Lade Inhalt...

Konzepte der Professionalisierung des betrieblichen Bildungspersonals

Ausarbeitung 2017 11 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Konzepte der Professionalisierung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Vom Unterweiser zum Lernprozessbegleiter (Quelle: Janke, French und Weber 2017, S. 23)

Die Qualifikationsanforderungen der Aus- und Weiterbilder hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Die Neuordnung der Ausbildereignungsverordnung aber auch die allgemeinen demografischen Veränderungen führen zu einer notwendigen Kompetenzerweiterung des Bildungspersonals. Jemanden auszubilden bedeutet nun nicht mehr einzig und allein das Vermitteln von fachlichem Wissen, sondern Bedarf auch viel pädagogisches und organisatorisches Handeln (siehe Abb. 1).

„Kern dieses Berufs ist das Planen, Initiieren, Organisieren und Begleiten von handlungsbezogenen Lernprozessen; die fachliche Basis wird zum Anlass und Kern dafür.“ (Brater und Wagner 2008, S. 7). Aufgrund dieser Verschiebung ist es daher auch notwendig, dass Personal dementsprechend aus- und weiterzubilden. Eine besondere Herausforderung die dabei auftritt, bezieht sich auf die unterschiedlichen Berufsprofile und Tätigkeiten, die unter den Begriff des Berufsbildungspersonals fallen. So gibt es zum Beispiel neben dem hauptamtlichen Ausbildungspersonal auch Teamkoordinatoren und Ausbildungsleiter/-innen, wobei jeder unterschiedlichen Ansprüchen gerecht werden muss (vgl. ebd., S. 8).

Weiterhin sind auch bisherige Professionalisierungsstrategien zu bemängeln, da sie oft lernortspezifisch durchgeführt werden. Aktuelle berufspädagogische Trends jedoch besagen, dass lernortkooperative Ansätze die Effektiveren wären und besser zur Professionalisierung des Personals beitragen. Betriebliches und außerbetriebliches Ausbildungspersonal sowie Berufsschullehrer/-innen und sozialpädagogische Fachkräften müssen stärker zusammenarbeiten (vgl. Jahn und Diettrich 2008, S. 18). Das nachfolgende Konzept setzt an dieser Feststellung an und begründet die Lernortkooperation als Möglichkeit zur Professionalisierung des Bildungspersonals.

Lernortkooperationen meinen zunächst einmal das Zusammenwirken des Personals an den verschiedenen Lernorten im Hinblick auf organisatorische und pädagogische Angelegenheiten (vgl. ebd.). Um lernortübergreifende Maßnahmen durchführen zu können, verlangt es Motivation, gegenseitiger Akzeptanz aller Beteiligten, sowie die Qualifizierung dieser. Auf Grund von unterschiedlichen, voneinander unabhängigen Qualifizierungswegen des beteiligten Bildungspersonals sind auch die jeweiligen Rollenbilder und Qualifizierungen sehr unterschiedlich und vor allem lernortabhängig, was ein Zusammenarbeiten erschwert.

Während die Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten der Berufsschullehrer/-innen akademisiert und auch institutionalisiert sind, fehlt es bei den betrieblichen Ausbildern an Professionalität. Berufsschullehrer/-innen besuchen zunächst eine universitäre Einrichtung, bevor sie einem Referendariat nachgehen können, indem eine Verknüpfung von theoretischer und praktischer Ausbildung erfolgt. Des Weiteren erfolgt ein stetiges Lernen im Beruf. Um betrieblicher Ausbilder zu werden, ist es nach BBiG lediglich notwendig, die fachliche und persönliche Eignung zu bescheinigen. Dafür ist ein 120-stündiger Vorbereitungslehrgang vorgesehen, der die nötige berufspädagogische Kompetenz vermitteln soll. Für ausbildenden Fachkräfte existieren bundesweit bisher keine gültigen Qualifikationsstandards. Ausbilder/-innen sind zumeist Meister ihres Faches oder besitzen andere Qualifikationen, die in Verbindung mit der AEVO stehen. Wer als Stützlehrer/in in Berufsschulen arbeiten will, muss das zweite Staatsexamen in einem Lehramt vorweisen. Die sozialpädagogischen Fachkräfte sind zumeist ausgebildete Erzieher/-innen und Fachkräfte der Sozialarbeit und Sozialpädagogik (vgl. ebd., S. 19).

Trotz dieser unterschiedlichen Anforderungen und Qualifizierungen gibt es bereits Projekte, die Fortbildungskonzepte entwickelt haben, welche durch Lernortkooperation profitieren. So zum Beispiel das Projekt „XENOS-Mentoren“. Dieses wurde von Arbeit und Leben Sachsen-Anhalt e.V. durchgeführt mit dem Ziel, 60 unterschiedliche Lehrpersonen gemeinsam zu „Mentoren“ zu qualifizieren, welche dann in ihrer Berufspraxis als Multiplikatoren wirken sollen. Damit soll vor allem die gesellschaftliche Integration der Jugendlichen vorangetrieben werden, um fremdenfeindliche Einstellungen in der Beruflichen Bildung zu unterbinden. Die pädagogische Kompetenz der Teilnehmer steht hierbei also im Vordergrund. Mit dem zweijährigen Fortbildungskonzept soll die pädagogische Rolle des Personals erweitert werden, die ja angesichts des Rollenwandels immer wichtiger wird. Das Bildungspersonal lernt hierbei, für die Jugendlichen eine Art Erzieher und Vorbild zu sein und übernimmt dementsprechend Aufgaben wie die Unterstützung in jeglichen Lebensbereichen des Auszubildenden oder die Vermittlung von positiven Zukunftsaussichten. Des Weiteren wurden Module im Bereich der Kommunikation, der Mobilität und auch der Berufsberatung angeboten, die durchlaufen werden mussten. Um Lernortkooperationen zu verstärken, ist es außerdem notwendig, das Personal über die Vorteile dessen aufzuklären und ihnen ihr Handeln bewusst zu machen.

Die Gruppen, in denen die Module abgehalten wurden, bestanden immer aus unterschiedlich qualifiziertem Personal aus verschiedenen Lernorten, sodass es einen stetigen Austausch gab und ein Perspektivwechsel ermöglicht wurde. So bekamen zum Beispiel betriebliche Ausbilder/-innen einen intensiven Einblick in die Aufgaben, Tätigkeiten und Probleme von Berufsschullehrern/-innen und anders herum.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Einstellungsveränderungen hinsichtlich der beruflichen Tätigkeit (Quelle: Brater und Wagner 2008, S. 20)

Entscheidend für dieses Projekt waren auch die Evaluationen, die vor und nach der Durchführung dessen abgehalten wurden.

Hier wurde nach der Effektivität des Projektes im Hinblick auf die Einstellung bezüglich Lernortkooperationen, sowie Interkulturalität und die eigenen beruflichen Tätigkeiten gefragt. Besonders deutlich zu erkennen, war die veränderte Wahrnehmung bezüglich der Lernortkooperationen (siehe Abb. 2). Bevor das Projekt anlief, waren fast alle Teilnehmer der Meinung, dass kooperative Zusammenarbeit nicht zur Lösung von Problemen beitragen würde. Nach der Beendigung jedoch waren es nur noch wenige die an ihrer Meinung festhielten, während sich die meisten vom Projekt überzeugen ließen. Positiv verändert haben sich auch die Akzeptanz bezüglich neuer Aufgaben und die Einstellung gegenüber Interkulturalität, so dass das Projekt folglich als positiv gewertet werden kann (vgl. ebd., S.20).

Ein weiteres Projekt welches sich intensiv mit der Lernortkooperation auseinandergesetzt hat, unterstützte die Einführung von neuen Metall-, Elektro- und fahrzeugtechnischen Berufen in Hessen. Das Projekt MEQ (Metall- und Elektro-Qualifizierungsnetzwerk) unterstützt vor allem Schulen und Betriebe durch Qualifizierungsmaßnahmen, die eben von dieser Neueinführung betroffen sind. Dieses Projekt wurde von 2006 bis 2008 durchgeführt, wobei mehr als 2000 Leute an den Fort- und Weiterbildungen teilnahmen. Wie schon beim vorhergehenden Projekt wurden auch hier Kooperationsgruppen gebildet, die aus Ausbildern/Ausbilderinnen sowie Lehrkräften bestehen. Durch diese Zusammenarbeit sollen unter anderem die Ausbildungsordnung und die Rahmenlehrpläne aufeinander abgestimmt werden. Somit soll eine Verbesserung der Ausbildungsqualität eintreten. Durch das Zusammenarbeiten fachbezogener Kooperationsgruppen entsteht ein Qualifikationsnetzwerk, das eine Absprache zwischen allen Beteiligten erleichtert, die Lernortkooperation stärkt und auch Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten bereitstellt (vgl. ebd., S.20 f.).

Anhand der zwei genannten Beispiele wird deutlich, dass die Lernortkooperation durchaus Vorteile für die Professionalisierung des betrieblichen Bildungspersonals bringt und auch von den Teilnehmern selbst als effektiv angesehen wird. Durch die Kooperation mit anderen steigt zudem die Qualifikation eines jeden Teilnehmers an, womit auch eine höhere Ausbildungsqualität einhergeht. Doch neben den Lernortkooperationen gibt es weitere Konzepte, die sich mit der Thematik „Professionalisierung des Bildungspersonals“ auseinandersetzen. So zum Beispiel können neue Qualifikationen durch Fortbildungen erreicht werden.

[...]

Details

Seiten
11
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668549463
ISBN (Buch)
9783668549470
Dateigröße
727 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v377587
Institution / Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Note
1,3
Schlagworte
Konzept Personlisierung Bildungspersonal Weiterbildung Fortbildung Ausbilder Weiterbilder Unternehmen Personal

Autor

Zurück

Titel: Konzepte der Professionalisierung des betrieblichen Bildungspersonals