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Zigeuner im 17. und 18. Jahrhundert. Bild, Umgang und geschichtliche Entwicklung

Hausarbeit 2015 14 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Moderne Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Das Bild der „Zigeuner“
1. Äußerliche Charakteristika
2. Lebensgewohnheiten und Charaktereigenschaften
3. Erwerbsleben

III. Der Umgang mit „Zigeunern“
1. 17. Jahrhundert: Zwischen Legitimation und Verfolgung
1.1 Söldnerdasein im Dreißigjährigen Krieg
1.2 Verfolgung
2. 18. Jahrhundert: Von Ausrottung zur Siedlungspolitik
2.1 Einheitliche Zigeunergesetze und Verfolgungsmaßnahmen
2.2 Sesshaftmachung

IV. Fazit

V. Literatur- und Quellenverzeichnis
1. Literatur:
2. Quellen

I. Einleitung

„Wie noch zu zeigen sein wird, ist die Geschichte […] [der Zigeuner] zum großen Teil eine Geschichte der Stigmatisierung, Unterdrückung, und Verfolgung.“[1]

Mit diesem Zitat, bringt Kiefl die wichtigsten Aspekte der „Zigeunergeschichte“ auf den Punkt. Im Folgenden sollen genau diese Faktoren genauer betrachtet werden. Um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen, fokussieren sich die Ausführungen ausschließlich auf das 17. und 18. Jahrhundert.

Zu Beginn wird auf das Bild und somit den Stereotyp „Zigeuner“ eingegangen. Fragen wie,“Durch welche Eigenschaften setzt sich der Stereotyp zusammen?, „Welche typischen Berufe werden den „Zigeunern“ zugeschrieben?“ und „Ist zusätzlich zur Stereotypisierung auch eine Stigmatisierung zu erkennen?“ sollen hierbei beantwortet werden.

Im zweiten Teil geht es um den Umgang mit „Zigeunern“ in der bereits erwähnten Zeitspanne. Dabei wird auf die Rolle der „Zigeuner“ im Militär eingegangen und erläutert inwiefern die „Zigeunergesetze“, die bereits im 15. Jahrhundert erlassen wurden, während und nach dem Dreißigjährigen Krieg umgesetzt worden sind. Im weiteren Verlauf soll die Frage, „Was geschah nach dem Krieg und wie nahmen die Verfolgungswellen ihren Anfang?“, beantwortet werden. Im letzten größeren Abschnitt werden die Entwicklungen des 18. Jahrhunderts untersucht, wobei der Wandel zwischen Ausrottungs- und Siedlungspolitik eine wichtige Rolle spielt.

Während der Auseinandersetzung mit dem Thema „Zigeuner“, darf man nicht außer Acht lassen, dass „ die Erforschung der Geschichte der Zigeuner während der Freuen Neuzeit […] bis heute im wesentlichen die Erforschungen des Verhaltens der Umwelt gegenüber den Zigeunern und deren Verfolgung“[2] widerspiegelt. Die wichtigsten Quellen in der Zigeunerforschung stellen obrigkeitliche Beschlüsse, Gerichts- und Polizeiakten dar. Folglich, müssen die Quellen äußerst kritisch betrachtet werden, da sie allein den Umgang mit den Zigeunern wiedergeben, jedoch keine objektive Informationen beinhalten. Ein Perspektivenwechsel innerhalb der Forschung lässt sich eher ausschließen, da es den „Zigeunern“ in der Frühen Neuzeit an Schriftlichkeit mangelte.

Die Ausarbeitung der Thematik stützt sich besonders auf das Werk „Zigeuner im Absolutismus“ von Thomas Fricke sowie auf Joachim Hohmanns „Geschichte der Zigeunerverfolgung“. Der Abschnitt, das Bild der „Zigeuner“; der den ersten Teil der Arbeit darstellt, bezieht sich hauptsächlich auf folgende zwei Quellen: Georg Jakob Schäffers „Zigeuner-Liste“ aus dem Jahr 1787 und auf Johann Heinrich Zedlers „Universal-Lexicon“ aus dem 1731.

II. Das Bild der „Zigeuner“

Das Bild der „Zigeuner“ sowohl in der frühneuzeitlichen als auch in der heutigen Gesellschaft wird durch Stereotypisierung geprägt. Nach Stroebe sind Stereotype „"die von einer Gruppe geteilten impliziten Persönlichkeitstheorien hinsichtlich […] einer anderen Gruppe."[3] Solche Theorien entstehen durch die Zuschreibung bestimmter Merkmale, die wiederum durch die äußere Erscheinung und das Verhalten der Personengruppe beeinflusst werden.[4] Um die Steoreotypenbildung im Bezug auf „Zigeuner“ im 17. und 18. Jahrhundert besser nachvollziehen zu können, soll im Folgenden näher auf die äußerlichen Charakteristika, die Gewohnheiten und das Erwerbsleben eingegangen werden. Hierbei stützen sich die Informationen hauptsächlich auf Schäffers Zigeuner-Liste von 1787 und auf Zedlers Universal-Lexicon von 1731.

1. Äußerliche Charakteristika

Schäffer geht gleich zu Beginn der Zigeuner-Liste auf die äußerlichen Merkmale von „Zigeunern“ ein. Eines der wichtigsten Charakteristika, welches auch Zedler in seinem Universal-Lexikon erläutert, ist die Hautfarbe. Beide Autoren beschreiben sie als schwärzlich, ob von Natur aus oder durch Dreck künstlich geschwärzt.[5] „Zigeuner“ galten im Bezug auf „Kleider[...] und übrigen Aufführung[en] als unreinlich und schmutzig.[6] Des weiteren seien die „Zigeuner“, laut Schäffer, von „meist mittlerer untersetzter Statur, und von sehr starkem Nervenbau.“[7] Zudem war ein ernster Blick, geschürzte Lippen, weiße Zähne und „beheud[e]“[8] Hände und Füße weitere Kennzeichen. Männliche „Zigeuner“ trugen einen langen Bart; ihr Haar war in kleine Zöpfe gebunden und hing tief ins Gesicht, was ihnen ein unheimliches Aussehen verschaffte.[9] Sie trugen stets rote Kleidung mit gelbem Knopf und Schlaufen. Die rote Kleidung erinnerte zugleich an die Uniform von Soldaten bzw. Jägern. Außerdem trugen sie einen Hut mit Feder und ein Gewehr bei sich.[10] „Im Gegensatz zu den männlichen „Zigeunern“ sind „die Weibsleute […] sehr nachläßig angekleidet, schlampen gewaltig herum, und zeichnen sich an Schmutz und Unsauberkeit noch weit vor ihren Männern aus.“[11] Weibliche Zigeuner waren meist barfuß und trugen Kopftücher sowie lange rote bzw. weiße Kittel[12], um darunter ihr Diebesgut zu verstecken.[13]

2. Lebensgewohnheiten und Charaktereigenschaften

Laut Schäffer, stählten die „Zigeuner“ ihre Körper in der Jugend bereits so, dass sie jedem Wind und Wetter standhalten konnten. Diese körperliche Fitness, war Voraussetzung für die vagabundierende Lebensführung der „Zigeuner“. Sie lebten weder in festen Wohnungen, noch schliefen sie in Betten. Sie zogen es dagegen vor, in unbefestigten Hütten im Wald zu leben und auf Teppichen zu nächtigen. Schon in der Kindheit lernten die „Zigeuner“ mit Hunger, Durst und anderen Beschwerlichkeiten umzugehen. Den Kindern mangelte es an Erziehung; sie erlernten jedoch bereits in frühen Jahren das Stehlen, um so die Familie zu unterstützen. Des weiteren, besaßen die „Zigeuner“ einen großen Freiheitsdrang: „[S]ie lebten nicht gern in geschlossener Luft“[14], und machten sich keine Sorgen um ihre Zukunft.[15]

Als Charaktereigenschaften nennt Schäffer, Begriffe wie „schlau, sinnreich, […] unternehmend, […] entschlossen und standhaft.“[16] Aus Zedlers Beschreibungen lassen sich hingegen fast ausschließlich negative Charaktereigenschaften wie listig, gewalttätig, betrügerisch[17] und gottlos[18] herauslesen.

3. Erwerbsleben

Auch im Bereich des Erwerbslebens wurde den „Zigeunern“ gewisse Berufe zugeschrieben. Zedler erwähnt, dass „sie sich aufs Wahrsagen und beschweoren“[19] spezialisierten. Dieses Bild bestätigt auch Fricke, der davon ausgeht, dass die sesshafte Bevölkerung den „Zigeunern“ magische Kräfte nachsagten. „Die Zigeuner galten als Feuerbanner, Wettermacher [und] Schatzgräber.“[20] Der Beruf der Wahrsager und Magier galt als eher frauenspezifisches Phänomen. Die Bevölkerung des 17. und 18. Jahrhunderts hatte großes Interesse daran, in die Zukunft zu blicken, um so den Zukunftsängsten und den gesellschaftlichen Problemen zu entkommen. Zusätzlich zu den finanziellen Zugewinnen durch das Weissagen, wurden den „Zigeunern“ auch Einblicke in gesellschaftliche Prozesse zuteil, die es ihnen ermöglichten, sich besser in die Bevölkerung einzugliedern. Das Wahrsagen galt als eine der bedeutendsten Erwerbsquellen.[21]

Zedler berichtet ebenfalls, dass die „Zigeuner“ „auch viele medizinische Geheimkniffe“[22] anwendeten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. So ist zwar bekannt, dass es als Wanderärzte hausierende „Zigeuner“ gab, jedoch gehörte dies nicht zu den typischen Berufen, welche mit „Zigeunern“ in der frühneuzeitlichen Gesellschaft assoziiert wurden.[23]

In den Quellen wird der Beruf des Musikers neben dem des Soldaten am häufigsten genannt. Die Häufigkeit des Berufs, lässt mutmaßen, dass die Musik eine bedeutende Rolle in der Tradition der „Zigeuner“ spielte. Auch Schäffer erkannte die Bedeutung der Musik innerhalb der Kultur der Zigeuner und erläuterte dies in der Zigeuner-Liste von 1787 folgendermaßen:

„Die größten Freuden, die der Zigeuner kennt, bestehen darin, wann er sich seinen Liebhaberinnen im Arm und seine Kinder um sich herum hüpfen sieht. Da vergisst er dann auf einmal alles Lebens Ungemach, druckt sich den Hut die Quere auf den Kopf, schreit sein freudiges Juhe! durch die Luft, ergreift in dieser wollüstigen Betäubung seine Geige, alles fangt dann an zu tanzen, und wird so ausgelassen lustig, als ob sie im Paradiese wären.“[24]

Die oben genannte Beschreibung von Schäffer und diverse andere Belege, welche über Auftritte in Gasthäusern und Kirchweihen berichten, bestätigen, dass die musikalischen Tätigkeiten zu einer Wertschätzung in der Gesellschaft führten.[25]

[...]


[1] Kiefl, Walter: Sinti und Roma. Abriss der Geschichte und Kultur einer europäischen Randgruppe, Dorfen 2009, S.11.

[2] Hippel, Wolfgang: Armut, Unterschichten, Randgruppen in der frühen Neuzeit. (Enzyklopädie deutscher Geschichte (Bd. 34)), München 2013, S.100.

[3] Stroebe, Wolfgang: Grundlagen der Sozialpsychologie I, Stuttgart 1980, S. 97.

[4] Werth, Lioba; Mayer, Jennifer: Sozialpsychologie, Heidelberg 2007, S. 123.

[5] Schäffer, Georg Jakob: Zigeuner-Liste und genaue Beschreibung des zum Schaden und Gefahr des Gemeinen Wesens meistens in Schwaben, auch in Böhmen, Ungarn, so dann in denen Heßen Hanau-Lichtenbergischen Landen, und besonders bey Primasens herum sich aufhaltenden und jerum vagirenden Räuber-und Zigeuner, Stuttgart 1787, S. 3. / Zedler, Johann Heinrich: Großes vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschaften und Künste, 1731-1745, Sp. 521.

[6] Zedler, Johann Heinrich: Universal-Lexicon, Sp. 521.

[7] Schäffer, Georg Jakob: Liste, S.3.

[8] Schäffer, Georg Jakob: Liste,S.3.

[9] Ebd. S.3f.

[10] Ebd. S.8.

[11] Ebd. S.8.

[12] Ebd. S.8.

[13] Zedler, Johann Heinrich: Universal-Lexicon, Sp. 526.

[14] Schäffer, Georg Jakob: Liste, S.4.

[15] Ebd. S.4

[16] Schäffer, Georg Jakob: Liste, S.4.

[17] Zedler, Johann Heinrich: Universal-Lexicon, S. 532.

[18] Ebd. Sp. 526.

[19] Zedler, Johann Heinrich: Universal-Lexikon, Sp.523.

[20] Fricke, Thomas: Zigeuner im Zeitalter des Absolutismus. Bilanz einer einseitigen Überlieferung, Tübingen 1994, S.408.

[21] Ebd. S. 408-415.

[22] Zedler, Johann Heinrich: Universal-Lexikcon, Sp.523.

[23] Fricke, Thomas: Absolutismus, S.418.

[24] Schäffer, Georg Jakob: Liste, S.9.

[25] Fricke,Thomas: Absolutismus, S.441.

Details

Seiten
14
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668540576
ISBN (Buch)
9783668540583
Dateigröße
592 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v376632
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,7
Schlagworte
Zigeuner 17. Jahrhundert 18. Jahrhundert Stereotyp Entwicklung Dreißigjähriger Krieg

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Titel: Zigeuner im 17. und 18. Jahrhundert. Bild, Umgang und geschichtliche Entwicklung