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Der Unterschied zwischen dem Barockgarten und dem englischen Landschaftsgarten am Beispiel von Stourhead

Hausarbeit 2016 16 Seiten

Kunst - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Definitionen
2.1 Barockgarten
2.2 Englischer Landschaftsgarten

3. historischer Hintergrund

4. Die wesentlichen gestalterischen Unterschiede zwischen Barockgärten und englischen Landschaftsgärten

5. Beispiel: Stourhead

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Verzeichnis relevanter Abbildungen

9. Abbildungen

1. Einführung

„Alle Gärten sind Gestaltungen aus Natur. Aus Erde, Pflanzen, Wasser, Steinen entsteht ein Ort, dessen Eigenart die Absicht seines Schöpfers zum Ausdruck bringt.“[1]

Die vorliegende Arbeit untersucht die Unterschiede zwischen Barockgärten und englischen Landschaftsgärten des 18. Jahrhunderts. Diese werden jeweils charakterisiert und anschließend miteinander verglichen. Anschließend wird der historische Kontext dargestellt, da dies für meine Arbeit unerlässlich ist. Stellvertretend zum englischen Landschaftsgarten wird Stourhead vertieft betrachtet. Dieser Garten stellte bereits mein Referatsthema im Seminar dar.

2. Definitionen

Im folgenden Teil werde ich versuchen, den englischen Landschaftsgarten, aber auch den sogenannten Barockgarten, einer differenzierten Betrachtung zu unterziehen, damit es leichter fällt, diese beiden „Gartentypen“ voneinander zu unterscheiden.

2.1 Barockgarten

In der Zeit des Hochbarocks, zwischen 1600 und 1720, wurde eine Vielzahl von Barockgärten angelegt. Diese entwickelten sich aus den Renaissancegärten. Erstmals wurden im Barock Gärten in das Gesamtkonzept einer baulichen Anlage integriert.[2] Der Barockgarten symbolisierte den Herrschaftsanspruch des königlichen Absolutismus[3] und spiegelte diesen in seiner geometrischen, akkuraten Formensprache wieder. Der Garten sollte Macht und Reichtum repräsentieren[4] und hatte im Gegensatz zu den Gebäuden eine untergeordnete Rolle. Der Barockgarten sollte lediglich das Umfeld des Hauptgebäudes, welches immer im Mittelpunkt der Gesamtanlage stand, schmücken.[5]

Ein Barockgarten zeichnet sich durch eine geometrisch, symmetrische Formensprache aus. Alle Gartenelemente befinden sich in gleichen Abständen zueinander. Durch die Symmetrie und die rationale Regelmäßigkeit wird verdeutlicht, dass man die Macht besitzt, die Natur zu „zähmen“. Typisch für diese Gärten sind Parterre und Boskett aber auch Buchsbaumfiguren, gerade Wege, Blumenrabatte, Broderien und Ornamente.[6] Wichtige Bestandteile sind überdies Brunnen, Wasserspiele und kostbare Skulpturen.

Haupt- und Nebenachsen strukturieren den Garten. Diese Achsen entstehen durch den akkuraten Beschnitt und die exakte Anordnung von Bäumen und Hecken, sowie die Wegführung und Bassins. Die Hauptsichtachse führt direkt auf das Hauptgebäude zu (siehe Abb. 1). Das Hauptgebäude „war der geistige und bauliche Mittelpunkt auf den sich alle anderen Künste hin orientierten“[7]. Der Barockgarten setzt sich aus einem „Petit Parc“ und einem „Grand Parc“ zusammen. Der „Petit Parc“ besteht aus dem Parterre und dem Boskett. Das Parterre, welches sich direkt vor dem Hauptgebäude befindet, ist am prunkvollsten mit Schmuckbeeten und ornamentalen Rasenflächen, dekoriert (siehe Abb. 5). Anschließend folgt auf das Parterre, das Boskett, welches aus geometrisch beschnittenen Hecken und Bäume besteht. Der „Grand Parc“ ist ein Waldgebiet mit Alleen, welcher für die Jagd genutzt wurde.[8]

Planer von Barockgärten wurden als Gartenarchitekten bezeichnet. Der bekannteste Gartenarchitekt dieser Zeit nannte sich André Le Nôtre.[9] Er plante unter anderem den Garten von Versailles.

2.2 Englischer Landschaftsgarten

Ab ca. 1720 entwickelte sich der englische Landschaftsgarten. Zu dieser Zeit wurde er jedoch noch nicht als Landschaftsgarten bezeichnet. Erst 30 Jahre später setzte sich der Begriff „landscape garden“[10] durch. Mehrere Faktoren trugen zu der Entwicklung des englischen Landschaftsgartens bei. Zum einen natürlich die Landschaftsgärtner, vor allem aber die gebildete, kunstaffine, aristokratische Oberschicht.[11] Zu dieser Zeit machte die europäische Elite üblicherweise eine „Grand Tour“, eine Bildungsreise, durch Italiens antike Stätten wie zum Beispiel Rom, Florenz und Venedig.[12] Sie besichtigten die Kunst der Antike und der Renaissance, sowie römische Landschaften.[13] Durch die „Grand Tour“ erlangte die Oberschicht vertiefte Kenntnisse über Kultur und Geschichte der Renaissance, des Mittelalters und vor allem der Antike. „Zum Vorbild für den englischen Landschaftsgarten wurde ein Kanon von Werken aus Poesie und Malerei, in denen sich das angestrebte Naturideal zeigte.“[14]. Auch der durch die Aufklärung aufkommende Freiheitsgedanke prägte die Entwicklung der Landschaftsgärten. Von nun an galt der absolutistische Barockgarten als ein Zeichen für die Unterdrückung des Volkes. „Der Garten der freiheitsliebenden Aufklärung wurde nun ganz natürlich wie eine Landschaft angelegt. Die Natur wurde nicht mehr beherrscht und unter bestimmte Regeln gezwungen, sondern sollte sich entfalten können.“[15] Durch das „neue Naturverständnis“[16], welches durch naturwissenschaftliche Kenntniserweiterung und durch die Aufklärung entstand, wurden „fast 400-jährige Gestaltungsideale [...] gebrochen“[17]. Man wollte sich von der barocken Gartenkunst, insbesondere den „geometrischen Zwängen des Barockgartens“[18], und damit dem Absolutismus distanzieren. Dies geschah, indem die Natur an sich in den Vordergrund gerückt wurde. Die „irreguläre Struktur der Landschaftsgärten wurden als Ausdruck einer neuen Liberalität verstanden“[19]. Die Natur wurde immer wieder mit Freiheit gleichgesetzt.[20] Auch die Landschaftsmalerei des 17. Jahrhunderts trug einen bedeutenden Teil zu der Entwicklung des englischen Landschaftsgartens bei. „Die Gemälde zeigen heroische Fantasielandschaften, Arkadien. Aus diesem Grund wollten die Landschaftsgärtner nun Arkadienbilder schaffen“[21]. Arkadien stellen eine Ideallandschaft, eine Idylle, dar. Diese fungierten als ein Sehnsuchtsmotiv. Auch Dichter wie Alexander Pope wirkten bei der Entstehung des englischen Landschaftsgartens mit. Dieser schilderte in seinen Gedichten ideale Landschaften.[22] Er schrieb vom „genuis loci“; dem Blickpunkt also dem besonderen Ort eines Gartens.

Die Planer englischer Gärten wurden Landschaftsgärtner genannt. Die Bekanntesten des 18. Jahrhunderts waren William Kent, „Capability“ Brown, Humphry Repton.[23] Ihre Aufgabe lag darin, die Natur zu idealisieren, genauer gesagt „malerisch zu verfeinern“ und dessen „Wirkung zu steigern“[24]. Sie wollten den Garten so gestalten, dass dieser „seiner Umgebung ähnelt, aber trotzdem ein von ihr zu unterscheidendes Kunstwerk“[25] ist.

Man begeisterte sich zu dieser Zeit für die Antike. Aus diesem Grund war es, wie schon erwähnt, für die intellektuelle Oberschicht obligatorisch eine „Grand Tour“ zu antiken Stätten zu unternehmen. Man las Homer, Vergil, Horaz. Außerdem wurden archäologische Forschungsarbeiten durchgeführt. Die Antike galt als das goldene Zeitalter.[26] In Landschaftsgärten wurde dieses Interesse in soweit sichtbar, da viele antike Gebäude wie zum Beispiel das Pantheon in miniaturisierter Form nachgebaut und als Staffagen in die Gärten integriert wurden (siehe Abb. 2).

Zur Popularität des englischen Landschaftsgartens trugen unter anderem die politische Stabilität, weitreichender Reichtum des aufgeklärten Adels und des politisch zunehmend bestimmenden Großbürgertums in England bei.[27]

3. historischer Hintergrund

Die Zeit des Absolutismus war zugleich die hohe Zeit des Barocks. Die uneingeschränkte politische Macht hatte vor allem der französische König in den Händen. Der Adel dagegen hatte politisch wenig zu sagen. Der Barockgarten gilt daher als „Machtallegorie“[28]. Im 18. Jahrhundert fand die sogenannte „Gartenrevolution“ in England und anschließend auch in weiteren Teilen Europas statt. Von nun an wendete sich vor allem die bürgerliche „Oberschicht und die aufgeklärten Eliten Europas und Nordamerikas zur Landschaftsgärtnerei als Teil eines umfassenden kulturellen und sozialen Umbruchs“[29]. Diese Ablösung von den strengen Gestaltungsidealen des Barocks begann ab circa 1720.[30] Man kritisierte das politische System Frankreichs und wandte sich vom Stil des Barockgartens ab.[31]

„Philosophen, Schriftsteller und Dichter wie der Earl of Shaftesbury, Joseph Addison und Alexander Pope schufen mit ihren Texten die theoretischen Voraussetzungen für die Entstehung des Landschaftsgartens.“[32]

England war damals eine konstitutionelle Monarchie. Der König hatte im Vergleich zu dem in Frankreich eine schwache Position, der Adel dagegen eine deutlich stärkere. Der Adel besaß viel Land und war wohlhabend.[33]

Zu der damaligen Zeit galt der englische Landschaftsgarten als Synonym politischer Freiheit, der Barockgarten dagegen als Produkt des Absolutismus und als Symbol politischer Unterdrückung.[34]

4. Die wesentlichen gestalterischen Unterschiede zwischen Barockgärten und englischen Landschaftsgärten

Wie schon erwähnt, gibt es einige Unterschiede zwischen Barockgärten und englischen Landschaftsgärten. Essentiell ist, dass in einem Barockgarten ausschließlich symmetrische, geometrische und klare Formen aufzufinden sind. Es besteht eine „rationale Regelmäßigkeit“.[35] Dagegen werden im englischen Landschaftsgarten natürliche und regelmäßige Formen bevorzugt. Die Geometrie wird aufgelöst und es bestehen keine Regelmäßigkeiten mehr. Demnach weisen die Grundrisse der Barockgärten auch regelmäßige Konturen und die der englischen Landschaftsgärten unregelmäßige Umrisslinien auf. Der Barockgarten wird nach „mathematisch-geometrischen Prinzipien“[36] gestaltet. Im Gegensatz dazu findet im englischen Landschaftsgarten eine „Eliminierung der mathematischen Strenge“[37] statt und „das Besondere des Gartens [wird] durch die Gestaltung zum Vorschein gebracht.[38] Verschiedene Blickpunkte, „genius loci“, sorgen für ein besonderes Gartenerlebnis. So stellen zum Beispiel antike Tempel, Pavillons, Einsiedeleien, Ruinen, Grotten, Brücken, Exedren, Denkmäler und Skulpturen, Blickpunkte dar.[39] Diese erzählen oftmals bestimmte Geschichten. So sollte zum Beispiel eine Ruine an die Antike erinnern. In englischen Landschaftsgärten findet man verschiedene Stile, welche miteinander in einer Anlage kombiniert werden. So kann sich in einem Landschaftsgarten zum Beispiel ein gotisches Haus, sowie ein türkisches Zelt befinden. Dies wird als „Stilpluralismus“[40] bezeichnet. Es werden oft chinesische Gebäude wie Pagoden, Pavillons und Brücken gebaut, da zu dieser Zeit viel Berichte über chinesische Gärten gelesen wurde und China als besonders reizvoll und exotisch galt.[41] Im Barockgarten sind ebenfalls Blickpunkte vorzufinden. Diese sind jedoch „fest in dem Achsensystem“[42] integriert. Im englischen Landschaftsgarten fungieren Gebäude und architektonische Elemente als Staffagen.[43] Diese haben keinen besonderen Verwendungszweck oder eine bestimmte Funktion (siehe Abb. 3). Sie stellen ein Teil des Gesamtkunstwerkes dar und tragen zu der Gesamtwirkung des Gartens bei. Im Barockgarten spielt dagegen die Architektur die vorherrschende Rolle.

Des Weiteren kann man in Barockgärten ausschließlich gerade Wege entdecken. In englischen Landschaftsgärten führt ein „belt-walk“ den Besucher durch den Garten. Dieser geschlängelte Rundweg lenkt die Blicke der Besucher auf die besonderen Blickpunkte, den „genius loci“, des Gartens. Außerdem kann der Besucher so die verschiedenen „bildhaft komponierten“[44] Gartenszenen in der richtigen Reihenfolge bewundern. Nur bei einem ausgedehnten Spaziergang lässt sich der Garten beziehungsweise die verschiedenen malerischen Gartenbilder komplett erfassen. Den Barockgarten dagegen kann man von einzelnen Blickpunkten beziehungsweise Standpunkten vollständig überschauen.[45] Es gibt klare Zielpunkte und einen unentbehrlichen Mittelpunkt.[46] Typisch für den Barockgarten sind außerdem die Grenzen nach außen. Der Garten ist von Mauern oder Zäunen umgeben. Dagegen ist der englische Landschaftsgarten grenzenlos; nach außen hin geöffnet (siehe Abb. 4), da lediglich Ha-Ha’s eine nicht sichtbare Grenze bilden. Diese dienen dazu, Wild vom Grundstück fernzuhalten.[47] Durch das Nichtvorhandensein von sichtbaren Grenzen, wird die umgebende Landschaft optisch miteinbezogen und es entsteht eine „Verbindung zwischen gestalteten und ungestalteten Bereichen, zwischen Kunstsphäre und Alltagsrealität“[48].

[...]


[1] Strassel 1991, S. 21.

[2] vgl. Beitmann 1999.

[3] vgl. Paulus 2012, S. 15.

[4] vgl. Paulus 2012, S. 32.

[5] vgl. Beitmann 1999.

[6] vgl. Paulus 2012, S. 44.

[7] Beitmann 1999.

[8] vgl. Beitmann 1999.

[9] vgl. Buttlar 1982, S. 53.

[10] Mader / Neubert-Mader 2009, S. 186.

[11] vgl. Walter 2006, S. 18.

[12] vgl. Meyer-Timpe 1996.

[13] vgl. Walter 2006, S. 18.

[14] Walter 2006, S. 18.

[15] Kaufmann 2016.

[16] Paulus 2012, S. 9.

[17] Mader / Neubert-Mader 2009, S. 186.

[18] Mader / Neubert-Mader 2009, S. 186.

[19] Paulus 2012, S. 15.

[20] vgl. Mader / Neubert-Mader 2009, S. 186.

[21] Mader / Neubert-Mader 2009, S. 187.

[22] vgl. Lennox-Boyd / Clay 1989, S. 16.

[23] vgl. Lennox-Boyd / Clay 1989, S. 16.

[24] Mader / Neubert-Mader 2009, S. 186.

[25] Walter 2006, S. 17.

[26] vgl. Mader / Neubert-Mader 2009, S. 187.

[27] vgl. Lennox-Boyd / Clay 1989, S. 17.

[28] Buttlar 1982, S. 54.

[29] Paulus 2012, S. 27.

[30] vgl. Walter 2006, S. 16.

[31] vgl. Mader / Neubert-Mader 2009, S. 187.

[32] Walter 2006, S. 16.

[33] vgl. Mader / Neubert-Mader 2009, S. 186.

[34] vgl. Walter 2006, S. 16.

[35] Paulus 2012, S. 32.

[36] Walter 2006, S. 17.

[37] Paulus 2012, S. 15.

[38] Paulus 2012, S. 17.

[39] vgl. Mader / Neubert-Mader 2009, S. 187.

[40] Buttlar 1982, S. 69.

[41] vgl. Mader / Neubert-Mader 2009, S. 187.

[42] Walter 2006, S. 21.

[43] vgl. Wagner 2006, S. 80.

[44] Wagner 2006, S. 80.

[45] vgl. Paulus 2012, S. 8.

[46] vgl. Mader / Neubert-Mader 2009, S. 187.

[47] vgl. Mader / Neubert-Mader 2009, S. 188.

[48] Walter 2006, S. 18-19.

Details

Seiten
16
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668541399
ISBN (Buch)
9783668541405
Dateigröße
1.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v376780
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen – Kunsthistorisches Institut
Note
1,7
Schlagworte
unterschied barockgarten landschaftsgarten beispiel stourhead

Autor

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Titel: Der Unterschied zwischen dem Barockgarten und dem englischen Landschaftsgarten am Beispiel von Stourhead