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Hexenverfolgung in der Frühen Neuzeit. Am Beispiel der Dorothea Braun, Hexe aus Augsburg

Hausarbeit 2015 16 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hintergründe zu den Hexenprozessen der Frühen Neuzeit
1. Zeitgeschichtlicher Überblick
2. Der Hexenhammer
2.1 Inhalt
2.2. Rezeption

III. Familienkonstellation
1. Familie Braun
2. Familie Heucheler

IV. Der Prozess
1. Der Auslöser
2. Anhörung von Maria Braun
3. Widerruf und Anschuldigung Dorothea Brauns
4. Rechtstag und Urteilsverkündung

V. Fazit

VI. Literatur- und Quellenverzeichnis
1. Literatur:
2. Quellen:

I. Einleitung

Hexenverfolgungen, ein Phänomen des düsteren Mittelalters; Frauen wurden am lebendigen Leib auf dem Scheiterhaufen verbrannt – dieses Bild ist noch heute in den Köpfen der Gesellschaft verankert. Entgegen dieses weit verbreiteten Gedankens, fanden Hexenverfolgungen und -prozesse jedoch vorrangig in der Frühen Neuzeit statt.[1] Die meisten Opfer der Hexenprozesse wurden „ 'aus Gnade mit dem Schwert gerichtet'“[2] und erst anschließend auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Exemplarisch für diese Zeit der Hexenprozesse, soll in dieser Arbeit das Beispiel der Maria bzw. Dorothea Braun herausgegriffen werden. Anhand dieses Hexenprozesses sollen sowohl die sozialen und wirtschaftlichen Einflüsse dieses Zeitalters auf Hexenverfolgungen gezeigt werden als auch die Wirkung des 'Hexenhammers' auf den Prozess.

Im ersten Abschnitt werden zeitgeschichtliche Hintergründe erläutert sowie das Werk „der Hexenhammer“ im Bezug auf Inhalt und Rezeptionsgeschichte näher betrachtet. Dabei sollen folgende Fragen beantwortet werden: Gab es ökonomische Einflüsse auf die Hexenprozesse? Was ist der Hexenhammer und welche Hauptmerkmale der Hexerei charakterisiert er? Im darauffolgenden Teil wird dann ein Blick auf die Familienkonstellation geworfen. Da der Prozess der Maria bzw. Dorothea Braun sowohl auf sozioökonomischen Umständen als auch auf einer Reihe familiärer Verknüpfungen basiert, sollen die Familienverhältnisse näher erläutert werden um anschließend im weiteren Verlauf die Zusammenhänge des Prozesses nachvollziehen zu können. Wie standen die Parteien zueinander und in welchen sozialen Umständen lebten die Familien? Der letzte große Abschnitt beschäftigt sich mit dem Prozess selbst. Es wird darauf eingegangen was der Auslöser war und wie sich der Prozess entwickelte. Die Hauptfragen die geklärt werden sollen lauten: Lassen sich auf der Basis des Hexenhammers einzelne Hexenmerkmale bei Dorothea Braun erkennen und inwieweit war dadurch die Hinrichtung unvermeidlich?

Da die Forschungen über Hexenprozesse hauptsächlich auf noch erhaltenen Prozessakten beruhen, basiert die herangezogen Literatur weitgehendst auf Stadtchroniken, Urgichtenbüchern und Strafbüchern. Die Ausarbeitung zu der Thematik des Prozesses von Dorothea Braun stützt sich besonders auf das Werk von Kurt Rau, „Augsburger Kinderhexenprozesse 1625 – 1730“ und die verschiedenen Werke zum Thema „Hexen“ von Wolfgang Behringer.

II. Hintergründe zu den Hexenprozessen der Frühen Neuzeit

1. Zeitgeschichtlicher Überblick

Die Reichsstadt Augsburg und das 16. Jahrhundert – sofort werden Namen wie Fugger und Welser mit einer Blütezeit im Finanzsektor konnotiert. Bei genauerem Betrachten, fällt jedoch auf, dass nur einige wenige Augsburger Familien von dieser konzentrierten Finanzkraft profitierten. Es wurden über 80 Prozent der Bürger der Unterschicht zugerechnet.[3]

Durch einen Kälteeinbruch im Laufe des 16. Jahrhunderts, änderte sich die wirtschaftliche und finanzielle Lage in Augsburg. Vermehrter Regen trat auch in den Sommermonaten auf und die Jahresdurchschnittstemperatur sank um einige Grad Celsius.[4] [5] Dieser Wetterumschwung führte zu Missernten und Agrarkrisen, woraus wiederum eine enorme Ressourcenverknappung resultierte.[6] Als Konsequenz auf den Mangel an Grundnahrungsmittel folgten Teuerungen und Seuchenausbrüche. So brach im Zeitraum 1559 – 1663 in der Reichsstadt Augsburg die größte Epidemie seit vierzig Jahren aus.[7] Seit dem Religionsfrieden von 1555 herrschte in Augsburg eine Friedensperiode vor, jedoch stieg durch Seuchen und Hungersnöte die Mortalitätsrate rapide an: Allein im Jahr 1628 starben 9.611 Bürger an der Pest.[8]

Seit der 2. Hälfte des 16. Jahrhundert kam es zusätzlich zum Ökonomischen Wandel auch zu einem Mentalitätswandel. Vermehrt verbreitete sich die „Hinwendung und Annahme einer […] dogmatisch, konfessionell-religiösen und jenseitsorientierten Denk- und Verhaltensweise“.[9] Durch diese Neuorientierung versuchten die Menschen ihrer Angst vor Seuchen und Hunger zu entkommen und durch die Charakterisierung des Bösen einen Ausweg zu finden. Das Böse wurde durch Teufel und Hexen personifiziert. Ein weiterer wichtiger Faktor, der einen Zusammenhang zwischen der „Krise des 17. Jahrhunderts“ und den Hexenverfolgungen der Frühen Neuzeit dargestellt, ist der Komet, der 1618 über Augsburg erschien. Diese Erscheinung wurde als Omen des bevorstehenden Untergangs und als Zorn Gottes gedeutet. Das Zeichen von „oben“ und andere wirtschaftliche und religiöse Entwicklungen schürten die Angst innerhalb der Bürgerschaft und bildeten somit eine Basis für Hexenverfolgungen. „In dieser Zeit voller kollektiver Ängste, mussten daher in der Konsequenz die Hexenprozesse 'die Erlösung' bringen, mit denen man die Ursachen der Angst zu beseitigen und Unheil abzuwenden suchte.“[10]

Die Realisierung der Hexenprozesse in Augsburg, fand in ihrer Hochphase, jedoch erst nach dem Dreißigjährigen Krieg statt. So stellt, der in dieser Arbeit zu behandelnde Fall der Dorothea Braun einen Einzelfall dar.[11] Laut Quellen handelt es sich bei Dorothea Braun um die erste hingerichtete Hexe Augsburgs.[12]

2. Der Hexenhammer

Die Theorie, dass sich Menschen mit dem Teufel zusammenschließen um gemeinsame Freveltaten durchzuführen, herrschte schon seit dem 4. Jahrhundert vor und wurde von dem Kirchvater Augustinus bekräftigt.[13]

Ende des 15. Jahrhunderts erschien in Benehmen mit Papst Innozenz VIII. ein Handbuch für Hexenverfolgungen. Verfasser des „Mallus Maleficarums“ zu deutsch „Hexenhammer“ waren die Inquisitoren Jakob Sprenger und Heinrich Institutoris.[14] Mit diesem Leitfaden, wurde der Grundstein der systematischen Hexenverfolgung gelegt.[15]

2.1 Inhalt

Der Hexenhammer ist in drei Bereiche untergliedert, wobei sich der erste Abschnitt mit dem Ursprung der Zauberei befasst. Im zweiten Teil wird auf die einzelnen Hexereidelikte eingegangen. Abgeschlossen wird das Werk mit der juristischen Bekämpfung von Hexen.[16] Inhaltlich charakterisiert der Hexenhammer fünf Hauptaspekte des Hexenwesens: Teufelspakt, Teufelsbuhlschaft, Hexenflug, Hexensabbat und Schadenzauber.

Der Teufelspakt, der den Abfall vom Glauben voraussetzt, stellt einen Vertragsschluss zwischen Mensch und Teufel dar, welcher mit Blut des Menschen besiegelt wird. Durch den Geschlechtsakt zwischen Mensch und Teufel wird die Teufelsbuhlschaft vollzogen, wobei ein Teufelsmal auf dem Leib des Menschen hinterlassen wird.[17] Der Hexenflug wird im Werk von Institoris und Kramer folgendermaßen beschrieben:

„Die Art aber des Ausfahrens ist diese: Wie sich nämlich aus dem Vorhergehenden ergeben hat, haben sie [die Hexen] sich eine Salbe aus den gekochten Gliedern von Kindern, besonders solcher, die vor der Taufe von ihnen getötet worden sind, zubereiten und nach der Anleitung des Dämons damit irgend einen Sitz oder ein Stück Holz zu bestreichen, worauf sie sich sofort in die Luft erheben, und zwar am Tage und in der Nacht, sichtbar wie auch unsichtbar.“[18]

Demnach bestreichen Hexen ein Stück Holz mit einer grünen Salbe, die es ihnen dann ermöglicht zu fliegen. Zusätzlich erwähnt Schmucker, dass, laut Institoris und Kramer, Hexen auch auf Besen, Ofengabeln oder Tieren ausreiten können. Das vierte Merkmal des Hexenwesens ist der Hexensabbat. Hier versammeln sich Hexen und Teufel zum gemeinsamen Mahl und Tanz und feiern ein orgiastisches Fest. Der letzte und wohl wichtigstes Aspekt der Hexerei ist der Schadenzauber. Hierunter fallen jegliche magische Missetaten, wie Herbeizaubern oder das Belegen von Menschen mit Krankheiten.[19]

2.2. Rezeption

Anfänglich war die Annahme und die Umsetzung des Hexenhammers träge, da die Inquisitoren Kramer und Institoris jedoch mit Vollmächten ausgestattet waren, wurde bereits 1484 im Zuge eine päpstlichen Bulle die Beseitigung des Wiederstandes angekündigt. Zunächst konzentrierten sich die Hexenverfolgungen auf Konstant, Straßburg und Ravensburg. Die Verfolgungen weiteten sich in den nächsten 30ig Jahren „rheinabwärts bis hin zur Nordsee aus.“[20]

In Bayern war der Einfluss des Hexenhammers eher gering, weshalb die Umsetzung in Städten wie Augsburg, Regensburg und Freising eher exemplarisch statt fand. Das Thema der Hexenverfolgung wurde auch von bayerischen Geistlichen nicht oder nur kaum in den Predigten thematisiert, was ganz im Gegensatz zu den Anordnungen der Inquisitoren stand.[21] „Grundsätzlich scheint sich die Rezeption des neuen Hexenglaubens in West-Ost-Richtung vollzogen zu haben.“[22] Das bedeutet wiederum nicht, dass im Herzogtum Bayern keine Hexenprozesse statt fanden, jedoch konnten bisher keine Quellen gefunden werden, die eine ähnliche Härte, wie die Prozesse der Inquisitoren, belegen.[23]

III. Familienkonstellation

Der Prozess der Maria bzw. Dorothea Braun basiert sowohl auf sozioökonomischen Umständen als auch auf einer Reihe familiärer Verknüpfungen. Im folgenden Abschnitt sollen deshalb die Familienverhältnisse näher erläutert werden, um anschließend im weiteren Verlauf die Zusammenhänge des Prozesses nachvollziehen zu können.

1. Familie Braun

Die Familie Braun setzt sich zusammen aus dem Vater Paulus Braun, der Mutter Dorothea Braun und drei Kindern. Die älteste Tochter Maria, Jakob und einem nicht namentlich genanntem Kind.

Der um 1603 geborene Paulus Braun verdiente als Vogelhäuslebauer, Guardisoldat und Pfleger den Lebensunterhalt der Familie. Dorothea Braun, geboren 1577, arbeitete ebenfalls als Pflegerin in der Krankenstube der Fuggerei.[24] Durch die konfessionelle Zugehörigkeit zum Katholizismus konnten beiden Eltern in der Fuggerei arbeiten und bekamen zusätzlich eine Wohnung in den Sozialsiedlungen der Fuggerei gegen geringe Miete gestellt. Die Wohnung bestand aus zwei Schlafkammern, einer Stube und einer Küche. Darüber hinaus beherbergten die Familie Braun noch einen Jesuitenschüler.[25]

[...]


[1] Schmucker, Anne: Sie starben als Hexen. Hexenprozesse in Augsburg, Augsburg/ Salzburg 2006, S.4.

[2] Ebd. S.17.

[3] Rau, Kurt: Augsburger Kinderhexenprozesse 1625-1730, Wien/ Köln/ Weimar 2006, S 117.

[4] Behringer, Wolfgang: Kulturgeschichte des Klimas. Von der Eiszeit bis zur globalen Erwärmung, München 2008, S119.

[5] Hier ist anzumerken, dass die „kleinen Eiszeit“, kein rein bayerisches Phänomen darstellte, sondern ganz Mitteleuropa betraf.

[6] Rau, Kurt: Kinderhexenprozesse, S. 117f.

[7] Behringer, Wolfgang: Hexenverfolgung in Bayern, München 1997, S.99.

[8] Rau, Kurt: Kinderhexenprozesse, S. 123.

[9] Ebd. S. 124.

[10] Rau, Kurt: Kinderhexenprozesse, S. 127.

[11] Ebd. S. 126f.

[12] Schmucker, Anne: Hexen, S. 24.

[13] Schmucler, Anne: Hexen, S. 6.

[14] Behringer, Wolfgang: Hexenverfolgungen, S. 77.

[15] Schmucker, Anne: Hexen, S. 6.

[16] Tschacher, Werner: Malleus Maleficarum (Hexenhammer). In: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller und Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/5937/, zuletzt aufgerufen am 5.2.15.

[17] Schmucker, Anne: Hexen, S. 6.

[18] Sprenger, Jakob; Institoris, Heinrich: Der Hexenhammer, 1468. http://gutenberg.spiegel.de/buch/der-hexenhammer-zweiter-teil-5867/4 (zuletzt aufgerufen am 7.2.15)

[19] Schmucker, Anne: Hexen, S. 6f.

[20] Behringer, Wolfgang: Hexenverfolgung, S, 79.

[21] Ebd. S.77-83.

[22] Ebd. S.83.

[23] Ebd. S. 84.

[24] Rau, Kurt: Kinderhexenprozesse, S. 128.

[25] Baumeister, Barbara: Der Beginn der Hexenverfolgung in Augsburg: der Prozeß gegen Dorothea Braun im Jahre 1625 - ein historischer Stadtrundgang, in: Schwäbischer Hauskalender, Augsburg 1997, S. 75.

Details

Seiten
16
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668539976
ISBN (Buch)
9783668539983
Dateigröße
623 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v376628
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,3
Schlagworte
hexenverfolgung hexenhammer bayerische geschichte

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