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Teamteaching. Kooperative Unterrichtsmethoden im Fach Geographie

Hausarbeit 2013 13 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Didaktik d. Geographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist Teamteaching?
2.1. Organisation von Teamteaching
2.2. Entwicklungsphasen des Teams
2.3. Formen des Teamteachings

3. Wirkung auf Schüler und Lehrer

4. Evaluation - „Sind unsere Ziele erreicht wurden?“

5. Anwendung von Teamteaching für die Methode der Kartierung auf einer Geographie-Exkursion

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Der Lehrer steht im Mittelpunkt seines Unterrichts“

Dieser Kerngedanke ist spätestens seit dem Paradigmenwandel infolge des PISA-Schocks im Jahr 2000 Geschichte. Im Zuge der neuen Bildungsstandardentwicklungen werden im deutschen Bildungswesen immer wieder neue Unterrichtsmethoden entworfen und diese auf ihre Brauchbarkeit getestet. Hierzu bedienen sich Pädagogen sowohl an alten Lernmodellen oder greifen reformpädagogische Ansätze aus dem Ausland auf.

Während in Deutschland besonders der Inklusionsansatz das Unterrichtsgeschehen immer stärker prägt und damit die Kooperation der Schüler untereinander gefördert wird, so ist der Begriff des „Teamteachings“ im deutschen Bildungssystem eher selten zu finden und die gleichnamige Unterrichtsmethode bisher kaum erforscht wurden.

Besonders deshalb ist es interessant sich dieser für deutsche Schulen relativ neuen Unterrichtsform zu widmen und gleichzeitig ein Unterrichtskonzept zu entwerfen, woran die Vorteile dieser Methode für den Unterricht zu erkennen sind.

Zunächst wird daher das folgende Kapitel 2 den Begriff „Teamteaching“ definieren sowie seine Herkunft und die verschiedenen Organisationsformen (Kapitel 2.1.) näher erläutern. Kapitel

2.2. beschreibt die Entwicklungsphasen eines Lehrerteams während der Teamteaching- Methode und wirft dabei auch Probleme bei der Zusammenarbeit von Lehrern auf. Anschließend wird in Kapitel 2.3. die Vielfalt an Unterrichtsformen vorgestellt, wo Teamteaching bereits ansetzen kann. Die Zielsetzung dieses Begriffs und Wirkungsweise für Schüler und Lehrer werden im Anschluss detailliert dargestellt (Kapitel 3) und die Bedeutung der Evaluation als wichtiger Überprüfungs- und Beobachtungsprozess in Kapitel 4 herausgearbeitet.

Daran anknüpfend wird Teamteaching in eine von mir geplante Unterrichtseinheit eingegliedert. Als Student des Fachs Geographie habe ich mich für eine, im Rahmen des Erdkundeunterrichts einer zehnten Klasse gestaltete Exkursion in die zwei Hauptgeschäftsstraßen der Rheinmetropole Köln entschieden. Hier wird in Kapitel 5 herausgearbeitet, wie Teamteaching im Erdkundeunterricht auf einer Exkursion und auch in Verbindung mit anderen Fächern in der Praxis funktionieren kann.

2. Was ist Teamteaching?

Um im späteren Verlauf dieser Ausarbeitung die Bedeutung und die Vorteile dieser Methode herauszuarbeiten, muss zunächst der Begriff „Teamteaching“ an sich geklärt werden. Teamteaching ist eine besondere Form der Unterrichtsorganisation. Hierbei tragen zwei oder mehr Lehrkräfte die Verantwortung für den gesamten oder einen bestimmten Teil des Unterrichts derselben Schülergruppe. Hier beginnt die Zusammenarbeit des Lehrerteams bereits bei der Vorbereitung des Unterrichtsstoffes, wird dann fortgesetzt beim kooperierenden Unterrichten vor der Klasse und endet in der Evaluation und Nacharbeitung des Unterrichts. Damit deckt Teamteaching drei wichtige kommunikative Ebenen einer Lehrerzusammenarbeit ab: Die Planung, Durchführung und Auswertung eines Lehr- und Lernprozesses (vgl. Winkel 1974: 29-32).

Der Begriff kam zum ersten Mal Mitte der 50er-Jahre in den USA auf. Auch in England konnte Teamteaching ab Mitte der 60er-Jahre einen erfolgreichen Einzug in die Klassenräume des Landes vollziehen. Im Zentrum all dieser Teamteaching-Bewegungen stand der pädagogische Ansatz der flexiblen Kommunikation und Kooperation zwischen Lehrern und Lernenden. Auch in Deutschland wird besonders seit dem PISA-Schock die Heterogenität der einzelnen Kinder stärker fokussiert. Alle Kinder sollen in das Unterrichtsgeschehen miteinbezogen werden abgesehen von ihrem Leistungsstand. Die Lernchancen sollen für alle Klassenmitglieder stärker verbessert werden. Dieser Wandel gibt neuen Methoden wie Teamteaching einen großen Versuchsspielraum (vgl. Dechert 1972: 19-23).

2.1. Organisation von Teamteaching

Teamteaching ist eine Methode von vielen verschiedenen Kooperationsformen im Unterricht. Aufgegliedert in die verschiedenen Facetten wird schnell erkennbar, wie unterschiedlich Teamteaching von den beteiligten Akteuren vollzogen werden kann. Teamteaching verläuft daher nicht nach einem klaren Zeitplanmuster, sondern wird von den Lehrkräften selbst gesteuert. Dabei sind viele Faktoren bei der Durchführung zu berücksichtigen, die aber individuell je nach Einsatz, Schule und Budget koordiniert werden können. Im Folgenden werden daher die einzelnen Organisationsaspekte eines Teamteaching-Prozesses näher erläutert.

Zunächst muss ein Team gebildet werden. Hier können die Lehrpersonen freiwillig ihren Teampartner wählen oder es erfolgt eine Zuteilung der Partner durch eine höhere Instanz. Zur Vorbereitung kann die Gruppe bei anderen bereits erfahrenen Teamteaching-Gruppen hospitieren. Bei diesem Schritt kann man auch erstmals ein Begleitkonzept anfertigen, das schon im Vorfeld die Organisation, Weiterbildung und Evaluation der Methode regelt. Die Gründung einer Gesprächsgruppe mit regelmäßigen Sitzungen dient u.a. der Festlegung erster Ziele für den gemeinsamen Erfolg (vgl. Halfhide & Frei 2002: 18).

Bevor das erste Teamteaching beginnt, sollten der Klassenraum und zusätzliche Räume optimal für die jeweilige Lernsituation eingerichtet und unterteilt werden, um damit vielfältige Lernmethoden ausnutzen zu können. Teamteaching beinhaltet nicht nur das gemeinsame Frontalunterrichten, sondern wird auch für Gruppenarbeiten und integrative Lernmethoden angewendet, sodass für die Schüler ein möglichst breitgefächertes Lernangebot entstehen kann. Die Anschaffung von neuen Lehrmitteln, die auf den Teamteaching Prozess ausgelegt sind, fördern die Individualisierung und Differenzierung für jedes Unterrichtsthema (vgl. Halfhide & Frei 2002: 18).

Auch äußere Faktoren müssen für ein erfolgreiches Teamteaching stimmen. Die Schulbehörde muss genügend Wochenstunden bewilligen. Das Tandemmodell ist die klassische Form des Teamteachings, bei der immer zwei Lehrkräfte in einer Klasse unterrichten. Bei diesem Modell sind pro Klasse vier bis sechs Wochenstunden nötig um die Schüler überhaupt an diese neue Unterrichtsmethode heranzuführen.

Professionelles Teamteaching hat neben dem rein organisatorischen einen hohen Kostenaufwand. Die Schule muss zusätzliche Lehrerstunden, Weiterbildungen und Begleitmaterial für die jeweiligen Teilnehmer finanzieren. Auch die äußeren Faktoren bewirken bei den beteiligten Lehrern einen sicheren Umgang mit der Methode und erleichtern somit die gemeinsame inhaltliche Planung und methodische Durchführung des Unterrichts (vgl. Halfhide & Frei 2002: 19).

2.2. Entwicklungsphasen des Teams

Da jedes Lehrerteam individuell agiert und mit einem unterschiedlichen Methodenmix das Teamteaching gestaltet, führt dies folglich neben den Ergebnissen auch zu Problemen und eröffnet Problemfelder innerhalb der Gruppe. Die Wissenschaftler Francis und Young sprachen 1989 erstmals von einer „Teamentwicklungs-Uhr“, deren vier Phasen jedes Team durchläuft (vgl. Halfhide & Frei 2002: 8). Im Folgenden werden diese vier Phasen näher erläutert:

In der Startphase, dem sog. „Forming“ setzt sich das Team „mit den Zielen des gemeinsamen Unterrichten auseinander“ (Halfhide & Frei 2002: 19). Hierbei kann jeder Teilnehmer seine Vorstellungen und Ideen in der Gruppe äußern. Es zeigen sich erste Parallelen und Unterschiede in der Vorgehensweise. Die Arbeitsweisen der einzelnen Kollegen lassen sich viel schneller erkennen und ergeben gemeinsam einen größeren Ideen- und Aktionsspielraum für zahlreiche Unterrichtskonzepte. Erste Ziele werden von den Lehrern festgelegt und im Begleitkonzept festgehalten.

Das „Storming“ wird während der zweiten Phase durchlaufen. Hier liegt der erste gemeinsame Unterricht hinter der Lehrergruppe. Gleichzeitig haben die Akteure erste direkte Erfahrungen im Zusammenarbeiten gemacht. Hierbei treten Konflikte und Spannungen in einer Gruppe auf. Ist der Unterricht doch anders verlaufen, als sich dies ein Teammitglied vorgestellt hat? War eine Lehrkraft dominanter als eine andere? Sind die Unterrichtsstile zu verschieden? Diese Fragen gilt es anzusprechen um daraufhin neue Grundhaltungen abzustimmen, an die sich alle Beteiligten halten müssen. Durch die verschiedenen Überzeugungen entstehen in dieser Phase oft Gefühle der Enttäuschung, Wut, Angst vor Stagnation, sodass viele Lehrer vorerst im Teamteaching keine geeignete Methode der Zusammenarbeit sehen (vgl. Halfhide & Frei 2002: 8).

Erst wenn derartige Spannungen im Team erlebt worden, kann die dritte Phase einsetzen. Das sog. „Norming“ fordert die Akteure auf, ihre Ziele wieder in den Fokus zu nehmen und die bisherige Konfliktsituation durch konstruktive Kommunikation zu verbessern. Objektive Feedbackrunden erleichtern diese Entwicklung und fördern die Abmachung neuer Umgangsformen und Verhaltensweisen. Die gegenseitigen Anforderungen und Spielregeln sind jetzt für jeden Teilnehmer klar zu erkennen, sodass eine Orientierung daran in den folgenden Schulstunden direkt leichter fällt (vgl. Halfhide & Frei 2002: 8).

Beim „Performing“ der letzten Phase der Teamentwicklungs-Uhr sollten die Lehrer in der Lage sein, auf gleicher Augenhöhe miteinander zu kooperieren. Bei einem gleichwertigen Zusammenarbeiten können auch neue Konflikte effizienter gelöst werden. Die Teamarbeit soll unter den Lehrkräften ein „Wir-Gefühl“ auslösen, das sich wiederum positiv auf die Lernatmosphäre einer Klasse oder der Stimmung innerhalb eines Kollegiums auswirken kann (vgl. Halfhide & Frei 2002: 8).

[...]

Details

Seiten
13
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668539136
ISBN (Buch)
9783668539143
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v376753
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,0
Schlagworte
teamteaching kooperative unterrichtsmethoden fach geographie

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