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Erneuerung des Bistums Merseburg im Jahr 1004. Warum wurde das Bistum unter Otto II. aufgelöst und welche Gründe hatte Heinrich II. für die Wiedereinsetzung?

Hausarbeit 2013 13 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Altertum

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Aufbau und formale Kritik
2.1 Aufbau
2.2 Formale Kritik

3. Geschichtlicher Kontext
3.1 Erhebung Merseburgszum Bistum
3.2. Die Aufhebung
3.3 Die Wiederherstellung des Bistums

4. Bestimmungen der Urkunde
4.1. Schenkung von Gebieten
4.2 Übertragung von Rechten

5. Schluss

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Er rief alle Großen des Reichs zu sich und gab das Bistum der heiligen Merseburger Kirche einem seiner Kapläne namens Wigbert mit dem Stab Erzbischof Taginos. Damit gab dieser zurück, was sein Vorgänger zu Unrecht von dieser Kirche weggenommen hatte, und willigte in die Erneuerung ein. Dem stimmten Bischof Arnulf und die Bischöfe Eid und Hildeward zu, unter deren Diözesen diese Kirche aufgeteilt worden war, und alles Volk applaudierte."[1]

Das aufgeführte Zitat aus der Chronik des Thietmars von Merseburg, dem wohl wichtigsten Chronisten zur Zeit Heinrichs II., umreißt kurz und sachlich die Erneuerung des Bistums Merseburg im Jahr 1004.

In der vorliegenden Arbeit soll diese Wiedereinsetzung, anhand der von Heinrich II. Unterzeichneten Urkunde, genauer untersucht werden. Zu Beginn wird der formale Aufbau, sowie die Echtheit der Urkunde überprüft. Anschließend soll ein kurzer Einblick in die Vorgeschichte des Bistums gegeben werden. Fragen wie, „Warum wurde das Bistum unter Otto II. aufgelöst und welche Gründe hatte Heinrich II. für die Wiedereinsetzung?“, sollen in diesem Teil der Ausarbeitung geklärt werden. Nachfolgend wird sich mit den in der Urkunde enthaltenen Bestimmungen auseinander gesetzt sowie mit den dadurch entstanden Folgen, sowohl für das Bistum selbst, aber auch für die umliegenden Bistümer.

Nach dem Überblick über die Erhebung, Auflösung und Erneuerung des Bistums Merseburg werden zum Abschluss noch einmal die Gründe und Auswirkungen die Wiederherstellung diskutiert und hinterfragt, von welcher Dauerhaftigkeit diese war.

Die Hauptinformationsquelle dieser Ausarbeitung ist natürlich die Urkunde selbst, jedoch bieten auch Primärquellen, wie die Chronik von Thietmar von Merseburg oder die Regesta Imperii, einige nützliche Hintergrundinformationen über die Zeit der Erneuerung.

2. Aufbau und formale Kritik 2.1 Aufbau

Die typische Dreiteilung im Aufbau einer Urkunde in Protokoll, Kontext und Schlussprotokoll, lässt sich auch in der uns vorliegenden Urkunde deutlich erkennen. Das Protokoll wird mit der Invocatio, der Anrufung Gottes ,, Im Namen der heiligen und unteilbaren Dreieinigkeit“[2] begonnen, daraufhin folgt die Nennung des Urkunden Ausstellers, die Intitulatio, in unserem Fall „Heinrich, König von Gottes Gnaden“. Durch die Intitulatio wird die Herrschaft Heinrichs und somit auch die Ausstellung der Urkunde legitimiert. Der Kontextteil beginnt nicht wie üblich mit einer Arenga, sondern direkt mit derVerkündungsformel, der Promulgano. Anschließend wird in der Narratio die Vorgeschichte, also die Erhebung Merseburgs zu einem Bistum unter Kaiser Otto sowie die Auflösung und Umwandlung in ein Kloster erläutert und somit zum eigentlichen Inhalt, der Erneuerung des Bistums, hingeführt. An dieser Stelle werden dann in der Disposino die rechtlichen Verfügungen, beispielsweise die Schenkung verschiedener Ortschaften , aufgezählt. Im Anschluss daran folgt die Sandio negativa, die Erläuterung der Strafe, hier „der Zorn des obersten ewigen Richters“ für diejenigen, die gegen die Urkunde verstoßen. Abgeschlossen wird der Kontext mit der Beglaubigung, Corroborano, der Urkunde, welche die Gültigkeit und das Ansehen des Herrschers noch einmal bekräftigt. Das Schlussprotokoll wird durch Unterschriften eingeleitet. Es folgt die Nennung des Zeugen „Egilbert“ sowie die Datierung auf den „vierten Tag des März Indiktion I, im Jahre 1004 der Fleischwerdung des Herrn, im 2. Jahr der Herrschaft des Herrn Heinrichs II, geschehen in Wallhausen“.

2.2 Formale Kritik

Die zu untersuchende Urkunde MGH DH II Nr. 64, ist die erste von zwei Urkunden, welche im Zusammenhang mit der Erneuerung des Bistums Merseburg verliehenen wurden und stützt sich in ihrem Aufbau auf Vorkurkunden von Otto I. und Otto II..[3] Die als Original erachtete Urkunde ist uns erhalten geblieben und wird im Mersburger Domstiftsarchiv aufbewahrt. Die genaue Einschätzung der Echtheit einer Urkunde, ist sehr schwierig, jedoch unterstützen uns die Regesta Imperii hierbei signifikant. Laut den RI, hielt sich Heinrich II. am 4. und 5. März in Wallhausen auf. Sowohl der 4. März, als auch Wallhausen werden als Beglaubigungsdatum und -Ort auf der Urkunde aufgeführt. Ein weiteres Indiz dafür, dass das Dokument keine Fälschung ist, sind die uns erhaltenen Reste des Siegels auf der Urkunde. Der Historiker Harry Breslau, ist in seinen Forschungen jedoch zu dem Entschluss gekommen, dass sowohl das Datum als auch der Ausstellungsort nachgetragen wurden. Selbige Meinung wird von ihm über Ausstellungsort - und Datum der 2. Urkunde zur Erneuerung des Bistums vertreten.[4] Ob diese Erkenntnis ausreichend dafür ist, eine Evaluirung über die Echtheit des Dokuments festzulegen, ist jedoch fraglich. So sind subjektiv gesehen Heinrichs Bemühung zur Wiederherstellung des Bistums ausreichend dokumentiert und auch die Überreste des Siegels ist ein eindeutiger Hinweis auf die Originalität des Dokuments. Ganz im Gegenteil zur zweiten Urkunde, wird die Erste in der Forschung nicht als Fälschung erachtet. Das zweite Dokument ist nur in Kopie erhalten und soll laut Walther Schlesinger einer Fälschung Thietmars sein.[5]

2. Geschichtlicher Kontext

3.1 Erhebung Merseburgszum Bistum

Das Bistum Merseburg wurde in der Regierungszeit von Otto dem Großen errichtet, welches im Rahmen seiner Ostpolitik noch eine der bedeutende Rolle spielen sollte. Wie die meisten Herrscher des Mittelalters, verfolgte auch Otto I. das Ziel der Missionierung. Während des Krieges gegen die Ungarn 955, schwor Otto, dass er im Falle eines Sieges, die Stadt Merseburg zu Ehren des heiligen Laurentius zu einem Bistum erheben würde.[6] Nach einem Sieg über die Ungarn, 962, wurde dem Plan der Errichtung des Bistums Merseburg in einer Bulle des Papstes zugestimmt. In einer Synode 967 in Ravenna, erfolgte die schon länger geplante Errichtung des Erzbistums Magdeburg; Im darauffolgendem Jahr wurde Merseburg als Suffraganbistum von Magdeburg errichtet und Mönch Boso zum Bischof ernannt. Das Bistum wurde vom König reich beschenkt und erhielt Ortschaften so wie Immunität[7].[8]

3.2. Die Aufhebung

Nach dem Tod von Boso, folgte Giselher auf den Merseburger Bischofsstuhl. Giselher, der durch seine Teilnahme am Italienfeldzug von 980 eine enge Beziehung zu Otto II. pflegte, machte sich schon früh Hoffnungen auf das Erzbistum Magdeburg. Als der Erzbischof Adalbert von Magdeburg 981 starb, wurde Giselher als Nachfolger eingesetzt und das Bistum Merseburg abgesetzt.[9] Im Zuge der Aufhebung wurden die Gebiete, welche zuvor Merseburg unterstellt waren unter den Bistümern, Halberstadt, Meißen und Zeitz aufgeteilt. Alle Gebiete links der Saale wurden an Meißen oder Zeitz abgetreten und alle Regionen rechts der Saale an Halberstadt.[10] Die Gründe der Aufhebung sind in der Literatur umstritten.

Zum einen wird Thietmar aufgeführt, welcher allein Giselher und dessen Streben nach Macht verantwortlich macht[11], zum anderen jedoch wird in den Gesta episcorum von Halbertstadt[12] erwähnt, dass die die anderen Bistümer.

[...]


[1] Thietmar, VI1, S. 274; Übersetzung S.243/245.

[2] Die in diesem Kapitel angegeben Zitate sind Auszüge aus der zu interpretierenden Urkunde (MGH DH II. 64)

[3] Schneidmüller, S. 22

[4] RI II,4 n. 1557

[5] Schneidmüller, S. 22

[6] Brodkorb, S 437

[7] Immunität: Als Begriff der Mittelalterlichen Verwaltungssprache taucht iml.im 4. und im 5, Jh . auf. Abgeleitet von lat. munus („Dienst, Amt, Gunst, Geschenk“) bezeichnet erais rechtstechn. Formel in spätanitikerZeit Befreiung von öffentl. Lasten aller Art, die gelegentl. mit Auflagen verbunden sind. (Lexikon des Mittelalters, Sp. 390)

[8] Lexikon des Mittelalters Online, Sp. 546-547

[9] Brodkorb, S 438f

[10] RI 11,2 n. 856b

[11] Holtzmann, S 103

[12] Halberstadt war zu dieser Zeit ebenfalls ein Bistum, welches auch als Gegenspieler Merseburgs bekannt war. (Althoff, S 270)

Details

Seiten
13
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668539082
ISBN (Buch)
9783668539099
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v376622
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,3
Schlagworte
erneuerung bistums merseburg jahr warum bistum otto gründe heinrich wiedereinsetzung

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