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Alleinerziehende Mütter von minderjährigen Kindern in Deutschland. Welche Probleme ergeben sich aus Sicht der Betroffenen?

Hausarbeit 2016 30 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Begriffsbestimmung
2.2 Verbreitung und historischer Wandel der Familienform
2.3 Wirtschaftliche Lage
2.4 Mehrbelastung von Alleinverantwortlichkeit
2.5 Kinderbetreuung
2.6 Selbstbild vs. Fremdbild
2.7 Alleinerziehende aus Sicht der Kinder- und Jugendhilfe

3 Methodik
3.1 Leitfadeninterview als Erhebungsmethode
3.2 Feldzugang
3.3 Qualitative Inhaltsanalyse als Auswertungsmethode

4 Ergebnisdarstellung und -interpretation
4.1 Erfahrung mit Vorurteilen
4.2 Vereinbarkeit von Familie und Beruf
4.3 Wohnsituation
4.4 Ungleichheit zwischen der eigenen Einkommenssituation und dem Bezug von Transferleistungen
4.5 Fehlende Unterstützung

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

„Die Zahl der Alleinerziehenden mit minderjährigen Kindern hat sich zwischen 1996 und 2014 von 1,3 Millionen auf gut 1,6 Millionen erhöht (+ 335 000)“ (Statistisches Bundesamt (Destatis) 2016b).

Dieses Zitat ist Teil der Pressemitteilung, die das Statistische Bundesamt Anfang des Jahres 2016 unter der Rubrik „Zahl der Woche“ veröffentlicht hat. Im Jahr 2014 wurden in Deutschland ca. 8,1 Millionen Familien, in denen minderjährige Kinder leben, gezählt. Im Vergleich zum Jahre 2004 sind dies ca. 1 Millionen Familien weniger (-10 Prozent). Als Familie wird nach der Definition des Statistischen Bun- desamt jedoch nicht nur die als traditionell bezeichnetet Familienform, die Ehe- paare mit Kindern, gezählt, sondern auch Lebensgemeinschaften, d.h. nicht ehe- liche oder gleich geschlechtliche Paare mit Kindern in einem Haushalt, oder allein- erziehende Mütter und Väter. Im Jahr 2014 sind von den 8,1 Millionen Familien ca. 1,6 Millionen alleinerziehend und ca. 5,6 Millionen Ehepaare mit Kindern. Die Zahl der Ehepaare mit Kindern ist zwischen den Jahren 2004 und 2014 um 17 Prozent gesunken, während die Zahl der Lebensgemeinschaften um 22 Prozent und die der Alleinerziehenden um vier Prozent gestiegen ist. Betrachtet man diese Ent- wicklung der Familienformen in den letzten zehn Jahren wird deutlich, dass die traditionelle Familienform kontinuierlich weniger werden. Die alternativen Familien- formen, wozu die Lebensgemeinschaften und Alleinerziehenden zählen, gewinnen daher immer mehr an Bedeutung (vgl. Destatis 2016a, S. 51 f.).

Die Familienform des Alleinerziehens stellt keinesfalls mehr eine Ausnahme dar. Dennoch haben die Betroffenen oftmals mit Problemen zu kämpfen, die aufgrund ihrer Lebenssituation entstehen. Verglichen mit Personen anderer Familienformen befinden sich Alleinerziehende deutlich häufiger in einer schlechten wirtschaftli- chen Lage. „Alleinerziehende zählen neben kinderreichen Familien und Auslän- dern zu den Gruppen, die besonders häufig in prekären Einkommensverhältnissen leben und einem erhöhten Armutsrisiko ausgesetzt sind“ (Peuckert 2012, S. 354). Alleinerziehende bilden „allerdings keine homogene Gruppe“ (ebd., S. 355). So treffen die oben genannten Fakten nicht auf alle Alleinerziehende zu. Bei ca. 89 Prozent der Alleinerziehenden stellt die eigene Berufstätigkeit die Quelle des über- wiegenden Lebensunterhaltes der Familie dar (vgl. Destatis 2014b, S. 744). Damit dies möglich ist, müssen Alleinerziehende oft eine Vollzeitstelle annehmen. 42 Prozent der Alleinerziehende und nur 25 Prozent der Mütter aus Paarfamilien ar- beiten in Vollzeit (vgl. ebd., S. 740). Die damit verbundene hohe Anzahl an Stun- den, in denen die alleinerziehenden Mütter nicht zuhause sind, lässt darauf schlie- ßen, dass sich bei den Betroffenen neben den finanziellen Problemen auch im Hinblick auf die Kinderbetreuung oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf etwaige Probleme ergeben.

Des Weiteren ist alleinerziehend zu sein mit Vorurteilen verbunden, sodass Alleinerziehende mehrfach Diskriminierungen erfahren müssen, z.B. am Arbeitsplatz o- der in der Schule der Kinder. Ihnen wird nachgesagt, dass sie u.a. unzuverlässig oder mit der Erziehung der Kinder überfordert seien (vgl. Bundesministerium für Frauen, Senioren, Familie und Jugend (BMFSFJ) 2011, S. 30 f.).

Angesichts der Tatsache, dass die Zahl der Alleinerziehenden in Deutschland ste- tig steigt, während die Zahl der Familien sinkt und den ebenfalls bereits genannten Fakten zu den problematischen Lebenslagen Alleinerziehender, entstand das For- schungsinteresse dieser Arbeit. Ziel dieser soll die Beantwortung der Frage sein, welche Probleme sich für alleinerziehende Mütter von minderjährigen Kindern in Deutschland aus deren Sicht bei ihrer Familienform ergeben. Daran angeschlos- sen ist die Frage, inwiefern Soziale Arbeit die Betroffenen bei der Bewältigung ihrer Probleme entlasten kann. Da von den im Jahr 2014 1,6 Millionen Alleinerziehen- den in Deutschland ca. 1,5 Millionen Mütter und lediglich 180 000 Väter waren (vgl. Destatis 2016a, S. 47), wird der Fokus der Arbeit sich auf die alleinerziehenden Mütter richten.

Zu Beginn dieser Arbeit soll zunächst der Begriff „alleinerziehend“ (2.1) und die Verbreitung der Familienform sowie die Veränderungen dieser in den letzten Jah- ren (2.2) untersucht werden. In den Kapiteln Wirtschaftliche Lage (2.3), Mehrbe- lastung und Alleinverantwortlichkeit (2.4), Kinderbetreuungsmöglichkeiten (2.5) und Selbstbild vs. Fremdbild (2.6) soll ein Überblick über den vorhandenen For- schungsstand gegeben werden. Zudem werden im Kapitel 2.7 die Alleinerziehen- den aus Sicht der Kinder- und Jugendhilfe betrachtet. Im folgenden Methodenteil wird an erster Stelle die für dieses Forschungsprojekt gewählte Erhebungsme- thode, das Leitfadeninterview (3.1), erläutert. Des Weiteren wird der Feldzugang (3.2) sowie die qualitative Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring als Auswertungs- methode (3.3) beschrieben. Im Anschluss daran werden die Beobachtungen des Forschungsprojektes geschildert. Schwerpunkte liegen bei den Themen Erfahrung mit Vorurteilen (4.1), Vereinbarkeit von Familie und Beruf (4.2), Wohnsituation (4.3), Ungleichheit zwischen der eigenen Einkommenssituation und dem Bezug von Transferleistungen (4.4) und fehlende Unterstützung (4.5). Das abschließende Fazit dient der retrospektiven Betrachtung der Fragestellung in Verbindung mit dem aktuellen Stand der Forschung und lässt Platz für eine Diskussion in Bezug auf Interventionsmöglichkeiten der sozialen Arbeit für alleinerziehende Mütter.

2 Theoretische Grundlagen

Innerhalb dieses Kapitels wird der aktuelle Forschungsstand erörtert. Dies stellt die Grundlage für das Verständnis der empirischen Untersuchung dar. Das Haupt- augenmerk liegt hierbei auf der Begriffsdefinition und der Verbreitung der Fami- lienform sowie die in der gegenwärtigen Literatur genannten Problemsituation Al- leinerziehender.

2.1 Begriffsbestimmung

Befasst man sich mit dem Thema „alleinerziehend“ stößt man in der Literatur auf eine Vielfalt an Begriffen, wie z.B. „Ein-Eltern-Familie“ oder „Single-Mütter“, aber auf keine allgemeingültige Definition, welche Personen als „alleinerziehend“ gel- ten. Als wohl verbreitetste Definition sei jedoch die des Statistischen Bundesamtes genannt. Demnach sind „alle Mütter und Väter, die ohne Ehe- oder Lebenspartne- rIn mit ledigen Kindern im Haushalt zusammenleben“ (Destatis 2016a, S. 47) al- leinerziehend.

Aus Sicht der Betroffenen ist diese Definition hingegen falsch. Für die Alleinerzie- henden ist nicht entscheidend, wie die aktuelle Haushaltssituation, sondern wie die Verantwortungsverteilung bzgl. des Kindes aussieht. So würden sich auch Mütter, die bereits mit einem neuen Partner in einem Haushalt wohnen als alleinerziehend bezeichnen, da der Partner häufig in Sachen Erziehung nicht mitentscheidet und somit keine direkte Verantwortung gegenüber dem Kind hat (vgl. BMFSFJ 2011 S. 7).

Schneider et al. (2001) nennen ähnliche Problematiken bei der Begriffsbestim- mung: „Viele sind durchaus nicht alleinerziehend, da der andere leibliche Elternteil Erziehungs- und Betreuungstätigkeit in nennenswertem Umfang mit übernimmt o- der neue PartnerInnen die Rolle eines nichtehelichen Stiefelternteils ausfüllen“ (S. 25).

Der im Alltag ebenso oft benutzte Begriff „Ein-Eltern-Familie“ vermag gleicherma- ßen nicht als sprachlich korrekt erachtet werden. Lediglich 61 Prozent der Alleinerziehenden sind tatsächlich allein. 31 Prozent befinden sich eher in einer „ZweiEltern-Situation“, d.h. entweder der andere leibliche Elternteil oder ein neuer Partner sorgt mit für das Kind. In wenigen Fällen (18 Prozent) kommt es sogar zu einer „Drei-Eltern-Situation“ (vgl. Schneider et al. 2001, S. 26).

Eine weitere Problematik stellt die Tatsache dar, dass „Ein-Eltern-Familien nur in den seltensten Fällen dauerhafte Lebensformen [darstellen]. In der Regel werden sie irgendwann durch eine (neue) Partnerschaft abgelöst“ (Peuckert 2012, S. 345). Aus Sicht der Betroffenen wird alleinerziehend zu sein, vorwiegend als eine Le- bensphase angesehen und weniger als eine freiwillig gewählte Familienform (vgl. BMFSFJ 2011 S. 7).

In der vorliegenden Arbeit werden vorrangig die Begriffe „Alleinerziehende“ und „Ein-Eltern-Familie“ benutzt, da diese sowohl im Alltag als auch in der Fachliteratur am häufigsten zu finden sind.

2.2 Verbreitung und historischer Wandel der Familienform

Im Jahr 2014 gab es in Deutschland insgesamt 2,7 Millionen Menschen, welche nach der Definition des statistischen Bundesamtes alleinerziehend sind. Davon lebten ca. 1,6 Millionen mit minderjährigen Kindern in einem gemeinsamen Haushalt. Darunter wiederum befanden sich rund 1,5 Millionen Mütter und lediglich 180.000 Väter. Zehn Jahre zuvor lagen die Werte noch vier bis acht Prozent tiefer. Im Jahre 2004 gab es ca. 210.000 weniger Alleinerziehende und ca. 66.000 weniger mit minderjährigen Kindern. Der Anteil der Väter hat sich vergleichsweise kaum verändert (vgl. Destatis 2016a, S. 44 + 47).

Die „tatsächliche Zahl der Mütter und Väter jedoch, die innerhalb ihres Lebens mindestens einmal alleinerziehend sind, ist indes deutlich höher, denn erfasst wird lediglich die aktuelle Familiensituation“ (BMFSFJ 2011, S. 2).

Gerade in großen Städten finden sich viele Alleinerziehende, während in ländli- chen Regionen eher die traditionelle Familienform vorzufinden ist. Dieses Phäno- men ist besonders in den neuen Bundesländern zu beobachten. 31,8 Prozent der Alleinerziehenden leben hier in Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern. Insge- samt liegt in Deutschland der Anteil der Alleinerziehenden bei 18,9 Prozent (vgl. Destatis 2015b, S. 84).

Ebenso signifikant für diese Familienform ist die Anzahl der im Haushalt lebenden minderjährigen Kinder. Von den 1,6 Millionen Alleinerziehenden betreuen rund 1,1 Millionen nur ein Kind. Lediglich 0,5 Millionen betreuen mehr als ein Kind. Im Ver- gleich dazu leben von den 5,6 Millionen Ehepaaren 2,6 Millionen mit nur einem Kind und ca. 3 Millionen mit mehr als einem Kind zusammen (vgl. Destatis 2014a).

Weitere Differenzen beim Alter der Frauen und der Kinder sowie den Grund des Alleinerziehens, zu erkennen. Der Großteil der Mütter ist zwischen 35 und 55 Jah- ren alt (58,6 Prozent). Eine eher kleine Gruppe stellen die unter 35-jährigen (20,1 Prozent) und die 55-jährigen oder älter (21,3 Prozent) dar (vgl. Destatis 2015). Beim Alter der Kinder ist dagegen eine andere Tendenz zu erkennen: Alleinerzie- hende Mütter betreuen besonders jüngere Kinder. 32 Prozent leben mit Kindern im Krippenalter zusammen. Der Anteil an Müttern mit Kindern zwischen sechs und neun Jahren liegt bei 21 Prozent, der zwischen zehn und 14 Jahren bei 28 Prozent. Lediglich 19 Prozent betreuen Kinder, die 15 Jahre oder älter sind (vgl. Destatis 2016a, S. 47). Warum Frauen alleinerziehend sind, hat unterschiedliche Gründe: Der Großteil (53 Prozent) der Frauen wird aufgrund einer Trennung oder Schei- dung alleinerziehend. 43 Prozent der alleinerziehenden Mütter haben sich jedoch bewusst für diese Lebensform entschieden. Der letzte und auch seltenste Grund ist der Tod des Partners. Diese Gruppe stellt jedoch nur 4 Prozent dar (vgl. Destatis 2016a, S. 47).

2.3 Wirtschaftliche Lage

2011 wurden in Deutschland 280.000 arbeitslose Alleinerziehende, die Transferleistungen beziehen, gezählt, wovon 92 Prozent Frauen waren (vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) 2013, S. 33). Eine Studie von Schneider et al. (2001) kam zu dem Ergebnis, dass aber „[a]uch Alleinerziehende, die über ein eigenes, von staatlichen Transferleistungen unabhängiges Einkommen verfügen, ihre finanzielle Situation eingeschränkt [sehen]“ (S. 205).

Das durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen von Alleinerziehenden lag im Jahr 2013 bei 2183 Euro. Die privaten Konsumausgaben, welche unter anderem auch Kosten für Nahrung, Kleidung, Wohnung, aber auch Freizeit, Bildung und Verkehr beinhalten, beliefen sich auf 1910 Euro. Im Gegensatz dazu lag das Haus- haltsnettoeinkommen bei Paaren mit Kindern bei 4618 Euro und die privaten Kon- sumausgaben bei 3426 Euro. Bei Ein-Eltern-Familien bleibt folglich deutlich weni- ger Geld am Ende des Monats übrig, um für größere Anschaffungen sparen zu können (vgl. Destatis 2013c).

Betrachtet man die privaten Konsumausgaben näher, fallen prozentual gesehen in den Ausgaben für die diversen Kategorien Unterschiede zwischen den verschie- denen Familienformen auf. Während Alleinerziehende verglichen mit den Paaren mit Kindern 5,8 Prozent mehr Geld für Wohnung und 1,2 Prozent mehr für Nahrung ausgeben, investieren sie 4,3 Prozent weniger für Verkehr und 1,2 Prozent weni- ger für Gaststättenleistungen (vgl. Destatis 2013c). Dieser Unterschied ist auch in der Ausstattung von sogenannten Luxusgütern wie z.B. Spülmaschine, Flachbild- fernseher oder Auto zu erkennen. „Im Vergleich zu den Paaren mit Kindern sind Alleinerziehende fast ausnahmslos schlechter ausgerüstet und das zum Teil deut- lich“ (Destatis 2013a). Differenzen im Ausstattungsgrad sind besonders bei dem Vorhandensein eines eigenen Autos zu beobachten (vgl. BMAS 2013a, S. 39).

Weitergehend ist auch die Wohnsituation abhängig von der wirtschaftlichen Lage Alleinerziehender. Im Vergleich zu Paaren mit Kindern geben sie deutlich mehr Geld für Wohnen, Wohnungsinstandhaltung und Energie aus (37,4 Prozent bzw. 31,6 Prozent), auch wenn alleinerziehende Mütter oft ein geringes Einkommen aufweisen (vgl. Destatis 2013c).

Gerade nach der Trennung vom Partner stellt die Wohnsituation ein Problem dar. Es muss möglichst schnell eine neue und auch finanzierbare Wohnung gefunden werden. Personen mit geringem Einkommen haben es jedoch auf dem Immobili- enmarkt schwerer als finanziell privilegierte Personen. Vorurteile gegen Alleiner- ziehende erschweren die Suche zusätzlich, sodass die Mütter, soweit die Woh- nung günstig ist, Abstriche bei der Lage oder Größe der Wohnung machen (vgl. MFAGS NRW 1993, S. 103 f.).

Da Mietwohnungen in sozialen Wohnungsbau oder in städtischen Randgebieten besonders billig sind, ist dort eine hohe Dichte an Ein-Eltern-Familien anzutreffen. Oftmals sind diese Wohnungen jedoch zu klein, sodass manche Räume multifunk- tional genutzt werden müssen. So wird z.B. der Wohnraum auch als Schlafraum für die Mutter genutzt oder das elterliche Schlafzimmer wird, solange es das Alter des Kindes zulässt, zusätzlich als Schlafraum für das Kind genutzt. Diese Situation ist bei 44 Prozent der Ein-Eltern-Familien wieder zu finden (vgl. Andreß 2001, S. 13 zit. nach Niepel 1994, S.74 f.).

Ein weiterer Aspekt der zur wirtschaftlichen Lage Alleinerziehender beiträgt, ist die Erwerbslosigkeit. Einige Mütter sind berechtigt, staatliche Hilfe zu beantragen um den Lebensunterhalt für die Familie sicherstellen zu können, denn hilfebedürftig ist nach § 9 des zweiten Sozialgesetzbuches (SGB II), wer seinen Lebensunterhalt nicht oder nicht ausreichend aus dem zu berücksichtigenden Einkommen oder Vermögen sichern kann und die erforderliche Hilfe nicht von anderen, insbeson- dere von Angehörigen oder von Trägern anderer Sozialleistungen, erhält.

Grundsicherung für Arbeitssuchende (ALG II) beziehen ca. 40 Prozent aller Allein- erziehenden. Von diesen sind jedoch wiederum nur ca. 40 Prozent nicht erwerbs- tätig, d.h. 60 Prozent beziehen nur deshalb ergänzende SGB II Leistungen, da ihr monatliches Einkommen nicht ausreichend ist oder sie in der Schule, Ausbildung oder Studium verweilen (vgl. BMAS 2013a, S. 7 + 34 f.). Gerade die jüngere Ge- neration der alleinerziehenden Mütter ist vielmals in Bezug von Transferleistungen. Der Anteil der ALG II Leistungsberechtigten liegt mit 70 Prozent bei den unter 25- jährigen am höchsten. Bei den 25 bis 35-jährigen sind es nur noch 65 Prozent. Ursächlich dafür ist die aufgrund des jungen Alters fehlende Zeit für Investitionen in die berufliche Zukunft (vgl. BMFSFJ 2009 S. 25). „Von den Alleinerziehenden ohne beruflichen Abschluss bzw. ohne Anlernausbildung beziehen 59,7 Prozent ALG II. Innerhalb der quantitativ mit Abstand am bedeutendsten Gruppe der Al- leinerziehenden mit Berufsfachausbildung beziehen dagegen nur 36,6 Prozent und unter den (Fach-)Hochschulabsolventinnen nur 21,2 Prozent ALG II“ (ebd., S. 26).

Jedoch stellt die fehlende berufliche Qualifikation nicht den einzigen Grund für eine Erwerbslosigkeit oder den Bezug von staatlichen Leistungen dar. „Für rund 96.000 Alleinerziehende im SBG II gilt Arbeit aktuell als >>nicht zumutbar<<, weil sie ein Kind von unter drei Jahren betreuen“ (BMAS 2013a, S. 7).

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Alleinerziehende sich oftmals in ei- ner prekären wirtschaftlichen Situation befinden. Dies hat Auswirkungen auf den Ausstattungsgrad in den Haushalten, besonders auf das Vorhandensein eines ei- genen Autos. Auch die Wohnsituation entspricht oft nicht den Wünschen und Be- dürfnissen der Familie.

Außerdem beziehen viele alleinerziehende, insbesondere jüngere Mütter Transferleistungen. Entweder aufgrund von unzureichenden Einkommen, Investitionen in die berufliche Qualifikation oder Erwerbslosigkeit.

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Details

Seiten
30
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668540750
ISBN (Buch)
9783668540767
Dateigröße
698 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v376597
Institution / Hochschule
Fachhochschule Dortmund
Note
1,3
Schlagworte
Alleinerziehende Mütter Erziehung Minderjährig Kinder Probleme Philip Mayring Betreuung Jugendhilfe

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Titel: Alleinerziehende Mütter von minderjährigen Kindern in Deutschland. Welche Probleme ergeben sich aus Sicht der Betroffenen?