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Imagearbeit im TV-Duell Hofer versus Van der Bellen. Eine Gesprächsanalyse

Hausarbeit 2017 40 Seiten

Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen Gesprächsanalyse
2.1 Gesprächsschritt und Hörersignal
2.2 Sprecherwechsel
2.3 Gesprächssteuerung
2.3.1 Gesprächsorganisation
2.3.2 Themenorganisation
2.3.3 Handlungskonstitution
2.4 Unterbrechungen
2.5 Imagearbeit

3 Situative Rahmung
3.1 Kandidaten

4 Analyse

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis
6.1 Internetquellen

7 Anhang

8 Selbstständigkeitserklärung

1 Einleitung

Der Politikexperte Thomas Hofer beschreibt das TV Duell auf dem Sender ATV im österreichischen Fernsehen am 15.05.2016 mit den Worten: „Beide blamiert - Amt beschädigt, denn das war Kindergartenniveau“.

Kurz zuvor saßen sich Norbert Hofer und Alexander van der Bellen - die beiden Präsidentschaftskandidaten für die Wahl 2016 - 45 Minuten lang ohne Moderator und ohne Vorgaben gegenüber. Sie diskutierten dabei über selbst ausgewählte Themen.

„Wir versprechen, dass wir uns gut benehmen werden.“ - Dieses Versprechen, dass Norbert Hofer zu Beginn des Duells gab, konnte von beiden Kandidaten für das höchste Staatsamt Österreichs nicht gehalten werden. Schon früh konnte von einer sachlichen Debatte nicht mehr die Rede sein. Es endete in einer „Schlammschlacht“.

Die Hausarbeit setzt sich damit auseinander, wie die Debatte derartig verlaufen konnte. Der Fokus der Arbeit liegt auf der Gesprächsanalyse und der Frage: „Was leistet die Imagearbeit in dieser Debatte?“.

Zuerst werden die grundlegenden theoretischen Fachbegriffe, die für diese Arbeit wichtig sind, geklärt: Gesprächsschritt und Hörersignal, Sprecherwechsel, Gesprächsorganisation, Unterbrechungen und Imagearbeit. Nach einer situativen Rahmung zu der Debatte, in der kurz auf die Kandidaten eingegangen wird, wird das Gespräch chronologisch analysiert. Im Fokus der Analyse stehen ausgewählte Abschnitte, die nach dem Gesprächsanalytischen Transkriptionssystem 2 (GAT 2) transkribiert werden.

Genauer betrachtet wird die Imagearbeit im Gespräch. Welche Auswirkungen haben Imageverletzungen? Wie gehen die Kandidaten auf Vorwürfe ein? Welche Reaktionen zeigen sie? Akzeptieren sie die Kritik des Gegenübers? Welchen Einfluss hat die Imagearbeit der beiden Kandidaten für den Verlauf des Gesprächs? Gibt es Muster in der Vorgehensweise?

Am Ende der Arbeit wird ein Fazit gezogen. In diesem werden die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst und ausgewertet.

2 Theoretische Grundlagen Gesprächsanalyse

2.1 Gesprächsschritt und Hörersignal

Ein Gesprächsschritt ist „alles das, was ein Individuum tut und sagt, während es an der Reihe ist“[1]. So beschreibt Erving Goffman den Gesprächsschritt, der allgemein als Grundeinheit des Dialogs gilt. Es handelt sich jedoch erst um ein Gespräch, wenn ein anderer Gesprächspartner auf den Gesprächsschritt des Sprechers eingeht. Dies erfolgt durch einen eigenen Gesprächsschritt. Dadurch wechselt die Sprecherrolle vom Vorredner zum neuen Sprecher. Ein Gesprächsschritt kann aus nur einem Wort oder mehreren aufeinanderfolgenden Sätzen bestehen.[2] [3]

Gesprächsschritte werden in drei Grundtypen unterteilt: Der initiierende Gesprächsschritt leitet eine bestimmte Reaktion von Seiten des Gesprächspartners her. Das kann beispielsweise die Antwort des Hörers auf eine Frage des Sprechers sein. Der respondierende Gesprächsschritt beschreibt die Auswahl an Möglichkeiten auf die der Gesprächspartner nach einem initiierenden Gesprächsschritt antworten kann. Dabei gibt es die drei Untertypen: Akzeptierung und Zurückweisung (der Gesprächspartner geht auf die Frage entweder ein oder nicht) und Selektion (nur ein Teil der Frage wird beantwortet). Der letzte Grundtyp ist der reaktivierende Gesprächsschritt. Hierbei handelt es sich sowohl um einen respondierenden als auch um einen initiierenden Gesprächsschritt. Es wird beispielsweise erst eine Frage des Sprechers vom Hörer beantwortet und dann stellt der Hörer eine Gegenfrage.[4]

Dem Gesprächsschritt steht das Hörersignal gegenüber. Hörersignale sind kurze sprachliche und nichtsprachliche Äußerungen des Gesprächspartners, der gerade nicht an der Reihe ist. Mit ihnen zeigt der Hörer seine Aufmerksamkeit und seine Zustimmung oder Ablehnung. Verbal gesehen handelt es sich hierbei um Kurzäußerungen und Partikel

- und nonverbal betrachtet - um Gestik und Mimik.[5] Vom Hörersignal grenzen sich Höreräußerungen ab. Sie überschreiten das reine Rückmeldeverhalten, da es sich hierbei um kurze Kommentare oder Einstellungsbekundungen handelt. Dadurch will der Hörer das Gespräch nicht übernehmen, aber den Sprecher dazu veranlassen, sich genauer zu dem Besagten zu äußern. Nach einem Sprecherwechsel kann der Hörer dann darauf gezielt eingehen.[6]

2.2 Sprecherwechsel

Der Sprecherwechsel beschreibt den Wechsel der Sprecherrolle vom Sprecher zum Hörer. Er lässt sich nach der Art des Entstehens und nach der Art des Verlaufs untersuchen.[7]

Bei der Art der Entstehung eines Sprecherwechsels unterscheidet man in Selbst- und Fremdzuweisung. Bei der Selbstzuweisung wird die Sprecherrolle vom Hörer übernommen, ohne dass der Sprecher ihn dazu aufgefordert hat. Anders ist es beim Sprecherwechsel durch Fremdzuweisung, bei dem der Hörer vom Sprecher dazu animiert wird, auf den Gesprächsbeitrag zu reagieren. Dazu benutzt der Sprecher einen initiierenden Gesprächsschritt.[8]

Bei der Art und Weise des Verlaufs eines Sprecherwechsels gibt es fünf Unterscheidungen: Der glatte Sprecherwechsel erfolgt, wenn der Hörer die Sprecherrolle unmittelbar nach Beendigung des Beitrags des Sprechers übernimmt.[9] Liegt zwischen dem Beitrag des Sprechers und des Hörers eine auffällige Pause, spricht man von einem Sprecherwechsel nach Pause.[10] Es wird von einem Sprecherwechsel nach einer Überlappung gesprochen, wenn der Hörer dem Sprecher an einer akzeptablen Stelle ins Wort fällt und dann die Sprecherrolle überninmmt.[11] Es gibt dann dementsprechend einen Abschnitt, in dem beide Gesprächsteilnehmer gleichzeitig etwas sagen. Eine akzeptable Stelle für die Unterbrechung ist beispielsweise, wenn der Hörer den Sprecher kurz vor Ende des Satzes, wenn die Vollendung nur grammatikalisch und nicht inhaltlich relevant ist, unterbricht.[12]

„Beim Sprecherwechsel nach Unterbrechung mit Simultansequenz greift der Hörer deutlich tiefer in den Gesprächsbeitrag des Sprechers ein, als das bei der Überlappung der Fall ist.“[13] Das bedeutet, dass der Hörer den Sprecher, der den Gesprächsschritt noch nicht übergeben will, unterbricht und dann die Sprecherrolle übernimmt. Schafft der Hörer es nicht, sich durchzusetzen, spricht man von einem gesprächsbeanspruchenden Signal.[14] Es gibt diese Art von Sprecherwechsel nach Unterbrechung auch ohne Simultansequenz. Bei einer solchen fällt der Hörer dem Sprecher nicht unmittelbar ins Wort, sondern er wartet auf einen Zeitpunkt, in dem der Sprecher eine Äußerung abgeschlossen hat. Es ist hierbei jedoch erkenntlich, dass der Sprecher noch nicht fertig war und die Sprecherrolle noch nicht abgeben wollte. Das unterscheidet den Sprecherwechsel nach Unterbrechung ohne Simultansequenz vom glatten Sprecherwechsel.[15]

2.3 Gesprächssteuerung

Die Gesprächssteuerung befasst sich mit der Gesprächsbeeinflussung, die unauffällig in jedem Gespräch stattfindet. Sie handelt auf mehreren Ebenen, oftmals gleichzeitig: Gesprächsorganisation, Themenorganisation und Handlungskonstitution.[16] Die Gesprächssteuerung erfolgt auf lokaler oder globaler Ebene. Lokal meint hier die Beeinflussung einzelner Sequenzen und global die Beeinflussung mehrerer Sequenzen oder ganzer Gesprächsphasen.

Der Begriff der Asymmetrie ist eng mit dem der Gesprächssteuerung verknüpft.[17] Er beschreibt Ungleichheit oder Unregelmäßigkeit in Gesprächen. Auf lokaler Ebene entstehen Asymmetrien „durch initiierende und respondierende Aspekte der Äußerungen sowie durch den Sprecher- und Hörerstatus.“[18] Initiierende Aspekte erfordern eine Folgeaktivität und sind kontextgebend, während respondierende Aspekte zurückweisen und kontextabhängig sind.[19] Asymmetrien können auf der globalen Ebene längere Gesprächsphasen oder ganze Gespräche beeinflussen. Sie können „mit dem rollenspezifischen oder sozialen Status der Beteiligten (…) sowie auch mit ihren persönlichen Eigenschaften zusammenhängen.“[20]

Die Steuerung eines Gesprächs kann zu Dominanz führen. Hierbei unterscheidet man grob gesehen in quantitative Dominanz, welche sich auf den Anteil der Gesprächsbeitrage innerhalb eines Gesprächs bezieht, und interaktive Dominanz, bei der der Sprecher durch kontrollierende und verhindernde Züge versucht, seinen Gesprächspartner „zur Reaktion unter spezifischen Bedingungen zu bringen“[21].[22]

2.3.1 Gesprächsorganisation

In der Gesprächsorganisation gibt es drei Aktivitäten der Gesprächspartner, die die Sprecherrolle betreffen. Es gibt die Gesprächsschritteroberung, die Gesprächsschrittbeibehaltung und die Gesprächsschrittübergabe. Es handelt sich um eine Gesprächsschritteroberung, wenn der Hörer die Sprecherrolle durch Selbstzuweisung übernimmt, obwohl der Sprecher mit seinem Beitrag noch nicht fertig war. Diese Aktivität wird oft schon vor der eigentlichen Übernahme durch gesprächsübernehmende Signale eingeleitet. Dies soll den Sprecher darauf vorbereiten, dass sein Beitrag bald beendet wird.[23]

Es wird von einer Gesprächsschrittbeibehaltung gesprochen, „wenn der Sprecher einen Gesprächsschritteroberungsversuch erfolgreich abgewehrt hat“[24] oder durch bestimmte Signale an übergaberelevanten Stellen, an denen der Zuhörer die Sprecherrolle übernehmen will, zeigt, dass sein Beitrag noch nicht zu Ende ist und er noch weiterreden möchte. Gesprächsschrittbeibehaltende Signale sind zum Beispiel Verzögerungssignale wie ä h oder ä hm, Fortsetzungssignale wie: weil, erstens oder zun ä chst, eine erhöhte Laustärke, schnelleres Sprechen oder eine abwehrende Handbewegung.[25] Bei der Gesprächsschrittübergabe macht der Sprecher dem Hörer durch Signale kenntlich, dass er ihm die Sprecherrolle übergeben will. Dies kann durch Fragen, einer fallenden Intonation, auffälligen Pausen oder durch auffordernde Handbewegungen kenntlich gemacht werden.[26]

2.3.2 Themenorganisation

Die Themenorganisation beschäftigt sich mit der Einflussnahme auf das aktuelle Gesprächsthema, was in Diskussionen und Debatten besonders wichtig ist. Jeder Gesprächsteilnehmer versucht das Gespräch auf das Thema zu lenken, welches er behandeln möchte. Um dies einzuleiten werden Themenwechsel - oder Themensteuerungssignale verwendet, durch die das Gespräch übernommen und in eine Richtung gelenkt werden können. Dadurch können neue Themen eingeleitet, auf bereits behandelte Themen zurückgegriffen oder Themen verschoben werden.

Bei der Themenverschiebung bleibt das Hauptthema erhalten, jedoch wird das Gespräch auf ein Unterthema gelenkt. Generell wird ein fließender Übergang zu einem neuen Thema angestrebt. Dies impliziert, dass die Gesprächsteilnehmer mit einem Themenwechsel einverstanden sind, und das vorherige Thema ausreichend behandelt wurde.[27] In Diskussionen oder Debatten gestaltet sich das eher schwierig, weil unvorhergesehene Beiträge von den Teilnehmern kommuniziert werden können.

Damit sich das neue Thema durchsetzt und nicht vom Gesprächspartner abgewehrt wird, ist es wichtig, dass der Sprecher „in seiner Aussage die Relevanz der Äußerung herausstellt“[28]. Eine relevante Aussage, die beispielsweise zur Problemlösung führt, wird eher angenommen, als eine irrelevantere Aussage, die vom Gesprächspartner leicht abgewehrt werden kann.[29]

2.3.3 Handlungskonstitution

Eine „Handlungskonstitution verweist auf die Beeinflussung der Handlungen der Gesprächspartner, wobei anzumerken ist, dass mit Handlungen hier insbesondere Sprechhandlungen (…) gemeint sind.“[30] Handlungskonstitutionen werden nach Tiittula aus drei Perspektiven betrachtet: Sequenzielle Handlungsimplikationen, Behandlung von Handlungsimplikationen und Mittel zum Etablieren von Handlungsschemata. Die sequenzielle Handlungsimplikation beschreibt, wie durch eine initiierende Sprechhandlung eines Interaktanten (z.B. eine Frage) dem Gesprächspartner eine bestimmte Obligation auferlegt wird. Es wird nun eine Antwort von Seiten des Gesprächspartners erwartet. Das Handlungsspektrum des Gesprächspartners wurde demnach durch die Sprechhandlung des Interaktanten stark eingeschränkt. Es handelt sich bei initiierenden Gesprächsschritten um gesprächssteuernde Elemente, da sie die Folgeaktivität des Gesprächspartners beeinflussen.[31] Der Gesprächspartner ist jedoch nicht dazu gezwungen, die Erwartung des Sprechers zu erfüllen. Die Behandlung von Handlungsimplikationen bezieht sich auf die bedingte Erwartbarkeit, die durch initiierende Gesprächsschritte entsteht. So kann der Gesprächspartner auf einen initiierenden Gesprächsschritt neben einem responsiven Gesprächsschritt auch mit Teilresponsivität oder Nonresponsibilität reagieren.[32]

Zum Etablieren von Handlungsschemata sind bestimmte Ausdrücke notwendig, um eine komplexe Aktivität, wie zum Beispiel eine Geschichte oder eine Anekdote einzuleiten. Durch die Ankündigung zu einer solchen Aktivität wird die Bereitschaft der Gesprächspartner, sich auf das Handlungsschema einzulassen, überprüft.[33]

2.4 Unterbrechungen

Es handelt sich um eine Unterbrechung, wenn der Hörer den Sprecher auf eine unkooperative Weise ins Wort fällt und die Sprecherrolle dadurch an sich reißt. Durch eine Unterbrechung kann der Sprecher, welchem ins Wort gefallen wurde, seinen Beitrag nicht wie geplant zu Ende bringen. Nach einer Simultansequenz, in der beide Gesprächsteilnehmer reden, erobert der Hörer die Sprecherrolle und redet weiter, während der Sprecher seinen Gesprächsbeitrag abbricht. Es werden fünf verschiedene Arten von Unterbrechungen unterschieden:[34]

Ein verfrühter Sprecheinsatz dient dazu, uninteressante Sprachsequenzen zu verkürzen. Bei einer Unterbrechung durch einen Widerspruch wird auf einen vorhergehenden Teil geantwortet, ohne dass der Sprecherbeitrag beendet wurde. Die Unterbrechung durch Aufforderung zur Stellungnahme entsteht, wenn sich der Hörer berechtigt sieht, die Sprecherrolle zu übernehmen. Das kann passieren, wenn der Sprechende ihn direkt anspricht oder der Hörer denkt, dass er direkt angesprochen wurde. Die vierte Art ist die Unterbrechung ohne Bezug auf den unterbrochenen Redebeitrag, bei der das vorher Gesagte ignoriert und ein neues Thema eröffnet wird. Zuletzt kommt die Reaktive Intervention. Nachdem ein Sprecher von seinem Gesprächspartner zunächst unterbrochen wurde, holt er sich die Sprecherrolle bei dieser Art der Unterbrechung zurück. [35]

Durch Unterbrechungen besteht generell die Möglichkeit Dominanz zu demonstrieren und aufzubauen. Der Unterbrechende kann weiterhin versuchen, das Gespräch mit Unterbrechungen unter seine Kontrolle zu bringen.[36]

2.5 Imagearbeit

Image wird von E. Goffman als „ein in Termini sozial anerkannter Eigenschaften umschriebenes Selbstbild“[37] definiert.

Dieses Selbstbild oder Image beschreibt einen sozialen Wert, welcher in jedem Gespräch neu aufgebaut und aufrechterhalten werden muss.[38] In einem Gespräch versuchen die Gesprächsteilnehmer das eigene Image und das Image des Gesprächspartners zu wahren.[39] Beide Interaktanten leisten Imagearbeit durch wechselseitige Imagepflege und versuchen dabei, die Imagebalance nicht zu stören.[40] Das bedeutet, dass mit der Beachtung des eigenen Images das Image des Anderen nicht gefährdet werden darf.[41]

Zwei Klassen von Gesprächsschritten können unter dem Aspekt der Imagearbeit unterschieden werden: Die „bestätigenden“ und die „korrektiven“ Sequenzen.[42]

Es handelt sich um eine Bestätigungssequenz, wenn auf einen bestätigenden Gesprächsschritt eines Gesprächspartners ein bestätigender Schritt eines anderen Gesprächspartners folgt. Untertypen der bestätigenden Schritte werden unterschieden in Sympathie und Interessenbekundung, höfliche Angebote, Ratifizierungen und Zugänglichkeitsbekundungen. Bestätigende Sequenzen sollen die Imagebalance in einem Gespräch aufrechterhalten. Kommt es zu sogenannten „Zwischenfällen“[43] durch Äußerungen oder Handlungen, werden „korrektive“ Schritte eingeleitet.[44] Es wird zum einen unterschieden, ob der Zwischenfall durch Missachtung oder Aufdringlichkeit zustande kam, und zum anderen, ob sich der Zwischenfall gegen das eigene oder das andere Image gerichtet hat.[45]

Zwischenfälle entstehen beispielsweise durch zu wenig Selbstachtung, Würdelosigkeit, zu wenig Achtung dem Anderen gegenüber oder zu wenig Zurückhaltung des eigenen Images. Solche Zwischenfälle werden als Verstoß angesehen und vom Gegenüber als Imagebedrohung interpretiert.[46] Auf einen Zwischenfall von Interaktant A folgt ein Vorwurf des Gesprächspartners B, der die Äußerung/Störung/den Zwischenfall beklagt. Sprecher A führt dann einen Korrektivschritt aus, indem er durch eine Umdeutung der negativen Interpretation zeigt, dass eine Imageverletzung nicht beabsichtigt war. Im Anschluss folgt ein weiterer Gesprächsschritt von Interaktant B, der die Korrektur akzeptiert und „honoriert“. Ist das Gegenteil der Fall, führt er einen weiteren Vorwurf an und die Sequenz wiederholt sich.[47]

Korrektive Sequenzen werden unterschieden in Rechtfertigungen - die volle Verantwortung für den Zwischenfall wird eingestanden, die negative Bedeutung wird jedoch bestritten - und Entschuldigungen - die negative Bedeutung wird zugegeben, die volle Verantwortung aber bestritten.[48]

Dies alles gilt, wenn die Interaktanten miteinander kooperieren. Liegt eine Kooperationsverweigerung vor, handeln die Interaktanten anders. Bei der Kooperationsverweigerung steht im Vordergrund, das Image des anderen zu verletzen, um das eigene Image zu verbessern. Goffman bezeichnet es als „making points“[49]. Es geht bei dieser aggressiven Orientierung darum, Pluspunkte zu sammeln, um am Ende ein besseres Image zu wahren. Bei kooperierenden Gesprächen wird der Versuch unternommen, bestätigende oder korrektive Sequenzen zu erhalten, in denen es darum geht „bestätigende Muster hervorzubringen und kritische Muster zu korrigieren“[50]. In der aggressiven Orientierung wird versucht, bestätigende Muster zu vermeiden, während kritische Muster nicht oder nicht ausreichend korrigiert werden. Verweigerung oder Inszenierung sind zwei Taktiken dafür. Bei der Verweigerung wird die Antwort auf einen initiierenden Schritt unterlassen. Dies kann entweder beabsichtigt oder unbeabsichtigt geschehen, wobei man bei ersterem versucht, sich selbst besser oder den anderen schlechter darzustellen.

[...]


[1] Vgl. Goffman 1974, S.201.

[2] Vgl. Brinker/Sager 2006, S. 62.

[3] Vgl. Mroczynski 2014, S. 72.

[4] Vgl. Mroczynski 2014, S. 76-77.

[5] Vgl. Brinker/Sager 2006, S. 62.

[6] Vgl. Brinker/Sager 2006, S. 62-63.

[7] Vgl. Brinker/Sager 2006, S. 65.

[8] Vgl. Mroczynski 2014, S. 82.

[9] Vgl. Mroczynski 2014, S. 79.

[10] Vgl. Mroczynski 2014, S. 82.

[11] Vgl. Mroczynski 2014, S. 80.

[12] Vgl. Mroczynski 2014, S. 80.

[13] Mroczynski 2014, S. 81.

[14] Vgl. Brinker/Sager 2006, S. 66.

[15] Vgl. Mroczynski 2014, S. 81.

[16] Vgl. Mroczynski 2014, S. 223.

[17] Vgl. Tiittula 2001, S. 1362.

[18] Tiittula 2001, S. 1362.

[19] Vgl. Tiittula 2001, S. 1362.

[20] Tiittula 2001, S. 1362.

[21] Tiitula 2001, S. 1362.

[22] Vgl. Mroczynski 2014, S. 225.

[23] Vgl. Mroczynski 2014, S. 225.

[24] Mroczynski 2014, S. 226.

[25] Mroczynski 2014, S. 227.

[26] Mroczynski 2014, S. 227-228.

[27] Vgl. Mroczynski 2014, S. 233:

[28] Mroczynski 2014, S. 233.

[29] Vgl. Mroczynski 2014, S. 233.

[30] Mroczynski 2014, S. 223.

[31] Vgl. Mroczynski 2014, S. 235 und Tiittula 2001, S. 1366f.

[32] Vgl. Mroczynski 2014, S. 235.

[33] Vgl. Mroczynski 2014, S. 236.

[34] Vgl. Mroczynski 2014, S. 228 - 229.

[35] Vgl. Mroczynski 2014, S. 229 -230.

[36] Vgl. Mroczynski 2014, S. 231.

[37] Goffman 1971, S.10.

[38] Vgl. Holly 1979, S.36.

[39] Vgl. Holly 1979, S.43.

[40] Vgl. die Beschreibung von „Techniken der Imagepflege“ in Goffman 1971, S.10 - 53.

[41] Vgl. Holly 1979, S.43.

[42] Vgl. Holly 1979, S.47ff.

[43] Terminus nach Holly 1979, S.53.

[44] Vgl. Goffman 1971, S.25.

[45] Vgl. Holly 1979, S.53.

[46] Vgl. Holly 1979, S.53.

[47] Vgl. Brinker/Sager 2006, S. 92f.

[48] Vgl. Holly 1979, S. 62.

[49] Goffman 1955, S. 24.

[50] Holly 1979, S. 84.

Details

Seiten
40
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668541993
ISBN (Buch)
9783668542006
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v376804
Institution / Hochschule
Universität Paderborn
Note
1,0
Schlagworte
Gesprächsanalyse Politik Österreich Präsidentschaftswahl 2016 Imagearbeit

Autor

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Titel: Imagearbeit im TV-Duell Hofer versus Van der Bellen. Eine Gesprächsanalyse