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Die Kontraste zwischen den beiden Romanen "Als wir träumten" und "Herr Lehmann" von Meyer und Regeners

Ein Vergleich zweier Wenderomane

Hausarbeit 2016 11 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Wenderoman – eine Definition
2.1 Konsens und Diskussion im Feuilleton
2.2 Das ausschlaggebende Merkmal

3. Exkurs: Die beiden Autoren
3.1 Sven Regener
3.2 Clemens Meyer

4. Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Werke
4.1 Inhaltlicher Überblick über beide Werke
4.2 Perspektivische und narrative Darstellung
Zeit und Raum
Erzählperspektive
4.2 Merkmale eines Wenderomans

5. Schlusskapitel – Ein Fazit

6. Literaturverzeichnis
6.1 Literaturverzeichnis

Primärliteratur

Sekundärliteratur

1. Einleitung

In der vorliegenden, weiterführenden Ausarbeitung des Referates zum Thema „Wenderoman“ werden die Kontraste zwischen den beiden Romanen Als wir träumten des Leipziger Autoren Clemens Meyer und Sven Regeners Herr Lehmann, deren Handlungen in die historische Wende- bzw. Nachwendezeit fallen, untersucht. Auf Grund der großen Unterschiede, die beide Werke vorzuweisen haben, fiel die Wahl auf diese beiden Romane. Sie sollen speziell als Beispiele für den Vorwenderoman aus westdeutscher Perspektive und den Nachwenderoman aus ostdeutscher Sicht dienen. Dabei sollen vor allem die Kriterien herausgearbeitet werden, die eine Einordnung in die verschwommene Genrebezeichnung „Wenderoman“ zulässig machen oder eben jene, welche gegen eine genaue Zuteilung zu dieser Gattung sprechen. Hierfür werden die grundliegenden Unterschiede in der perspektivischen und narrativen Darstellung beider Romane dargestellt. Der Schwerpunkt dieser wissenschaftlichen Arbeit liegt hierbei darauf eine Schnittmenge von Übereinstimmungen im Kontext des Genres „Wenderoman“ herauszuarbeiten. Um diese Kriterien offenlegen zu können, beschäftigt sich der erste Teil dieser Arbeit mit der Frage, was einen „Wenderoman“ ausmacht und die Bedeutung jener Gattung für das deutsche Feuilleton in den letzten Jahrzehnten. In der Folge werden beide Werke und deren Verfasser vorgestellt. An diesem Punkt sollen vor allem die Unterschiede im Erzählstil und der historischen Perspektive aufgezeigt werden. Weiterführend werden im letzten Teil der Ausarbeitung die gemeinsamen Merkmale beider Romane, die für die Zuordnung zum Genre „Wenderoman“ sprechen, benannt. In der Schlussbetrachtung wird die vorangestellte Frage beantwortet, ob es sich bei den beiden Texten um Wendeliteratur handelt, und wenn ja, wieso.

2. Wenderoman – eine Definition

2.1 Konsens und Diskussion im Feuilleton

„Seit 1989 geistert das Phantom des Wenderomans durch die Feuilletons. Allenthalben ist die Rede davon. Hier wird einem Buch das Prädikat aufgedrückt, da wird es einem anderen abgesprochen. Doch niemand weiß, was damit gemeint sein soll.“[1]

Das oben abgedruckte Zitat des Schweizer Journalisten Roman Bucheli zeigt das Problem auf, in dem die Debatte feststeckt: Es gibt keinen klaren Konsens darüber, was Wendeliteratur ist und sein soll. Das Verlangen nach dem großen „Wenderoman“ als zeitgenössische Besonderheit kann dabei als „Wunschvorstellung, die (seit der deutschen Wiedervereinigung) in der Literaturkritik umhergeistert“[2] interpretiert werden. Bucheli führt seine Kritik an der deutschen Literaturszene wie folgt fort:

„Auf dem Weg der Wiedervereinigung ist dem Osten mit der Forderung nach einem Wenderoman gleichsam als Hausarbeit aufgetragen worden, die literarische Illustration zu dem politischen Geschehen von 1989/ 1990 zu schreiben. Der inhaltslose Begriff musste jedoch zwangsläufig alle Versuche, ihm gerecht zu werden, ins Leere laufen lassen.“[3]

Der Schriftsteller Michael Kumpfmüller bezeichnet die Wende als „den ganz großen Stoff“ und fragt:“ Wo bleibt der Roman zur Einheit?“[4] Gegen das Ansinnen nach einem Ären schaffenden Werk zur Einheit spricht sich jedoch die Schriftstellerin Brigitte Burmeister in ihrem 1994 veröffentlichten Artikel „Schriftsteller in gewendeten Verhältnissen“ aus. Laut Burmeister sei es schwer, die eigene Kritikbereitschaft durchzusetzen und sich gleichzeitig mit der starken Kritik von außen auseinanderzusetzen. Auch sei der Abstand zum historischen Geschehen noch nicht groß genug.[5]

2.2 Das ausschlaggebende Merkmal

Obgleich die im vorangegangenen Abschnitt aufgeführten Meinungen und Zitate nur einen kleinen Einblick in die Debatte um den „Wenderoman“ gewähren, so spiegeln sie doch recht gut die Unstimmigkeiten innerhalb der deutschsprachigen Literaturszene zu diesem Thema wider. Dennoch gibt es wohl doch einige Merkmale, die Literatur erfüllen muss, um überhaupt Objekt dieser Diskussion werden zu können.

Der Literaturwissenschaftler Thomas Grub sieht als Voraussetzung vor allem eine thematische Beziehung zur Wende. Auch soll der Text die Umstände in Deutschland vor und nach der Wiedervereinigung aus einer Nachwendezeitperspektive darstellen. Allerdings können auch Werke, die vor 1989 entstanden sind, als „Wendeliteratur“ betrachtet werden.[6] Eine klare Definition bleibt schwierig; jedoch ist festzustellen, dass der thematische Hintergrund ein klassifizierendes Merkmal ist. Als genreschaffende Indikatoren können also alle Umstände bezeichnet werden, die sich um das Ereignis „Wende“ drehen.

Auch der Begriff der „Ostalgie“ hat sich innerhalb der Debatte festgesetzt. Auch wenn viele Bürger der ehemaligen DDR mit dem politischen System ihres alten Staates abgeschlossen haben, fiel der Einstieg in die kapitalistische Welt schwer. Diese nostalgische Rückbesinnung drückt einigen Texten einen melancholischen Stempel auf. Und auch wenn die „Ostalgie“ kein bewusstes Merkmal von „Wendeliteratur“ ist, schwingt sie oft mit

3. Exkurs: Die beiden Autoren

Bei beiden Werken handelt es sich um literarische Debüts. Beim Abgleich der Lebenswege, lassen sich unschwer autobiographische Einflüsse in beiden Romanen erkennen.

3.1 Sven Regener

Es ist wahrscheinlich mehr als eine Vermutung, wenn man behauptet das Regeners Trilogie über den Ausbruch des jungen Frank Lehmann aus der verschlafenen Bremer Vorstadt Neue Vahr auf die Insel West-Berlin nicht auch autobiographische Einflüsse beinhaltet. Ein Blick auf seinen Lebenslauf legt dies zumindest nahe. Sven Regener wurde 1961 in Bremen geboren. Ähnlich wie seine Romanfigur leistete der Frontmann der Independent-Band Element of Crime 1980 einen 180 Tage dauernden Wehrdienst bei der Bundeswehr ab, ehe seine Kriegsdienstverweigerung anerkannt wurde. Über einen Umweg nach Hamburg gelangte Regener 1982 nach West-Berlin, wo er sein Studium der Musikwissenschaften abbrach. Von da an lebte der Autor vor allem als Musiker. Im Jahr 2001 erschien der erste Teil der Lehmann-Reihe Herr Lehmann. 2004 folgte Neue Vahr Süd und 2008 Der kleine Bruder.[7]

3.2 Clemens Meyer

Clemens Meyer sorgte nicht nur durch seinen Debütroman für Furore in der deutschen Literaturlandschaft. Auch sein Auftreten und seine von Brüchen gezeichnete Biographie erweckten die Aufmerksamkeit der Kritiker. Meyer wurde 1977 in Halle/Saale geboren und wuchs im Ostteil von Leipzig auf.[8] Seine Jugend in der Nachwendezeit war geprägt von Alkohol, Drogen, Gewalt, Tätowierungen, Raves und Gefängnisaufenthalten.[9] Diese Episode in seinem Leben inspirierte Meyer jedoch augenscheinlich zu seinem Erstlingswerk Als wir träumten, das 2006 auf den Markt kam. Sein Studium am Leipziger Literaturinstitut finanzierte sich der Autor durch Gelegenheitsjobs und den Bezug von Sozialleistungen.[10] Seit seinem Durchbruch 2006 lebt Meyer weiter in Leipzig.[11]

4. Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Werke

4.1 Inhaltlicher Überblick über beide Werke

„Herr Lehmann“

Der 29-Jährige Frank Lehmann, der 1980 in West-Berlin, genauer gesagt in Kreuzberg, gestrandet ist, lebt in den Tag hinein. Abends arbeitet er in der Kneipe „Einfall“ seines Bekannten Erwin. Da bald sein 30.Geburtstag ansteht, wird er von seinen Freunden scherzhaft Herr Lehmann gerufen. Allerdings gerät Herr Lehmanns ruhiges und anspruchsloses Leben ganz schön ins Strudeln, als er sich in die hübsche Köchin Katrin verliebt. Und auch Herr Lehmanns bester Freund Karl macht ihm das Leben schwer, indem er in eine Midlifecrisis verfällt. Zu allem Überfluss steht auch noch ein Besuch der Eltern aus Bremen an. Die politischen Geschehnisse des Herbstes 1989 bekommt der gestresste Protagonist bei dem Chaos in seinem Umfeld und Privatleben natürlich nur am Rande mit.

[...]


[1] Bucheli, Roman: Wende ohne Ende? In: Neue Zürcher Zeitung, 10.Dezember.2005

[2] Ledanff, Susanne: Die Suche nach dem „Wenderoman“ – zu einigen Aspekten der literarischen Reaktionen auf Mauerfall und deutsche Einheit in den Jahren 1995 und 1996. http://www2.dickinson.edu/glossen/heft2/wende.html (Stand: 07.11.2016)

[3] Bucheli, Roman: Wende ohne Ende? In: Neue Zürcher Zeitung, 10.Dezember.2005

[4] Kumpfmüller, Michael: Der ganz große Stoff. Wo bleibt der Roman zur Einheit? In: Süddeutsche Zeitung 30.September.2000

[5] Burmeister, Brigitte: Schriftsteller in gewendeten Verhältnissen, in: Sinn und Form 46, 1994, S.648-654

[6] Vgl. Grub, Thomas: Wende und Einheit im Spiegel der deutschsprachigen Literatur, Band I: Untersuchungen. Berlin, New York 2003. S. 72-81

[7] Alle biographischen Angaben zu Regener entstammen: http://www.literaturport.de/Sven.Regener/

[8] Meyer, Clemens: Erinnerungen an das große Verschwinden, in: Cicero, 9. Februar 2015

[9] Bartels, Gerrit: „Ich sehe mich als Individualisten“, in taz, 21.Juni 2006

[10] Löhr, Julia: Ein Arbeiter im Literaturbetrieb. In: FAZ, 10. Mai 2010

[11] http://www.literaturport.de/Clemens.Meyer/

Details

Seiten
11
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668523517
ISBN (Buch)
9783668523524
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v375950
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2,3
Schlagworte
Herr Lehmann Sven Regener Berlin in der Literatur Wenderoman Mauerfall Westberlin in der Literatur Clemens Meyer Als wir träumten Kreuzberg Literaturgattungen Neuere Deutsche Literatur

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