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Zur Theorie des Konflikts. Dahrendorf und Marx im Vergleich

Hausarbeit (Hauptseminar) 2016 16 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Was ist eine Konflikttheorie und was sind soziale Konflikte?

2. Ralf Dahrendorf. Zu einer Theorie des sozialen Konflikts
2.1. Der endogene Konflikt am Beispiel der Afroamerikaner um 1860 in den USA

3. Karl Marx. Die distinguierte Gesellschaft
3.1. Der Klassenkonflikt
3.2. Formen der Klassenkämpfe

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaften ist die Geschichte von Klassenkämpfen“ (Marx 1848: 462). Diese Worte wurden 1848 im Manifest der Kommunistischen Partei von Karl Marx niedergeschrieben und gelten bis in die Moderne noch als ein allgemeiner Erklärungsversuch für die Über- und Unterordnung der Gesellschaft (Bourgeoisie vs. Proletariat). Desweiteren bietet Marx durch dieses Zitat, und die darauffolgende Ausformulierung im Werk, eine Analyse für die Konfliktbereitschaft der Klassen in den verschiedenen Gesellschaften auf der ganzen Welt.

1996 erklärte Ralf Dahrendorf diese Aussage als „empirisch unhaltbare Vereinfachung“ und distanzierte sich von dieser Form der Konflikttheorie (Dahrendorf 1996: 109). Dahrendorf stellte dieser Theorie seine eigene gegenüber und versucht mit ihr den Begriff „sozialen Konflikte“ zu klassifizieren und zu sortieren. Hierbei geht Dahrendorf davon aus, dass Konflikte an die Gesellschaft heran getragen (exogene Konflikte), oder durch die Gesellschaft selbst erzeugt werden (endogene Konflikte). Soziale Gruppen, wie z.B. die Klassen, sind somit nicht mehr die Träger oder Verursacher von Konflikte, sondern eine weitaus differenzierte und präzisere Entität in der Gesellschaft wird als zentraler Konfliktbrennpunkt betrachtet. Die Klassentheorie von Marx wird im Allgemeinen von Dahrendorf als „unfruchtbar“ und nicht mehr aktuell bezeichnet (Dahrendorf 1996: 108). Das Spannungsverhältnis der beiden Theorien und die Wichtigkeit von Dahrendorfs Schaffen wurden durch Strasser und Nollmann präzise zusammengefasst. „An Karl Marx rieb er sich, an Max Weber orientierte er sich und in der Abgrenzung zu Talcott Parsons fand er seinen Platz in der Soziologie des 20. Jahrhunderts“ (Strasser/Nollmann 2010: 32).

Diese drei Zitate und das daraus resultierende Konzept von These und Anti-These waren Triebwerk und Auslöser dieser Hausarbeit. Diese Hausarbeit soll dazu dienen die Klassentheorien von Marx und die Gesellschaftstheorie von Dahrendorf zu analysieren, um im folgenden auf die Konflikttheorien der beiden Wissenschaftler genauer einzugehen. Dahrendorf und Marx werden hier unter soziologischen Gesichtspunkten miteinander verglichen.

Diese Hausarbeit findet ihren Einstieg durch die allgemeine Erklärung und über die Konsensbildung von Konflikt und Konflikttheorie. Das Gesellschaftsmodell und die endogene Konflikttheorie von Dahrendorf werden im folgenden, als zweiten Punkt, analysiert. Im dritten Teil der Hausarbeit wird die Konflikttheorie von Marx, die auf der Dichotomie der Gesellschaft basiert, als Vergleichspunkt herangezogen. Der letzte Teil der Arbeit wird ein Fazit zur Aktualität der beiden soziologischen Erklärungsversuche, und eine Verifizierung oder Negierung der Aussage zur kritischen Aussage von Dahrendorf, darstellen.

1. Was ist eine Konflikttheorie und was sind soziale Konflikte?

Eine Konflikttheorie, hier speziell im soziologischen Fachgebiet, meint ein Schema, welches klären soll, wie Konflikte, im persönlichen und zwischenmenschlichen Bereichen oder auch in nationalen bzw. internationalen Beziehungen, entstehen (Pries 2014: 206). Diese Konflikte haben, sozialtheoretisch gesehen, ihren Ursprung meist durch die Ungleichverteilung von Ressourcen, die von der Gesellschaft, als besitzenswert oder relevant angesehen werden. Durch diese ungleiche Verteilung kommt eine Auseinandersetzung zustande, die als sozialer Konflikt verstanden wird (Pries 2014: 206). Das Kernelement, weshalb ein Konflikt entsteht, ist, die Knappheit der Ressourcen. Das heißt nicht jeder Mensch kann Gut A, bezeichnen wir dieses Gut als Geld, in unendlicher Zahl besitzen. Auch nicht-materielle Güter wie z.B. Sicherheit, Anerkennung und Prestige sind Ressourcen. Diese werden zwar von verschiedenen Menschen unterschiedlich interpretiert und wahrgenommen, sind aber trotzdem begrenzt und nicht für jeden zu gleichen Teilen zugänglich. Da die Wahrnehmung von Mensch zu Mensch immer subjektiv ist, kann eine reine Objektivität, wie die Theorie des Homo oeconomicus es vorschreiben würde, nicht entstehen. Das heißt wiederrum, dass die Konflikte, die durch die verschiedene Interpretation der Akteure entstehen, zwischen den Beteiligten ausgetragen werden müssen (Pries 2014: 207). Die meisten Konflikte, die auf der Austragung zwischen zweier Parteien stattfinden, sind Autoritätskonflikte. Dazu ein Beispiel: In einem Unternehmen verteilt der Leiter verschiedene Aufgaben für die Mitarbeiter. Bei der Einteilung für einen Auslandseinsatz melden sich sehr viele Leute. Nun ist die Frage, wie interpretiert der Unternehmensleiter dieses Problem und wie verhindert er einen Konflikt, der durch seine Entscheidung - und die damit verbundenen Rechte und Pflichten - entstehen könnte? Hierbei wird klar, dass es keine Standardisierung dieses Problems gibt und das jede Interaktion von Menschen eine neue Einschätzung und Neuaushandlung benötigt. Somit kann die Erforschung von Konflikten zwar kaum allumfassende Gesetzte zum Ablauf eines Konfliktes liefern, aber es können, durch die Theorien, Prognosen über zukünftiges Konfliktgeschehen gestellt und eine mögliche Entwicklung von Konfliktkonstellationen vorhergesehen werden.

Dieses Theorem ist allgemein Anwendbar. So kann man es mikrosoziologisch und sozialpsychologisch, makrosoziologisch und im Feld der internationalen Soziologie ansetzen und Konzepte zur Entwicklung der verschiedenen Formen von Konflikt kreieren und Lösungsansätze erforschen.

Zusammenfassung. Ein sozialer Konflikt kann als situations ü bergreifende Auseinandersetzung definiert werden, der zwischen oder innerhalb sozialen Einheiten stattfindet. Dieser Konflikt wird wegen gesellschaftlich relevante Ressourcen wie Werte, Regeln, Macht, Herrschaft und knappe Güter ausgetragen, die auf der Grundlage verschiedener Ansichten, Interessen oder Wahrnehmungen basieren und bei der die Existenz von einer begrenzten Ressourcenausstattung, aller beteiligten Konfliktparteien, als Voraussetzung gesehen wird. Dabei ist das Ziel die Herrschafts- oder Machterringung, bzw. Stabilit ä t, zwischen den Parteien, zu kreieren und einen sozialen Wandel - mikrosoziologisch oder makrosoziologisch - zu erzeugen.

2. Ralf Dahrendorf. Zu einer Theorie des sozialen Konflikts

Ralf Dahrendorf veröffentlichte im Jahr 1969 einen Abhandlung, mit dem Titel Zu einer Theorie des sozialen Konflikts, in der versucht wurde ein Modell für eine Konflikttheorie herzustellen. Im Vorfeld aber setzt Dahrendorf einen Rahmen für die Aufgaben und Grenzen solch einer Theorie, um dann eine Antwort auf die Fragen zu finden, die durch das Konzept eines Konfliktes gestellt werden (Dahrendorf 1996: 114). Im Anschluss konzipiert er das Modell zur Konflikttheorie, das zwei Gesellschaftsmodell und beschreibt anschaulich das Konzept von Herrschaft und Herrschaftsstrukturen (Dahrendorf 1996: 115). Die Theorie um die endogenen Konflikte werden hierbei exemplarisch als Vergleichsmaterial zu der Theorie von Marx genutzt und im folgenden analysiert.

Dahrendorf stellt sich die Aufgabe, dass er durch seine Konflikttheorie, die scheinbare Zufälligkeit der Konflikte, mit Hilfe von sozialen Strukturelementen, präzise aufklärt (Dahrendorf 1996: 114). Dabei ist es ihm wichtig, dass die Konflikte nicht durch psychologische Handeln erklärbar gemacht werden. Dahrendorf setzt zur Analyse der Konflikte, in einer Gesellschaft, auf die Makrovariablen, wie z.B. Einwanderung oder Demonstrationen. Diese Variablen spiegeln sich in der endogenen Konflikttheorie von Dahrendorf wieder und werden im folgenden exemplarisch erklärt. Zu den endogenen Konflikten muss im Vorfeld noch erwähnt werden, dass sie in zwei Untergruppen geteilt werden müssen. Diese Unterteilung entsteht durch die strukturellen Bedingungen die bestimmte Gesellschaften teilweise einzigartig macht (Dahrendorf 1996: 110). Die erste Gruppe ist jene Gesellschaft und jene Konfliktsituation, die durch besondere historischen Bedingungen entstehen. Zum Beispiel die das antagonistische Verhältnis zwischen Weiße und Schwarze in Amerika nach den Zeiten der Dreiecksfahrten. Die zweite Gruppe sind die Konflikte, die sich in jeglicher Gesellschaft finden lassen, sofern sie auf der gleichen technologischen demokratischen und demografischen Entwicklungsstufe stehen. Das Beispiel: Gewerkschaften und Unternehmerverbände handeln untereinander Löhne für die Mitglieder aus (Dahrendorf 1996: 110). Im folgenden Teil der Hausarbeit wird dieses Beispiel noch präziser, im Kapitel 3.1. Der Klassenkonflikt im Hinblick auf Marx, erläutert.

Diese Hausarbeit beschränkt sich aus Gründen des strukturellen Aufbaus auf die endogenen Konfliktsituation und lässt die exogene Konflikttheorie aus.

Zur Analyse einer strukturell-funktionalen Theorie kreiert Dahrendorf das „zwei Gesellschaftsmodell“ (Dahrendorf 1996: 112). Dieses Modell lässt es zu die Theorie zum endogenen Konflikts in sich aufzunehmen und erschafft eine Kategorisierung zweier Gesellschaften, die sich dazu eignen, eine Hypothese über die Phänomene eines sozialen Konflikts zu beschreiben.

Das erste Gesellschaftsmodell ist, genau wie das Zweite, in vier verschiedenen Elementen aufgegliedert. Das erste Modell wird kreiert, um den Leser deutlich zu machen, dass genau die Gegensätze einer fast utopischen Gesellschaft nötig sind, um eine Konflikttheorie exemplarisch zu erklären (Dahrendorf 1996: 112). Hierbei ist es wichtig zu erwähnen, dass beide Modelle zu gleichen Teilen eine Existenzberechtigung besitzen und keines der beiden besser oder schlechter ist (Dahrendorf 1996: 113). Das erste Element ist, dass jede Gesellschaft, in seiner fortlaufenden Entwicklung, immer einem sozialen Wandel unterliegt. Darauf folgt: Jede Gesellschaft ist zu jedem Zeitpunkt einem sozialen Konflikt ausgesetzt. Das dritte Element besagt, dass sofern eine Gesellschaft existiert, sie jeden Moment einen Beitrag zu ihrer Ver ä nderung leistet. Das vierte und letzte Element ist: Jedes Mitglied wirkt auf ein Anderes einen bestimmten Zwang aus (Dahrendorf 1996: 112).

2.1. Der endogene Konflikt am Beispiel der Afroamerikaner um 1860 in den USA

Ein endogener Konflikt, also ein Konflikt der aus der Gesellschaft selbst erwächst, wie oben bereits schon erwähnt wurde, entsteht durch die Unterteilung des menschlichen Zusammenlebens in ein Konzept, dass sich am besten durch „Oben“ und „Unten“ beschreiben lässt (Dahrendorf 1996: 114). Also durch die

Positionierung von Beherrschten und Herrschern. Diese Positionierung in der Gesellschaft wird durch die ungleiche Verteilung von Herrschaftspotential legitimiert bzw. erzeugt. Diese Unterteilung ist ein struktureller Tatbestand und da dem so ist, kann sie auch mit der dahrendorf’schen Theorie harmonieren und durch die Konflikttheorie geklärt werden.

Die Gruppen, die durch Über- und Unterordnung entstehen, werden als Quasigruppen beschrieben. Sollte ein Konflikt dieser beiden Gruppierungen entstehen, und laut dem zweiten Gesellschaftsmodell ist das höchstwahrscheinlich eine Tatsache, kann es zu einer Veränderung der gesellschaftlichen Struktur kommen (Matys und Brüsemeister 2012: 201).

Dahrendorf unterteilt den sozialen, endogenen Konflikt in vier Schritte ein. Der erste Schritt beschreibt die Entstehung der beiden Quasigruppen. Die Quasigruppen haben nur teilweise zusammenhängende Interessen und sind im ersten Schritt der Konfliktsituation noch nicht organisiert. Sie tragen deshalb den Titel Quasigruppe, weil sie als potentielle Gruppe bezeichnet werden und sich erst unter bestimmten Bedingungen formieren (Matys und Brüsemeister 2012: 201). Als Bespiel können hierbei die Afroamerikaner um 1860 gesehen werden. Der Gegenspieler, also das „Oben“, ist hier die „einheimische“, weiße Bevölkerung.

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Details

Seiten
16
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668541771
ISBN (Buch)
9783668541788
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v376812
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut
Note
2.0
Schlagworte
Marx Konflikt Soziologie PDF Hausarbeit Dahrendorf Schichten

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Titel: Zur Theorie des Konflikts. Dahrendorf und Marx im Vergleich