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Kreatives Schreiben. Neue Wege der Schreibdidaktik

Hausarbeit 2013 17 Seiten

Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Kreatives Schreiben - EineDefinition,viele Berührungspunkte

3. Geschichte des kreativen Schreibens

4. Abgrenzung zum produktionsorientierten Schreiben

5. Kreatives Schreiben als Schreibdidaktik des Deutschunterrichts
5.1. TeilfunktionendeskreativenSchreibprozesses
5.2. Rolle des Lehrers und Bewertung kreativer Schreibleistungen

6. Unterrichtsentwurfzum kreativen Schreiben
6.1. ErsteEinheit:Fantasiereise
6.2. ZweiteEinheit:Cluster-Methode
6.3. DritteEinheit:Flaschenpost
6.4. Vierte Einheit:Elfchendichten

7. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Kreatives Schreiben: eine neue Schreibdidaktik?“[1]

Neben dem nach wie vor bestimmenden traditionellen Aufsatzunterricht im deutschen Schulsystem existieren noch weitere Richtungen in der Schreibdidaktik. Eine davon ist der Ansatz des kreativen Schreibens.

Die folgende Arbeit widmet sich diesem noch jungen didaktischen Zweig und analysiert dessen Bedeutung und Nutzen für den heutigen Deutschunterricht und den beteiligten Akteuren.

Im zweiten Kapitel wird der Begriff „kreatives Schreiben“ zunächst erläutert und anhand seiner Grundsätze und dem Einfluss von anderen Forschungsgebieten näher bestimmt. Anschließend wird im dritten Kapitel der Ursprung und die geschichtliche Entwicklung dieses Schreibprozesses kurz dargestellt, woraufhin in Kapitel vier eine Abgrenzung zum produktionsorientierten Schreiben erfolgt. Im fünften Kapitel werden die Teilfunktionen von kreativen Schreibformen im Deutschunterricht sowie die Bedeutung der Rolle des Lehrers und seiner Bewertungsmöglichkeiten vorgestellt.

Anhand der aufgestellten Merkmale veranschaulicht das sechste Kapitel eine thematische, aber fiktive Unterrichtssequenz von vier Schulstunden zum kreativen Schreiben. Hier werden vier kreative Einheiten exemplarisch dargestellt. Auf deren Basis wird im Fazit bewertet, ob kreatives Schreiben letztlich eine Alternative zum traditionellen Aufsatzunterricht bietet.

2. Kreatives Schreiben - Eine Definition, viele Berührungspunkte

Die Sprachpädagogin Ingrid Böttcher definierte im Jahr 1999 das kreative Schreiben als einen individuellen zielorientierten Schreibprozess, zu dem jede Person methodisch angeleitet werden kann[2]. Kaspar H. Spinner (Professor für Didaktik und Literatur der dt. Sprache) legte einen stärkeren Fokus auf den Kreativitätsbegriff und erweiterte somit die Definition noch um die Komponenten, dass Kreativität sowohl ein „Durchbrechen sprachlicher Normen“[3] charakterisiert, den „Selbstausdruck“[4] fördert und die individuelle „Imaginationskraft“[5] aktiviert. Er entwickelte anhand dieser Komponenten drei Grundprinzipien, die „Irritation, Expression und Imagination“[6].

Mit der Irritation ist die Entstehung neuer Wahrnehmungsmuster gemeint, die konträr zu den Alltagsmustem des Schreibenden stehen. Hierdurch sollen neue Ideen entstehen und die Fantasie angeregt werden. Das Prinzip der Expression spiegelt sich im Kreativitätsbegriff wider. Lateinisch übersetzt bedeutet er, „die Fähigkeit, Neues zu schaffen“[7], sowie etwas Authentisches von sich selbst preis zu geben (=Subjektivität). Die Imaginationskraft als drittes Prinzip zielt auf die „Ausgestaltung der Fantasie“[8] des Schreibenden ab, der während des Schreibprozesses in völlig neue Welten abtauchen kann und sich somit auch in Figuren hineinversetzen kann.

Ein weiterer Blick auf Spinners Definition zeigt, dass sich viele Parallelen zu weiteren Schreibverfahren feststellen lassen: Die „Subjektivität“ des Schreibers ist ein ebenso zentraler Punkt beim personal-kreativen oder autobiografischen Schreiben, das aufgrund seiner kreativen Verfahren, die auch auf die Selbstreflexion des Schreibers zielen, in besonders hohem Maße zu einer Identitätsgewinnung beitragen kann[9].

Auch das heuristische Schreiben (Denken durch Schreiben) wird oft mit dem kreativen Schreiben gleichgesetzt. Der Kreativprozess des automatischen Schreibens soll im Sinne eines „Schreibens als Wissensvermittlung“ beim Schreibenden neue Ideen kreieren, Vorstellungen hervorrufen und spezielle Begriffe klären. Hier gilt die Aufmerksamkeit des Schreibenden vor allem dem Inhalt des Textes, die sprachliche Gestaltung ist zunächst zweitrangig[10].

Zudem spielen Aspekte aus der Gehimforschung beim kreativen Schreiben eine wichtige Rolle: Hier werden durch emotionale und kognitive Prozesse die rechte und linke Gehirnhälfte miteinander in Beziehung gesetzt, sodass ein ganzheitliches Lernen beim Schreibenden stattfindet, bei dem die individuellen Schreibpotentiale vielseitig entwickelt und entfaltet werden können[11]. Das „Cluster“ resultiert aus den Ergebnissen der Gehirnforschung und wird aufgrund seiner Relevanz als Unterrichtsmethode in Kapitel 6.2. detaillierter vorgestellt.

Durch die vielen Berührungspunkte zu anderen Schreibverfahren lässt sich das kreative Schreiben schlecht vereinheitlichen. Ein wichtiger Unterschied zu allen weiteren Berührungsansätzen ist die Dominanz des eigenen Gestaltungsversuchs[12], somit auch die bewusst gestalteten Vorstellungen des Schreibenden vor dem eigentlichen Schreibprozess. Diese ermöglichen, dass beim Schreiben die gesamte Person erfasst wird und die Imaginationskraft aktiviert wird, sodass mögliche Schreibblockaden durch eine steigende Schreibfreude abgebaut werden können[13].

3. Geschichte des kreativen Schreibens

Die ersten Formen kreativen Schreibens fand man schon in der Antike, z.B. Überlieferungen von Sprachspielen und Funde von Akrostichons. Schon immer versuchte man überlieferte kreative Techniken auszuprobieren oder eigene Formen zu erfinden, um sich die Angst vor dem leeren Blatt zu nehmen[14].

Das kreative Schreiben im schulischen Zusammenhang hat seinen Ursprung in Amerika, wo es schon Ende des 19. Jhd. zu „Creative Writing“-Bewegungen innerhalb verschiedener Universitäten kam[15]. In Deutschland wurde der Schreibdidaktik seit den 70er- Jahren wieder mehr Bedeutung zugewiesen, sodass neue Schreibprozesse aufkamen, wie beispielsweise das expressive, personale und das kreative Schreiben. Der Kreativitätsbegriff wurde zunächst als „divergentes Denken“[16] verstanden, das mit den bisherigen Mustern brach. Bezogen auf den Deutschunterricht meinte man damit, das „Spielen mit Sprache“[17].

In den 80er-Jahren kehrte auch die „Subjektivierung des Kreativitätsbegriffs“[18] in den Schulunterricht ein. Nun war der eigene Ausdruck sowie die Schilderung der verborgenen, inneren Welt viel stärker gefragt. Dieser Aspekt umfasste im Deutschunterricht u.a. lyrische Gedichte, Tagebuch-Texte oder persönliche Erfahrungsberichte.

Auch der Schreibprozess unterlief ab Ende der 80er-Jahre einem Bedeutungswechsel. Hier zählte plötzlich nicht mehr der fertige Text eines Schülers, sondern der Weg zu seinem Text. Neue Leitfragen wie, welche Teilhandlungen ergeben sich beim Verfassen von Texten und welche Hilfen kann die Lehrkraft dem einzelnen Schüler dabei geben, entstanden unter der neuen „Schreiben als Prozess“-Theorie. Hier lässt sich auch das kreative Schreiben eingliedern, da die Schreiberfahrung, die sich im Schüler vollzieht und der Schreibvorgang an sich wichtiger ist als der fertige Text[19].

4. Abgrenzung zum produktionsorientierten Schreiben

Im Deutschunterricht ist oft die Rede vom produktionsorientierten Schreiben. Im Sinne einer klaren Begriffsdefinition soll nun das kreative von dem produktionsorientierten Schreiben abgegrenzt werden. Zunächst lässt sich sagen, dass beim kreativen Schreibprozess wie bereits zuvor geschildert, der Schüler im Mittelpunkt des Schreibprozesses steht, wohingegen beim produktionsorientierten Schreiben das Werk fokussiert wird.

Beim produktionsorientierten Schreiben muss gleichzeitig ein Primärtext vorhanden sein, zu dem die Schüler Schreibaufgaben mit ständigem Rückbezug zum Text erhalten. Die Schreibaufgaben dienen zur Unterstützung des Verstehensprozesses. Durch sie sollen die Schüler Erkenntnisse über das Werk oder den Text gewinnen. „Literarische Texte dienen als Ausgangs- oder Zielpunkt der ästhetischen Schüleraktivität“[20], die Anfertigung eigener Texte dient dem individuellen literarischen Verstehen.

Beim kreativen Schreiben stehen die subjektiven Wahrnehmungen und individuellen Gefühle der Schüler im Mittelpunkt. Das Schreiben dient der Selbsterkenntnis und die Aufgaben richten sich an die Schüler, sind also subjektorientiert und offen[21]. Die Motivation zum Schreiben soll im eigenen Mitteilungsbedürfnis liegen, sodass das Schreiben selbst ohne Normen und Eingriffe erfolgt. Der Schüler legt lediglich Schreibmodus und Schreibziel selber fest[22]. Die Schüler könnenje nach Aufgabenstellung ihrem Schreibprozess freien Lauf lassen und mit der Sprache experimentieren, ohne auf normative Regeln zu achten[23].

Während produktionsorientiertes Schreiben durch die Textvorlage ein gesteuerter Prozess ist, ist das kreative Schreiben nicht eindeutig gesteuert. Es gibt keine Textvorlage, sondern die subjektive Wahrnehmung des jeweiligen Schreibers bildet die Grundlage[24]. Der Schreibende „schöpft aus sich selber“[25]. Trotzdem findet in gewisser Weise auch hier eine Steuerung statt, denn die Zugänge zum Schreiben werden arrangiert. Es gibt Methoden, die Schreibprozesse auslösen sollen, indem sie Impulse geben. Beispiele hierfür sind ein Bild, ein Textfragment oder ein Reizwort[26].

Die Lösung einer Schreibaufgabe ist beim produktionsorientierten Schreiben klarer bestimmt, da es einen vorgegebenen Text gibt, auf den sich der Schreiber inhaltlich und je nach Aufgabe auch sprachlich rückbeziehen muss. Dagegen ist beim kreativen Schreiben der Lösungsweg nicht festgelegt, da das Schreibziel selber bestimmt wird. Während des Schreibprozesses können sich neue Perspektiven und Erkenntnisse ergeben[27].

Trotz dieser Unterschiede haben produktionsorientiertes und kreatives Schreiben auch Gemeinsamkeiten, denn ersteres hat ebenfalls kreative Anteile. Bei jeder Schreibaufgabe muss der Schreiber kreativ werden. Eine eindeutige Lösung existiert nie, weil jeder Schreiber seinen ganz eigenen Lösungsweg hat. Dieser muss während des Schreibens immer wieder auf Widersprüche überprüft werden[28].

5. Kreatives Schreiben als Schreibdidaktik des Deutschunterrichts

Das kreative Schreiben bietet für den Deutschunterricht eine Vielzahl von Methoden und Anwendungen für die verschiedensten Schreibaufgaben. Durch eine sehr spezielle „befreiende Wirkung“[29] auf den Schreibenden, kommt es oft zu besonders guten schriftlichen Leistungen der Schüler, da sämtlicher aufgabenbezogener Druck von ihnen abfällt. Besonders bei Schülern, die bereits an einer Schreibblockade leiden oder denen das erzwungene Diktat der Grundschule noch im Hinterkopf geblieben ist, schaffen offene kreative Aufgabenstellungen Abhilfe und bauen Blockaden durch das Prinzip „Spaß am

[...]


[1] Spinner: Kreatives Schreiben, S. 118.

[2] Vgl. Böttcher: Kreatives Schreiben, S. 7.

[3] Spinner: Kreatives Schreiben, S. 108.

[4] Ebd.

[5] Ebd.

[6] Ebd.

[7] Pommerin: Kreatives Schreiben, S. 49.

[8] Spinner: Kreatives Schreiben, S. 108.

[9] Vgl. Fix: Texte schreiben, S. 116.

[10] Vgl. Fix: Texte schreiben, S. 116.

[11] Vgl. Spinner: Kreatives Schreiben, S. 114f.

[12] Vgl. Pommerin: Kreatives Schreiben, S. 58.

[13] Vgl. Spinner: Kreatives Schreiben, S. 118f.

[14] Vgl. Böttcher: Kreatives Schreiben, S. 13.

[15] Vgl. Glindemann: Creative writing, S. lf.

[16] Spinner: Kreatives Schreiben, S. 109.

[17] Ebd.

[18] Spinner: Kreatives Schreiben, S. 110.

[19] Vgl. Spinner: Kreatives Schreiben, S. 112.

[20] Paefgen: Einführung in die Literaturdidaktik, S. 139.

[21] Vgl. Fix: Texte schreiben, S. 116-119.

[22] Vgl. Fix: Texte schreiben, S. 116-119.

[23] Vgl. Hinrichs: Kreatives Schreiben, S. 2.

[24] Vgl. Paefgen: Einführung in die Literaturdidaktik, S. 115.

[25] Hinrichs: Kreatives Schreiben S. 2f.

[26] Vgl. Fix: Texte Schreiben, S. 116- 119.

[27] Vgl. Spinner: Kreatives Schreiben, S. 120.

[28] Ebd.

[29] Spinner: Kreatives Schreiben, S. 118.

Details

Seiten
17
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668539174
ISBN (Buch)
9783668539181
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v376752
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,3
Schlagworte
kreatives schreiben neue wege schreibdidaktik

Autor

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Titel: Kreatives Schreiben. Neue Wege der Schreibdidaktik