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Erläuterung der Ansätze zur Lösung des Demarkationsproblems in der Wissenschaftstheorie

Hausarbeit 2016 15 Seiten

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 KONZEPTIONELLER GRUNDLAGENTEIL
2.1 Definition Wissenschaftstheorie
2.2 Definition Demarkationsproblem

3 LÖSUNGSANSÄTZE SOWIE DEREN VERTRETER
3.1 Karl R. Popper
3.2 Thomas S. Kuhn
3.3 Paul R. Thagard
3.4 Gerhard Schurz
3.5 Larry Laudan

4 BETRIEBSWIRTSCHAFTSLEHRE IM KANON DER WISSENSCHAFTEN
4.1 Einordnung der BWL in den wissenschaftlichen Forschungsprozess
4.2 Einordnung des Demarkationsproblems in die BWL

5 SCHLUSSBETRACHTUNG

QUELLENVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 EINLEITUNG

ÄDER BEGINN ALLER WISSENSCHAFT IST DAS ERSTAUNEN, DASS DIE DINGE SO SIND, WIE SIE SIND.“

Das wusste schon Aristoteles (384 - 322 v. Chr.) Der nächste Schritt in der Wissenschaft ist de facto das kritische Infragestellen der mit Erstaunen festgestellten Tatsachen. Dieser wesentliche Schritt der Wissenschaft macht diese überhaupt erst möglich. Wie sollte ein Wissenschaftler1 andernfalls neue Erkenntnisse zutage bringen, wenn er die bereits vorliegenden nicht überprüft und kritisch infrage stellt? Nicht nur Aristoteles stellte sich die Frage, anhand welcher Kriterien sich Wissenschaftlichkeit messen lässt. Vielmehr hat bereits Platon (428 -348 v. Chr.) erste Abgrenzungsversuche gewagt.2 Auch heute beeinflusst die Diskussion um die Abgrenzung zwischen Wissenschaftlichkeit und Nichtwissenschaftlichkeit unser alltägliches Leben. Wann ist eine Theorie wissenschaftlich und wann nicht? Anhand welcher Abgrenzungskriterien lässt sich dies messen? In der Wirtschaft sowie in der Politik werden tagtäglich Entscheidungen getroffen, welche beträchtliche Folgen für die Gesellschaft nach sich ziehen. Wissenschaftliche Theorien bilden oftmals das Fundament jener Entscheidungen. Daraus lässt sich logisch schlussfolgern, dass diese Entscheidungen in direkter Verbindung stehen mit der Qualität der verwendeten Theorien. Und hier wiederum ist von Bedeutung, auf welchen Kriterien diese Theorien fußen. Auch für die BWL ist dieses Thema von großer Bedeutung, da sie als eigenständige Wissenschaft etliche dieser Theorien nutzt.

Ziel der vorliegenden Arbeit soll sein, einige in der Wissenschaftstheorie diskutierte Lösungsansätze des Demarkationsproblems zu skizzieren und anschließend die Auswirkungen auf die BWL zu untersuchen. Nach einer Einführung in die Grundlagen des Themas in Kapitel 2 erfolgt in Kapitel 3 die Erläuterung der untersuchten Lösungsansätze einschließlich deren Hauptvertreter und schließlich in Kapitel 4 die etwaigen Auswirkungen auf die BWL. Die Arbeit endet mit einem kurzen Fazit, welches die wesentlichen Ergebnisse zusammenfasst, die gewählte Vorgehensweise kritisch reflektiert sowie abschließend einen kurzen Ausblick gewährt.

2 KONZEPTIONELLER GRUNDLAGENTEIL

2.1 DEFINITION WISSENSCHAFTSTHEORIE

Da ohne Kenntnis der Wissenschaftstheorie in logischer Konsequenz kein Verständnis des Demarkationsproblems erfolgen kann, wird an dieser Stelle zunächst aufgeführt, worum es sich bei Wissenschaft bzw. der Wissenschaftstheorie überhaupt handelt. Vorab ist anzuführen, dass es sich bei der Wissenschaftstheorie um eine junge Subdisziplin der Philosophie handelt.3 Niemann schreibt, Ädie Philosophie der Wissenschaft ist die Wissenschaftstheorie“4. Die Wissenschaftstheorie wird gemeinhin auch als ÄMeta-Wissenschaft“5 bezeichnet. Für in wissenschaftlichen Arbeiten relevante Begrifflichkeiten gibt es in der Literatur selten ein einheitliches Verständnis, was primär darauf zurückzuführen ist, dass jene Begrifflichkeiten auf voneinander abweichenden Ansichten oder Vermutungen basieren.6 Auch im Kontext der Wissenschaftstheorie ist dies der Fall. Bezugnehmend zur Einleitung der vorliegenden Arbeit ist zu sagen, dass sich bereits griechische Philosophen wie Platon und Aristoteles - welcher ein Schüler Platons war - mit der Materie ÄWissen“ und wie dieses erlangt werden kann, befassten. Platon, welcher wiederum ein Schüler Sokrates‘ war7, bezeichnete Wissen als Äwahre, mit Begründung versehene Meinung“.8 Aristoteles empfindet die Gewinnung von Wissen nur möglich auf Äeinem Fundament von sicheren und notwendigen Prinzipien (…), welche nicht durch unsichere Erfahrung, sondern durch rationale Intuition gewonnen werden.“9 Laut Popper dagegen handelt es sich bei der Wissenschaft um ein ÄUnternehmen zur Gewinnung von empirisch falsifizierbaren10 Erkenntnissen“.11 Kornmeier wiederum bezeichnet die Wissenschaft als Äden Prozess, Erkenntnis systematisch zu gewinnen“12, um den bereits vorhandenen Status quo an Wissen zu erweitern.13 In der vorliegenden Arbeit soll diese Begriffserklärung vorherrschend sein. Wissenschaft ist demnach der Prozess, in systematischer Weise neue Erkenntnisse zu erlangen.

2.2 DEFINITION DEMARKATIONSPROBLEM

Das Demarkationsproblem oder das ÄKantsche Problem“14, wie Popper auch zu sagen pflegte, stellt zusammen mit dem Induktionsproblem15 eines der wesentlichen Probleme der Erkenntnislogik dar. Popper beschreibt das Problem der Abgrenzung dergestalt, dass ein Kriterium zu finden sei, Ädurch das wir die empirischen Wissenschaften gegenüber Mathematik und Logik, aber auch gegenüber ‚metaphysischen‘ Systemen abgrenzen können“16. Beim Demarkationsproblem handelt es sich demnach um die Überlegung, wann eine neue Erkenntnis als wissenschaftlich betrachtet werden kann und mit welchem Kriterium dies am besten von Unwissenschaftlichem abgegrenzt werden kann.

3 LÖSUNGSANSÄTZE SOWIE DEREN VERTRETER

3.1 KARL R. POPPER

Mit seinem Werk ÄDie Logik der Forschung“ gilt Karl Raimund Popper als Begründer und bedeutendster Vertreter des Kritischen Rationalismus. Popper widmet sich zunächst der Abgrenzung von Wissenschaft und Nichtwissenschaft, später befasst er sich unter dem Einfluss des Wiener Kreises zudem mit der Abgrenzung empirischer Wissenschaft gegenüber Mathematik und Logik sowie gegenüber der Metaphysik.17 Poppers Lösung des Demarkationsproblems stützt sich auf die Überlegung, dass allgemeine Sätze zwar nicht verifizierbar18 sind, da auch eine noch so große Anzahl von Beobachtungen nicht ausreichend wäre, um beispielsweise die Wahrheit der Aussage ÄAlle Schwäne sind weiß“ zu belegen.19 Damit kritisiert er die induktive Sichtweise und bestreitet, dass die ÄRationalität der Wissenschaft parasitär zur Rationalität der Induktion“20 ist. Allgemeine Sätze sind laut Popper jedoch falsifizierbar, wenn die Wahrheit mithilfe eines falsifizierenden Beobachtungssatzes vorausgesetzt werden kann.21 Daher sieht Popper die Falsifizierbarkeit als das Abgrenzungskriterium an, um zwischen Wissenschaft und Nichtwissenschaft unterscheiden zu können und gleichermaßen als den einzigen Weg, das Wissen über die empirische Welt zu vergrößern.22 Eine Überprüfung in Form von sogenannten Falsifikationsversuchen sollte wissenschaftliche Aussagen mittels Beobachtungen oder Experimenten überprüfbar machen.23 Dabei bezieht sich Popper Äauf die logische Asymmetrie von Verifikation und Falsifikation bei strikten (ausnahmslosen) Allsätzen wie z.B. ‚alle Metalle leiten Strom‘“.24 Wenn eine Hypothese etliche Falsifikationsversuche übersteht, gilt sie als bewährt, nicht aber als bewiesen.25 Umgekehrt ist ein einziger erfolgreicher Falsifikationsversuch ausreichend, um damit eine Theorie zu widerlegen.26

3.2 THOMAS S. KUHN

Thomas Samuel Kuhn ist bekannt für die wohl gravierendsten Einwände hinsichtlich Poppers Theorie.27 Einer seiner größten Einwände ist, dass Wissenschaftler ihm zufolge Änicht ständig nach Fehlern suchen und Neues lernen, sondern festhalten an den einmal verstandenen Theorien und Ideen“28. Kuhn bezeichnet Poppers Verwendung der Begrifflichkeiten ÄFalsifikation“ und ÄWiderlegung“ als merkwürdig, da Argumente in der Wissenschaft nicht so apodiktisch29 sind, wie das beispielsweise in der Mathematik der Fall ist.30 Seine differenzierte Ansicht zu induktivistischen und falsifikationistischen Beiträgen der Wissenschaft beschreibt er in seinem Buch ÄDie Struktur wissenschaftlicher Revolutionen“.31 Im Rahmen seiner Untersuchungen kommt er zu dem Ergebnis, dass der Induktivismus und der Falsifikationismus Äden historischen Gegebenheiten nicht entsprechen“32. Daraufhin entwickelt Kuhn ein Wissenschaftsmodell auf der Basis von Paradigmen, welches den historischen Gegebenheiten entspricht.

[...]


1 Sämtliche geschlechtsspezifische Bezeichnungen beziehen sich auf beide Geschlechter.

2 Vgl. Schurz, G. (2014), S. 12.

3 Vgl. Wiltsche, H. A. (2013), S. 122.

4 Niemann, H.-J. (2004), S. 414.

5 Meta bezeichnet das griechische Präfix für „über“.

6 Vgl. Lingnau, V. (1995), S. 124.

7 Vgl. O. V. (1995), S. 35.

8 Vgl. Fülbier, R. U. (2004), S. 266.

9 Albert, H. (1980), S. 11ff.

10 Widerlegbar.

11 Vgl. Niemann, H.-J. (2004), S. 4.

12 Kornmeier, M. (2007), S. 4.

13 Vgl. Kornmeier, M. (2007), S. 4.

14 Der bekannte deutsche Philosoph Immanuel Kant stellte das Problem der Abgrenzung erstmals in den Mittelpunkt erkenntnistheoretischer Betrachtung, Vgl. Popper, K.R. (1984), S. 9.

15 Behandelt die Frage, ob Menschen überhaupt etwas über die Welt und somit auch von anderen Menschen wissen können.

16 Popper, K. R. (1984), S. 9.

17 Vgl. Keuth, H. (2011), S. 54.

18 Nachprüfbar.

19 Vgl. Keuth, H. (2011), S. 31.

20 Wiltsche, H. A. (2013), S. 94.

21 Vgl. Keuth, H. (2011), S. 31.

22 Vgl. Wiltsche, H. A. (2013), S. 95.

23 Vgl. Popper, K. R. (2002), S. 45ff.

24 Vgl. Schurz, G. (2014), S. 15.

25 Vgl. Schurz, G. (2014), S. 15.

26 Vgl. Schurz, G. (2014), S. 15.

27 Vgl. Keuth, H. (2011), S. 45.

28 Niemann, H. J. (2004), S. 196.

29 Keinen Widerspruch duldend.

30 Vgl. Andersson, G. (1988), S. 3.

31 Vgl. Chalmers, A. F. (2007), S. 89.

32 Chalmers, A. F. (2007), S. 89.

Details

Seiten
15
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668544833
ISBN (Buch)
9783668544840
Dateigröße
795 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v377024
Institution / Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Note
1,3
Schlagworte
Demarkationsproblem Abgrenzungsproblem

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Titel: Erläuterung der Ansätze zur Lösung des Demarkationsproblems in der Wissenschaftstheorie