik Immobilienblase Offenmarktgeschäfte Mindestreserve Ständige Fazilitäten Diskontpolitik

Autor

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