Lade Inhalt...

Demokratischer Frauenbund Deutschlands. Interessensorganisation oder Machtinstrument?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2017 18 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Neuere Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Demokratischer Frauenbund Deutschlands
2.1.Begrifflichkeiten
2.1.1.Massenorganisationen
2.1.2.Interessenorganisation und Machtinstrument
2.2.Historie des DFD
2.2.1.Die Vorläufer
2.2.2.Der Gründungsprozess
2.2.3.Der DFD bis 1958

3.Fazit

4.Literatur- und Quellenverzeichnis
4.1.Literaturverzeichnis
4.2.Quellenverzeichnis

5.Erklärung

Einleitung

Mit dem Amtsanritt des neuen US Präsidenten Donald Trump findet sich der Begriff „Machtinstrument“ sehr häufig in den Medien wider. Dabei wird auf die Erlasse und Verfügungen Trumps Bezug genommen, mittels derer er am Kongress vorbeiregiert und seine eigenen Ziele durchsetzt. Auch schon zu Zeiten der SBZ/DDR traten solche Phänomene auf. In der SBZ/DDR wurden zwar keine Erlasse und Verfügungen als Machtinstrument genutzt, stattdessen wurde mit Hilfe von Massenorganisationen Einfluss auf das Volk genommen und die Politik der führenden Partei durchgesetzt. Eine dieser Organisationen war der Demokratische Frauenbund Deutschlands (DFD), welcher in der vorliegenden Arbeit näher untersucht werden soll. Wie oben bereits angesprochen, handelte es sich beim DFD um eine Massenorganisation, die zur Beeinflussung des Volkes diente. Da sich der der DFD jedoch basisdemokratisch, sprich aus Eigeninitiative formierte, stellt sich die Frage ob es sich hierbei tatsächlich um ein Machtinstrument handelt oder doch um eine Interessenorganisation. Dieser Frage soll im Laufe der Arbeit hinterfragt werden.

Um die Leitfrage differenziert beantworten zu können, müssen zu Beginn einige Begrifflichkeiten geklärt werden. Dabei wird zuerst der Begriff Massenorganisation untersucht, welcher das Dilemma, ob Interessenorganisation oder Machtinstrument, zusätzlich unterstreichen wird. Anschließend wird versucht passende Definitionen für Interessenorganisation und Machtinstrument zu finden, um so im Nachgang eine bessere Kategorisierung des DFD vornehmen zu können.

Im Anschluss an die Klärung der Begriffe erfolgt ein Abriss der DFD Historie anhand der die Überprüfung, ob Interessenorganisation oder Machtinstrument, vorgenommen wird. Dabei wird in folgende drei Etappen untergliedert: Die Vorläufer, der Gründungskongress und der DFD bis 1957. Um den Umfang dieser Arbeit nicht zu sprengen, erfolgt die Eingrenzung der DFD Geschichte bis in das Jahr 1957. Zum Ende dieser Arbeit werden die Ergebnisse der Arbeit reflektiert und ein Fazit gezogen.

Nach ausführlicher Recherche ergab sich eine solide Literaturbasis. Als besonders einschlägig zeigte sich das Werk von Grit Bühler „Mythos Gleichberechtigung in der DDR – Politische Partizipation am Beispiel des Demokratischen Frauenbunds Deutschlands“. In ihrem Werk legt Bühler sowohl die Geschichte als auch die Bedeutung des DFD dar. Dabei gelingt es ihr einen eingängigen Überblick über das gesamte Themenfeld zu geben. Des Weiteren erwies sich das Werk XY von XY als besonders hilfreich. Darin wird….

Die quellenbasierten Ausführungen stützen sich, auf Grund der eher rudimentären Quellenlage, hauptsächlich auf die „Geschichte des DFD“, welche zum 40. Jahrestag der Gründung der DDR von der Frauenorganisation selbst veröffentlicht wurde. In dieser Quelle wird ein historischer Abriss der DFD Geschichte gegeben und durch bildliche Quellen fundiert.

Demokratischer Frauenbund Deutschlands

Begrifflichkeiten

Massenorganisationen

Nach Kriegsende wurden in der SBZ einheitliche Massenorganisationen aufgebaut. Ziel dabei war es, die politischen Ziele der SMAD durchzusetzen und zu stärken.[1] Die offizielle Zulassung von Massenorganisationen wurde seitens der SMAD mittels des Befehls Nr. 02 erlassen. Im Zuge dieses Befehls wurde „das Recht zur Vereinigung in freien Gewerkschaften und Organisationen“[2] propagiert. Die bedeutendsten und größten Organisationen waren unter anderem, der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB), die Freie Deutsche Jugend (FDJ) sowie der Demokratische Frauenbund Deutschlands (DFD).[3]

Mit Hilfe der Massenorganisationen versuchte „die sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) (…), alle sozialen Gruppen und Schichten der Gesellschaft, anknüpfend an deren spezifischen soziale Situation, Interessen und Aktivitäten, zu organisieren.“[4] Zielsetzung dabei war es, mit Hilfe der Organisationen, die jeweilige Gesellschaftsgruppe für die eigenen Aktionsziele zu mobilisieren. Folglich dienten die Verbände als Transmissionsriemen. Des Weiteren sollte durch deren Unterstützung ein Raum zur Interessenvertretung geschaffen werden. Außerdem galt es mittels Schulungen die Einstellungen der Bürger im Sinne des Sozialismus zu verändern sowie den sozialistischen Nachwuchs heranzuziehen. Zudem hatten die Massenorganisationen eine Kontrollfunktion inne, um so die Aktivitäten der Gesellschaftsgruppen zu überwachen.[5] Reflektiert man die eben erläuterten Aufgaben der Massenorganisationen, wird einem das Dilemma, ob Interessenorganisation oder Machtinstrument deutlich. Es scheint so, als waren die Verbände zumindest nach außen hin „sowohl als Interessenorganisation der Mitglieder als auch als Herrschaftsinstrument der Partei konzipiert“[6].

Interessenorganisation und Machtinstrument

Nach der kurzen Einführung in die Thematik der Massenorganisationen ging deutlich hervor, dass diese als Interessenvertretung, aber auch als Machtinstrument fungieren sollten. Da sich dies jedoch nach moderner Auffassung nur schwer vereinen lässt, sollen beide Begriffe im Nachgang genauer untersucht werden, um so eine Einordnung des DFD vornehmen zu können.

Da der zusammengesetzte Begriff Interessenorganisation durch die Phrasen „ Interesse und Organisation“ bestimmt wird, scheint der Grundgedanke offensichtlich zu sein. Demnach soll das Interesse der Personen, die Teil der Organisation sind, vertreten werden. Rittershofer nennt „die Bündelung von Interessen (bzw. der Organisierung von Interessenten) und deren Vertretung gegenüber der politischen und gesellschaftlichen Umwelt“[7] als Hauptfunktion der Interessenorganisation. Demzufolge müssten im vorliegenden Fall des DFD die Interessen der Frauen, welche Mitglied im DFD waren, gegenüber der SMAD bzw. SED und in der Öffentlichkeit vertreten worden sein. Inwieweit das zutraf wird sich im Laufe der Arbeit noch herausstellen.

Ähnlich wie der Begriff Interessenorganisation verhält sich auch der Begriff Machtinstrument. So wird auch dieser von zwei Nomen zusammengesetzt. Die Bedeutung des Nomens Macht ist in der Wissenschaft sehr umstritten. Da die Ausführung der Debatte um die Bedeutung des Machtbegriffs vom eigentlichen Thema der Arbeit zu sehr abschweifen würde, soll sich diese Ausarbeitung jedoch ausschließlich an der Definition des Soziologen Weber orientieren. Dieser definiert Macht wie folgt:

"Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen, auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht."[8]

Folglich ordnet Weber Macht als Willensdurchsetzung ein. Da der zweite Teil des Oberbegriffs, sprich das Instrument, als Hilfsmittel zur Umsetzung von etwas dient, kann man die Bedeutung von Machtinstrument dahingehend interpretieren, dass es sich um ein Hilfsmittel zur Durchsetzung des eigenen Willens handelt. Folglich geht es in der hier zu behandelnden Thematik um die Umsetzung des Willens der SMAD/SED mittels des DFD.

Da nun die Begriffe respektive Kategorien, in welche der DFD eingeordnet werden soll, erörtert wurden, wird im nächsten Abschnitt auf die Historie der Frauenorganisation eingegangen.

Historie des DFD

Die Vorläufer

Nach Beendigung des 2. Weltkriegs bestand eine beachtliche Differenz zwischen männlichen und weiblichen Bürgern. Schroter und Rohmann sprechen von einem 60 prozentigen Frauenanteil innerhalb der deutschen Bevölkerung. Dementsprechend wird die große Verantwortung sehr deutlich, welche die Frauen, im Zuge des Wiederaufbaus, zu tragen hatten.

Um der vorherrschenden Not entgegenzuwirken, galt es die Fragen nach Lebensmitteln, Kleidung und Wohnraum zu fokussieren und sich mit diesen auseinander zusetzen. Folglich formierten sich Frauen deutschlandweit, um den Wiederaufbau möglichst effektiv voranzutreiben und dem gegenwärtigen Notstand zu kompensieren. Zu diesem Zeitpunkt erfolgte die Gruppierung ohne jeglichen Anstoß der SMAD und beruhte lediglich auf dem gemeinsamen Ziel der Hilfeleistung.[9]

Der Großteil der bisher in den Frauengruppen formierten Bürgerinnen stand zu Beginn der Politik eher desinteressiert gegenüber. Verschiedene politische Gremien erkannten das Bestreben der Frauen nach Autonomie und den Wunsch der Partizipation im Wiederaufbau jedoch sehr früh.[10] Im Juli 1945 forderte die KPD zur Bildung von antifaschistischen Frauenausschüssen auf und betonte dabei die bedeutende Rolle der Frauen im Wiederaufbau. In Folge dessen bildeten sich überwiegend auf öffentlichen Veranstaltungen die ersten Frauenausschüsse.[11]

In jenen Ausschüssen versammelten sich Frauen verschiedenster Herkunft sowie diverser politischer und ideologischer Ansichten. Ein Großteil der Frauen war bisher politisch inaktiv und nahm am gesellschaftlichen Leben kaum Teil. Mittelpunkt ihres „alten Lebens“ als Hausfrauen waren Kind und Heim. Um die bestehende Mutlosigkeit und Trauer hinter sich zu lassen, wurde das gemeinsame Ziel, einen ersten Schritt in Richtung Wiederaufbau zu machen, entwickelt.[12]

[...]


[1] Henkel, Rüdiger: Im Dienste der Staatspartei. Über Parteien und Organisationen der DDR. Baden-Baden 1994. S.88.

[2] Eckert, Rainer: Massenorganisationen. In: Eppelmann, Rainer; Möller, Horst; Nooke, Günter; Wilms, Dorothee (Hrsg.): Lexikon des DDR-Sozialismus. Das Staats-und Gesellschaftssystem der Deutschen Demokratischen Republik. Band 1: A-M. Paderborn 1997. S. 546 – 549. S. 548.

[3] Henkel, Rüdiger: Im Dienste der Staatspartei. 1994. S. 88.

[4] Anonymus: Massenorganisationen. In: Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen (Hrsg.): DDR Handbuch. Köln 1985. S. 876.

[5] Ebd. S. 876.

[6] Ebd. S. 876.

[7] Rittershofer, Christian: Lexikon Politik, Staat, Gesellschaft: 3600 aktuelle Begriffe von Abberufung bis Zwölfmeilenzone. München 2007. S. 141f.

[8] Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft: Grundriss der Verstehenden Soziologie. Band 1. Köln 1964. S. 28.

[9] Schröter, Ursula; Rohmann, Eva: Demokratischer Frauenbund Deutschlands (DFD). In: Stephan, Gerd-Rüdiger; Herbst, Andreas; u.a. (Hrsg.): Die Parteien und Organisationen der DDR. Ein Handbuch. Berlin 2002. S. 500 – 529. S. 502.

[10] Weber, Gerda: Demokratischer Frauenbund Deutschlands (DFD), In: Broszat, Martin; Weber, Hermann (Hrsg.): SBZ-Handbuch. Staatliche Verwaltungen, Parteien, gesellschaftliche Organisationen und ihre Führungskräfte in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands, München 1990. S. 691- 713. S. 691.

[11] Bühler, Grit: Mythos Gleichberechtigung in der DDR. Politische Partizipation von Frauen am Beispiel des Demokratischen Frauenbunds Deutschlands. New York 1997. S. 42f.

[12] Demokratischer Frauenbund Deutschlands: Geschichte des Demokratischen Frauenbund Deutschlands. Leipzig 1989.S. 46f.

Details

Seiten
18
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668540651
ISBN (Buch)
9783668540668
Dateigröße
688 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v376636
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,3
Schlagworte
Demokratischer Frauenbund Deutschlands DFD SBZ DDR Frau 1957 Machtinstrument

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Demokratischer Frauenbund Deutschlands. Interessensorganisation oder Machtinstrument?