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Der Zentralverlag der NSDAP. Die Frühgeschichte der Franz Eher Nachfolger GmbH

Hausarbeit (Hauptseminar) 2016 18 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Frühgeschichte des Verlages
1. Die Vorläufer
1.1. Der Franz Eher Verlag 1900 – 1918
1.2. Der Verlag im Besitz der Thule-Gesellschaft 1918 – 1920
2. Der Verlag in den Händen der NSDAP
2.1. Die Vorgänge während der Verlagsübernahme
2.2. Der Verlag unter Max Amann
2.3. Der Hitlerputsch

III. Fazit

IV. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

„Die Aufgabe der deutschen Presse ist es, an der Herstellung einer einzigen, durch nationalsozialistische Weltanschauung verbundenen Gemeinschaft des gesamten deutschen Volkes mitzuarbeiten.“[1]

In diesem Zitat aus dem Jahr 1935, welches aus einer Rede Max Amanns stammt, werden die nationalsozialistischen Ziele in Bezug auf die Presse sehr deutlich. Es galt die Presse nach nationalsozialistischer Geisteshaltung zu formen und dem Volk diese mittels dieses Instrumentes zu indoktrinieren.[2]

Wesentlicher Bestandteil der nationalsozialistischen Pressearbeit war der Aufbau eines eigenen Verlags – dem Franz Eher Nachfolger Verlags oder auch Zentralverlag der NSDAP genannt. Genau jener Verlag steht auch im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit. Um den Rahmen der Ausarbeitung jedoch nicht zu sprengen, wird sich hierbei auf die Entstehungsgeschichte bis hin zum Hitlerputsch 1923 konzentriert. Das Jahr 1923 wurde deshalb als Zeitlichen Einschränkung für diese Ausarbeitung festgelegt, da das Parteiorgan „Der Völkische Beobachter“ und damit die Hauptaufgabe des Zentralverlags mit dem gescheiterten Putschversuch für eine längere Dauer verboten wurde, und somit als Einschnitt in die Frühgeschichte der Partei gesehen werden kann.­

Ziel dieser Ausarbeitung ist die Beantwortung folgender Fragen: Aus welchen Vorläufern entwickelte sich der Zentralverlag der NSDAP? Wie kam der Verlag in den Besitz Hitlers? Gab es während der Frühgeschichte bereits Kontakt mit dem Gesetz und eventuell sogar schon Verbote? Welche Rolle hatte Max Amann im Verlag inne? Und welche Auswirkungen hatte der Hitlerputsch auf den Verlag?

Begonnen wird die Aufarbeitung mit der ersten Phase des Verlages unter Franz Eher selbst. Dabei soll sowohl auf die historischen Ereignisse als auch auf die bereits zu diesem Zeitpunkt erkennbaren rechten Gedankenzüge in den Verlagsveröffentlichungen eingegangen werden. Im Folgenden wird sich der Zeit nach Ehers Tod und der Übernahme des Verlags durch die radikale Thule-Gesellschaft gewidmet.

Der nächste große Abschnitt beschäftigt sich mit dem Zeitraum 1920 bis 1923, indem der Verlag im Besitz der NSDAP war. Im Zuge dessen wird der Verlag unter der Führung Max Amanns näher untersucht.

Abschließend wird auf den Hitlerputsch und dessen Auswirkungen für den Zentralverlag der NSDAP eingegangen.

Wegen der schlechten Quellenlage, stützen sich die Ausführungen hauptsächlich auf das Werk Tavernaros „Der Verlag Hitlers und der NSDAP. Die Franz Eher Nachfolger GmbH“ und auf die Dissertation von Sonja Noller „Die Geschichte des Völkischen Beobachters von 1920 -1923.“

Letzteres beschäftigt sich zwar vorrangig mit der Geschichte des „Völkischen Beobachters“, jedoch war die Herausgabe dessen, Hauptaufgabe des Zentralverlags der NSDAP. Die Geschichte des Parteiorgans bietet deshalb die Möglichkeit auf die Geschichte des ganzen Verlages zu schließen, was bei der mangelnden Quellenlage sehr hilfreich erscheint. Des Weiteren wurden einige Aufsätze zu Max Amanns Biographie herangezogen, welche ebenfalls aufschlussreiche Erkenntnisse über den Verlag zu Zeiten Amanns als Pressechef lieferten.

II. Die Frühgeschichte des Verlages

1. Die Vorläufer

1.1. Der Franz Eher Verlag 1900 – 1918

Im Jahr 1851 wurde Franz Xaver Eher in München geboren. Als Anfang seiner Verlagskarriere ist die Herausgabe des Blattes „Der Bayerische Metzgermeister“ ab 1889 im Verlag Joh. Naderer und Franz Joseph Eher bekannt.

Der für den späteren Verlauf der Verlagsgeschichte so wichtige Schritt, die Herausgabe des Münchener Beobachters wurde im Jahr 1988 vollzogen. Der Münchener Beobachter, mit dem Untertitel Unabhängige Tageszeitung. Organ der östlichen Stadttheile, erschien jeden Sonntag und hatte eine Auflagenstärke von ca. 2000 Stück.[3]

Ab der 9. Ausgabe des Münchener Beobachters lief die Herausgabe nicht mehr unter dem Joh. Naderer und Franz Joseph Eher Verlag sondern unter dem Verlag Anton Kaiser und Franz Joseph Eher.

Bereits einige Wochen später, im April 1900, kam es erneut zu einer Neuerung. Zuerst setzte die Herausgabe gänzlich aus und anschließend lief sie ausschließlich auf den Verlagsinhaber Franz Joseph Eher. Eher informierte den Leser über diese Umwandlung, pochte jedoch auf die weiterhin bestehende Unparteilichkeit des Münchener Beobachters. Zusätzlich änderte Eher den Untertitle in Unabhängige Bürgerzeitung, Organ der östlichen Stadttheile.[4]

In den darauffolgenden Jahren änderte Eher den Untertitel weitere zwei Mal. Besonders beschwerlich war die Herausgabe der Wochenzeitung in der Phase des ersten Weltkrieges. So erschien diese zeitweise nur zwei bzw. dreimal im Monat.

Der erste große Abschnitt des Franz-Eher Verlags nahm mit dem Tod Ehers im Juni 1918 ein Ende.[5]

In dieser Phase des Franz Eher Verlags spielte die Nationalsozialistischen Weltanschauung zwar noch keine große Rolle, jedoch war an der inhaltlichen Ausrichtung des Münchener Beobachters die Kernidee der späteren Nationalsozialistischen Ideologie bereits zu erkennen. So veröffentliche Eher Artikel mit den Überschriften „ Bischöfe jüdischer Abstammung“, „Unsere verjudete Gemeindeverwaltung“ und schrieb von der „weißen, christlichen Rasse“.[6] Weshalb sich die spätere nationalsozialistische Partei, also für die Übernahme genau diesen Verlages entschied, ist wohl unverkennbar.

1.2. Der Verlag im Besitz der Thule-Gesellschaft 1918 – 1920

Der zweite große Abschnitt im Werdegang des Zentralverlags der NSDAP wird durch „die Übernahme des Münchener Beobachters und damit des Franz Eher Verlages durch radikale rechte politische Kräfte Münchens“[7] gezeichnet.

Im August 1900 übergab Franz Ehers Witwe, Friederike Eher, die redaktionelle Leitung an Rudolf von Sebottendorf und dessen Lebensgefährtin Käthe Bierbaum. Die Anschrift des Verlages lief jedoch weiterhin auf die Wohnadresse der Ehers.

Rudolf von Sebottendorf, welcher mit richtigem Namen Adam Alfred Rudolf Glauer hieß, war Leiter der Thule-Gesellschaft. Betrachtet man die Thule-Gesellschaft näher, so werden die Ideologischen Überschneidung der Ehers und jener Gesellschaft, und somit der Übertragung der redaktionellen Leitung an Sebottendorf deutlich und nachvollziehbar.[8]

Rudolf von Sebottendorf gründete im August 1918 die Thule-Gesellschaft aus einem ehemaligen Germanenorden heraus. Nach dem Sturz der Monarchie im gleichen Jahr formierte sich die Gesellschaft zu einer der gegenrevolutionären Institutionen in München und gilt somit als Vorreiter der nationalsozialistischen Bewegung. Des Weiteren unterstützte die Thule-Gesellschaft den Aufbau der Deutschen Arbeiter Partei (DAP), aus welcher später die NSDAP hervorging. So bot die Gesellschaft bereits in diesen Jahren ein Forum für die späteren Protagonisten der NSDAP, exemplarisch hierfür stehen Alfred Rosenberg und Rudolf Heß. Ab der Mitte der 1920 sank der Einfluss der Thule Gesellschaft und sie verlor stark an Bedeutung.[9]

So viel zum historischen Hintergrund der Thule-Gesellschaft, welcher zu einem besseren Verständnis der Rolle jener Gesellschaft in der Verlagsgeschichte beitragen soll.

Der Neugewonnene Einfluss der rechten Thule-Gesellschaft spiegelte sich in den Ausgaben des Münchener Beobachter s ab Ende August wieder. So wurde der Untertitel in Unabhängige Zeitung für nationale und völkische Politik geändert.[10]

Am 30 September 1919 übernahm die Thule-Gesellschaft den Verlag gänzlich und so wurde der Franz-Eher Nachfolger Verlag in eine GmbH umgewandelt. So verzeichnet Noller auf Grundlage der Registerakten des Amtsgerichts München (Nr.1649/19) folgende Informationen:

„Kapital 120 000 M, davon:

Frl. Käthe Bierbaumer 110 000 M

Frau Dora Kunze, geb, Glauer in Lauban 10 000 M

Bezahlt Frl. Bierbaum durch Einbringung

Bisherigen Fa. Verlag Franz Eher Nachf.

in München, durch alle Verlagsrechte,

Guthaben und Inventar der Firma 110 000 M

Bar bezahlt Frau Kunze 10 000 M

Praesens Frl. Käthe Bierbaumer, München

Thierschstr. 15

Rechtsanwalt Dahn für Frau Dora Kunze,

Lauban

Richtigstellung: Wert der Sacheinlage 91 600 M

Wert der Barbeträge 18 400 M[11]

Aus diesen Informationen lässt sich schließen, dass sowohl Käthe Bierbaumer und als auch Dora Kunze, bei der es sich um Sebottendorfs Schwester handelte, die Gesellschafterinnen des Franz-Eher Nachf. Sebottendorf selbst, wird mit keinem Wort im Vertrag erwähnt. Im Jahr 1919 wurde zusätzlich beschlossen, dass die Franz Eher Nachf. GmbH durch einen Geschäftsführer repräsentiert werden sollte – hierfür wurde Franz Xaver Eder ernannt. Im selben Jahr übergab Dora Kunze, ihrem Bruder die Vollmacht ihre Interessen im Verlag zu vertreten.[12]

Des Weiteren ereignete sich eine weitere Wichtige Neuerung, die Verlag zog in die Schellingstraße 41 um und der Druck wurde fortan von der Druckerei M. Müller & Sohn übernommen.[13]

[...]


[1] Rede von Max Amman: Es gibt nur eine deutsche Presse, in: Zeitungs-Verlag (ZV). Berlin 1936. Jg./Nr. 17. Vom 27. April 1935. S. 279f. Zitiert nach: Wermuth, Helga: Max Amann (1891 -1957), in: Fischer, Heinz-Dietrich (Hrsg.) : Deutsche Presseverleger des 18.bis 20.Jahrhunderts. München 1975.S. 356

[2] Wermuth, Helga: Max Amann (1891 -1957), in: Fischer, Heinz-Dietrich (Hrsg.) : Deutsche Presseverleger des 18.bis 20.Jahrhunderts. München 1975.S. 356

[3] Tavernaro, Thomas: Der Verlag Hitlers und der NSDAP. Die Franz Eher Nachfolger GmbH. Wien 2004. S. 21.

[4] Tavernaro, Thomas: Der Verlag Hitlers. 2004 und der NSDAP. Die Franz Eher Nachfolger GmbH. Wien 2004. S. 21f.

[5] Dresler, Adolf: Der Münchener Beobachter: 1887 - 1918. Würzburg, Trilitsch 1940. S.30 - 31.

[6] Dresler, Adolf: Der Münchener Beobachter. Würzburg, Trilitsch 1940. S. 26.

[7] Tavernaro, Thomas: Der Verlag Hitlers und der NSDAP. Die Franz Eher Nachfolger GmbH. Wien 2004. S.23.

[8] Tavernaro, Thomas: Der Verlag Hitlers und der NSDAP. Die Franz Eher Nachfolger GmbH. Wien 2004. S: 23.

[9] Gilbhard, Hermann: Thule-Gesellschaft, 1918-1933, in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Thule-Gesellschaft, 1918-1933. Zuletzt geöffnet am 5.09.2016.

[10] Tavernaro, Thomas: Der Verlag Hitlers und der NSDAP. Die Franz Eher Nachfolger GmbH. Wien 2004 S. 23f.

[11] Noller,Sonja: Die Geschichte des Völkischen Beobachters“ von 1920-1923, Diss. phil. masch. München 1956. S. 232.

[12] Tavernaro, Thomas: Der Verlag Hitlers und der NSDAP. Die Franz Eher Nachfolger GmbH. Wien 2004. 26f.

[13] Tavernaro, Thomas: Der Verlag Hitlers und der NSDAP. Die Franz Eher Nachfolger GmbH. Wien 2004 S. 27.

Details

Seiten
18
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668540460
ISBN (Buch)
9783668540477
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v376627
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,7
Schlagworte
zentralverlag nsdap frühgeschichte franz eher nachfolger gmbh

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