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Die erschöpfte Gesellschaft. Human Enhancement als Folge einer chronischen Überforderung

Studienarbeit 2017 30 Seiten

BWL - Personal und Organisation

Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Anthropotechnik
1.2 Definition Human Enhancement

2 Die Enhancement-Arten
2.1 Neuro-Enhancement
2.1.1 Pharmakologisches Neuro-Enhancement
2.1.2 Neurobionisches-Enhancement
2.2 Genetisches Enhancement
2.3 Physisches Enhancement

3 Die erschöpfte Gesellschaft
3.1 Gesellschaftliche Anforderungen
3.2 Persönliche Anforderungen

4 Ethische Bewertung von Human Enhancement
4.1 Die vier Positionen in den Human Enhancement Debatten
4.1.1 Der Transhumanist
4.1.2 Der liberale Ethiker
4.1.3 Der konservative Ethiker
4.1.4 Der Skeptiker
4.2 Ethische Argumente die gegen Human Enhancement sprechen

5 Persönliche Einschätzung

Literatur

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Therapie und Enhancement in Kontext von Gesundheit und Krankheit

Abbildung 2: Übersicht der Enhancement-Arten

Abbildung 3: Typische Enhancement-Formen nach Lebensabschnitt (von Frauen)

Abbildung 4: Typische Enhancement-Formen nach Lebensabschnitt (von Männern)

1 Einleitung

In gegenwärtigen Diskussionen wird oft die Thematik des Dopings im Leistungssport, der Schönheitsoperationen und die Einnahme von Ritalin durch Menschen behandelt. Diese genannten Themenbereiche beschäftigen sich alle mit dem Begriff „Enhancement“.1 Human Enhancement bedeutet auf Deutsch so viel wie menschliche Verbesserung bzw. menschliche Weiterentwicklung und meint die medizinischen und biotechnologischen Eingriffe in den menschlichen Organismus. Die Menschen möchten durch Human Enhancement die individuelle Leistungsfähigkeit durch biomedizinische Verfahren verbessern.2

Bei Human Enhancement geht es um eine Verbesserung oder Erweiterung der psychischen und physischen Leistungen eines gesunden Menschen und nicht um eine Therapie bestehender Krankheiten. Dabei versucht ein gesunder Mensch, die eigene Lebenszeit zu verlängern, die Stimmung aufzuhellen, die Wahrnehmungsfähigkeiten des eigenen Spektrums zu vergrößern oder die psychischen, geistigen und sozialen Fähigkeiten zu erhöhen. Das Human Enhancement soll folglich dazu beitragen die individuelle Leistungsqualität zu erhöhen.3

Was genau unter Human Enhancement verstanden wird und wie Human Enhancement eingeteilt werden kann und warum der Begriff „Anthropotechnik“ eine wichtige Rolle spielt, wird im folgenden Abschnitt behandelt.

1.1 Anthropotechnik

Aus der materiellen Sichtweise der Anthropologie, meint Anthropotechnik, dass sich der Mensch selbst als Produkt definiert, der nur dann begriffen werden kann, wenn man sich mit den Produktionsverfahren und -verhältnissen analytisch beschäftigt. Der Mensch macht sich also selbst zum Gegenstand von Veränderungsprogrammen, die durch die Unterwerfung des Menschen aufgrund der voranschreitenden Technik oder durch Verfahren zur Gestaltung, Bildung, Erziehung, Sozialisation, und Zivilisierung des Menschen ausgelöst werden. Dabei schafft sich der Mensch mit Hilfe der Anthropotechnik selbst.4

Peter Sloterdijk der seit 1992 Professor an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe tätig ist, unterscheidet zwischen primären und sekundären Anthropotechniken. Dabei fallen unter die primären Anthropotechniken, diejenigen Veränderungen eines Menschen, die der Mensch nicht selbst erzeugt sondern erzogen wurden, zum Beispiel Erziehung, Disziplinierung und Bildung. Die sekundären Anthropotechniken gehen den primären Anthropotechniken voraus, und setzten die Autodomestikation des Menschen frei. Auch ist Peter Sloterdijk davon überzeugt, dass ein anthropotechnisches Zeitalter anbricht, was bedeutet, dass die Menschen immer mehr die aktive oder subjektive Seite der Selektion durchleben. In der Vergangenheit wurden die Menschen eher automatisch und unbewusst verändert. In Zukunft wird die Veränderung des Menschen eher zunehmend bewusst und aktiv durch die Person selbst vollzogen. Dabei verlagert Sloterdijk den Begriff der Anthropotechnik insoweit, dass sich die Menschen selbst durch die Anwendung von der Technik verändern und er ist sogar der Meinung, dass die Menschen gar nicht anders können als sich selbst zu gestalten und zu formen. Daraus folgt, dass alle aktuellen Diskussionen die oft mit der Thematik Schönheitsoperationen, Gentechnik, etc. auftauchen auch als Anthropotechnik verstanden werden können. Wie wir bereits wissen macht sich der Mensch dabei selbst zum Gegenstand von Veränderungen. Diese individuellen Veränderungen am Menschen, können auch als Human Enhancement verstanden werden, wenn die eingesetzten Techniken des Menschen zu einer Verbesserung führen.5

1.2 Definition Human Enhancement

Eine Arbeitsgruppe der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaft und der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften beschäftigt sich -seit dem Jahr 2009- mit dem Thema „Human Enhancement“ und entwickelten eine Definition die wie folgt lautet:6

„Medizinische und biotechnologische Interventionen, die darauf zielen, Menschen in ihren Fähigkeiten und ihrer Gestalt in einer Weise zu verändern, die in den jeweiligen soziokulturellen Kontexten als Verbesserung wahrgenommen wird, deren Zielsetzung nicht primär therapeutischer oder präventiver Art ist.“7

Den Begriff „Der Verbesserung“ (in der oben genannten Definition) kann man als deskriptiv oder normativ verstehen. Deskriptive Verbesserung meint die Erhöhung einer menschlichen Fähigkeit die tatsächlich durch Enhancement ausgelöst wurde, beispielsweise die Steigerung der Reaktionsgeschwindigkeit oder das beschleunigte Lernen einer Fremdsprache. Unter einer normativen Verbesserung wird dann gesprochen, wenn die Erhöhung einer menschlichen Fähigkeit mit einer Verbesserung des Menschen verbunden ist.8

Auch ist in der Definition der Begriff „menschliche Fähigkeiten“ aufgetaucht. Menschlichen Fähigkeiten können, fachliche, intellektuelle, methodische, persönliche und soziale Fähigkeiten sein. Einige Beispiele welche Fähigkeiten es im Detail sein können, sind folgende:9

- sprachliche Fähigkeiten
- rechnerische Fähigkeiten/ Umgang mit Zahlen  technische Fähigkeiten
- manuelle Geschicklichkeit
- Denkvermögen (abstrakt, analytisch, kreativ, objektiv, vorrausschauend, klar und strukturiert etc.)
- Aufmerksamkeit (simultane, selektive, konzentrierte, schnelle Aufmerksamkeit)  Problemlösungsfähigkeiten
- Lern- und Arbeitstechnik
- Arbeitsverhalten, Arbeitsweise (selbstständig, präzise, sorgfältig, erfolgsorientiert etc.)
- rhetorische Fähigkeiten
- Kommunikationsfähigkeit
- Konfliktfähigkeit
- Teamfähigkeit

Aus einem Zusammenspiel der einzelnen Fähigkeiten setzt sich dann die individuelle Leistungsfähigkeit zusammen, die durch Enhancement gesteigert werden soll.10

Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass Human Enhancement die Leistungssteigerung gesunder Menschen durch biomedizinische Verfahren meint. Allgemein handelt es sich bei dem Begriff „ Human Enhancement“ um die Erhöhung einer individuellen Eigenschaft in qualitativer oder quantitativer Hinsicht und meint den Gegenbegriff zur „Therapie“.11 Dabei bezeichnet eine Therapie die Eingriffe in eine Krankheit eines Menschen die heilen oder verbessern sollen, wo hingegen „Human Enhancement“ gesunde und normale Eigenschaften eines Menschen steigern sollen, was vielmehr eine Kür darstellt, da keine medizinische Notwendigkeit gegeben ist.12

Wie genau sich Enhancement- und Therapiemaßnahmen auf die Leistungsfähigkeit eines Menschen auswirken können ist in Abbildung 1 dargestellt. Dabei wird auf der X-Achse das Lebensalter und auf der Y-Achse die Fähigkeit abgebildet. Die Fähigkeiten unterscheiden sich hierbei, im Kontext zur Gesundheit. So können die Fähigkeiten eines kranken Menschen durch eine Therapie gesteigert werden, d.h. die Linie geht nach oben und erreicht im Idealfall die Linie eines gesunden Menschen. Durch Human Enhancement, versucht ein gesunder Mensch mit Hilfe von verschiedene Methoden seine Leistungsfähigkeit noch weiter auszubauen und sich dadurch von den anderen Personen abzuheben. Das heißt die „Fähigkeitsline“ soll von den Anwendern einer Enhancement-Methode im Vergleich zu der „normalen/gesunden Gesellschaft“ höher sein.13

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Therapie und Enhancement in Kontext von Gesundheit und Krankheit

2 Die Enhancement-Arten

Eine Leistungssteigerung kann durch Pharmazeutika, Neurostimulationstechnologien oder Gentechnik erreicht werden.14 Außerdem können auch die körperlichen Merkmale einer Person durch ein „Physisches Enhancement“ verbessert werden.15 Eine Zusammenfassung der verschiedenen Enhancement-Arten ist in Abbildung 2 dargestellt, welche durch den Autor erstellt wurde. Was im Detail unter den verschiedenen Enhancement-Arten zu verstehen ist und wie diese zu einer Leistungssteigerung des Menschen beitragen können, wird im Folgenden Abschnitt genauer behandelt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Übersicht der Enhancement-Arten

2.1 Neuro-Enhancement

Neuro-Enhancement meint alle Maßnahmen die zur Verbesserung von kognitiven Fähigkeiten und emotionalen Befindlichkeiten beitragen, dies kann durch Pharmaka oder durch ein Technisches Neuro-Enhancement erreicht werden. Ein zunehmender „außermedizinischer“ Gebrauch von Pharmaka ist seit den 80er Jahren zu erkennen. Wobei hingegen das neurobionische Enhancement, was sich mit der Integration von neuronalen Prothesen in das menschliche Nervensystem beschäftigt, noch einen sehr spekulativen Charakter hat.16

2.1.1 Pharmakologisches Neuro-Enhancement

Bereits bei der Begriffsdefinition zu Enhancement wurde festgehalten, dass Enhancement nichts mit einer Therapie zu tun hat. Daher hat der Gebrauch von Pharmaka nichts mit einem genehmigten Einsatz der Mittel zu tun, dieser soll lediglich zu Verbesserungszwecken der Person dienen. Viele Pharmazeutika unterliegen einer Rezeptflicht und fallen zum Teil unter das Betäubungsmittelgesetz, somit hat der Anwender von Pharmaka entweder selbstständig vergangene verschriebene Medikamente vom Arzt umfunktioniert oder aber der Anwender hat bei seinem Arzt um einen Verbesserungswunsch gebeten und nach einem Rezept verlangt. Im ersten Fall „Der Umfunktionierung der Medikamente“ trägt der Anwender selbst das Risiko und die Verantwortung. Im zweiten Fall „Verschreibung durch den Arzt“, würde dem Arzt eine große Verantwortung zu kommen, wobei eine Bitte um pharmakologisches Enhancement aktuell bei vielen deutschen Ärzten kaum mit Erfolg verbunden wäre. Eine dritte Möglichkeit zur Beschaffung von Pharmazeutika, die einer Person zur Auswahl stände, wäre der Kauf auf dem Schwarzmarkt. Über die Verbote und negativen Konsequenzen des Kaufs auf einem Schwarzmarkt möchte ich in dieser Studienarbeit nicht eingehen.17

Pharmaka können zur Verbesserung der Emotion eingesetzt werden. Die eingesetzten Mittel sollen also die Stimmung, Affekte und Abtriebe einer Person positiv beeinflussen.18 Die einsetzbaren Pharmaka kann man dabei aus rechtlicher Sicht in verschiedene Kategorien unterteilen. Dabei unterteil man die Mittel in folgende Kategorien:19

[...]


1 Vgl. Welling ( Genetisches Enhancement 2014), S.7

2 Vgl. Eckhardt (Human Enhancement 2011), S.1

3 Vgl. Coenen/ Gammel/ Heil/ Woyke (Die Debatte über Human Enhancement 2010), S.1-42

4 Vgl. Klug (Selbstmanagement und Human Enhacnement 2016), S.1

5 Vgl. Klug (Selbstmanagement und Human Enhacnement 2016), S.1-6

6 Vgl. Eckhardt (Human Enhancement 2011), S.5

7 Vgl. Eckhardt (Human Enhancement 2011), S.5

8 Vgl. Eckhardt (Human Enhancement 2011), S.6

9 Vgl. Laufbahnbuch (2017)

10 Vgl. zu diesem Absatz Eckhardt (Human Enhancement 2011), S. 7

11 Vgl. zu diesem Absatz Lenk ( Therapie und Enhancement 2002), S. 27.

12 Vgl. zu diesem Absatz Juengst (What Does Enhancement Mean?), S. 31 ff., 35 ff.

13 Vgl. zu diesem Absatz Eckhardt (Human Enhancement 2011), S.5-7

14 Vgl. Popp/ Garstenauer/ Rosenlechner-Urbanek (Zukunft. Lebensqualität. Lebenslang 2013), S.80

15 Vgl. Bayertz/ Beck/ Stroop (Künstliches Glück? 2012), S.7

16 Vgl. Groß (Die Verbesserung des Menschen 2009), S.60-71

17 Vgl. Groß (Die Verbesserung des Menschen 2009), S. 70/71

18 Vgl. Groß (Die Verbesserung des Menschen 2009), S. 72

19 Vgl. Eckhardt (Human Enhancement 2011), S.19

Details

Seiten
30
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668555686
ISBN (Buch)
9783668555693
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v377296
Institution / Hochschule
Hochschule für angewandtes Management GmbH
Note
1,7
Schlagworte
Erschöpfte Gesellschaft Human Enhancement Neuro-Enhancement Genetisches Enhancement Physisches Enhancement Anthropotechnik

Autor

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Titel: Die erschöpfte Gesellschaft. Human Enhancement als Folge einer chronischen Überforderung