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Die Beschäftigungseffekte von Mindestlöhnen. Theoretische und empirische Betrachtung

Hausarbeit 2016 32 Seiten

VWL - Geldtheorie, Geldpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einführung
1.1 Problemstellung
1.2 Ziel und Aufgabenstellung
1.3 Gang der Untersuchung

2. Begriffsverständnis von Mindestlöhnen
2.1 Tariflicher Mindestlohn
2.2 Gesetzlicher Mindestlohn

3. Ziele vom Mindestlohn

4. Arbeitsmarkttheorien
4.1 Die neoklassische Theorie
4.2 Die keynesianische Theorie
4.3 Die monopsonistische Theorie

5. Beschäftigungseffekte von Mindestlöhnen in der Empirie
5.1 Internationaler Vergleich
5.1.1 Mindestlohn in Frankreich
5.1.2 Mindestlohn in Großbritannien
5.2 Empirische Mindestlohnforschung
5.3 Studien in unterschiedlichen Branchen
5.3.1 Abfallwirtschaft
5.3.2 Pflegebranche
5.4 Ein Jahr Mindestlohn: Zwischenbilanz

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: Gender Pay Gap 2006-2012

Abbildung 2: Neoklassische Erklärung der Arbeitslosigkeit

Abbildung 3: Arbeitsmarkt im Monopson

Abbildung 5: Gesetzliche Mindestlöhne pro Stunde in ausgewählten Ländern weltweit (Stand: Januar 2015)

Abbildung 6: Ergebnisse der Studien der deutschen Branchenmindestlöhne zu Beschäftigungseffekten

Abbildung 7: Mindestlohn in der Pflegebranche

Tabelle 1: Entwicklung des Mindestlohns in Frankreich

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einführung

1.1 Problemstellung

In Deutschland stellt für viele die stetige Zunahme von Armut und sozialer Ausgrenzung eine schwierige Situation dar. Es ist festzustellen, dass die Einkommensschere zwischen Arm und Reich immer größer wird. Besonders in den letzten 20 Jahren ist die Lücke zwischen den zwei Gruppen erheblich gewachsen. Verantwortlich dafür sind die Entwicklung der Löhne und Gehälter und der Zuwachs an Teilzeitstellen.[1] Auch der Druck durch die Billigkonkurrenz aus dem Ausland stellt für die Arbeitnehmer eine Bedrohung dar.

In Folge dessen fand in den letzten Jahren eine immer stärker werdende Diskussion über die Einführung eines allgemeinverbindlichen Mindestlohns statt. 2014 einigte sich schließlich die Große Koalition (CDU/CSU und SPD) unter Arbeitsministerien Andrea Nahles über die Einführung des Mindestlohns am 01.01.2015. Der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro soll besonders die Armut in Deutschland bekämpfen und die Arbeitnehmer vor Ausbeutung durch Arbeitgeber schützen.

1.2 Ziel und Aufgabenstellung

Von großem Interesse ist, ob die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns auch Beschäftigungsverluste mit sich bringt. Hier müssen die möglichen Beschäftigungseffekte geprüft werden. Kritiker des gesetzlichen Mindestlohns gehen per se von hohen Beschäftigungsverlusten aus und berufen sich auf theoretische Grundlagen der Neoklassik, die Mindestlöhne gleich mit negativen Beschäftigungseffekten und somit einer hohen Arbeitslosigkeit gleichsetzt. Die Befürworter hingegen sind der Meinung, Mindestlöhne hätten keinen oder sogar einen positiven Einfluss auf die Beschäftigung. Diese Theorie untermauern sie mit dem monopsonistischen Modell des Arbeitsmarktes. Die vorliegende Arbeit soll nun die verschiedenen Theorien und Modelle unter Berücksichtigung des Mindestlohns untersuchen und die möglichen Effekte auf Deutschland beziehen.

1.3 Gang der Untersuchung

Die folgende Arbeit gliedert sich in zwei große Abschnitte. Im ersten Teil der Arbeit werden die theoretischen Grundlagen näher erläutert. In Kapitel zwei findet zunächst eine Begriffsabgrenzung zwischen dem tarifliche Mindestlohn und dem gesetzlichen Mindestlohn statt. Hier soll dem Leser ein erster Überblick über die Mindestlöhne verschafft werden. Kapitel drei beschäftigt sich mit den Zielen der Mindestlöhne. Insbesondere stehen hier die zwei Hauptziele Bekämpfung der Armut und Schutz der Arbeitnehmer vor Lohndumping im Vordergrund. Das letzte theoretische Kapitel bilden die Arbeitsmarktmodelle. Neben der neoklassischen und dem monopsonistischen Arbeitsmarktmodell, wird auch das keynesianische Modell vorgestellt und im Hinblick auf die Einführung eines Mindestlohns untersucht.

Darauf aufbauend wird die theoretische Betrachtungsweise um eine empirische ergänzt. Der Einstieg des Kapitels ist ein internationaler Vergleich der Länder mit Mindestlöhnen, welches mit einer Grafik veranschaulicht wird. Danach werden auf die Mindestlöhne in Frankreich und anschließend in Großbritannien näher eingegangen und diese mit Deutschland verglichen. Der nächste Abschnitt im Kapitel fünf beschäftigt sich mit der empirischen Mindestlohnforschung anhand des statistischen Differenz-von-Differenzen-Ansatzes, um anschließend auf die Studien zu branchenspezifischen Mindestlöhnen in der Abfallwirtschaft und der Pflegebranche einzugehen. Den letzten Abschnitt im fünften Kapitel stellt eine Zwischenbilanz nach einem Jahr des Mindestlohns dar. Den Abschluss der Arbeit bilden das Fazit im sechsten Kapitel mit der kritischen Würdigung und eine kurze Zusammenfassung der Arbeit.

1.4

2. Begriffsverständnis von Mindestlöhnen

Der Mindestlohn ist das kleinste rechtlich mögliche Arbeitsentgelt, welches ein Beschäftigter erhält. Dieses darf über-, jedoch nicht unterschritten werden. Die Höhe des Mindestlohns kann entweder vom Gesetzgeber beschlossen werden (gesetzlicher Mindestlohn), oder in einem einen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag festgelegt werden (tariflicher Mindestlohn).[2] Der folgende Abschnitt beschäftigt sich genau mit diesen zwei Arten der Mindestlöhne und erläutert diese genauer.

2.1 Tariflicher Mindestlohn

In Deutschland gibt es bereits seit Jahrzehnten tarifliche Regelungen bezüglich der Mindestlöhne. Diese gelten jedoch immer nur innerhalb einer Branche und sind regional unterschiedlich.[3]

Der Tariflohn ist ein Mindestlohn, der im Rahmen eines Tarifvertrags von den Tarifpartnern, also der Gewerkschaft bzw. der Arbeitgeberverbände und dem Arbeitgeber, vereinbart wird.[4] Um einen gesetzlichen Mindestlohn zu unterschreiten, muss ein Tarifvertrag für allgemeinverbindlich erklärt worden sein. Diese Allgemeinverbindlichkeits-erklärung erfolgt durch eine Verfügung des Ministeriums für Arbeit und Soziales.

Der durchschnittliche tarifliche Mindestlohn lag 2015 bei 7,50 Euro pro Stunde. Allein im Friseurhandwerk existieren 16 unterschiedliche tarifliche Mindestlohngrenzen. Das liegt daran, dass die Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften regional organisiert sind und darüber befugen, Löhne und Gehälter mit Arbeitgebern individuell auszuhandeln. Daraus ergibt sich, dass die Gewerkschaften verschiedener Bundesländer auch unterschiedliche Mindestlöhne vereinbaren.[5] Betrachtet man den tariflichen Mindestlohn im Friseurhandwerk in den neuen Bundesländern, lag dieser bis Juli 2015 bei 7,50 Euro in der Stunde. Im Westen jedoch bei 8,00 Euro in der Stunde. Durch die Einführung flächendeckender gesetzlicher Mindestlöhne wurde diese Situation ab dem 1. August 2015 verbessert und bundeseinheitlich auf 8,50 Euro angehoben.[6]

2.2 Gesetzlicher Mindestlohn

Am 1. Januar 2015 ist das Mindestlohngesetz (MiLoG) einschließlich der Gesetzbegründung und den Änderungsvorschlägen des Bundesrats in Kraft getreten.[7]

Nun gelten bundesweit brutto 8,50 Euro pro Stunde als Lohnuntergrenze. Da es bei den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD Uneinigkeiten gab, ob nun in allen Branchen ein flächendeckender Mindestlohn eingeführt werden sollte, wurde ein Kompromiss erzielt. Der flächendeckende gesetzliche Mindestlohn gilt zwar für das ganze Bundesgebiet, jedoch werden von dieser Regelung die Mindestlöhne nach dem Arbeitnehmer-Entsendegesetz (AentG) ausgeschlossen. Das heißt, die zum Zeitpunkt des Abschlusses der Koalitionsverhandlungen geltenden Tarifverträge, die bis zum 31. Dezember 2016 das geltende Mindestlohnniveau erreichen, sind weiterhin gültig. Erst ab dem 1. Januar 2017 gilt der bundesweite gesetzliche Mindestlohn ohne Einschränkungen. Danach soll er regelmäßig alle zwei Jahre entsprechend der Entwicklung der Tariflöhne erhöht werden. Bisher war das Jahr 2018 als Start der turnusmäßigen Anhebungen festgelegt.[8]

Ausgenommen vom gesetzlichen Mindestlohn sind unter 18-Jährige ohne Berufsabschluss. Damit soll vermieden werden, dass sich die jungen Leute eine Beschäftigung suchen, anstatt eine schlechter vergütete Ausbildung anzustreben. Ebenso sind Langzeitarbeitslose (mindestens 12-monatige Arbeitslosigkeit) von der Mindestlohnregelung ausgeschlossen. Auf diese Weise soll für Arbeitsgeber der Anreiz erhöht werden, Langzeitarbeitslose einzustellen. Für Ehrenamtliche und Praktikanten in der Ausbildung und freiwillige Praktikanten mit einer Praktikumsdauer von weniger als drei Monaten gilt der Mindestlohn auch nicht.[9]

3. Ziele vom Mindestlohn

Der Mindestlohn verfolgt insbesondere zwei Hauptziele.

Das erste Ziel ist, Arbeitnehmer, die eine geringe Verhandlungsmacht haben, vor Ausbeutung durch den Arbeitgeber und vor Lohndumping zu schützen.[10] Da immer mehr ausländische Arbeitnehmer zu geringeren Löhnen in Deutschland arbeiten als die inländischen Arbeitnehmer, ist der Druck auf den deutschen Arbeitsmarkt bezüglich der gezahlten Löhne gestiegen. Allerdings besteht für die EU-Mitgliedstaaten durch die EU-Entsenderichtlinien die Möglichkeit für ausländische Arbeitskräfte die gleichen Arbeitsbedingungen geltend zu machen, wie für die inländischen Arbeiter. In Deutschland wurden diese Richtlinien durch das Arbeitnehmerentsendegesetz umgesetzt. Nach dem AentG müssen die ausländischen Unternehmen ihre entsandten Arbeiter mit den in Deutschland geltenden Tarifverträgen entlohnen. Der AentG wurde jedoch nur für wenige Branchen festgelegt, wie beispielsweise das Bauhauptgewerbe, die Abfallwirtschaft, das Maler- und Lackiererhandwerk oder die Pflegebranche. Durch dieses Gesetz gelten in den genannten Branchen Mindestlöhne und die Allgemeinverbindlichkeit für die branchenweiten Tarifverträge. Durch das AentG werden die inländischen Arbeiter vor der billigeren Konkurrenz aus dem Ausland geschützt.[11]

Das zweite Ziel ist, Armut trotz bezahlter Arbeit zu bekämpfen und den Erwerbstätigen einen angemesseneren Lebensunterhalt gewährleisten zu können.[12] Da in Deutschland die Anzahl der sogenannten Working Poor, also Menschen, die trotz Arbeit in Armut leben, immer weiter zunimmt[13], zielt der Mindestlohn darauf ab, den Wohlstand der Geringst- bzw. Geringverdiener durch einen höheren Lohn zu heben und sie vor Erwerbsarmut zu schützen.[14]

Weitere Ziele können sein, dass durch den Mindestlohn die Effizienz der Mitarbeiter steigt und diese motivierter arbeiten. Außerdem würde der Mindestlohn die strukturelle Benachteiligung der Frauen vorantreiben, da diese immer noch schlechter entlohnt werden als Männer.[15]

In Abbildung 1 ist der sogenannte Gender Pay Gap, also die strukturelle Benachteiligung der Frauen, zwischen 2006 und 2012 grafisch dargestellt. Es ist deutlich zu erkennen, dass Männer im Durchschnitt einen höheren Bruttoverdienst haben als die weiblichen Beschäftigten. Prozentual gesehen, liegt die Lücke der Entlohnung bei durchschnittlich etwa 22,5 Prozent.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Gender Pay Gap 2006-2012[16]

4. Arbeitsmarkttheorien

Das Angebot von theoretischen Ansätzen zur Erklärung der Beschäftigungsproblematik ist sehr vielfältig. Zu den grundlegenden Wirtschaftstheorien zählen das neoklassische Modell, das keynesianische Modell und das monopsonistische Modell.[17] Diese Theorien werden herangezogen, um empirische Ergebnisse zu der Mindestlohnforschung theoretisch zu stützen.[18]

4.1 Die neoklassische Theorie

Das Basismodell in der neoklassischen Theorie, welches seit ca. 1870 existiert, stellt den Arbeitsmarkt dar, bei welchem es sich um einen Markt wie jeden anderen handelt. Das heißt, es gelten die gleichen Gesetze wie für einen Gütermarkt. Das Marktgleichgewicht zwischen Angebot, welches die Arbeitnehmer erklären, und Nachfrage, welches die Arbeitgeber erklären, wird durch den Preis, hier die Löhne, hergestellt.[19]

Es wird angenommen, dass eine vollkommene Konkurrenz, eine Homogenität der Arbeitnehmer und vollkommene Substituierbarkeit aller Anbieter vorliegt. Des Weiteren herrscht eine Markttransparenz, eine vollständige Mobilitätsfähigkeit und –bereitschaft aller Arbeitskräfte und eine vollständige Flexibilität der Löhne und Preise. Darüber hinaus gibt es keine Transaktionskosten und der Staat beschränkt sich auf die Durchsetzung von Eigentumsrechten.[20]

Die zentralen Theoreme der Neoklassik ist das Saysche Theorem, welches besagt, dass es in der Volkswirtschaft keine Überproduktion geben kann, da das Angebot in demselben Umfang Nachfrage schafft.[21] Daraus lassen sich die Theoreme des Grenznutzens und der Grenzproduktivität ableiten.

Das Grenznutzentheorem befasst sich mit dem Arbeitsangebot. Das heißt, dass der Anbieter über sein Zeitbudget zwischen den substitutiven Gütern Arbeit und Freizeit freit entscheidet und diese so aufteilt, dass die Prämisse des Ausgleichs der Grenznutzen erfüllt ist. Es wird davon ausgegangen, dass mit steigendem Reallohn auch das Arbeitsangebot steigt, da Freizeit relativ an Wert verliert und die Opportunitätskosten von Freizeit steigen.

Das Grenzproduktivitätstheorem befasst sich mit der Arbeitsnachfrage. Der Arbeiter will seinen Gewinn maximieren. Die Produktionshöhe und die Arbeitskräftenachfrage sind von der Höhe des Lohnsatzes und dem Produktionsfunktionsverlauf abhängig. Für diese gilt das Gesetz vom abnehmenden Grenzertrag. Es wird angenommen, dass jede zusätzlich eingesetzte Arbeitseinheit die Gesamtproduktion erhöht, jedoch nur mit abnehmenden Zuwachsraten. Hieraus ergibt sich eine sinkende Grenzertragskurve, welche die Nachfragekurve des Unternehmens nach Arbeit bildet. Die Unternehmen werden nun so lange zusätzliche Einheiten Arbeit einsetzten, bis das Wertgrenzprodukt der Arbeit dem Nominallohnsatz entspricht bzw. das Grenzprodukt der Arbeitseinheit dem Reallohnsatz.

Im Falle eines Ungleichgewichts am Arbeitsmarkt durch Arbeitslosigkeit oder Arbeitskräftemangel, passt sich der Markt an, indem es den Reallohn in Richtung Gleichgewichtslohnsatz verändert und die Wirtschaftssubjekte ihre Mengenentscheidungen anpassen. Das heißt im Falle einer Arbeitslosigkeit wird der Lohn so weit gesenkt, bis ein Gleichgewicht zwischen Arbeitsangebot und –nachfrage herrscht.[22]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Abbildung 2 zeigt den Arbeitsmarkt mit den Kurven Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage.

Abbildung 2: Neoklassische Erklärung der Arbeitslosigkeit[23]

Der Schnittpunkt dieser Kurve ist das Arbeitsgleichgewicht bei einem Gleichgewichtslohn WG und der Beschäftigung LG. An diesem Punkt herrscht eine Vollbeschäftigung. Bei der Einführung eines Mindestlohns WM welcher über dem Gleichgewichtslohn WG liegt, entsteht ein Angebotsüberschuss. Die Arbeitsnachfrage sinkt von LG auf LD und das Arbeitsangebot steigt von WG auf WM. Das bedeutet, dass das Arbeitsangebot LS größer als die Arbeitsnachfrage LD ist. Die Unternehmen fragen hier keine Arbeitskräfte mehr an, da der Lohn zu hoch ist. Die Folge daraus ist die Arbeitslosigkeit.

Der Lohnsatz hat ausschließlich eine Allokationsfunktion, welches ein stabiles, vollbeschäftigungskonformes Gleichgewicht sichert.[24] Nach der neoklassischen Theorie kann es keine dauerhafte und unfreiwillige Arbeitslosigkeit geben. Wer arbeiten möchte, sollte nur seine Lohnforderungen senken.[25]

Kritisch zu sehen ist, dass das neoklassische Modell realitätsfern ist. Die Annahme in der Neoklassik, es würde eine Homogenität herrschen, kann, anders als bei Gütern, auf Menschen nicht übertragen werden. Besonders die Annahme der Transparenzfähigkeit kann nicht auf den Arbeitsmarkt übertragen werden, da die Teilnehmer nicht über die volle Information über den Markt verfügen. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die neoklassische Theorie keine positiven Beschäftigungseffekte im Hinblick auf den Mindestlohn bringt.

4.2 Die keynesianische Theorie

Der britische Ökonom John Maynard Keynes veröffentlichte 1936 sein Buch „General Theory of Employment, Interest and Money“ (deutsch: „Allgemeine Theorie der Beschäftigung des Zinses und des Geldes“), in welchem er die Theorie der Neoklassik kritisiert und neue Methoden der Konjunkturregulierung einführt. Sein Werk erschien zur Zeit der Weltwirtschaftskrise als viele von der Arbeitslosigkeit betroffen waren. Nach Keynes entsteht die Arbeitslosigkeit aus den Unternehmensentscheidungen auf den Güter,- Geld- und Kapitalmarkt. Ihm zufolge kann sich die Arbeitslosigkeit und allgemein die Wirtschaftsflaute nicht durch Selbstregulierung und Selbststabilisierung einstellen, wie es die neoklassische Theorie lehrt. Um dagegen zu wirken muss die Binnennachfrage gestärkt werden, um die Wirtschaft wieder anzuheben und neue Arbeitsplätze zu schaffen. Das heißt, der Staat muss Aufträge schaffen und vergeben, damit das Einkommen der Arbeiter wieder zu erhöhen und somit die Wirtschaft anzukurbeln. Gerade in Zeiten der Krise sollte der Staat sich verschulden und darauf achten, dass Löhne nicht sinken. Eine Lohnsenkung würde nämlich die Kaufkraft schwächen. Eine schwache Kaufkraft führt zu weniger Umsatz und würde größere Nachfrageausfälle mit sich bringen.[26] Eine schwache Kaufkraft führt zu weniger Konsum und somit auch einem niedrigeren Umsatz bei den Unternehmen. Diese wiederrum leiten diesen Effekt durch niedrigere Löhne an die Arbeiter ab.

Auch im Keynesianismus gibt es zahlreiche Kritikpunkte. Positiv ist zu sehen, dass sich die Theorie in Zeiten der Wirtschaftskrise als verlässlich erwies. So konnte die Regierung beispielsweise oft eine hohe Arbeitslosigkeit vermeiden. Jedoch hinterlassen die Maßnahmen der keynisiatischen Theorie große Löcher im Staatsbudget, mit der die nachfolgenden Regierungen noch zu kämpfen haben. Für Keynes aber war die Staatsverschuldung etwas, womit die Regierung zu rechnen hatte, wenn ein Gleichgewicht wieder herrschen sollte. So muss der Staat für den Ausgleich der Schulden die Steuern erheben, was für viele Gegner dieser Theorie sorgt.[27]

[...]


[1] Vgl. Sozialverband Deutschland (2016) (Online).

[2] Vgl. Förderland (o.J.) (Online).

[3] Vgl. Gerginov, D. (2013) (Online).

[4] Vgl. Wirtschaftslexikon (2015) (Online).

[5] Vgl. Gerginov, D. (2013) (Online).

[6] Vgl. Stroh (2014) (Online).

[7] Vgl. Verein für Soziales (o.J.a) (Online).

[8] Vgl. Verein für Soziales (o.J.b) (Online).

[9] Ebd.

[10] Vgl. Keller, B. (2015a) (Online)

[11] Vgl. Förderland (o.J.) (Online).

[12] Vgl. Henneberger, F. (2015) (Online).

[13] Vgl. Förderland (o.J.) (Online).

[14] Vgl. Keller, B. (2015a) (Online)

[15] Vgl. Förderland (o.J.) (Online).

[16] IG-Metall (2014) (Online).

[17] Vgl. Oschmiansy, F. (2010) (Online).

[18] Vgl. Knabe et al. (2014), S. 2.

[19] Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (2010) (Online).

[20] Vgl. Henneberger, F. (2015) (Online).

[21] Vgl. Wohltmann, H.-W. (2015) (Online).

[22] Vgl. Wohltmann, H.-W. (2015) (Online).

[23] Vgl. Mankiw (2001) S. 625 (eigene Darstellung).

[24] Vgl. Keller, B. (2015b) (Online).

[25] Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (2010) (Online).

[26] Ebd.

[27] Vgl. Gerginov, D. (2013b) (Online).

Details

Seiten
32
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668541917
ISBN (Buch)
9783668541924
Dateigröße
2.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v376794
Institution / Hochschule
Hochschule Offenburg
Note
2,0
Schlagworte
mindestlohn armut deutschland frankreich großbritannien arbeitsmarktmodell pflegebranche

Autor

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Titel: Die Beschäftigungseffekte von Mindestlöhnen. Theoretische und empirische Betrachtung