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Die Rechtschreibreform von 1996/2004. Ein Überblick über die wichtigsten Änderungen

Hausarbeit 2012 14 Seiten

Germanistik - Semiotik, Pragmatik, Semantik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung: Die Reform und die Folgen

Die wichtigsten Änderungen
1 Laut-Buchstaben-Zuordnung
2 Getrennt- und Zusammenschreibung
3 Schreibung mit Bindestrich
4 Groß- und Kleinschreibung
5 Zeichensetzung
6 Worttrennung am Zeilenende

Fazit

Bibliographie

Einleitung: Die Reform und die Folgen

Die Rechtschreibreform von 1996 hat für viel Wirbel gesorgt. Ganze Prozesse wurden, wenn auch teilweise nicht konsequent,[1] dagegen geführt. Die Umsetzung der von Sprachwissenschaftlern, Didaktikern und Lehrern der deutschsprachigen Staaten vorgestellten Reform wurde nicht verhindert, im Gegenteil: Das Bundesverfassungsgericht erklärte die Reform für rechtens, sodass die auf der 3. Wiener Konferenz im Herbst 1994 beschlossene Neu­regelung wie geplant eingeführt wurde.

Ziel der geänderten Norm war es, die Rechtschreibung im deutschen Sprach­raum leichter handhabbar und erlernbar zu machen. Bisher hatte die amtliche Regelung von 1902 gegolten, die jedoch inzwischen überholungsbedürftig geworden war.

Besonders empört waren die Reaktionen auf die Änderung der Verwendung von ß und ss (für die entsprechende Regeländerung s. u.). Die Verantwortlichen wiesen allerdings zurecht darauf hin, dass die Reform, abgesehen von der gerade genannten Neuregelung, lediglich 0,5 % der Wörter im Deutschen betrifft[2] und dass größere inhaltliche Änderungen innerhalb der bestehenden Schreibkonvention (welche durch die Reform möglichst nicht tangiert werden sollte) gar nicht möglich sind.[3] Um der anhaltenden Kritik zu begegnen, wurde 2004 der Rat für deutsche Rechtschreibung eingesetzt, der u. a. Vereinheitlich­ungen bei Entweder-Oder-Regelungen ausarbeitete. Die nachträglichen Ände­rungen wurden 2006 veröffentlicht, 2010 folgten weitere Nachträge. In meiner Arbeit folge ich der letzten Version der Rechtschreibreform von 2011.

Gerhard Augst spricht in seinem Artikel[4] immer wieder von ‚Vorschlag’, und in der Tat hat die Reform lediglich für Institutionen mit Regelungskompetenz (vor allem Schulen) Verbindlichkeit. Für Privatpersonen dient sie zum Vorbild, wobei sich zeigt, dass sich in Normalfall die amtliche Schreibung durchsetzt und selbst von ‚Hausorthographien’ wie der der deutschen Presseagenturen ‚keine gravierenden Folgen für die Einheitlichkeit der Schreibung’[5] zu erwarten sind.

Doch worum geht es bei der Rechtschreibreform überhaupt? Im Folgenden gebe ich einen Überblick über die wichtigsten Neuregelungen. Ich gehe hierbei nicht auf alle Einzelfälle ein, da dies den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, zumal das Regelwerk in einigen Fällen auch (bewusst) Interpretationsspielraum lässt.

Die wichtigsten Änderungen

Aus Gründen der Übersicht folge ich in meiner Darstellung der Einteilung des Instituts für Deutsche Sprache in der Sonderausgabe des Sprachreports von 2011.[6]

1 Laut-Buchstaben-Zuordnung

Allgemeines: Die grundsätzlichen Überlegungen zu den untenstehenden Änderungen beziehen sich besonders auf den Erhalt von Stammschreibungen. Diese sollen Klarheit bezüglich der Schreibung schaffen, nach dem Motto: ‚Wenn das Substantiv Hand mit a geschrieben wird, kann ich davon ausgehen, dass davon abgeleitete Wörter ebenfalls mit a geschrieben werden.’ Zudem wurde im Bereich der Fremdwortschreibung der zunehmenden ‚Eindeut­schung’ verschiedener Begriffe Rechnung getragen, sodass nun auch eine Schrei­bung möglich ist, die den deutschen Rechtschreibregeln entspricht.

Herstellung einer tatsächlichen oder angenommenen Wortverwandtschaft in Einzelfällen: Behände wurde bisher mit e geschrieben, jetzt ist auch die Version mit ä möglich, da von einer Wortverwandtschaft mit Hand ausgegangen werden kann. Ebenso verhält es sich bei Wörtern, die bisher mit einem Konsonanten geschrieben wurden, das verwandte Wort jedoch mit zwei: nummerieren statt zuvor numerieren.

Doppel-S statt ß nach kurzem Vokal: Im Vergleich zu den anderen Neuregelungen betrifft diese deutlich mehr Wörter, nämlich alle, die bisher mit ß nach einem kurzen Vokal geschrieben wurden. Die Änderung in Doppel-S im Auslaut von Wortstämmen sorgt für eine einheitliche Schreibung der Wörter auch in ihren flektierten Formen; so wurde bisher müssen mit Doppel-S geschrieben, während die abgeleitete erste Person Singular mit ß geschrieben wurde: muß. Zusätzlich schafft die Neuregelung Klarheit bezüglich der Vokallänge – das ß steht nur noch nach langem Vokal wie bei Gruß. So wird nun auch die Konjunktion dass mit zwei s geschrieben.

Erhalt der Stammschreibung: Vor der Reform wurden Konsonantenhäufungen in zusammengesetzten Substantiven und Verben stets vermieden, jetzt wird diese Regel zugunsten der Stammschreibung aufgegeben, d. h. jedes Wort behält auch in der Zusammensetzung seine ursprüngliche Form. So schreibt man Balletttänzer mit drei t, wo bisher nur zwei t gestanden hatten. Dies betrifft auch die Substantivierungen mit –heit: Rohheit statt Roheit. Ausnahmen bilden die in der vorliegenden Form bereits zu gebräuchlichen Wörter wie dennoch (eigentlich denn + noch), deren Änderung ein zu starker Eingriff in den üblichen Sprachgebrauch darstellte.

Schreibung der Fremdwörter: Besonders relevant ist hier angesichts der wichtigen Rolle des Englischen in der Alltagssprache die Pluralbildung der englischen Fremdwörter auf –y wie Hobby. Während im Englischen der Plural regelmäßig auf –ies gebildet wird, hält man sich im Deutschen an die unkompliziertere Pluralbildung, die lediglich ein –s anfügt. Auch bei der Schreibung von Fremdwörtern sind zunehmend ‚eingedeutschte’ Versionen möglich: Bei den französischen Wörtern, die normalerweise einen Accent aigu am Ende tragen, wird zusätzlich zu dieser im französischen korrekten Schreibung auch die deutsche Version mit Doppel-E angeboten, sodass sowohl passé als auch passee (Doppel-e zur Markierung der Vokallänge, nach ss würde das e sonst kurz gesprochen) möglich sind.

Eine weitere Änderung im Bereich der Fremdwörter betrifft die abgeleiteten Formen von Substantiven auf –anz bzw. –enz. Bisher wurden diese Ableitungen, z. B. Adjektive, stets mit t geschrieben: differentiell. Inzwischen ist auch die Form mit z möglich, da das Substantiv im Deutschen ebenfalls auf z endet, also essenziell zu Essenz etc.

Variantenschreibung wurde auch bei Wörtern mit –graph bzw. –phon oder
–phot eingeführt. Die bisherige Schreibung lautete stets auf –ph, die Reform beschließt nun, dass auch die Schreibung mit f wie bei Fotografie möglich ist.

2 Getrennt- und Zusammenschreibung

Allgemeines: Die Hauptüberlegung des Rats für deutsche Rechtschreibung besteht darin, der Getrennt- und Zusammenschreibung jeweils eine unterschiedliche Funktion bzw. Bedeutung zuzumessen. Die ursprüngliche Fassung der Reform sah die Getrenntschreibung als Regelfall vor, diese Normierung wurde jedoch 2006 mit der geänderten Fassung der Reform wieder revidiert. Dieser Bereich der Rechtschreibung ist aufgrund der speziellen Kompositabildung im Deutschen sehr schwierig und die Regelungen deutlich komplizierter als in den anderen Bereichen.

[...]


[1] Ein Elternpaar zog die Klage vor der Urteilsverkündung zurück, vgl. Zimmer 1998.

[2] vgl. ebd.

[3] Augst 1995

[4] ebd.

[5] Wermke 2001

[6] Güthert 2011

Details

Seiten
14
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668539532
ISBN (Buch)
9783668539549
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v376620
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,0
Schlagworte
Rechtschreibreform Zeichensetzung Rechtschreibung

Autor

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Titel: Die Rechtschreibreform von 1996/2004. Ein Überblick über die wichtigsten Änderungen